Mr. M - Dienstag den 23. Februar L88S Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen. W ;V: I - PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brin Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark l Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bnreanr Schulstraße 7. Bekanntmachung. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Ortsvorstande zu Ullendorf a. d. Lda. die Erlaubnis ertheilt, in Verbindung mit denr im Frühjahr l. I. daselbst stattfindenden Markte eine Verlosung von Vieh und landwirthschaftlichen Gegenwänden zu veranstalten^ Es dürfen dabei höchstens 5000 Loose a 1 J. zur Ausgabe gelangen und müssen mindestens 70 pCt. des Bruttoerlöses aus den Loosen zum Ankäufe von Gewinnsten verwendet werden. Der Vertrieb der Loose ist im Großherzogthum gestattet. Gießen, am 19. Februar 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Voekmann. Hesterreich. Wien, 20. Februar. Der Fürst von Montenegro empfing gestern Machmittag längere Besuche von dem Minister des Aeußern, Grasen Kalnoky, und dem russischen Botschafter, Fürsten Lobanow-Rostowski. Heute Vormittag wird der Fürst von dem Kaiser in Privat-Audienz empfangen werden. — Der Kaiser empfing heute Vormittag den Fürsten von Montenegro und machte demselben Mittags einen Gegenbesuch. Araiikreich. Paris, 20. Februar. Die Regierung machte stch dahin schlüssig, daß vie Ausstellung im Jahre 1889 eine universelle sein soll, woran stch alle Nationen beteiligen können. — Der Großfürst Wladimir wird nächsten Montag nach Rußland Zurückkehren. — Fürst Gregor Upsilanti ist hier gestorben. England. Dublin, 20. Februar. Der neue Vicekönig von Irland, Gras Aber- . Seen, hielt heute hier seinen Einzug, wobei er von allen Volksklassen herzlich empfangen wurde. Auf College-Green entstand ein unbedeutender Exceß dadurch, doß anläßlich eines von Studenten ausgebrachten Hochs auf die Königin der Pöbel unter Hochrufen auf Parnell über die Studenten herfiel, welche sich mit Stöcken vertheidigten. Beiderseits sind einige leichte Verwundungen vorgekommen. PortSmouth, 20. Februar. Der Herzog von Edinburgh ist heute auf dem Transportschiff „Tamar" nach Malta abgereist, um den Oberbefehl über das Mittelmeer-Geschwader zu übernehmen. Rumänien. Bukarest, 20. Februar. Der „Agence Havas" zufolge tauchten in den Berathungen der Friedens - Conserenz neue Schwierigkeiten auf. Serbien weigert sich, das Anerbieten Madjid's und Geschow's, wonach es seine schriftlichen Vorschläge gleichzeitig mit den bulgarischen Vorschlägen vorlegen soll, anzunehmen. Mijatovic erhielt auf ein diesbezüglich gestern nach Belgrad gerichtetes Telegramm heute von Garaschanin die Mittheilung, daß die Antwort Serbiens auf jenen Antrag ihm im Laufe des Tages zugehen werde. Mija- toou verständigte hiervon Madjid und Geschow. Die Delegirten verschoben daraufhin die heutige osficielle Sitzung aus morgen. Geschow erhielt formelle Instructionen, sich zur Vorlegung schriftlicher Vorschläge nur dann bereit zu erklären, wenn Mijatovic g'eichzeitig die seinigen vorlege. Reichstag. E. R. Berlin, 20. Februar 1886. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Zusatzabkommen zum Weltpostver- irage von 1878; ferner zum Uebereinkommen vom 1. Juni 1878, betreffend den Austausch von Briefen mit Wcrthangabe, von Postanweisungen und Postpacketen. Die Vorlage wird ohne jede Debatte in 1. und 2. Lesung angenommen. Es folgt die zweite Bcrathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Herstellung eines Nord-Ostsee-Canals; der Entwurf wird nach den Beschlüssen der Commission angenommen. § 1, zu dem die Abgg. Graf Behr, Behm, o. Schalscha, Feustel, Dr. Papellier, Dr. Hänel, Brömel, Dirichlet, Dr. Hammacher und Staatssecretär v. Bötticher das Wort ergriffen, lautet nunmehr: „Es wird ein für die Benutzung durch die deutsche Kriegsflotte geeigneter Seeschifffahrtscanal von der Elbmündung über Rendsburg nach der Kieler- Bucht unter der Voraussetzung hergestellt, daß Preußen zu den auf 156 000 000 «z/fc veranschlagten Gesammtherstellungskosten desselben den Bettag von 50000 000 JL im Voraus gewährt." Staatssecretär v. Bötticher erklärte auf einige Anfragen, daß die Leistungen vom Reiche und von Preußen pari passu gehen, so daß Preußen durch Vorauszahlungen keineswegs belastet wird. Die 50 Millionen sind^ein Fixum, das Preußen auch dann zahlen muß, wenn der gesammte Bauaufwand die Summe von 156 Millionen Mark nicht erreicht. Die Interessen der vaterländischen Industrie und Arbeit würden nach Möglichkeit berücksichtigt werden; eine einseitige Bevorzugung der Industrie einer bestimmten einzelnen Gegend könne er aber nicht zusichern. § 2, der von der Aufnahme einer Anleihe handelt, wird debattelos angenommen. Zu 's 3, der in der Commissionsfassung lautet: „Von den nicht nir Kaiserlichen Marine und zur Bauverwaltung gehörigen Schiffen, welche den Canal benutzen, ist eine entsprechende Abgabe zu entrichten. Die Festsetzung des hierfür, zu erlassenden Tarifs wird weiterer Regelung vorbehalten" beantragt Abg. v. Schalscha den Zusatz: „Bis zum Ablaufe des ersten Jahres nach Inbetriebsetzung der ganzen Canalstrecke wird dem Kaiser im Einvernehmen mit dem Bundesrathe die Feststellung des Tarifs überlassen." Abg. Hänel (dfr.) hat gegen diesen Antrag nichts einzumenden, vorausgesetzt daß durch denselben das Recht des Reichstags, an der endgiltigen Feststellung des» Tarifs mitzuwirken, nicht berührt werden solle. Staatssecretär v. Bötticher erklärt, den Antrag dahin aufzufassen, daß nach Ablauf eines Jahres ein Gesetz vorgelegt werden solle, welches die Grundlagen für die Aufstellung eines Tarifs enthalte. Was die Stellung der verbündeten Regierungen betreffe, so liege für dieselbe in der Tariffrage ein politisches Moment; es scheine ihm aber höchst unzweckmäßig, daß der Tarif durch das Parlament festgestellt werde; eventuell bitte er um Annahme des vom Abgeordneten v. Schalcha beantragten Zusatzes, da die Regierung vor endgiltiger Regelung des Tarifs Zeit behalten müsse, Erfahrungen zu sammeln. Paragraph 3 wird darauf in der Commissionsfassung nebst dem Zusatze des Abg. v. Schalcha mit großer Majorität angenommen. Der Schlußparagraph des Gesetzes wird ohne Debatte genehnkigt. Nächste Sitzung Dienstag den 23. Februar. (Wiedereinführung der Berufung.) Telegraphische Depeschm. WoSff'S telegr. Eorrsspondttrz-B«eeLN. Berlin, 21. Februar. Sr. Maj. Panzerschiff „Friedrich Carl", Commandanb Eapitän zur See Stempel, ist am 21. Februar er. in der Suda - Bay (Kreta) ein* getroffen. Bern, 21. Februar. Das Bundesgericht hat gestern die Beschlüsse der Regierung von Zürich gegen die Heilsarmee, durch welche die Versammlungen derselben verboten wurden, aufgehoben, jedoch das Verbot des Besuches der Versammlungen durch Kinder unter 16 Jahren bestätigt. Belgrad, 21. Februar. Die Vertreter der Mächte machten auf Initiative Englands den Vorschlag, Serbien solle davon abstehen, daß der Abschluß eines Handelsvertrags mit Bulgarien in den Friedensvertrag ausgenommen werde, wogegen die Mächte auf die Aufnahme eines Passus hinwirken würden, welcher beide Theile verpflichte, sofort nach dem Friedensschluß zu dem Abschlüsse eines Handelsvertrags zu schreiten. Bukarest, 21. Februar. Mijatowic ist von dem Minister Garaschanin ermächtigt morden, schriftliche Vorschläge für die Friedensverhandlungen gleichzeitig mit den Vorschlägen von bulgarischer Seite vorzulegen. Der Austausch dieser Vorschläge soll morgen erfolgen. Diese Beilegung der entstandenen Schwierigkeit wird dem gemeinsamen Schritte, welchen die hiesigen Vertreter der Mächte dieser Angelegenheit bei Mijatowic gethan haben, zugeschrieben. 1 Lokales. Gießen, 20. Februar. Die heutige Sitzung des Provinzialtaaes der Provinz Oberhesfen ergab nach mehrstündigen Verhandlungen die Annahme der Anträge des Provinzialausschusses. Die Rechnung der Provinzialkasse für 1884/85 sammt dem zugehörigen Rechenschaftsbericht gab zu keinerlei Bemerkung Anlaß; der Voranschlag der Provinzialkasse für 1886/87 wurde in der vorgeschlagenen Höhe von 257 194.40 JL in Einnahme und Ausgabe genehmigt. Bei dem Hauptposten der letzteren, der Erbauung und Unterhaltung von Kreisstraßen, wurde insgesammt den Anträgen entsprochen, welche wir in Nr. 3 der „Verwaltungsblätter" ausführlich mitgetheilt haben. Neben Verwilligung des Restes der Baukosten einer Kreisftraße von Kloppenheim nach Ober-Erlenbach (Kreis Friedberg) wurden somit noch die nachstehenden Straßenbauten genehmigt und die dazu erforderlichen Zuschüsse in den Voranschlag eingestellt: Reibertenrod—Fischbach—Billingshausen (Kreis Alsfeld). Usenborn—Hirzenhain (Kreis Büdingen), Echzell resp. Gettenau—Ludwigshoffnung (Kreis Büdingen und Friedberg), und zwar mit der Modifikation, daß der' vom Fiskus für die spätere Unterhaltung dieser Straße zugesicherte Beitrag zu gleichen Theilen zwischen der Provinz und den unterhaltungspflichtigen Kreisen: getheilt werde; Sandlofs—Fraurombach—Landesgrenze (Kreis Lauterbach), Wernges-Maar (Kreis Lauterbach), Beuern—Allertshausen (Kreis Gießen), Brücke in Nieder-Gemünden (Kreis Alsfeld), Dannenrod—Homberg (Kreis Alsfeld), Sickendorf—Wallenrod (Kreis Lauterbach), Untersorg—Brauerschwend resp. Hergersdorf (Kreis Alsfeld). Dagegen wurden die Neubauten einer K^eisstraße von Salz nach Freiensteinan (Kreis Lauterbach) und einer Brücke zwischen Zeilbach und Klein-Felda (Kreis Alsfeld> ungeachtet neuerer Vorstellungen von Interessenten — wie beantragt — vorläufig, zurückgestellt. Bei der Unterhaltung der Kreisstraßen hatte Freiherr Adalbert von Nordeck zur Rabenau die Ablehnung der vom Kreistag unlängst genehmigten Ueberdeckung des Fußbankettes der Straße Gießen-Wieseck mit Lahnkies und Sand beantragt, dafür aber keine Mehrheit gefunden. Zum Festwalzen neuer oder besonders stark benützter Kreisstraßen in der Provinz sollen zunächst zwei Pferdewalzen angeschafft werden. Statt zweier ausgeschiedcncn Mitglieder des Provinzialausschusses (Graf zu Solms-Laubach und Prof. vr. Stammler) wurden gewählt Bürgermeister Fendt in Schotten und Kanzler Prof. Dr. Gareis (bisheriges Ersatzmitglied), worauf an dessen Stelle Ingenieur Schiele in Gießen gewählt wurde. Gießen, 22. Februar. (Alice-Verein.) Der dritte Vortrag zu Gunsten des Vereins bestand in einer Vorlesung des Herrn Oskar Zack aus dem Nattensänger von Hameln, einer Aventure von Julius Wolff. Die Dichtung schließt sich an die bekannte Sage an; der Dichter läßt jedoch den Rattenfänger nicht deshalb Rache nehmen, weil ihm der bedungene Lohn versagt wird, sondern weil ihm durch die Verweigerung sein Liebstes, das Mägdlein, das ihn bis jetzt allein von Vielen dauernd zu fesseln vermag, verloren geht. Die Dichtung bietet eine große Anzahl ergreifender Stellen und Schilderungen von Land und Leuten, in den Reden der handelnden Personen und ganz besonders in schönen, sinnigen, frischen Liedern, die hin und wieder eingestreut sind. Der Vorleser, Herr Zack, hat es verstanden, aus der Dichtung das Schönste auszuwählen und so aneinander zu reihen, daß uns der Gang der Erzählung vollständig vor Angcn tritt. Reicher Beifall lohnte ihn mit allem Recht. Bei schönem, kräftigen Organ befolgt er die Regel, der jeder Darsteller Gehorsam schuldet, das richtige Maß nicht zu überschreiten. Die Erzählung fließt ruhig unb sicher dahin, in den Reden aber tritt sein dramatisches Talent 311 Tage, die Personen gewinnen Leben vor uns und werden durch die Stärke und Verschiedenheit des Tons treffend markirt. Ebenso trug Herr Zack die einzelnen Lieder ihrem Inhalt entsprechend vorzüglich vor. Gießen, 22. Februar. (Turnerisches.^ Der seit November v. I. in hiesiger Stadt bestehende Männer-Turnverein veranstaltete gestern Abend in Stein's Etablissement sein erstes Winterfest. Der erste Sprecher, Herr Carl Müller, begrüßte die Anwesenden und hielt eine kurze kernige Ansprache. lieber das Programm und den Verlauf, bestehend in Concert, Gesang, Tableau, Männergruppen, Neigen und sonstigen komischen Tableaus, läßt sich nur Günstiges und Vorzügliches berichten. Insbesondere fanden die Gesänge des Doppelquartetts, die Männergruppen und der vorgesührte Reigen allgemeinen Beifall. Dem Neigen schloß sich ein von dem anwesenden Damen- flor sehnlichst erwarteter Tanz an. Erst der längst angebrochene Tag vermochte dem Feste ein Ziel zu setzen. — Unsere Leser machen wir auf den Dienstag Abend 6 Uhr in der kleinen Aula stattfindenden Vortrag des Herrn Otto Meyer aus Hamburg über Bauch- rednerkunst hiermit ganz speeiell aufmerksam. — Um weiteren Unglücksfällen beim Schlittschuhlaufen auf der Lahn vorzubeugen, warnen wir dringend, dieses Eis nicht eher zu besuchen, als bis die polizeiliche Erlaubniß dazu gegeben ist. Beinahe hätte gestern die Lahn wieder 2 Opfer gefordert. Am Morgen brach Herr Oberst Spohr ein, am Mittage der Sohn des Herrn Kreis- schulinspectors Büchner. Zum Glücke war Hilfe rasch bei der Hand und konnten Beide gerettet werden. — Also hütet euch vor der Lahn! Manfred Dramatisches Gedicht von Lord Byron. Musik von N. Schumann. II. Die von uns geschilderte Handlung, wie Byron dieselbe für die Bühne schrieb, ist von einem gewissen Richard Pohl zum verbindenden Text umgeschaffen worden, welcher das Werk den Concert-Aufführungen zugänglich gemacht hat. Wir wollen uns vorbehalten, nach dem am kommenden Sonntag stattfindenden Concert auf den Text zurückzukommen, um uns eingehender damit zu beschäftigen; für heute sei nur erwähnt, daß derselbe für 3 Personen gedacht ist. Der Recitator des Manfred wird durch Herrn Ernst Possart seinen Vertreter finden, während die Alpenfee, die Astarte re. von Fräulein Marie Langsdorfs declamirt werden. Die Handlung vergegenwärtigt der Prologus, dem auch verschiedene Personen, wie Gemsjäger, Abt rc. angehören. Für diesen Part muß Herr Wilh. Diegelmann aus Frankfurt a. M. gewonnen werden (!). Wenden wir uns nun wieder dem Byron'schen Manfred zu, so erscheint derselbe nahe verwandt mit Goethe's Faust und bald nach Erscheinen des ersteren .(London 1817) spricht sich Goethe folgendermaßen darüber aus: „Eine wunderbare, mich noch berührende Erscheinung war das Trauerspiel „Manfred" von Byron. Dieser seltsame, geistreiche Dichter hat meinen Faust in sich ausgenommen und, hypochondrisch, die seltsamste Nahrung daraus gesogen. Er hat die seinen Zwecken zusagenden Motive benutzt, so daß keins mehr dasselbig« ist, und gerade deshalb kann ich seinen Geist nicht genugsam bewundern. Diese Umbildung ist so aus dem Ganzen, daß man darüber, und über die Aehnlichkcit mit dem Vorbild höchst interessante Vorlesung halten könnte, wobei ich freilich nicht leugne, daß uns die düstere Gluth einer grenzenlosen reichen Verzweiflung am Ende lästig wird. Doch ist der Verdruß, den man empfindet, immer mit Bewunderung und Hochachtung verknüpft." Byron selbst schreibt dagegen (Pariser Ausg. des Dramas vom Jahre 1835) im Juni 1820 an seinen Verleger: „Gocthc's Faust habe ich nie gelesen, denn ich verstehe nicht Deutsch; aber Monxlewis declamirte mir im Jahre 1816 in Coligny übersetzend das Meiste davon vor und ich war natürlicherweise sehr davon ergriffen, aber es war der „Steinbach" und die „Jungfrau" und noch manches Andere, was mich „Manfred" schreiben ließ. Doch hat die erste Scene milder des „Faust" große Aehnlichkcit!" Weiter erfahren wir aus Briefen des Dichters, daß das Werk nicht für die Bühne bestinlmt war. „Sie mögen," schreibt er an Marray (Venedig, 15. Fehr. 1817) „entnehmen, daß ich gerade keine große Meinung von diesem Phantasiestückc habe, aber ich habe es wenigstens völlig unmöglich gemacht, es auf die Bühne zu bringen, für welche ich seit meiner Verhandlung mit Drurylane die größte Verachtung habe." In einem anderen Briefe (6. März) heißt es: „Ich verfaßte es wirklich mit einem Abscheu vor der Bühne und mit der Absicht, selbst den Gedanken daran nnpractikabcl zu machen." _____ _________ — a— Univerfltäts- Chronik. — Professor Windscheid, der berühmte Jurist, liegt in Leipzig schwer krank darnieder._____________________________________________ _____________________ Vermischtes. ][ Darmstadt, 21. Februar. Die heutige Nummer der „Darmstädter Zeitung" veröffentlicht eine Mittheilung über die Reise Seiner Königlichen Hoheit des Groß- Herzogs und Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Irene nach Petersburg, wonach Höchstdieselben gestern Vormittag 11 Uhr auf der Durchreise in Berlin von Ihren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten, dem Kronprinzen und der Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von Preußen auf dem in der Friedrichstraße belegenen Bahnhof empfangen und nach dem Kronprinzlichen Palais geleitet worden sind, woselbst die hohen Reisenden bis zum gestrigen Abend zu verweilen gedachten, um dann gegen 1/212 Uhr die Reise nach Petersburg fortzusetzen. Aus dieser Mittheilung darf oer erfreuliche Schluß gezogen werben, daß nunmehr auch der letzte Dteft einer Erkältung, welche in den verwandtschaftlichen Beziehungen beider Häuser zu einander ein- getreten sein sollte, glücklich beseitigt ist. — Der Bazar zum Besten eines Asyls für verwahrloste Kinder hat ein unerwartet günstiges Resultat aufzuweisen. Es find nämlich 29 000 JL eingegangen, so daß nach Abzug der entstandenen Kosten auf eine Nettoeinnahme von etwa 24 000 X zu rechnen ist. Wie verlautet, soll Oberbürgermeister Ohly bereits mit dem Besitzer eines in der Nachbarschaft von Darmstadt gelegenen Giltes wegen Erwerb eines Grundstückes in Verhandlung getreten sein. Die Nachricht dürfte indessen doch wohl zum mindesten verfrüht sein. Gingefanvt. Gießen, 21. Februar. Die in Ihrem letzten Blatte von einem Augenzeugen Ihnen gewordene Schilderung von dem traurigen Unglücksfall am Freitag auf der Lahn hat sich doch, nicht ganz so zugettagen, wie er geschildert worden. Ich erlaube mir an den betr. Augenzeugen nachstehende Fragen zu richten: 1) Warum wird Musiker Ecken brecht allein als Retter angegeben und warum nicht Bahnwärter Massing? indem doch nur beide allein im Boote thätig waren, und letzterer stets bemüht war, Eis loszuschlagen, damit die Rettung vollbracht werden konnte, denn ohne die Hilfe des Herrn Massing wäre es Herrn Eckenbrecht unmöglich geworden, den Jungen aus dem Eise zu befreien. 2) Ferner heißt es, in die Kleider des Sohnes vom Tonnenschuppenwärter wäre der Junge gekleidet worden, und warum nicht, der Wahrheit gemäß, in die deö Bahnwärters? Der Augenzeuge, der vorhergehende Angaben gemacht hat, muß wenig Kennt- niß von einer ungeheizten und geheizten Bude haben, denn der hinzugekourmene Arzt dürfte wohl am besten wissen, daß letzteres der Fall war. 3) Warum ist der Mann nicht namhaft gemacht worden, der den Jungen so eine weite Strecke trug? Ehre dem Ehre gebühret. Allgemeiner Anzeiger. Hohversteigmmtz. Es werden versteigert Freitag, den 8. März in den Districten Rehhecke 19,66, Wüstekopf 141. Schinderskopf 16a, Altgehegt 20, Franzen- roalb und Rehloch: 1 Buchenstamm von 41 cm Durchmesser und 8 m Länge — 1,14 fm, 89 Eichenstämme von 18—74 cm Durchmesser und 5 — 13 m Länge = 46,51 fm, 192 Nadelstämme von 13—31 cm Durchmesser und 5—15 m Länge — 38,17 fm, 345 Nadelderbstangen — 13,88 fm, 300 Buchenreisstangen — 0,92 fm, zu Pferchpfählen geeignet und 140 Nadelreisstangen — 1,38 fm, 31,4 rm Eichen-Nutzscheit in Schichten, für Küfer und Wagner, ferner Scheit rm: Eiche 7, Nadel 2, Knüppel rm: Buche 10, Eiche 11, Nadel 22, Reisig 100 Wellen: Buche 23,5, Eiche 5,8, Nadel 9 Stock rm: Buche 23,4, Eiche 15,4, Nadel 6. Bei den Nadelknüppeln finden sich 16 rm Fichten in Schichten von 3—4 Länge. Ueber das Holz, welches bei der Versteigerung nicht vorgezeigt wird, ertheilt Forstwart Menges zu Großenlinden nähere Auskunft. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr auf der Theerofenschneise an der Rehhecke. Gießen, den 20 Februar 1886. Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. 1243 Holzver Steigerung» In den Districten Rubgarten und Oberstraßwald, unweit Dannenrod — 10 Km. von der Station Ehringshausen an der Oberhess. Eisenbahn entfernt — kommen Freitag den 8. März, von 9 Uhr Vormittags an, 109 Eichen mit 80,28 Fm. zum Ausgebot. Es befinden sich unter diesen Stämmen sehr schöne Bau- und Schnitthölzer bis zu 58 Ctm. Durchmesser. Samstag den 6. März werden von Vormittags 9 Uhr an in den Districten Rubgarten, Neuheege, Ober- und Unterstraßwald angeboten: 4 Nm. Buchen-, 24 Eichen-, 10 Kiefern- und 4 Aspen-Scheiter; 12 Nm. Buchen-, 83 Eichen-, 426 Kiefern- und 3 Aspen-Knüppel; 566 Nm. Buchen-, 252 Eichen- And 1929 Kiefern und Fichten-Neisig. Zusammenkunft an beiden Tagen im District Oberstraßwald. Maulbach, am 22. Februar 1886. Großherzogliche Oberförsterei Maulbach. Koch. 1233 Holzversteigerung. Es kommen zur Versteigerung: I. Montag den 1 März l. I. im District Neuhofstannen: 28 Rm. Buchen-, 50 Rm. Nadel-Scheiter, 376 Rm. Buchen- und Eichen-, 44 Nm. Nadel-Knüppel, 612 Nm. Buchen- und Eichen-, 156 Rm. Nabel- Neiser, 32 Nm. Buchen-, 28 Rm. Nadel-Stöcke; sodann 55 Eichenstämme mit 8,38 Fm., 24 Eichen-Derbstangen mit 1,98 Fm. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr im Holzschlag auf dem chaussirten Vicinalweg von Reinhardshain nach Bersrod. II. Dienstag den 2. und, wenn nöthig, Mittwoch den 3. März in den Districten Steinkaute und Beltershainerwald: 361 Fichten-, Lärchen- und Kiefernstämme mit 250,66 Fm., 209 Fichten- Derbstangen mit 19,61 Fm. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr auf dem Kirchenpfad im District Stein- kaute bei Reinhardshain. Grünberg, am 20. Februar 1886. Großherzogliche Oberförsterei Grünberg. Vigelius. 1247 Holzversteigerung. Montag den 1. März 1886 sollen in dem Stadtwald zu Hungen, in den Distrikten Heckenwald, Galgenwald, Hubbach und Herborn nachstehende Holzsorlimente versteigert werden: 205 Eichen-Stämme von 15—76 cm Durchmesser und 2—16 m Länge, 90 Nadel-Stämme von 15—28 cm Durchmesser und 3—18 m Länge, 284 Hainbuchen-Stämme von 15—39 cm Durchmesser und 3—14 m Länge, 39 Hainbuchen-Stangen von 10—14 cm Durchmesser und 4—7 m Länge, 1266 Nabelstangen von 7—14 cm Durchmesser und 5—17 m Länge. Bei den Eichen-Stämmen befinden sich 60 Festmeter Schnittholz und 20 Festmeter Schwellenholz. Der Anfang der Versteigerung ist Vormittags 10 Uhr im Distrikt Heckenwald, an dem Weg von Villingen nach Langd. Hungen, am 18. Februar 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Bender. 1237 Holzversteigerung. Montag den 1. März c., Morgens von 9 Uhr ab, wird im Gem.-Hause zu Atzbach aus d. dort. Gem.-Walde versteigert: l. Stammholz, a. Eichen: 4 St. II. Kl, 6,39 Festm., 274 St. HL Kl-, 148,56 Festm-, 98 St. IV. Kl., 22,81 Festm-; b. Fichten: 1 St. II. Kl-, 1,54 Festur, 94 St. HI—IV. Kl-, 23,76 Festm. H. Stangen. Fichten: 60 St. L-HL Kl-, 2.3,30 Festm. Hl. Nutzholz: 6 Rm- Cichenpfosten. IV Brennholz Nmtr.: a. Buchen 105 Echt. u. Kpl, 37 Stöcke, 849 Reiser; b. Eichen: 142 Scht. u. Kpl., 12 Stöcke, 820 Reiser; c. Fichten: 24 Kpl-, 6; O Reiser; d. Gemischte Reiser 1164; e. Besen-Reiser 80 Rm. Crofdorf, den 20. Februar 1886. 1253 Das Bürgermeisteramt. Holzversteigerung. Donnerstag den 4. März e., Morgens von 9 Ubr ab, wird zu Wißmar, im Locale des Wirths Herrn La uz aus d- Wißmarer Gem-Walde — Distr. Maulsbach, Beckert it. Kaltenbach — versteigert: I. Brennholz, a. Buchen Nm.: 347 'Scht, 212,5 Kpl., 106 Stöcke, 1625 Reiser; b. Eichen Nm-: 5 Scht-, 39 Kpl., 5 Stöcke, -227 Reiser; c. Fichten Nm.: 1 Scht-, 22 Reiser; d. Sprockholz Rm.: 5. II. Eichenftämme: 11 St. II.-IV. Kl-, 4,98 Festm-, 4 St Nadelholzstämme, 1 Fichtenstange Hl. Eichenpfosten: 10 Nm., 2 Mtr. lang. Crofdorf, am 20. Februar 1886. 1254 Das Bürgermeisteramt. Holzversteigerung. Gberförsterei Strupbach. Mittwoch den 3. März soll in dem Gemeindewald zu Frankenbach nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden: District Eichen Hardt 34 Stämme Eichen-Nutzholz von 1 bis 10 Mtr. Länge, zusammen 42,72 Fstm. Inhalt, 39 Rm Buchen Scheitholz, 900 Stück „ Wellen, 18 Rm. Eichen Scheitholz, 12 „ „ Knüppel, 250 Stück „ Wellen. District Risgründ 6 Stämme Fichten Nutzholz, 118 Stück „ Derbholzstangen zusammen 9,84 Fstm. Inhalt, 200 Rm. Fichten Reisholz. District Hungerberg 67 Stämme Kiefern Nutzholz von 5 bis 10 Mtr. Länge und 15—24 Ctm. Durchm., zusammen 15,43 Fstm. Inhalt, 119 Rm. Kiefern Nutzholzstangen, meist zu Grubenholz geeignet. Die Zusammenkunft ist Morgens 9 Uhr im District Eichenhardt bei Nr. 1 am Stammholz. Frankenbach, 20. Februar 1886. Klein, Bürgermeister. 1271 Holzversteigerung. Freitag den 2«. d. M., des Vormittags von 9 Uhr an, soll in dem Reiskircher Gemeindewald, Distr. Wilshäuserwald, nachverzeichnele Holzsortimente versteigert werden, als: 5 Eichen-Stämme, 1,31 Fstm. enthaltend, 99 Nadel-Bauholzstämme, von 15 bis 32 Ctm. mittl. Durchmesser und bis zu 19 Mtr. Länge, 34,50 Fstm. enthaltend, 1711 Nadel (Fichte)-Derbholzstangen, 90,71 Fstm. enthaltend, 8 Eichen-Derbholzstangen, 0,36 Fstm. enthaltend, 250 Fichten-Reisigstangen, 4,81 Fstm. enthaltend. Bemerkt wird, daß sich die Fichten- Derbholzstangen zu Dachsparren, zu Wagnerholz und zu jedem sonstigen Gebrauch eignen. Die Zusammenkunft ist am Wege nach Bersrod, am Eingang des Waldes. Reiskirchen, 20. Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Reiskirchen Jünger. 1245 Bekanntmachung. Der Plan über die von der Stadtverordneten-Versammlung festgestellten Baufluchtlinien für den Asterweg liegt 14 Tage auf dem Büreau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen, während welcher Zeit Einwendungen bei Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde anzubringen sind. Gießen, den 18. Februar 1886. Großheczogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 1239 Authraeit-Ko hlerr, Gewaschene Nußkohlen, Metirte Kohlen empfiehlt in Primaqualität 1270 Frankfurterstraße 67. Curneval! MaSkcnbaüe! ti Prachtvolle, Z- V- historische und mythologische 0 fürstlich elegante Costüme, Nationaltrachten, Phantasie- B Costüme, Charakter-Masken (nicht leihweise). Pünkil'.che Lieferung ausdrücklich g| garantirt. Cotillon-Gegenstände. — Masken, Besatzborden, Schmucksachen, Stoffe. | Carneoalistische Saal-Decorationen. — Theater-Decorationen, auf Stoff gemalt. ■ 1202 Reichhaltige Preisverzeichnisse gratis und franco. Bonner Fahnenfabrik (Hof-Fahnenfabrik) Bonn a. Rh. Vorzügliches Export-Bier aus der Brauerei von Leschhorn's Nachfolger, Kmcksurt a. W. per ganze Flasche 23 halbe Flasche 12 empfiehlt 52 Heinrich Hiesselhach, „Zur Stadt Kassel". H. HESTLl’S KINDERMEHL 45JäBiriger Erfolg® 21 Auszeichnungen., worunter 8 Ehrendiplome und 8 Gold. Medaillen. 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'Vereinsjahr) am Sonntag den S8. Februar 1886, präcis 43/i Uhr Nachmittags, in Stein’s Saal unter Leitung des Grossherzoglichen Universitätsmusikdirectors Herrn Adolf FeSelaner und gütiger Mitwirkung des Königlichen Hofschauspieldirectors Herrn Ernst PosSftrt aus München, des Fräulein Marte MjUngsdorff aus Giessen 7 des Schauspielers Herrn Wtth. ölegetm^im aus Frankfurt a. M. 7 des akademischen Gesangvereins und des durch auswärtige Künstler verstärkten Vereins-Orchesters. PROGRAMM. Manfred. I. > Dramatisches Gedicht von Lord Byron, Musik von R. Schumann. Verbindende Dichtung für Concertaufführungen von Rich. Pohl. II. Sinfonia er oica. (No. 3) op. 55 von L- v Baethoven. 1. Allegro con brio, 2. Marcia funebre, 2. Scherzo, 4. Finale. Eintrittskarten für Nichtmitglieder ä 2,50 (Sperrsitz a JL 3,50\ sowie Texte ä 10 sind in der Musikalienhandlung des Herr W i 1 h. Rudolph zu haben. 1249 Die nächste Probe findet Samstag, den 37, d. M. im Saale des («eseflaschaftsvereins statt und beginnt fiir das Orchester um 3 Uhr, für den Chor — unter Mitwirkung des Hern Ernst I*os- sart — um 4 Uhr Nachmittags. Nlchtmitgliedern ist der Zutritt strengstens untersagt. Lich, den 21. Februar 1886. 1235 lichsten Dank. 1272 Heinrich. Pfaff, Lehrer, nebst Frau und Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise der Theilnahme bei dem nach kurzem Krankenlager erfolgten Hinscheiden unseres unvergeßlichen Gatten, Vaters, Schwiegervaters, Großvaters und Bruders Reinhard Hellwig für die freundlichen Blumenspenden und für die erquickenden Trostes- worte des Herrn Pfarrvicars König sagen hiermit ihren tiefgefühltesten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Danksaglmq. Für die vielen Beweise innigster Theilnahme bei dem herben Verluste unseres innigst geliebten, unvergeßlichen Sohnes und Bruders, sowie auch für die aufopfernde Thätigkeit, welche von den Giften bei den Rettungsversuchen entfaltet wurde, sagen wir hiermit Herz- Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Stummer enthält 1 Blatt u. 1 Beilage.