dtr. 137 Erstes Blatt. Donnerstag den 17. Juni 188@ Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Meßen. MwrÄSt Schvk^raHa 7. Erscheint ttsKch mir Sk«»chme dsS vierteljährlich 2 Mark LH Pf. ML NrßneMßM ___________ Post be-ozen vierteljährlich 2 Mart LH Pf, König Ludwig II. von Bayern, f Gießen, 16. Juni. ra®u!,I(Sn“etJ??n de« Mibklang« störte di- F-ier bei Pfingstfestes. Waren die G-muther durch die tragischen Vorgänge im Bayernlande schon tief erregt, (o traf doch die Kunde von dem jähen Ende König Ludwigs so überraschend «>n. daß man saß an der Wirklichkeit zweifeln mochte. Wir erhielten am 2. geiertage, Nachmittags, die erste Nachricht von dem furchtbaren Ende des Königs, wie auch Des sich aufopfernden Arztes, Obermedicinalrath Dr. v. G u d. den, und konnten noch spät Nachmittags eine beschränkte Anzahl von Extra- m xnT? kleben, um unsere Leser von dem Geschehenen zu unterrichten. Im Nachstehenden tragen wir eine Reihe von Nachrichten zusammen, aus welchen ™ Leser orientiren mögen. Wir berichten theils nach Mittheilungen des „Wolff ichen Bureaus", wie auch nach solchen der „Franks. Zeitung", welche von ihren Correspondenten sehr gut bedient wurde. Eine authentische Darstellung Der Reise des Königs von Hohenschwangau nach Berg lautet: ö Obermedicinalrath Dr. v. Gudden, welcher ursprünglich die Absicht hatte, den König erst heute (den 12. Juni) gegen Morgen von dem Zweck seiner Anwesenheit zu verständigen, mußte alsbald nach seiner Ankunst um 1 Uhr Nichts diese Absicht ändern, weil der König den gestrigen Tag über und während der Nacht zu der Besorgniß Anlaß gegeben yatle, daß er sich ein Leids anthun könnte, zumal der König verlangt hatte, den Schloßthurm zu besteigen, von dem aus natürlich ein Absturz leicht möglich gewesen wäre. Dr. v. Gudden hielt deshalb ein rasches Einschreiten für geboten und stellte sich dem König sofort vor, als demselben mitgetheilt worden war, daß der Weg zum Thurme nunmehr offen stehe. Der König erklärte sich, nachdem Dr. v. Gudden hie Nothwendigkeit einer ärztlichen Behandlung dargelegt hatte, sofort und ohne allen Widerspruch bereit zu reisen. Der König sprach während der nächstfol- genden drei Stunden viel mit Dr. v- Gudden und den Wärtern und bestieg schließlich ohne Widerstand den Wogen. Eine „rührende Ansprache", von der ein Münchener Blatt zu melden weiß, hat nicht stattgesunden, wie denn auch thatsächlich Niemand vorhanden war, an den eine solche hätte gerichtet werden können. Die Reise, während welcher der König viel mit Dr. v. Gudden verkehrte, verlief ohne jeden Zwischenfall. An Den Orten, in welchen Die Pferde gewechselt werden mußten, waren äußerst wenig Personen zu sehen. Um 12*/* Uhr kam Se. Maj. der König in Berg an und verfügte sich alsbald in seine Gemächer, wo demselben auch sofort der in Berg anwesende Professor Dr. Grashey vorgestrllt wurde. Beide Aerzte haben erklärt, daß sie auch nach dem persön- lichen Verkehr mit dem König an den schriftlich abgegebenen Gutachten über den Gesundheitszustand desselben entschieden sesthalten müßten. Die eingeleitete ärztliche Behanolung wird selbstverständlich mit der äußersten Schonung ausgeführt. Diese Reiseschilderung vorausgeschickt, lassen wir nun die telegr. Mittheilungen folgen. Die erste Nachricht lautete: München, 14. Juni. Laut Polizei-Directions-Affichen hat König Ludwig sich gestern 63/< Uhr Abends beim Spaziergange im Parke des Schroffes Berg in den Starnberger See gestürzt. Der Leibarzt Gudden ist gleichfalls ertrunken. Die „Franks. Zeitung" empfing am 2. Feiertage Morgens 8% Uhr schon nachfolgende Depesche ihres Correspondenten: „König Ludwig II ist tobt! Gestern, kurz nachdem ich Schloß Berg verlassen, hat der König um 63/4 Uhr einen Spaziergang mit Dr. v. Gudden gemacht, wieder in voller Ruhe, wie das soeben angeschlagene Plakat hervorheLt. Als beide Herren länger, als man erwartet, ausblieben, stellte man Nach- sorschungen an und sand den König im See, ebenso Dr. v. Gudden. Die von Dr. Müller angestellten Belebungsversuche hatten leider kein Resultat. Der König verschied gegen 12 Uhr Nachts. Auch Dr. v. Gudden war nicht mehr zu retten." Weitere Nachrichten des Correspondenten, der sich am Montag früh wieder nach Berg begeben hat, lauten wie folgt: Starnberg, 14. Juni, 10 Uhr Vorm. Der Spaziergang des Königs wurde in Begleitung von Dr. v. Gudden und einigen Wärtern unternommen. Der König war wieder liebenswürdig, doch mißfielen ihm die Wärter; er ersuchte Gudden, sie zu entfernen, was auch geschah. Von einer Stelle des Parkes aus muß der König das Ufer verlassen haben und in das Wasser gegangen sein. Nach längerem Suchen fand man ihn wie Dr. v. Gudden tobt im Wasser an einer etwa nietertiefen Stelle. Die Uhr des Königs war ein Viertel nach 7 Uhr, die des Dr. v. Gudden ein Viertel nach 8 Uhr stehen geblieben. Die beiden Körper lagen nicht allzuweit von einander; das Gesicht des Dr. v. Gudden zeigt Rißwunden, so daß die Annahme nahe liegt, es fei ein Kampf vorausgegangen. Gefunden wurden die Leichen um 11 Uhr Nachts. Die Münchener Polizeidirection theilt am Montag Vormittag das Ereigniß durch öffentliche Anschläge mit. Dieselben meldeten: „Nachdem der König den ärztlichen Rathschlägen ruhig Folge geleistet batte, machte derselbe gestern Abend mit dem Obermedicinalrath Gudden einen Spaziergang im Parke, von dem der König und Gudden längere Zeit nicht zurückkehrten. Nach Durchsuchung des Parkes und des See-Ufers wurden der König und Gudden in dem See gefunden. Der König gab wie Gudden Anfangs noch schwache Lebenszeichen von sich, die von Dr. Müller vorgenommenen Wiederbelebungs-Versuche waren jedoch vergeblich. Um 12 Uhr Nachts wurde der Tod des Königs constatirt, ein Gleiches war bei Gudden der Fall." Wettere Nachrichten vom 14. lauten: Die Flagge auf Schloß Vera rocW Galfrnaft, es regnet unaufhörlich, der See sieht trübtraurig darein. Von den Nachbarorten sammelt sich allmählich das Publikum, Bauern und Städter- Der verstorbene König, den ein Schwarm von Menschen umsteht, liegt aufqe- babrt in einem Zimmer des ersten Stockes ganz unverändert wie im Leben. Er ähnelt dem altbekannten Bilde mehr, als man glaubt. In einem Neben- £immer ist Dr. v Gudden aufgebahrt, sein Gesicht zeigt Nisse und an den feeiten, wie es scheint, blaue Flecke, Spuren des Kampfes, denn daß ein Kampf dieser grauenvollen Katastrophe vorausgegangen, ist nahezu zweifellos. Der Komg hat, wie offiziell versichert wird, bereits in Hohenschwangau seinem Leben em Ende machen wollen,, in Berg ist ihm die That gelungen. Drei Minuten vom Schloß befindet sich in dem zum Schloß gehörigen Parke eine Vank; schon am Vormittag hat der König mit Gudden lange auf derselben gesessen, am Abend wurde der hier gefaßte Plan ausgeführt. Unmittelbar vor 7, etwa 63/4 Uhr. hat der König sich zum Spaziergang gerüstet; das Souper war auf 8 Uhr vom König selbst bestellt. Der begleitende Wärter wurde von Dr. Gudden, der ein Opfer seiner Täuschung geworden ist, entlassen. Der König ist schnurstracks zum See gegangen, denn die bei ihm ge- fundene stehengebliebene Uhr weist auf 7 Uhr 5 Minuten. Was weiter zwifchen Beiden vorgegangen ist, darüber wird für ewig Geheimniß walten. Der König hat sich seines Hutes, beider Röcke und des Schirmes entledigt und hat bann vermuthlich die Absicht geäußert ober ausgeführt, ins Wasser zu gehen.. Dr. Gudden ist ihm nach, er wurde an einer mäßig tiefen Stelle beä Wassers gefunden, dabei hat dann wohl das Ringen stattgehabt, wie die Risse im Gesicht des Arztes und die blauen Flecken bezeugen. Nachdem • ci' roie s^int' unterlegen war, ist der König weiter hinein ms Wasser gegangen, er wurde 6 bis 8 Meter vom Rande gesunden. Ws die Schloßbewohner den König gegen halb 9 Uhr vermißten, begab man sich auf*re Suche. Röcke und Hut leiteten auf die Spur, das Suchen irn Wasser wä^rc lange. Der Kellerofficial Ritter fand die Leiche in etwa mannstiefem Wasser, 6—8 Mann von der Bedienung trugen den schweren Körper ins Schloß, er wurde dort von Dr. Müller untersucht und fein wie des Arztes ^od konstatirt. Der Staatstelegraph in Schloß Berg ist mit Staatsdepeschen Jo uberbauft, daß ich mich sofort nach Starnberg verfügte, um Ihnen diese Mtttheilungen zu machen. Von München ist aus dem Ministerium noch Niemand zur Stelle, doch ist die Ministerialkommission für heute Nachmittag 1A4 Uhr angekündigt. 9 2 Da der Ort des Fundes der Leichen nur vom Wasser aus zu untersuchen, der Eintritt zur Parkstelle, wo die Verstorbenen an den See gelangten von der Uferseite aber nicht gestattet ist, so habe ich vom Kahn aus folgende Situation gefunden. - Der Steg vom Schloß geht erst an der Anhöhe bm, dann zum See hinunter und ist von demselben durch ein Gebüsch getrennt; die Entfernung dürfte 10-15 Minuten mehr als ursprünglich angegeben betragen. Durch das Gebüsch ist der König durchgebrochen, es scheint Geäst zerknickt zu sein. Der See ist am Rande seicht, zwei Fahnen bezeichnen die Unglücksstelle. In der Mitte beider haben die Leichen, vorn vom Ufer aus Gudden, weiter hinein der König gelegen. Es ist etwa die Mitte des Weges zwischen Berg und Leoni. Am User lagen beide Röcke des Königs, die Aermel des einen in denen des andern. Gudden hat den Weg schwerlich genau gekannt. Die Leiche des Königs wird voraussichtlich heute nach München übergeführt, die Section erfolgt in der Residenz. Trotz des anhaltend schlechten Wetters strömen zahllose Menschen herbei, um noch einmal den König zu sehen. Bis jetzt ist der Zutritt Jedermann gestattet. Die Trauer der Bevölkerung ist groß und allgemein. Da der Park und der See den Tod des Königs und des Arztes für immer mit Dunkel umhüllen werden, so bleiben für Aufklärungen über den Hergang nur Vermuthungen, die sich mehr ober weniger auf Anhaltspunkte stützen können. Die Annahme, daß dem König Gewalt geschehen sei, wirb ein für allemal ausgeschlossen bleiben, da alle Umstände gegen sie sprechen. So bleiben nur zwei Fälle übrig: entweder der König hat sich das Leben nehmen wollen und Dr. Gudden hat bei dem Versuch, das zu hindern und den König zu retten, das (einige eingebüßt ober aber der König hat den Dr. Gudden ertränken wollen und ist dabei mit zu Grunde gegangen. Bekanntlich wenden Irre ihre Wuth vornehmlich gegen ihre unmittelbare Umgebung, in der sie ihre Peiniger erblicken, wissen aber dabei Listen anzuwenden, Verstellung u. s. w., wie sie kaum Vernünftigen möglich sind. Dr. Gudden hat. sich offenbar durch die scheinbare Ruhe und Freundlichkeit des Königs täuschen lassen, Denn sonst würde er wohl vorsorglich die Wärter, statt sie fortzuschicken, inflruirt haben, sich zwar den Blicken des Königs zu entziehen, aber stets in der Nähe zu halten. Wäre dies geschehen, so hätte die Katastrophe nimmer einen so traurigen Ausgang nehmen können. Mit dem Tode Ludwigs II. ist der bayerische Thron erledigt. Nach der Verfassung ist die Krone erblich in dem Mannesstamme des Königlichen Hauses nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatisch-linealischen Erbfolge. Thronfolger wäre hiernach des Königs Ludwig einziger Bruder Otto, geb am 27. April 1848 Da derselbe aber schon feit Jahren geistesgestört ist und es auch nach dem Zeugniß der Aerzte dauernd bleiben wird, ohne daß eine förmliche Ausschließung von der Thronfolge durch einen verfassungsmäßigen Staatsact stattgefunden hat, so greift der Art. 9 b der Verfassung Platz, der-, selbe, welcher der Aktion gegen Ludwig II. zu Grunde gelegt worden ist wonach die Neichsverwesung eintritt, „wenn der Monarch" (eventuell natürlich auch der berechtigte Thronfolger) „an der Ausübung der Negierung auf längere Zeit verhindert ist und für die Verwaltung des Reichs nicht selbst Vorsorge getroffen hat oder treffen kann." Zn letzterem Fall ist König Otto; es muß also in .gleicher Weise, wie vor einigen Tagen bei König Ludwig, durch Staatsakt eine Reichsverwesung eingesetzt werden, die nach der Verfassung dem Prinzen Luitpold als dem nächsten Agnaten zufällt. Erst nach dem Tode König Ottos würde die Krone auf den Prinzen Luitpold und eventuell auf dessen Sohn Ludwig übergehen. Dr. Bernhard von Gudden, Obermedicinalrath, Universitätsprofessor Director und erster Overarzt der Kreisirrenanstalt Oberbayern, hat noch am Montan den 7. Juni nn Kreise seiner Familie seinen 62. Geburtstag gefeiert. Gudden ist geboren zu Cleve am Ah ein im Jahre 1824. Nachdem der begabte Mann seine Studien mit Auszeichnung vollendet hatte, wurde er Assistent des berühmten Psychiatrikers Jakobi in Siegburg, wirkte alsdann in Jllenau in Baden unter dein Geheimen Rath Roller und libernahm nn Jahre, 1855 die Leitung der Irrenanstalt Werneck. Im Jahre 1869 wurde Gudden Umversitatsprofessor in Zürich und als im Jahre 1872 die Kreis- rrrenanstalt München ihren Leiter Professor Dr. Solbrig durch den Tod verlor wurde die DirecUon dieses umfangreichen Instituts dein Professor Dr. v. Gudden übertragen unter dessen Führung sie manche Verbesserung erfuhr und überhaupt erfreulich blühte und gedieh. Das tragische Geschick des als Fachmann und Gelehrten hochgeachteten Mannes findet überall die tiefste Theilnahme. ... fiachstchoden lassen wir die bis heute Mittag eingclaufenen Nachrichten über die Katastrophe in Bayern folgen: - Das Gutachten der eidlich über den Gesundheitszustand König Ludwigs vernommenen vier Aerzte vom 8. Juni ist heute amtlich veröffentlicht worden Der Tenor desselben lautet: Wir erklären einstimmig: 1) Se Majestät sind in sehr weit vorgeschrittenem Grade seele'ngestört und zwar leiden dieselben an jener Form von Geisteskrankheit, die den Irrenärzten aus Erfahrung wohlbekannt und als Paranoia (Verrücktheit) bezeichnet wird. ' ' 2) Bei dieser Krankheitsform, ihrer allmäligen und fortschreitenden Entwickelung undyon sehr langer, über eine größere Reihe von Jahren sich erstreckenden ^^-^..^-.Majesta^ unheilbar und nur noch ein weiterer Verfall der Geisteskräfte sicher m Aussicht. 3) Durch die Krankheit ist die freie Willensbestimmung des Königs vollständig ausgeschlossen und ist derselbe als verhindert an der Ausübung der Regierung zu betrachten, welche Verhinderung nicht nur länger als ein Jahr, sondern die ganze Lebenszeit andauern wird. (gez.) Gudden, Hagen, Grashey, Hubrich. halten er für ihre Pflicht, „zur Beruhigung der aus- gercgten öffentlichen Meinung" wenigstens einen Theil jener tramigcn Momen - zusamm-nzusiellen, welche die schwere geistige Erkrmikung des Königs außer all n Zweifel stellen. ö D Die Einsetzung der Regentschaft hat sich d-ßw-gen als absolut nothwendig er- wieien weil der König I» der letzten Zeit einige höchst seltsame Regierungsacte erlassen hat. «o hat er eine ganze Reihe uon Todesurthcilen auSgeserijgi und deren Vollzug dem iew°>,.gen Günstling übertragen; u.A. hat er auch über die sümnulichen Minister Schicksal verhängt. Al- die Mitglieder der iiach Hohenschwangau abgegangenen Staatsconimisston in Ncuschmanstein gefangen faßen, gab der unglückliche Monarch den Betkhl, die Heiren bis aus s Blut zu peitschcii und ihnen dann die Augen L= iust-chc»! Au,fallender W-li- legte sich die Ausregung deS Kranken uon bc»fdo= "'enle an, als er von dem Jrrenhausdirector vr. v. Gudden in Behandliuig genommen wurde und die Folge zeigte leider, daß hierin ein bestimmter von deui kranken Geiste getagter -blau lag, eine Wahrnehmung, die von Irrenärzten schon hundertma! gemacht n-mde. Wie viele Irren haben schon mit geradezu unglaublichem Rasfiucment den geistig Gefunden gctmeit und fogar die ersahrensten Aerzie gelauscht. Wie gesagt der kranke Monarch wurde soiort als vr. v. Gudden seine Behandlung übernommen merkwürdig ruhig, er fugte sich vollständig den Anordnungen dieses Arztes und war sogar gegen vr. Gudden von einer ungeheuren Li-bcnswindigk-ii. Jene Bauern, welche früher das Gluck hatten. Mit dem Monarchen in Berührung zu kommen, wissen, daß r ,On Än,e< f0 d°b er jedes Herz für sich gewann. ' Willig folgte er dem vr Gudden von Schwangau nach Schloß Berg und redete unterwegs nni Allen, die ,ich seinem Wagen nahten, aus das Freundlichste. Werkwürdig ivar sein Verhalten, als er IN Schloß Berg ankam. Genau als ob er wie in früheren ^agen von einem anderen Schlosse Mich Berg zum Sommer.iufenthalt käme, ging er nach Verlaßen des Wageiis aus den Gensdarmerie-Wachtmeister Sauer zu und grüßte ihn nut den Worten: „Das ist schon, Sauer, daß Sie miedet hier den Dienst ha"n!" Genau wie IN früheren Tagen ging er dann um das Schloß herum, betrachtete dessen Außenseite und äußerte seine Betrtedlgung mit den Worten: „Ganz gut es ist Alles in Ordnung!" Gegen vr. ° Gudden behielt der König auch in Berg eine Lie^ns- würdigk-it be> und unterhielt sich mit ihm in der huldvollsten Weise. Wäre es rüch möglich, daß sich der hervo, ragend- Gelehrte von dieser Liebenswürdigkeit des krank?» Königs doch etwas tauschen Uetz und der offenbar erkünstelten Ruhe des Kranken selw vertraut- obwohl er gleich nach Uebernahme seiner Funetion und noch während wrebeijott gemahnt Ivurde, im Umgänge mit dem Könige so recht vorßchtig zu sein. Und l)od) unternahm vr. Gudden ohne Zuziehung des Wärter- Personals allen, mit dem König den unglückfcttgen Spaziergang ® tcl' — Das Thronfolge- und RegentschaftSpatcnt lautet: A.r. . x5'!1 Majestät des Königs! Bayerns königliches Haus und sein in Gluck und Ilngluck treu zu ihm stehendes Volk ist voin schwersten Schicksalsschlage getrosten. Rach Gottes un-rmetzstcheu, Rathschlusse ist Se. Majestät König Ludw II aus dieser Zeitlichkeit geschieden Durch diese» das ganze Vaterland in schu er 1 chste B-trilbmß ver etzenden Todesfall ist das Königreich Bayern in der Gesamn.tvereänäuna uller seiner alteren und neueren Gebietstheile nach den Bestimmungen ber aTerfaf un«§? uvtuniie, auf Grund der Haus- und StaatSoerträgc, Unserem vielgeliebten Reffe den Bruder weiland Sr. Majestät, Sr. Konigl. Hoheit dem Prinzen Otto ieh EinfS als nächstem Stammfolger nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnattsckck^ealen Erbfolge angefallen Da Allerh chstd-rselbe durch eit? schon BnBn »et^nbert rt, die R-gterung All-rhochfif-lbst zu führen, so haben Wir als nächst bei ufcnei Agnat, nach den Bestimmungen der Verfassungsurkunde in desselben Rainm die Neichsverwesung zu° übernehmen'" Dienach der ft'd-rstch- Elnberusung des Landtages ist bereits verfügt. Indem Wir im Romen *ar' aie.?at ^"uigs die Neichsverwesung hiermit übernehmen, versehen Wir uns zu allen Angehörigen der bayerischen Eiblande, daß dieselben Seine Majestät den König ° u»d einzigen Landesherr» so willig als pflichtgemäß erkmuen n»d All-rhochstd-ms-lb-n und Uns, als dem durch die Verfassung berufenen Reg »ten Unverbrüchliche Treue und unverweig-rlichen Gehorsatn leisten. Damit der Gang da' Staatsgcsckiafte Nicht unterbrochen werde, befehlen Wir, daß sämmtlichc Stellen lind Behörden ihre Verrichtungen bis au, nähere B-stiminung wie bisher nach ihren Am s- pflichten, fortsetzen, d.e amtlichen Aus ertigungc,, von nun an im Namen Sr Ma sät d s Königs Otto von Bay-,,, wo solches vorgeschricben ist, erlassen, b«6erSiegelmm °b-r stch der bisherigen Siegel, so lange bis ihnen die neu zu fertigende» werden m- gestellt werden, bedienen solle,,. Wir wolle» alle Bedienstete» an den von ihnen «'= letfteten Versasiungs- ""d Diensteseid besonders erinnert haben und versehen Uns gnad,gst daß all- Unterthan-n Sr. Majestät dieser Unserer in tiefe», Schmerz n Namen des Königs an stc gerichteten Aufforderung in Treue folgen 8 Gegeben München, den 14. Juni 1886. _ Luitpold, Prinz von Bayern. Dr. »rhr. von Lutz. Dr von Fäustl- Dr. von Riedel. Frbr. von Crailsheim Frhr. von Feilitzsch. von Heinleth. , ., ~ ll'u 10 Uhr sand in der Türkenkaserne die Vereidigung der Generalität statt, gleichzeitig erfolgte m allen anderen Casernen die Vereidigung der Truppen. Der §L-s-r'des'ReichkWm ZÜttpold? ä’iQieftät C,t° 1 °°n »«’«» und den snPTn Sbstern Abend 8Vr Uhr hat im Vorhofe des Schlosses ve,d?e bÄrinrSa ft?^Ä und drei anoere Geistliche die Aussegnung der Welche des Königs stattgefunden, welche darauf ui einem Jnterimssarge auf einem vier- ^Wlgt von drei Wagen mit den Geistlichen und den Personen 9jVünd pßner sr ^omgs, nach München übergeführt wurde. Von der fd mpr.nlC^ ^ovstadt Sendling ab wurde der Zug von einer Abtheilung des ersten schweren,Neltevreglments eskotirt. Nachts 1 Uhr 20 Mm. langte der Leichenzug im Da die Ankunft desselben so früh nicht erwartet wurde, so fand keine Ansammlung des Publikums statt. Die in Feldasing weilende Kaiserin von Oesterreich hatte einen prachtvilllen Kranz nach Schloß Berg übersandt. München, le). Juni. Die ©ection der Leiche des Königs findet in den sogen OTartaju».»«», d.e oberhalb der Hoskapelle i» der Residenz liegen und zu dies m ßr Ä Z- D°rs-lb-n wohnen etwa acht öerren bei unter ihnen D£ Ziemsfen und Dr -L-chleitz; der letztere i|t der bekannte Leibarzt des Königs, der sich von seiner Krankheit nicht überzeugen will. Der Section folgt unmittelbar die Ji°blUn' ber feit 3^,en derartig- Aufträge .. c “ Die Section der Leiche des Königs von Bayern hat hochgradige Veränderungen degenerattoer Natur am Schädel, sowie am Gehirn und seinen Häuten ergeben. Dieselben sind theils auf abnorme Entwickelung, theils auf chronische Ent- zundungsoorgange alteren und jüngeren Datums zurückzuführen. wurden auf heute Vormittag vom TnnZ'Regenten zur Audienz beschieden. -- Die „Allgem. Zeitung" widmet dem tragi- schen Ende des Königs Ludwig einen Lcitartikel, in welchem sie die pünktliche Ausübung feiner Regen tenpfüchten, seine deutsche patriotische Gesinnung, welche namentlich bundesmaßigen korrekten Haltung Ausdruck fand, sowie seine traft: berwoÄt echte gegenüber den klerikalen Besirebungen rühmend ninr fi b?wncht ferner die Begeisterung und Schwärmerei des Kö- o^e höchsten chcale des Schonen in Kunst, Natur, Poesie und Musik, gedenkt eines Verkehrs nut Richard Wagner und erwähnt schließlich die Menschenscheu des Königs, welche sich allmählich zum Menschenhaß gesteigert habe. Der im Zustande des Hö^estellten^d^^m ft Äi«iÄÖ QU§ bent ^bischen Dasein habe das Leben dbr sonst dem Aermsten Nicht vorenthaltenen Wohlthat beraubt, den n^ftDie staatliche Rothwendigkeit zwinge, schon in den D^rbüfte\l^n8bin nif\die letzten Augenblicke des Monarchen ^rondem mA0» nertretern Einblick zu gewähren und sie der Welt zu enthüllen, ^rotzdem aber werde Ludwig II. ui dem treuen Bayernvolk als der ideal begeisterte seuwn'Rainen^a'ls^n8^^^""!^^.>rtleben und draußen im Reiche werde inan n u r r. § b eines deutschgeslnnten, den edelsten Zielen zustrebenden Fürsten n Ehren halten. - Der Wittwe des Leibarztes Dr. v Gudden ist ein^^Beileidsschreiben des Prmzen Luitpold zugegangen, die Beerdigung Gudden's soll, wie das „Fremdenblatt" erfahrt, auf Staatskosten erfolgen. ' n „ 15. Juni. Im Gemeindekollegium hielt der erste Bürgermeister Dr v. Erhardt folgende Ansprache: ..Ein außerordentlicher Anlaß ließ Sie zu einer bemCtoefiir!rilt^Cpr ^^un0 °5r^.l?mcI5; ?ör wenigen Tagen habe ich im Magistrat dem Geiuhle der Trauer darüber Ausdruck gegeben, daß ein edler Geist getrübt worden und heute erschüttert uns die Kunde, daß Se. Majestät den ^od in den Wellen 5 M1“?1 rU'"b hat. König Ludwig 1L lebt nicht mehr, «jpm als König gefolgt fein Bruder Otto I., welch' ein tragisches Geschick' I?kbcöÄ0: rnS ben edelsten Gaben, die zu den größten Hoffnungen bered): unb der diese Hoffnungen auckj in den sd)wierigsten Lagen ^inn ©eaen te§ 2^afer- g einiger Störung, fdjeibet^uon S:Tron^nb&bcS; ar. A?rCSp?C9xen • ®CI^ ^uge umnachlet, fällt Thron und Land zu, er fann aber die Bügel der -liegteiung md)t ergreifen, sondern muß in der Jsolirung verbleiben. Das Ä-r unser königliches Haus und über das ganze Land! Jlbei audj in biefer 3eit der Prüfung und Bedrängniß wollen wir in der Liebe und ^reue festhalten an dem angestammten Fürstenhause und an der Verfassung. Alle Bayernherzen sind sckmierzlid) bewegt. Auf dem ganzen Lande lastet der Druck schwerer grauer und Wehmuth. Auch die Stadt München ist tief ergriffen und trauert uni fe^er^ckÄ^Len^niü8^^^ zollen von diesem gemeinsamen Gefühle hiemit öffentlich !rsr7m.m 3' 9 ■ ' 2 o JIC Königin-Mutter wollen wir in einer Adresse, dem "" %ncr öewlllrgten Audienz das innigste Beileid der Stadt zum ^Z' iÄer*r St lle ging die Versammlung auseinander 3 Anwespnb SU.nb Meffentliche Sitzung der Kammer der Reichsräthe.s leruer . ber Kron-Oberstkämmerer, Statthalter von und ^.ftft ^o^e^IoHe-Sdplllngssürst, die Erzbischöfe von München-Freising und Bamberg, ^beiststallmeister Graf Holnstein und alle Minister außer dem ft-reh berrn v. Crailsheim, welcher als Staatsminister des königlichen Hauses der Sektion der Lnche des Königs beiwohnte. Der Präsident Freiherr^ b Äenftein cÄte bterPllf"in^ ir’! E^er tief empfundenen Trauerrede über den Hintritt des Königs welckie sammtliche Reichsräthe stehend anhörten. Staatsminister o. Lutz gab im Namen {bc.§ Ä/I^?iums dessen Empfindungen tiefster Trauer Ausdruck und verlas sodann l b^. Agenten Prinzen Luitpold eine Botschaft desselben in welcher dieser nach Anhörung des Staatsraths bei der Kammer beantragt, berÄenuSa t ihre A^M?se3ru^E?" Äb bfLe Master beauftragt, den Kammern alle wünschenswerten Auf chlusie zu geben. StaatsmlNlster v. Lutz beantragt Namens des Ministeriums « mr“für"°^c" JU dürft», andernfalls könne er fia) nur für eine geheime Plenarberathung erküren, eventuell könnte her in SlenÄ überlassen bleiben ob die nachfolgende b^^'Vei athung eine öffentliche ober geheime sein solle. Präsident v Frankenstein Refchsrätl>-'"ünt-^st Mitgtiedern ein,»setzen, dessen Verhandlung-» alle ^reicysraiye, unter strengster Geheimhaltung, anwohnen können. Dieser Antrag warb? ^äZSn^n9^ Mitgliedern'dieser Kommission wuÄ; gewäh^ Als Präsidenten ^rhr. v. Frankenstein und Frhr. v. Pfretzschner: zu Secretären ßimf . < ^,ec Plenarsitzung der Kammer der Abgeordneten beginnt am'Donnerstag nnh stände habend JUn“d,ft blc Regierungsvorlage in Betreff der Regentschaft zum Gegen- Ztg." schreibt: Nack) der ganzen Lage der Sache ist es ohne ^rrr^n ftÖhP^s^rrllU*1 vor bc-m verstorbenen König nicht möglich, die Einzeliiheiten $ rri / hV1 ve(.vycntlid)en. Möge daher besonders die ÄiiSne C s e ^r^-UI0 ble^cr beklagenswerthen Frage, der Einsetzung der Reaentschaft ^o^i ^m alleln autorifirten Richter, nämlich dem Landtage' überlassen, anstatt die Ä?^dieo schwierige Lage nod) zu verwirren und vielleicht im Trüben fischen -i- mnnm §r°G-mü?h-?D^°Alla°^ -'icht aber cm- frivole Aufregung oer ^emuryer. „2111g. Ztg. schließt ihren Artikel mit folgenden Worten- Gebe Gatt daß die patriotische (ultramontane) Presse nicht eines Tages nKg )Qb w DK- MM Ä Z6' '»."immer los!" Dieser«« EdÄt'KpL Bayern'. ' kommenden Wunsch aus die Lippen: „Gott schütz- — Bon Sr. Miajestät dem Kaiser Wilhelui ist ban Prinz-Reaenten folaend.s habe8'"mit' d-?be'Rackn"iän^-I^ 34 ®t'eV fönisfL ^ol'cit Mtttheitung beantwortet 2? ' 1 ver tote Jindfiid)t geben von der Katastrophe, die Sie uir Reaentschgft Sdi «üfeÄÄft- s-cben durch Ihr' £&mm te ÄljSÄ bie ^ev vorigen ein entsetzliches Ende nur gemacht nm Cuei Komgl. Hoheit Regentschaft über ein anderes Mitglied Ihres König! c/anfee ^.""veg, >)hver hohen Berufung eine neue Verpflichtung aufzuerlegen S-ür^ ßm»r '"einen treuesten Tank darbringeL spreche -S JüfSn nSTt S ^Ocdngbnie bei diesen in so vielen Hinsichten erschütternden Ereia- j-ugi sind.' Äl)eClnL"a U U4 3 C't@'C llni£,Cr f0 2"u»dschaft gewiß über- < puppen. P ' Schlosst 1 >119 be? nSuJ "Ncni Vitt- w«fe ZM Oe Kaiserin' von tf'«d-n fojtn ""d jubifi 5. «r ihnen bcs Königs, ber unmittelbar bie rartl6? Anstrage bochsrabige $er: leinen hauten । chroin,che tznt- ’ ^onnittag vom ibniet dem traai- Pünftlidie Ans- mlcke namentlich owie seine trajl- ’ungen rühmend amerei des kok' Musik, gedenkt ientchenscheu des -er im Zustande 1 bade das Leben Hat beraubt, den ic, schon in den : des Monarchen Leit zu enthüllen, r ideal begeisterte, ierche werde man lrebcndeir Fürsten ist ein Beileids- r's soll, wie das :$gsÄ sA'S i«. !»!!* ,,mh 6* sie Bürgermeister ließ Eie zu einer ich im Magistrat ler Geist getrübt Tod in den Wellen 1. lebt nicht mehr, magisches Geschick! Öffnungen berech- Segen tcsBater- id Heben; feinem er tann aber bie per bleiben- 5as ms ganze Land! irr der Ä rrrrb LmazzrM- M der Druä schwerer i und trauert um ble hiemit öffentlich einer Adresse, dem ileib der Stadt zum einander- der Reichsrathe.) r Statthalter von nMünchen-Freising - außer dem Frer- naufcö der Sektion ankenstein eröffnete ntritt des Königs, r-utz gab im Namen und verlas sodann >n, in welcher diel r reenlsch°ltchr-Z' je wünschenawerthe des Minlstermms. em andernfalls könne ucll konnte d r zu ■*yäS Jettingen, ÄÄ- Donnerslüg und -er ^^^jmeliiM li*'^tr2.noig M die übcrlalst'i. " /^Oen- sM ^inpen: ,