W. 5 S Übr, |g« Orchester, Mr. 242 Mittwoch den 23. Juni 1®86 scheint äLK§4ch rr^L A^?»ch?r» W. ArriS vir^kljährlich 2 Mark 26 Pf. rntt Durch bre Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark H Mf Felchner änkfurt a. M„ 1 Ernst Hungar reins und des Chesters. . AV er • , 1,50 ■ . i- in der Musikalien- |S 5 Uhr. i Zig tat WM- A. Mn Bedrag tot I. Äfc ^4^ —** Politische Ueberficht. Gießen, 22. Juni. Der Reichskanzler Fürst Bismarck gedenkt sich, wie uns bestimmt verstchert wird, Ende dieses Monats zu einer mehrwöchentlichen Brunnen- Kur nach Kisstngen zu begeben. Demnach wäre die Theitnahme des Kanzlers an den bevorstehenden Schlußverhandlungen des Reichstages nicht zu erwarten. Seit vorigen Samstag ruhen die irdischen Ueberreste König Ludwigs II. in der Fürstengruft der Münchener St. Michaels-Hoskirche und der erste Act des bayerischen Dramas hat hiermit seinen Abschluß gesunden. Die Beisetzungs'Feierlichkeiten gestalteten sich zu einem ebenso großartigen wie tief ergreifenden Acte, namentlich durch die ungeheuere Theilnahme der Bevölkerung, die es sich nicht nehmen lassen wollte, dem verblichenen Herrscher die letzte Ehre zu erweisen. Wenn man außerdem erwägt, daß sich an dem Trauerzuge die Generalität und die Stabsosficiere, die Minister und überhaupt die gesummten höheren Staats- und Ministerial-Beamten, der Münchener Klerus und die Münchener Schulen und Bruderschaften, alle Hosbeamten und die gesummte Hofdienerschast, die Hoschargen, Kammerherren u. s. w., die Mitglieder des Landtages und der bayerischen standesherrlichen fürstlichen und gräflichen Familien, weiter die Beamten der in München domicilirenden Verkehrsanstalten, tkr Gerichte u. s. w., außerdem zahlreiche Krieger- und sonstige Vereine, Deputationen u. f. w. beteiligten, so erhellt schon hieraus die Größe des Trauergeleites. Wohl sämmtliche regierenden deutschen und europäischen Fürstenhäuser hatten ihre Vertreter geschickt, unter ihnen Kronprinz Friedrich Wilhelm als Vertreter der deutschen Kaiserfamelie; außerdem waren verschiedene regierende Fürstlichkeiten persönlich anwesend, wie die Großherzöge von Baden und Hessen. Bezüglich der weiteren Einzelheiten der Trauerseier müssen wir indessen auf die Specialberichte aus München verweisen, deren Wiedergabe an dieser Stelle mv möglich ist. Nachdem nunmehr der unglückliche Bayernkönig seine letzte Ruhestätte gefunden, dürfte wohl die allgemein menschliche Theilnahme, welche man der Kette von Ereignissen von den Vorgängen in Hohenschwangau an bis zu der furchtbaren Schluß-Katastrophe im Starnberger See entgegengebracht, dem Interesse an der politischen Weiterentwickelung des düsteren über Bayern hereingebrochenen Dramas Platz machen. In erster Linie richtet sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Verhandlungen des bayerischen Landtages über die Regentschafts- Frage und da die Commission des Reichsrathes am Freitag ihre Arbeiten beendigt und am Montag eine öffentliche Plenarsitzung der Reichsrathskammer stattgesunden hat, so wird man nun wohl Näheres über das vorläufige Resultat dieser Berathungen erfahren. Inwieweit der Oeffentlichkeit Einblick in die ferneren Verhandlungen der Reichsrathskammer und der Abgeordnetenkammer gestattet werden wird, muß indessen abgewartet werden. Wenn so manche Einzelheiten der jüngsten tragischen Ereignisse, dann aber auch verschiedene Vorgänge in Bayern aus den letzten Jahren der öffentlichen Meinung zunächst in Bayern selbst nicht vorenthalten werden dürfen, so gilt es doch auch anderseits zu berück- sichti ien, daß sich schon aus Gründen der Pietät gegen den verblichenen Herrscher die Preisgabe gewisser Details an die Oeffentlichkeit verbietet und darf man wohl erwarten, daß die Kammern hierbei mit dem nöthigen Tact vorgehen werden. Was die vielventilirte Frage anbelangt, ob die gegenwärtige Krisis in Bayern die Ersetzung des liberalen Ministeriums Lutz durch ein klerikales Cabinet, also einen vollständigen Regierungswechsel zur Folge haben werde, so erscheint in dieser Beziehung noch die größte Zurückhaltung geboten. Doch herrscht in unterrichteten Kreisen die Ueberzeugung vor, daß der Prinz-Regent Luitpold die Demission des Cabinets, selbst wenn diese nur formell angeboten werden sollte, nicht annehmen würde. Die parlamentarische Psingstpause ist an diesem Dienstag zu Ende gegangen, da an demselben zunächst das preußische Abgeordnetenhaus seine Verhandlungen wieder ausgenommen hat und ihm wird in den letzten Tagen der Woche das Herrenhaus folgen. In beiden Häusern ist indessen das Arbeitspensum nur noch ein geringes und darf man dem baldigen definitiven Schluß der Sesfion des preußischen Landtages demnächst entgegensehen. Eigenthümlich steht es dagegen mit den geschäftlichen Dispositionen für den am 25. d. Mts. wieder zusammentretenden Reichstag. So viel hierüber verlautet und durch osficiöse Andeutungen anscheinend auch bestätigt wird, erwartet denselben noch ein ziemlich reichhaltiges Arbeitsprogramm. Es heißt, die Regie- rung sei entschlossen, auf die Specialberathung der in der Commission gescheiterten Branntweinsteuer-Vorlage im Reichstagsplenum nicht zu verzichten und dem Parlamente auch das dem Bundesrathe bereits zugegangene Militär-Relic- tengesetz noch vorzulegen, außerdem würden aber noch eine Reihe Vorlagen mehr oder weniger untergeordneter Bedeutung zu erledigen sein. Sollte die Regierung wirklich an diesen Dispositionen sesthalten, so würde dies die Verlängerung der gegenwärtigen, bereits am 19. November vorigen Jahres begonnenen Reichstags- session bis tief in den Sommer hinein bedeuten; ob aber derartigen Anforde- rungen gegenüber die anerkannte Arbeitssreudigkeit der Reichsboten noch Stand halten wird, ist billig zu bestreiten. * , , . _ Zum kirchlichen Friedenswerke liegt eine bedeutsame Kundgebung des Kölner Erzbischofs Dr. Krementz vor. Derselbe brachte in voriger Woche aus einem Diner, das ihm zu Ehren die Stadt Aachen gab, einen Toast aus die beiden souveränen Gewalten in Staat und Kirche aus , wobei er auf den zu erwartenden vollständigen Friedensschluß hindeutete und an den Besuch des deutschen Kronprinzen inRom erinnerte. „Der heilige Vater", schloß der Erzbischof, „habe standhaft die Zeit erwartet, wo sein Vertrauen auf die Weisheit, die Gerechtigkeit und das Wohlwollen unseres Kaisers von Erfolg gekrönt werden sollte." Das österreichische Abgeordnetenhaus beschäftigt sich seit seinem Wiederznsammentritt nach Pfingsten mit dem neuen Zolltarif. Während die meisten Positionen desselben unerwartet rasch erledigt wurden, ist es über den vielgenannten Petroleumzoll am vorigen Donnerstag und Freitag zu eingehenden Verhandlungen gekommen. Bekanntlich drohte in Folge der ursprünglichen Un- tevstirtzung des liberalerseits gestellten Antrages auf beträchtliche Erhöhung Des Petroleumzolls durch den Polenclub der „eiserne Ring" der Reichsraths- Mehrheit gesprengt zu werden, schließlich bekehrten sich aber die Polen wieder ouq ihren OpposttionSgelüsten und gaben sich mit einer kleineren Erhöhung Des PeLroleumzolls gegen Ungarn zufrieden. Man darf daher auch annehmen, daß die-Berathungen über den Petroleumzoll im Allgemeinen im Sinne Der Regie» rung verlaufen sind. Eine Zwischen-Episode in den Petroleumzoll-Debatten! bildete am Freitag die Interpellation des liberalen Abg. Menger über die antideutschen Excesse in Laibach. Die Antwort, welche Ministerpräsident Graf Taaffe ertheilte, ließ deutlich das Bestreben erkennen, die empörenden Vorgänge bei der Anastasius-Grün-Feier in Laibach in harmlosem Lichte darzustellen und die schmachvolle Haltung des slovenischen Gemeinderathes zu entschuldigen und bedauerlich muß es genannt werden, daß die Rechte schließlich über die Angelegenheit zur Tagesordnung überging, ohne daß es Seitens der Regierung für nöthig befunden worden wäre, durch eine entsprechende Erklärung dem in Laibach beschimpften Nationalgesühl der Deutschen Oesterreichs Genugthuung zu geben. Die Situation in den belgischen Kohlendistricten, soweit dieselben an den jüngsten Arbeitseinstellungen beteiligt sind, scheint sich wieder zum Besseren wenden zu wellen. In Quaregnon und Flenu haben am Freitag 600 Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen und wird hoffentlich das Gros der noch Strikenden diesem Beispiel bald folgen. Die Hebriden-Frage zwischen Frankreich und England scheint sich in befriedigendster Weise lösen zu wollen. Dem englischen Botschafter in Paris, Lord Lyons, ist Seitens des Ministerpräsidenten Freycinet die osficielle Mitthetlung gemacht worden, der Gouverneur von Neu-Caledonien habe Befehl erhalten, die französische Flagge aus den Neuen Hebriden sofort entfernen zu lassen, falls dieselbe wirklich aufgehißt worden fein sollte. Immerhin bedürfen die Zwischenfälle auf den Neuen Hebriden noch der näheren Aufklärung. Deutschland. Darmstadt, 18. Juni. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 17) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Civildiener-Wittwenkaffe-Commission, die Ergebnisse der Verwaltung der Civildiener-Wittwenkasse von den Etatsjahren 1883/84 und 1884/85. 2. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1886/87 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Mainz. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim in der Zeit vom 1. April 1886 bis dahin 1887. 4. Namensveränderungen. 5. (Son currenter Öffnungen: Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenstadt mit einem Gehalt von 900 mit der Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden. Eine (die 1.) Lehrerstelle an Der evang. Schule zu Habitzheim mit einem Gehalt von 1000 mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim - Rosenberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Walldorf mit einem Gehalt von 900 etr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1400 «A Dem kath. Pfarrer und dem Orisoorstano zu Urberach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Groß-Zimmern mit einem nach >em Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1500 X Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heubach mit einem Gehalt von 900 .X; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Zwei mit kath. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Kostheim mit einem nach Dem Dienstalter der betr. Lehrer zu bemessenden Gehalt von 1000 bis 1300, bezw. 1600 «X Aus -em Großherzogthrrm Hessen. Die Abgeordneten der zweiten Kammer: Lantz, Vogt, Osann, Kredel, Jöckel, Hans, Friedrich, Mohn, Stephan, Arnold, Hanstein, Römer, Weith haben unterm 27. v. M. folgenden Antrag eingebracht * Die Realschulen unseres Landes haben sich aus kleinen Anfängen im Laufe der letzten Jahrzehnte überaus günstig entwickelt und zwar sowohl bezüglich des Lehrstoffes als auch bezüglich der Schülerzahl, welche sich gegenwärtig auf 3-4000 erhoben hat, ein durchschlagender Beweis für das Bedürfniß und die Lebensfähigkeit dieser Lehranstalten. Diese günstige Entwickelung ist, neben der Opferwilligkeit der Realschul- städte, wesentlich auch der Großh. Negierung und den Ständen bezüglich der Zuwendurg von Staatsmitteln zu danken. Daß die Realschulen seither nicht, gleich den übriger höheren Schulen, vollständig aus Staatskosten übernommen wurden, läßt sich darars erklären, daß sie in der Zeil ihrer vereinzelt auftretenden Gründung den Beweis ds allgemeinen Bedürfnisses — die Erfüllung von Staatszwecken — noch nicht zu erbringen vermochten. Heute aber, wo Tausende von Schülern aus allen Gegenden des Landes de Realschulen bevölkern, ist dies anders geworden und die Notwendigkeit und Nüt- lichkeit derselben für Handwerk, Industrie, Landwirthschaft u. s. w. ist allgemein anerkannt, die Erfüllung von Staatsinteressen durch die Realschulen außer Zweiftl gestellt. Es dürfte sonach an der Zeit sein, der Frage näher zu treten, ob nicht auch du Kosten für diese Schulen, gleichwie dies in Betreff der Kosten für die übrigen höherer Schulen (Hochschule in Gießen, technische Hochschule in Darmstadt, Gymnasien zc.; der Fall ist, auf den Staat zu übernehmen seien, etwa mit Ausnahme der Kosten für die Schulgebäude, zumal die Gemeinden in den letzten Jahren mit mannigfachen Aus: gaben belastet worden sind, die man früher nicht kannte. Hieran schließt sich naturgemäß die namentlich in neuerer Zeit angeregte uni bereits vielfach verhandelte Frage nach der Uebernahme der Kosten für die Volks: schulen auf den Staat. Die Wichtigkeit dieser Angelegenheit in finanzieller wie pädagogischer Hinsicht springt in die Augen. Ihre Lösung wird nur auf Grund, genauer Untersuchungen nach verschiedenen Richtungen möglich werden. Unleugbar drängt aber zu näherer Prüfung dieser Frage nicht blos die in vielen Gemeinden gerade mit Bezug auf die ihnen überwiesenen Schulkosten sehr empfindlich gewordene Eommunal- steuerlast, sondern auch die damit in Verbindung stehende Stellung der Lehrer den Gemeinden gegenüber. Unter Bezug auf das Vorgetragene sehen sich die Unterzeichneten zur Stellung des folgenden Antrags veranlaßt: Hohe Kammer wolle beschließen, es sei an Großherzogliche Staatsregierung das Ersuchen zu richten, die Frage der Uebernahme der Kosten aller öffentlichen (staatlichen) Schulen, etwa mit Ausnahme der Kosten für die Schulgebäude, auf die Staatskasse - abgesehen von bezüglichen Schulfonds und von prioatrechtlichen Verpflichtungen zur Bestreitung der Kosten für Schulen — einer genauen Untersuchung zu unterziehen und über das Ergebniß derselben der Kammer demnächst Mittheilung zu machen. Schweiz. Bern, 21. Juni. Der Nationalrath ging nicht aus den Antrag Joos, betreffend Anbahnung eines staatlichen Ankaufs der Eisenbahnen durch Entgegennahme von Verkaufs-Anerbietungen Seitens der Bahngefellfchaften, ein. Bundesrath Welti erklärte, ohne die Verstaatlichung im Princip zu bekämpfen, den vorgeschlagenen modus procedendi für zweckwidrig. England. London, 21. Juni. Das Unterhaus nahm in zweiter Lesung die Bill wegen Abänderung der Alkohol-Scala und der Weinzölle, in dritter Lesung die internationale Autoren-Rechtsbill an. London, 21. Juni. Unterhaus. Howard erklärt, der Oberst Lockart sei auf einer Erforschungsreise, nachdem er Gilgit und Chitral besucht, auf seinem Rückweg nach Indien durch das Land Hindukusch in Niederbadakschau angekommen. Das Gerücht von dessen Gefangennahme sei also unbegründet. Harcourt theilt mit, der Schluß des Parlaments werde am Freitag, die Auslösung am Samstag erfolgen. Bryce erklärt, er habe seinen jüngsten Mit- theilungen, betreffend die Neu-Hebriden, nichts hin.zuzusügen. England habe keinen Grund, sich über die Haltung der französischen Regierung in dieser Anne' legenheit zu beklagen. Beide Regierungen anerkennen das Abkommen von 1878 und 1883 für bindend. Die dritte Lesung der Finanz-Bill wird angenommen. Telegraphische Depesche«. Wolff'K Mrgr. «orrHpsrrdLNä ° Brrreaw. Berlin, 21. Juni. Der „Reichs-Anzeiger" meldet: Der Wirkliche Geheime Legationsrath Reichardt ist zum Director im Auswärtigen Amte ernannt worden. Berlin, 21. Juni. Das Künstlerfest im Ausstellungs-Park findet Freitag den 25. Juni statt. Posen, 21. Juni. In sämmtlichen katholischen Kirchen wurde gestern der Hirtenbrief Dinders verlesen, in der Franziskanerkirche in deutscher Sprache. In letzterer Kirche hielt Nachmittags der Erzbischof gelegentlich des Ablasses eine deutsche Ansprache, worin er hervorhob, daß er es für Pflicht erachte, zu seinen Diöcesanen in deren Muttersprache zu reden. — Dem „Posener Tageblatt" zufolge ging nunmehr dem Erzbischof das Pallium durch Vermittelung des Cardinalerzbischofs Ganglbauer in Wien zu. Ems, 21. Juni. Seine Majestät der Kaiser zog gestern den Oberpräsidenten v. Bardeleben, den Regierungspräsidenten v. Wurmb ustd den Badecommissar Kammerherrn v. Lepel-Gnitz zur Tafel. Heute früh hat Se. Majestät bei bestem Wohlsein die Trinkkur im Zimmer begonnen. Später nahm Allerhöchstderselbe die Vorträge des Wirk!. Geheimen Rathcs v. Wilmowski und des Wirkt. Geheimen Legationsraths v. Bülow entgegen. München, 21. Juni. Heute Vormittag fand in der Michaelskirche das erste Requiem für den verstorbenen König statt. Stiftsdekan v. Türk hielt die Leichenrede. Der Münchener Erzbischof celebrirte unter Assistenz dreier Bischöfe und des Domkapitels das Hochamt. Anwesend waren: Der Prinzregent, sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses, der Prinz Georg von Sachsen, alle Gesandte, Minister und Hofchargen, Generale, beide Landtagskammern, sowie die Spitzen der Staats- und Stadtbehörden, — Stiftsdekan Türk legte seiner Trauerrede in der Michaelskirche den Spruch zu Grund.': „Der Mensch, vom Weib geboren, lebt kurze Zeit und wird mit vielem Kummer gesättigt. Gleich der Blume sproßt er auf und welkt dahin. Er flieht wie ein Schatten und bleibt nie in seinem Stande." Der Redner hob die Hoffnungen hervor, zu welchen der junge König bei seinem Regierungsantritt berechtigte, wie sich dann der Geist des Königs allmählich durch gigantische Phantasiegebilde verdüsterte und dem Schattenhaften zuwendete. Türk betonte sodann die Initiative des Königs bei den denkwürdigsten Ereignissen der deutschen Geschichte, indem der König durch sein Vorgehen zu der Wiedervereinigung der getrennten deutschen Stämme zu einer nationalen Einheit und Größe mitgewirkt habe. Die Nation werde dies dem Könige stets gedenken. Der Kirche sei er ein wohlwollender Schirmherr gewesen. Niemals habe die Nachtseite des Lebens ein edleres Opfer gefordert. Die Rede schloß: „Der Hingeschiedene König wurde ein Opfer der düsteren Macht, deren Dasein wir nicht begreifen, der gegenüber wir demüthig die unerforschlichen Nathschlüsse Gottes anbeten müssen. Dieses Opfer verdient unser tiefstes Mitleid; lasset uns das Erbarmen des Allmächtigen für die Seele des geliebten Königs erflehen." Hirschberg, 21. Juni. In Fofie anhaltender wolkenbruchartiger Regengüsse sind der Zacken und der Bober ausgetreten. Warmbrunn, Herischdorf, Kunersdorf, die Sandoorstadt Hirschbergs, Straupnitz stehen theilweise unter Wasser. Beide Flüsse steigen noch. Der Bober flieg in zwei Stunden mehr als 1 Meter. — Die Ueberschwemmung des Bobers und des Zackens hat sehr große Dimensionen angenommen. Das Wasser steigt fortwährend. Die überschwemmten Ortschaften sind in größter Gefahr. Die Feuerwehren der ganzen Gegend sind allarmirt. Der Schaden ist enorm. Der Pegelstand des Bobers ist 3,5 Meter. Wien, 21. Juni. In Folge von starken Regengüssen, welche von Samstag Abend bis heute Vormittag andauerten und namentlich gestern Abend von heftigem Sturmwinde begleitet waren, sind der Wienfluß und die Bäche in der Nähe der Hauptstadt stark angeschwollen und stellenweise aus den Ufern getreten. Mehrere Ortschaften sind überschwemmt, Weinfluren und Feldfrüchte beschädigt, zwei Menschen in den Fluthen des Wienflusses umgekommen. Der Bahnkörper der Franz-Josef-Bahn, ist an einigen Stellen, wenn auch nicht erheblich, beschädigt. Auch aus Böhmen, Schlesien und Ungarn werden Wasserschäden gemelder. LokaieS. Gieße«, 22. Juni. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag -en 24. Juni 1886, Nachmittags 4 Uhr. 1. Ausloosung städtischer Schuldverschreibungen. 2. Den Hagelschlag vom 1. Juni l. I. betr. 3. Verwerthung von Gehölz betr. 4. Verpachtung der Kellerräume unter der neuen Stadtmädchenschule. 5. Feststellung der Baufluchtlinien im Teufelslustgärtchen. 6. Gesuch des Octroierhebers Wilhelm Ockel um Bauerlaubniß. 7. Desgleichen des Bäckermeisters Horn. 8. Gesuch des Johann Seibel um Erlaubniß zur Anlegung eines Luftschachtes. 9. Gesuch des Kaufmanns Ernst Müller um Erlaubniß zur Herstellung eines Wasserabflusses. 10. Gesuch wegen Ueberlassung der Turnhalle. Gießen, 21. Juni. sSchwurgericht.j Unter Ausschluß der Oeffentttchkeit fand heute die erste Schwurgerichtssitzung statt. Der 52 Jahre alte Friedrich Faulstich von Heldenbergen ist der Verbrechen nach § 176 resp. 173 desR.St.G.B. beschuldigt. Der Angeklagte, ein trauriges Bild menschlicher Verrohung und Herab- gekommenheit wird von den Geschworenen schuldig gesprochen und demgemäß von dem Gerichtshof in eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf dieselbe Zeit verurtheilt. Gießen, 22. Juni. Bei dem am Sonntag im Mannheimer Velocipedistenclub in Mannheim abgehaltenen Wettrennen beteiligte sich auch der hiesige, noch junge Radfahrverein, indem er zu zwei Nennen sein Mitglied W. Hamel anmeldete. Derselbe siegte bei dem Erstrennen und ging als Erster mit einem Vorsprung von ca. 8 Meter durch's Ziel. Infolge Protestes des Frankfurter Velocipedclubs, der solchen damit begründete, daß das Nad des Siegers nicht das vorgeschriebene Gewicht von 17 Kgr. habe, wurde Hamel an dem darauffolgenden Entscheidunasfahren ausgeschlossen. Da Hamel sich als „Junior" bei dem nächsten Rennen wieder betheiligen darf und der Verein bei Wahl seiner Maschinen vorsichtiger sein dürfte, so wird ihm hoffentlich der diesmal entgangene Preis von Rechts wegen zukommen. Gießen, 22. Juni. Die Vorbereitungen zum Schützenfest am 18. Juli beginnen immer greifbarere Gestalt anzunehmen und es zeigt sich auch hier wieder, daß die Wahl Gießens als Festplatz eine sehr glückliche zu nennen ist. Es geht dies daraus hervor, daß der Andrang von Schaubudenbesitzern ein überraschend großer, bis weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes hinaus reichender ist, ein Beweis, daß sich die Reflectanten von der Lage des Ortes und den Festanordnungen ein besonders gutes Geschäft versprechen. Die Erwartung dürfte nicht getäuscht werden, die Schießordnung entspricht vollständig der der großen Schützenfeste und auch sonst wird alles getan, um dem Feste einen der Bedeutung des Schützengaues Hessen und Nassau angemessenen Eharacter zu geben. Schützenhalle und Vorplatz bieten über 2000 Plätze, Raum ist also vorhanden. Zur Erinnerung an das Fest wird eine Medaille geprägt. Nachstehend lassen wir das ausführliche Festprogramm folgen: Samstag den 17. Juli, Abends 8 Uhr: Bankett in der Festhalle. Sonntag den 18. Juli, Morgens 6 Uhr: Weckruf mit Kanonendonner. 10 Uhr: Frühconcert im Standquartier (Restauration Stein, Seltersweg), sodann Abholen der fremden Schützen von den Bahnhöfen. Mittags 12 Uhr: Gemeinsamer Mittagstisch im Standquartier. 2 Uhr: Aufstellung des Festzuges nach der Zugordnung. Vr3 Uhr: Abmarsch durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Festplatz. Beginn des Preis-Schießens. 4 Uhr: Großes Concert, Tanz und Volksbelustigung. Montag den 19. Juli: 8—12 Uhr: Preis-Schießen. 10 Uhr: Früh-Concert auf dem Festplatz. Nachmittags 2—8 Uhr: Preis-Schießen. 4 Uhr: Großes Eoncert, Tanz und Volksbelustigung. Dienstag den 20. Juli: 8—12 und 2—4 Uhr: Dreis-Schießen. 10 Uhr: Früh-Concert auf dem Festplatz. Nachm. 4 Uhr: Schluß oes Preis-Schießens. Ueberreichung der 1. Preise und Festprämien. Großes Concert, Tanz und Volksbelustigung. 9 Uhr: Großes Brillant-Feuerwerk in 3 Abteilungen. — Die beiden Riesengeschütze, welche im Krupp'schen Etablissement zu Essen für das See-Arsenal in Pola ausgeführt wurden, sind Samstag Nachmittag in einem Sonderzuge hier angekommen, um über Gießen, Hanau, Aschaffenburg, Kufstein, Brenner, Villach, Laibach, Divacco nach Pola geführt zu werden. Jedes der beiden Geschütze wurde auf einen eigens zu dem Zweck erbauten Plateaumagen mit 8 Achsen geladen, dessen Länge 10,30 m und dessen Selbstgewicht 39,000 kg betrug bei einer Tragfähigkeit von 75 Tons. Den beiden Transportwagen waren noch fünf Schutz- und Packwagen beigegeben. Die Länge jedes dieser Riesengeschütze beträgt 10,40 m, der Durchmesser am Bodenstück 1,45, an der Mündung 0,60 m. Die Fracht für die ganze Strecke beträgt nach der „K. Ztg." das hübsche Sümmchen von annähernd 5800 Mark. WslkMifchteSo Butzbach, 19. Juni. Am 25. Juli werden die Vertreter der oberhessischen freiwilligen Feuerwehren in Butzbach tagen. Kameraden aus nah und fern tauschen ihre Erfahrungen zum Nutzen der Gesammtheit und zur Förderung des eigenen Wissens aus. Nach Schluß der Verhandlungen wird das hiesige Corps eine Hebung am neuerbauten Steigerthurm vornehmen. Zu dem gernüthlichen Beisammensein nach Erledigung der geschäftlichen Theile wird die Kapelle des 118. Infanterie - Regiments concertiren und dürfte sich, auch bei ungünstigem Wetter, der 25. Juli für alle Besucher unserer Stadt zu einem genußreichen Tage gestalten, da die Festhalle (Land- wirthschaftliche Halle) ihres großen Raumes wegen die Aufnahme eines zahlreichen Publikums gestattet. Frankfurt a.M., 21.Juni. Ein Student aus Bayern, der in einem hiesigen Hotel logirte und sich heute Morgen daselbst ohne Begleichung seiner Zeche entfernen wollte, wurde von einem Kellner eingeholt und nach der Wache des 2. Polizeireviers verbracht. Kaum hier angenommen, zog er einen Dolch, den er bei sich führte, hervor und erstach sich. Der Tod trat alsbald ein. Der Verlebte soll sich schon zuvor mit Selbstmordgedanken getragen, insbesondere in dem Hotel schon den Versuch gemacht haben, sich durch Oeffnuug der Pulsadern das Leben zu nehmen. Er soll auch die Absicht gehabt haben, sich durch einen Eisenbahnzug überfahren zu lassen. — Polizcicommissarius Meyer, welcher bekanntlich wegen der Vorgänge auf dem Friedhof zu Frankfurt a. M. bei Gelegenheit eines socialdemokratischen Leichenbegängnisses zu 3 Monaten Gefängniß verurteilt worden war, ist begnadigt und wird als Beamter wieder Verwendung finden. Derselbe befindet sich bereits wieder in Frankfurt a. M. — Wie die „A. Z." aus militärischen Kreisen hört, soll von nun an der bayrische Helm nicht mehr mit den Anfangsbuchstaben des Königlichen Namens, sondern mit dem bayrischen Wappen — wie solches bei dem Gensdarmeriehelm der Fall ist — versehen werden. Ob damit zugleich auch die, bekanntlich von England importirte, unschöne und vor Allem unpraktische Raupe durch eine andere zweckmäßigere Zierde ersetzt wird, ist eine offene Frage. — Bei den über Bayern hereingebrochenen unglücklichen Ereignissen sucht man unwillkürlich nach Parallelen in der Geschichte. Aehnliches hat sich in Baden zugetragen. Nach dem Tode des Großherzogs Leopold übernahm sein zweiter Sohn Friedrich zuerst die Regierung als Prinz-Regent an Stelle seines älteren Bruders Ludwig, der geisteskrank war. Bei seiner Vermählung (September 1865) nahm der Prinz-Regent mit Zustimmung der Agnaten die Würde eines Großherzogs an. Der nominelle Großherzsg Ludwig starb einige Monate später. Aus der englischen Geschichte ist die Geistesstörung bekannt, die den König Georg III. nicht lange nach seinem Regierungsantritt befiel, die sich aber erst seit 1788 in heftigeren und anhaltenderen Anfällen äußerte. Die Aerzte erklärten den König für zeitrveilig gestört und regierungsunfähig, seine Negierungsfähigkeit aber nicht für ausgeschlossen. Die Opposition im Parlament drang auf sofortige Einsetzung einer Regentschaft, die dem Prinzen ooit als Hr mW11’« S181L”"* Kl-idiS« ml ««St*“'» #!!«* ' 5: &« SS«'; SÄ» mid) »’S Tchaun s, lin i paar 3M J>« »M alt l« freutet, W. elfen, fonft*rl mus i Meres für ein paar mehr gibt, im - Apotheke, das o: - fVac Auf den Wärter Wl-Waldkapp Kassel, 20 W von je 50 Jä; monatlich 60 Lebenszeit, 480 Briefträger, auf > aeidzuschuß; ebe . Md 180 A W Kündigung.« 51 Landbriefträger, Wohnungsgeldz 800 L Gehalt aus vierwöchen Marburg, E-tal 1200 K gara Kündigung, 80 amt, Landbrief Weimar, Postc Gehalt und V %* da mächtige Wirk Königspaar be: Herzogin von 1 ein eifriger Ve von dein Könis em lebhaftes I schrieben." - nicht, die Welt' $1 Vers Das diesji Wiesen der > nächsten Sa.msta ersteigert w W denjenigen Mag« W u M Garten, ,5 Badenbur Hr aus der Z Wichck, a>n Bür —Sc <«58 Zeili &•«( Jm’iSSo* Tb,,,la,:SN A dchenschule. Dubnitz, nlcöung eines Lust: iur Herstellung '8 der OessenWeit MÄFliedrich "3desR.St.GN 2? l?b H-rab- unnTQJÜOnb^ un9 der bürgerlichen Velocipkdistenclub M-e, noch junge MmeLete. Derselbe rrg von cq. 8 Meter der solchen damit ewicht von 17 ßgr. ausgeschlossen. Ta tilgen darf und der > ihm hoffentlich der m 18. Juli beginnen Mer wieder, daß die 'S geht dies daraus d großer, bis weit ff, ein Beweis, daß ungen ein besonders werden, die Schieß- iud) sonst wird alles । Hessen und Nassau en über 2000 Plätze, uc Medaille geprägt, imslag den 17. Juli, li, Ätorgens 6 Uhr: lartier (Restauration on den Bahnhöfen. 2 Uhr: Aufstellung >it Hauptstraßen der : Großes boncert, r: Wrcfa&bitfrn. ■; Preis-Sch/eßen. n 20. Juli: 8-12 ^t\W. lloM it und WMM. rillant^euerwerk in iffement zu Essen für tackmittag in einem laffenburg, Kufstein, Jedes der beim wagen mit 8 Achsen betrug bei einer n noch fünf W itze 10,40 ®, i. Die Fracht für chen von annahcrnv >(r der oberhessiW h und fern tauschen dienen -W- ne Hebung anineu- M b (fr soll auch nufbein )tr Leicht Asr i»»»5 M jSÄ-**1 ^syä SM ■=Ä Ar* Aus noch nicht 1758. mna 4635 A. Bramm. 4633 Gerichtsvollzieher. -4601 4626 Wallthorstraße 10. 3242 G. Möfer^ ; 1800. 1824. 1864. f • <- m -^7-------- ™ vucger» zu einer heftigen Schlägerei, alb der Budenbesrtzer bte Hunde losließ, welche sich auf die Menge stürzten. Es entstanden schreckliche Scenen, bei denen zwölf Personen verwundet wurden. Zahlreiche Schutzleute stellten mit blanker Waffe schließlich die Ordnung wieder her. Mein in der Wetzsteingasse be* legenes Wohmlmiiüi mit Hofraum und gutem Brunnen ist unter günstigen Vedinguugen preis« werth zu verkaufen- bamneisters zur Einsicht offen. Gießen, den 19. Juni 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. _ . — k?uch eine Rur.] Man sollte kaum glauben, wie besorgt Mancher für seine Gesundheit ist. In einem Münchener Bierhause saßen ein paar gute ehrliche Philister bei ihren Bierkrügen. „Ja, schauen's, Herr Schulze, begann der eine, „ich bin Ihnen um nichts so neidig, als um Ihre Gesundheit." - „Jetzt lassen's mich aus mit meiner Gesundheit, Herr Müller," erwiderte ärgerlich der andere. „Wie können's mich um meine Gesundheit beneiden, an der ich das ganze Jahr herumkuriren muß! Schaun's, im Früjahr fang ich schon gleich mit dem Salvatorbier an, alle Tage ein paar Maaß, das dringt in's Blut. Nachher kommt das Bockbier, da brauch ich die Bockkur, alle Tage vier Seidel, aber nur in der Frühe. Darauf kommt der Brunn- freßsalat, das ist das Gesündeste für die Brust. Natürlich darf ich ihn nicht allein essen, sonst wäre er mir zu stark, ein Stück Nierenbratel und ein delicat Würstel muß ich jedesmal dazu haben. Nachher kommen die Rettige. Ich sage Ihnen, Besseres für einen schlechten Magen gibt's gar nicht als ein guter Nettig und ein paar Maaß Bier im nüchternen Magen. Na, und hernach, wenn's gar nichts solches mehr gibt, im Winter, da geh' ich halt fleißig in das Hofbräuhaus, da ist die beste Apotheke, das dürfen's glauben." sVacante Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 11. Armeccorps.1 Auf den Wärterposten der Strecken Cassel-Frankfurt, Friedberg-Hanau, Cölbe-Laasphe, Cassel-Waldkappel, Wabern-Wildungen, Eisenbahn-Betriebsamt (Main-Weser-Bahn) Cassel, 20 Bahnwärterdiätare auf vierwöchentliche Kündigung, monatliche Remuneration von je 50 ebendaselbst 20 Weichenstellerdiätare auf vierwöchentliche Kündigung, monatlich 60 AL Coburg, Postamt, Landbriefträger, erst auf Kündigung, später auf Lebenszeit, 480 AL Gehalt und 144 AL Wohnungsgeldzuschuß. Darmstadt, Postamt I., Briefträger, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 AL Gehalt und 180 AL Wohnungsgeldzuschuß; ebendaselbst Postschaffner, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 AL Gehalt und 180 AL Wohnungsgeldzuschuß. Diez (Lahn), Bürgermeisterei, Rathsschreiber, auf Kündigung. Anfangsgehalt 600 AL, steigt bis 1200 AL jährlich. Jena, Postamt, Landbriefträger, erst auf Kündigung, später auf Lebenszeit, 480 AL Gehalt und 108 AL Wohnungsgeldzuschuß. Mainz, Postamt, Postschaffner, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 AL Gehalt und 180 AL Wohnungsgeldzuschuß. Mainz, Postamt III, Postschaffner, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 AL Gehalt und 180 AL Wohnungsgeldzuschuß. Marburg, Stadtrath, Steuerinspector, auf Lebenszeit, 600 AL Fixum und Tantiemen, 1200 .AL garantirt. Offenbach (Main), Postamt, Briefträger, auf vierwöchentliche Kündigung, 800 AL Gehalt und 180 AL Wohnungsgeldzuschuß. Tann (Rhön), Postamt, Landbriefträger, auf Kündigung, 480 AL Gehalt und 60 Wohnungsgeldzuschuß. Weimar, Postamt, Landbriefträger, erst auf Kündigung, später auf Lebenszeit, 480 AL -Gehalt und 144 jL Wohnungsgeldzuschuß. Temperatur der Lahn. Am 22. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 12°, Luft 10° R. im Schatten. L. Chr. Rübsamen. Mittwoch den 23. Juni, Nachmittags 2 Uhr, -werden in meiner Amtsstube: Sopha's, Kommoden, Kleiderschränke, 1 Glatzschränke, Tische, Bilder, Uhren, ein vollständiges Bett. 1 Pferd u. n- m. gegen Baarzahlung versteigert. Geinter, Die Schöpfung. Oratorium von Joseph Haydn. II. %* Haydn übte bei seinem zweiten Aufenthalt in London eine geradezu mächtige Wirkung auf das Publikum aus und im Frühjahr 1795 sah auch das Königspaar den Musikhelden mehrmals. Das erste Mal geschah dies bei der jungen Herzogin von Pork, wo der Prinz von Wales ihn vorstellte. Georg III., sonst nur ein eifriger Verehrer Händels, zeigte an jenem Abend, wo unter Salomons Leitung von dem König!. Orchester ausschließlich nur Haydn'sche Werke interpretirt wurden, ein lebhaftes Interesse auch für diese. „Dr. Haydn," sagte er, „Sie haben Viel geschrieben." — „Ja, Sire, mehr als gut ist," erwiderte der Componist. — „Durchaus nicht, die Welt widerspricht dem." Der König stellte ihn darauf der Königin vor mit den Worten : er wisse, daß Haydn ein guter Sänger gewesen sei und möchte gern einige »«k ? von Ihm Horen. „Meine Stimme ist jetzt nur noch s o groß", sagte Haydn, der tenSefl^"eiUe5 f einen ^U1°erg deutend, und sang dann sein Lied: „Ich bin Die Coneerte waren im Jahre 1795 großartiger denn je. Haydn, Martin, Element! und die besten Sänger, sowie Spieler aus aller Herren Länder waren ver- treten, mit einem Worte ein glänzendes Coneertunternehmen, wie es Loudon noch nie gesthen hatte. Haydn eröffnete jedesmal den 2. Theil mit einer Symphonie und wurde von der Kritik stets ausgezeichnet. Um diese Zeit faßte der Meister auch die Idee, für England ein Werk derjenigen Gattung zu schreiben, die daselbst beliebt und volksthümlich war, nämlich ein Oratorium. ,, damit in englischer Sprache, ließ es aber wieder liegen, weil er sich derselben nicht mächtig genug fühlen mochte. Als Mozart und später Beethoven auch in London bekannt wurden, begann eine neue Dynastie; jetzt herrschte der Haydn ebenso unumschränkt, wie einst Händel. Er hatte diese Hemchaft aber auch durch eine große Anzahl von Werken befestigt, von denen die „Schöpfung", deren Text ihm von Salomon gegeben morden war, als Haupt- factor in dem Vordergrund stand. .Der aus Mozart's und Beethoven's Leben bekannte Baron van Swieten regte wohl die Idee in dem erhabenen Werke an. Er war Seeretär einer Adelsgesellschaft, deren Theilhaber den vollen Klang jener Namen zeigen, die den musikalifchen Adel Europas ausmachten. Es wurden seil Jahren in dem Bibliothekssaale der Kaiserlichen Burg zu Wien größere Gesangswerte aufgeführt, deren bevorzugter Liebling Händel war. Mozart hatte für diese Coneerte Aeis und Galathea, die Cäeilien-Ode, Alexanderfest und Messias bearbeitet. In Deutschland kannte man noch nichts Aehn- liches, da Bach für Wien noch nicht „entdeckt" war und Haydn's: „Rückkehr des Tobias", wie Mozart's „Davidde penitente“ in einem Styl geschrieben, den man schon in der Oper besaß, während das Requiem gewissermaßen einzig dastand. Dagegen war es die Zauberflöte, welche auf theatralischem Gebiet viel von sich reden machte. Warum konnte man nicht ähnliche rein deutsche Musik im Coneertsaal hören? Fand inan doch in diesem Werke ebenfalls ein Stück Schöpfung mit allerlei Wesen, . selbst dein Paradies in dem feierlich geprüften Liebespaar Pamina und Tamino wieder und wie viel mannigfacher erschienen die Lebensbilder in dem Schöpfungsgedichte Lidley's, welches Haydn besaß und Swieten gezeigt hatte. — a— Englischs Oel-Lackfarbe zum Selbst-Lackiren von Fußböden in bekannter vorzüglicher Qualität Alleinverkauf bei [3454 Fr. Seibel. Heugras- verfteigeruug. Das diesjährige Heugras von den 'Wiesen der Gemeinde Wies eck soll nächsten Samstag den 26. d. M. versteigert werden. Der Anfang ist zu denjenigen bei Wieseck des Vormittags 10 Uhr in dem Dorfeld'- schen Garten, und zu denjenigen bei der Badenburg des Nachmittags 5 Uhr aus der Badenburg. Wieseck, am 21. Juni 1886., Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Sommer lad. 4622 Die Heu und tarne Ws von 713 Klafter Wiese am Fürstenbrunnen hat zu verkaufen Eduard Sack II., Geschichts-Kalender. 23. Juni. Schlacht bei Crefeld. Herzog Ferdinand von Braunschweig schlägt die Franzosen. Charlotte Birch-Pfeiffer, Schauspielerin und Schriftstellerin, geboren. Carl Neinecke, Pianist und Componist, geboren. Oldenburg meldet Erbansprüche aut Schleswig-Holstein an. Bekanntmachung. Betreffend: Die Vergebung der Zinsen des Vermächtnisses des Christian Gerhard Hast für das Jahr 1886. Anmeldungen wegen Berücksichtigung bei Vergebung der oben bezeichneten Zinsen haben bis zum 30. L Mts. einschließlich auf dem Bürgermeisterei- Bureau zu geschehen. Gießen, den 21. Juni 1886. Großherzagliche Bürgermeisterei Gießen. Bekanntmachung. Der Plan über die von der Stadtverordneten - Versammlung festgesetzte und von Großherzoglichem Kreisamt Gießen genehmigte Baufluchtlinie über einen Theil des Hamm liegt 14 Tage lang auf dem Bureau des Stadt- Handel und Verkehr. Gießen, 22. Juni. Auf dem heutigen Martt kostete: Butter per Pfuvv AL 0.78—0 82, Hühnereier 2 Sick. 9—11 4, Enteneier St. 5—6 4/ Käse pr. St. 5—8 Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 20 2^, Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,70 H, Hühner per Stück Al 120-1.80, Hahnen pr. Stück AL 0.75-1.60, Enten per Stück al 1.50—1 90, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 52—56 Schweinefleisch 54—60 H, Hammelfleisch 50—66 H, Kalbfleisch 4C—48 X Kartoffeln per 100 Kilo AL 3.20—4.00, Milch ver Liter 12—18 <4, Zwiebeln per Centncr AL 10.00—0.00, Kirschen per Pfund 10—15 Frankfurt, 21. Juni. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer AL 17,50—17,75, fremder AL 17,50—19,25, Roggen eff. hies. AL 14,50—00.00, fremder AL 14,25-14,50, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer AL 13,00—14,00, fremde AL 00,00-00,00, Hafer eff. hies. AL 14,00—14,50, fremder AL 00,00-00,00. Frankfurt, 21. Juni. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- trieben waren 474 Ochsen, ca. 29 Bullen, ca. 406 Kühe und Rinder, ca. 258 Kälber« Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. AL 62—63, 2. Qual.. AL 50—56, Kühe und Rinder 1. Qual. aL 50—55, 2. Qual. AL 42—45 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 55—60 2. Qual. 45—50 H per 1 Pfund Schlachtgewicht. Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 21. Juni. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 485 Stück Rindvieh und 729 Stück Schweine. Der nächste Markt ist am Montag den 28. Juni d. I. Wales als Thronfolger übertragen werden sollte. Minister Pitt wußte indeß die Negentschafissrage hinauszuziehen, und als er endlich eine Bill eingebracht hatte, die .den Prinzen von Wales zum Regenten vorschlug, kam bald darauf die Kunde von der Genesung des Königs, so daß die Kammern (im März 1789) statt der Negentschaflsbill «ne Adresie annaymen, in welcher sie den König zu seiner Genesung beglückwünschten. "Erst 1811, nachdem bte Wahnsinnsanfälle öfter wiedergekehrt, wurde der König o fieiell für trrimmg erklärt. ö '3,n ^fipjig wurde ein Fortbildungsschüler vor einigen Tagen wegen Beleidigung seines Lehrers, welchem er auf der Straße mehrfach höhnische Worte nachgerufen, zu einer Gefängnißstrafe von 2 Monaten verurtheilt Das gerichtliche Urtheil soll zur Warnung in den Räumen der Fortbildungsschule öffentlich aus- gehangt werden. , 7 furchtbar- Scene gab es in Hamburg. In einer Bud-, in der auch mehrere Bluthunde sich befanden, probucirten sich einige Neger. ~ ' aufgeklärten Ursachen kam es zwischen Publikum und Negern z Jeit'geöotenes. von Blech mit Porzellanblütben, in schöner Auswahl u. billigem Preise bei 4619 Stoffero Neuen Däne 7. 4618 Ein leichtes 4 sitzigeS Brcak ist zu verkausen bei Chr. Befort in Wetzlar. Bekanntmachung. Der Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben unserer Gemeinde für das Etatsjahc 1886/87, nebst Beilagen und Verathunasprotokoll, liegt zur Einsicht aller Interessenten acht Tage lang aus dem Bureau des unterzeichneten J. Vorstehers offen. Gießen, den 23. Juni 1886. Der Vorstand der Lsraelit. Neltgeonsgemernde. 4629 M. Hornberger. 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Die Beerdigung findet Mittwoch früh 10 Uhr, vom Sterbehause, Ludwigsstraße 12, aus statt- 4636 Gestern Morgen 1 Uhr verschied nach kurzem Krankenlager an einem Herzschlag unser innigst geliebter Gatte und Vater Herr August Huber in seinem 41. Lebensjahre. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Ingenieur Ed. Hauck’s undurchdringliche, wetterfeste und wafferdichte AeostricHo-Farlie bietet Schutz von Holz, Metall, Stein u. Cement gegen die Einflüsse von Feuchtigkeit, schädlichen Niederschlägen, heißen Dämpfen, Säuren u. chemischen Agentien aus eine Neihe von Jahren. Die Farbe wird fertig zum Anstrich geliefert und ist nicht theurer als andere gute Oelfarbe. 4616 Prospekte und Zeugnisse von Firmen ersten Ranges gratis. Däpöt bei Setbet, Gtessen. itesMWWkstii pro 1886 ist in der Exped. d. Bl. für Mk 3 zu erhalten IBtogeo m. MA. Hotel zum deutschen Haus. Vollständig neu hergerichtet. Bei mässigen Preisen gute u. reelle Bedienung. — Reine Weine. 4019______________C. 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