>h‘II 3908 8. en ^currenz-Schieß^. ' Ä* Nacht mit Vas Preß-Comite in _____ m! möblirte große Partei anderem Eingang, sind ' & zu veimietben ucm neuerbauten Haust, Karten, ist der mittler' gust zu vermiethen. C. Möser. iragen Gartenstraße 17. zeres Logis zu nermiether. Hammstraße 27. Zimmer zu vermietner: Ästerweg 1." nmer mit Cabinet, M- irt, per 1. Juli zu m Leop. Lchlatttt. t Jimmtr }u wruiittlti ■ Niceftrüße 1\. ! | Zimmer u. f. ro/iu Seltersweg 31. ! mw. Men'Laue N >N mit Wohnung zuirn Marktsttaße U >te Iiizeigen. . Klavier -UnterB ^infW25jarter^| wes reinliches Dies ^ahchAM^ WWm Hemann.N ^leichstrM^. MesTiÄimäM u rbeit auf W* 'it Wt£'et, * rtsfffc] kgJÄfl — 9W(" >!. mW !m W- > n. (Ä/ Ü«bt i Mr. ISS Freitag den 18. Juni ISS« Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schr-l-ratzr 7. Erscheint IK^Mh rmt MO»-«-». Gießen, den 15. Juni 1886. WreiO »irrtehührltch 2 Mark « Pf. »V BMI Durch die Post -e,ogen meNeljLhrlich 2 MsrlH Grobherzogliches Kreisamt Gießen. _______Dr. Soefmann. i'jf»* -1 n -oi.«, ä?5 ää^s sgjryis Politische Ueberficht. m Ä , Gießen, 17. Juni. Der Tod des Königs von Bayern steht im Vordergrund der Ereia- ntffe und beherrscht im Augenblick alle Interessen. Der Kaiser, den der ganze Verlaus der Angelegenheit während der letzten Tage lebhaft bewegt hatte, ist, wie aus seiner Umgebung verlautet, durch die Nachricht tief erschüttert worden ES heißt allgemein, der Kronprinz werde zur Beisetzungs - Feierlichkeit nach München reisen, um dabei den Kaiser zu vertreten. Es wird nunmehr auch eine neue Beglaubigung der diplomatischen Agenten Bayerns im Auslande uno seiner Bevollmächtigten zum Bundesrathe einzulreten haben. In den geregelten Beziehungen Bayerns zum Reiche kann sich nichts ändern. Das deutsche Volk hat der ritterlichen edlen Gestalt des jungen Bayernkönigs stets eine besondere Zuneigung gewidmet; nie wird es ihm ver- geffen, welchen entscheidenden Antheil er an der Begründung unserer nationalen Erhebung genommen und mit welcher Bundes- und Reichstreue er an der neuen Gestaltung der vaterländischen Dinge mitgearbeitet hat. Unter den nationalen Helden der neuesten deutschen Geschichte wird darum König Ludwig stets mit genannt werden und daß ein so reiches und edles Fürstenleben in so trauriger Weise — doppelt traurig, da dem Selbstmord des unglücklichen Fürsten ja lange Jahre geistiger Umnachtung vorausgingen — enden mußte, kann nicht verhindern, daß das menschliche Mitgefühl an dem ergreifenden Geschick König Ludwigs II. in voller Größe bestehen bleibt. — Der verblichene Herrscher wurde am 25. August 1845 zu Nymphenburg als Sohn König Maximilians II. und der Königin Maria geboren und hat demnach ein Alter von nahezu 41 Jahren erreicht. In Folge des unerwarteten Ablebens seines Vaters wurde er schon am 10. März 1864, also im Alter von noch nicht 19 Jahren, zur Regierung berufen, nahm jedoch gleich von Ansang an den Staatsgeschäften nur einen sehr bedingten Antheil und hielt sich meist auf Schloß Berg auf. 1867 verlobte sich Ludwig II. mit der Herzogin Sophie von Bayern, der jetzigen Herzogin von Alenyon, jedoch noch in demselben Jahre ging die Verlobung wieder zurück und der König wurde seitdem menschenscheuer als je. Immerhin war er mehrfach gezwungen, in den Fragen des Tages Stellung zu nehmen, namentlich in den Kämpfen zwischen dem Ministerium Hohenlohe und der klerikalen Partei; von besonderer Bedeutung aber wurde sein Auftreten beim Ausbruche des deutsch-französischen Krieges, denn rasch und entschlossen ergriff er für Preußen Partei und riß unter dem Jubel des Volkes Die widerwillige zweite Kammer mit sich fort und Ludwig II. war es ja auch, der im December 1870 die Uebe'rtragung der Kaiserwürde an den König von Preußen anregte. Leider zog sich der König bald wieder von den Regierungsgeschäften und überhaupt von der Oeffentlichkeit so viel wie möglich zurück und mit dem Staatsministerium verkehrte er schließlich nur noch durch die Vermittelung des jeweiligen Cabinets- secrelärs und auch diese beschränkte sich meist daruf, daß dem Könige die wichtigeren Actenstücke u. s. w. lediglich zur Unterzeichnung vorgelegt wurden. Trotz der im Allgemeinen sprunghaften, schwankenden und oft unberechenbaren Bethet- ligung des Königs an den politischen Dingen trat bet ihm doch eine tiefe Abneigung gegen die klerikal-patriotische Partei unverkennbar hervor und nur dem Eingreifen des Monarchen hatte es das liberale Ministerium Lutz zu verdanken, wenn e« den wiederholten Angriffen der genannten Richtung immer wieder zu widerstehen vermochte. Ob das Ministerium Lutz unter der Regentschaft des Prinzen Luitpold noch lange bestehen bleiben wird, ist zwar noch eine offene Frage, es erscheint indessen bei der gegenwärtigen Krisis in Bayern nach mehr als einer Beziehung hin compromittirt und könnte daher die Nachricht von seiner demnächstigen Demission gerade nicht besonders überraschen. Das Pfingstfest ist in Belgien verlausen, ohne daß es zu den befürchteten Ausschreitungen der Arbeiterpartei gekommen wäre. Die Delegirten der verschiedenen Arbeiter-Vereine des Landes hielten lediglich eine Versammlung in Brüssel ab, auf welcher beschlossen wurde, dis Propaganda zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts sortzusetzen und eine allgemeine Arbeitseinstellung zu vroclamiren, falls die Regierung die Gewährung des allgemeinen Stimmrechts fortgesetzt verweigern sollte. Im Weiteren wurde eine neue Manifestation für den 15. August, den belgischen Nationalsesttag, verabredet und soll binnen 24 Stunden eine allgemeine Arbeitseinstellung erfolgen, sobald es bekannt wird, däß die Regierung auch diese Manifestation verbietet. Von einem bewaffneten Widerstände scheinen also die Führer der belgischen Arbeiterbewegung vorläufig absehen zu wollen, doch nimmt auch ohne dies die Arbeiterfrage in Belgien all- Lemach wieder ein kritisches Aussehen an. Nachdem die sranzöslsche Deputirtenkammer sich in der Prinzenfkage für d:e Auffassung der Regierung entschieden, wonach also vorläufig nur die directen Prätendenten und deren ältesten Söhne ausgewiesen werden sollen, wird nunmehr auch der Senat sein Urtheil in dieser Affaire abzugeben haben. Am Dienstag hat der letztere seinersetts die Commission zur Vorberathung der von der Kammer genehmigten Vorlage gewählt und bezweifelt man in parlamentarischen Kreisen nicht, daß auch der Senat der bedingten Ausweisung der Prinzen zustimmen werde, lieber den künftigen Aufenthaltsort der französischen Prätendenten ist noch nichts Bestimmteres bekannt, jedenfalls werdm dieselben aber nicht allzuviel Zeit mehr haben, sich ihr Exil in aller Muße auszusuchen. Die Decazeviller Arbeiterbewegung hat einen besriedigenben Ausgang genommen, mbem di- sinkenden Arbeiter noch unmittelbar vor dem Pfingstfest einstimmig beschlossen, die Arbeit in der nächsten Woche wieder aukzunehmen. flT SSa^bctüe9ung hat bereits begonnen, obwohl die Auflösung des gegenwärtigen Parlaments erst am 26. d. Mts. erfolgen soll Auf die Wahlmanifeste Chamberlains und Dilke's ist jetzt der Wahlaufruf Gladstone's selber gefolgt. Das Manifest des Premiers, welches an seine Wähler in Midlolhian gerichtet ist, vertheidigt im' Großen und Ganzen die irische Politik Gladstone's und führt bereit Vortheile auf, unter denen mund-r- barer Weise die Consolidirung des Reiches und Stärkung seiner Einheit mit aufgezählt wird, während man bislang selbst auf liberaler Seite vielfach der Ansicht war, daß die Zugeständnisse Gladstone's an Irland die britische Reichs- Emheit ernstlich gefährdeten. „Times", „Standard" und die meisten übriünt Londoner Morgenblätter vom 14. Juni verurteilen denn auch das Wahl- mamsest Gladstone's, dagegen versprechen sich „Daily News" von demselben einen großen Erfolg; wer Recht hat, müssen freilich erst die Wablen selber bekunden. DieblutigenZusammenstöße zwischen Katholiken und Protestanten rn Belfast haben am Pfiigst-Samstag in einer anderen irischen Stadt, in Sligo, eine Wiederholung gesunden; auch in Sligo mußte das Militär einschreiten und mit dem Bajonette die Ruhe wieder Herstellen. An demselben Tage erfolgte in Belfast das Leichenbegängniß der bei den dortigen Unruhen Getödteten; die Ordnung wurde nirgends gestört. Ueber den Gesundheitszustand der in den egyptischen Grenz- Stationen stehenden englischen Truppen sind recht besorgnißerregende Berichte in London eingelaufen. Ihnen zufolge sind in Assuan und anderen südegyptischen Garnisonsorten 150 Soldaten an gastrischem Fieber und Schlagfluß 'in letzter Zeit gestorben; 700 Erkrankte sollen nächstens nach Kairo transportirt werden Die engtischerseits beschlossene vollständige Räumung Des südlichen (oberen) Egyptens wird durch diese Nachrichten jedenfalls nur beschleunigt werden. Deutschland. Berlin, 16. Juni. Fürst Bismarck ist gestern Abend Hier eingetroffen. — Der Kaiser nahm heute den Vortrag des Reichskanzlers entgegen. — Anläßlich des Todes des Königs Ludwig ist eine dreiwöchentliche Hoftrauer angeordnet. In Vertretung des Kaisers begiebt sich der Kronprinz zu der Beisetzungsfeier nach München. — Das bisherige Mitglied des Heroldamtes v. Borwitz und Harttenstein ist zum königlichen Heroldsmeister ernannt worden. — Der ^Reichs-Anz." veröffentlicht einen königlichen Erlaß vom 19. Mai, betr. Errichtung eines besonderen Consistoriums für Westpreußen mit dem Amtssitze Danzig. München. Die „Allg. Ztg." schreibt: Ueber den muthmaßlichen Verlauf der grausen Tragödie in Berg stellen wir im Nachfolgenden zusammen, was sich aus autoptischen Daten und an der Hand authentischer Mittheilungen mit Wahrscheinlichkeit ergiebt. Zugleich berichtigen wir damit verschiedene Unrichtigkeiten und Jrrthümer, welche in den bisher veröffentlichten Telegrammen aus Schloß Berg unterlaufen sind, die sich aber mit der aus einem so entsetzlichen Ereignisse stets erfolgenden Verwirrung mehr als entschuldigen lassen. Se. Majestät weiland König Ludwig II. war, wie erhärtet ist, in hohem Grade vom Verfolgungswahn befangen. Ohne mit Bezug hierauf auf die allmälige Entwicklung der unseligen Krankheit des Königs zurückzugreifen, als deren Hauptsymptom wir die Vorliebe des Monarchen für Einsamkeit und Abschließung erkennen, constatiren wir hier nur, daß der verstorbene König in den Gesprächen mit Dr. v. Gudden und Dr. Müller in Schloß Berg stets, obwohl in ruhiger Weise, von seinen Verfolgungsideen sprach. Waren dem König in Hohenschwangau die zu seinem Schutze aufgestellten Genßdarmen eine angenehme Umgebung, ,so änderte sich das mit der Uebersiedelung nach Schloß Berg vollständig, so zwar, daß der König ihren Anblick nicht mehr haben wollte, überzeugt, daß sie da zu seiner Bewachung und nicht mehr zu seinem Schutze allein vorhanden seien. Aus diesem Grunde war man auch in Berg genöthigt, die Gensdarmen stets dem Anblick des Königs zu entziehen. Im Parke von Berg wurden unausgesetzt die Wege von Gensdarmen abpatrouillirt; diese hatten die Weisung, soiort bei Sichtbarwerden des Königs zu verschwinden. So war es auch an jenem verhängnißvollen Abend des Pfingstsonntags. So lange der König und v. Gudden auf dem Wege gingen, der an der Unglücksstätte vorüberführt, hielten sich die Gensdarmen verborgen, darnach setzten sie auf eben diesem Wege ihren Patrouillengang fort. Wie wir schon gestern bemerkten, ist es im höchsten Grade auffallend, wenn auch nicht unerklärlich, daß die zwei Gensdarmen, welche zur Zeit des Ausgangs des Königs auf dem Wege patrouillirten, von dem Vorfälle am Ufer und im Wasser nichts vernahmen. Berücksichtigt man aber, daß erstens von dem Momente, wo der König das Schloß verlassen, zwischen 6V2 bis 63/i Uhr bis zu dem Augenblick, den die stehengebliebene Uhr des Königs als den Zeitpunkt des Dramas bezeichnet, 7 Minuten vor 7 Uhr, kaum eine Viertelstunde verlief, sowie zweitens, daß zwischen dem Wege und der Unglücksstätte sich starkes Gebüsch befindet, welches auch Die dort stehende Bank vom Wege aus nicht sichtbar werden läßt, so ist erklärlich, daß die Gensdarmen, welche sich bei dem Herannahen des Königs verborgen hatten, wahrscheinlich erst wieder auf den Weg heraustraten, als die Katastrophe, die sich überdies mit großer Raschheit abgespielt haben muß, bereits vorüber war. Jedenfalls ist bei derselben kein Laut hörbar gewesen, was schon daraus zu folgern, daß bekanntlich auf dem Wasser des Sees gesprochene Worte stellenweise bis weit in das Ufer herein hörbar sind. Die raffinirte Schlauheit, welche erfahrungsgemäß Irren, die sich mit Selbstmordgedanken tragen, eigen ist, läßt mit Bestimmtheit annehmen, daß der König, dem die im Schlosse getroffenen Sicherheitsmaßregeln (man hatte Gucklöcher in den Thüren angebracht, die Tischmesser waren abgestumpft und abgerundet, so daß kein Attentat möglich) jedenfalls sofort klar geworden waren, bei dem 'Frühspaziergange mit Dr. v. Gudden auf der Bank an der Unglücksstätte ausruhend, gerade diesen Platz als für feine Absicht günstig in's Auge gefaßt hatte, so daß der König bei dem Abendspaziergange mit Dr. v. Gudden vom Schlosse weg sich direet an diese Stelle begab und sofort an die Ausführung seines Vorhabens ging. Dr. v. Guddens Vertrauen auf die ruhige und fügsame Gebahrung des Königs war diesmal leider ein bei einem erfahrenen Psychiatriker nicht recht begreiflicher Fehler; er schickte den Wärter zurück, den Dr. Müller besorgterweise nachgesendet — und bis der Wärter in's Schloß zurückkam, war aller Wahrscheinlichkeit nach die unglückselige That bereits geschehen. Die Leichen des Königs und Dr. v. Guddens wurden von Dr. Müller, wie mitgetheilt, im Wasser, das Gesicht nach unten, schwimmend, ungefähr 20 Schritte vom Ufer entfernt gefunden und zwar, wie wir conftatiren, die Leiche des Königs in Hemdärmeln, während Dr. 0. Gudden völlig bekleidet war. Daß die Leichen, wie es in einer Meldung heißt, eine Strecke weit fortgeschmemmt worden seien, ist nichr richtig. Dagegen ist deutlich erkennbar; daß der König und Dr. v. Gudden von verschiedenen Stellen aus in das Wasser gegangen (nicht gesprungen) sind. Vom Ufer aus, wo die Schirme lagen, gehen die deutlich erkennbaren großen Schritte des Königs (König Ludwig, eine Hünengestalt, pflegte stets mit besonderen großen Schritten einherzugehen), bis in den See hinein; die Schritte v. Guddcn's dagegen kommen von einer UferfteUe einige Schritte seitwärts hinter dem Gebüsche in den See hinein und treffen mit denen des Königs an eben jener Stelle im See zusammen, wo die Spuren im Lettengrunde deutlich ein stattgefundenes Ringen bekunden. Von dieser Stelle ans finden sich sodann nur noch des Königs große Schritte eine kurze Strecke weiter in den See hinein bis zu einer Stelle, wo plötzlich der Seegrund tief abfällt und wo demzufolge auch die Schritte des Königs enden. Die beiden Hüte und Ueberrocf nebst Rock des Königs waren im Wasser, die Hüte augenscheinlich schließlich an das Ufer geschwemmt, die Röcke noch im Wasser schwimmend, als Dr. Müller die Leichen sand. Es läßt sich nun lediglich vermuthen, daß Dr. v. Gudden, während der König einen Augenblick auf der Bank saß, aus irgend einem Grunde sich für einen Moment abseits in das Gebüsch begab, welchen Moment der irre König benützte, um geraden Weges in den See zu gehen, v. Gudden wird den König plötzlich im Wasser schreitend gesehen haben, sofort in das Wasser hinein auf ihn zugegangen fein, an der bezeichneten Stelle versucht haben, den König zur Umkehr zu bewegen, wobei er ihn an den Kleidern faßte. Hierbei ist wohl möglich, daß der König sich einfach die Röcke vom Leibe ziehen ließ, sodann aber, als v. Gudden ihn weiter hindern wollte, sich energisch wehtte, wobei er dein Arzte den Schlag in das Gesicht und die Wundmale an Stirn sind Rase beibrachte und ihn sodann entweder würgte oder in's Wasser tauchte, bis 1 v. Gudden tobt war. Dann erst setzte der König mit eiserner Konsequenz seinen i Todesweg in den See hinein fort. Diese Consequenz ist um so bemerkenswerther, als I der König ein ausgezeichneter Schwimmer war. Daraus ist auch sicher zu schließen, I daß der Todeskampf des 41jährigen herkulisch gebauten Königs ein viel heftigerer gewesen I sein muß, als der des über 62 Jahre alten Dr. v. Gudden, der kein Schwimmer war. Fiel König Ludwig II. dem tragischen Verhängniß der hochgradigen geistigen Gestörtheit zum Opfer, .so starb Obermedicinalrath Dr. 0, Gudden jedenfalls in Erfüllung ferner Pflicht und seiner Treue gegen den König, aber auch, und das ist nicht zu leugnen, in Folge seines allzu großen Vertrauens auf seine richtige Schätzung von des Königs geistigem Zustande. Der König hatte augenscheinlich Dr. v. Gudden in volle Sicherheit zu wiegen gewußt, was bei einem erfahrenen Psychiatriker Wunder nehmen muß, andererseits aber erklärlich und zum Theile entschuldbar wird, wenn man weiß, welche gewinnende, ja, faseinirende Liebenswürdigkeit der nun tobte König im persönlichen Umgang zu entwickeln fähig war. In jeder Beziehung ist also Dr. v. Gudden gefallen in der vollen Ausübung und als Opfer seines Berufes, feiner bewußten Pflicht folgend, selbst mit Nichtachtung seines eigenen Lebens, treu und unentwegt bis zum Tode. Schweiz. Zürich, 16. Juni. Nachdem gestern Mittag vor der Hauptwache ein Auflauf stattgehabt wegen der Verhaftung zweier tumultuirender strikender Schlaffer, entstand Abenvs 7 Uhr bei der Uebersührung eines Schloffers zum Gerichtshaus ein großer Auflauf. Die mit Pflastersteinen stark bombardirte Polizei-Eskorte feuerte scharf, verwundete zwei Knaben und töbtete einen Tischler. Die Polizeiwache wurde van der Menge belagert, worauf die Polizei den Platz mit gefälltem Bajonette säuberte. Das Militär ist in der Kaserne eonstgnirt. — Der Stadtrath und Regierung traten zusammen, um etmaiaer Wiederholung der tumultuarischen Auftritte rechtzeitig vorzubeugen. Srankreich. Paris, 16. Juni. Dem „Temps" zufolge ist die Nachricht, Constans werde als Botschafter nach China gehen, unbegründet. — Einem Telegramm aus Saigon von heute zufolge wurde in Thanhold ein Kapitän und ein Lieutenant durch vergiftete Pfeile getöbtet. In Anam haben neuerdings wieder Niedermetzelungen von Christen stattgefunden. Die Aufständischen zündeten einige Dörfer in der Umgegend von Touranes an. Belgien. Mons, 16. Juni. In Quareqnon wurden die Arbeiter durch eine große Schaar von Sinkenden genöthigt, die Arbeit niederzulegen. Gensd'armerie verhinderte die Schaar, weiter zu gehen. Der Gouverneur vom Hennegau reiste nach. den von Arbeitseinstellungen bedrohten District.en ab. Eine Escadron Lanciers ist nach Hornu abgegangen, eine zweite Escadron geht demnächst nach Quaregnon ab. Australien. Melbourne, 16. Juni. (Reuter-Meldung.) Der französische Trans- portdampser „Dives" kam mit Truppen am 1. Juni bei den Neuen Hebriden an. Die französische Flagge wurde dort gehißt. Der Kapitän der dort liegenden britischen Goelette „Undine" und der Commandant des französischen Schiffes besuchten einander. TüesiDVhtschr DerÄchsm. München, 16. Juni. Die „Neuesten Nachr." schreiben: Der Prinzregent erhielt folgende Telegramme: „Aufs Tiefste durch den Heimgang des Königs erschüttert, theile ich den Schmerz, den Du und das gelammte königliche Haus empfinden, mit ganzem Herzen, und bitte Gott, daß er Dich in dem schweren Berufe mit seinem Segen begleiten möge. Friedrich Wilhelm, Kronprinz." — Ferner: „Tief erschüttert sprechen meine Frau und ich Dir und allen Verwandten unsere innigste Theilnahme zu den schweren Schicksalsschlägen aus, welche Dick, Dein Haus und ganz Bayern getroffen., Rudolf, Kronprinz v. Oesterreich." — Ferner ein Telegramm Jacobini's an den Nuntius in München: „Der heilige Vater, schmerzlichst berührt durch den tief betrübenden Heimgang des Königs von Bayern, beauftragt Cw. Excellenz, dem Prinzregenten Luitpold die Condolenz Sr. Heiligkeit auszusprechen." (Der Nuntius kam dem Auftrage gestern in einer Audienz beim Prinzregenten nach.) — Ein offi- eielles Telegramm über die Königin-Mutter an den Rath Moralt lautet: „Die Erkrankung ist bedeutend besser; die Gelenke sind fast frei, kein Fieber, keine Com- plicationen." Die Oberhofmeisterin von der Mühle fügt hinzu: „Majestät dankt für die Theilnahme." — Ein Erlaß des Erzbischofs von München-Freising ordnet an, daß in allen Kirchen baldmöglichst die Todtenvesper nebst Vigilie, bann Tags darauf ein solennes Seeleuamt, ferner daß in allen Kirchen feierliches Trauergeläute sechs Wochen hindurch täglich stattzufinden hat. Ter Erlaß schließt: „Wir vertrauen darauf, der ehrwürdige Clerus unseres Erzbisthums werde durch angemessenen Vollzug unserer Anordnungen nicht blos der Pflicht gegen den von Gott uns gesetzten Landesherrn erfüllen, sondern auch der tiefsten Dankbarkeit entsprechenden Ausdruck geben, welche die katholische Kirche Bayerns unserem geliebten Königshause in so hohem Grade schuldet." — Dem „Bayer. Cour." zufolge findet die Beisetzung der Leiche des Königs durch den Erzbischof von München-Freising statt. An den Traueract schließt sich die Todtenvigilie. Montag um IOV2 Uhr findet Trauergottesdienst mit Requiem in der Michaelkirche statt. München, 16. Juni. Von autoritativer Seite wird mitgetheilt: „Das angebliche Gutachten des konigl. Leibchirurgen (nicht königl. Leibarztes) Dr. v. Schleiß, welches in der Beilage zur „Allgem. Ztg." voiu heutigen Tage abgedruckt ist, beruht nicht etwa auf einer schriftlichen Erklärung des Genannten, was man nach dem Ausdruck „Gutachten" vermuthen sollte, sondern ist nicht mehr und nicht weniger als die Erzählung eines Journalisten, der bei Schleiß war. Die Wiener „Presse", welcher das sogenannte Gutachten entnommen ist, giebt dies auch ausdrücklich an. Aus der Stellung des Herrn v. Schleiß würde man unter regelmäßigen Verhältnissen die Ver- muthuug ableiten können, daß derselbe Se. Majestät andauernd ärztlich behandelt und jedenfalls öfters gesehen hat, dies war aber durchaus nicht der Fall. Mit Sicherheit kann behauptet werden, daß seit Beginn der siebziger Jahre, also seit ungefähr fünfzehn Jahren, Dr. v. Schleiß den verstorbenen König nur ein oder höchstens zwei Mal im Jahre bei Gelegenheit des Empfanges der Beamten von Füssen und Starnberg einige Minuten lang gesehen hat. Da ein solcher Empfang in den letzten anderthalb Jahren überhaupt nicht mehr statthatte, sah auch Herr v. Schleiß den König nicht mehr. Es kennzeichnet feine Stellung, daß er nicht mehr Zutritt zu Seiner Majestät hatte, als diese gar nicht zum Hofe gehörigen Beamten. Uebrigens hat Herr v. Schleiß der gestrigen Sektion beigewohnt und an erster Stelle das Sektionsprotokoll unterschrieben." München, 16. Juni. Nachdem die „Wiener Presse" ein angebliches Gutachten des Leibarztes des Königs, Schleiß v. Löwenfeld, veröffentlicht hat, worin behauptet wird, der König fei nicht irrsinnig, und gleichzeitig mitgetheilt wurde, die „Allg. Ztg." hätte das Gutachten nicht aufnehmen wollen, bestreitet die „Allg. Ztg." auf das Entschiedenste, ein solches Gutachten erhalten zu haben. — Der „Bayer. Cour." ist von Geheimrath Schleiß ermächtigt, zu erklären, er wisse gar nichts von einem Gutachten und es liege eine grobe Mystifieation vor. London, 16. Juni. Das Unterhaus erledigte in der Einzelberathung die Bill, betreffend die Abänderung der Weinzölle. Amsterdam, 16. Juni. Bei den Wahlen zur zweiten Kammer wurden alle sieben in Amsterdam aufgestellten liberalen Candidaten mit großer Majorität gewählt. Lokales. Gießen, 17. Juni. Samstag den 19. l. M., Vormittags SVz Uhr, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusfes statt mit folgender Tagesordnung t 1. Reklamation des Kaspar Jung IV. zu Klein - Linden gegen den Voranschlag dieser Gemeinde pro 1886—87 wegen Aufbringung der Kosten der Zuchtbullen. 2. Beschwerde des Heinrich Hirtzinger zu Rodheim gegen einen Beschluß des Gemeinderaths daselbst wegen Verweigerung des Gemeindenutzens. 3. Reklamation des Joh. Dörr II. u. Cons. zu Saasen wegen der Abschätzung von Obstbäumen bei Gelegenheit der Consolidation in dortiger Gemarkung. 4. Rekurs des Brauereibesitzers Friedrich Textor zu Gießen gegen euren Polizeibefehl wegen des Zustandes des Fluthgrabens an den Hardthofen. = Gießen, 17. Juni. Ein gemächlicher Transporteur war es, welcher gestern Nachmiltag hier einen zur Jnhaftirung im Justizgefängniß bestimmten Gefangenen mit der Bahn einbrachte. Anstatt die trockenen Räume des Gefängnisses aufzusuchen, begaben sich Transporteur und Gefangener in's Wirthshaus und erquickten sich dort durch einen Trunk, bis gegen Mitternacht ein Schutzmann, dem die Beiden aufgefaUen waren, sich ins Mittel legte und die Schwelger wieder auf die rechte Bahn, d. h. ins Arresthaus verbrachte. Vermischte-. Darmstadt, 10. Juni. (Sitzung der Großh. Centralstelle für.die Landwirth- schast und die landwirthschaftlichen Vereine.) Nach Begrüßung der erschienenen Mitglieder giebt der Präsident, Herr Geheimerath Dr. Jaup, zu 1) der Tagesordnung: „Geschäftliche Mittheilungen", der Versammlung Nachricht, daß der in der vorigen Sitzung angenommene Antrag: „Die Großh. Staatsregierung zu ersuchen: 1) der Verwaltung der Landescultur-Nentcnkasse Weisung dahin zu ertheilen, daß bei Benutzung der Kasse den, Darlehnsnehmern auf Verlangen der Betrag baar im Courswerth der Nentenobligationen oder die Nentenobligationen selbst im Nominalwerth verabfolgt werden; 2) eine umfassendere Revision des Landescultur-Nentcnkasfe-Gesetzes bei Gelegenheit der Feststellung eines Gesetzentwurfes betreffend die Errichtung einer Landes- ereditkasse vorzunehmen", von der Großh. Staatsregierung alsbald in Erwägung gezogen worden sei, dem zweiten Theil aber mit Rücksicht auf die schwebenden Vorverhandlungen bezüglich der Errichtung einer Landescredilkasse eine weitere Folge vorläufig nicht bald gegeben werden können und daß auch infolge dessen der erste Theil nicht weiter verfolgt worden, neuerdings fei derselbe wiederholt in Erwägung gezogen und wäre eine baldige Entschließung zu erwarten. Dem weiteren Beschlüsse in der vorigen Sitzung der Großh. Eentralstelle: „Die Großh. Centralstelle beschließt, Großh. Staatsregierung zu ersuchen, den Großh. Hessischen Bevollmächtigten zum Bundesrath beauftragen zu wollen, auf Grund der Resultate der in Preußen über die bezügliche Frage angestellten Enquete unter Hinweis auf den Inhalt des Antrages Dettweiler dahin zu wirken, daß gesetzliche Bestimmungen gegen den mißbräuchlichen Handel mit sogen Kunstbutter getroffen werden", habe die Großh. Staatsregierung stattgegeben und es scheine, daß die Angelegenheit im Bundesrathe willfährig auf genommen worden sei. Zu 2) der Tagesordnung: „Antrag auf anderweite Organisation des landw. Vereinswesens". Der Landtagsabgeordnete Herr Freiherr von Nordeck zur Rabenau hat bei der zweiten Kammer der Stande beantragt, die hohe Kammer wolle beschließen, die um Mit- Geschichts-Kaienöer. verkauft 4518 iH foeben erschLenen und in der Exped. d. Bl. für l. 1 Mk. 3 zu erhalten ^^9 Einen Haufen Mist verkauft E. Rstt, /t Uhr, findet iin statt mit folgender gegen den Vor- ;g der Kosten der in einen Beschluß indcnutzens. wegen der Ab- ition in dortiger eßen gegen einen :Jl Hardthofen. i, welcher gestern r Gefangenen mit nickten leiden «Miauen Sahn, d. h- ui» _____ Karl Plank, im Pfau. CinMöck. 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Verglich man ibn bnm x gieren und interessanten Shakefpeare, der ebenfalls ans dein gle chen echten Born .7^-» Tragiker So erwähnte zum Beispiel Änliurc r ?es Gemuths schöpfte. emes allerliebsten Streiches vo.t y^^(lma^^infebl ße0en Dies und Andere Deutschen erzählte, der sich eine nuB fS.e?. * bekannten | hotte, aber die üble Gewobnbeit beikiü fr -h F>.rllgkelt im Viollnspiel erworben des Steges zu versteigem^Haydn^wolltet höchsten Töne in der Nähe verleiden und geschmackvolles Spiel beizubrinam diese Schwäche zu Janson, eine gediegene Clavierspielerin die tlm' 3 CU .brachte ost ein Fräulein tu enter eonipanirte also eine Sonate siir Beide m dem D-r Ü 41 °-,ne ^Qinen und versiegelt der Dame vt ’ Jacobs Lraum" und eichte Merkchen mit dem Geigei probirte Mch kurnr^-l?"n bald bas scheinbar so dahin, welche in ber 3 Position angebracht ronrai8 5^r raff?0en blc W“««" nur fc,t unb rief: „Herrlich geschrieben, ber Konwönift s ?£SE^. roor uoUet Selig- NUN aber in möglichere Neaionen tennt das Instrument!" Anstatt ■7. Position Ijinauf. ' ^llls zur 5., 6., ja sogar zur Ameisen durcheinander. Der Anostschmeisr trat ih lmtr?eF. zusammengedrättgler, wie ber Violine ftevunrfrabbdnb «nb ‘ü während er auf "Das ist jn unerhört, so etwas iiii» ? -P \ bhd! Mnig ausrief- Ähnung von der Violine'" Kräurpin 5 3U fAinteren, der Mensch hat ja keine mit beii hohen Passagenbie IfÄÄie'Ä'.^ »--b. daß berCo^inffk und se Mehr sie bemerkte, wie ihr Partner'auf dnstrVp^^ä"'" audeuten wollte aut und abstieg, desto heiterer wurde fie bis fie U1,b st°'peinb braclf. Jedenfalls winde aber der h-Ues Ge.ächte^aus- " ~--------______L„_____ €orsettei6 .für Damen und Mädchen, in allen Weiten und Fa^ons, empfiehlt zu billigen Preisen 4171____Ao Fangmann, Frische Butter Vfd. 75 H bei Abnahme von 10 Pfd. bei M _________Julius Wallach. Schwarze nrrd weiße Wolle feu1|^l?i,.;,?bfl l.s f Drganiiallon d-r r.i i:r ig. «... - wy«?Bs.:',SÄ;£ £?ä;s?sa»,‘ Ls»? --- >™ ».* Sä ttätafeftW vta^a wäre. Seilens des Grsßh. M n steriiims^» b" Staatsverwaltung einzufügen Schreiben der Centralstelle^7Ü«^Beiich "m.ftgetheil? nmide d°r Justiz is? dieses Sitzung vorn 3. Juni 1885 nach vorausgeganaen U“b 1,(11 i>ic(clbe in ihrer Ees vorläufigen Referates des Präsidenten derunter Zugrundelegung §°'Nm-sston ans 9 Mitgliedern ber EentrÄstelle S S den Beschlntz gefaßt, eine des Präsidenten der Zentralstelle Bericht über hfn h ! n \rae dZ unter dem Vorsitz get eilten Antrag bezüglich der anKmei en OrganisLon b^L" Äa,Um