«MO«, hulze li_, tM=Nf April 1886. Ö-24 000 Mr. * versendet die 1739 r1 Darmstadt tiuitr. lann’w irfdiwtftlftift , Fraokfart a Mail, e und ältestes Fak- .Anerkannt von vct- ?gen alle Artes Hub BersproueD, Frort Vorräthig ä Stuii aab. 1091 Anzeige re finden gute fcv- ■ubjlnlagt 15 lv. gntTtätiMcrttaiil nd mit guten Br- e lohnende WW xn. DMde H l^ itiaubtnb. Feo^ M an dir iyv- Rr. 65 Donnerstag den 18. März MKG fi • TPhPirrr hihptiipt Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 7- ________scheint ^S»» mit »«nt.«., NdNkst'Wm Amtlicher Hheit. Gießen, am 16. März 1886. Betreffend: Fahrbarmachung der Kreisstraßen bei Schneefall, hier: Liquidation der hierdurch entstandenen Kosten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an sämmtliche Gemeinde-Einnehmer des Kreises. Sie wollen die Verzeichnisse über die durch Fahrbarmachung der Kreisstraßen aus den Gemeindekassen vorgelegten Kostm längstens bis zum 30. l. Mts. an uns einsenden, damit wir diese Kosten zusammenstellen und aus die Kreiskasse anweisen können- Die Decreturen hierüber werden wir nebst den von Ihnen eingesendeten Belegen direct an diese Kaffe abgeben, sodaß Sie die betr. Beträge demnächst bei der Abrechnung mit der Kreiskaffe einfach in Ausrechnung zu bringen haben. Dr. Boekmann. Betreffend: Die Wahl der Mitglieder und Ergänzungsmitglieder der Bezirksvereins-Commissionen des Vereins zur Unterstützung und Befferun- der aus den Strafanstalten Entlassenen für die Verwaltungsperiode 1886, 1887 und 1188. Einladung. Zur Vornahme der Wahl zweier Mitglieder und zweier Ergänzungsmitglieder der Bezirksvereins-Commission Gießen für obige Verwaltungs- Periode werden die Vereinsmitglieder aus Montag den 29. März 1886, Dormittags 11 Uhr, in das Regierungsgebäude ergebenst eingeladen. Gießen, am 15. März 1886. Der Vorstand der Bezirksvereins-Commission Gießen. __________Dr. Boekmann._______________________ An die Geistlichen des Gießener Zweigvereins der Guflav-Adolf-Sttftung. Sie wollen alsbald die Sammlung der Jahresbeiträge für de« Gustav-Adolf-Verein vornehmen und an den Rechner, Herrn Döring, einseriden. Lang-Göns, den 16. März 1886. Strack, Dekan, Vorsitzender des Gießener Zweigvereins. Politische Ueberficht. Gießen, 17. März. Die tirchenpolitijche Frage in Preußen zeigt sich wieder einmal von einem geheimnißvollen Schleier umhüllt. Die kirchenpolitische Commission des Herrenhauses hat nun zwar die Vorlage definitiv genehmigt und sollen die von ihr gefaßten Beschlüffe in den Concessionen des Staates an die Kurie noch weiter gehen, als der ursprüngliche Entwurf, aber darüber, ob letzterer in seiner veränderten Fassung nun endlich das päpstliche „placet“ erhalten wird, gehen die Anschauungen weit auseinander. Gewiß iS, daß im Vatikan intransigente Einflüsse wiederum thätig sind, um Papst Leo XIII. zu überzeugen, wie wenig auch die neuesten Concessionen der preußischen Regierung den Interessen und Forderungen der Kirche entsprächen und es heißt darum auch, Bischof Dr. Kopp werde sich, als Mittelsmann zwischen Preußen und dem Vatikan, nach Rom begeben, um diesen Einflüssen entgegenzuarbeiten. Falls die Anschauung der „Germania", wonach sämmtliche vier „positive Dispositionen" der neuen kirchenpolitischen Vorlage: Die maigesetzliche Ordnung der theologischen Lehranstalten, die unbeschränkte Staatsaufsicht über Priester-Seminare und Convicte, die Neuordnung der Appellation der Geistlichen an den Staat und endlich die aufrechterhaltene Unfähigkeit,! - Erklärung — von den erheblichen Zu- aeständniffen der Vorlage an die Kurie schweigt natürlich das Berliner Centrums- Organ — theils unannehmbar seien, theils anscheinender Abänderungen bedürften, auch in der unmittelbaren Umgebung des Papstes vorherrschen sollte, so dürfte sich sreilichtdie Romfahrt des Fuldaer Bischofs als vergeblich erweisen. Indessen laufen hierüber, wie über die Stellung des Bischofs zur Centrumspartei des Abgeordnetenhauses so widersprechende Gerüchte um, daß man eben die in kommender Woche bevorstehenden weiteren Plenar-Verhandlungen des Herrenhauses wird abwarten müssen, um sich einigermaßen ein Urtheil über die gegenwärtige kirchenpolitische Situation bilden zu können. Die Special-Berathungen des preußischen Abgeordnetenhauses über den Cultusetat haben in den beiden letzten Sitzungen der vorigen Woche das Gebiet der Kirchenpolitik nicht mehr berührt und hiermit sind sie endlich in ein ruhigeres Fahrwasser eingelenkt. In der Samstagssitzung machte übrigens Herr Lassen, dec einzige Vertreter der dänischen Partei, einen Vorstoß zu Gunsten der von ihm vertretenen Sache. Er beantragte nämlich, das Schul- b Hrer-Seminar in Hadersleben nach Tondern zurückzuverlegen und dasselbe, hierbei in seiner früheren Gestalt, einer deutschen und einer dänischen Abteilung, tvieder herzuftellen: außerdem stellte Herr Lassen noch den Antrag, in Hadersleben eine Realschule 2. Ordnung mit dänischer Unterrichtssprache zu gründen und zu unterhalten. Cultusminister v. Goßler sprach sich indessen gegen die beiden Anträge entschieden aus und da dieselben von keiner anderen Seite Unterstützung erhielten, so ist der Versuch Lassens, für die dänische Sache in Nord-Schleswig eine Lanze zu brechen, als völlig gescheitert zu betrachten. In Oesterreich wird die parlamentarische Situation-gegenwärtig durch den Schacschmidt'schen Sprachenantrag beherrscht. Letzterer ist bekanntlich vom . Abaeordnetenhause in voriger Woche nach einer sehr interessanten General- discujsion an einen besonderen Ausschuß verwiesen worden und zum ersten Male zeigte sich hierbei die Rechte in vollster Zerrissenheit. Es mar eine der seltsam- sten Abstimmungen, welche das Abgeordnetenhaus je gesehen hatte. Geschlossen stimmten für AuSjchnßberathung des Antrags eigentlich nur die Linke nebst den Demokraten und Antisemiten, ferner der „mittelparteiliche" Coronini-Club und von der Rechten der Lichtenstein-Club, zu welchem der kleinere Theil der deutschen Klerikalen gehört. Von den andern ParteN der Rechten stimmten die Polen zumeist für die Ausschußberathung, eine unbedeutende Minderheit entfernte sich vor der Abstimmung. Der Hohenwart-Club, zu welchem der größere Theil der deutsch-klerikalen Abgeordneten und die slovenisch-kroatischen Abgeordneten gehören, spaltete sich in drei Gruppen, von denen die eine für, die andere gegen Commissionsberathung war, mährend eine dritte Gruppe sich der Abstimmung enthielt; die italienischen Abgeordneten aus Südtyrol und Dalmatien stimmten mit den Czechen gegen die Commissionsberathung. Selbst die Abge- ordneten-Minister waren nicht einig, Dunajewski, Falkenhayn und Ziemialkowskr erklärten sich für Zuweisung des Antrages an einen Ausschuß, Prazak und Pino aber entfernten sich. Unter diesen Umständen darf man allerdings den weiteren Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über den Sprachenantrag der Liberalen mit Jntereffe entgegensehen, da es vorläufig fraglich ist, ob sich der „eiserne Ring" der Mehrheit bis zur zweiten Lesung des Antrages wieder schließen wird. Der österreichische Handelsminister, Baron Pino, demissio- nirte. Als Grund seines Rücktrittes werden Meinungs-Verschiedenheiten im Cabinet über die Verordnung Pino's, betr. den Wirkungskreis des Post-Spar- kaffenamtes, angegeben. (?) In der Samstagssitzung der französischen Deputieren- kämm er brachte der socialistische D^utirte Camölinat eine ganze Reihe von Beschwerden über die Haltung der Mgierung gegenüber dem Arbeiterstrike in Decazeville vor. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Brichaut, wies diese Angriffe zurück, verhieß aber die baldige Vorlegung eine» Gesetzentwurfes über eine Reform der Bergwerks-Gesetzgebung, liebet' letzteren Punkt entspann sich nun eine längere Debatte, in deren Verlaus der Opportunist Lckellier beantragte, die Kammer möge der Negierung das Vertrauen auösprechen, daß diese baldigst die Initiative in der Frage der Reform der Bergwerks-Gesetzgebung ergreifen werde. Dieser Antrag wurde abgelehnt, dagegen am Montag ein Vermittelungsantrag mit 579 gegen 1OO Stimmen angenommen, wonach die Kammer ihr Vertrauen zu der Regierung in dieser Angelegenheit ausspricht. Ueber die egyptische Politik der englischen Regierung haben die neuerlichen Instructionen, welche Sir Drummond Wolff vom Londoner auswärtigen Amt zugegangcn sind, einigermaßen Aufklärung gegeben. In demselben ist Sir Drummond von Lord Roseberry angewiesen worden, die Reduclion der Occupations-Armee, welche England noch in Egypten unterhält, um sechs Regimenter, sowie den Rückzug der britischen Truppen nach Affucm und die Besetzung von Wadyhalfa durch egyptische Truppen vorzuschlagen. 'Wolff soll sich hierüber mit Mukhtar Paicha m's Einvernehmen setzen, welcher letztere Zeit zur Erwägung dieser Vorschläge verlangt haben soll Man glaubt in Kairo, daß Mukhtar Pascha eine erhebliche Verstärkung ter egyptischen Armee beantragen werde, da dieselbe sich sonst in Wadyhalfa gegen einen energischen Angriff der Sudanesen nicht würde halten können. Jedenfalls bedeutete der vom Londoner Cabinet anscheinend ernstlich betriebene Rückzug der englischen Truppen aus dem Sudan nach Assuan, also der Grenze Ober-Egyptens, die vollständige Ausgabe des Sudan durch die Engländer. In bex Gegend von Suakim hat ein ziemlich scharfes Fouragir- gefecht zwischm berittener englischer Infanterie und befreundeten Araber-übthei- lungen einer« und den Rebellen anderseits stattgesunden; letztere wurden schließlich zurückgew orfen. ____________________________________________________ Darmstadt, 15. März. (Zweite Kammer der Stände.) Ein Antrag der Abgg. Ellenberger, Schaum, Sturmsels und Theobald geht dahin: „Die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen: 1) aus den Haltestellen zu Büches und Bleichenbach Güteroerladestcllen zu errichten; 2) die Möglichkeit der Verladung auch von andern Gütern auf dem Seitengeleise der Bciquettefabrik bei Trais-Horloff in Erwägung zu ziehen; 3) bei Ausstellung der nächsten Fahrpläne darauf Rücksicht zu nehmen, daß die ohnehin knapp bemeffene und durch Verspätungen oft noch reducirle UebergangSzeit (3, 5, 7, 8 Minuten) von den Endstationen Gießen und Gelnhausen auf die wohl am meisten erwünschten Züge nach Frankfurt und umgekehrt auf 10 bis 12 Minuten erweitert werde; 4) im Interesse des PubikumS bessere Anschlüsse dec Post an die Oberhrssische Bahn zu vermitteln und 5) auf eine raschere Besörderung der Güter Bedacht nehmen zu wollen." — Herr Abg. Arnold beantragt: „Die Kammer wolle an Großh. Regierung das Ersuchen richten, nachträglich zu dem Budget für 1885—88 die jährliche Summe von 20,000 JL behufs Gewährung von Geldunterstützungen für höhere Bürgerschulen anzufordern." — Der Abg. Ellenberger beantragt: „Die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, baldmöglichst einen an Vorzüge der neueren Ablösungs-Gesetzgebung berückstchtigenden Gesetzentwurf, bi» Ablösung der aus Waldunngen hastenden Berechtigungen betreffend, an die Siände gelangen zu lassen." Berlin, 16. März. Ueber die Asrikareisenden Schnitzler und Junker, welche sich nach den letzten Nachrichten vom 8. Juni 1885 in bedrängter Lage im Gebiet des Königs Uganda befanden, meldet der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge das Reichskonsulat in Zanzibar: Der zur Auffindung der genannten Reifenden ausgesandte Dr. Fischer schrieb am 8. Januar vom Nyanza-See, daß laut einem Brief Sckmitzler's an den englischen Missionär Mackay beide Reisende in Begleitung des Italieners Cattali sich in Unjaro, einer Landschaft nord- östlich von Uganda, befinden und daß ihnen der Durchzug durch Unjaro verwehrt werde. Ueber das Datum des Briefes an Mackay fehlt die Meldung. Berlin, 16. März. In der heutigen Sitzung der Socialiftengesetz- Commission wurden die Windthorst'schen Aenderungs-Anträge, danach die Windt- horst'sche Resolution und schließlich die Regierungs-Vorlage selber abgelehnt. Bon den 21 Mtgliedern der Commission wohnten nur 17 der Sitzung bei. — Die Commission für das Branntwein-Monopol hat den Rest der ganzen Vorlage abgelehnt. Bremen, 15. März. Die Zahl der von dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Fulda" geretteten Personen, welche sich auf dem gestern untergegangenen Cunard-Dampfer „Oregon" befanden, beträgt 186 Kajüts-Passagiere, 455 Zwischendecks-Passagiere und die 255 Personen starke Mannschaft. Das Rettungswerk nahm 16 Stunden in Anspruch. Bremen, 16. März. Der Kapitän des Dampfers „Fulda" fragte telegraphisch an, wie viel Vergütung er für die Rettung der „Oregon"-Passagiere fordern solle. Daraus hat der Norddeutsche Lloyd telegraphisch geantwortet: Keine Vergütung. (Fr. Ztg.) Telegraphische Depesche». fitolff’f telegr. Correfpondeirz»Bureau. Berlin, 16. März. Das Abgeordnetenhaus genehmigte den Rest der dauernden Ausgaben des Cultusetats, sowie die außerordentlichen Ausgaben unverändert. Im Laufe der Sitzung erklärte der Cultusminister, daß die Wirksamkeit der Kranten- pflcgerinnenorden sich erfreulich entwickelt und die Zahl der neuen Schwestern und der neuen Niederlassungen sich erheblich vermehrt habe. Was die Reorganisation des Medicinalwesens und die staatlich anerkannte Vertretung des Aerztestandes anlangt, so werde er einen acceptablen Vorschlag, welcher die entgegenstehenden Schwierigkeiten beseitige, gern prüfen. An der Durchführung des nationalen Werkes der Restauration der Marienburg sei jetzt nicht mehr zu zweifeln. — Morgen um 11 Uhr Fortsetzung der Etatberathuug. Karlsruhe, 16. März. Nach einem gestern Mittag eingetretenen und bis heute früh anhaltenden Schweiße und nach einer unruhigen, durch wiederholte, theilweise nervöse Beschwerden gestörten Nacht fühlte sich der Erbgroßherzog heute Morgen zwar schwach und angegriffen, zum ersten Male seit Beginn der Krankheit war derselbe aber fieberfrei. Landon, 16. März. Der Präsident des Local-Government-Board, Chamberlain, und der Staatssecretär für Schottland, Trevelyan, haben dem Premier Gladstone ihre Portefeuilles zur Verfügung gestellt, welcher dieselben jedoch noch nicht angenommen hat. London, 16. März. Es heißt, die Entlassungsgesuche Chamberlain's und Trevelyan's seien durch eine Mitthe'.lung Gladstone's im letzten Ministerrathe veranlaßt worden, wonach die Verwaltung des Fonds für Expropriation dem irischen Parlamente anvertraut werden sollte. Dladstone antwortete Chamberlain und Trevelyan auf deren Enlassungsgesuche versöhnlich und ersuchte sie, ihre definitive Entschließungen einige Tage zu verschieben, da er auf eine Beilegung der Differenzen hoffe. — Osborn Morgan gab die Erklärung ab, die Regierung habe Abschrift erhalten von den Verträgen und dieselben gebilligt: Zwischen Deutschland und Transvaal und zwischen Portugal und Transvaal. Der alte Vertrag zwischen Portugal und Transvaal von 1876 sei mit Genehmigung Englands außer Kraft gesetzt. Der Vertrag zwischen Frankreich und Transvaal liege jetzt der französischen Kammer vor; der Vertrag zwischen der Schweiz und Transvaal sei abgeschlossen, der Text desselben jedoch noch nicht einaegangen. Holland und Transvaal unterhandelten über einen Vertrag, doch sei der Negierung noch keine officielle Information des Resultats zugegangen. — Trevelyan und Chamberlain wohnten der heutigen Parlamentssitzuna noch auf der Ministerbank bei. Petersburg, 16. März. Ein heute veröffentlichter kaiserlicher Ukas genehmigt die Expropriation von privatem Eigenthum zum Zwecke der Errichtung von orthodoxen Kirchen, Friedhöfen, Pfarrhäusern, Bethäusern und Schulen in den baltischen Provinzen und ordnet die Ausführung derselben nach einem beigegebenen besonderen Reglement an, wonach unter Anderem mit Wohnhäusern, Oeconomiegebäuden und Gärten besetzte Grundstücke, welche keinen Bestandtheil einer bäuerlichen Arrende oder zinspflichtigcn Landes bilden, die Expropriation nicht unterliegen. Das Gleiche soll bet den nicht von Bauern arrondirten Wohn- und Oeconomiegebäuden der Fall sein, falls die Arrondatoren dieselben nicht freiwillig abtreten. Lokales. G- Gießen, 16. März. (Sterblichkeit in Gießen.j Die Zahl der Todesfälle in unserer Stadt war während der Woche vom 7. bis 13. März eine ziemlich gleiche wie in den unmittelbar vorausgehenden zwei Wochen. Sie betrug im Ganzen 8, wovon die Hälfte auf Kinder, die andere Hälfte auf Erwachsene entfiel. Von den 4 Erwachsenen starb je eine Person an Schlagfluß, organischem Herzleiden, Alters- brand, Lungenschwindsucht. Ein Kind im ersten Lebensjahre starb an Lungenentzündung. Von 3 Kindern zwischen dem 2. und 10. Lebensjahre erlag das eine einer Bronchienentzündung, das zweite einer Tuberculose des Bauchfells, das dritte einer Nierenentzündung. Gießen, 17. März. Im Gymnasium fanden gestern die Prüfungen der Abiturienten statt. Von 23 derselben haben 22 bestanden. — In dem Realgymnasium wurden die Prüfungen am Montag abgehalten. Sämmtliche 11 Abiturienten erhielten das Zeugniß der Reife. — soOjähriges Jubiläum des Decan Dr. Strack in Lang-Göns.j Am6.März waren es 50 Jahre, daß der jetzige Pfarrer von Lang-Göns Dr. Karl Strack als Vtcar zu Brensbach im Odenwald ordinirt und in das geistliche Amt eingeführt wurde. Da Samstags die meisten Geistlichen an der Theilnahme verhindert gewesen wären, wurde die Feier des Jubiläums auf den Montag verlegt. Schon Abends zuvor brachten die verschiedenen Vereine unter Betheiligung der ganzen Gemeinde ein Ständchen mit Fackelzug. Der erste Lehrer begrüßte den Jubilar in einer kurzen aber kräftigen und zu Herzen gehenden Ansprache, welche dieser tiesgerührt erwiderte. Montag früh fanden sich die Festtheilnehmer von allen Seiten ein und brachten ihre Glückwünsche im Pfarrhaus dar. Um 10 Uhr begann der Gottesdienst in der bis auf den letzten Platz überfüllten Kirche. Ter Jubilar predigte über Psi 71,17 u. 18. Nachdem er einen Rückblick auf sein bisheriges Leben und Wirken geworfen hatte, sprach er die Gefühle und Wünsche eines Geistlichen bei seinem 50jährigen Dienstjubiläum aus. Hierauf hielt der Superintendent der Provinz, Prälat Dr. Habicht eine Ansprache und überreichte am, Schlüsse derselben dem Jubilar das Decret als Kirchenrath. Nun folgten die Glückwünsche der höheren kirchlichen und Schulbehörden, der Decane und Pfarrer der Provinz, der- Universität und des Predigerseminars, der verschiedenen Gemeinden, in welchen der Jubilar aelebt und gewirkt, der Lehrer u. s. w. u. s. w. Auch sehr schöne und werthvolle Geschenke wurden überreicht. Von den Pfarrern des Decanats eine Prachtausgabe der. Bilderbibel von Scharr von Karolsfeld, von den Decanen ein segnender Christus von Thorwalsen, von der Gemeinde Felda eine Zeichnung des Geburtshauses des Jubilars, von der Gemeinde Ober-Rosbach eine Photographie von Pfarrhaus und Kirche, von Groß-Buseck eine Prachtausgabe der Palinblätter von Gerok, von Lang-Göns ein sehr schön ausgearbeitetes Diplom als Ehrenbürger und eine prächtig ausgeführte Dedication der Lehrer des Bezirks Gießen. Andere Gaben von Freunden und Verwandten, Glückwünsche, Briefe, Gedichte, Tele- gramme von Gemeinden und Schülern brachte der Tag noch in großer Menge. Nach dem Gottesdienst vereinigte ein einfaches Mittagessen Jubilar und Gratulanten noch für einige Stunden. Ausgebrachte Toaste, ernste und launige, würzten das Mahl. Der Tag wird der Gemeinde, sowie allen Theilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. — Auf der Schuhmacherwerkstätte in der Zeughauskaserne wurde am Montag Abend zwischen 7 und 9 Uhr eine große Anzahl neuer Sohlen, sowie ein Paar neue Stiefel gestohlen. Der Thäter ist bis jetzt nicht ermittelt. Die Nachtwachen auf den Gängen, welche seither erst um 9 Uhr aufzogen, ziehen nunmehr um 7 Uhr auf. Die Frankfurter Iriedhofr-Affaire vor Gericht. (Widerrechtlicher Nachdruck wird verfolgt.) E. C. Frankfurt a. M., 15. März. (Nachmittagssitzung.) Kurz nach 3Vr Uhr beginnt die Nachmittagssitzung mit der Vernehmung des Zeugen Julius Gramm, Kirchhofsverwalter, der während des ganzen Vorgangs in der Nähe des Grabes gewesen, den Angeklagten Leyendecker jedoch nicht wieder erkennt, da er denjenigen Redner, der während der Aufforderungen des Commissars weiter gesprochen, nur vom Rücken gesehen. Zeuge weiß, daß auf Anordnung des Commissars die zwei kleinen Thüren neben dem Hauptportal geschlossen wurden und noch geschlossen waren, als der Leichenconduct durch letzteres hindurchging; mann sie wieder geöffnet wurden, kann er nicht bestimmen, da der Aufseher Buch die Schlüssel gehabt. Als Zeuge ungefähr 5 Minuten nach dem Einschreiten der Schutzmannschaft wieder an d.as Portal kam, waren die Thüren wieder geöffnet. Auf Einspruch des Commissars waren auch die rothen Abzeichen der Kränze u. s. w. vor Eintritt des Zuges in den Friedhof entfernt worden. Im Uebrigen kann Zeuge nichts mit Bestimmtheit aussagen, da die am Grabe Versammelten sehr unruhig waren; auch von dem Einhauen der Schutzleute hat er nicht viel bemerken können, da er theilweise hinter einem Gebüsche stand. Zeuge Adolf Farnung, Schuhmacher von hier, ist bei der Beerdigung gewesen und selbst am Schenkel verwundet worden. Er kann sich sehr wenig erinnern, denn er weiß beispielsweise nicht, ob er ein rothes Abzeichen getragen oder nicht, doch will er solche bei Anderen bemerkt haben. Zeuge Michael Buch, Friedhof-Aufseher, sagt aus, daß die beiden kleinen Thore geschlossen blieben, bis Alles vorüber war. In der Zwischenzeit ist Commissar Meyer mit mehreren Schutzleuten durch die eine Thüre eingetreten, die hinter ihm wieder geschlossen wurde. Am Portal selbst ist nicht geschlagen worden, doch hat Zeuge in der Entfernung die blanken Klingen gesehen. Zeuge hat bei dem starken Menschenandrang bei der Flucht der Theilnehmer, die berittene Schutzmannschaft herbeigerufen, um die Ordnung aufrechten erhalten; zum Oeffnen der Thüren hatte er jedoch keine Instruction. Zeuge Theodor Straub, Jnspector des Schauspielhauses, war nicht auf dem Friedhöfe, sondern hat den sehr großen Leichenzug am Eschenheimer Thor gesehen und hat es ihm den Eindruck gemacht, als ob sämmtliche Theilnehmer rothe Abzeichen getragen haben. Vertheidiger Dr. Meyer beantragt, der Gerichtshof wolle sämmtliche als Zeugen vorgeladenen Schutzleute unbeeidigt vernehmen, um sie nicht in eine Zwangslage zu versetzen. Dem Antrag wurde einstweilen entsprochen, indem das Gericht sich vorbehält, später eventuell die Vereidigungen vorzunehmen. Schuhmann Karl Ziegler erklärt, daß Commissar Meyer bei der Instruction auf dem Revier an die Vorgänge bei der Beerdigung des Döll erinnerte und bemerkte, man müsse dafür sorgen, daß es nicht wieder so gehe. Wenn das Commando komme: „Zur Waffe", so sollten die Schutzleute nicht den Säbel in der rechten Hand halten und mit der linken Hand die Leute zurückdrängen, das wolle der Herr Polizeipräsident nicht. In einem solchen Falle solle eingehauen werden. Zeuge bekundet, daß die dreimaligen Aufforderungen laut und für Jeden vernehmlich gegeben werben sind, daß die nöthige Zeit dazwischen geblieben, damit die Anwesenden sich entfernen konnten, wenn sie gewollt, doch habe Niemand auch nur einen Versuch dazu gemacht. Im Ganzen sind die Aussagen günstig für den Angeklagten, denn sie constatiren, daß Leyendecker, der auf einer Erderhöhung gestanden, nach der Aufforderung nur um so lauter weiter gesprochen habe. Nachdem die Menschenmenge auf der Flucht gewesen, habe der Com- mtssar befohlen, nur noch gegen Widerstand die Waffe zu gebrauchen. Der Zeuge wird nachträglich vereidigt, die Aussagen des nächsten Zeugen, Schutzmann Mathias Bo land decken sich so ziemlich mit den vorigen. Die Sitzung, welche erst nach 8 Uhr zu Ende geht, wird ausschließlich von Zeugenvernehmungen in Anspruch genommen, aus welchem wir das Interessanteste morgen nachtragen werden. Frankfurt a. M», 16. März. Aus den Zeugenvernehmungen der gestrigen Abendsihung tragen wir noch da4 Folgende nach: Zeuge Schutzmann Heinrich Pfannmüller sagt, ebenso wie der letzte 8euge, daß, nachdem alles ziemlich vorüber, ungefähr 10 Schritt rechts seitwärts vom Grabe, em Mensch, der seinen Hut unter dem linken Arme trug und in der rechten Hand einen Regenschirm wie drohend emporhielt, auf den Angeklagten Wingleit losstürzte, der ihn nut gezogenem Säbel abwehrte und ihm einen Schlag mit flacher Klinge über die linke Schulter auf den Rücken versetzte. Beide Zeugen stimmen darin überein, daß der Geschlagene mit zerrissenem Hemdenkragen und flatternder Binde wohl als Angreifer angesehen werden konnte. Zeuge wird einstweilen nicht vereidigt. Der nächste Zeuge, Gürtler Dippel, ist der Geschlagene, will aber den Hieb als einer der ersten der Flüchtigen von rückwärts, direct unter dem Portal und zivar über den Kopf erhalten haben, so daß ihm der Hut entfiel und er stark blutete. Der Hut liegt vor und zeigt drei scharfe Risse. Das Blut wusch sich Beuge im Beisein des Rctchstagsabgeordneten Herrn Frohme in dem Marmorgeschäst gegenüber dem cne rothe Schleife i f«ßtil des fsriedhofsi Zeugen hatten behau ten Aufforderungen quolifitirf seien, ai sterung gern Abhilfe Graf Asenbui «trag juriitf und die 3m Ginoerständ treilttung der Station Msrn genehmigt. Tie Reesmmtu u Zsenburg-.Birs 1: nes Gesetzentwurstz erttfallende RcintinrI Itecitung ibrer Lasteß r^rgigeu Sitzung gl Die zur Grrl Utoriums zu Gl Debatte einstiml Assessor Dr. @arl atlsspricht. I Bezüglich bei Beschluß zweiter A (ine Vorlage roeal