Mr. US Samstag den 22. Mai 1886 Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. WWViKMr Schürft«gße T Srscherni Sprich wM BtetoeNe W MentssS. 9*** 2 Mark 2© Pf. mtt * Durch die Pas; bezogen vierteljLhrNL 2 Mar? LG M Amtlich er Hheit. «, . ..' _. m.r. L _ t Gießen, am 20. Mai 1886. Betreffend: Dre Bildung der für das Jahr 1886/87 nöthigen ^Veinsteuer-Einschätzungscommissionen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Unter Bezugnahme auf die Artikel 4, 6 und 7 des Gesetzes und § 4 der Verordnung vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung des Weines be- rreffeno, beauftragen wir Sie, alsbald durch den Gemeinderath drei Mitglieder und zwei Stellvertreter derselben für die nach Artikel 4 des genannten Gesetzes zu bildende örtliche Commission wählen zu lassen und das Ergebniß der Wahl uns binnen 14 Tagen anzuzeigen. __________________ Dr. Boekmann. Betreffend: Aufsicht über das Fasselvieh. Gießen, am 21. Mai 1886. Das Großherzogliche' Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte. Die Besichtigung der Gemeinde - Zuchtstiere und -Zuchteber durch die für Ihren Bezirk von dem landwirtschaftlichen Bezirksverein gewählte Commission wird an folgenden Tagen stattfinden: 9 } Dienstag den 23. L M. in Nonnenroth, Röthges, Villingen, Langd, Rabertshausen, Rodheim und Steinheim. Mittwoch den 26. I. M in Hungen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe, Bellersheim und Obbornhofen. Donnerstag den 27. I. M in Bettenhausen, Muschenheim, Birklar und Langsdorf. .... Sie wollen die Bullen- und Eberhalter anweisen, zur ftaglichen Zeit zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen vorzufuhren, auch sich selbst bereit halten, um etwa verlangt werdende Auskunft zu ertheilen. Weiter empfehlen wir Ihnen, bte Mitglieder des Vereins zur Züchtung und Veredelung der reinen Vogelsberger Rindviehraffe, oder solche, welche m reine ^treten wollen, davon in Kenntniß zu setzen, daß auch Kühe, welche, zur Züchtung dieser Rasse verwendet werden sollen, der Commission zur Besichtigung vorgesuhrt werden können. ____________________________________ Dr. Boekmann. Bekanntmachung. DaS Budget des laudwirthschaftlichen Vereins für d.^ Arovirrz Oberheffen pro 1886/87. Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern das vom Ausschüsse des landwirtschaftlichen Vereins von Oberheffen pro 1886/87 festaesiellte Budget genehmigt hat, wird dasselbe hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. 9 A. Einnahme. Staatsfonds Vereinsfonds 1. Überschüsse aus vorderen Jahren — 537,91 2. Zuschuß aus Großh. Hauptstaatskasse im Ordinarium 6000 — 3. Zuschuß aus derselben für Viehpreisvertheilungszwecke 4. Zuschuß aus derselben für Honorirung der Wander- 1000 — lehrerthätigkeit . ..... 5. Beitrag der Aachen - Münchener Feuerversicherungs- 1000 — gesellschast........ 6. Beitrag des Landespferdezuchtvereins zur Provinzial- — 750 Fohlenweide........ — 200 7. Beiträge der Vereinsmitglieder .... — 6286 Zusammen: B. Ausgabe. 8000 7773,91 1. Bureau, Kasse und Rechnungswesen — 1270 2. Unterstützung der landw. Bezirksvereine . — 2093 3. Kosten der landw. Zeitschrift..... — 3000 4. Gehalt des Wiesenbaumeisters .... 2500 — 5. Für die Ackerbauschulenzu Alsfeld, Büdingen u. Friedberg 6. Beitrag zu den Kosten des Deutschen Landwirthfchafts- 2400 — raths......... — 160 7. Zur Hebung der Rindviehzucht durch Preisvertheilungen [8. Zur Unterstützung der Vereine für Züchtung des reinen 1000 600 Vogelsberger Viehes...... 9. Zur Unterstützung der Provinzialfohlenweide . 1000 — — 400 10. Zur Bestreitung der Kosten der Wanderlehrerthätigkeit 11. Zur Unterstützung der chemischen Untersuchung von 1000 — landw. Producten, Düngemitteln u. s. w. 100 — 12. Reservefonds....... — 250,91 Zusammen: 8000 7773,91 Friedelhausen, den 20. April 1886. Der Bemerkungen zur Ausgabe. pos. 5. Aus dem Betrage von 2400 JL sollen als Subvention erhalten die Ackerbauschulen zu Alsfeld und Friedberg je 1100 diejenige zu Büdingen 200 dl. pos. 7. Aus der Summe von 1600 Jt müssen 1000 JC. als Staatspreise zur Verwendung kommen. Der ganze Betrag wird dem landwirthsch. Bezirksverein Alsfeld für Abhaltung einer Viehpreisvertheilung in 1886 unter der Bedingung zur Verfüguug gestellt, daß auch aus der Kaffe des Bezirksvereins eine angemessene Summe zu Preisen zur Verwendung kommt und daß die bezüglich der Preisverthellung bestehenden Bestimmungen eingehalten werden. pos. 8. Dieser Betrag wird zu gleichen Theilen den fünf in der Provinz bestehenden Vogelsberger Viehzucht-Vereinen zur Verfügung gestellt, vorbehältlich des Nachweises der Verwendung. pos. 10. Diese 1000 werden den 6 Bezirksvereinen zur Abhaltung von Wandervorträgen zu gleichen Theilen zur Verfügung gestellt. pos. 11. Aus diesem Betrage soll Landwirthen, welche künstliche Düngemittel, landwirtschaftliche Sämereien rc. bei der landwirthschaftlich - chemischen Versuchsstation zu Darmstadt untersuchen lassen, die Hälfte der durch diese Untersuchung entstehenden Kosten ersetzt werden, insoweit der Betrag ausreicht und nach der Priorität der Anmeldungen. Präsident des laudwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau. Lehrer-Conferenz des Bezirks Lich- Hungen: Mittwoch den 26. Mai, Vormittags 10 Uhr, in Hungen. — Lieder 43. 93. 117. Gießen, den 20. Mai 1886. Büchner, Kreisschulinspector. Darmstadt, 20. Mai. Se. Excellenz Herr Staatsmintster Finger hatte die Mitglieder der Ministerien, sowie die Mitglieder der zweiten Kammer der Stände gestern zum Abendessen eingeladen, wozu die Eingeladenen sich nahezu vollzählig eingesunden hatten. Die Reihe der Trinkjprüche eröffnete der Herr Ctaatsminister mit einem mit Begeisterung ausgenommenen Toast aus Se. König!. Hoheit den Großherzog. Es folgten Trinksprüche de« ersten Präsidenten der zweiten Kammer Herrn Kugler auf den Herrn Staatsminister und feine Gemahlin, des Herrn Staatsminister aus die Mitglieder der zweiten Kammer der Stände, und des zweiten Präsidenten der zweiten Kammer Herrn Wolsskehl aus die Fortdauer des guten Einvernehmens zwischen der Großh. Regierung und Den Ständen. Aus dem Trinkspruche des Herrn Staatsminister Finger Excell. sei es uns gestattet, hervorzuheben, daß in demselben die über seinen angeblich bevorstehenden Rücktritt neuerdings in der Presse verbreiteten Nach- richten berührt wurden. Das durch die Gnade Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs ihm übertragene verantwortungsreiche Amt — so bemerkte etwa der Herr Staatsminister — habe er seiner Zeit nicht erstrebt, es vielmehr übernommen in der Ueberzeugung, daß es seine Pflicht sei, dem Vertrauen entgegenzukommen, welches Fürst und Land ihm gezeigt hätten. Wenn es auch in manchen Beziehungen als verlockend erscheinen könne, sich auf die weniger verantwortungsreiche Stelle zurückzuziehen, welche ihm die Mittheilungen öffentlicher Blätter zugedacht hätten, so glaube er doch gerade im gegenwärtigen Augenblick ausharren zu müssen und nicht, wenn dieser Ausdruck gestattet sei, die Flinte in's Gras wersen zu dürfen. In dem freudigen Bewußtsein, daß er das Vertrauen Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs besitze und daß ihm die Unterstützung der Stände des Großherzogthums nicht fehlen werde, könne und wolle er sich den uns bevorstehenden schwierigen Aufgaben und namentlich der Aufgabe, den Friedensschluß mit der katholischen Kirche herbeizuführen, nicht entziehen und er hoffe, es werde derselbe bei richtigem Entgegenkommen aller Betheiligten in zufriedenstellender Weise gelingen. (D. Ztg.) Darmstadt, 18. Mai. In Der heutigen Sitzung zweiter Kammer der Stände brachte der Abg. Schröder folgende Interpellation ein: Der Unterzeichnete beehrt sich, bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hiermit ergebens! anzufragen: Ob die Bestimmungen des Ministerial-Ausschreibens Nr. 34 vom Jahre 1843, welche sestsetzen, daß die Kleinverkäufer von Branntwein, Branntweinverzapf zum sofortigen Genuß, bei der Concessionsertheilung gleich den Gastwirthen, resp. Schankwirthen zu behandeln sind, demnach für ihren Wirthschaftsbetrieb (Kleinverzapf von Branntwein) ein besonderes Lokal, da» ausschießlich diesem Zwecke dient, haben und haben müssen, noch bestehen und polizeilich gehandhabt werden, oder ob diese für Kramläden und die fast zahllosen Branntwein-Ausschänken dringend angezeigte gewerbepolizeiliche Maßregel nachträglich in irgend rechtsgiltiger Form ausgehoben worden ist? Darmstadt, 20. Mai. [Broeite Kammer der Landstände.) Vor Eintritt in die Tagesordnung wird Bericht angezeigt über die in der vorgestrigen Sitzung an den Ausschuß zurückverwiesenen Anträge der Abgg. Küchler, Möhn und Schröder, die Pensionirung der Volksschullehrer betr. , , Der Ausschuß beantragt, die Großh. Regierung zu ermächtigen: 1) denjenigen Volksschullehrern, welche vor dem Jahre 1868 die Seminarprüfung bestanden haben und bei welchen zwischen der Zeit des Bestehens der Seminarprüfung und der Zeit des Bestehens der Schlußprüfung ein längerer Zeitraum als 3 Jahre verflossen ist, die dienstliche Verwendung vor dem Bestehen der Schlußprüfung von dem Momente an, an dem drei Jahre seit dem Bestehen der Seminarprüfung verflossen waren, dann als pensionsfühige Dienstzeit in Anrechnung zu bringen, wenn nach dem Ermessen der Großh. Regierung die Verzögerung der Absolvirung der Schlußprüfung durch besondere Umstände für entschuldigt zu erachten ist; 2) denjenigen Volksschullehrern, welche nach dem Bestehen der Schlußprüfung an einer nicht öffentlichen Schule verwendet waren, die vor dem 1. October 1870 an einer solchen Schule verbrachte Zeit dann als pensionsfähige Dienstzeit in Anrechnung zu bringen, wenn nach der Auffassung der Großh. Regierung die fragliche, nicht öffentliche Schule einem Bedürfniß entsprach und deshalb in gewissem Sinne als dem öffentlichen Interesse dienend erachtet werden konnte. Ferner wurde noch Bericht angezeigt über den Antrag Wasserburg, den hessischen Vertreter im Bundesrath anzuweisen, daß er gegen das Branntweinmonopol stimme, und eine Eingabe des Demokraten-Vereins zu Mainz in gleichem Sinnet Der Ausschuß beantragt: Antrag und Eingabe für erledigt zu erklären, da sie d^-aMblehnung des Branntweinmonopols im Reichstag gegenstandslos geworden seien.' v Man schritt hierauf zum 1. Punkt der Tagesordnung, Verathung über dey Gesetzenwurf, die Unterbringung jugendlicher Uebelthäter und verwahrloster Kinder betr. und trat in eine allgemeine Discussion über den Gegenstand ein. Abg. Wasserburg: Nachdem der Staat seit Jahren gewissermaßen das Monopol der Erhaltung der Sittlichkeit an sich gerissen habe und eine große Anzahl von Pfarreien im Lande habe verwaisen lassen, komme er nun mit einem Gesetz gegen die zunehmende Verwahrlosung der Kinder. Noch auf dem 23. Landtage habe man dem Abg. Schröder auf sein Anfragen erwidert, daß kein Bedürfniß für ein solches Gesetz vorhanden sei. Mit der Zunahme des Culturkampfes sei aber auch dieses gewachsen. Er erkläre sich gegen ein Gesetz, das ein Polizeigesetz schlimmster Natur sei und in die heiligsten Rechte der Familie eingriffe. Nach seiner Ansicht kämen zuerst die Eltern, dann die Schule; zuerst die Familie, dann der Staat. Man solle die Religion wieder den Ehrenplatz einnehmen lassen, man solle die Kirche wieder freigeben, das sei das beste Mittel, die Sittlichkeit zu heben. Im Gegensatz hierzu erklärt sich Abg. Ulrich, vom socialdemokratischen Standpunkt betrachtet, gegen das Gesetz. Solche Auswüchse der menschlichen Gesellschaft könne man am besten verhindern, wenn man den Menschen Mittel zur Ernährung und Bildung an die Hand gebe. Man solle principiell ein Gesetz ablehnen, welches den einzelnen richterlichen Persönlichkeiten gestatte, tiefgehende Eingriffe in die Familien- rechte zu machen und eine vernünftige, sociale Entwicklung des Staates hindere. Eine Annahme des Gesetzes bedeute eine Schande und ein Armuthszeugniß für unser engeres Vaterland. Abg. Schröder erwidert, daß bei dem Gesetz der confessionelleStandpunkt sehr wohl berücksichtigt worden sei, da ausdrücklich in Art. 10 gesagt sei: sowohl bei Unterbringung in einer Familie, als bet derjenigen in einer Anstalt ist auf die Eonfession des Kindes thunlichst Rücksicht zu nehmen und für ausreichenden Unterricht in der Religion desselben zu sorgen. Der Staat sei aber zu schützen gegen die Zuchtlosigkeit der Eltern, die die Pflichten der Familie und Ehe nicht genug handhabten und die die Schuld trügen an der zunehmenden Verwahrlosung. Die Fassung einiger Theile des Gesetzes lasse allerdings Manches zu wünschen übrig, er hoffe aber, daß die Beratung diesen Mangel verbessern würde. Jedenfalls protestire er gegen solche weit über das Ziel schießende Exclamationen, wie die der Herren Wasserburg und Ulrich. Abg. Küchler: Von Polizei sei im ganzen Gesetz nicht dieRede. Das Gericht habe zu entscheiden und dies sei doch gewiß auch für solche Fälle competent, da es doch sogar über Leben und Tod zu entscheiden habe. Das Erziehungsrecht sei allerdings ein heiliges. Dem gegenüber stehe aber die Pflicht; wird diese nicht geübt, so hat der Staat das Recht, die Erziehung der Kinder zu übernehmen. Wenn die individuelle Freiheit mißbraucht und gemeingefährlich würde, dann müsse man einschreiten. Staatsminister Finger Exc. erwidert auf die Ausführungen des Abg. Wasserburg, er hebe hervor, daß neben der katholischen Kirche eine evangelische bestehe, die von jeher eine besondere Regsamkeit entwickelt habe, um der Verwahrlosung entgegen- zutreten. Die erste christliche Kirche habe sich auch durch das Bestehen von Staatsgesetzen nicht hindern lassen, ihre Pflichten zu erfüllen. Die Verwahrlosung sei auch früher vorhanden gewesen, als die katholische Kirche noch ganz frei war. Das St. Josephsstift zu Groß-Zimmern sei doch auch gegründet von der katholischen Kirche für verwahrloste Kinder. Dem Abg. Ulrich gegenüber hebe er hervor, daß das Gesetz äußerst subsidiär sei, es solle nur da eingreifen, wo Familie und Kirche nicht im Stande seien, ein Kind vor Verwahrlosung zu bewahren. Den Vorwurf, er schüre damit den Klassenhaß, wolle er gern auf sich nehmen, er wünsche nur, daß Herr Ulrich den Klassenhaß weniger schüre, wie er es jetzt thue. Denn wenn er in seinem Blatte dem Volke sage: Was man Euch sagt von Religion, ist Erfindung der Reichen und Herrschenden, laßt Euch solche Märchen nicht weiß machen — damit predige er Verwahrlosung, dadurch mache er solche Gesetze nöthig. Abg. Jöst verwahrt sich gegen die Behauptung, daß der Atheismus eine Verwahrlosung der Sitten herbeisühre. Zu allen Zeiten habe er bestanden, im Verein mit der strengsten Sittlichkeit. Was das Blatt des Herrn Ulrich anlange, so sei das das zahmste, was in Arbeiterkreisen gelesen würde. Im Uebrigen stehe er auf dem Standpunkt des Herrn Ulrich. Gegen das Gesetz sprechen noch die Abgg. Franck, Metz (Gießen). Letzterer weist darauf hin, daß er im Bericht kein Material gesunden habe, welches die Noth- wendigkeit rechtfertige, in der Beziehung für das Staatswohl einzutreten. Abg. Metz (Darmstadt) erklärt sich ebenfalls nach längerer sachlicher Ausführung gegen eine Annahme des Gesetzes. In Preußen habe die einzige statistische Ermittelung, die bisher gemacht worden sei, gezeigt, daß feit dem Bestehen des Gesetzes (1878) die Verwahrlosung zugenommen habe. Abg. Ohly empfiehlt die Annahme des Gesetzes, welches sich nicht gegen einzelne Klassen richte, sondern gegen ein sociales Hebet, einen socialen Mißstand. Er habe die Erfahrung gemacht, daß es nicht die armen Leute seien, zu ihrer Ehre sei es gesagt, die ihre Kinder vernachlässigten, sondern meistens Leute, die die Mittel und Fähigkeit hätten, ihre Kinder zu erziehen, aber nicht wdllten. Von Hunderten von Kindern, deren Unterbringung in Besserungsanstalten er angeordnet habe, seien nur 3 oder 4 miß- rathen, die übrigen seien brauchbare Mitglieder der Gesellschaft geworden. Schluß der Debatte wird i/22 Uhr mit 17 gegen 14 Stimmen beschlossen und hierauf die Diskussion auf morgen vertagt. Posen, 20. Mai. Wie der „Kuryer Pozn." meldet, übernahmen heute im Auftrage des Erzbischofs Dinder, Weihbischof Korytkowski und Generalvicar Litowski aus der Hand des königl. Commissars, des Regierungsraths Perkuhn, das erzbischöfliche Vermögen, welches am 9. Juni 1874 in die königl. Verwal- tung übergegangen war.__________________________________ Reichstag. E. R. Berlin, 20. Mai 4886. Die Berathung der Zuckersteuer-Vorlage wurde heute fortgesetzt. Während die Vorlage die Rübensteuer von 1,60 X auf 1,70 X pro 100 Kgr. erhöhen, die Boni- fication von 18 X auf 17,25 X herabsetzen will, beantragen die Abg. Witte und Barth (dfr.) die Rübensteuer von 1,60 X beizubehalten und die Bonifikation von 18 X auf 16 X herabzusetzen. Abg. Trimborn (Ctr.) sprach sich, da die Zuckerindustrie ohne Ausfuhrprämien nicht bestehen könne, für die Regierungsvorlage aus- ebenso auch der Abg. Oechel- häuser (nat.-lib.), der allerdings in ihr nur einen Lückenbüßer erkennt, den man in der bestehenden Zwangslage annehmen müsse. Abg. Witte (dfr.) Von einer Nothwendigkeit der Prämien sei bei dem Erlaß des Zuckersteuergesetzes von 1869 keine Rede gewesen. Die Erhöhung der Rübensteuer ' sei vielleicht für die Zuckerindustrie, speciell für die Melasse-Entzuckerung, nicht unerträglich; aber sie schädige die Landwirthschaft; deßhalb solle man die Steuer nicht erhöhen. Pr. Finanzminister v. Scholz findet, daß der Antrag Witte int finanziellen Effekt fast der Regierungsvorlage gleichkomme; aber es werde die Zuckerindustrie, die sich ohnehin in einer schwierigen Lage befinde, empfindlich schädigen; deshalb bitte er den Antrag Witte abzulehnen. Abg. Rohland (dfr.) führte aus, daß die Erhöhung der Rübensteuer die Schäden dieser Steuer verstärken werde, daß sie die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Zuckerindustrie auf dem Weltntarkte beeinträchtige. Wenn man auf diesem Wege der Erhöhung der Rübensteuer und der Bonification fortschreite, dann werde man zur Fabrikatsteuer koinmen. Man müsse auf dem Wege der Steuerermäßigung die Unterschiede zwischen gutem und schlechtem Rübenboden auszugleichen suchet: und deswegen den Antrag Witte annehmen. Abg. Barth (dfr.) bemerkt, daß das Amendement Witte ganz genau den Wünschen der Zuckerindustrie entspreche, es gewähre immer noch eine Heilte Prämie. Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abg. v. Helldorf, Buhl, vr. Witte und des Finanzministers v. Scholz werden die Anträge des Abg. Witte abgelehnt und die Regierungsvorlage in zweiter Lesung angenommen. Es folgen Wahlprüfungen. Diejenige des Abg. Zeitz, dessen Wahl für ungültig erklärt werden soll, ist mit einer mehrstündigen Diskussion verbunden, an der sich die Abg. Dr. Möller, v. Köller, Traeger, Spahn, Bock, Marquardsen, v. Rheinbaben und vr. Windhtorst betheiligen. Zu näherer Feststellung des Punktes, wie weit sich die Kriegervereine bei der Wahlbewegung in diesem Falle betheiligt haben, wird die Angelegenheit noch einmal an die Wahlprüfungscommission zurückoerwiesen. Nächste Sitzung Freitag. Petitionen, dritte Lesung der Zuckersteuer-Vorlage und Interpellation der socialdemokratischen Partei bezüglich der Circularverfügung des preußischen Ministers. Telegraphische Depesche«. öoMPi telegr. Torrefpondenz ■ Vrrrearr. Berlin, 20. Mai. Fürst Bismarck ist heute Nachmittag 5 Uhr nach Fried- richsruh abgereist, begleitet vom Grafen Rantzau. — Das Abgeordnetenhaus genehmigte ohne Debatte in dritter Lesung die Kosten des Zollanschlusses Altonas, ebenso in unwesentlicher Debatte die Kreis- und Provinzialordnung für Westfalen, wesentlich nach den Beschlüssen der zweiten Lesung. Der Vertrag mit^Oldenburg wurde genehmigt. — Morgen kleinere Vorlagen und Petitionen. — Der „Nationalzeitung" zufolge ist dem Bundesrathe ein Antrag Preußens zugegangen, wonach über Spremberg im Regierungsbezirk Frankfurt a. d. O., sowie über die Provinz Brandenburg auf Grund des Socialistengesetzes der kleine Belagerungszustand verhängt werden solle. — Die „Kreuz - Zeitung" sagt betreffs der auf der heutigen Tagesordnung des Bundesrathes stehenden Ernennung eines Bevollmächtigten zum Bundesrathe, daß der Unter - Staatssecretär Jacobi zum Mitgliede des Bundesrathes berufen worden sei. Paris, 20. Mai. Die Journale beschäftigen sich fortgesetzt mit der Berathung der Prinzen-Ausweisung durch den Ministerrath. Der „Liberte" zufolge habe das Princip Der Ausweisung im Ministerrath die Oberhand erhalten, vollständiges Einvernehmen sei noch nicht erzielt, insbesondere über die Form und gegen welche Prinzen die Ausweisung zu verhängen sei. Der am Dienstag abzuhaltende Ministerrath werde die definitive Entschließung fassen. Der „Francais" bezeichnet die Ausweisung des Grafen von Paris als höchst unpolitisch und den Interessen Frankreichs zuwiderlaufend. Die Ausweisung würde den Prinzen in den Augen Frankreichs nicht herabsetzen. London, 20. Mai. Unterhaus. Morley beantragt die zweite Lesung der Bill, durch welche die Giltigkeit des am 3. Juni ablaufenden irischen Gesetzes, welches das Tragen, den Verkauf und die Einfuhr von Waffen in gewissen Districten verbietet, verlängert wird. Morley rechtfertigt seinen Antrag mit Hinweis auf die jetzige politische Erregtheit, wobei es nicht wünschenswerth sei, daß sich die Theilnehmer von Versammlungen im Besitze von Waffen befänden. Parnell erklärte, er wolle die Bill nicht beanstanden, halte es aber für nothwendig, die Bill in allen Districten Irlands gleichmäßig anzuwenden. — Das Oberhaus nahm in zweiter Lesung die Bill, betreffend die schottischen Kleinbauern, an. — Unterhaus, lieber das irische Waffengesetz entsteht eine weitere lebhafte Debatte. Churchill rechtfertigte seine jüngste Behauptung, daß die Loyalisten von Ulster zum bewaffneten Widerstande eventuell berechtigt seien. Gladstone erklärt, das Waffengesetz müsse unparteiisch angewandt werden. Er bedauere, bet Churchill's Rede nicht anwesend gewesen zu sein. Er höre aber, dieser habe seine Sprache in Ulster zu rechtfertigen gesucht. Seines Erachtens bildeten Churchill's Aeußerungen einen hochernsten Gegenstand, da Churchill als Exminister dem Volke sage, wenn die verfassungsmäßigen Mittel erschöpft seien, sei es zum bewaffneten Widerstande berechtigt. Wäre dies wirklich auf Ulster anwendbar, dann sei es mit eben solchem Recht auf Leinster und Munster anwendbar. Die Regierung habe bisher keine Notiz von Churchill's Erklärungen genommen, um nicht die Leidenschaften im Hause zu entfesseln. London, 20. Mai. sBerichtigungs-Telegramm.j Das Reuter'sche Telegramm aus Cape Coast Castle (datirt London, 19. Mai) meldete die Ermordung von fünf- undvierzig deutschen Händlern durch den Stainm Becquah. Diese Nachricht ist unrichtig. Es handelt sich um die Ermordung von 45 Gaminhändlern. In der Depesche war zu lesen: gamin statt german. mithin!1?rv t-!?Ur?e für ben Herbst ein eingehender Vortrag über die beste Ver- Obstsorten angekundrgt Auch diesem Herrn wurde durch Herrn Büra^ Kirchliche Anzeige» der Stadt >^lche EureVorfahren auf den Aufruf meines Großvaters bewiesen auf dem Md Sichel Rußland? kn "^'""-Euch die Vertheidigung der Ehre Newyork, 20. Mai. Der Aldermann Zähne, welcher der Annahme einer Re- w beVt ®rÄn‘H’-Straßenbahn überführt worden ist, wurde zu y Jahren und 10 Monaten Gefanginß verurtheilt. 6 o : ÄW' 20. Mai. Auf dem Aetna haben sich 11 Krater geöffnet, darunter LtPrCrf r a?Äa ergießt sich in 200 Meter Breite. Der Central- Leben fort b § ®ampfe unb We au§- An einigen Punkten dauern die Erd- BeeMLfchteH, Hungen, 17. Mai. Gestern Nachmittag hatte sich eine große Anzahl von Lmrdwnthen und freunden der Landwirthschaft im Saale des Gasthauses zum „Solmser Hof versammelt, um den angekündigten Vortrag des Herrn Hofgärtner Aoack von Darmstadt zu Horen. Derselbe sprach in lMündiger fließender Rede über «I.h9a WUmerble^e§ F)ema sehr verständlicher Auseinandersetzung io fesselnder Werse zu Gehör zu bringen, daß die Zuhörer mit großem Interesse fernen Ausführungen folgten. Herr Noack hob namentlich hervor, daß auch in rauhen Lagen unserer Provinz und bei schlechten Bodenverhältnissen gewisse Obstsorten mit Vorther angepflanzt werden könnten, vorausgesetzt, daß den Bäumen die nöthige Pflege werde. Herr Amtmann Nover aus Gießen sprach dem Herrn Redner im Namen der Anweienden den verdienten Dank aus und kam noch einmal auf die Haupt- punkte des Vortrags zuruck. Hierauf wurde die Discussion eröffnet und die von anwesenden Interessenten gestellten Fragen durch Herrn Noack ausführlich beantwortet. Zur Freude der ganzen Versammlung wird ein hier schon lange gehegter Wunsch in rndem aus Anregung einiaer Herren sofort zur Bildung eines land- J geschritteii wurde. Eine große Anzahl von Mitgliedern meldeten sich, welche beschlosien, die Constituirung dieses selbstständigen Vereins für den hiesigen Bezirk nächsten Sonntag in demselben Lokale vorzunehmen. — Von Herrn Qr O1 . Temperatur der Lahn. Am 21. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15'/-°, Lust 22° R. im Schalten. ... L. Chr. Rübsamen. Arlgrmriaer Anzeiger. Arbeits-Versteigerung. Montag den 24. Mai l. I., Nachmittags um 1 Uhr, -soll auf dem Rathhaus zu Garbenteich zur Versteigerung kommen: Maurerarbeit im Schulhaus, veranschlagt zu 50 J-L Brunnenarbeit a. Grab- u. Maurerarbeit veranschlagt zu 102 ai. b. Pumpenmacherarbeit, veranschlagt zu 14 .X . Garbenteich, am 20. Mai 1886. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. _________Schwarz.______3934 Dienstag den 23. d. MtS., Vormittags von 9 Uhr ab, sollen im Lützellindener Stadtwald, Distrikt „Strauch" öffentlich versteigert werden: Eichen: 3 rm Scheit, 2 rm Knüppel (2V2 m lang), 55 rm Stöcke, 2160 Wellen. Gr. Rechtenbach, 17. Mai 1886. •3940______Das Bürgermeisteramt. Arbeits-Versteigerung. Dienstag den 23 Mai l. I., Nachmittags 4 Uhr, sollen folgende Arbeiten, als: Pflasterarbeit, veranschl. zu 149,30 «X Maurerarbeit, „ „ 160,50 „ Kleinschlagen von Decksteinen, veranschl. zu 75,— „ auf hiesigem Rathhause öffentlich an den Wenigstnehmenden in Akkord gegeben werden. Hausen, am 21. Mai 1886. Großh. Bürgermeisterei Hausen. Dern. 3948 IeisgeSoienes. Turnerhüte (Aroh, Max Sepp. 3928 Marktstraße 7. 3939 Ein gutes Geschäftshaus in bester Lage der Stadt, ist unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Näheres bei W. Krämer. 3936 Eine frischmelkende Ziege zu verkaufen. Schützenstraße 12. 1 Hackspähne werden verkauft Bleichstraße 12. I Sommerhüte für Herren, in grau und braun, per Stück Mk. 1 und Mk. 1,30, Max Sepp, Marktstr. 7. Ausschnitt Gothaer Wurst- u. Fleisch-Waaren (auf Eis gelegtl bei 3947 C. <*♦ Kleinhenn. KonftrmMöenschirme. 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Müller (Cello). PHOGBAMM. 1. Quartett in B-dur . Vivace assai. Adagio. Menuello. Finale: Allegro con spirito. 2. Quartett in A-moll . Allegro ma non troppo. Andante. Menuetto. Allegro moderato. 3. Quartett in A-dur . Allegro. Menuetto. Andante cantabile. Allegro. von Haydn. Schubert. Beethoven. Eintrittskarten für Nichtmitglieder ä 2,50 (Sperrsitz ä 3,50) sind in der R u d o 1 p h’schen Musikalienhandlung zu haben. 3836 Vi Seite (18 cm : 12 cm) . Rudolf Mosae, Frankfurt a. 1 2 V3 AL 50.— „ 35 — Im Anschluß an Obiges theile ich ergcbeust mit, daß die Jnfertions- preise des officiellen Ausstellungscatalogs folgendermaßen festgesetzt sind: (9 cm : 12 cm) . (6 Cm '. 12 cm) . Erste Deutsche Wein-Ausstellung g Frankfurt a. M. 1886. O Hierdurch geben wir bekannt, daß wir der Annoncen-Expedition ih? von Rudolf Mosse den Verlag unseres officiellen Ausstellungs- O Catalogs übertragen haben. Mit diesem Catalog wird ein Annoncen- A anhang verbunden und steht die Annahme von Inseraten hierfür, sowie der jk Vertrieb des Catalogs allein der obengenannten Firma zu, an welche © daher alle diesbezüglichen Anfragen zu richten sind. Q Erste Deutsche Wein-Ausstellung Frankfurt a. M. 1886. $ Das Comite. I. SB.: 21. W-riier. « Sonntag den 23. Mai: Tanzmusik 3946 bei TT. ‘oCllZllidt II, Grünbergerstraste. I Stein’s Garten. Um meinen wertben Gästen entgegen zu kommen, verabreiche ich von heute ab im Garten und sämmtlichen Localitäten, an Sonn- und Festtagen und bei Concerten: Gießener Actieubier (E.rport) ä 12 Pf. per Münchener Spatenbräu . . „ 18 „ Hochachtungsvoll 3943___C, Stein, Lenz'fcher Felsenketter. Samstag den 22. Mai: 3933 Grosses Abend-Concert ausgesührt von der Capelle des 2. Grotzh. Heff. Ins. Rgts. (Grotzherzog) Nr. 116, unter Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn C. Krautze» Anfang präcis 8 Uhr. Entree SO Pf. ________________Id. Lenz, Liederkranz. Sonntag den 23. Mai: Parthie nach Staufenberg. Abfahrt mit Gxtrazug nach Lollar 2 Uhr 45 Mn- Rückfahrt 9 Uhr 15 Min. BilletS ä 60 können von 2 Uhr ab am Bahnhof in Empfang genommen werden. Kinder unter 14 Jahren von Mitgliedern fahren {reL 3869 Der Vorstand. Wermieißungen. 3929 Zwei schön möblirte Zimmer, auch einzeln, zu vermiethen- __Ludwigsstraße57, parterre. 3931 Ein schönes möblirtes Zimmer zu vermiethen-_________Seltersweg 35. 3937 Ein schönes Familienlogis zu vermiethen. Mäusburg 9. Vermischte Anzeigen. 3941 2 nette Mädchen m. g. Zeugn., welche Buchs, verstehen, eugl. u. franz, spr-, s. u. besch. Anspr. alsbald Stelle als Modist, n. Verkäuferinnen. Gefl. Off. u. R. 55 an Haafenstein & Vogler, Marburg. __________ 3944 Gefunden ein Portemonnaie mit Inhalt. Abzuholeu gegen Jnserat- gebühren bei Dieustm. Bel), Wolkeng. 21. Frische Ameiseneier zu kaufen gesucht. __Wo? sagt die Exped. d. Bl. 3867 Ein solider Mann kann Kost u. Logis erhalten.___________Mäusburg 3. 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Gr. 3938 EKX IHI ■!!■ ■■!■!■■ ■ |||| ||!■ n — Redaction: A. Scheyda- — Druck und Verlag der Brüh loschen Druckerei lFr- Cür. Pietsch) in Gießen. Di» heutig» JTuW«»» «nthält 1 Blatt u. 1 B»«l«g». Beilage zu Nr. 118 des „Gießener Anzeiger 44 n Glas».' n Stein. 3933- Von denselben haben: gesammelt. Fabriken DVsftünbige Arbeitszeit, 2 e' findet nicht statt. (Fortsetzung folgt.) TTw- 8 W' (VSnä nunmehr 18 Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen ««über» iroffene Haarwasser von Retter, München (staatlich geprüft und vuw iwutow, «völlig, T 7 7?/ troffene Haarwasser von Retter, München (staatlich geprüft und von der Komorogruppe die 6 Quadratmellen große Insel Mayotte Vertrags- I begutachtet), welch, statt Oel od. Pomade tägl. gebraucht bestens zu empfehlen ist, Mäßig schon seit 1841 den Franzosen. 1 verkauft zu 40 H u. 1,10 A. H. Anhr, Sonnenstraße 25, Gießen. 771 I ttw1' 1‘fen, mm Die „Agence Havas" dementirt halb und halb das viel verbreitete Gerücht, daß die französischen Prinzen aus Frankreich ausgewtesen werden sollen. Anlaß zu dieser officiöfen Aeußerung hat offenbar die in Deputirten- kretsen circulirende Anschauung gegeben, wonach die Radikalen anläßlich des jüngst bei dem Grafen von Paris stattgefundenen Empsanges orleanistischer Notabilitäten beabsichtigen, in der Kammer dieser Tage einen Antrag aus Ausweisung der Prinzen zu stellen. wert ts. lGrohherzogt rm C. Kravtzr. 30 Pf. L Lenz. Äen.ung sein. Die Franzosen haben, da ihnen die Annexion der Neuen Hebriden mißglückt ist, hierfür an der Ostküste Afrikas Ersatz gesucht und gefunden. Eine „Reuter"-Depesche meldet aus Zanzibar, daß Frankreich sämmtliche Inseln der Komorogruppe in Besitz genommen habe und daß der betr. Vertrag bereits am 21. April in Johanna unterzeichnet worden sei. Der Gesammtumsang der im nördlichen Theile des Canals von Mozambique gelegenen Komoro-Jnseln beträgt 50 Quadratmeilen mit etwa 70,000 Einwohnern. Flora und Fauna dieser Inseln gleichen am meisten dem benachbarten Madagascar; Hauptpro- bucte sind Reis, Honig, Schiffbauholz und besonders Zucker. Uebrigens gehörte ihoj in Mw m fahren frei Vorstands. Jahresbericht des Jabrik-Inspectors für das Großherzagthum Hessen für 1885. (Fortsetzung.) In den Mälzereien können, da das Verfahren in der Einleitung eines Vegetationsprozesses besteht, eine ganz regelmäßige Arbeitszeit und regelmäßige Pausen nicht eingehalten werden. Von den 4 Mälzereien, über welche Notizen vorliegen, beginnen 2 um 5 Uhr, 1 im Sommer um 5 Uhr, im Winter um 6 Uhr und eine das ganze Jahr hindurch um 7 Uhr die Arbeit. Das Ende der Arbeitszeit fällt auf 6, 7, 8 oder 9 Uhr, je nach Umständen. Die wirkliche Arbeitszeit nach Abzug der Pausen wird im Allgemeinen auf etwa 9 Stunden geschätzt. Nachts. muß das Malz auf der Tenne auch öfters gewendet werden, so daß dann auch einige Arbeiter einige Stunden Nachtarbeit haben. lieber 12 Bierbrauereien liegen Notizen vor. In der Mälzerei, dem Sudhause und den Lagerkellern wird in 9 Brauereien täglich IIV2 Stunden, in 2 Brauereien täglich 12 Stunden und in einer im Winter IIV2 im Sommer 12 Stunden gearbeitet. Es ist jedoch hierbei zu bemerken, daß bei den betreffenden Arbeiten vielerlei Unterbrechungen und Abwechselungen stattsinden, so daß sich weder die factische Arbeitszeit noch die Pausen so genau bestimmen lassen wie bei den meisten anderen Fabrikationszweigen. In den Gährkellern beträgt die Arbeitszeit durchschnittlich nur 10 Stunden. Die Arbeit beginnt bei 1 Brauerei um 8^/2 Uhr, bei 2 im Sommer um 4*/2, im Winter um 5 Ubr, bei 8 Brauereien stets um 5 Uhr Morgens und bei 1 im Sommer um 5, im Winter um Uhr. Die Arbeiten im Gährkeller dagegen werden erst um 6, 6V2 oder im Winter auch erst um 7 Uhr begonnen. Das Ende der Arbeitszeit fällt auf 6, 6V2, 7 oder 8 Uhr Abends. Die Pausen für die Arbeiter in der Mälzerei und dem Sudhause sind meist 1/,2—3/4 Stunden Vormittags, 1—l3/« Stunden Mittags und V2—% Stunden Nachmittags. Die eine Brauerei, welche die Arbeit um 3V2 Uhr beginnt, gewährt dagegen eine Vormittagspause von P/2 Stunden und eine andere Brauerei, welche im Sommer um 4i/2l im Winter um 5 Uhr beginnt, gewährt außer den genannten noch eine Pause zwischen öVa und 6 Uhr im Sommer und zwischen 6 und 6V2 Uhr im Winter. Eine Verkürzung der Arbeitszeit an Samstagen oder Montagen findet nicht statt. Ueberstunden sind in den Gährkellern und in der Mälzerei, in letzterer auch Nachtarbeit, durch die Natur der Sache und im Sudhause ost durch die Verhältnisse geboten. In großen Brauereien arbeiten die Biersieder oft Tag und Nacht, mit regelmäßigem Tourenwechsel. Pausen vor Beginn der Ueberstunden und der Nachtarbeit sind immer reichlich geboten. Die Mälzerei-Campagne dauert etwa von Mitte September bis Mitte April, während die Brauerei nur während einiger Wochen im Sommer unterbrochen wird. In der Schaumweinfabrikation ist in der bedeutendsten Fabrik 10stündige Arbeitszeit und Samstags 1 Stunde früher Schluß. In einer anderen Schaumwetn- fabrik ist L^stündige Arbeitszeit. Ueberstunden sind in beiden selten. Es wurden von 86 Cigarren- und Tabakfabriken Notizen über die Arbeitszeit Vermischtes. — Dem bei allen Deutschen, welche die Säule des Hercules besucht haben, in bestem Andenken stehenden Consul Horazio Schott in Gibraltar (von einer hochgeachteten Familie in Gießen abstammend) ist von Sr. Majestät dem König von Griechenland der Erlöserorden verliehen worden, weil er in gewohnter Opferwilligkeit und uneigennützigster Dienstbeflissenheit, auf welche in seinem Vaterlande seine Landsleute zu bauen jederzeit berechtigt waren, der griechischen Barke „Amaiha" Rettung brachte. ibcrft 5 M- Mm- Ewalds Garten- LamStag hctt 22. M Abends 8 Uhr, Große Hubs- ‘tu»»««?** rivantes. ) 50 U- 25 H- Politische Ueberficht. Gießen, 21. Mai. Der Kaiser nahm amDienstaq Vormittag die Besichtigung der 3. Garde-Jnfanterie-Brigade auf dem Exercierplatze östlich von der Tempelhofer Chaussee vor. Nach Beendigung der Exercitien drückte der Kaiser dem Brigade- Commandeur, Generalmajor v. Wißmann, seine hohe Zufriedenheit mit den Leistungen der-Truppen aus. Mit der an diesem Freitag auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin stattgefundenen großen Parade des Garde-Corps haben die diesmaligen Frühjahrs-Besichtigungen der einzelnen Truppentheile deflelben ihr Ende erreicht, denen indessen der allerhöchste Kriegsherr wegen der vorwiegend ungünstigen Witterung nicht in demselben Maße wie früher beiwohnen konnte. Nunmehr darf man wohl auch bestimmteren Mittheilungen über die diesjährigen FrühjahrS-Reisedispositionen des Kaisers entgegensehen; bis jetzt wenigstens haben sich alle bezüglichen Nachrichten als unzutreffend erwiesen. — Am Dienstag ließ sich der Kaiser auch die drei Kamerun-Neger vorstellen, welche bei der deutschen Kriegsmarine als Matrosen eingetreten sind. Der Reichstag scheint entschlossen zu sein, die seiner in der am Montag begonnenen Nachsession noch harrenden Arbeiten möglichst rasch abzuwickeln. Nachdem er an dem genannten Tage verschiedene Gegenstände untergeordneter Bedeutung erledigt, begann und beendigte er in der Dienstagssitzung die erste Lesung der neuen Zuckersteuer-Vorlage. Die Debatte nahm einen sehr glatten Verlauf; kurz gegen die Vorlage erklärten sich die Abgg. Haerle (Volkspartei) und Bock (Social.) , während von deutschsreisinniger Seite Abg. Witte anerkannte, daß der gegenwärtige Entwurf den Bonificationssatz für die Ausfuhr weitergehend stelle, als die frühere Vorlage; dagegen erklärte der genannte Abgeordnete, daß seine Partei bei der zweiten Lesung einen Antrag einbringen werde, welcher die Beibehaltung des bisherigen Rübensteuergesetzes bezwecke. Ein Antrag auf Commissions-Berathung wurde nicht gestellt. Debattelos nahm alsdann das Haus in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf über die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten an und setzte endlich den Gesetzentwurf, betr. die Abänderung von § 22 des Preßgesetzes vom 7. Mai 1874, in Folge eines Antrages des Äbg. Meyer-Halle wieder von der Tagesordnung ab. Am Mittwoch fiel wegen des preußischen Bußtages die Sitzung aus und am Donnerstag trat der Reichstag in die zweite Lesung der Zuckersteuer-Vorlage ein. Falls die Special-Berathung dieses Gegenstandes noch am Freitag beendigt worden ist, dürste am folgenden Tage die Generaldebatte über die neue Branntweinsteuer begonnen haben, und zwar über den sog. Principal- Entwurf, welchem zufolge die Verbrauchssteuer von den Kleinhändlern, Wir- Lhen u. s. w. zu entrichten ist. Der Eventual-Entwurs dagegen ist wieder zurückgezogen worden und wird dieser sonderbare Vorgang dadurch erklärt, daß hier ein Versehen im Bureau des Bundesraths stattgefunden habe. Inzwischen sind auch die Motive zu dem neuen Branntweinsteuer-Entwurf eingegangen, in denen unter dem Eindrücke des Bedauerns über die Ablehnung des Monopols Seitens des Reichstages zunächst betont wird, daß alsdann die Einführung einer Verbrauchsabgabe neben der weiter bestehenden Maischraum- und Materialsteuer der geignetste Weg zu einer stärkeren Besteuerung des Branntweins sein würde. Es wird dann in den Motiven auf die beiden hierbei in Betracht kommenden Erhebungsarten der Verbrauchsabgabe hingewiesen, nämlich die Erhebung von den Brennereien u. s. w. und diejenige vom Kleinbetrieb, und weiter ausgeführt, daß der letzteren Erhebungsart trotz ihrer geringeren Sicherheit für ben Staat doch der Vorzug vor der ersteren zu geben sei. Der Rückgang des Branntwein-Consums in Folge der Steuer wird für das erste Jahr aus 10, für das zweite aus 20, für das dritte aus 30 pCt., der Bruttoertrag der Steuer im ersten Jahre aus 90, im zweiten aus 160 und im dritten auf 210 Mill. veranschlagt, die Netto - Mehreinnahme des Reiches aber auf durchschnittlich 190 Mill. «M. geschätzt. Die Socialdemokraten haben im Reichstage eine Interpellation über den bekannten Erlaß des preußischen Ministers des Innern über das Versammlungsrecht eingereicht. Die Interpellation ist von den Mitgliedern der Volkspartei und einzelnen Freisinnigen unterstützt. Erzbischof Dr. Dinder wird neueren Nachrichten zufolge am 8. ober 9. Juli seinen Einzug in Posen halten. Die widersprechenden Meldungen über den Stand der öster- -reichisch-rumänischen Zollvertrags-Verhandlungen werden jetzt durch eine officiöse Mittheilung der „Polit. Corresp." richtiggestellt. Das Blatt dementirt hierin die Nachricht, daß das Wiener Cabinet die rumänische Regierung in einer Note eingeladen hätte, durch eine zeitweise Verlängerung des Vertrags-Verhältnisses eine Frist zur Wiederanknüpfimg neuer Verhandlungen zu gewinnen und bemerkt, daß eine derartige Anregung doch nur von Rumänien ausgehen könne. Diese Aeußerung läßt über den vollständigen Abbruch der Verhandlungen keinen Zweifel mehr und ein Zollkrieg zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien wird die unvermeidliche Folge dieses letzteren Vorganges fein. In Brüssel hat am Dienstag die Stichwahl zwischen dem Bür- germeister Bulß, dem Candidaten der Liberalen, und dem Candidaten der „unabhängigen Klerikalen", Jacmart, stattgefunden. Bei derselben wurde in Folge des Eintretens der Radikalen für die Liberalen deren Candidat gewählt, denn Herr Bulß erhielt fast 2000 Stimmen mehr, als jein Gegner. Der Ausgang der Brüsseler Stichwahl und die hierbei zu Tage getretene Unterstützung der Liberalen durch die radikale Partei dürste für die im Juli bevorstehende». 71 Erneuerungswahlen zur belgischen Deputirtenkammer von Vorbe- ;hWalt ssffi 1 tttl in 6lbui$8 ctlf verabreiche itäten, außer ten: 2 D. per 86 Ueberstunden kommen theils gar nicht, theils selten mit einem Theil der Arbeiter und nur in einem sehr kleinen Theile der Fabriken mit sämmtlichen Arbeitern vor. Die Ueberstunden bezwecken gewöhnlich nicht die Herbeiführung einer Mehrproduction, sondern mehr einen Ausgleich zwischen den Leistungen der verschiedenen Arbeiter- Kategorien: Roller, Wickelmacher, Sortirer, Ausripper. Bietet sich z. B. bei den Wickelmachern wegen Fehlens oder unregelmäßigem Arbeiten der Roller, wie dies namentlich im Sommer vorkommt, ein Ueberschuß an Wickeln, so verstehen sich die Roller wohl dazu, etwas längere Zeit zu arbeiten, um den Wickelmachern durch Freiwerden von Formen wieder Gelegenheit zur Arbeit zu geben. Umgekehrt setzen die Wickelmacher an Arbeitszeit zu, wenn sie für die gerade thätigen Roller nicht ausreichend Wickel innerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit Herstellen können. In Cigarrenfabriken auf dem Lande und in Landstädten wird vielfach bezüglich der Arbeitszeit auf die Besorgung häuslicher oder Feldarbeit Rücksicht genommen und es kommen Frauen später ooer gehen Mittags und Abends früher aus der Fabrik oder es fehlen Arbeiterinnen ganze Tage. Die Frühstücks- und Besperpausen dauern V<—V2 Stunde. In manchen Fabriken liegt die längere oder kürzere Dauer im Belieben der Arbeiter, da dieselben auf Stückarbeit beschäftigt sind: ja in einigen Fabriken sind diese Pausen nicht gemeinschaftlich für alle Arbeiter, sondern jeder Arbeiter oder jede Arbeiterin frühstücken oder vespern zu einer ihnen beliebten Zeit. Nachtarbeit findet in einer Offenbacher Fabrik, jedoch sehr selten statt. Es nehmen auch Arbeiterinnen Theil. In derselben Fabrik ist Montags und Samstags im Winter eine Stunde früher Arbeitsschluß. Von den 3 Hutfabriken im Großherzogthum arbeiten 2 täglich 11 Stunden und 1 int Sommer 111/3, im Winter IOV3 Stunden. Samstags ist eine Stunde früher Schluß. Ueberstunden in einzelnen Abteilungen der Fabrikation kommen vor. Bei der Filz- und Ftlzwaarenfabrikation ist in zwei Fabriken je 10V3; und llstündtge Arbeitszeit. In letzterer ist Samstags 1 Stunde früher Schluß. Die Filzarbeiter werden daselbst auf Stück bezahlt, halten die Arbeitszeit nicht ganz regelmäßig ein und schließen häufig Montags 3 Stunden früher. Von 10 Hasenhaarschneidereien haben 3 im Sommer lOstündige und 7 llstündige Arbeitszeit. Von letzteren arbeiten im Winter 5 Fabriken täglich 10 und 2 IOV2 Stunden. Die Vor- und Nachmitlagspausen dauern allgemein je V2, die Mittagspausen 1 Stunde. 7 Fabriken schließen Samstags 1 Stunde früher, 4 Fabriken beginnen die Arbeit Montags später. Ueberstunden kommen vor, sind aber nicht obligatorisch. Nachtarbeit 4 9V3 ff ff 43 10 ff ff 2 WV3 ff 7 WV2 ff ff 23 11 ff ff 2 HV3 ff 3 UV2 ir /, .Allgemeiner Anzeiger. Aeikgeöolenes. 3886] Frische Butter, bei Abnahme von 10 Pfund das Pfund 75 __Neustadt 51. Jeldbranö-Backfleine sind fortwährend zu haben bei 3889______________Chr. 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