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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. UM« 'Wt» WBMEan—W»iWlMMIItl Amtlicher Hßeil. Betreffend: Unfallversicherung. Gießen, am 20. September 1886. Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Nachstehend abgedrucktes Ausschreiben des Reichs-Versicherungsamts zu Berlin vom 11. September 1886 theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme mit. Dr. Boekmann. Berlin, am 11. September 1886. Rundschreiben an die Berufsgenossenschaftsvorstände, betreffend die Feststellung und Zahlung der Entschädigungen. Vom 11. September 1886. R. V. A. I. 19461. Im Anschluß an das diesseitige Rundschreiben vom 15. Juli 1886 — R. V. A. I. 15461 —, betreffend die Feststellung der Entschädigungen, weist das Reichs-Versicherungsamt tm Nachstehenden noch auf Folgendes hin. 1. Das Unfallversicherungsgesetz betont wiederholt (vergleiche § 58 Absatz 1, 2, 3) die Pflicht der zur Feststellung der Entschädigungen berufenen genossenschaftlichen Organe, diese Feststellung so bald als möglich vorzunehmen, und sieht im Absatz 4 a. a. O. die Zubilligung einer „vorläufigen" Ent- schädigung vor, falls die definitive Feststellung der Entschädigung nicht rechtzeitig möglich ist. Es ist dringend erforderlich, daß diese Vorschriften auf das genaueste beachtet werden, damit der gesetzlichen Anordnung, die Unfallentschädigungen sobald als möglich festzustellen, fortan besser, als es bisher in einzelnen Fällen geschehen, genügt werde. 2. Durch die Seitens des zuständigen Genoffenschaftsorgans erfolgte Ertheilung des Feststellungsbescheides (§ 61) wird für die Entschädigungsberechtigten ein selbstständiges Recht begründet, welches der einseitigen Einwirkung Seitens der Genoffenschaft beziehungsweise eines Organs derselben entzogen ist (Bescheid 153, Amtliche Nachrichten des R. V. A. von 1886, Seite 74). Der Feststellungsbescheid kann vielmehr nur durch Berufung Seitens der Entschädigungsberechtigten angefochten, oder im Wege der förmlichen Wiederaufnahme des Feststellungsverfahrens unter den Voraussetzungen des § 65 durch einen neuen Bescheid ersetzt werden. Es kann daher nicht für zulässig erachtet werden, diese Art des Verfahrens in der Weise vorwegzunehmen, daß in Gestalt von Anmerkungen zum Berechtigungsausweis (§ 64) das von selbst eintretende Erlöschen des Bezugsrechts bei Wiedergewinnung der Erwerbsfähigkeit oder gar schon auf den Widerruf der Genossenschaft hin ausgesprochen wird. 3. Ergiebt sich im Feststellungsverfahren, daß die Entschädigung ganz oder zum Theil den im § 8 des Unfallversicherungsgesetzes genannten Kassen Dder Verbänden gebühre, so ist vor deren Befriedigung dieserhalb gleichwohl zunächst mit den vorhandenen, an erster Stelle Entschädigungsberechtigten zu verhandeln, und insoweit die letzteren den auf Grund des § 8 eit. erhobenen Anspruch bestreiten, die Zahlung in derjenigen Art zu leisten, welche das bürgerliche Recht für solche Fälle vorfleht, in denen auf eine Leistung eines Verpflichteten von mehreren angeblich Berechtigten Anspruch gemacht wird (Hinterlegung bei Gericht rc ) — vergleiche Bescheid Nr. 146, Amtliche Nachrichten des R. V. A. von 1886, Seite 57. Das Reichs-Versicherungsamt. Bödiker. Politische Ueberficht. Gießen, 21. September. Der Aufenthalt des Kaisers im Reichslande hat gegenüber dem ursprünglichen Programm eine nicht unerhebliche Verkürzung erfahren. Der beabsichtigt gewesene Besuch auch der Stadt Metz Seitens des Kaisers hat leider unterbleiben müssen, da der greise Monarch durch die mannigfachen Anstrengungen bei seinem Aufenthalte in Straßburg sich denn doch zu sehr angegriffen fühlte, um auch den letzten Theil des aufgestellt gewesenen Programms, seine Reise nach Lothringen, durchführen zu können und ist der Kaiser in Folge des dringenden Anrathens seiner Aerzte am Sonntag von Straßburg nach Baden-Baden zurückgekehrt. So bedauerlich es ist, daß der Besuch des hohen Herrn in der lothringischen Hauptstadt, wo man zu einem würdigen und glänzenden Empfange bereits die umfaffendsten Vorbereitungen getroffen hatte, unter- bleiben mußte, so haben doch selbstverständlich gegenüber der Sorge um die Gesundheit des Kaisers, der sich in den jüngstvergangenen Tagen ja ohnehin schon so verschiedenen Strapazen unterzogen hat, alle anderen Rücksichten zu schweigen. Uebrigens sind von ihm doch noch während seiner Anwesenheit aus reichsländischem Boden die ehrerbietigen Grüße der alten Kaiserstadt Metz ent- gegengenommen worden, indem der Kaiser am Samstag Abend eine Deputation von 8 Mitgliedern des Metzer Gemeinderathes empfing, die eigens deshalb nach dem kaiserlichen Hoflager in Straßburg entboten worden waren. Der Kronprinz. welcber seinen kaiserlichen Vater schon während der Felvmanöver des 15. Armee'Corps bei Dettweiler, am Mittwoch, und dann bei Hochfelden und Schwindratz, am Freitag, vertreten hatte, hat auch die Vertretung bei der Besichtigung der Metzer Garnison übernommen. Die meisten der Fürstlichkeiten, welche den Kaiser bei seinem Besuche im Reichslande umgaben, haben noch in vergangener Woche die Rückreise angetreten. Die „Nordd. Allg. Ztg." dementirt aus sicherster Quelle die Mit- theilungen der „Voss. Ztg." über den Inhalt des neuesten italienischen Grünbuches, namentlich über die Stockungen in den Mittheilungen zwischen den Mächten, über die Schwierigkeiten der Lage und daß Bismarck die Meinung kundgegeben, daß die Abdankung ves Fürsten von Bulgarien das einzigste Mittel sei, die russische Intervention zu verhindern. Alle diese Conjecturen könnten unmöglich durch die Berichte des italienischen Botschafters Bestätigung finden. In der ganzen bulgarischen Frage gab es keinen Augenblick, in welchem die drei Kaisermächte nicht gegenseitig über ihre Auffaffungen in voller Klarheit und Sicherheit unterrichtet gewesen wären. Den ersten besorgnißerregenden Nachrichten über das Auf- kreten der Cholera in Pesth find jetzt etwas beruhigendere Meldungen gefolgt. Am Freitag wurden aus Pesth 4 Erkrankungen und 3 Todesfälle an Cholera gemeldet — wenn eben die officiellen Bulletins sich der Wahrheit befleißigen — «nd demzufolge hat sich auch die erregte Stimmung in der ungarischen Hauptstadt wieder in etwas beruhigt. Uebrigens herrschen daselbst nach Privatmeldungen wahrhaft klägliche sanitäre Zustände und es ist da kein Wunder, wenn die Seuche gleich so heftig austrat; jetzt arbeitet freilich die in Pesth eingesetzte Sanitäts-Commission mit riesiger Energie in der Verbesserung dieser Zustände. Auch in Raab ist die Seuchen-Commission in voller Thätigkeit. In Triest scheint die Cholera wieder stärker aufzutreten, denn es werden von dort vom 17. d. Mts. 11 Erkrankungen und 2 Todesfälle, außerdem aus 6 istrianifchen Orten zusammen 9 Erkrankungen an Cholera gemeldet. Ueberhaupt hat die Seuche sich im österreichisch-ungarischen Küstengebiete viel weiter ausgedehnt, als man bislang nach den osficiöfen Berichten annehmen durfte, denn wie sich jetzt herausstellt, sind im Fiumaner Comitate nicht weniger als 47 Orte infi- cirt; doch tritt die Seuche nirgends besonders bösartig auf. Jenseits der Vogesen beschäftigt sich die öffentliche Meinung lebhaft mit dem letzter Tage vielfach colportirten Gerücht, England beabsichtige, gewissermaßen als Gegencoup auf die russische Orientpolitik, Egypten endgültig zu besetzen. Die der französischen Regierung nahestehenden Blätter bezeichnen Egypten für Frankreich mindestens ebenso wichtig als den Rhein und verlangen ein entschiedenes Vorgehen der Regierung zur Wahrung der sranzösifchen Interessen in Egypten. Man kommt in Frankreich freilich etwas spät zu der Erkenntniß, daß die „historische" Stellung Frankreichs am Nil anderen Interessen zu Liebe denn doch zu sehr vernachlässigt worden sei; vorerst wird es indessen mit der Annexion des Pharaonenlandes durch die Engländer noch gute Wege haben. Es ist in letzter Zeit über englische Occupationspläne überhaupt Manches zusammenge- sabelt worden. So hieß es, England wolle eine Kohlenstation im ägäischen Meere, auf der Insel Thaso«, errichten und einige Inseln in der Nähe der Dardanellen besetzen; beide Meldungen werden jetzt von amtlicher englischer Seite aus als leere Erfindungen bezeichnet. Der Herzog von Decazes, unter dem Herzog von Broglie französischer Minister des Auswärtigen (1873 bis 1874), ist auf seinem Schlosse La Grave (Gironde) gestorben. In den bulgarischen Angelegenheiten bereitet sich eine neu entscheidende Wendung vor. Laut Dekret des Regentschastsrathes, sind die Ur Wähler behufs Creirung der Deputirten für die große Sobranje aufgerufs worden, von welcher die Wahl des neuen Fürsten zu vollziehen ist. Di Wahlen werden in nächster Woche stattfinden und wird alsdann die Versamm lung in Tirnowa zusarnmentleten. Zweifellos hat die bevorstehende Neuwah eines Fürsten von Bulgarien die russische Regierung zu der schleunigen Entse düng des Generals v. Kaulbars, als ihres neuen diplomatischen Agenten, nan I Sofia veranlaßt und selbstverständlich wird der officielle Vertreter Rußland * seinen ganzen Einfluß ausbieten, um die Wahl des neuen bulgarischen Herrscher I sich im russischen Sinne vollziehen zu lassen. — Die Heine, in Sofia ver ! sammelt gewesene bulgarische Sobranje hat noch in voriger Woche ihr Arbeiten beendigt. Durch Acclamation wurde die Adresse — die Antwort auf die Eröffnungsrede Stambuloff's — angenommen, die namentlich die Bestrafung Der Urheber des Staatsstreiches von Sofia verlangt und der Bewunderung der bulgarischen Nation für die patriotische Selbstverleugnung des Fürsten Alexander Ausdruck verleiht. Außerdem wurden die Gesetzentwürfe, betr. Ankauf der Immobilien des Fürsten Alexander und Ausnahme einer Anleihe, genehmigt. Die rumänische Hauptstadt steht noch unter dem Eindrücke des Attentats, das ein ehemaliger Feldwebel auf den Mtnisterpräfidenten Bratiano versucht hat. (Nach einer neuerlichen Meldung ist der Attentäter ein Schänk- wirth, Namens Hoica Alexandrescu.) Das Attentat, bei dem Bratiano unverletzt blieb, rief enthufiastische Kundgebungen der Menge für den Ministerpräsidenten, zugleich aber auch Ausschreitungen gegen die Bureaux mehrerer oppositioneller Journale und deren Leiter hervor, sodaß die Polizei mehrere Verhaftungen vornehmen mußte. Deutschland. Straßburg, 20. September. Der Kaiser erließ an den General Heuduck nachstehende Cabinets-Ordre: „Ich wiederhole Ihnen heute beim Schluß der diesjährigen großen Herbstübungen des 15. Armee-Corps gerne den Ausdruck Meiner vollen und ganzen Zufriedenheit, die Ich Ihnen schon nach der vortresflichen großen Parade und dem CorpS-Manöver zu erkennen gab. Es ist in dem Armee-Corps in der That viel geleistet worden, die Truppentheile aller Contingente stehen auf gleicher Ausbildungsstuse, die Commanvoverbände sind überall sicher gefestigt und es ist sichtlich und mit dem besten Erfolg auf dem Wege wettergearbeitet und gestrebt worden, dem Ich schon bei den letzten Herbstübungen des 15. Armee- Corps volle Anerkennung zu Thetl werden ließ. Ich konnte das Armee-Corps damals schon ein würdiges Bild der Vereinigung des deutschen Vaterlandes nennen, und dasselbe als der hohen Aufgabe der Wacht an der Grenze durch- aus gewachsen bezeichnen. Das kann Ich heute nur noch mit größerer Bestimmtheit und größerer Befriedigung wiederholen. Ich bin Mir wohl bewußt, daß an diesem vortresflichen Zustande des Armee-Corps Ihr persönliches Verdienst sehr großen Antheil hat, spreche Ihnen dafür Meinen Dank und Meine Anerkennung aus wärmsten Herzen aus und ersuche Sie zugleich auch unter Gewährung der in den Anlagen enthaltenen speciellen Gnadenbeweise, unter welchen sich auch die Verleihung des Rothen Adler-Ordens 1. Klaffe mit Eichenlaub, den Schwertern am Ringe und mit dem Ematlbande des Kronen-Ordens für Sie befindet, lämmtlichen Generalen, Regiments-Commandeuren und Offi- deren des Armee-Corps und der hierher commandirten Truppentheile Meinen Dank für die hingebende und erfolgreiche Thätigkeit zu erkennen zu geben, auch den Mannschaften Meine volle Anerkennung für ihre Leistungen unter theilweise recht fchwierigen Verhältniffen bekannt machen zu laffen. Ich scheide von dem 15. Armee» Corps mit dem Gefühl der vollsten Befriedigung und der festen Zuversicht, daß das Armee-Corps für alle Zeiten der Welt zeigen wird, wie fest die deutschen Stämme zusammenstehen, wie Alle ein Sinn und ein Streben beseelt." Metz, 20. September. sDer deutsche Kronprinz in Metz.^ Der Kronprinz ist um 11 Uhr per Extrazug hier angekommen und hat, begleitet von dem Statthalter Fürsten Hohenlohe, dem Großherzog von Baden, dem Prinzen Wilhelm, dem Grasen Perponcher, Generalltcutenant von Heuduck und kleinem Gefolge in Metz seinen Einzug gehalten. Am Bahnhofe fand Empfang nur von den Spitzen der Militär- und Eivilbehörden statt; der Bezirkspräsident war dem Kronprinzen bis Saarburg entgegengefahren. Metz hat sich trotz der kurz bemessenen Zeit auf das Festlichste geschmückt. Die via triumphalia macht in den engen Straßen einen prächtigen Eindruck. Die Buldigung der Stadt Metz, welche heute der Kronprinz entgegennimmt, gilt dem aiser, das zeigen die vielen Inschriften an den Ehrenpforten, öffentlichen Gebäuden und Privathäusern. Langsam durchfuhr der Kronprinz im vierspännigen Wagen die Straßen zum Bezirkspräsidium. Krieger-, Schützen-, Gesang- und andere Vereine, die Kinder der Elementarschulen mit Blumensträußen und schwarz-weiß-rothen Fähnchen, die Töchterschulen und höheren Lehranstalten, die Feuerwehr, die Arbeiter der Eisenbahnwerkstätte Montigny und Soldaten bildeten Spalier bis zum Bezirkspräsidium. An dem Triumphbogen an der Esplanade fand ein kurzer Empfang statt. Die Tochter des ersten Beigeordneten überreichte ein Bouquet. Während des Einzuges läuteten die Glocken, auch die uralte Glocke der Kathedrale, welche la muette genannt wird und nur bei ganz besonderen Ereignissen den ehernen Mund öffnet, stimmte mit ein. Vor dem Bezirkspräsidium war zunächst militärischer Empfang. Die aus Braunschweigern gebildete Ehrencompagnie defilirte. Im Hofe des Bezirkspräsidiums hatten sich die Spitzen der kirchlichen, der Negierungs- und städtischen Behörden im Kreise aufgestellt. Der Bezirkspräsident stellte vor und der Kronprinz unterhielt sich mit jedem der Anwesenden. Zunächst sprach er längere Zeit mit Bischof Fleck und zwar französisch. Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde redete er deutsch an. Dem Oberrabbiner Weil gegenüber äußerte er den Wunsch, auch die Synagoge zu besuchen; auf dem officiellen Programm war nämlich nur der Besuch der Kathedrale und der Garnisonskirche vorgesehen. Während der Kronprinz längere Zeit mit den Mitgliedern des Gemeinderathes sprach, unterhielten sich der Großherzog von Baden und Prinz Wilhelm unausgesetzt mit dem Bischof von Metz. Oeffentliche Ansprachen wurden nickt gehalten. Der ganze Empfang dauerte eine Stunde. Im Gebäude des Bezirks- präsidiums wurde der Kronprinz von der Gemahlin des Präsidenten begrüßt; zwei Kinder desselben überreichten Bouquets. Später fuhr der Kronprinz zur Kathedrale, zur Garnisonkirche und zur Synagoge; überall wurde er von der Geistlichkeit empfangen. (Fr. Z.) Hesterreich. Wien, 19. September. Der Kaiser, welcher am 22. d. M. wieder hier ein- trifft, wird Ende des Monats der Trauung des Erzherzogs Otto mit der Prinzessin Maria Josefa in Dresden beiwohnen. An den Hochwildjagden in dem Neuberg- Eisenerzer Revier, welche in den ersten Tagen des October stattfinden, werden auch der König von Sachsen und Prinz Leopold von Bayern theilnehmen. — An der Cholera sind erkrankt, resp. gestorben in Pesth 4/3, in Raab 5/2, in Fiume 1/1, in Triest 5/1 Personen. Stallen. Rom, 19. September. Ihre K. und K. Hoheit die Frau Kronprinzessin ist mit Prinzessinnen Töchtern heute Abend 6V2 Uhr in Genua eingetroffen, um sich demnächst nach Santa Margherita zu begeben. — Der preußische Gesandte v. Schlözer ist hier angekommen. Rußland. Warschau, 19. September. In Granica und Sosnovica sind sanitäre Vorsichtsmaßregeln betreffs der Reisenden aus Oesterreich getroffen worden. Der Verkehr von Krakau nach Miechow und Olkuß ist gesperrt. XekgraWschs Depeschen. WolU's SSsritsporr-ery. Vmeea«. Berlin, 20. September. Nach der heutigen Beschlußfassung des Bundesraths wird der Vertrag wegen Verlängerung des deutsch - spanischen Handelsvertrags sofort zur Ratification gelangen. Berlin, 20. Septbr. Die „Norddeutsche" tritt dem Leitartikel des Hamburger Correspondenten vom 16. d. Mts. über die bulgarische Angelegenheit gegenüber. Sie sieht in demselben Verdächtigungen der deutschen Politik und bebt hervor, Rußland habe bisher keinerlei Zugeständnisse verlangt, welche Deutschland hätte gewähren oder versagen können, mithin könne auch von keiner Bürgschaft Deutschlands für die Haltung Rußlands in der Orientfrage die Rede sein. Die Behauptungen, Kalnoky hätte bet Bismarck angefiagt, ob er die russische Politik billige und die Antwort Bismarcks, daß die Abdankung des Fürsten das Mittel sei, um die russische Besetzung Bulgariens zu verhindern, seien gänzlich erfunden. Ebenso fingirt sei die Behauptung, Rußland sei durch das Einvernehmen Englands mit Italien an der Besetzung Bulgariens verhindert worden. Die Behauptung des „Hamb. Corr." von einer Ueberantwortung Bulgariens an Rußland sei irrthümlich. Petersburg fasse die heutige Situation Bulgariens keineswegs als Ueberantwortung an Rußland auf: bis vor Jahresfrist waren alle Mächte mit der Situation Bulgariens zufrieden und doch war Bulgarien bis zum Seplemberputsch von Philtppopel den Russen mehr überantwortet, als heute, das bulgarische Heer unter dem Befehle russischer Officiere und die inneren Angelegen- heiten unter vorwiegend russischem Einflüsse, und doch war diese russische Einmischung mit der Sicherheit Europas und der Ehre Deutschlands verträglich, warum also jetzt nicht? Freiburg i. Br., 20. September. Erzbischof vr. Roos ist Nachmittags 3y< Uhr hier etngetroffen und am Bahnhofe von den Spitzen der Behörden begrüßt worden. Unter feierlichem Geläute und Böllersalven begab sich der Erzbischof alsdann durch die reich geschmückten Straßen vor das Münster, wo die Begrüßung seitens der Geistlichkeit erfolgte. Nach der Procession in das Münster begann die kirchliche Feier, welche mit einer Ansprache des Erzbischofs an die Diöcesanen endete. Heute Abend findet ein Lampionzug und eine Serenade zu Ehren des Erzbischofs statt. Metz, 20. September. Der Kronprinz empfing heute Mittag den Bezirks- Präsidenten, die Generalität, die Behörden und die Geistlichkeit, besuchte sodann die Kathedrale, die Synagoge und wohnte der Grundsteinlegung des Waisenhauses vom Mathildenstift bei, wobei er die üblichen Hammerschläge that und die Stiftungsurkunde vollzog. Dann folgte die Besichtigung des Nicolaus-Hospitals, von wo der Kronprinz nach der Esplanade fuhr, wo Vereine, Schulen und Gemeindedeputationen des Landkreises Metz zur Huldigung anwesend waren. Der Kronprinz dankte für den Empfang und entschuldigte die Abwesenheit des Kaisers. Ueberall herrschte großer Enthusiasmus. Heute Nachmittag fand Galadiner im Bezirkspräsidium statt, wobei der Kronprinz das Wohl der Stadt und des Landkreises Metz ausbrachte. Haag, 20. Septbr. Die Rede, mit welcher der Minister Heemskerk heute die neue Session der Generalstaaten eröffnete, bezeichnet die Beziehungen zu allen auswärtigen Mächten als die freundschaftlichsten. Der Zustand der Finanzen sei, obschon das Darniederliegen des Handels nicht ohne Einfluß auf dieselben gewesen, ein befriedigender, eine Vermehrung der Steuern sei nicht nothwendig. Als Berathungs- gegenstände werden angekündigt Vorlagen über das Vereins- und Versammlungsrecht und über die Erneuerung des Statuts für die niederländische Bank. Ferner sollen Maßregeln vorgeschlagen werden zur Wahrung des allgemeinen Interesses bei der Frage der Zuckerkrise auf Java. In Bezug auf Atchin beabsichtigt die Regierung ihre bisherige Politik fortzusetzen, von welcher sie eine Besserung erwartet. Wien, 20. September. Cholerabulletin. Es erkrankten resp. starben in Triest 5/0, Pola 2/10, Pest 13/4, Fiume 1/2 Personen. Paris, 20. September. Der Botschafter Graf Münster ist hier eingetroffen. — Der „Temps" weist auf den Mißerfolg Englands in Egypten hin, dessen Lage immer schlechter werde und meint, Europa werde nicht zögern, in einer Frage zu intervenirev, deren Entscheidung ihm zukomme. Paris, 20. September. Nach einer Meldung aus Creuzot ist die dortige Fabrikwerkstatt durch eine Feuersbrunst heimgesucht worden. 300 Arbeiter sind beschäftigungslos und der Schaden beträgt eine Million. London, 20. September. Die Morgenblätter veröffentlichen eine amtliche Mittheilung, wonach die Meldung, Prinz Alexander von Battenberg werde die Königin besuchen, unbegründet ist. — Der „Standard" sagt, England würde leichtsinnig handeln, wenn es jetzt seine Armee aus Egypten zurückzöge; England würde aus gewissen Gründen Egypten jetzt nicht räumen, selbst wenn seine Aufgabe daselbst gelöst würde, da England von dort mit Vortheil die Bestrebungen der Feinde der Türkei, sich deren Gebietstheile zu bemächtigen, beobachten könne. England verstehe vollkommen die Ziele der russischen Diplomaten, aber es verstehe nicht die Ziele Frankreichs. Es wisse nicht, was Frankreich dadurch gewinnen wolle, daß es von England verlange, jetzt gerade Egypten zu räumen. Lasse sich die französische Diplomatie, wie die türkische, etwa von einer andern Macht inspiriren? Nichts könnte die Jsoltrung Frankreichs vollkommener machen, als jetzt zu fragen, wann England Egypten räumen werde. Die Antwort auf eine solche Frage sei einleuchtend. England sei bereit, sie zu geben, nicht nur Frankreich, sondern der ganzen Welt. Madrid, 20. September. Heute Nacht kamen hier tumultuarische Scenen vor^ bei denen der Ruf: Es lebe die Republik! ausgestoßen wurde. — Die aufständische Bewegung greift um sich; sie geht von Truppentheilen der Garnison aus und trägt militärischen Charakter. — Letzte Nacht reooltirten zwei Eskadrons Caoallerie und zweihundert Infanteristen in der Caserne Sangil. Sie schossen auf die Schildwachen und marschirten auf die Straßen mit den Rufen: „Es lebe die Republik, es lebe die Armee, es lebe Spanien!" Truppen wurden gegen die Aufrührer geschickt und schossen auf dieselben, worauf die Insurgenten zurückgtngen. Der Belagerungszustand wurde proklamirt. — Die aufständischen beiden Eskadrons und die Jnfanterie-Abtheilung, welche sich ihnen angeschlossen hatte, sind von den gegen sie geschickten Truppen zersprengt aus der Stadt getrieben worden. Eine Anzahl ist gefangen, andere sind geflüchtet, der Rest befindet sich auf dem Wege nach Valencia. Die Kriegsgerichte sind eingesetzt. Madrid, 20. September. Amtlich wird mitgetheilt: Die zersprengten Reste der aufständischen Truppen, welche sich in die Umgegend der Stadt geflüchtet hatten, sind von Gensdarmen gefangen und befinden sich in Händen der Behörden der umliegenden Ortschaften, so daß die aufständische Bewegung völlig als beendet anzusehen ist. Barcelona, 20. September. Die Gensdarmerie beschlagnahmte in Sindavellas Waffen und Munition angeblich carlistischen Ursprungs und nahm mehrere Verhaftungen vor. Genua, 20. September. Ihre K. u. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin hat sich beute Vormittag um 11 Uhr auf einer Aacht nach Portofino begeben, woselbst Höchstdieselbe in der Villa Carnarvon Aufenthalt nehmen wird. Belfast, 20. September. Gestern fanden wiederum ernste Ruhestörungen statt. Eine große Menschenmenge rottete sich vor der Polizeikaserne zusammen und verlangte die Freilassung der wegen Jnsultirung der Polizei verhafteten Gefangenen. Da dies verweigert wurde, griff der Pöbel die Kaserne an. Die Polizei feuerte, tödtete eine Person und verwundete mehrere schwer. Nachdem die Polizei Verstärkungen erhalten hatte, wurde die Ruhe wieder hergestellt. Es sind mehrere Verhaftungen vorgenommen worden. Belgrad, 20. September. Zur Verhinderung der Einschleppung und Verbreitung der Cholera sind entsprechende Maßregeln getroffen und ist eine besondere Sanitätscommission ernannt worden. Sofia, 20. September. Gestern fand die Vernichtung der Fahne der Kadettenschule statt. Ein Bataillon bildete Quarrt, inmitten dessen die Zöglinge der Kadettenschule aufgestellt waren. Major Popow hielt an dieselben eine Ansprache, in welcher er die in der Nacht vom 21. August von den Kadetten begangene Handlung brandmarkte. Darauf wurde die Fahne den Flammen übergeben. In Radomir wurde die Fahne des Regiments Strumski in gleicher Weise vernichtet. rMrbenbe04t i. Erzbischof al§: 1H SJlünfflC ?ef^uil9 ! 7* hann bi?! ■ Dlöcesanen I 3U Ehren des Erz- !> Mag den Bezirks-!' ?ÄEe sodann die; ^Waisenhauses vom bleSliftungsurkunde n w° der Kronprinz I Stationen des Land-'. für den Empfang roßer Enthusiasmus.!'" der Kronprinz das tz ^8 des I 1 ^hervor Sie , LM । srZN! Ä’ÄS ‘jSa äsS warum aifa g Heemskerk heute die "gen zu allen aus- lnanzen fei, obschon eiben gewesen, ein Als Berathungs- Dersammlungsrecht "k. Ferner sollen Interesses bei der die Regierung ihre let ip. starben in Triest hier eingetroffen. - besten Lage immer agt ju intmhtfy |of ist die dortigr ) Arbeiter smd be- chm eine amtliche \ werde die Königin ibeln, wenn es jetzt n Gründen Egypten t, da England von ren Gebielstheile zu Ziele der russigen i nicht, was Frank- gerade Egypten zn a von einer andern imener machen, als ,ort auf eine solche Frankreich, sondern arische Scemn vor,. Truppenteilen der und zweihundert Schildwachen und cpublik, es lebe die /schickt und schossen MsiUswd M-d- MM, Iruppen J*“* . nt smd v K«* ,ns?rw«>i"E t netlüd)let hatten,, Wd-r»» als beendet ai> SwÄ Sy?*. Ls- ;'5 >** Sir Kadett^" f’1“ kMj s>"° — Der russische Consul stellte der bulgarischen Regierung eine Note zu, worin verlangt wird, den Proceß gegen die wegen der Theilnahme am Staatsstreich vom 21. August verhafteten Officiere und anderen Personen nicht eher stattfinden zu lassen, als bis eine größere Beruhigung der Gemüther eingetreten ist. Sofia, 20. September. Deutschland gab zu erkennen, daß bei der gegenwärtigen Sachlage ein Aufschub der gerichtlichen Verhandlung gegen die am Staatsstreich vom 21. August Betheiligten angezeigt erscheine. Es heißt, die bulgarische Regierung werde sich dahin erklären, daß sie zwar die Untersuchung nicht einstellen könne, daß aber die Eröffnung der Verhandlung nicht vor mehreren Wochen stattfinden werde. London, 20. September. [Unterhaus.] Parnell beantragt eine zweite Lesung der irischen Bodengesetzbill und erklärt, die Annahme derselben trüge bessere Früchte für den Frieden Irlands, als die Sendung einer Anzahl Generale mit Truppen. Fitzgerald beantragt Verwerfung derselben. Reichstag. E. R. Berlin, 20. September 1886. In der um 121/« Uhr begonnenen Sitzung stand lediglich die dritte Lesung des spanischen Handelsvertrags auf der Tagesordnung. Eine Diskussion erhob sich bei derselben nicht, der Vertrag wurde genehmigt. Die Tagesordnung war damit erschöpft und unter Heiterkeit des Hauses con- statirte der Präsident, daß dasselbe ihn von der üblichen Uebersicht über die Ge« schäftsthätigkeit dispensire. Abg. Dr. Windthorst sprach dem Präsidenten unter dem Beifall des Hauses den Dank desselben für die umsichtige und unparteiische Leitung der Geschäfte aus, den der Präsident unter der Erklärung, ihn nicht verdient zu haben, auf die Dicepräsidenten und Schriftführer ausdehnte. Staatssecretär v. Bötticher verlas darauf die Allerhöchste Botschaft, durch welche er ermächtigt wird, den Reichstag im Namen des Kaisers und der verbündeten Regierungen zu schließen. In Folge dieser Ermächtigung erklärte er die gegenwärtige Session des Reichstags für geschlossen. Mit einem vom Präsidenten v. Wedell-Piesdorf ausgebrachten dreifachen Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König trennte sich das Haus um 12Va Ilhr. Lokale-. Gießen, 21. Septbr. Tagesordnung für die Stadtverordnetm-Sitzung am Donnerstag den 23. September 1886, Nachmittags 4 Uhr. 1. Gesuch der Firma Heyligenstädt & Comp. um Erlaubniß zur Anlegung einer Eisengießerei. 2. Gesuch des Wilhelm Reiber um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine. 3. Gesuch des Pumpenmachers Jakob Helfenbein um Bauerlaubniß. 4. Gesuch des Zugführers Franz Gerhards um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes. 5. Desgleichen des Maurermeisters Wilhelm Steinbach. 6. Desgleichen des Weißbindermeisters Wilhelm Seipp. 7. Ausbau der Schillerstraße. 8. Anschaffung von Schulbänken für die neue Stadtmädchenschule. 9. Erhöhung Der städtischen Trottoirs. Universität- - Chronik. — Der ordentliche Professor in der philosophischen Fakultät zu Kiel, Dr. Las- peyres, ist in gleicher Eigenschaft nach Bonn versetzt worden. — Prioatdocent Dr. Nöthling zu Berlin ist von der indischen Regierung als Paläontologe an das geologische Institut nach Kalkutta berufen worden und wird diesem ehrenvollen Rufe demnächst Folge leisten. Vermischtes 8 Von der Lahn, 16. September. sSecundärbahn Lollar-Gladenbachs In der jüngsten Zeit ist ein seit Jahren still gestelltes Eisenwerk in der Nähe von Gladenbach in der Richtung nach Lohra zu wieder in Betrieb gesetzt worden und ist daselbst eine neue Eisengießerei eröffnet. Mit der Arbeit, die geboten wird und mit dein eröffneten Verdienst wächst aber das Verlangen nach leichterer und schnellerer Beschaffung des Materials wie nach bequemerem Transport der vollendeten, zum Verkauf bereit gestellten Waare. So ost dem Flecken Gladenbach sämmt den um denselben liegenden Ortschaften auch die Erfüllung sehnlicher Wünsche in nahe Aussicht gestellt worden, bis dahin ist es zur Inangriffnahme einer Eisenbahn in der Richtung nach Lollar und Gießen nicht gekommen. Die Gründe liegen klar. Das hessische Hinterland hat nach dieser Seite gethan, was immer in seinen Kräften stand. Auch hinsichtlich der qu. Bahnlinie Gladenbach-Lollar ist es der König!. Regierung gegenüber bis an die äußerste Grenze seiner Leistungsfähigkeit gegangen; ein Weiteres als das Gebotene zu leisten ist es außer Stande. Wird noch mehr verlangt oder erwartet, so muß einfach der Plan, so sehr die Schnelligkeit seiner Ausführung nach manchen Seiten hin geboten erscheint, bei Seite gelegt werden. Auch hierbei heißt es hinsichtlich der von der Königl. Staatsregierung zu gewährenden Unterstützung mit vollem Rechte: bis dat qui cito dat. Die Gegend zwischen Lollar und Gladenbach hat, wenn gemeinsame Pläne zu realisiren sind, immer unter dem sehr empfindlichen Nothstand zu leiden, daß in das Thal der Salzböde — und ihr müßte die Eisenbahnlinie sich anschließen — 3 verschiedene landräthliche Verwaltungskreise Biedenkopf, Marburg und Wetzlar hineinreichen. Nun reichen sich zwar auch hier die beiden Kreise Biedenkopf und Wetzlar die Hand; beide halten mit aller Entschiedenheit daran fest, daß die Richtung der Bahnlinie nach Lollar zum Anschluß an die Main-Weser- und die Berlin-Wetzlar-Metzer Bahn die allein naturgemäße ist. Auf der anderen Seite indeß hat bislang die Stadt und der Kreis Marburg nichts unversucht gelassen, um die geplante Bahn in die Richtung nach Niederwalgern, mithin nach Marburg zu verlegen. Es sind Mittel sehr eigenthümlicher Art in Anwendung gebracht worden, um auch diejenigen kurhessischen Dörfer, welche der Richtung WDrt/Ä $ Somtr und Gleßen zu durchaus geneigt waren und noch sind, für IAburS ru gewinnen oder doch sie mundtodt zu machen; Mittel, welche an das £ ü£>m bäuerlich beschrankten Unterthanenoerstand gemahnen. Gleichwohl möchten die Manner, welche für die Bahnlinie Gladenbach-Lollar-Gießen eintreten das Vroiect nicpt aufgegeben wissen und sie setzen dabei ihr Vertrauen mit auf die Gemeinve-Ver- waltunaen zu Lollar und Gießen. Gleichgültig kann und darf es unseres Erachtens uicht sein, ob eine neu auszuführende, wenn auch immerhin kleine Bahn ihre Richtung auf sie zu nimmt oder von ihnen abführt. Verkehr bringt Leben- Handels- und Geschäfts-Verkehr macht das Geld flüssig und bringt es unter die Leute. Hstr sind der Meinung, wenn die Einwohner einer dem Verkehr durch eine Ersenbahn noch nicht erschlossenen Gegend den lebhaften Wunsch hegen, mit einer benachbarten Stadt in regeren und lebhafteren Geschäfts- und Handels-Verkehr zu treten, daß alsdann auch den Städten und betheiligten Flecken im vorliegenden Falle mithin der Prooinzialhauptstadt Gießen, sowie dem Flecken Lollar die Pflicht erwächst, die Hand freundlich zu bieten und in zuvorkommender Weise auch Mittel zu reichen öarantiren, Geldmittel, deren Zinsen ihnen doch selber wieder in der Regel reichlich zu Gute kommen. Unser Appell richtet sich darum an die eben genannten Orte, an Stadt wie Land, sie möchten in klarer Erkenntniß wahrscheinlicher Vortheile ur ste selber und in bestimmter Wahrnehmung eigener Interessen gegenüber den so scharf betonten und gut vertretenen Interessen der Stadt Marburg sich in Einvernehmen mit dem Gladenbacher Comit6, mit den Herren Hüttenbesitzern Schulz, Wehrend old und dem. Herrn Kaufmann Theis in Gladenbach setzen und in Vereinigung mit denselben in Berathung ziehen, welche Schritte zu thun und welche Garantien zu leisten sein, damit die Secundärbahn Gladenbach-Lollar thunlichst rasch ihrer Vollendung entgegengeführt werde. - sEntlassung zur Reserve.] Im Interesse der Betheiligten machen wir Darauf aufmerksam, daß die diesjährige Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften von den vorjährigen etwas abweicht. Die diesjährige Entlassung erfolgt bei denjenigen Truppen, die an den Herbstübungen theilnehmen, am ersten ober zweiten Tage nach Beendigung derselben oder nach dem Wiedereintreffen in den Garnisonen. Für die Fußartillerie-Regimenter Nr. 2 und 9 ist der 31. August, für alle übrigen Truppeiitheile der 30. September der späteste Entlassungstermin. Das Nähere bestimmen die betreffenden Geperalcommandos, für die Fußartillerie die Generalinspection der Artillerie. Die zu halbjähriger activer Dienstzeit eingestellten Trainsoldaten werden am 30. October oder am 30. April 1887, die Oeconomie - Handwerker am 30. September entlassen. Die Beurlaubungen der Mannschaften zur Disposition der Truppen- theile werden en den Terminen zur Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften stattfinden. Die Zahl der zur Disposition zu Beurlaubenden kann nicht jeder Truppenbefehlshaber nach Belieben festsetzen; dieselbe muß vielmehr genau der sich aus den Festsetzungen über die Rekrutirung ergebenden Zahl entsprechen. Beurlaubungen zur Disposition dürfen weder stattfinden, falls sich Freiwillige melden, durch die Vakanzen gedeckt werden können, noch auch als Mittel zur Anwendung kommen, um Vacanzen für den Eintritt Freiwilliger zu schaffen. — Die Einstellung der Rekruten zum Dienste mit der Waffe wird bei iämmtlichen Truppentheilen nach näherer Anordnung der diesen vorgesetzten Generalcommandos in der Zeit vom 4. bis 6. November erfolgen; nut beim Garde- und dem 15. Armeekorps findet die Einstellung in der Zeit vom 2. bis 6. November und für die obengedachten beiden Artillerie-Truppenheile, für die Unterofficierschulen und Oeconomiehandwerkstätten am Handel und Verkehr. Gießen, 20. September. Auf dem am 14. und 15. d. M. dahier abgehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1774 Stück Rindvieh und 760 Stück Schweine. Der Handel bei ersteren war lebhaft, bei Schweinen war der Handel etwas gedrückt. Nächster Markt Dienstag den 5. und Mittwoch den 6. October d. I., am letzten Tage auch Krämermarkt (Michaelimarkt). Die Krämerstände werden Morgens 8 Uhr verlesen. Gießen, 21. September. Auf dem heuttgen Markt kostete Butter per Pfand 1.00-110, Hühnereier pr. St. 6-0 H, Enteneier St. 6-7 Käse pr. St. 5-9 4, KSsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 26 4, Tauben per Paar 0,50 bis 0,60 4, Hühner per Stück 085—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.40-0.70, Enten per Stück JL 1.30—1.70, Ochsenfleisch per Wund 62—64 4, Kuh- und Rindfleisch 54—56 4, Schweinefleisch 56—60 4, Hammelfletich 50—66 4, Kalbfleisch 46—50 4, Kartoffeln per 100 Kilo JL 4.00—6.00, Milch per Liter 12—18 4, Zwiebeln per Centner JL 4.00—6.00. Frankfurt, 20. September. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer 17,00-17,25, fremder JL 16,50-19,75, Roggen eff. hies. «4L 13,25—13,75, fremder JL 14,00—14,25, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer JL 00,00—00,00, fremde ** 16,00—19,50, Hafer eff. hief. JL 11,50—12,50, fremder JL 11,50—12,50. Frankfurt, 20. September. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- ttieben waren 335 Ochsen, ca. 26 Bullen, ca. 456 Kühe und Rinder, ca. 285 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. QuaL 67—69, 2. Qual. JL 54—60, Kühe und Rinder 1. Qual. 54—56, 2. Qual. JL 42—50 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kalber 1. Qual. 60—65 4> 2. Qual. 50—55 4 per 1 Pfund Schlachtgewicht. Repertoir der vereinigten LtaöttlMter zu Frankfurt a. M. Opernhaus. Mittwoch den 22. September: Fidelio. Außer Abonnement. Große Preise. Donnerstag den 23. September: Maskenball. Große Preise. Freitag den 24. September: Carmen. Große Preise. Außer Abonnement. Samstag den 25. September: Lucia. Hierauf Ballet. Große Preise. Sonntag den 26. September: Prophet. Große Preise. Schauspielhaus. Mittwoch den 22. September: Reif-Reislingen. Große Preise. Donnerstag den 23. September geschlossen. Freitag den 24. September: Geier-Wally. Große Preise. Samstag den 25. September: Zmn ersten Male: Fromont jun. und Risler een. Drama in 5 Akten von Alf. Daudet und Ad. Belot. Große Preise. Sonntag den 26. September: Zum ersten Male wiederholt: Fromont jun' und Risler sen. Verdingung der Ausführung von 2211 qm Pappdacheindeckung auf dem zu erbauenden Locomotivschuppen zu Gießen. Termin Mittwoch d. 28. September, Vormittags 111/2 Nhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten zu Marburg. 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