MAMM r dis Gymnasiums 2219 gen. W eventuell überwach r Ausgaben. J. St. 3 an hie- Q — • O fthlt sich im N <6 j* 3 co e> >*r® ® q •* ® »J2a (5 c. i, . - o£* ' ®fl o ®CV), c:s • O . ®Öo- ' Z.L £ g: rben „ nd L.n die 3341: jauie. ■ q ‘Ä^L ctovW»*1 3762, 1 ' sackergchA ■S*5, ZDE ifen. W.T SM linas-K . m:. gern*” ) W 9 Illi# JJ 5 ® ,t ® '11°: fit g o d cd LTG« NreiO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit ®1 Durch dir Poft bezogen vierteljährlich 2 Mar Erscheint LLgkLH mit WrS^rLme deö MSttls^K. Ein Zeitbild aus Frankreich. Ein Correfpondent schreibt der „National-Zeitung" aus Paris vom 9. b. Mts.: Die täglichen Hetzereien gegen Deutschland in den Journalen, in Bild und Schrift, darf man füglich unerwähnt lassen; dieselben sind auch mit d-r Zeit so „selbstverständlich" geworden, daß man sie kaum mehr beachtet. Dagegen muß ich es als eine Pflicht betrachten, über officiette Kundgebungen dieser Art zu berichten. In Ehalons sur Marne, der Hauptstadt der Champagne, bat am 6. d. Mts. die Einweihung eines Denkmals zum Andenken an die im Kriege von 1870 gefallenen Söhne der Stadl stattgefunden. Spät, aber doch. Wie die Berichte hervorheben, haben die in Chalons wohnenden Officiere a. D. die Errichtung dieses Monuments in die Hand genommen, weil es sie kränkte, daß auf dem Kirchhofe allein ein Denkmal für die in Chalons verstorbenen und begrabenen deutschen Soldaten stolz emporrqgte. Die Generale Fevcier, Appert, Boiffounet, Lanty, de Dampierre, Heros, La.onge, der General- Intendant de la Granville, der Präfekt des Marne-Departements, der Maire von Chalons, die meisten Mitglieder des Generalrathes des Departements, die Officiere der Garnison, turz olle Cioil- und Militär-Behörden, zahlreiche Delegationen von Vereinen oller Art, wohnten dem Trauer-Gottesdienste bei. der im Dome stattfand. Bevor er den Segen ertheilte, hielt der Bischof von Ehalons eine „von Patriotismüs erzitternde" Rede, aus welcher die folgende Stelle mitgetheilt wird: „Das Gefühl, welches die Versammlung bewegt, ist nicht das der Trauer; wir theilen die Ansicht der Makkabäer, daß es härter ist, den Ruhm seines Vaterlandes zu überleben, als mit den Waffen in der Hand zu sterben: Melius est mori in dello quam visiere mala genlis nostra. — Das Abgeordnetenhaus erledigte die ersten 26 Paragraphen der Kreis- ordnung für Westfalen vorwiegend nach den Anträgen der Commission und nahm den Antrag Gneist an, wonach : die Ablehnung einer Ehrenamtmannsstelle zulässig ist, wenn der Kreisausschuß bestätigt, daß der Geschäftsumfang die Ansprüche an das Amt übersteigt. Die vom Herrenhaus beschlossene Heranziehung des Eisenbahn-Fiskus zu den Kreisabgaden wurde abgelehnt; ebenso die Anträge Richters, die Gemeindevorsteher von der Mitgliedschaft bei der Amtsversammlung auszuschließen, die Zahl der Amtsverordneten auf zwölf zu normiren und die Verhandlungen der Amtsversammlung öffentlich statrfinden zu lassen. Fortsetzung Montags 11 Uhr. — In der heutigen Plenarsitzung des Bundesrathes wurde die Vorlage, betr. den Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung des internationalen Vertrags zum Schutz der unterseeischen Telegraphen-Kabel, den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Den Gesetzentwürfen über die Branntwein-Besteuerung, sowie über die unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen wurde die Zustimmung ertheilt. England. London, 15. Mai. Die „Times" glaubt, das Ergebniß der gestrigen Versammlung bei Hartington habe das Schicksal der irischen Vorlage Gladstone's besiegelt. 1Ö4 liberale Abgeordnete hätten sich verpstichtet. gegen die Homerule- Bill zu stimmen, wodurch deren Ablehnung mit einer Majorität von 41 Stimmen gesichert sei. Rußland. Das Gefühl, welches in der Versammlung herrscht, ist dennoch nicht das des Schmerzes, es ist das der Nothwendigkeit, über ernste Erinnerungen nachzu- denken. Wenn die Soldaten des Marne-Departements, welche in dem Kriege von 1870 gefallen sind, die Inschrift ihres Mausoleums wählen könnten, würden sie die Worte „Vergesset nicht" darauf eingraben .... Unsere Armee vergißt nicht, sie sammelt sich, sie arbeitet, sie bereitet sich vor, sie gehorcht, sie hofft... Wenn ich vor den Kasernen von Chalons vorbetkomme, glaube ich immer als Symbol unserer Armee die Worte zu lesen: „Ich erwarte, ich bereite die Wiederherstellung des nationalen Ruhmes vor ... ich glaube daran! Expeclo credo.“ — Nach dem Gottesdienste begab sich der lange Zug nach dem Kirchhofe; zwei Freiwillige von 1870 aus Metz und Straßburg trugen breite Trauerbänder, auf denen mit Buchstaben von Silber standen Alsace- Lorraine. Als sich die Versammlung um das Monument geschaart hatte, hielt zuvörderst General Fevricr eine Ansprache, um im Namen der Armee dem Comitsi zu danken. „Diese Ceremonie", sagte der General, „könnte verspätet erscheinen; ich glaube im Gegentheil, daß sie zur rechten Stunde (ä son heure) staltfindet." Der Präsident des Comitsis, Capitän Ratter, hat sodann, dem Berichte Der „France Militaire" zufolge, wie ein Soldat ohne Drohungen und ohne Prahlerei gesprochen. Der Maire von Chalons, Herr Jaunaux, scheint dagegen des Guten zu viel gethan zu haben. „Fünfzehn Jahre sind verflossen", rief er aus, „Frankreich hat sich von seinem Sturze erhoben, hat seine Unglücksfälle wieder wett gemacht (wenn dem so. ist, sollte der Mann sich doch ruhig verhalten), aber die Zeit, anstatt unseren Schmerz zu lindern, unser Rachegesühl abzustumpfen, hat demselben eine größere Heftigkeit, ein stärkeres Relief verliehen. Diese Landeskinder, Officiere und Soldaten, welche die Märtyrer der Pflicht geworden sind, haben in dem Volksglauben heroische Proportionen angenommen, deren sie würdig sind. Ihre unsterblichen Seelen leben in uns selbst, ihr theures Andenken beschäftigt unsere Einbildungskraft, ihre Stimmen tönen in unseren Herzen wieder, nm unseren Patriotismus zu erhalten und zu entflammen, um unsere heißen Wünsche, unsere natürlichen Forderungen zu ermuthigen. Theure Tobte, mit euren letzten Gebeten, mit eurem letzten Auffchrei des Haffes ver- einigen sich heute die heißen Wünsche aller Derjenigen, welche euch überlebt haben. Vereinigen wir diese Wünsche mit denen der neuen Generation und unserer Brüder in Elsaß-Lothringen. Sechszehn Iahte sind bald verfloffen seit dem schrecklichen Jahre, aber der Haß ist immer ebenso kräftig, ist um so bren- uender, als die Hoffnung ihn ohne Unterlaß anfacht. Und Du, starke Armee Frankreichs, laß mich dir sagen Angesichts dieser Gräber, wo man nicht lügen kann, daß das Vaterland auf dich stolz ist und daß es volles Vertrauen in die Zukunft setzt." Also sprach der Maire von Chalons, der ersichtlich das Buch „Avant la Bataille“ gelesen hatte. Dem Bericht fehlt auch nicht „le mot sie la fm“ (frei: das prägnante Schlußwort). Als der Zug den Kirchhof verließ, spielte die Musik der Pompiers das Lied „Le Rhin Allemand“ von Alfred de Muffet (als Antwort auf Becker's Rheinlied gedichtet), worin es heißt: „Nous Tavons eu votre Rhin Allemand II a tenu dans notre verve.“ *) So geschehen am 6. Mai 1886 in Chalons für Marne, der Hauptstadt -es Champagner-Landes. ) Wir haben ihn gehabt eueren deutschen Rhein, Er hat sich erhalten in unserer Begeisterung. Deutschland. Berlin, 15. Mai. Der „Reichs-Anz." publicirt die Ernennung des Präsidenten der preußischen Central-Bodenkredit-Gesellschaft, Unterstaatssecretär a. D. Dr. Jacobi, zum Unterstaatssecretär im Handelsministerium. Petersburg, 15. Mai. Anläßlich einiger Zeitungs-Nachrichten, wonach die Beziehungen ChmaS und Rußlands sich zuzuspitzen schienen, erklärt vaS „Journal de St. Mnsbourg", daß diese Vermuthungen durch nichts motivirt seien. Möglicher Weise habe die Thatsache, daß die. beiden Regierungen eine Grenzregulirung im Ussuri-Gebiete vornehmen, irgend einem Correspondenten 'Beunruhigungen eingeflößt. Es sei aber nicht der mindeste Grund vorhanden. V3. Kruben, daß bei dieser Demarkations. Arbeit irgend welche Störung vorkommen könnte. Petersburg, 16. Mai. (Telegramm der nordischen Telegraphen- Agentur). Die auswärts verbreitete Nachricht, daß das Kartell der russischen Bahnen mit den österreichischen und preußischen Bahnen von den elfteren gekündigt worden sei, wird von unterrichteter Seite als ganz unbegründet bezeichnet. Sebastopol, 15. Mai. Der Kaiser, die Kaiserin und die Großfürsten sind nebst Gefolge Nachmittags hier eingetroffen und feierlich empfangen worden. Der Dampfer, auf welchem dieselben während ihres hiesigen Aufenthaltes verweilen, ankert gegenüber der Admiralität, woselbst das Panzerschiff „Tschesme" zum Stapellaufe bereit liegt. Zahlreiche ehemalige Militärs, welche an den Kämpfen um Sebastopol theilgenommen haben, sind hier eingetroffen. Morgen wird das Kaiserpaar den Friedhof, auf welchem die gefallenen Krieger liegen, besuchen und darauf die nördlichen Befestigungen besichtigen. Alsdann findet ein Diner statt, zu welchem die früheren Sebastopol-Kämpfer und die Spitzen der Behörden geladen sind. Amerika. Mew-Vork, 14. Mai. Johann Most ist nach Hinterlegung einer Caution von 1000 Dollars wieder in Freiheit gesetzt worden. Telegraphisch- Depeschen. WokU'S selegv. Esreewsudenz-WuLra«. Homburg v. d. H., 16. Mai. Der Großherzog von Hessen ist mit dein Erb- großherzog und den Prinzessinnen Irene und Alix heute Nachmittag zum Besuche Ihrer K. K. Hoheiten des Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin hier eingetroffen. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz empfing Se. K. Hoheit den Großherzog am Bahnhofe. Bern, 16. Mai. Der gestern von der internationalen Conferenz für die technische Einheit im Eisenbahnwesen unterzeichnete Entwurf der Convention betrifft die Vorschriften über die sichere Einrichtung der im internationalen Verkehr unter zollamtlichem Raumverschluß abzufertigenden Eisenbahnwagen imb ferner die Punkte des Schlußprotokolls der internationalen Conferenz von 1882, welche in der Zwischenzeit beanstandet worden sind. Die Ratification des Conventionsentwurfs ist den betreffenden Negierungen vorbehalten. Paris, 16. Mai. Im Departement Aisne wurde Sebline (gemäßigter Republikaner), dessen Wahl als Senator für ungiltig erklärt worden war, mit 984 (Stimmen anderweit zum Senator gewählt. Sein Gegencandidat Sandrique (Opportunist) er- | hielt 364 Stimmen. — Der Konstantinopeler Botschafter, Marquis v. Noailles, zur Seit in London, erhielt Befehl, sich sofort auf seinen Posten nach Konstantinopel zurückzubegeben. London, 16. Mai. Wie das Reuter'sche Bureau erfährt, hat die englische Regierung beschlossen, ihre Einwilligung zu der Annexion der Neuen Hebriden durch Frankreich nicht zu geben. Rom, 16. Mai. Bei eineni in Catanzaro stattgehabten Wahlbanket legte der Handelsminister Grimaldi die von der Negierung in der auswärtigen Politik befolgten Principien dar und äußerte u. A.: In der ostrumelischen und m der griechischen Angelegenheit sind wir immer vollkommen im Einvernehmen mit den drei Kaisermächten und mit England vorgegangen, die Freundschaft Englands ist werthvoll für unsere maritimen Interessen im mittelländischen Meere. Die den Kammern vorzulegenden diplomatischen Actenstücke werden ergeben, daß wir ohne Zögern und ohne Schwäche den doppelten Zweck verfolgt haben, zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens und zum Wohle jener Bevölkerungen mitzuwirken. Ein Zaudern von unserer Seite hätte uns das Ansehen im Eoncerte der Großmächte kosten und eine verhängnrß- volle Spaltung zwischen den Mächten herbeisühren können. Die Politik der Regierung in Afrika anlangend, so ist zu bedenken, daß die Wirkungen colonialer Unternehmungen nothwendiger Weise sich nur langsam einstellen können. Massavah ist ein wichtiger Stapelplatz, wenn wir denselben jemals verlassen sollten, würde ihn gewiß eine andere Macht occupiren. Zeigen wir also auch hierin, daß wir ein ernstes Volk stnd, das an seine Zukunft glaubt. Bevor wir für die Niedermetzelung der Expedition des Grafen Porro die verdiente Rache zu nehmen suchen, müssen wir uns Rechenschaft geben über die Opfer, welche dies erheischen könnte, sowie über die Gefahr, die wir laufen könnten, in einem Augenblicke, wo die höchsten Interessen alle unsere Kräfte in Europa in Anspruch nehmen, uns weitab von Europa in eine schwierige Expedition verwickelt zu finden. Wir werden ruhigen Bluts unseren Entschluß fassen, wenn wir es ohne Gefährdung höherer Interessen thun können. , Von gestern Mittag bis heute Mittag kamen m Venedig 5 Eholeraerkrankungen und 2 Choleratodesfälle und in Bari 14 Choleraerkrankungen und 4 Choleratodesfälle vor. Athen, 16. Mai. sTelegramm des „Reuter'schen Bureaus".) Für die Beförderung der Deputirten aus Syra, Euboea, Volo und anderen Districten nach Athen ist ein englischer Dampfer aus Spezia gechartert ivorden. — Von dem jüngst aus Athen nach der Grenze abgegangenen Regimente ist ein Bataillon nach Athen zurück- Leordert worden, die beiden andern Bataillone bleiben in Theben. Lokales. Gießen, 17. Mai. Als Geschworene für die Sitzungen des Schwurgerichts im 2. Quartal 1886 wurden heute nachstehende Herren ausgeloost: 1. Jäger, Martin, Rentner in Gambach. 2. Münch, Karl, Rentner in Homberg. 3. Heinz, Konrad VIII., Landwirth in Rieder-Weisel. 4. Jäger, Joh. Gg. II., Landwirth in Holzheim. 5. Geisel, Johannes, Landwirth in Angenrod. 6. Vogel ey, Wilhelm, Fabrikant in Alsfeld. 7. Eulau, Hermann, Fruchthändler in Büdingen. 8. Kißner, Gg. Adam, Bäcker in Schotten. 9. Lung, Heinrich V., Landwirth in Wohnbach. 10. Weith, Konrad, Landwirth in Rieder-Wöllstadt. 11. Seilbach, Johannes, Beigeordneter in Rainrod bei Schotten. 12. Busch, Wilhelm I., Landwirth in Rieder-Wöllstadt. 13. Schaub, Balthasar Christian, in Büdesheim. 14. Möller, Karl II., Kaufmann in Lauterbach. 15. Theobald, Ludwig Conrad, Weinhändler in Friedberg. 16. Philipps, Konrad VIII., Landwirth in Fauerbach v. d.Höhe bei Butzbach. 17. Fink, Johannes, in Vilbel. 18. Hörle, Gerhard, Privatier in Kaichen. 19. Seyfried, Georg, Bäcker in Butzbach. 20. Draudt, Karl, Landwirth in Rieder-Wöllstadt. 21. Fey, Wilhelm, Rentner in Alsfeld. 22. Oel, Karl, Müller in Grünberg. 23. Runkel, Georg Jacob, Landwirth in Assenheim. 24. Korell, Heinrich II., Bürgermeister in Leusel. 25. Wolf, Heinrich I., Landwirth in Ranstadt. 26. Schmücker, Johann, Kaufmann in Gießen. 27. Emmerich, Balthasar, Grubenbesitzer in Gießen. 28. Keßler, Ludwig V., Landwirth in Großen-Linden. 29. H ab en ich t, Friedrich II., Kaufmann in Gießen. 30. Frank, Ferdinand, Fruchthändler in Düdelsheim. Gießen, 17. Ma^. Gestern Mittag 11% Uhr trafen von Köln kommend eine große Anzahl Körbe mit Brieftauben hier ein. Die Thierchen wurden Hierselbst gefüttert und mit frischem Wasser versehen. Nachdem dies geschehen, wurden sie gegen %1 Uhr in Freiheit gesetzt. Eine kurze Zeit in der Luft fliegend, nahmen die Thiere ihren Flug nach der Heunath. Gießen, 17. Mai. Im sechsten und letzten Concert der Wintersaison 1885—86 des Gießener Concert - Vereins, welches nächsten Sonntag stattfinden wird, werden wir das Vergnügen haben, das uns von früher bekannte Frankfurter Quartett zu hören. — (Veteranen-Verein.) Gestern Morgen verschied dahier das Mitglied des hiesigen Veteranenvereins, der Schreibmaterialienhändler O. Köhler. Der Verstorbene 'hatte den französischen Feldzug mitgemacht und an folgenden Schlachten und Gefechten Theil genommen: 16. Aug. Schlacht bei Mars la Tour, 18. Aug. Schlacht bei Gravelotte, 31. Aug. und 1. September Schlacht bei Roisseville, 3. Dezember Schlacht bei Orleans, 31. Dezember und 14. Januar 1871 die Gefechte bei Briare. Gießen, 17. Mai. Der in Stein's Garten in den nächsten Tagen con- certirenden Tyrolcr-Sänger-Gesellschaft geht ein guter Ruf voraus. Der „Crefelder Zeitung" entnehmen wir darüber Folgendes: Die von ihren früheren Productionen hier noch im besten Andenken stehende Tyroler - Sänger - Gesellschaft Schöpfer aus Telfs (im Oberinnthal) hat gestern Abend int Cafä Dokters ihre Concertabende eröffnet und gleich mit dem ersten Auftreten ihre alte Zugkraft bewährt, denn die stattlichen Räumlichkeiten faßten kaum die Menge der Zuhörer. Die Leistungen der Gesellschaft entsprachen aber auch vollständig den Erwartungen. Richt nur lösen sich frische, kernige Alpenlieder, sowohl im Chor wie im Einzelvortrag, verbunden mit fiiberreinen glockenhellen Naturjodlern in buntester Mannigfaltigkeit ab, es ist auch bezüglich des musikalischen Theils für reiche Abwechslung durch Vorträge auf der Zither, Streichzither, Holz- und Strohinstrumenten, sowie dem Glaseuphonium bestens gesorgt. Das so anständige Auftreten der Kapelle thut dazu ein Uebriges, den Genuß, zu einem ungetrübten zu machen, weßhalb der Besuch der Eoncerte jedem Liebhaber einer ächt natürlichen gesunden Musik nur zu empfehlen ist. Universität- - Chronik. * Gießen, 17. Mai. Die allgemeine Studenten-Versammlung, welche letzten Samstag behuss Wahl eines Ausschusses in der großen Aula der Universität unter dem Vorsitze des derzeitigen Rectors statt hatte, war sehr gut besucht. Bei der Wahl wurden 344 giltige Stimmzettel abgegeben. Es erhielten Stimmen über die absolute Majorität (173) und sind demnach auf Grund des § 4 der Bekanntmachung des engeren Senats vom 3. März d. I. als gewählt erklärt worden stud. stud. Fischer (keiner Corporation angehörig), Keller (vom Verband der wissenschaftlichen Vereine), Scriba (Reformverbindung Adelphia) und Uloth (Burschenschaft Alemannia); alle vier waren vom „Turnus" vorgeschlagen. Hinter der absoluten Majorität blieben stad. Heuder (katholische Studenten-Vereinigung Hasso-Rhenania, ebenfalls Turnus- Candidat) mit 171, sowie die Candidaten der L.-O>Liste stud. stud. Zeh (Starken- burgia) mit 162, Siepmann (Darmstadtia) mit 153, Koch (Wingolf) mit 127 Stimmen; außerdem eine große Anzahl weiterer Candidaten der verschiedensten Richtungen, worunter etliche einstimmig gewählte. Nach S 2 der oben genannten Bekanntmachung sind für dieses Semester 5 Ausschußmitglieder zu wählen. Wegen vorgerückter Zeit wurde die Wahl des 5. Vertreters auf nächsten Mittwoch, Abends 7 Uhr, vertagt. Verwischte-. ][ Darmstadt, 16. Mai. Aus dem Landeszuchthaus Marienschloß war eine Mittheilung hierher gelangt, daß dort unter mehreren Sträflingen Verabredung getroffen worden sei, zur Zeit, da sie die Freiheit wieder erlangt hätten, einen Einbruch in das hiesige Staatsmuseum zu unternehmen. Es war wohl vorwiegend auf die im Museum befindlichen Goldmünzen und Edelsteine abgesehen. Ein noch jetzt in Marienschloß Jnhaftirter verrieth das Vorhaben und so kam die Kunde hierher. In Folge davon ist die hiesige Schloßwache um drei Mann verstärkt mrd ein Posten vor l>em Haupteingang des Museums mit besonderer Instruction versehen worden. Wie werlautete, wurde in dem benachbarten Eberstadt ein Individuum dingfest gemacht -welches des geplanten Einbruchs verdächtig sein soll. — Wie wir hören, laufen die Bewerbungen um den erledigten Generalsecretärsposten bei der Centralstelle für die Gewerbe und den Landsgewerbverein sehr zahlreich ein. — Die Gymnasial- und Reallehrer der hiesigen Anstalten vereinigten sich gestern Abend im Saal des „Darmstädter Hofs" zu einer geselligen Abendunterhaltung, welche mit einem kleinen Tanzvergnügen abschloß. P. Frankfurt a. M., 15. Mai. Auf Anregung der Handelskammer hat die Königliche Eisenbahn-Direction zu Elberfeld die hiesige Königliche Eisenbahndirection ersucht, ihre Eisenbahn-Hauptkasse zu beauftragen, diejenigen Prioritäts-Obligationen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, in Bezug auf welche der Herr Finanzminister durch Bekanntmachung vom 1. d. M. den Umtausch gegen 3VrpCt. Staatsschuldverschreibungen angeboten hat, zum Zweck der Anbringung eines Vermerks über die Annahme des Angebots entgegenzunehmen. In der am 20. und 27. d. M. zu veröffentlichenden Bekanntmachung des Herrn Finanzministers wird die hiesige Eisenbahn-Hauptkasse ebenfalls als Annahmestelle bezeichnet werden, doch kann die Einlieferung der Obligationen schon jetzt an dieselbe erfolgen. Das Universitätsstudium in Deutschland während der letzten 50 Zahre. II. 2) Die Vertheilurrg der Studenten. Hier fällt zunächst die Thatsache in's Auge, daß die größte Mehrzahl der Studirenden eine Vorliebe für die großen Universitäten hat. Im Winter - Semester 1882—83" befanden sich 42 PCt. aller Studenten Deutschands auf den drei größten Universitäten, Berlin, Leipzig und München. Und während Anfangs der sechziger Jahre nur zwei Universitäten (Berlin und München) mehr als 1000 Studenten hatten, waren es im Winter - Semester 1882—83 bereits deren acht, nämlich Berlin (4678), Leipzig (3314), München (2229), Breslau (1495), Halle (1416), Tübingen (1207), Göttingen (1063) und Würzburg (1034). Bekanntlich ist im vergangenen Jahre noch Freiburg hinzugekommen, das die Ankunft des lOOOften Studenten mit begrei- licher Freude und prächtigem Feste feierte. Liegt nun hierin nicht eine Gefahr für die kleinen Universitäten? Zunächst noch nicht, d. h. für den Fall, daß der riesige Zufluß zu den großen Universitäten nicht noch weitere Fortschritte macht. Das wirksamste Gegengewicht der kleinen Universitäten ist die, innere allgemeiner werdende Einrichtung der sog. Hebungen, auch Praktika, Privatissima, Seminarien rc. genannt, Einrichtungen, die nur auf eine kleine Zahl von Theilnehmern berechnet und also an kleinen Universitäten besonders erfolgreich sind. In diesen Hebungen tritt der Docent mit dem Studenten in persönlichen, wissenschaftlichen Verkehr; der Student lernt besser als in den „brillantesten" Vorlesungen Wissenschaft und Methode kennen und verstehen, der Docent aber ist mehr, als dies früher der Brauch war, gezwungen, vom Katheder herabzusteigen und auf die Individualität der Einzelnen Rücksicht zu nehmen. „Freilich werden damit auch an die Persönlichkeit des Lehrers andere und höhere Anforderungen gestellt, der mehr als ein bloßer Gelehrter fein, den Charakter besitzen und Lehrtalent haben muß. Nur eine reife, harmonisch gebildete Männlichkeit, die sich dem Schüler in jeder Hinsicht überlegen zeigt, wird hier Entsprechendes zu leisten vermögen, aber erfahrungsgemäß auch nur, so lange noch genügend jugendliche Frische vorhanden ist, um Verständniß. für die Studenten und Anpassungsvermögen an das Bedürfniß derselben zu besitzen Die kleinen Universitäten, die mehr über jüngere Kräfte disponiren, wo dem einzelnen Docenten eine kleine Zahl von Schülern gegenübersteht, werden hierin mehr leisten können, und darum ist die Zahl der deutschen Universitäten gewiß nicht zu groß, sondern als ein Segen für das Land anzufthen." .. 3) Die deutschen Studenten nach ihrer Heimath. ur bte früheren Perioden ergibt sich hier, daß sich bei Weitem weniger Preußen auf außerpreußischen Universitäten aufhielten, als Nichtpreußen auf preußischen Universitäten ftubirten, und man hat damals mit Recht diese Thatsache als Zeichen der Vortrefflichkeit der preußischen Hochschule und ihres ausgezeichneten Nuft.s betrachtet. Dies hat sich jetzt bedeutend geändert. Allerdings finden sich noch immer die engeren Landsleute hauptsächlich auf den heimischen Universitäten zusammen, doch tritt jetzt ein Zug nach dem Süden stark hervor. Während in den dreißiger Jahren noch etwa 3,5 pCt. und in den sechziger Jahren 9,9 pCt. der preußischen Studenten außerhalb Preußens ftubirten, betrug der Procentsatz im Jahre 1882—83 23,8 pCt., ein Beweis dafür, daß das Streben, den Süden kennen zu lernen, in Norddeutschland jetzt sehr groß ist; dagegen studirten im Jahre 1880—81 Außerpreußen auf preußischen Universitäten nur 9,9 pCt. Doch dürfte diese Veränderung weniger auf einen Rückgang der preußischen Lehrkräfte zurückzuführen sein, als auf einen Fortschritt und eine zunehmende Bedeutung der süddeutschen, von denen gar manche schon einen Ruf nach preußischen Universitäten ausgeschlagen haben. Dazu kommt die schöne Natur, ba§ bessere Klima, die größere Gemächlichkeit in Süddeutschland, welche bei den verbesserten Communicationsmitteln die Norddeutschen nach dem Süden treibt und weniger die Süddeutschen nach dem Norden. Was Hessen anlangt, so betrug die Zahl derjenigen Hessen, die sich überhaupt dem Studium widmeten, im Jahre 1872—73 345, im Jahre 1881—82 610, also eine ansehnliche Zunahme innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Von diesen 610 waren im Winter-Semester 1881—82 in Gießen hnmatriculirt 348; der Personalbestand des Winter-Semesters 1885—86 weist 424 immatriculirte Hessen auf — ein für unsere Universitätsstadt recht erfreuliches Resultat. Aber auch nach Außen ist der Ruf unserer Universität recht bedeutender geworden, vor Allem der der medicinischen Fakultät. Im Sommer - Semester 1861 betrug die Zahl der hier studirenden Preußen 11, im Sommer 1881 betrug sie 55 und im letzten Winter (1885—86) waren es gar 72, wovon allein 42 der medicinischen Fakultät angehörten. Ob nicht noch günstigere Resultate zu erzielen mären, wenn der Staat Hessen dem Luxus zweier Hochschulen ent- sagen würde und dafür die eine noch wirksamer unterstützen und in Stand setzen würde,, in jeder Hinsicht mit den übrigen Hochschulen zu concurriren, darüber wird sich Jeder — seine eigene Meinung bilden. d. h. Geschichts-Kalender. . 18. Mai. 1699. Hans Joachim von Ziethen geboren. 1782. A. v. Lützow, Major und Führer der nach ihm benannten Freischaar, geboren. 1791. Kaiser Leopold II. richtet an sämmtliche europäischen Höfe die Aufforderung^ die Sache des Königs von Frankreich als ihre eigene zu betrachten. 1804. Napoleon I. läßt sich zum „Kaiser der Franzosen" wählen. Im letzten Geschichts-Kalender für den 16. Mai muß es anstatt Schlackt bei Austerlitz Cho tu sitz heißen. Handel und Verkehr. m 15 Mai. (Fruchtpreise.) Weizen JL. 17.50, Korn JL 14.00, Gerste vM 12 30 Hafer JL 13.40, Erbsen JL 16.00, Linsen JL 00.00, Lein X 00.00, Samen J4 00.00, Kartoffeln JL 3.00, Wicken 00.00. Schiff-nachrichten. „ ®rcpTC2; transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer jungst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am o- Mar von Bremen und am 6. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Temperatur der Lahn. Am 17. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser lOo, Luft 11° R. im Schatten. ___________ L. Chr. Rübf amen. Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde. Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Matth- Kap. 6, ion «ers 19 an, Pfarrer Dr. Naumann- 1 der letzten für k. ZZLL LZS Mk Mrr her .^Mer-Seester & b“Ä HO des „Gießener Anzeiger" unterm 13. Mai er. beigelegen. Gießen, den 15. Mai 1886. Gewerbebank zu Gießen, eingetr. Genossenschaft. Der Vorsitzende des Aussichtsrathes: 3811 J. Hanstein. SpltzM aller Art, Fichus, Barben, Schlciertüllc, Tischllürftr und f Deckchen, |. Treffen, s Gardinen, Kss