Nr. 241. Samstag den 16. October MM Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. »arMit t Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme de- Montags. Preis vierteljährlich 2 Matt 20 Pf. mit Bttn-erlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 5Ö Pf. Politische Ueberficht. Gieße», 15. October. Kaiser Wilhelm hat die Einladung des Prinz-Regenten von Braunschweig, den gegen Ende October bei Blankenburg ftattfindenden Hosjagden bei- zuwohnen, endgültig angenommen. Da der Gesundheitszustand des greifen Monarchen zur Zeit nicht das Geringste zu wünschen übrig läßt, so ist anzunehmen, daß der Kaiser seine Zusage verwirklichen wird. Uebereinstimmend mit früheren Meldungen wird jetzt allseitig der 18. November als Termin für den Zusammentritt des Reichstages zu seiner ordentlichen Session bezeichnet. Es trennen uns also wenig mehr als vier Wochen von dem Beginne des parlamentarischen Winterseldzuges und wird sich der Bundesrath demnach mit den nöthigen Vorarbeiten etwas beeilen muffen, wenn der Reichstag bei seinem Wiederzusammentritle sür'S Erste genügendes Arbeitsmaterial vorfinden soll. Es sollen denn auch spätestens in nächster Woche die Berathungen des Bundesrathes wieder beginnen, zu denen Staatssecretär v. Bötticher aus«Varzin, wo er seit voriger Woche weilte, reichlichen Stoff mitgebracht haben dürste. Bestimmteres über die dem Reichstage zu machenden Vorlagen verlautet indessen noch immer nicht, nur im Allgemeinen wird versichert, daß den Reichstag von kleineren Entwürfen zunächst solche beschäftigen würden, die in voriger Session keine Erledigung fanden, wie z. B die Vorlage über den neuen Servis Tarif. Von größeren Gesetz-Entwürfen find bekanntlich schon längst solche über wichtige Veränderungen und Umbildungen im Reichsheere angekündigt worden, ohne daß bis jetzt auch hierüber etwas Näheres zu erfahren gewesen wäre; außerdem sollen Vorlagen aus dem Gebiete des llnsall'Versicherungswesens zu erwarten stehen. Den eigentlichen Mittel- Punkt der Verhandlungen wird natürlich die Frage der Erneuerung des Milttär- Septennats bilden; vorläufig hüllt sich jedoch die Regierung über ihre Pläne nach dieser Richtung hin noch in vollständiges Schweigen, so daß die DiScussion der Tagespresse über „Septennat" und „Aeternat" für jetzt wohl wieder im Sande verlaufen wird. Die Ersatzwahl für den verstorbenen Abg. Ludwig Löwe im ersten Berliner Landtagswahlkreise ist auf den 11. November, der Termin für die Wahl der durch Tod, Verzug u. s. w. ausgeschiedenen Wahlmänner auf den 4. November festgesetzt worden. Bezüglich der Ersatzwahl im ersten Berliner Reichstagswahlkreise, den gleichfalls Ludwig Löwe vertrat, ist noch nichts Weiteres bekannt. Uebrigens herrscht bei allen Parteien arge Zerfahrenheit hinsichtlich der Candidatensrage und können alle bisherigen Meldungen über die rufgestelltm Candidaten als noch nicht verbürgt betrachtet werden. In dem bekannten Proceß Jhring-Berndt sind die Beklagten, Tüchler Berndt und Privatlehrer Christensen, von der Anklage, den Criminal- Schutzmann Jhring verleumdet zu haben, Seitens der Strafkammer des Berliner Landgerichtes kostenlos freigefprochen worden. Der geheimnißvolle Mr. Spencer hat sich auf der Reife von Berlin nach Wien nun doch als der englische Schatzkanzler Lord Churchill entpuppt, denn am Montag Abend ist Lord Churchill in Wien eingetroffen, wo er im „Hotel Imperial" abstieg. Der engliche Minister soll einem ihn „interviewenden" ZeitungL'Correspondenten gegenüber seinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben haben, daß von der Presse seiner nur der Erholung gewidmeten Reise eine solche Bedeutung beigelegt worden fei. Demnach wäre die Meldung der „Kreuz-Ztg.", Lord Churchill beabsichtige, auf feiner Ruckreise Berlin wieder zu besuchen und werde er hier dann als osficiells Persönlichkeit auftrelen, nicht richtig. Die Verhaftungen der Wiener Anarchisten scheinen nunmehr zum Abschluß gelangt zu fein, doch wird mit Nachrichten über das von ihnen geplante schändliche Complot — abgesehen von dem, was hierüber schon bekannt ist — von der Wiener Polizei aus begreiflichen Gründen sehr zurückgehalten. Auch die Pesther Polizei ist mit Nachforschungen nach einem beabsichtigten Verbrechen beschäftigt. Der ehemalige Kapuziner Huth soll lebensgefährliche Drohungen gegen die österreichische Kaiserfamilie ausgestoßen haben und ist in Neu- Pesth ein Individuum verhaftet worden, aus welches das Signalement des Huth paßt. In einem am Dienstag stattgefundenen französischen Ministerrathe theilte Freycinet mit, daß die Lage auf Madagaskar sich beständig bessere; Privat-Nachrichten aus Madagaskar wissen freilich das Gegentheil zu berichten. Louise Michel, die bekannte Anarchistin, ist nach mehrmonatlicher Ge« fängnißhast, die sie wegen Ausreizung zum Ausruhr verbüßte, begnadigt worden. Der canadische Fischereistreit zwischen England und Nordamerika, von dem man längere Zeit nichts mehr hörte, gewinnt plötzlich wieder ein bedrohlicheres Aussehen. Die amerikanische Fischerbarke „Marion Grünes" wurde von dem canadischm Kreuzer „Terror" beschlagnahmt, da sie in den Hasen von Shelburne eingelausen war, ohne den dortigen Zollbehörden ihre Ankunft anzu- zeigen. Der Kapitän der „Marion Grimes" erhielt eine Geldstrafe von 400 Dollars zudictirt und da er sich sehr widerspenstig zeigte, ließen die cana- bischen Behörden die amerikanische Flagge vom Mast der „Marion Grimes" entfernen; auch wurde an Bord der Barke eine bewaffnete Wache zurückgelaffen. Der amerikanische General-Consul in Halifax erstattete feiner Regierung über den Vorfall sofort Bericht. — Es sind im Lause dieses Jahres schon wiederholt amerikanische Fischerbarken in den canadischen Gewässern durch englische Kriegsschiffe ausgebracht worden, aber immer verständigte man sich schließlich zwischen London und Washington und obgleich der Fall der „Marion Grimes" ernster als die vorhergehenden ist, so erscheint doch auch hier die Hoffung auf eine Verständigung durchaus nicht ausgeschlossen. Der glänzende Erfolg Der bulgarischen Regierung bei den Wahlen zur großen Nationalversammlung, bei denen nur 20 Anhänger der Ruffenpanei durchdrangen, gegenüber 420 Anhängern der Regierung, ist der schlagendste Beweis, daß das Bulgarenvolk zu der jetzigen Regentschaft das größte Vertrauen hegt. Von dieser Thatsache wird man wohl oder übel auch in Petersburg Kenntniß nehmen müssen, denn aus dem Ausfall her Wahlen erhellt, daß weder das brutale Auftreten des Generals Kaulbars, noch alle russischen Jntriguen und Machinationen vermocht haben, die Bulgaren einzu- schüchtern und sie den Wünschen und Forderungen Rußlands gefügig zu machen. Vorerst wettert freilich die Petersburger Regierungspreffe gegen die bulgarische Regierung weiter und erklärt, Rußland betrachte nach wie vor die neue Sobranje und deren Beschlüsse für null und nichtig. Auch versuchen die Petersburger Blätter aus den Ruhestörungen in Sofia Kapital für die russische Regierung zu schlagen, indem sie aussühren, wie sehr die letzteren bewiesen, daß Rußlands Forderung, die Wahlen zu verschieben, gerechtfertigt gewesen sei; daß der verunglückte „Putsch" der Landleute in Sofia erst durch russisches Gold in's Werk gesetzt worden ist, davon will man natürlich an der Newa nichts wissen. Jedenfalls ist die Situation in Bulgarien durch den Wahlsieg der Regierung einer- und dem Seitens de« russischen Vertreters erfolgten Abbruche der osfi- ciellen Beziehungen anderseits eine recht pikante geworden und man darf gespannt sein, welchen Ton jcht die russischen Politiker gegen das „undankbare" Bulgarien anschlagen werden. In Serbien haben am Dienstag Nachwahlen zur Skupschtina stattgefunden, bei denen die Regierung« - Candidaten überall mit großer Mehrheit siegten. TriegrapWche Depesche«. WE's total«. «9wf Berlin, 14 October. Die „Nordd. Allg. Ztg." sieht in dem Ergebniß der Wahlen zur bulgarischen Sobranje einen weiteren Beweis für die Richtigkeit ihrer früheren Behauptung, daß in der Stimmung der bulgarischen Bevölkerung ein Grund zur Abreise des Prinzen von Battenberg nicht gelegen sei, die Mehrheit der Bevölkerung wurde sonst nicht für die von ihm eingesetzte, keineswegs einwandfreie Regentschaft votirt haben. Die Beantwortung der Frage, wodurch der Fürst zur Abdikation veranlaßt worden sei, lasse nur zwei Möglichkeiten zu: entweder habe der Fürst die Lage nicht erkannt und dieselbe für schlecht gehalten, während sie ihm günstig war und diese Annahme würde ungünstiges Licht auf seine staatsmännischen Fähigkeiten werfen oder sein werteres Verbleiben sei ihm unbehaglich erschienen. Zweifellos würde der Fürst wenn er ausgeharrt hätte, dem Lande wenigstens die mit Wahlen verbundenen Stürme und Erregunaen erspart haben, die, wie auch immer der Ausgang sei, einen schlimmen Einfluß auf die weitere Entwickelung Bulgariens haben müßten. Elberfeld, 14. October. Die „Elberf. Ztg." meldet: Das Barmer Gewerbe- gencht verurtheilte heute 23 strikende Buchdrucker wegen Arbeitseinstellung ohne Kündigung zum Ersatz des 14tägigen Lohnes und zu den Kosten. Düsseldorf, 14. October. In einer heute stattgehabten Versammlung von Buchdruckereibeslhern wurde beschlossen, in Strikefällen mit Contractbruch die Hilfe des Gewerbegerichts anzurufen und auf Schadenersatz zu klagen, sowie die Namen aller sinkenden, welche die Kündigungsfrist nicht eingehalten, sofort dem Vorsitzenden der ^ection mitzutheilen behufs möglichst schleunigster Bekanntgabe an die Mitglieder der Section. Ferner verpflichteten sich die anwesenden 43 Principale, keinen dieser Gehilfen wieder zu beschäftigen und bei den nichtanwesenden aus ein gleiches Verfahren hinzuwirken. Endlich beauftragte die Versammlung den Sectionsvorstand, eine wirklich allgemeine Urabstimmung der deutschen Principale über den neuen Tarif mittelst unterschriebener Stimmzettel herbeizuführen. München, 14. October. Der bayerische Minister des Auswärtigen und für Verkehrssachen, Baron Crailsheim, ist heute Abend um 6 Uhr 55 Min. nach Frankfurt a. 9)L zur Einweihung des neuen Hafens abgereist. Wien, 14. October. Meldung der „Polit. Corr." aus Sofia: Die bulgarische Regierung beantwortete die russische Note betreffs Ungiltigkeit der Wahlen unter Hinweis auf die unter der Aegide eines russischen Commissars ausgearbeitete bulgarische Verfassung, nach welcher die Sobranje der ausschließliche Richter über die Giltigkeit der Wahlen sei. o/a Wien, 14- October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 8/2, Pesth 25/16 Personen. _ . Bafel, 14. October. Nachdem die Commission des Nationalraths mit 8 gegen 3 stimmen im Princip sich für das Alkoholmonopol erklärt hat, ist heute zwischen den Anhängern der Fabrikatsteuer und des Verkaufsmonopols ein Kompromiß erfolgt, nach welchem der Import, die Fabrikation und die Reinigung des Sprits Sache des Bundes sein solle. Für die Abfindung der Brenner und Kartoffelproducenten sind geeignete Maßregeln in Aussicht genommen. Paris, 14. October. Anläßlich der englischen Zeitungsartikel, die sich den Anschein geben, an die Eventualität eines französisch-deutschen Kriegs zu glauben, con- statirt „Liberte", es gäbe augenblicklich keine Frage zwischen Frankreich und Deutschland, die irgendwelche Schwierigkeit herbeiführen könne, während mehrere Fragen existirten, wo die Interessen und Ansichten beider Länder nach der Natur der in Frage steheuden Dinge einander sich näherten. Frankreich dürfe sich nicht präokkupiren lassen durch Nathschläge Londoner Blätter, die auf unbegründeter Voraussetzung beruhten. Der Versuch englischer Blätter, die eingeschläferten nationalen Leidenschaften zwischen Deutschland und Frankreich wieder zu erweitern, sei ein Manöver im englichen Interesse, das den Samen der Uneinigkeit zwischen Frankreich und den Großmächten aus- ftreuen solle. — Freycinet wies den Gesandten in Peking telegraphisch an, Verhandlungen über mehrere Punkte des Handelsvertrags, namentlich betreffs der Opium - Frage, einzuleiten. London, 14. October. Der britische Viceconsul in Rustschuk zeigte der Re- gierung an, die Nachricht, bei einer öffentlichen Versammlung in Rustschuk sei eine Depesche des Fürsten Alexander verlesen worden, wonach derselbe erklärt, wenn er wiedergewählt werde, wolle er nach Bulgarien zurückkehren, sei unbegründet, ebenso die Behauptung, der englische Consul habe gerathen, den Forderungen Rußlands Widerstand zu leisten. Es hat keinerlei derartige Versammlung stattgefunden, die angebliche Depesche des Fürsten Alexander sei reine Erfindung. . — Die Admiralität beschloß, behufs besseren Schutzes der Flscherboote tn der Nordsee das Kriegsschiff „Hearty" dorthin zu entsenden. Der Commandaut wird voraussichtlich auch die Aussicht über bte zum Schutze der Fischerboote tn der Nordsee befindlichen Kreuzer haben. , , - r _ . Ma-ri-, 14. October. Das Ministerium beschloß, den Belagerungszustand orgera-b/»14. October. Der Bahn - Oberinspector Pettkovic reiste nach Konstantinopel ab zur Berathung über eine Lereinigungs- und Grenzstation der serbisch- lürkischen Bahn bei Vranja._______________________________ Lokales. Gießen, 14. October. Indem wir uns veranlaßt fühlen, kurz über den gestrigen Vortrag des Herrn Oscar Zack in der Aula des Gymnasiums zu berichten, müssen wir zuerst die ungemein reiche Betheiligung besonders von Seiten unserer Damen als ein erfreuliches Zeichen gelten lassen und gleichzeitig constatiren, daß das Interesse, welches unser besseres Publikum derartigen Vorträgen entgegenbringt, immer ein reges und umfassendes ist. c , Shakespeare's „Kaufmann von Venedig" eröffnete den Cyclus und wurde uns mit allen seinen farbenreichen Characteren wahrheitsgetreu vorgeführt, was bei den Schwierigkeiten des Werkes um so höher anzuerkennen ist. Wenn sich auch die ganze Handlung um den in seiner Art teuflischen Juden Shylock dreht und die Rolle als einzig hervorragend erscheinen läßt, so sind doch noch eine ganze Anzahl theils wichtiger, theils ganz episodisch austretender Personen vorhanden, welche an den Vortragenden immerhin bedeutende Anforderungen stellen und diesen Anforderungen gerecht zu werden, erfordert das eingehendste Studium, welches bei dem Vortrage des Herrn O Zack in keiner Weise zu verkennen war; obgleich derselbe sein Haupt-Augenmerk wohl auf die glänzende Durchführung des Juden gerichtet hatte; denn diese konnte in der Thal als vollendet gelten vom verhaltenen Groll, gepaart mit teuflischer Freude über die Verluste des Kaufmanns bis zu den höchsten Schmerzensausbrüchen über seine eigenen verlorenen Güter. Neben ihm nahmen sich der gedankenvolle, ergebene Kaufmann und die frische kräftige Rede Bassanios recht gut aus und bei den Episoden zeugte die Scene der beiden Gobbo von seinem Verständniß für die Shakespeare'sche Sprache. Durch die Modulationsfähigkeit des Organs gelang es dem Vortragenden auch, den Ton für die edle Porzia und für die schwatzhafte Nerissa zu treffen. w. b Gießen, 15. October. Die Ruder-Gesellschaft wird ihre diesjährigen Wintervergnügungen nächsten Sonntag mit einem Herrenabend im „Einhorn" eröffnen. Bei der Beliebtheit, deren sich stets die Festlichkeiten des Clubs von Seiten der Mitglieder zu erfreuen haben, dürfte sich auch dieses erste Rendez-vous der Wintersaison zu einem gut besuchten gestalten. Die projectirte Syloesterfeier und das 10jährige Stiftungsfest werden dann den Schluß der Saison bilden. Gießen, 15. October. Ein Dienstmädchen, welches seine Herrschaft, sowie ein anderes Dienstmädchen bestohlen, wurde gestern Abend beigesteckt. --- Gießen, 15. October. Ein seltener Genuß steht Naturfreunden künftigen Sonntag bevor. Herr H. Heyne aus Leipzig wird, wie in früheren Jahren, eine große Sammlung von in- und ausländischen Schmetterlingen und Käfern im Saale des HLtel Einhorn zur Ansicht und zum Einzeloerkauf ausstellen. Der Besuch der Ausstellung ist kostenstei und möchten wir nicht verfehlen, Sammler und Naturfreunde aus diese interessante und reichhaltige Sammlung aufmerksam zu machen. — Auf die Samstag und Sonntag in Stein's Garten stattfindenden antispiritistischen Vorstellungen des Herrn Chambly, welche in anderen Städten mit vielem Beifall ausgenommen wurden, wollen wir Interessenten hiermit noch besonders aufmerksam machen. vermischtes. Lich, 14. October. In der heute hier tagenden sehr zahlreich besuchten Generalversammlung des landwirth schaftlichen Bezirks-Vereins Gießen hielt Herr Hofgärtner R. Noack aus Darmstadt einen eingehenden, sehr interessanten Vortrag über Obstverwerthung (Verwerthung des Obstes zu Obstwein, zum Dörren, als Tafelobst, zur Bereitung von Latwerge, Essig rc.), wobei Redner namentlich heroorhob, daß schon beim Pflanzen der Bäume durch Auswahl der geeigneten Sorten auf die künftige Verwerthung des Obstes Rücksicht zu nehmen sei. Vor Allem dürften auch nicht zu viele Sorten durcheinander angepflanzt werden. In der Versammlung wurde weiter ein Dörrofen aus der Fabrik von Röder in Darmstadt in Betrieb gesetzt und von einem Werkführer der Fabrik erklärt. Der Ofen eignet sich nicht nur zum Dörren von Obst, sondern auch zum Trocknen von Gemüse, Kartoffeln rc. Der Ofen, welcher sammt dazu gehöriger Schälmaschine allgemeinen Beifall fand, wurde vom landwirthschaftlichen Bezirksvereine angekauft und sofort unter die Anwesenden verloost. Der Gewinner war Philipp Christian Heller II. in Lich. Schließlich besichtigte die Versammlung noch die schöne Fürstliche Baumschule unter der freundlichen Führung des Herrn Hofgärtners Junker. Darmstadt, 10. October. Betreffs der neuen Organisation der landwtrth- schaftlichen Vereine im Großherzogthum hat die Commission der Großh. Centralstelle eine Reihe von Vorschlägen gemacht, denen wir folgendes Wesentliche entnehmen: Für jede Provinz besteht ein landwirthschaftlicher Provinzialverein , bestehend aus Land- wirthen und Freunden der Landwirthschaft, welche freiwillig diesem Vereine beitreten. Die Provinzialvereine bilden Sectionen und Ortsvereine, die Ortsoereine sollen möglichst mit den derzeitigen Bürgermeistereien zusammenfallen. Jeder Provinzialverein hat seine besonderen Statuten behufs Gliederung in Sectionen rc. rc. und muß einen ständigen Secretär anstellen. Als Vertretung der gejammten Landwirthschaft treibenden Bevölkerung des Großherzogthums wird ein landwirthschaftlicher Landesausschuß gebildet, bestehend aus den 3 Präsidenten, der Provinzialvereine und je 3 von icoem Provinzialausschuß, sowie 3 von den Genossenschaften zu wählenden Mitgliedern. Der Landesausfchuß wählt seinen Präsidenten selbst, desgleichen bestellt er einen Secretär. Die Kosten des Landesausschusses werden auf die Provinzialvereine und die Genofsen- schaften nach dem Verhältniß ihrer Vertretung ausgeschlagen. Die gemeinsamen Statuten sollen lediglich das enthalten, was zur Zusammenfassung der Vereine zu einer Landesvertretung erforderlich ist. Alles andere soll den Einzelvereinen durch besondere Statuten zu regeln überlassen bleiben, wie es ihnen ihrem besonderen Interesse am angemessensten erscheint. In den vorgeschlagenen gemeinsamen Statuten wird als Zweck der Vereine die Vertretung der Interessen der Landwirthschaft treibenden Bevölkerung des Großherzogthums in jeder Beziehung und die Verbesserung des land- wirthschaftlichen Betriebs und der landwirthschaftlichen Gewerbe angegeben. Mindestens alle 5 Jahre soll eine Generalversammlung aller landwirthschaftlichen Vereine des Landes stattfinden, welche auf Beschluß des Landesausschusses von dessen Vorsitzenden berufen und geleitet wird. Die Kosten, welche durch den Landesausfchuß erwachsen, werden als geringfügig dargestellt. Kempten, 11. October. Auf eine wirklich ergötzliche Art und Weise wurde ein hiesiger Uhrmacher, Namens F. Schwärzler, von der Schwäbischen Kreisausstellung in Augsburg prämiirt. Demselben wurde nach der officiellen Prämiirungsliste „für einen Regulator mit lobenswerthem selbftthätigem Aufzugsmechanismus" eine broncene Medaille zuerkannt. Am meisten dürfte Herr Schwärzler selbst von dieser Auszeichnung überrascht gewesen sein, denn wohl hatte er s. Z. einen derartigen Regulator zur Ausstellung angemeldet, da er aber an dem von ihm erfundenen neuen Uhrwerk eine noch größere Vereinfachung des Mechanismus, auf die er erst später gekommen war, noch anbringen wollte, so wurde er mit der Herstellung seines Regulators nicht mehr rechtzeitig fertig und konnte denselben daher auch nicht ausstellen. Herr Schwärzler wurde somit für einen Gegenstand mit der broncenen Medaille prämiirt, den er zwar angemeldet, aber den er gar nicht ausgestellt hatte und der daher auch der betreffenden Prämiirungs-Commission gar nicht zu Gesicht kam und auch nicht kommen konnte. Angesichts dieses neuen luftigen Beitrags zum Kapitel von dem bei den Ausstellungen gehandhabten Prämiirungswesen muß man die Frage stellen: Wenn Herr Schwärzler schon für einen nicht ausgestellten Gegenstand die höchste Auszeichnung der Augsburger Kreisausstellung — die broncene Medaille — zuerkannt wurde, welche Auszeichnung hätte ihm erst verliehen werden müssen, wenn er den angemeldeten Gegenstand auch wirklich ausgestellt hätte? Kirchliche Anzeigen der Stadt Gretzen Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 16. Oktober. Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dr. Naumann. 17. Sonntag nach Trinitatis, 17. Oktober. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schlosser. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 3 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Kinderkirche, Vormittags 11V» Uhr: Pfarrer Schlosser. Montag, den 18. Oktober, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder- schule, Markus, Kap. 1, von Vers 14 an, Pfarrer Dr. Naumann. Am Sonntag, den 24. Oktober, wird das Ernte-Dankfest gefeiert werden; die an diesem Tage nach beiden Gottesdiensten zu erhebende Kollekte ist für unseren Kirchenbaufonds bestimmt. Vom Ernte-Dankfest-Sonntag an beginnt der Nachmittagsgottesdienst wieder um 5 Uhr. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 17. bis 23. Oktober besorgt Pfarrer Schlosser. Katholische Gemeinde. 18. Sonntag nach Pfingsten. Von 7 Uhr an Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. „ V»10 Uhr: Hochamt und Predigt. „ 2 Uhr: Andacht. Gummi Regenröcke, Gummi-Patent-Wäsche, Gummi-Gamaschen, Gummi-Hosenträger empfiehlt 7315 ___H. Rübfamerr. 7309 Ein Haus an der Hauptstraße, in guter Geschäftslage, mit neuem Laden, billig bei 3000 JL Anzahlung zu versaufen. Dasselbe eignet sich vorzugsweise für einen Geschäftsmann, der neben dem Laden ein schönes helles Parterrezimmer als Werkstatt oder dergleichen bedarf. Osfi sub Nr. 99 bef. die Exped. d- Bl. 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Giessener Ruder-Gesellscöafl Sonntag den 17. October, Abends 8 Uhr: Herrenabend im Einhorn. Hierzu beehren wir uns die verehrt, activen und vassiven Herren freundlichst einzuladen. 7324 Der Vorstand. Stein’s Garten (im grossen Saale) Samstag -en 16. und Sonntag den 17. Gctbr: Große wissenschaftliche, antispiritistische und fantastisch-magtsche Vorstellung, dargestellt von dem berühmten Royal-Illusionisten und Antispiritisten El-lVIaraphet Cliambly (J. J. B. W ). Unerreicht in seinen Manifestationen. Entlarvung der spiritistischen Medien Dr. Slade, Förster, Monsfeld, Hollis, Wilson, Bastian, Gründel, Gebr. Davenport und Gebr. Edly. Großer Erfolg. Die Geifterkammer der spiritistischen Medien. Preise der Plätze: 1. Platz 1 2. Platz 50 Gallerte 25 — Im Vorverkauf bei Herrn G. Gerhard, Lindenplatz, 1. Platz 75 Kassen^Eröffnung V28 Uhr. Anfang 8 Uhr. 7312 Henry Blanchard, Advance-Agent. k^EÄNCE MY5TERfEU-si\| jp RO F ESSE U R,CHAM 61-'Y•] Zur Feier des VII. Sliftun^sresles im Saale des Cafe Leib Samstag den 23. October: Hall. Anfang 8 Uhr. GX Sonntag den 24. October: Concert Ensemble-Vorträge auf 16 Instrumenten Anfang 8 Uhr. Eintrittskarten zum Balle sind ä Jt. 1.— bei den Herren Daniel Heil, Lindenplatz, und Friseur Stier, Schulstraße, zu haben. An der Kaffe JL 1.50. 7314 Eintrittskarten zum Eoneert ä 30 H. NB. Nur Damen, welche mit Einladungskarten versehen sind, haben die Berechtigung zum Ball. Anmeldungen für das Winterhalbjahr finden zu obigen Festlichkeiten noch Berücksichtigung.Der Vorstand. 728 t Ein Schreinergeselle findet dauernde Beschäftigung bei Heinrich Henkelmann, Lollar. 7334 Ein Dienstmädchen gesucht. Bleichstraße 5, parterre. 7320 Ein gut empfohlenes Mädchen sucht Stelle. Näheres Sonnenstraße 1. Herren., BSanien- ei. Kinderwäselie empfehlen zu äußerst billigen Preisen GescdMister Räuber, 7185 Ecke der Weidengasse. Unterlagestoff, GuMwi-Tischdecken, Spindborde u. s. w. in Prima-Waare empfiehlt billigst Heinrich Wallach.. Danksagung Juliane Die trauernden Hinterbliebenen. 7307 Allen Denen, welche unserer unvergesslichen Mutter bei der Beerdigung die letzte Ehre erwiesen, sowie für die Blumcnspenden, sprechen wir hiermit unsern tiefgefühltesten Dank aus. Ncdaclion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Vrühl'scheu *)vuücixi uije. Piel,ch) iu u>.