Nr. l®. Freitag de« SS. Januar 1866 idiener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint tL^lich mit Ausnahme deS Montags. Vnreanr Schulstraße 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit »rtn$ed*s. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Darmstadt, 20. Januar. Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 9. Januar den Obereinnehmer der Obereinnehmerei Worms, Karl Welcker, zum Rentamtmann des Rentamts Gießen mit Wirkung vom 1. März an zu ernennen. . — Am 14. d. Mr. wurde der Heizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Konrad Dörr, zum Locomotiosührer bei diesen Bahnen aus Widerruf ernannt. Darmstadt, 20. Januar. Den Motiven zum Gesetzentwurf, betr. die Einführung des Branntwein-Monopols, ist eine Ueberstcht der in Frankreich, England, Rußland, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Belgien, den Niederlanden und Schweden im Ganzen und auf den Kopf der Bevölkerung aufkommenden Steuerbeträge aus dem Branntwein und des Branntwein-Consums beigegeben. Danach beträgt in Frankreich die Netto-Einnahme aus dem Branntwein 237 500 000 Frcs., pro Kops 6,73 Frcs., in England 15 000 000 Lstrl., pro Kops 0,41 Lstrl., in Rußland 250 000 000 Rubel, pro Kopf 3 Rub. in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 74 500 000 Doll., pro Kops 1,5 Dollar, in Belgien 27 000 000 Frcs., pro Kopf 4,9 Frcs., in den Niederlanden 22 000 000 st., pro Kopf 4,9 st., in Schweden 19 500000 Kronen, pro Kopf 4,33 Kronen. Der Consum reinen Alkohols stellt sich pro Kopf der Bevölkerung in Frankreich auf 5 Liter, in England auf 2,75 bis 3 Liter, in Rußland auf 7.5 Liter, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auf 5,5 Liter, in Belgien auf 5,75 Liter, in den Niederlanden auf 5 bis 6 Liter und in Schweden auf 4,5 Liter. Kirche widersprechen und die Freiheit der Bischöfe in der Regierung ihrer Kirchen und in der Erziehung ihres Klerus befinden, gestrichen werden. Die Encyklika fordert daher, daß nur die Bischöfe allein das Recht und die Pflicht haben sollen, die geistliche Jugend zu lehren und zu unterrichten und besteht ferner daraus, daß die Seminarien der preußischen Diöcesen nach den durch das tridentinische Concil aufgestellten Satzungen eingerichtet und geleitet werden; auch sollen die Bischöfe das Recht haben, nach ihrem Ermessen die Priester auszuwählen, welchen sie die verschiedenen Äemter übertragen wollen. Endlich weist die päpstliche Kundgebung noch darauf hin, daß es sich bei dem kirchenpolitischen Streite in Preußen nicht um einzelne Diöcesen, sondern um die Angelegenheiten der allgemeinen Kirche handle und schließt mit der Mahnung an die Bischöfe, auch ihrerseits dahin zu wirken, daß den kirchenpolitischen Kämpfen ein Ende bereitet werde. — Während die päpstliche Encyklika veröffentlicht wird, hat im Vatikan Herr v. Schlözer zur selben Zeit das Antwortschreiben des Fürsten Bismarck aus das Breve überreicht, von welchem die Verleihung des Christüs- Ordens an den Kanzler begleitet war. Die päpstlichen Organe veröffentlichen den Wortlaut dieser Schreibens, in welchem der Reichskanzler seinen Dank für die ihm zu Theil gewordene Auszeichnung ausspricht. Er habe die Vermittelung des Papstes in der Erwägung angerufen, daß die deutsche und die spanische Nation bezüglich der Kirche, welche in dem Papste das Oberhaupt verehre, sich nicht in derselben Lage befänden. Der Friede zwischen Deutschland und Spanien sei nunmehr durch keine dauernde Meinungs-Verschiedenheit bedroht und werde darum das Werk des Papstes hoffentlich von Bestand sein. Schließlich versichert Fürst Bismarck, er werde stets mit Freuden jede mit den Pflichten gegen seinen Herrn und Kaiser und das Land sich vereinbarende Gelegenheit ergreifen, de» Papste seine Erkennelichkeit zu beweisen. In Dresden verschied am Montag der General-Staatsanwalt a. D., Dr. v. Schwartze, nach längerem Krankenlager im Alter von 70 Jahren. Der Verstorbene war einer der ausgezeichnetsten deutschen Juristen und langjähriger Abgeordneter für Dresden-Neustadt im Reichstage, wo er am Zustandekommen der Reichsjustiz-Gesetzgebung einen hervorragenden Antheil genommen hat. Der elsaß-lothringische Landes-Ausschuß ist am Montag vom Fürsten Hohenlohe eröffnet worden. Politische Ueberstcht. Gießen, 21. Januar. Die zweitägige Polendebatte im Reichstage hat bekanntlich mit der Annahme des Windthorst'schen Antrages, dahtnauslaufend, die Ausweisungen ihrem Umfange und ihrer Art nach als nicht gerechtfertigt zu erklären, geendet; die übrigen zu den Ausweisunzen vorliegenden Anträge wurden abge« lehnt. Hiermit ist die Ausweisungssrage für den Reichstag vorläufig abgethan; daß aber die Annahme des Wtndthorst'schen Antrages irgendwelche auf die Sache selbst bezügliche praktische Consequenzen nach sich ziehen sollte, wird wohl auch aus Seiten der Reichstags-Mehrheit Niemand erwarten, das Fehlen sämmt- licher Bunde-raths-Mitglieder in den Reichstags-Sitzungen vom Freitag und Samstag bekundet deutlich, wie die verbündeten Regierungen das Vorgehen unseres ersten Parlaments in der Polenangelegenheit auffaffen. Das weitere Wort in derselben hat nun das preußische Abgeordnetenhaus, deffen polnische Fraktion schon in allernächster Zeit eine auf die Ausweisungen bezügliche Anfrage an die Regierung richten wird. Man darf sicher sein, daß im Abgeordnetenhause die Regierung aus diese Interpellation in eingehendster Weise Rede und Antwort stehen wird; es wird sich dann zeigen, ob auch die preußische Volksvertretung derselben eigenthümlichen Meinung über die Ausweisungen, wie die ReichStagS- Mehrheit ist, nämlich daß diese Maßregel geeignet sei, die nationalen Jntereffen zu schädigen. — lieber den Inhalt der in der preußischen Thronrede angekündigten Vorlagen zum Schutze der deutschen Nationalität in den östlichen Grenzprovinzen erfährt die „Polrt. Corresp.", daß die betr. Vorlagen Vorschläge über den Ankauf ausgedehnter Ländereien durch die Regierung enthalten. Die Ländereien sollen zur Seßhastmachung deutscher bäuerlicher Elemente benutzt werden und dürsten zu viesem Zwecke vom Landtage mehrere Millionen JL verlangt werden. (Der südwestdeutsche Weinhandel und das Branntwein- Monopol.) Aus den Kreisen der südwestdeutschen Weinbranche wird uns geschrieben: Auch der deutsche Weinhandel sieht sich genö:higt, gegen den Branntwein-Monopol-Entwurf in seiner jetzigen Fassung Front zu machen. Der Angriff, welcher von dieser Seite ausgeht, wird sich gegen den Paragraphen wenden, welcher die Einfuhr sämmtlicher Branntweine aus dem Auslande nur der Monopol-Verwaltung zuweist. Es befinden sich nun unter diesen Branntweinen Cognac, Arrac und Rum, deren Vertrieb derzeit durch Vermittelung der deutschen Weinhandlungen stattfindet. Dem deutschen Weinhandel würde jdem- nach ein nicht unbedeutender Erwerbszweig entzogen werden ohne irgendwelche nennenswerthe Entschädigung, und was das Wichtigste ist, auch ohne zwingenden Grund. Denn Niemand wird im Ernste behaupten wollen, daß die im Entwürfe vorgesehenen Entschädigungen von irgend welchem Belang wären, oder daß das Reichs-Branntwein-Monopol ohne das Verbot der Einfuhr feinerer Liqueure u. s. w. nicht bestehen könnte. Man wende uns nicht ein, der § 28 des Gesetz-Entwurfes bestimmte, daß auch Kaufleuten der Wiederverkauf von Branntwein ohne Beschränkung auf die den Verschleußern vorgeschriebenen Preise gestaltet werden könne. Denn ein Geschäft, welches durch die Monopol-Verwaltung jederzeit verboten werden darf, kann auf keiner Vertrauen erweckenden Bafis ruhen. Außerdem scheint es, als ob die Preise, resp. Zölle für Cognac, Arrac u. s. w. so hoch geschraubt werden sollen, daß der Handel vollständig lahm gelegt würde, denn ein Zoll von 10 bis 20 aus die Flasche, ist geradezu ein Prohibitiv-Zoll für die deutschen ConsumtionS-Verhältniffe. Aber nicht blos unser Weinhandel, sondern auch unsere Schaumwein-Fabrikation, welche bekanntlich des Cognacs zur Bereitung des Zusatzes benöthigt, müßte beträchtlichen Schaden erleiden. Es würde dadurch auch der soeben bedeutend erhöhte Champagner-Zoll theilweise wieder illusorisch gemacht werden, was den Tendenzen einer nationalen Wirtschaftspolitik wenig entsprechen würde.. Wir halten es für unsere Pflicht, diese Verhältnisse vor die Oeffentlichkeit zu bringen, weil durch solche unnöthige und rigorose Bestimmungen die Opposition gegen das Reichs-Monopol in immer weitere Kreise eindringt, welche sich sonst sicherlich neutral gehalten hätten und weil dadurch die Verstimmung gegen die Pläne der Reichs-Regierung geradezu mit Gewalt angeregt wird. Als Referenten im Bundesrathe über oas Branntwein- Monovol sind der sächsische Geheime Finanzrath Boltz und der württember- gische Ober-Steuerrath Fischer bestellt. Dem Vernehmen nach werden die Äusschuß-Berathungen nicht vor Ende der Woche beginnen und ehe der Monopol- Entwurf an den Reichstag gelangt, dürste noch die Hälfte des Februar vergehen. Das päpstliche Rundschreiben an die preußischen Bischöfe, welches nunmehr in seinem Wortlaut veröffentlicht worden ist, erweist sich als ein äußerst umfangreiches Schriftstück, so daß wir an dieser Stelle nur die markantesten, aus die gegenwärtige kirchenpolitffche Lage bezüglichen Stellen der Encyklika hervorheben wollen. Dieselbe spricht die Hoffnung des heiligen Vaters aus, daß nun bald der Tag kommen werde, welcher der (katholischen) Religion und Küche in Deutschland den frohen Beginn zum Bessern bringe. Weiter erklärt die Encyklika, wie Seitens des Papstes Alles gethan worden sei, um eine Zurücknahme der Maigesetze zu bewirken, ja, daß er fest beschlossen und dies auch den höchsten Staatslenkern mitgetheilt habe, nichts zu verabsäumen, was zur Wiederherstellung und Festigung der Eintracht zwischen Preußen und dem Vatikan als geeignet erscheine. Um dies zu erreichen, müßten aber in den preußischen Staatsgesetzen die Bestimmungen, welche den Lehren der katholischen Keichstag. E. R. »erlitt, 20. Januar 1886. Auf der Tagesordnung stand heute der Gesetzentwurf, betreffend die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten. Staatssecretär v. Schelling erklärte, daß die Regierungen es vorgezogen, den Reichstag an der Regelung zu betheiligen, weil bei der Ausführung die Mitwirkung der heimischen Behörden nöthig sein werde. Die nähere Ausführung wolle der Entwurf einer mit Zustimmung des Bundesraths zu erlassenden Kaiserlichen Verordnung überlassen. , Abg. Rintelen (Centr.) erklärt sich Namens seiner Partei gegen diese Regelung, daß der Kaiser allein, ohne den Reichstag zu befragen, Verordnungen erlassen könne. Nicht der Kaiser, sondern das Reich übe in den Kolonien Hohettsrechtc aus. Woher leite denn die Reichsregierung das Recht zur Dictatur her? Es handle sich hier um eine staatsrechtliche Frage, während der Kaiser das Reich nur völkerrechtlich zu vertreten befugt sei. Geheimeratb Dr. Krauel: Die Regierungen wollten sich zuerst so wenig wie möglich in die Verwaltung der Kolonien einmischen, sondern dies der privaten Initiative überlassen. Nothwendig sei die Einführung der Gerichtsbarkeit; die Erweckung des Nechtsgefühls kann nicht durch Gesetze, sondern nur durch die allmälige Culturarbeit von Schule und Kirche erreicht werden. Die Einfübrung einer Konsulargerichtsbarkeit mit einigen Modifikationen werde genügen; es handle sich nicht um eine große konstitutionelle, sondern um eine Zweckmäßigkeitsfrage. Die Regierung habe Nichts zu verbergen, sondern werde dem Hause jederzeit Rechenschaft geben. Abg. v. Reinbaben (kons.) pflichtete diesen Darlegungen bei. Abg. vr. Bamberger (bfr.) findet die Bedeutung der Frage durch die Tatsache reducirt, daß die Ausdehnung der kolonialen Politik, wie gestern ausgeführt wurde, sich künftig in engen Grenzen halten werde. Bald werde es sich zeigen, daß die Kolonien nur noch ein sehr kostspieliges Spielzeug für unsere nationale Eitelkeit sein werden. Der Reichstag müsse dem Bundesrathe gleichberechtigt sein. Maßregeln, die der Bundesrath trifit, dürfen nicht in Kraft bleiben, wenn der Reichstag ihnen nicht zustimmt. Die im Entwurf beabsichtigte Mittheilung an den Reichstag zur Kenntnißnahme genügt nicht, wo sich der Bundesrakh nach seinem Belieben absentirt. In anderen Staaten, namentlich in England, ist es undenkbar, daß eine Regierung in ihrer administrativen Handlungsweise sich mit dem Parlament in Widerstand setzt. Nach einigen weiteren unwesentlichen Bemerkungen der Abg. Dr. Meyer-Jena und Dr. v. Gräoenitz, sowie einem längeren Wortgefechte der Abgg. o. Helldorf und Windthorst über deutschen Parlamentarismus wird die Vorlage an eine Commission von 14 Personen verwiesen. Das Haus setzt hierauf die zweite Berathung des Etats fort und zwar beim Etat für Zölle und Verbrauchssteuern. Abg. Dr. Barth (bfr.): Das letzte Jahr hat die Meinung von den segensreichen Folgen der Zollpolitik sehr beeinträchtigt. Der Ausspruch der preußischen Thronrede über die Ueberproduktion läßt doch erkennen, daß die Regierung auch schon zu dieser Ansicht kommt. Die Schutzzollpolitik muß, das ist ihr Nachtheil, die einzelnen Industrien nothwendig zur Ueberproduktion verführen. Diese protektionistische Gesetzgebung führt auch andere Staaten zur Nachahmung und so ist auch dort eine Ueber- produktion dieser Industrie eingetreten. Ich glaube in der Thronrede die Umkehr zu dieser Gesetzgebung von vor 1879 begrüßen zu können, es scheint, daß jetzt, nachdem man eine gewisse schwammige Konstellation in der Industrie geschaffen, eine Umkehr angebahnt werden soll. Auch die Industriellen sind von ihrer Schwärmerei für die Protektionspolilik zurückgekommen, denn ein Bündniß mit den Agrariern ist für die Dauer unhaltbar. Das wird sich alsbald auch bei den noch in Aussicht stehenden Diskussionen zeigen. Man will eben für Einzelbetriebe Staatssuboention, das erweist sich bei der Zuckerindustrie, noch deutlicher aber in der Branntwein-Monopolvorlage. Gegen diese Wirthschafts- politik, die uns immer tiefer in's Unglück bringt, muß energisch protestirt werden. Hier wird das Erträgniß fremder Arbeit zur Unterstützung einzelner Industrien verwandt, um dem in diesen Industrien angelegten Gelde höhere Renten zu verschaffen. Staatssekretär v. Burchard kommt auf die beiden Anträge Ausfeld wegen der Petroleumfässer und der Beschreitung des Rechtsweges zurück. Man hat hier ausgeführt, daß der Bundesrath gegen das Gesetz verstoßen habe. Das Gesetz bestimmt Nichts über den Zollsatz für die Umschlichtung. Der Bundesrath hat nun entschieden, daß die Umhüllung nach ihrer Beschaffenheit zu verzollen sei. Der Staatssekretär polemisirt dann gegen die Ausführungen des Abg. Barth. Es ist nirgends aus der Thronrede zu ersehen, daß ein Verlassen der bisherigen Prinzipien beabsichtigt sei. In ausführlicher Darstellung und unter Vorführung eines umfangreichen Zahlenmaterials sucht der Staatssekretär die Unschädlichkeit der jetzigen Zollgesetzgebung, namentlich des Roggenzolls, zu beweisen. Hiernach wird die weitere Berathung auf morgen, Donnerstag, 2 Uhr vertagt. Telegraphische Depeschen. Wolff'- telegr. «orresvo«denz> VrrLearr. Berlin, 20. Januar. Die Viehseuchen-Commission lehnte nach Ablehnung aller Amendements die Vorlage selber ab und nahm eine Resolution an, in welcher die Regierung aufgefordert wird, Maßregeln zur besseren Ueberivachnng des Schmuggels an der Grenze zu treffen, für die Ställe der Gasthäuser Desinfection oorzuschreiben, wie sie für die Eisenbahnviehtransporte besteht. München, 20. Januar. Das Central - Comitö des landwirthschaftlichen Central-Vereins des Königreichs Bayern beschloß mit 19 gegen 10 Stimmen, dem Branntweinmonopol nach der Bundesrathsvorlage sei im Princip zuzustimmen. Himburg, 20. Januar. Die Conferenz zur Vereinbarung eines internationalen Fahrplans wurde heute Vormittag vom Senator Lehmann im Bürgerschaftssaale Namens des Senats begrüßt. Derselbe hob in seiner Ansprache die segenbringenden Bestrebungen der Conferenz für den Handel iind Verkehr hervor und wies auf die Arbeiten für den Zollanschluß hin, welchen die Conferenz and) bald in den Bereich ihrer Erwägungen zu ziehen habe; den Mitgliedern würde ein Plan der Anlagen zu- gestellt und werde eine Besichtigung derselben unter sachkundiger Führung vorgenommen werden. — Die Conferenz ist von 93 Vertretern verschiedener Eisenbahnoerwaltungen und Dampfschifffahrts-Gesellschaften besucht. Den Vorsitz führte Präsident Krahn aus Altona. Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben staatliche Vertreter delegirt. Nach Beschluß der Conferenz tritt der Sommerfahrplan am l.Juni in Kraft. Der Antrag der Gstthardbahn auf eine einheitliche Bezeichnung der Nachtzeiten auf den Fahrplänen wurde angenommen. Die Conferenz für den Winterfahrplan 1886—87 findet am 17. Juni in Amsterdam statt. Schließlich begannen die Berathungen der einzelnen Gruppen über Speeialanträge. Wien, 20. Januar. Der „Polit. Corresp." wird aus Belgrad authentisch gemeldet, die Nachrichten, wonach der Verkehr für Privatpersonen auf den serbischen Bahnen zum Zweck »on Truppentransporten eingestellt worden sei, sowie daß auf das die Abrüstung ablehnende Rundschreiben des Ministerpräsidenten Garaschanin die Einberufung des zweiten serbischen Aufgebots zum 24. ds. Mts. gefolgt sei, entbehren der Begründung. Die Wiedereinberufung der Truppen am 24. d. M. sei schon gleichzeitig mit deren Beurlaubung angeordnet gewesen und stehe mit der Note Garaschanin's, in welcher die Abrüstung abgelehnt werde, in keinerlei Zusammenhang. Pari-, 20. Januar. Der Kronprinz von Portugal ist hier eingetroffen. London, 20. Januar. Die Königin verlieh dem bisherigen Geschäftsträger in Konstantinopel, Sir William White, das Großkreuz des Michael - Georgsordens und ernannte den diplomatischen Agenten in Sofia, Mr. Lascelles, zum Ritter desselben Ordens. Madrid, 20. Januar. Einige (artistische Anführer suchten Amnestirung nach. — Einige beschäftigungslose Arbeiter, welche die Straßen durchzogen und Brod oder Arbeit verlangten, wurden verhaftet, bann aber wieder freigelassen. Petersburg, 20. Januar. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt anläßlich der Weigerung Griechenlands und Serbiens, abzurüsten, die Mächte würden ihre Bemühungen verdoppeln, um das voraesteckte Ziel zu erreichen. Dies fordere nicht blos die Würde Europas, sondern auch die Nothwendigkeit, Calamitäten vorzubeugen, deren Umfang Niemand vorher übersehen könne. Belgrad, Athen und Sofia müßten daher unter den von Europa als angemessen erachteten Bedingungen abrüsten. Kiew, 20. Januar. Vorgestern erschoß sich auf seinem Gute im Tschernijowschen Gouvernement der bekannte polnische Novellist Michael Czajkowski. Sofia, 20. Januar. Nachdem beiderseitig Bukarest als Ort für die serbisch- bulgarifchen ?friedensverhandlungen angenommen, ist bestimmt worden, daß Madschid Pascha und Gerschoff die bulgarische Regierung bei denselben vertreten werden. Lokale-. Gießen, 19. Januar. Gelegentlich des am 17. d. Mts. in Berlin begangenen Ärömmgs- und Ordensfestes haben u. A. erhalten: Das Allgemeine Ehrenzeichen: Krauße, Stabshautboist im 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116, Schäfer, Bezirksfeldwebel im 1. Bataillon (Gießen) 2. Großh. Hess. Landwehr-Negts. Nr. 116. Gießen, 20. Januar. Heute Nachmittag fand im Saale des Cafö Leib eine zahlreich besuchte Versammlung von Branntweinbrennern, Destillateuren, Händlern und sonstigen Interessenten aus Gießen und Umgegend statt, welche zum Zwecke der Agitation gegen das Branntweinmonopol einberufen war. Zum Vorsitzenden wurde Herr Adolph Oppenheimer, zum Schriftführer Herr Löser gewählt. Der Vorsitzende theilte zunächst mit, daß er an Stelle des verhinderten Herrn Haustein noch in letzter Stunde das Referat übernommen und deß- halb nicht in der Lage sei, den Gegenstand so ausführlich zu behandeln, wie er es verdiene. Wir begnügen uns hiermit, die Ausführungen des Referenten in großen Zügen wiederzugeben. Wenn auch die Branntweinbrenner und die Laudwirthschaft durch die Einführung des Monopols nicht so hart betroffen würben, wie die Destillateure und Händler, welche vollständig vom Schauplatz verschwinden müßten, so stände doch auch ihnen keine rosige Zukunft bevor. Ganz abgesehen von der Abhängigkeit vom Staate, welche Beschränkungen «ller Art, ja selbst Strafen im Gefolge hätte, dürften sie kaum hoffen, den im Monopol festgesetzten Maximalpreis zu erhalten. Große Summen sollten aus dem Monopol erzielt werden, der Consum müßte^sich durch die Vertheuerung des Branntweins selbstverständlich vermindern und der Staat würde, da er keine Concurrenz zu befürchten habe, nicht den Maximalpreis, sondern den Minimalpreis zahlen. Die hiesigen Brennereien könnten sich mit den norddeuffchen Großbrennern, welche unter viel günstigeren Auspieien arbeiteten, gar nicht messen, dennoch glaube er, daß auch die norddeutschen Großbrenner sich nicht für das Monopol erwärmen könnten und ihre Selbständigkeit nicht gerne aufgeben würden. Den Destillateuren und Händlern aber könnte man zurusen: „Der Mohr hat feine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen." Die oft mit großen Opfern und vieler Mühe gegründeten Gefchäfte seien gar nicht zu bezahlen, und was sollte bei der heutigen Ueberfüllung aller Branchen aus den Angestellten werden, denn der Staat könne nicht den 20. Theil derselben beschäftigen; aber auch die Laudwirthschaft dürfte da nicht gedeihen, wo das Gewerbe nicht criftiren könne. Zum Schluß bemerkt Redner: Wir stehen nicht auf einem politischen Standpunkt, sondern vertreten lediglich die Jnterenen der Branntweinbrennerei und der verwandten Gewerbe, und deßhalb sei unsere Parole: „Kein Monopol." Der nächstfolgende Redner, Herr Sch lenke vom Hardthof, kann die Ansicht des Vorredners, daß der Staat nur den Minimalsatz zahlen werde, nicht zu der feinen machen, denn Recht und Billigkeit seien doch noch nicht verschwunden, auch findet derselbe eine Notiz eines oppositionellen Blattes, „Germania", welches behauptet, die Brenner erzielten beim Monopol höhere Preise als jetzt, im Widerspruch mit den Ausführungen des Vorredners und bittet darum um Aufklärung, weßhalb denn auch im Verlaufe der Debatte verschiedene Redner Gelegenheit nahmen, die Behauptung dieses Blattes zu widerlegen. Die übrigen Reden sind größtentheils im Sinne der Ausführungen des Referenten gehalten, weßhalb wir von einer specicllen Wiedergabe absehen. Die nachstehende Petition an den Reichstag wurde behufs Sammlung von Unterschriften zur Circulation gebracht, und schließt hierauf der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, daß die Agitation zum guten Ziele führen möge. Die Petition hat nachstehenden Wortlaut: An den hohen Reichstag des Deutschen Reiches. Der dem Reichstag in Kürze vorgelegt werdende Entwurf des Branntweinmonopols gibt den heute in Gießen versammelten Brennern, Destillateuren, Händlern und sonstigen Interessenten von ganz Oberhessen und Nachbarschaft Veranlassung, einem hohen Reichstag nachfolgende Vorstellung zur geneigten Berücksichtigung zu überreichen: 1. Unser Brennereibetrieb ist ein rein landwirthschaftlicher und dient nur landwirthschaftlichen Interessen, vor allem dem Kartofielbau, der zur Cultivirung des Bodens wesentlich beiträgt, der Verwendung von Erzeugnissen, die im Handel nur mit Nachtheil oder zu geringen Preisen oerwerthbar sind, und insbesondere der Gewinnung der Schlempe, welche als Viehfutter dient. Die Größe des Brennereibetriebes richtet sich nach der jeweiligen Ernte und dem Viehstande, und eS würde ein festgesetztes nicht zu überschreitendes Quantum der Hebung der Laudwirthschaft entschieden widersprechen. Es würde außerdem das Branntweinmonopol die Möglichkeit zu brennen sehr beschränken, da cs dem Einzelnen sehr schwer fallen wird, das Bedürfniß hierzu im allgemein landwirthschaftlichen Interesse nachzuweisen, andererseits bei den hohen Preisen der Verbrauch des Branntweins ohne Zweifel erheblich vermindert wird. Bei den hohen Erträgnissen, die die Regierung aus dem Monopol ziehen will, ist dieselbe ferner darauf angewiesen, meist den Minimalsatz beim Einkäufe als Preis anzusetzen, während bei freier Concurrenz bei Mißernten oft viel höhere Preise erzielt werden. Es möge hier das weitere Moment Erwähnung finden, daß in dem Gesetzentwurf für Nord- und Süddeutschland, sowohl beim Ein- als auch Verkaufe, ein gleicher Preis vorgesehen ist, während seither ein Preisunterschied von 3 bis 6 ju Gunsten unserer süddeutschen Brenner zwischen Nord- und Süddeutschland bestand, welche den Producenten zu Gute kam. Auch dieser wird für die Folge wegfallen. Es muß dabei beachtet werden, daß der größte Theil unserer Landwirthe, besonders Kleinbrenner, auch einen Detail-Handel in Branntwein — d. h. birecten Verkauf an Wirthe und Specerei- händler — betreibt, der einen nicht zu unterschätzenden Zuschuß ihrer Einnahme bildet. Aus allen diesen Gründen folgt, daß bei der Einführung eines Monopols die Interessen der oberhessischen und benachbarten Brenner schwer geschädigt würden. 2. Was die Destillateure betrifft, so wird durch das Monopol ein bedeutender Geschäftszweig vernichtet. Viele tausend Staatsangehörige würden durch die Einführung des Monopols ihrer Existenz beraubt, ohne auch nur einigermaßen entsprechend entschädigt zu werden. Denn was sollen die aus ihrer Existenz Vertriebenen beginnen, nachdem decennienlanger Fleiß dazu gehörte, ihr Geschäft, in dem sie auf- gewachsen sind, oder das sie sich mit großen Opfern gegründet haben, auf die jetzige Höhe zu bringen? Bei der übersetzten Concurrenz in allen Branchen würde es ihnen schwer fallen, wenn nicht unmöglich fein, etwas Anderes zu ergreifen. Sie müßten sich naturgemäß auf ein anderes Geschäft werfen, wodurch dann bei erheblich verstärkter Arbeitsconcurrenz die ohnehin kritische allgemeine Geschäftslage in gefährlicher Weise verschlechtert würde. Auch muß sowohl für Destillateure, wie deren Abnehmer die schwere Schädigung betont werden, die durch das plötzliche Einziehen der Forderungen bei gleichzeitiger Liquidation aller dieser Geschäfte eintreten müßte. Zahlreiche Verluste für die liquidirenden Geschäfte wie für deren Schuldner würden unausbleiblich sein. 3. Der Zwischenhandel, der seither von Branntweinhändlern und Agenten vermittelt wurde, würde ebenfalls aufyören, wodurch denselben eine mehr oder minder beträchtliche Einnahmequelle entzogen würde, einem großen Theile derselben ohne jede, Allen aber ohne eine nur einigermaßen entsprechende Entschädigung. Das ist um so bedauerlicher, weil ein großer Theil des Branntweinhandels in dem Sinne ein gegenseitiges Geschäft ist, daß der Brenner dem Händler den Branntwein mit seinen anderen Erzeugnissen verkauft, und dagegen seine Rohproducte, deren er zur Brennerei bedarf, von diesem bezieht. 4. Endlich würden die nach vielen Tausenden zählenden Angestellten in den Geschäften der Destillateure, Zwischenhändler und Agenten, sowie die darin beschäftigten Küfer und Arbeiter in ihrem Erwerb schwer beeinträchtigt und zum Theil ganz, zum Theil fast ohne Entschädigung brodlos. Denn es wird beim Monopolbetricb nicht möglich sein, alle diese Leute zu beschäftigen; wo aber sollen dieselben bei den heutigen Verhältnissen Anstellung finden, da es schon jetzt massenhaft stellenlose gibt? Ferner wird eine große Anzahl von der Branntweinbranche abhängigen Gewerbe durch das Monopol betroffen. Eine Entschädigung dieser ist weder vorgesehen noch möglich. Alls allen diesen Gründen sehen sich die versammelten Interessenten aus Ober- Hessen und Nachbarschaft veranlaßt zur dringenden Bitte: „Hoher Reichstag ivolle dem Gesetzentwürfe betreffend die Einführung des Branntweinmonopols die Genehmigung versagen." Gießen, im Januar 1886. — Die gestrige außerordentliche Generalversammlung des hiesigen Turnvereins war eine sehr besuchte. Dieselbe war vom Vorstande berufen auf Grund eines von 43 Mitgliedern unterzeichneten Gesuches. Die Verhandlungen waren derart, daß der gefammte Vorstand sich veranlaßt fühlte, fein Amt niederzulegen und gaben Zeugniß davon, daß es immer noch eine Partei im Vereine gibt, die es sich angelegen sein läßt, Streit und Unfrieden unter den Mitgliedern hervorzurufen. Anstatt dem Vorstände in feinen Bestrebungen, den Verein wieder zu dem früheren Ansehen in Gau und Kreis zu bringen, zu unterstützen, suchen diese unruhigen Elemente den Intentionen des Vorstandes in jeder Weise entgegenzuarbeiten und den Verein nicht zu der Ruhe kommen zu lassen, deren er für seine Reorganisation und Weiterentwicklung so dringend bedarf. Universität- - Chronik. — Der preußische Minister der Medicinal- rc. Angelegenheiten hat den Rc- gicrungen jüngst eröffnet, daß Aerzte, welche auf einer nichtpreußischen Universität ohne besondere mündliche Prüfung lediglich auf Grund der Vorlage einer gedruckten zum Doctor der Medicin promovirt worden sind, zur preußischen Physi- katsprüfung nicht zugelassen werden können. — vr. Filehne in Erlangen hat einen Ruf all Ordinarius nach Breslau (zum Ersatz für Professor Hese) erhalten. — Mit Bezug auf eine durch die Zeitungen laufende Notiz, daß in Berlin eine orientalische Akademie zur Ausbildung junger Diplomaten in den modernen Orientsprachen nach dem Muster der Wiener und Pariser Akademien errichtet werden soll, durfte es von Interesse sein, mitzutheilen, daß in Berlin ein geborener Araber lebt, der seine Ausbildung in Deutschland genossen hat, nachher mehrere Jahre bei .einem deutschen Consulat im Orient als Dragoman thätig gewesen und jetzt beim Magistrat in Berlin als Secretär angestellt ist. Derselbe ertheilt seit einer Reihe von Jahren Unterricht in seiner Muttersprache und zwar sind seine Schüler vorzugsweise junge Leute, die sich der Eonsulatslaufbahn widmen und Kaufleute, die den Orient bereisen, resp. Handelsgeschäfte dorthin unterhalten. Unter den Fachprofessoren an der Universität sollen namentlich die Professoren Dr. Sachau und Dr. Jahn die Tätigkeit des Arabers stets in lobcnswerther Weise anerkennen. Vermischte -. Darmstadt, 18. Januar. Die „Deutsche Turnzeitung" brachte kürzlich die Mittheilung, daß denjenigen Untereffreieren und Soldaten einer bayerischen Garnison, welche Mitglieder des Turnvereins seien, der Urlaub an den Uebungsabenden bis nach Beendigung des Turnens verlängert worden sei. Auch bei einem Theile der hiesigen Garnison ist dieselbe Begünstigung eingctreten, zunächst für Diejenigen, welche bei einer deinnächstigen Veranstaltung eines Bazars in der Turngemeinde actio mitwirken. (D. T. A.) Darmstadt, 19. Januar. sZum Verbrechen an den Fach'schen Eheleuten.] Es hat sich aufgeklärt, daß eine Gesellschaft von 4—6 jungen Leuten, welche um die Zeit der Verübung des Verbrechens durch die Dieburger Straße nach der Stadt zu- tarnen und sich gegenseitig am Thatorte anriefen, nichts mit der Thäterschaft zu thun haben. Dieselben halten nur einen Gang nach dein Walde zu gemacht, wovon sie zurückkehrten. Der verhaftet gewesene Scharmann ist als unbetheiligt am Verbrechen entlassen. . Groß-Bieberan, 14. Januar. Ter Sohn eines hiesigen Landwirths gcrictl) kopfüber in den Trichter einer Wurzelmühle. Tie an den Walzen angebrachten Haken erfaßten den Kopf und zerfleischten ihn dermaßen, daß das Ableben des Verunglückten befürchtet wird. Düsseldorf, 17. Januar. Seltenes Jagdglück hatte der Oeconom Huxol am 13. d. M. auf der Treibjagd im Uentroper Revier bei Arnsberg. Derselbe erlegte in zwei aufeinanderfolgenden Schüssen drei Hirsche, wovon zwei im Feuer blieben und der dritte zwanzig Schritte weiter abgcnickt wurde. — Zwei Cometen zu gleicher Zeit werden Ende April am Himmel für das freie Auge sichtbar werden. Der eine, am 1. December v. I. von Fabry in Paris entdeckte, wird schon in der ersten Hälfte des April im Sternbilde „Cassiopeja" sichtbar werden, der andere am 4. December von Barnard in Nashville entdeckte, etwas später. Beide zusammen werden in nicht sehr großer Entfernung von einander sodann in der zweiten April-Hälfte geraume Zeit auch dem unbewaffneten Auge sichtbar bleiben, ein ebenso seltenes wie großartiges Schauspiel. Aus der Pfalz, 15. Januar. sZur Beachtung dringend empfohlen.] Oberamtsrichter Schäfer in Speyer erläßt folgendes Schreiben: „Vor einiger Zeit wurde in Schifferstadt wegen schweren Diebstahls eine Mannsperson verhaftet, welche angab, sie heiße Bernhard Mährte und sei gebürtig aus Adelshofen in Baden, welche Angabe sich jedoch als unwahr herausstellte. Anläßlich dieser Erhebungen ergab sich auch, daß diese verhaftete Person vor 5 bis 6 Jahren mit dem Bernhard Möhrle nach Adelshofen kam, sich dort mit diesem bei dessen Geschwistern aushielt, dann 'sich aber mit dem Bernhard Möhrle wieder in die Fremde entfernte. Seit dieser Zeit trat der Verhütete unter dem falschen Manien Bernhard Möhrle auf und verbüßte sogar unter diesem falschen Manien in Bruchsal eine Zuchthausstrafe. Die Frechheit und Kaltblütigkeit, mit welcher der Verhaftete Einbruchsdiebstähle zur Nachtzeit verübte, gibt mit Rücksicht darauf, daß er sich seit 5 bis 6 Jahren des falschen Namens Bernhard Möhrle mit so großer Sicherheit bedient hat, der Vermuthung Raum, daß er, weil wegen schweren Verbrechens steckbrieflich verfolgt, seines richtigen Namens sich nicht mehr bedienen konnte, deßhalb sich des Namens Bernhard Möhrle bedient, diesen aber, um die Entdeckung der falschen Namensangabe zu verhindern, ermordet hat. Es erscheint deßhalb geboten,, über den Verbleib des Bernhard Möhrle, von dem man seitdem nichts mehr gehört hat, Erhebungen anzustellen. Ich bitte deßhalb die Redactionen sämmtlicher Blätter um Weiteroerbreitung des vorstehenden Sachverhalts, um vielleicht auf diese Weise über den dunklen Punkt Auskunft zu erhalten und um sofortige Mittheilung etwaiger sachdiensamer Anhaltspunkte." Berlin, 16. Januar, lieber die Ausgezeichnetsten im Deutschen Reich, das will besagen die am meisten mit Orden decorirten Persönlichkeiten, giebt die soeben erschienene „Preußische Rang- und Quartierliste für 1886" interessante Auskunft. Abgesehen von dem Kaiser, als oberstem Kriegsherrn, besitzt die meisten Orden von allen Offizieren der Kronprinz, nämlich 72, dann folgen der General k la suite der Armee Graf Pückler (Hausmarschall) mit 51, Fürst Bismarck mit 48, Graf Perponcher -(Hofmarschall) mit 46, Gras Moltke mit 44, Generallieutenant von Albedyll mit 42, Oberstlieutenant Graf zu Eulenburg (Hofmarschall) mit 41 2c. Prinz Wilhelm besitzt bereits 34 Orden (4 mehr als im vorigen Jahre), Prinz Heinrich 24, Prinz Friedrich Leopold 10. Graf Herbert Bismarck hat 18, Graf Wilhelm Bismarck 13 Orden. Erstaunlich ist die große Zahl von Orden, welche der zum Ober-Marstall commandirte Major v. Mexer, k la suite des 9. Dragoner-Regiments, alljährlich bekommt. Derselbe hat im letzten Jahre wieder 5 Orden erhalten und besitzt jetzt bereits deren 30. — (Geschichte eines Bettlers.] Die „Kl. Pr." erzählt aus Frankfurt: An der Thür einer hiesigen Kirche konnte man seither während jedem Gottesdienst einen alten, weißköpfigen, gebrechlichen Mann finden, der die Andächtigen um ein Almosen anflehte. Dieser Alte ist vor einigen Tagen gestorben und hat eine Summe von über 8000 JL in baarem (Selbe hinterlassen. Der verstorbene lebte früher zur Zeit, als noch in Homburg v. d. H. und in Wiesbaden die Spielbank existirte, auf großartigem Fuße, denn er besaß ein ziemlich bedeutendes Vermögen. Noch im Jahre 1867 bewegte er sich in den feinsten Schichten der Bevölkerung. Das Spiel brachte ihn jedoch in's Verderben, er verlor in kurzer Zeit sein Vermögen. Seine Verwandtschaft half ihm mehrere Male auf die Beine, indem sie ihm größere Summen zukommen ließ. Doch auch dieses Geld hatte die Bank bald verschlungen. Der Mann konnte das Spielen nicht lassen. Seine Verwandten bekümmerten. sich nicht mehr um ihn, ja, selbst seine leibliche Schwester wies ihn von ihrer Thür. Da er viele Jahre hindurch weiter nichts gethan hatte, als gespielt und sich vergnügt, so war er nicht im Stande, Pich zu ernähren. Er fiel dem Mitleid seiner Mitbürger zur Last und nach und nach sank er zum gemeinen Bettler herab. Vor einiger Zeit, als seine auf einem Gute in Sachsen in sehr guten Verhältnissen lebende Schwester erfuhr, daß er bedenklich erkrankt sei und man für das Leben des alten Mannes fürchten müsse, ließ sie denselben zu sich holen, wo er auch starb. Das von ihm hinterlassene'Vermögen fällt nun auch seiner Schwester als nächster Erbin zu. — Meister (zu seinem Lehrjungen, den er soeben durchgeprügelt hat): „Es macht mir wahrhaftig feinen Spaß, Dich immer durchprügeln zu müssen l" Lehrjunge „Denken Sie denn, Meister, mir vielleicht?" Köln. „Hähr, helft mer", stöhnte in der Nähe des Heumarktes ein an der Erde Liegender einen Vorübergehenden an. — „Wie ist das gekommen?" fragte dieser, indem er dem Müden auf die Beine half. — „Ich den mit ’nem half Aenkerche gefalle." — „Wo liegt denn das Faß?" fragte der Samariter, indem er sich umsah, worauf der Schwergeladene schmunzelnd erwiderte: „Ja, Hähr, dat Aenkerche han ich em Lief." Sterblichkeit in Gießen im Kauft des Jahres 1885. Während im Jahre 1883 die Zahl der Todesfälle in Gießen 487 und im Jahre 1884 im Ganzen 414 betrug, belief sie sich im verflossenen Jahre auf 454. Kinder vom ersten bis zum 15. Lebensjahre wurden 161, Erwachsene 293 betroffen. Von Jnfections- (sog. ansteckenden) Krankheiten waren es besonders Masern, welche ziemlich viele Todesfälle herbeiführten. Es ft arbeit an denselben 17 Kinder (im Monat August allein 14), dagegen an Scharlach nur 3, Diphtherie 14, häutiger Bräune 2, Rose 2, Ruhr 3. An Kindbettfieber starben 4 Frauen, an einer anderen Krankheit des Wochenbetts 1. Die Zahl der an Lungenschwindsucht Gestorbenen war, wie dies schon seit lange hier der Fall ist, wieder eine hohe, sie betrug 80. An acuten Entzündungen der Athmungsorgane (Lungenentzündung, Bronchienentzündung) starben 37 Personen, an Schlagfluß 16, an Darnicatarrh 13, an acutem Gelenkrheumatismus 1, an sonstigen bekannten Krankheiten 229. Eine bestimmte Todesursache konnte, weil eine ärztliche Beobachtung vor dem Tode nicht stattgefunden, in 14 Fällen nicht näher bezeichnet werden. 11 Menschen büßten in Folge von Verunglückung ihr Leben ein, doch waren diese nicht sämmtlich hiesige Einwohner, sondern mehrere derselben, die auswärts in Bergwerken u. s. w. verunglückt und zu ärztlicher Behandlung hierher gebracht worden waren, erlagen hier erst ihren schweren Verletzungen. Selbstmord kam in der Stadt viermal vor, dreimal durch Erhängen, einmal durch Vergiftung mittelst Schwefelsäure. Die Zahl der Todesfälle in den einzelnen Monaten war eine sehr verschiedene und schwankte zwischen 24 und 51. Die geringste Zahl mit 24 hatte November, dann kommen in steigender Reihe: Juni mit 28, Januar mit 29, September mit 33, Oct ober mit 36, Juli mit 38, Februar mit 40, Mai und December mit je 41, April mit 44, März mit 49 und zuletzt August, in welchem, wie schon erwähnt, allein 14 Kinder an Masern starben, mit 51. Handel und Verkehr. — _ Das Frankfurter Exponniusterlager hat, wie angekündigt, am 12. Januar feinen Geschäftsbetrieb eröffnet. Abends 6 Uhr fand eine Versammlung der Aussteller im Saale der Handelskammer statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrathes, Herr Sonnemann, theilte mit, daß die Zahl der Aussteller nunmehr 154 betrage und daß man hoffe, demnächst die Zabl von 200 zu erreichen. Rach Orten vertheilt kommen bis jetzt 47 Aussteller auf Frankfurt, 43 auf Offenbach, 18 auf Darmstadt, 9 auf Hanau, 7 auf Mainz, 3 auf Pfungstadt, je 2 auf Karlsruhe, Mannheim, Aschaffenburg und 20 auf verschiedene andere Plätze. Nach Jndustriegruppen geordnet haben die Mustersammlung wie folgt beschickt: Parfümeriewaaren 6 Firmen, Hüte 3, Metall- roaaren 18, Waagenfabriken 2, Musikinstrumente 2, Papier und Tapeten 10, Knöpfe 4, Bürsten 3, Chemische Producte 18, Perlen 2, Graphische Erzeugnisse 4, Lebensmittel 12, Maschinen 24, Textilwaaren 7, Leder und Lederwaaren 20, Kurzwaaren 4, Confection 2, Cigarren 1, Billards 1, Gummi und Guttapercha 4, Spielkarten 1, Möbel 1, Hopfen 1, Spedition 1, Holzwaaren 4 Firmen. Der Vorsitzende sprach schließlich die Erwartung aus, daß die Verwaltung in Hinsicht auf den Abschluß von Verkäufen ebenso erfolgreich sein werde wie in Bezug auf die Heranziehung von Ausstellern. Das Unternehmen beruhe auf einem einträchtigen Zusammenwirken Frankfurts und seiner industriereichen Umgebung. Dieses einträchtige Zusammenwirken sei dringend geboten, wenn man gegenüber der Rührigkeit, welche überall, im Jnlande wie im Auslande, auf industriellem Gebiete an den Tag gelegt werde, nicht zurückbleiben wolle. Die Versammlung schritt nunmehr nach kurzer Debatte auf Grund des § 14 der Statuten zur Wahl von 5 Delegirten der Aussteller, welche einerseits deren Wünsche gegenüber dem Aufsichtsrathe vertreten sollen, andererseits berechtigt sind, an den Sitzungen des Aufsichtsrathes mit berathender Stimme Theil zu nehmen. Gewählt wurden die Herren Kupferberg-Mainz, Böhm-Offenbach, Hochstätter-Darmstadt, Zimmermann-Hanau und Wertheim-Frankfurt. Die Wahl erfolgt für ein Jahr. — (Für Exporteure nach Rumäniens Von der Frankfurter Handelskammer wird uns geschrieben: Wie mehrfach erwähnt, verlangt die Königlich rumänische Zollverwaltung Urspiungszeugnisse für die aus Deutschland eingehenden Maaren, damit dieselben nicht wie die französischen deni allgemeinen Tarif unterworfen werden, vielmehr die Meistbegünstigung genießen. Diese Ursprungszeugnisse wurden seither von den rumänischen Consulaten, sowie von den Ortspslizeibehörden ausgestellt. Um jedoch den Export thunlicbst zu erleichtern, hat auf Antrag der Handelsbehörden der Herr Minister für Handel und Gewerbe laut Verfügung vom 14. Januar im Einverstandniß mit der rumänischen Regierung fortan auch den Handelskammern die Befugniß zur Ausstellung der Ursprungszeugnisse ertheilt. Demnach ist die Handelskammer von Frankfurt a. 3M. bereit, von heute an Ursprungszeugnisse für Rumänien gratis auszustellen. Limburg, 20. Januar. Rother Weizen JL 13.85, weißer Weizen JL 00.00, Korn JL 10.40, Gerste 8.10, Hafer JL 6.35, Kartoffeln k 100 Pfund JL 0.00, Erbsen k 100 Pfund JL 00.00. CO (’TTTTTT nf T T T T T T T 11 ITT I TTT TT I TT TU TTTTT TTTH TI TI I TT TTTTT TTTTI 1111 TTT T ITT TT TTYYTTITII T I T TT TT T T T 1 TTTl Nassauer Loose nur noch 2 Ziehungen mit Gewinn«) von Mk. 85,714, Mk.61,428, Mk. 17,142, Mk. 10,285 etc. Jede« Loos gewinnt mindestens Mk. 82. Pläne und Auskunft gratis. Moriz Stiebei Söhne, Bankgeschäft, Frankfurt a. M. Deutscher Schulverein. Nr. zi des Correspondenzblattes ist eingelaufen und kann bei Herrn Buchhändler Ricker gratis abgeholt werden. H. Allgemeiner Anzeiger. Carnevali Maskenbälle! Prachtvolle, fürstlich elegante Coftüme aller Art, äußerst billig, in correcter, effect- reicher Ausführung; aber nicht zu verleihen- Cotillcn-tiesenstäiKle. 523 Masken, Besatzborden, Schmucksachen, Stoffe rc. CarnGvalietisehe Bilder zur Saal-Decoration ä 3 Mk. — Narren-Mützen. 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Beigeordneter._______ ßrennholzversteigerung in Dem Licher Gemeindewatd. Montag den 25. d. Mts. Morgens 9 Uhr anfangend, werden im District Gänswerde und Dickestell versteigert: 181 Rmtr. Buchen-Scheiter, 278 „ „ Knüppel, 24,4 „ Eichen-Knüppel, 18 „ Weichholz-Knüppel, 1460 Eichen-Wellen, 146,3 Rmtr. Buchen-Stöcke, 75,5 „ Eichen-Stöcke. Die Zusammenkunft findet statt an der Niederbessinger Schneise, an der Kreisstraße von Lich nach Hattenrod. Der Anfang ist in der Dickenstell, ca. 300 Schritte von der Kreisstraße von Lich nach Hattenrod entfernt. Lich, den 16. Januar 1886. Großh. Bürgermeisterei Lich. Walz.454 Brennholz-Versteigerung in dem Steinbacher Gemeindewald. Mittwoch den 27. d. M. werden im Distrikt Hegheck u. Todten- zipfen versteigert: 105 Rmtr. Buchen-Scheiter, 149 „ „ Knüppel, 63 „ „ Stöcke, 4650 Buchen-Wellen, 7 Rmtr. Eichen-Knüppel, 5 „ „ Stöcke, 1520 Durchsorstungswellen, 15 Rmtr. Nadel-Scheiter, 162 „ „ Knüppel, 45 „ „ Stöcke, 4620 Nadel-Wellen, 10 Aspen-Knüppel. Der Anfang und die Zusammenkunft ist Morgens 9^2 Uhr vor der Hegheck in der Nähe von der Kreisstraße Steinbach-Annerod. Steinbach, am 20. Januar 1886. Großh. Bürgermeisterei Steinbach. __________Krämer._______517 Bekanntmachung. Ungefähr 216 Stück Ent- seruungs - Steine sollen an die ausgebauten Verbindungswege des diesseitigen Amtsbezirks angebracht werden; die dem zu Grunde liegenden Bedingungen sind hier einzusehen. Gebote sind schriftlich und verschlossen, mit Mustersteinen, bis längstens den 15. Februar ds. Js. hier einzureichen. Gr.-Rechtenbach, 20. Januar 1886. 530 Das Bürgermeister-Amt. Einen einspännigen Schlitten habe im Auftrag zu verkaufen. 505 Carl Leib, hinter der Kirche. 528 Valdepennas, roth . ffi Malaga- K Malaga T> Lacrima-Christi y> VerkftHfastellen: 527 offerirt das empfiehlt 405 437 i-Xerez (Sherry) i u. Oporto . 1.30 1.40 1.50 1.50 2.— Madeira u. Pajarete Sherry u. Montilla . „ Malaga u. Madeira, alten „ Moskatel u. Alicante „ C. 6 Kleinhenn, Kreuzplatz 1. Conditor H. Kinkel, Marktstr. 32. Christian Faß Neuen Bäue. Rudolf Göbels Neuen Bäue. Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes. Der Vorstands Gebr. Adami, Mäusburg 14. 1 b Ferri. Drehes, Marktplatz 21. | Priorato, roth, herb Jk Priorato, roth, süss . „ Friedrich Leo, Seltersweg 71. 5288 Auf Barg Gleiberg sind die Weine im Glas zu haben. Feinsten Düsseldorfer Tafelfenf Gießener Bienen^uthter-Derein. Sonntag den 2L. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr: Versammlung bei Felsing, Neuenweg. Tagesordnung: 1. Mittheilung über die Errichtung einer Verkaufsniederlage für Honig. 2. Abänderung der Lesezirkel. 3. Anschaffung einer Wachspresse. 4. Anschaffung Königinnen. 5. Weitere geschäftliche Mittheilungen. Recht zahlreicher Betheiligung sieht entgegen der Vorstand. Drogengeschäft von Otto Schaaf, Seltersweg 39. Hasssx-, Beh- u Hirschbraten 526 bei Wildprethändler Ebel. Kreppe! täglich frisch bei 209 C. Roth. 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Vermischte Anzeigen. 522 Aivei Arbeiter können Schlafstelle erhalten.__________Wolkengasse 17. 518] Pferdeteppich gefunden. Abzu-- holen__Sandgasse 45. 525 Einesir Lehrling mit guter Schulbildung sucht Emil Roth, Verlagsbuchhanl lg, hier. 524 Ein Mädchen mit guten Zeugnissen wird nach Frankfurt zu miethen gesucht. Näheres Wallthorstraße 36. 317 Ein Lehrling mit guten Schulzeugnissen kann sofort oder pr. Ostern d. I. bei mir eintreten. Ein jung. Mann, welcher einjährige Berechtigung Hot, erhält den Vorzug, und wird sofort Salai- vergütet. S. Katzenstein, Holzhandlung. 521 Bon einer hiesigen Cr> garren-Fabrik wird ein mit guten Schul-Zeugniffen versehener lunger Mann als Lehrling gesucht. Schriftliche Offerten suh A« 1 des, die Exp. d. Bl. 510 Ein gut empfohlenes Dienst- mädchen für Küchen- und Hausarbeit sofort oder später gesucht. Wallthorstraße 34. Akademisches Dospitak Zwei starke Dienstmädchen zum 1. Februar d. I. gesucht. 509» Zöpfe!!! 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