lf feiltet ct dktzt ® AK "lch iiii, ^bringt ••Ift W- ' mib h, 11 e§ bni er Bul- «latünfe R feiner GMW da bis Nw He des M - utnbtt Vornan ment auf bu» Iblättcrn: i über Land- beS DcuGu i auf Wuusih lf. Ml , Anf.-RB. ; Mufchkt. Pfennig. rrtrns unö 6298 Sadeaustalt «grill* :ett M JWr. 218 Swettes Blatt Sonntag den 19. September 1886. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit torenc^me deS MontagK. Drnwtnrr Schulstraße 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mN Vttntzsrlohn. Durch die Post Kezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Alle« aus. um den unheimlichen astatischen Gast am lleberschreiten der ungarischen Grenze zu verhindern. Eine neuere osficielle Meldung aus Pesth vom Mittwoch Abend besagt allerdings, daß bisher in Pesth keine Fälle astatischer Cholera, sondern nur von Cholera nostras constatirt worden seien; immerhin bleibt die Thatsache von dem Auftreten der Cholera in der ungarischen Hauptstadt bestehen. Vom Statthalter von Nieder-Oesterreich ist mit Rücksicht aus das Austreten der Cholera in Buda-Pesth der LandeS-Sanitätürath schleunigst nach Wien einberusen worden, um über geeignete, der Bevölkerung bekannt zu gebende Vorsichtsmaßregeln zu berathen. Auch der oberste Sanitätsrath der Monarchie ist zusammengetreten. Der Gesundheitszustand in Wien selbst wird als durchaus befriedigend bezeichnet. Die Frage der Entsendung eines päpstlichen Nuntius nach China schwebt noch immer zwischen der französischen Regierung und dem Vatican. Die Pariser „Defense", ein clericales Blatt, weiß zu melden, daß der Papst in Folge vielfacher Fragen praktischer Natur, dann auch in Berücksichtigung gewisser Wünsche und Befürchtungen der französischen Katholiken, sowie der neuerdings aus China eingegangenen Nachrichten beschlossen habe, die Absendung eines außerordentlichen Legaten nach Peking zu verschieben. Nach der ganzen Haltung des Vattcans in dieser Angelegenheit zu schließen, ist aber nicht daran zu zweifeln, daß man im Vatican früher oder später auf dieselbe zurückkommen wird. — Präsident Grevy hat die wegen Aufreizung zu dem Strike in Decazeville verurtheilten Journalisten, Ducquercy und Roche begnadigt — schade, schade! 1500 Mann italienischer Truppen sollen demnächst nach dem Rothen Meere abgehen. Es bedeutet dies jedoch keineswegs einen neuen Schritt in der Colonialpolitik Italiens, etwa die Besetzung Suakins oder anderer Punkte am Rothen Meere, sondern die Truppen sind, wie die officiöse „Jtalie" versichert, nur zur Ablösung der zur Entlassung kommenden Mannschaften in Maffowah u. s. w. bestimmt. Der spanische Telegraph meldet, daß der wegen Unbotmäßig- keit gegen die Königin - Regentin Christine in Mahon internirte Herzog von Sevilla, bekanntlich ein Verwandter des spanischen Königshauses, auf einem nach Cette (Südfrankreich) abgehenden französischen Kauffahrer entflohen sei. Wahrscheinlich wird nun der Herzog vom Auslande her gegen seine königliche Verwandte und gegen das Ministerium Sagasta nach Kräften intriguiren. Die russischen Truppen - Manöver bei Brest-Litowsk haben mit der am Dienstag bei dem Dorfe Schestakows stattgefundenen großen Parade von 67,000 Mann vor dem Kaiserpaare ihr Ende erreicht. Die kaiserlichen Majestäten reisten alsdann nach Liubsch ab, wo in den dortigen großen Forsten der Czar noch einige Tage jagen will. Zur bulgarischen Angelegenheit liegt in dieser Woche nicht viel Neues vor. Die Sobranje in Sofia scheint mit ihren Verhandlungen nicht vom Fleck zu kommen. Der russische General v. Kaulbars, Militär- attachs bei der Botschaft in Wien, ist zum diplomatischen Agenten Rußlands in Sofia ernannt worden und bereits auf feinen neuen Posten abgereist. Die Ernennung Kaulbar's bedeutet den Beginn der Wiederunterstellung Bulgariens unter russischen Einfluß. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß das Gerücht, Rumänien, Serbien und Bulgarien würden sich zu einer Union vereinigen, unter Erhebung des Königs Milan von Serbien auf den bulgarischen Thron von Bukarester halbamtlicher Seite aus dementirt wird. Das Gerücht klingt aber schon an und für sich so unglaubhaft, daß es dieses osficiellen Dementis kaum erst bedurft hätte. Wochen - Ueberficht. Gießen, 18. September. Nicht nur Straßburg und da» Elsaß, sondern ganz Deutschland hat diesmal seine Kaiserwoche gehabt und wenn auch Altdeutschland nur im Geiste an den brausenden Huldigungen theilnehmen konnte, welche dem erhabenen Schirmherrn de» Reiche» seit seinem Verweilen im Elsaß Tag sür Tag von allen Kreisen und Klassen der Bevölkerung dargebracht worden sind, so haben diese Huldigungen doch auch in den entferntesten Gauen de« Reiches ein freudiges Echo gefunden. Nichts beweist mehr, welche Fortschritte die moralische Rückgewinnung d-r neuen Provinzen in den letzten Jahren gemacht hat, als diese aus der innersten Volksseele kommende Begrüßung, welche dem Kaiser bei seinem nun drttten Besuche in der Hauptstadt de» Elsaffe» von den dichtgedrängten, festlich gekleideten und festlich erregten Massen der Bevölkerung zu Theil geworden ist und ihm noch immer widerfährt. Diese spontanen Kundgebungen von Liebe, Anhänglichkeit und begeisterter Verehrung, welche dem greisen Monarchen aus reichsländischem Boden entgegengebracht wurden, sind der sicherste Gradmesser sür die mächtige Fortentwickelung deutscher Gesinnung, deutschen Geistes, deutschen Wesens in der jüngsten Grenzmark des Reiches. Um alle Einzelheiten des durchaus farbenprächtigen Blldes, als welches sich dis Kaisertage im Elsaß darstellen, hier wiederzugeben, bedürfte es langer Berichte und müssen wir deshalb in dieser Beziehung auf die spaltenlangen Schilderungen der großen Blätter verweisen; an dieser Stelle kann nur nochmal» betont werden, daß die heurigen Kaisertage im Elsaß an äußerem Glanze und innerer Bedeutung von keinem ihrer Vorgänger erreicht worden sind, selbst die alten Provinzen nicht ausgenommen. Der Kaiser, welcher sich durch die Anstrengungen, die der Dienstag sür ihn brachte — Besichtigung des Münsters, Empfang der Corporationen von Straßburg, Entgegennahme der Huldigung der Landleute au» Straßburg» Umgegend u. s. w. — etwas angegriffen fühlte, wohnte deshalb dem am Mittwoch bei Dettweiler stattgefundenen Feldmanöver de» 15. Armee-Corp» nicht bei und ließ sich durch den Kronprinzen vertreten. Indessen giebt da» Befinden de» Kaisers zu keinerlei Bedenken Anlaß und unternahm er noch am Dienstag Abend eine Spaziersahrt. Am Dienstag Nachmittag fand in den Räumen de» Straßburger OfficierS'Kasino großes Galadiner statt, bei welchem der deutsche Kronprinz aus das Wohl Elsaß-Lothringen» und der Stadt Straßburg trank; der Kronprinz gab hierbei der hohen Genugthuung der kaiserlichen Majestäten Äber den ihnen bereiteten herzlichen Empfang Ausdruck und wünschte, daß in den Reichslanden sich immer mehr die Erkenntniß befestigen möge, wie sehr dem Kaiser und seiner Regierung das Blühen und Gedeihen dieser schönen Provinzen dm Herzen liege. Al» ein bedeutsamer Moment aus dem kaiserlichen Besuche in Straßburg ist die Ansprache hervorzuheben, welche der Kaiser am Dienstag beim Empfang der Mitglieder des Straßburger Gemeinderathe» an dieselben richtete und in der er seiner Freude über die Fortschritte der Stadt Straßburg, über die Wiedereinsetzung de» Gemeinderathes und über den ihm bereiteten Empfang Ausdruck verlieh. , Der am Donnerstag erfolgte Zusammentritt de» Reichs- tage» zu einer außergewöhnlichen Session, der dieBerathung de» verlängerten deutsch-spanischen Handelsvertrages zur Grundlage dient, bildet seit Wochen dahauptsächlichste Ereigniß, ja, man kann eigentlich sagen, da» einzige Ereigniß aus innerpolitischem Gebiete. Die anfänglich gehegte Befürchtung, daß die Reichsboten die Session durch die angekündigten Excurflonen aus dem Felde der auswärtigen Angelegenheiten — speciell der bulgarischen Frage - unnöthig verlängern könnten, dürste schon dadurch al» hinsällig betrachtet werden, daß der Reichskanzler den parlamentarischen Verhandlungen fern geblieben ist und in Varzin die nachsommerliche Siesta hält. In Berlin fand am Dienstag unter zahlreicher Betheiligung das Leich enb eg ä n gniß des freisinnigen Reichs- und Landtags - Abgeordneten Ludwig Löwe statt. — Fern von der deutschen Heimath, an der Nigermündung, verschied unerwartet der Asrikareisende Flegel, wa» sür die deutsche Wissenschaft namenllich in geographischer und etnographischer Hinsicht einen schweren Verlust bedeutet. Eine böse Kunde kommt au» dem Lande der Stesanskrone: In Pesth und Raab haben sich fünf Cholerafälle mit tödtlichem Ausgange ereignet und soll e» sich hierbei um die echte, asiatische Cholera handeln, wenigstens nach den sofort von Professor Bale» vorgenommenen chemischen Untersuchungen. Privatberichte wissen sogar von 20 Cholerasällen, darunter angeblich 10 mit tödllichem Ausgange, zu erzählen. In Pesth ift der städtische Sanität»-Aus- schuß al» Epidemie-Commission in Permanenz erklärt worden, alle nöthigen Vorkehrungen wurden angeordnet, der Volksschulunterricht ist eingestellt, der Unterricht an den Bürgerschulen aus die Hälfte eingeschränkt worden; auch der Reichstag soll vertagt werden. — Nachdem man die Epidemie in Fiume und Triest schon al» beinahe erloschen betrachten konnte, hat sie nun von dem Küstengebiete einen plötzlichen großen Sprung nach dem nördlichen Ungarn gemacht und sich hier, in Raab und Pesth, an der großen Verkehrsstraße der Donau niedergelassen. In verstärktem Maße bedroht die Cholera von hier au» Mittel- Europa und sehr nahe liegt die Gefahr, daß die Seuche bei dem überaus lebhaften Verkehr zwischen Pesth und Wien zunächst nach der Kaiserstadt an der Donau verschleppt werden wird. Hoffentlich bieten die österreichischen Behörden Mainz, 15. September. Heute Nachmittag gegen 6 Uhr wurde in der Bahnhofstraße einem 13-14jährigen Jungen durch einen Straßenbahnwagen daZ eine Bein abgefahren. Soviel man hört, lief der Junge in die Straßenbahn förmlich hinein, so daß der Kutscher nicht in der Lage war, auf der geneigten Straße den vollbesetzten, an sich schon schweren offenen Wagen zeitig genug zum Stillstand zu brinaen. Die Untersuchung muß weiteres ergeben. Bei dem vielfachen Unfug, welchen die hiesige Straßenjugend in den Straßenbahngeleisen treibt, ist eS aber ein wahres Wunder zu nennen, daß nicht mehr Unfälle sich ereignen. Ist es doch noch letzter Tage in der Neuthorstraße vorgekommen, daß Jungen in der Neuthorstraße keine 20 Schritte vor der herankommenden Pferdebahn den Kopf auf die Schieuen gelegt haben! Berlin, 14. September. Nach der neuen, in letzter Zett vielbesprochenen Feld- dicnstordnung, welche zufolge kriegsmtnisterieller Verfügung versuchsweise bet den Truppen unserer Armee mit der Anordnung eingeführt worden ist, nach berieroen oe- rcits während der diesjährigen Herbstübungen zu »erfahren, sollen die auf Vorposten befindlichen Truppentheile, welche bisher stets biwakierten, nunmehr je nach Umstanden bisweilen auch in Ortschaften, Gehöften u. s. w. Unterkommen sinden. Die ft Unterbringung der gedachten Truppen soll jedoch nicht etwa eine ordnungsmäßige Einquartierung sein, sondern hat lediglich den Zweck, die Truppen zu ^rer Schwnung, z. B. bei schlechter Witterung, unbeschadet der nothwendigevi Wachsamkeit und Schlagfertigkeit derselben, unter Dach und Fach zu bringen. Art der Unterkunft weitere, außergewöhnliche Kosten nicht entstehen, die Bedurfniffe an Lebensmitteln rc. sind, wie fonst, von den betrchenden Trupperl - Eommandos zu beziehen, !ämd die Truppenbefehlshaber haben durch private Abmachungen mit den Gemeindevorständen, bezw. Hofbesitzern rc., die kostenfreie Beherbergung der Truppen sicherzustellen. Die letzteren Vorschriften können sich selbstverständlich nur auf Ahdens. Verhältnisse beziehen; in Feindesland, wo naturgemäß eine Entschädigung für Unterkunft der Truppen nicht geleistet wird, werden die Vorpostentruppen erforderlichenfalls ohne Weiteres in den vorhandenen gedeckten Raumen unftr Beobachtung der noth wendigen Sicherheitsmaßregeln untergebracht. Daß die Gefechtsbereitschaft der Truppen durch diese Erleichterung des so überaus anstrengenden Vorpoftendienstes in feiner Weise beeinträchtigt werden darf, ist selbstverständlich. Die neue Felddienstordnung unterscheidet überhaupt drei Arten der Unterkunft marschirender, bezw. manöverirender Truppen: Das Eantonnement, das Ortschaftslager und das Biwak. — lAusgrabungen am Pfahlgraben.) Die von Herrn Friedrich Koster mit gewohntem glücklichen Erfolge geleiteten Ausgrabungen zur Feststellung der Befestigungen am Pfahlgraben haben sich in der letzten Zeit auch auf die bei Ober-Flor- stad t gelegene Römerstätte erstreckt. Die mit Schwierigkeiten verbundenen Arbeiten haben zur Aufdeckung eines großen quadratischen Eastells geführt, das erne Seitenlänge von ungefähr 166 Mtr. hat. Das Ober-Florstädter Eastell ist also die größte der bis jetzt aufgedeckten oberhessischen Römischen Befestigungen; die pwta decumana wurde vor einigen Tagen blosgelegt. — In Sonneberg meldet ein Wirth seinen im Garten sitzenden Gästen, daß es in seiner Bodenkammer brenne. Die Männer sprangen auf, ergriffen Gefäße, füllten dieselben mit Wasser, jagten zur Treppe hinauf, wo ihnen dann gleich der rothe Feuerschein durch die Spalten der Bodenkammerthür sichtbar wurde. Ohne sich lange zu besinnen, schlugen sie nun die Thure ein, und — o Schreck — was mußten sie sehen? — Den Feuerball der roth untergehenden Sonne! (Dorfztg.) _ Den Hausfrauen durfte es vielleicht von Nutzen fein, wenn wir sie auf ein bewährtes Waschmittel für Wäsche aufmerksam machen, welches im letzten Halbjahr mit sehr gutem Erfolge in einem Berliner Krankenhause zur Anwendung gelangt ist. Es ist dies der Borax, über welchen den städtischen Behörden Folgendes berichtet wurde: „Außer den früheren Waschmitteln ist während der letzteren Hälfte des Betriebsjahres noch Borax zur Verwendung gekommen. Durch dieses der Wäsche unschädliche Mittel konnte die auf die Haltbarkeit der Wasche nicht gerade vorthcilhast wirkende krystallisirte Soda zum Theile ersetzt, das zum Waschen verwendete Wasser aber bedeutend verbessert werden, so daß die Wäsche weißer geworden ist." An Materialien sind auf 1 Kilo Wäsche verwendet worden circa 33 Gramm weiße Stückenseife, 2,53 Gramm Elainfeife, 1,02 Gramm grüne Seife, 4,54 Gramm krystallisirte Soda und 2,26 Gramm Borax. — Ein entsetzliches Unglück hat sich auf dem Michaelkirchplatze in Berlin durch die Pflichtvergessenheit eines Kindermädchens ereignet. Während dasselbe, anstatt auf das seiner Obhut anvertraute Kind acht zu geben, mit anderen auf dem Platze verweilenden Dienstmädchen eifrigst sich unterhielt, war das erst 18 Monate alte Kind bis zur Schwelle des Bürgersteigs gelaufen und setzte sich dort nieder. Plötzlich kam ein Lastwagen daher, der so nahe dem Bürgersteig fuhr, daß eines seiner Vorderräder die Füße des Kindes faßte, welches in Folge dessen nach vorn überfiel und so unglücklich zu liegen kam, daß das eine der Hinterräder über den Kopf ging und denselben zermalmte. Als Leiche wurde das Kind in's Haus seiner Eltern zurück- getragen. — In der Stadt Gent gab es, wie der „Voss. Ztg." aus Brüssel geschrieben wird, letzthin ein ergötzliches Schauspiel. Schon seit Wochen klagten die Bewshner über Verfälschung der Butter, welche die Landleute in erschrecklicher Weise oornähmen; die Prlizei, der diese Klagen zu Ohren gekommen waren, schritt in einzelnen Fällen ein, fand die Klagen vollberechtigt und führte die Verurtheilung der Ueberführten, wie die Beschlagnahme der gefälschten Waare herbei. Aber die Klagen nahmen kein Ende und so beschloß die Polizei einen streng geheim gehaltenen regelrechten Ueberfall des großen städtischen Buttermarktes. Der Polizeidirector ließ sämmtliche Ausgänge des Marktes durch Polizeimannschaften in bürgerlichem Anzuge besetzen. Er selbst, von starker Mannschaft begleitet, schritt auf dem Markte umher und ließ aller Orten Butter zur Prüfung beschlagnahmen. Zweihundert Bauern und Bäuerinnen, die sich aus dem Staube machen wollten, wurden festgehalten und nach den Polizeiwachen geführt. Die Genter Hausfrauen, die sehr zahlreich auf dem Markte sich befanden, klatschten laut der Polizei Beifall zu. Im Thronsaale des Rathhauses waren die zahlreichen vereidigten Sachverständigen versammelt, welche die sämmtlichen Butterproben zu untersuchen hatten. Als verfälscht wurden sofort 4000 Pfund Butter beschlagnahmt und hundert Anklagen erhoben. Da noch ganze Berge von Butter zu prüfen sind, so nimmt diese Prüfung noch zwei Tage in Anspruch. — sVerwöhnt.) Ein westfälischer Arbeiter kam kürzlich vor Gericht, weil et einen Schenkwirth durchgeprügelt hatte. Er erzählte, daß er jeden Morgen, wenn er zur Arbeit gehe, bei dem betreffenden Wirthe einen Schnaps zu trinken pflegte. Eines Morgens habe er den „Gewohnten" gefordert und ein Getränk erhalten, das wie Schnaps aussgh — „aber", fügte er entrüstet hinzu, „wat war't? Kloar Woater war't! Ick meen, ick soll den Tod davon hebben!" — Drei Monate Gefängniß für zwei geraubte Küffe waren dem Zahntechniker B. in Berlin vom Schöffengerichte aujerlegt worden. Die Sache gelangte am Samstag in zweiter Instanz zur Verhandlung, weil der Angeklagte die Berufung eingelegt hatte. Als Belastungszeugin trat ein 16jähriges Mädchen, die Tochter achtbarer Eltern, auf, welche ihr Abenteuer beim Zahnärzte folgendermaßen erzählt: Sie fei an drei aufeinander folgenden Sonntagen in das Atelier des Angeklagten gekommen, um sich die Zähne plombiren zu lassen. Als sie am letzten Sonntag im Begriff gewesen sei, sich zu verabschieden, habe der Angeklagte ihr den Hut plötzlich wieder abgenommen, sie mit Gewalt auf einen Stuhl niedergedrückt und sie geküßt, bevor sie eigentlich wußte, was ihr geschehen. Sie sei aufgesprungen und hinausgeeilt, vor der Eorridorthür habe der ihr folgende Angeklagte sie aber eingeholt und noch einmal ein erfolgreiches Attentat auf ihre Lippen begangen. Ihr verstörtes Wesen sei ihrer Mutter zwar gleich nach ihrer Nachhausekunst aufgefallen, aber erst nach einigen Tagen habe sie derselben von dem Vorfall Mittheilung gemacht. Das Schöffengericht erachtete diesen Mißbrauch des Vertrauens, welches eine junge Dame einem Zahnarzte entgegenzubringen gezwungen sei, für so strafbar, daß es auf die erwähnte hohe Freiheitsstrafe erkannte. Vor dem Landgerichte behauptete der Angeklagte, daß die Geschichte aus Der Luft gegriffen fei, wußte aber diese Behauptung nicht zu begründen. Der Gerichtshof schenkte dageaen der Zeugin vollen Glauben, änderte das Urtheil aber dahin ab, daß an Stelle Der dreimonatlichen Gefängnißstrafe eine Geldstrase von 500 JL, cd. 50 Tage Gefängniß treten soll. — sPostalische Gemächlichkeit.) Den Werth heimathlicher Einrichtungen würdigt man^ wie Das ja oft der Fall ist, erst, wenn man den Zustand gleicher Art in anderen Orten mit ihnen vergleicht. So wurde denn auch, wie uns ein aus Oesterreich zurück- gekehrter Sommerfrischler erzählt, diesem die Vorrüglichkeit unserer postalischen Einrichtungen recht eindrücklich fühlbar gemacht durch Die „urgemüthliche Art", wie er sie in seinem Aufenthaltsorte „Untergrund" bei Teschen kennen lernte. Eines Tages klopft es und auf das „Herein" betritt die Wohnung ein Männchen, in der Rechten einen Brief und über dem linken Arm einen Rock und ein Paar Hosen. „Euer Gnaden sind der Herr v. L.? (L. ist natürlich bürgerlicher Herkunft.) Hier is a Briefe!, i krieg aber zwoa Kreizer!" — „So, wofür denn?" — „Ja, schau'ns! I bin hoalt der Schneider hier und besorg a blus de Briefel so nebenbei; im Winter, da kummt selten an er, da genn mer blus zwoa Mol de Wachen, aber im Summer, do krieg i immer zwoa Kreizer." — „Ja, wie kommt denn aber das?" — „Ja, schau'ns, unser Postamt- Vorsteher kriggt halt nur 125 Gulden 's Joahr und da muß er uns davo bezoahlen und Da langt's halt nit!" — Ein anderes Mal brauchte Herr L. eine Marke, er geht nach dem Postamt — Niemand am Schalter, er tritt durch eine Thür nebenan — Niemand im Bureau. Im nächsten Zimmer endlich findet er Jemand, der ist mit seinem Mittagsbrod beschäftigt; er bringt seine Bitte vor: „A Marken wollen's? Na hern's, die kenne Sie gleich hoaben, setze Sie's a Bissel nieder, i bin glei fertl" — Und der Herr Beamte — denn er war es — aß gemüthlich zu Ende, dann ging er nach'm Komodel und holte a Marken raus. — Das ist in der That der Gipfel postalischer Gemüthlichkeit. — sWozu die Tournüre gut ist.) Aus Apatin wird berichtet, daß dort ein Mädchen im Biegl'schen Bade eine ganz eigene Art des Diebstahls prakticirte. Sie besuchte das Bad recht oft und „sobald das Mädchen Abschied nahm", fehlte stets ein — Leintuch. Achtundzwanzig Tage lang verschwand immer nur ein Leintuch, dann kam es aber schon undici, dodici, tredici, so daß der Badebesitzer sich veranlaßt sah, das Mädchen einer Leibesvisitation zu unterziehen. Die Visitation ergab, daß das Mädchen sich aus den gestohlenen Tüchern eine Tournüre geformt hatte, was ihr daS unauffällige Entfernen überaus leicht machte. Die Apatiner Meldung besagt auch, daß die Diebin einer angesehenen Familie angehörte; die Tournüre der Dame läßt das Letztere wenig glaubwürdig erscheinen. Allgemeiner Anzeiger. Aeilgeöotenes. Scillitin-Latwerge von H, Fröhlke. Seit Jahren vorzüglich bewährtes, garantirt wirksames, für Haussiere ungefährliches Mittel zur Vertilgung von Ratten u. Mäusen. Giftschein nicht erforderlich. Meinige Niederlage bei 6352 Emil Fischbach. _ PMsterrnübel SMlr, Spiegel, Bettvorlagen, RsÄranx, Wachr-Ledertuche entpftchlt 511 W. Kutzsckrad, Tapezier, Ka^ansgasse 27. Zwei überzählige zugfeste Wagenpferde verkauft preiswerth Adolph Moll, 6488 in Arina: Joh. Balth. Noll. Msngoldl's Patent Woltwaschmittrl vermeidet das Eingehen der Wolle beim Waschen, bewährt, unschädlich, geruchlos, billig, hebt die Farben 1 Pfund ersetzt 2 Pfund Seife. Allein-Verkauf bei 6112 Fr. Seibel. Grösstes Lager engl. Tüll-1 gardinenzu auffallend billigen Preisen. 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Excellenz der General-Stabs-Arzt der Armee, Prof. Dr. von Lauer, Leitarzt Seiner Majestät des Kaisers, über den Gertrudis.Brunnen wie folgt: „Es ist dasselbe ein leicht verdauliches erfrischende« Getränk von vorzüglichem Wohlgeschmäcke, welche« ich für meine Person in dieser letzteren Beziehung wegen des geringeren Vorgeschmackes des Kochsalzes dem Selters-Wasser vorziehen würde. Rücksichtlich der Wirkung auf die Schleimhäute dürfte dasselbe anderen ähnlichen Wässern gleichstehen. Bei reichlicherem und fortgesetzten Genüsse möchte wohl auch der Lithion-Gehalt in der diesem Stoffe eigenchllmlichen Richtung sich geltend machen können. Ich wünsche, daß das Wasser eine recht weite Verbreitung finden möge." Alleinige Niederlage bei L. Kalkhof, Seltersberg, Gießen. fifach preisgekrönt in Jahresfrist. Deutschen Chartreuse und Benediktiner, Salvator- und Admiral- Liqueur etc. etc-, Cognacs, Arac. 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