M86. Nr. 2LS Zweites Blatt Donnerstag den 21. October Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. : Schulst^aße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Morrtaaö. P^eiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit ___ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 S) ©er diesjährige Herbstfaselmarkt des lanbro. Bezirks-Vereins Friedberg soll Mittwoch de» 27. I. MtS. zu Friedberg abgehalten werden. . r,®1? aufgetriebenen Fasel werden durch eme hierzu bestellte Commission gemustert und wird dm Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Tbiere eme Geldprämie bewilligt, wozu der landwirthschaftliche Bezirks - Verein und die Kreisstadt Friedberg entsprechende Beiträge zur Disposition gestellt haben Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Elgenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung. 3 9 n. Son der Preisbewerbung sind Gemeindefasel ausgeschlossen, desgleichen Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind S»r Fasel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt werden, wird auf Verlangen eine Weqverqütung ausqezahlt. Nrcht genügend gefesselte Thiere werden von dem Platze weggewiesen. Die zum Abschlüsse kommenden Verkäufe wollen dem Großherzoglichen Bürgermeister, Herrn Steinhäußer, zur Anzeige gebracht werden Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen. b Friedberg, den 12. October 1886. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg. ________ vr. Braden. Bekanntmachung. , o, ,®s roirb hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Füsilier-Bataillon des Jnfanterie-Regiments Nr. 116 Frcitaa den 22. October S* ^orr~lun& V’. bcr Sandgrube ein gefechtsmäßiges Einzelschießen abhalten wird und daß an dem genannten Tage das Betreten des zwischen den Straßen Gleßen-Daubrrngen und Wieseck-Alten-Buseck und Daubringen liegenden Waldes untersagt ist 3 getreten oes Gießen, am 18. Oetober 1886. Großhenogliches Kreisamt Gießen. __________________________________________ Dr. Boekmann. Betreffend: Den Herbstfaselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins zu Friedberg pro 1886. 16. October. Der schon telegraphisch kurz gemeldete Artikel des ^Reichs - Anzeigers" über die Eisenbahnunfälle auf preußischen Staatsbahnen lautet rvörtlich: In neuester Zeit haben sich auf preußischen Staatsbahnen in rascher Auf- cinandersolge mehrere Eisenbahn-Unfälle mit zum Theil sehr bedauerlichen Folgen er- etgnet, nachdem längere Zeit solche nicht zu verzeichnen waren. Es ist über jeden derselben sofort eingehende Untersuchung eingeleitet und werden die zuständigen Behörden, insonderheit die Gerichte darüber, wen dabei ein strafbares Verschulden trifft, zu entscheiden haben. So viel bis jetzt zu ermitteln, hat bei keinem der neuerdings vor- gekommenen Unfälle eine andere Ursache festgestellt werden können, als der Verstoß eines Einzelnen gegen klare, einfache und bestimmte Vorschriften, welche seit vielen Jahren bestanden haben und bei denen von einem Mißoerständniß oder einem Zweifel an ihre Zweckmäßigkeit oder von schwerer Erfüllung derselben nicht die Rede sein kann. Es versteht sich von selbst, daß die Verwaltung es hierbei nicht bewenden läßt. Daß eine derartige Häufung von Unfällen mit dem Staatsbahnsystem nichts zu thun hat, bedarf für den Kundigen keiner Bemerkung. Es darf daran erinnert werden, daß die auffallende Erscheinung des fast gleichzeitigen Auftretens zahlreicher Unfälle nach längeren günstig verlaufenen Zeitabschnitten schon seit dem Bestehen der Eisenbahnen wiederkehrend beobachtet worden ist, ohne daß es möglich gewesen ist, einen inneren Zusammenhang oder eine gemeinsame Ursache jener Ereignisse aufzufinden. Dieser Ursache sorgfältig nachzuforschen, bleibt jedoch Aufgabe der Verwaltung, sowohl nach der personellen als der sachlichen Richtung. Es ist deßhalb auch das ernste Streben der Staatsbahnverwaltung, durch allgemeine Einführung der bewährtesten Sicherheitsoorrichtungen betriebsgefährliche Jrrthümer und Mißverständnisse nach Möglichkeit auszuschließen und es sind seit einer Reihe von Jahren große Summen hierfür aufgewendet worden. Gewisse Thätigkeiten werden aber immer übrig bleiben, deren richtige Ausübung sich nicht auf mechanischem Wege sicherstellen läßt und bei denen daher nur die sorgfältige Erfüllung der gegebenen Vorschriften und eine strenge Eontrole die Gewähr für die Sicherheit des Betriebs bieten müssen. Die Möglichkeit, daß hierbei verhängnißoolle Uebertretungen oder Unterlassungen vorkommen, roirb leider nie ganz auszuschließen sein; daß aber die auf Erhöhung der Betriebssicherheit gerichteten Bestrebungen nicht erfolglos gewesen sind, geht aus der Statistik deutlich hervor; denn die Anzahl der Entgleisungen, welche innerhalb des gegenwärtigen Staatsbahnnetzes auf 1 Km. Bahnlänge entfallen, beträgt nur etwa 50 pEt. derjenigen Entgleisungen, welche vor 10 Jahren auf 1 Km. Länge der damals unter Staatsverwaltung stehenden preußischen Eisenbahnen entfielen, und bei den Zusammenstößen von Zugen stellt sich das entsprechende Verhältniß auf etwa 62 pEt., dabei bleibt noch außer Betracht, daß durch die erheblich vermehrte Zahl der Züge, der Stationen, Haltestellen, Weichen, der Betrieb viel schwieriger und complicirter geworden ist. Wenn indessen hierdurch auch ein erheblicher Fortschritt zum Besseren nachgewiesen werden kann, so soll doch damit keineswegs gesagt sein, daß nicht alles aufgeboten werden müsse, um Unfällen überhaupt auf jede irgend thunliche Weise vorzubeugen. Daß es von größter Wichtigkeit ist, an keinen der im äußeren Dienst beschäftigten Beamten Anforderungen zu stellen, welche er nicht stets ordnungsmäßig zu erfüllen im Stande ist und daß auch die Rücksicht auf thunlichste Sparsamkeit hiergegen unbedingt zurück- Ireten müsse, ist selbstverständlich und sind in dieser Beziehung bereits bei der Feststellung der zur Zeit auf allen preußischen Staatsbahnen eingeführten einheitlichen Dienstanwersungen für die Beamten des äußeren Dienstes alle diejenigen früher gütigen Bestimmungen ausgeschieden oder eingeschränkt worden, welche nach den gesammelten Erfahrungen nicht unter allen Umständen erfüllbare Anforderungen an die Beamten stellten. Den Eff-nbahnverwaltungsbebvrden ist zur Pflicht gemacht, darauf zu halten, daß dieser Grund,atz auch im Einzelnen zur Durchführung gebracht wird. Nicht minder sind aus Anlaß der letzt beklagten Unfälle von der C-ntralstelle aus nicht nur bestehende Vorschriften eindringlich in Erinnerung gebracht, sondern auch weitere geeignete Anordnungen getroffen, um eine möglichst erhöhte Betriebssicherheit aus den Eisenbahnen Preußens zu gewährleisten. Vermischte-. — (Ein Papagei als Zeuges Der Theehändler Georg Simmons in Manchester hatte einen Papagei, der ihm vor einigen Wochen aus seiner ebenerdig gelegenen Wohnung abhanden gekommen war. Simmons schrieb eine Belohnung für die Wieder- bringung des Papageis aus und es meldete ihm ein Mann, der Vogel befinde sich im Besitze des Kaufmanns Josef Gibbons. Simmons machte die Anzeige; bei der Hausdurchsuchung sand man in der That einen Papagei vor, dieser ward zu Gericht gebracht, und nun galt es, fefhufteüen, wer der wirkliche Elgenthümer des Papagei sei, Unn der Kaufmann bewies, baß er denselben von einem Händler gekauft habe. Sim- I Gingesandr. §ie Ausstellung des Instituts für Kunstwissenschaft in Gießen. (Ein Wort der Empfehlung des Besuchs derselben.) Wenn die reichhaltigen Sammlungen des genannten, merkwürdiger Weise Biernrfa no$ m$t genügen^) bekannten Instituts ohnehin schon eine Fülle des Interessantesten ^ebtctc bcr schonen Künste enthält, dessen Besichtigung Kunstverständige wie Kunstfreunden angenehme und belehrende Unterhaltung zu bieten vermag so ist eine $eficbtigung der gegenwärtig in den Räumen dieses Kunstinstituts veranstalteten Aus- Wellung - dem ersten derartigen Versuch des geplanten KunstvereinsfK da» ^brzogthum Hessen an hiesigem Orte — von ganz besonderem Interesse dadurch, daß in derselben der reichhaltige werthvolle Nachlaß des im Jahre 1884 — für KtnVte1 Aruf leider allzufrühe - verstorbenen König!, bayr Oberbauraths @uftaü Adolf Gnauth (Bruder unseres Herrn Kreisingenieurs) einem größeren ffÄ gemacht wird. Diese beredten Zeugen unermüdlichen künstlerischen NUns und höchster Vollendung eines weithin rühmlichst bekannten Architecten und HSnrtMCInö/-)en^cr besichtigen, ist wohl für jeden Gebildeten eine interessante K Äung, für ÄunftüerÜanHge und Kunstfreunde, Architecten, Bauhandwerkerund Kunstlndustnelle aber ein ganz besonderer Genuß. - Anfänger auf dem Gebiete freien rfinden in den zahlreichen ausliegenden Skizzenbüchern und Studienblattern die anregendsten Beispiele. Bauverständige werden mit dem größten Interesse die Entwürfe, Baupläne und Detailzeichnungen von solchen wahrhaft monumentalen Prachtbauten, wie die dargestellten, etwas genauer betrachten. So bietet bte ü°n A. Gnauth erbaute Villa Siegle in Stuttgart allein 71 Blätter, in der inftructiüften Weise die mit der Herstellung und inneren Einrichtung eines solchen Bauwerks verbundene Geistesarbeit eines großen Architecten darstellend, von der ersten fluchtigen Handskizze bis zur photographischen Aufnahme des stattlichen vollendeten Baues! — In ähnlichen Blättern sind noch andere Monumentalbauten vertreten wie m r i frankfurter Börse, eines Neubaus des bayr. Gewerbemuseums in Nürnbera • 5 u”« — Für die durch die Versetzung des Oberlehrers Dr. Ständer nach RreZloi, »M"!?^ne stelle des Vorstehers der Universitätsbibliothek zu Greifswald ist der Bibliothekar Dr. (Silbert in Göttingen in Aussicht genommen. r, Als Vrivatdocent in der rnedicinischen Fakultät der Universität Halle hat sich Medicinalrath Dr. Kottnitz aus Greiz habilitirt. 9 '.•fjp Ärl ?1-- w al ■ MD — Wie sehr unsere Industrie auf allen Gebieten das Ausland zu überflügeln sucht und wie glänzend das in vielen Fällen gelingt, beweist die 6fache Präiniirung innerhalb Jahresfrist der Firma B. Meising in Düsseldorf, deren Deutsche Liqueure an vielen Orten Deutschlands in Concurrenz mit den feinsten und theuersten ausländischen Marken heute schon vorgezogen werden. Zudem sind die Preise wesentlich billiger, weil der hohe Eingangszoll nicht darauf lastet. Die Firma hat sich die Ausgabe gestellt, nur das Allerfeinste zu liefern und bittet nur ihre Fabrikate einer Prüfung zu unterziehen. Niederlage befindet sich bei Ferd. Drebes, vorm. Gg. Wilh. Weidig in Gietzen. von, den meisten Kunstverständigen unserer Stadt bis jetzt noch verborgen gebliebenen Schätzen möchte man ausrufen: „Olympia in Gießen!" Oeffnet euch, ihr Schränke und Mappen, ihr der Kunst geweihten Räume des alten Schlosses, laßt den Anblick und das Studium eurer Schätze fördernd wirken auf Kunst, Kunstverständniß und Industrie! Doch mit dem Hervorholen der Kunstwerke und der mühsamen Veranstaltung solcher instructiv geordneten Ausstellungen allein ist nichts bezweckt----wenn dieselben nicht auch entsprechend besucht werden! Seit 1. September d. I. eröffnet, hatte sich obige so sehenswerthe Ausstellung trotz mehrfacher Ankündigungen des Besuches von nur — 23 Personen, darunter einiger Fremden, zu erfreuen! Aufmunternd zu weiteren Ausstellungen ist diese Thatsache gerade nicht. Da obige Ausstellung in Kürze geschlossen werden wird, so kam Verfasser dieses gerne, wenn auch im Drange seiner Berufsgeschäste etwas verspätet, der Aufforderung von maßgebender Seite nach, in einem Artikel zum Besuche der Ausstellung aufzumuntern. — Es sollte denselben freuen, wenn diese Zeilen in dieser Hinsicht von einigem Erfolg sein werden. O. B. Theil des Bilderschmucks zu dem bekannten Prachtwerk von Gg. Ebers „Egypten" Lergestellt. Die vollendete graphisch-technische Ausführung aller dieser Blätter bietet für Zeichner und Künstler das höchste Interesse; nicht minder die flüchtig aus gewandter Künstlerhand hingeworfenen Skizzen, ihre sichere Linienführung, ihr Farbenzauber, wenn auch nur mit einzelnen Pinselstrichen ausgefuhrt, die Wahl der so wirkungs- nnd stimmungsvollen Töne — es sei hier z. B. nur an die Aufnahme des Campo eanto in Genua erinnert, welche nur in Neutraltinte- und Siennaton ausgeführt, doch so stimmungsvoll zum Beschauer spricht — als auch die größeren Architecturstücke und kunstgewerblichen Eompositionen, welche hier in Erfindung, Form und Farbe mit jedem Blatt immer mehr und mehr das Wort illustriren : „Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken!" In dem alsbald sich geltend machenden Gedanken, daß ein Besuch nicht ausreiche, um diese Summe künstlerischen Schaffens eines Mannes kennen zu lernen, beschleicht stille Wehmuth den sinnigen Betrachter, daß einem so gottbegnadeten Künstler wie es der verewigte G. A. Gnauth war, so frühe schon ein Ziel gesetzt. (Eine biographische Skizze brachte der Anzeiger Nr. 206 vom 5. September.) Seine zahlreichen Schüler, die noch zahlreicheren Freunde und Leser seiner kunst- industriellen, reich illustrirten Beiträge unserer Kunst-Zeitschriften, die Heranwachsenden jüngeren Kunsthandwerker, welche in allen Gewerbe- und Zeichenschulen unseres deutschen Vaterlandes und weit darüber hinaus an des Verewigten erdachten Eompositionen die besten Vorbilder künstlerischen Schaffens finden, sie alle werden dem großen Meister ein dankbares Andenken bewahren! Wenn die meisten der obigen Werke eines vielgereisten Meisters mit fernem Land und Volk bekannt machen, so finden wir außer denselben in dem akademischen Kunstinstitut doch auch zahlreiche, nicht minder anmuthende Architecturstücke und Kunstblätter aus der Nähe, ja aus unserer nächsten Nähe! Es sind meistens Darstellungen aus der kunstgeübten Hand unseres Wartburgbaumeisters, Herrn Geh. Bauraths Professor v. Nitgen. Stattliche Aquarelle von den Wartburgbauten und ihrer inneren Einrichtung, der Burg Eltz im Moselthal, des Heidelberger Schlosses, und — „Willst Du immer weiter schweifen? sieh' das Gute liegt so nah!" — anmuthige Architecturstücke vom Gleiberg, dem Hofe unseres Heidenthurms, idyllische Studien von der Heuchelheimer Mühle, dem Forstgarten und — welcher Spaziergänger erkennt das Bildchen wohl gleich? — von unserm sogen. Lohmühlsbach! An Motiven fehlt es selten an einem Orte, und den Augen Uebung in der Entdeckung solcher Idyllen und Stillleben wie überhaupt Verständniß der Regeln der darstellenden Kunst zu geben, sind die Besuche solcher Sammlungen wie die besprochene sehr geeignet. Wie bereits oben erwähnt, soll die gegenwärtig arrangirte Ausstellung — bei gutem Erfolg — ein erster Versuch einer Reihe in den gleichen Räumlichkeiten geplanter ähnlicher Ausstellungen bilden. Material dazu ist hier reichlich vorhanden, an Skulpturen, Erzeugnissen der Kunstgewerbe, an zahlreichen Studien, Aquarellen und Oelgemälden, großentheils aus der Hand des Directors dieses Instituts selbst, an Kupferstichen, ächten „Trautscholds" und vermeintlichen „Dürers" und anderen Meistern fehlt es diesem Kunstinstttute nicht und im Hinblick auf die so reichhaltige Sammlung Notiz! Man kann bei den sich massenhaft mehrenden zweifelhaften Mitteln gegen Haar- , leiden nicht genug auf das bereits 18 Jahre sich bewährende, von Autoritäten empfohlene, sich durch Güte und Billigkeit auszeichnende Haarwasser v. Retter, München aufmerksam machen, welches wirklich leistet, was es verspricht: Conservirung und Kräftigung der vorhandenen Haare, Reinigung von Schuppen, weich und glänzend machen der Haare nebst Festhalten des Scheitels. 1117 Zu haben um 40 Pfg. und Mk. 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstrabe. fx 1 . prakt n. Spetialant fBr Baut-, Frauen- e. 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