sr*. LZ. Samstag den 16. Januar 1866 icßtwr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. »*”->« - Sch»lftr°ß- 7.scheint tä«ttch mit IM"*" Mo»t«gtz. fflWl TMMmaMgMMMBggCIlgJIMWma’BflfcnCtf WfWMgnWFnriMataffnWff* MWT«aütg)aau AvJO Amtlicher HHeil. Bekanntmachung. Bei der am 14. d. M. vorgenommenen Wahl sind zu Mitgliedern des Vorstandes der israel. Religionsgemeinde dahier gewählt worden: Herr Siegmund Heichelheim, „ Maier Homberger und „ Aron Stern. Es wird dies mit dem Anfügen öffentlich bekannt gemacht, daß während 3 Tagen, nämlich den 16., 18. und 19. d. Mts. das Wahlprotokoll mit allen Anlagen auf dem Bureau des 1. Vorstehers, Herrn Maier Homberger dahier, offengelegt sein wird, und daß während der unerstrecklichen Frist dieser drei Tage jeder Stimmberechtigte, sowie die Gewählten von dem Wahlprorokoll und dessen Anlagen Einsicht nehmen und Einwendungen gegen die Wahl oder gegen die Gewählten, bezw. Ablehnungen der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses bei Großherzoglichem Kreisamt Gießen vorbringen kann- Gießen, am 15. Januar 1886. Der Wahl-Commissär: R ö m h e l d, Regierungs-Affessor. Deutschland. Darmstadt, 14. Januar. Zu dem Anträge des Abg. Haas, die hessische Regierung möge bei der Reichsregierung dahin wirken, daß behufs wirksamerer Verhütung von Wahlbeeinfluffungen den §§ 108 und 109 eine präci- sere Fassung gegeben werde, hat die Regierung erklärt, sie sei bereit, in diesem Sinne zu wirken, sobald sich ein Zusammenhang mit anderen, die Revision des Gesetzes betreffenden Fragen hierzu Gelegenheit biete. Der vierte Ausschuß zweiter Kammer steht auf demselben Standpunkt. (Reue Hess. Volksbl.) Berlin, 13. Januar. Die Nachricht, daß von der Gründung einer eigenen Akademie für morgenländische Sprachen schon in dem nächsten Staatshaushalts-Etat die Rede sein werbe, dürfte die Einschränkung erfahren, daß die neue Einrichtung mit der Universität in Verbindung gebracht werde. In dieser Verbindung wird es sich wohl um ein Seminar handeln, wie dies bereits für so viele Zweige besteht. Die Akademie der Wissenschaften zählt ja auch die dabei in Betracht kommenden Forscher zu ihren Mitgliedern. In den nächsten Tagen wird man ja genau über die etwaige Neuerung unterrichtet sein. In dem Unterrichtsministerium ist einer der Vortragenden Räthe, Geh. Ober-Regie- rungsrath Dr. Bonitz, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. AranLreich. Paris, 14. Januar. Präsident Gröyy unterzeichnete heute die Dekrete, welche alle Diejenigen begnadigen, die seit 1870 wegen politischer Verbrechen und Vergehen verurtheilt worden sind und gegenwärtig noch ihre Strafe verbüßen, und welche einer Anzahl Anderer, die nach dem gemeinen Strafrecht zu Strafen verurtheilt wurden, Strafermäßigungen bewilligen. Spanien. Madrid, 14. Januar. Berichten aus Saragossa zufolge wurden dort mehrere Anhänger Zorilla's, darunter ein Generalrath und zwei Municipal- beamle, verhaftet. Auch in Sevilla sollen einige Verhaftungen vorgenommen worden sein. — Es heißt, demnächst würde Rascon zum Gesandten in Rom, Mazo für London, Rances für Washington und Crespo für Konstantinopel ernannt werde«. Serbien. Belgrad, 14. Januar. Gestern sind bei Sukoomost 2541 gefangene bulgarische Soldaten und ein bulgarischer Officier gegen 1073 Serben ausgewechselt worden, lieber eine Auswechselung der Gefangenen bei Bregovo liegt r.och keinerlei Nachricht vor. Amerika. Washington, 14. Januar. Im Senat beantragte Jngalls die Annahme einer Resolution, nach welcher die Ausprägung von Silbermünzen fortzusetzen sei, bis der Betrag 500 Millionen geprägter Dollars erreicht. Reichstag. E. E. Berlin, 14. Januar 1886. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Berathung des vom Abg. Ausfeld und Genossen eingebrachten Entwurfs betreffend Abänderung des Zolltarifs. Der Entwurf bestimmt, folgende Abänderung einzufügen: „Unmittelbare Umschließungen (Fässer, Flaschen, Kruken u. dgl.) zollpflichtiger Flüssigkeiten bleiben vom Eingangszoll frei, wenn ihr Gewicht in das für die Verzollung der Flüssigkeiten ermittelte Gewicht eingerechnet ist." Abg. Broemel (dfr.) erinnert daran, daß es bisher stets Gebrauch gewesen, den bestehenden Petroleumzoll für das Bruttogewicht des Petroleums gelten zu lassen, während jetzt nach Anschauung des Bundesraths das Nettogewicht gelten soll. Dagegen richtet sich der vorliegende Antrag. E-in so complicirtes System muß Mißstimmung schaffen; es handelt sich nicht um eine zollpolitische, sondern um eine rechtliche Frage. (Beifall links.) Abg. Struckmann (natlib.): Der Tisch des Bundesrathes ist leer; warum vertheidigt man sich denn nicht gegen den ihn erhobenen Vorwurf; das kann doch die gegenseitigen Beziehungen nicht freundlicher machen. Wir müssen doch hören, welche reale, rechtliche Grundlage der Bundesrath für seine Entschließung zu haben glaubt. Bundesrath hat erklärt, trotzdem das Petroleum nur 6 au Zoll trägt, es soll eine Nachzahlung eintreten, wenn der Stoff der Umhüllung an und für sich einen höheren Zoll trägt, als das Petroleum. Das Faß wird also erst als Petroleum und dann als Holz versteuert. Der vorliegende Antrag scheint mir nicht geeignet, aber die Regierung sollte ihre Verfügung -urücknehmen. Jedenfalls wird eine genaue Prüfung in einer Commission nöthig sein. Abg. v. Schalcha ((Str.): Da meine Partei am Meisten zu der Einführung des neuen Zolltarifs beigetragen, müssen wir auch dafür sorgen, daß das Publikum nicht durch unnütze Zollplackercien behelligt wird. Ich stimme dem Abg. Broemel vollkommen bei. Abg. Dr. Barth (dfr.): Das Fehlen des Bundesraths in einer Sache, die selbst von den Vätern des Zolltarifs getadelt wird, ist doch sehr befremdend. Das beweist mir, daß eben kein Mitglied da ist, den Vorgang gutzuheißen, (Sehr richtig! links.) Der Antrag wird einer Commission von 14 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die erste Bcrathung des vom Abg. Ausfeld und Genossen gestellten Antrages, betreffend die Zulassung des Rechtsweges bei Zollst r e i t i g k e i t e n. Abg. Dr. Meyer-Halle (freis.): Auch jetzt bleibt der Bundesrath unsichtbar. Wir werden solche Materien künftig bei Gelegenheiten besprechen, wo uns der Bundcs- rath nicht entwischen kann. (Heiterkeit.) Die Eröffnung des Rechtswegs muß uns offen bleiben, denn oft handelt es sich bei den Beschlüssen des Bundesraths nicht immer um das Faß, sondern oft auch um das — nefas. (Große Heiterkeit.^ Die Gründe gegen diesen Antrag sind im vorigen Jahre dahin angegeben, daß es die maßgebenden Gewalten verschieben würde, daß es eine unerhörte Neuerung sei und dann seien die Zollstreitigkeiten zu delikater Natur, um sie den Gerichten anzuvertrauen. Es handelt sich hier um keine neue Einrichtung, sondern um einen Schritt vorwärts. Ein Jurist kann Zollsachen sehr gut beurtheilen, sagte doch schon Kaiser Justinian: Jurisprudentia est divinarum et humanarum rerum notitia, also doch auch die Erkenntniß der Zolldinge^ die ja doch göttlicher oder menschlicher Natur sein müssen, — denn sonst wären sie ja des Teufels. (Große Heiterkeit^ Eine Steuerbehörde z. B. hat Menschenzähne als Bauholz, künstliche Zähne als Bleistifte rubricirt. (Heiterkeit.) Unser Verlangen ist keine Umsturzidee, sondern Ausbau des Rechtsstaates. Abg. Rinteln (Ctr.) führt aus, daß über die Nichtigkeit der Anwendung einzelner Zollsätze der Richter nicht werde entscheiden können. Redner stellt einen Antrag in Aussicht, wonach auch bei Zollstreitigkeiten dieselben Grundsätze gelten sollen, wie bei Stempelsteuersragen. Abg. Klemm (ks.) erklärt sich gegen den Antrag, da der Richter nicht mit technischen Fragen behelligt^ werden dürfe; eine einheitliche Regelung der Frage sei sehr zu wünschen. Abg. Struckmann^will die Erledigung von Zollstreitigkeiten den Verwaltungsgerichten übertragen. Abg. Lenzmann hält die Bedenken des Abg. Klemm nicht für ausreichend und hofft, daß die Materie in der Commission eine geeignete Regelung finden wird. Der Antrag geht an die bei dem ersten Gegenstände der heutigen Tagesordnung beschlossene Commission. In der morgigen Sitzung werden die von verschiedenen Parteien eingebrachten Resolutionen zu der polnischen Interpellation wegen der Ausweisungen zur Besprechung gelangen, trotzdem der Präsident, sowie die Conservativen und Nationalliberalen sich gegen diese Tagesordnung erklärten. Berlin, 14. Januar. (Landtagseröffnung). Der Kaiser, von den Prinzen gefolgt, wurde beim Eintritt mit einem dreimaligen enthusiastischen Hoch begrüßt, verneigte sich dankend und ging festen Schrittes zum Thron und verlas mit lauter Stimme den Eingang der Thronrede: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages! Indem ich Sie am Eingänge einer neuen Legislaturperiode willkommen heiße, ist es meinem Herzen Bedürfniß, von dieser Stelle aus nochmals meinem Volke meinen königlichen Dank zu sagen für den einmüthigen und erhebenden Ausdruck der Liebe und Anhänglichkeit, der mir zu dem Tage entgegengebracht wurde, an welchem ich auf die fünfundzwanzigjährige Dauer einer durch Gottes Gnade nach innen und außen reich gesegneten Regierung zurückblicken konnte. Zu gleicher Befriedigung hat es mir gereicht, daß bei dieser Gelegenheit auch außerhalb der Grenzen des Vaterlandes ein Maß von wohlwollender Theilnahme an unserer Feier zu Tage getreten ist, welches den freundschaftlichen Beziehungen des Reiches zu allen auswärtigen Regierungen und meinem vollen Vertrauen auf die gesickerte Fortdauer des Friedens entspricht. Im Uebrigen will ich hiermit den Präsidenten meines Staatsministeriums beauftragen, Ihnen weitere Mittheilungen über die Lage des Staatshaushalts und über die auf dem Gebiete der Gesetzgebung an Sie heranttetenden Aufgaben zu machen. Der Minister-Präsident verliest die folgenden Mittheilungen: Die Finanzlage des Staates hat sich gegen das vorige Jahr, wo ihre Unzulänglichkeit angesichts einer nothwendigen Erhöhung der Matrikularbeiträge sich in erheblichem Maße geltend machte, wieder günstiger gestaltet. Das letzte abgeschlossene Rechnungsjahr zeigt auf fast allen wichtigeren Verwaltungsgebieten erfreuliche finanzielle Ergebnisse. Wenn dasselbe gleichwohl keinen für das kommende Etatsjahr verfügbaren Ueberschuß hinterlassen hat, so ist dies die Folge der gesetzlichen Vorschriften über die Verwendung der Jahresüberschüsse der Eisenbahnverwaltung, nach welchen der beträchtliche, über die Voranschläge erzielte Ueberschuß des Jahres auch in der Rechnung eben dieses Jahres zu entsprechender Mehrtilgung der Staatseisenbahnschuld hat in Ausgabe gestellt werden müssen. Von dem laufenden Jahre sind nach den bisherigen Wahrnehmungen ganz so günstige Ergebnisse nicht zu erwarten, insbesondere wird der Ueber- schuß der Eisenbahnverwaltung unter dem Einfluß einer verminderten Verkehrsentwickelung den Voranschlag vielleicht nicht voll erreichen. Dessenungeachtet erscheint die Hoffnung berechtigt, daß das Gesammt-Ergebniß auch des lausenden Jahres kein ungünstiges sein werde. Für das nächste Jahr fällt in's Gewicht, daß inzwischen durch die gesetzliche Uebcrweisung von Zollerträgen an die Kommunalverbände und durch die Pensionirung der Lehrer an den Volksschulen die ersten Schritte gethan sind zur Befriedigung der auf dem Gebiete der Kommunal- und Schullasten seit Jahren hervor- tretenen Bedürfnisse, für welche aus den bisherigen Einnahmequellen des Staates die erforderlichen Mittel weder zu beschaffen waren noch in Aussicht stehen. Die Mehrausgaben in Folge jener beiden Gesetze nehmen die Mehreinnahmen, welche der Staatskasse inzwischen durch die Neichsgesetzgebung neu zugeführt worden sind, zum größeren Theile in Anspruch, während der Reichshaushalt eine erneute Steigerung der Matri- kularbeiträge für das nächste Jahr vorzusehen nöthigt. Unter diesen Umständen können auch die größeren Ucberschüsse, an welche bei den meisten Betriebsverwaltungen des Staates nach den sorgfältig aufgestellten Voranschlägen wiederum zu rechnen sein wird, und die beträchtliche Erleichterung der Zinslast des Staates, welche durch die Umwandlung bisher höher verzinslicher Schulden in vierprocentige gesichert ist, bei aller Sparsamkeit und Beschränkung in der Berücksichtigung neuer Bedürfnisse nicht hinreichen, um das Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben im nächstjährigen Staatshaushalts-Etat herzustehen. Es wird daher, wenn auch in geringerem Umfange, wie für das laufende Jahr, abermals der Staatskredit zur Deckung des Fehlenden in Anspruch zu nehmen sein. Die Regierung hat hierin und in der Ueberzeugung, daß es bei den geringen Anfängen einer Erleichterung des Druckes der Kommunal- und Schullasten und dem Aufschübe der Verbesserung der Beamtenbcsoldungen nicht etwa sein Bewenden haben kann, erneuten Anlaß gefunden, auf die Weiterführung der Reichssteuerreform hinzuwirken. Insbesondere hat sie sich angelegen sein lassen, reichsgesetzliche Bestimmungen zur Einführung des Branntweinmonopols vorzubereiten und zu beantragen, von deren Annahme sie ausreichende Erträgnisse zur Befriedigung der dringenden Bedürfnisse in Staat und Reich und günstige Folgen für Moral und Gesundheit erhofft. Die Entwürfe des Staatshaushaltsetats für das nächste Jahr und eines Gesetzes wegen Aufnahme einer Anleihe zur Ergänzung der nächstjährigen Einnahmen des Staates werden Ihnen alsbald vorgelegt werden. Auf dem Gebiete der industriellen Thätigkeit macht sich in einzelnen Betriebszweigen eine Stockung des Absatzes bemerkbar. Diese Erscheinung läßt sich auf eine durch die bisherigen günstigen Erfolge der gewerblichen Arbeit angeregte Steigerung der Betriebsamkeit und auf den Wunsch zurückführen, dem deutschen Fabrikat im Wettbewerb mit den konkurrirenden Industriestaaten den Vorsprung zu sichern. Eine Abhülfe hiergegen liegt außerhalb des Bereichs unserer Gesetzgebung. Rur die Zurückführung unserer Produktion auf das Maß des Bedürfnisses wird die ungünstigen wirthschaftlichen Folgen fernzuhaltcn vermögen, welche eine Anhäufung nicht absatzfähiger Erzeugnisse nach sich zieht. Die erfreulichen Ergebnisse unserer Eisenbahnpolitik gestatten, Ihnen auch in diesem Jahre die Herstellung einer Reihe von Schienenverbindungen in verschiedenen Thcilen des Landes vorzuschlagen, durch welche wichtige Verkehrsgebiete erschlossen und erhöhter wirthschaftlicher Entwickelung entgegengeführt werden sollen. Von der Fürsorge für die Förderung der Binnenschifffahrt wird neben den weiteren beträchtlichen Forderungen für Stromregulirungen mit) Schifffahrtsanlagen in dem Staatshaushaltsetat eine Vorlage Zeugniß ablegen, welche die im Jahre 1883 ohne Erfolg vorgeschlagene Anlage eines Kanals von Dortmund nach den Ems-Häfen unter zweckmäßiger Erweiterung des Projektes und zugleich den dem gegenwärtigen Verkehrsbedürfniß entsprechenden Ausbau der Wasserstraße von der mittleren Oder nach Berlin bezweckt. Nachdem in Folge der jüngst ergangenen Kreis- und Provinzial-Ordnungen die Einführung der Verwaltungsreform sich in der Provinz Hannover in erwünschter Weise vollzogen hat und für die Provinz Hessen-Nassau in nahe Aussicht gerückt ist, bleibt die Vollendung des in seinen Grundzügen gesicherten und bewährten Reformwerks für noch vier Provinzen der Monarchie eine wichtige Aufgabe der Gesetzgebung. Zu diesem Behufe ist zunächst der Entwurf einer Kreis- und Proviuzial-Ordnung für Westfalen ausgearbeitet worden, welcher Ihrer verfassungsmäßigen Beschlußnahmc unterbreitet werden wird. Das Zurückdrängen des deutschen Elements durch das polnische in einigen östlichen Provinzen legt der Regierung die Pflicht auf, Maßregeln zu treffen, welche den Bestand und die Entwickelung der deutschen Bevölkerung sicher zu stellen geeignet sind. Die zu diesem Zweck in Arbeit befindlichen Vorlagen werden Ihnen seiner Zeit zugehen Der Kaiser empfing die^Thronrcde sodann von Bismarck zurück und verlas den Schluß: Geehrte Herren! Sic ersehen aus dem Verlesenen, daß der Landesvertretung wiederum ein ausgedehntes Feld wichtiger Thätigkeit eröffnet ist. Ich hoffe, daß Ihre Arbeit auf dem- selben sich auch in diesem Jahre zu einer fruchtbringenden und unter Gottes Segen für die Wohlfahrt des Landes förderlichen gestalten werde. Fürst Bismarck erklärte sodann den Landtag auf Befehl Sr. Majestät des Königs für eröffnet. Der Kaiser verließ den Saal unter abermaligem dreifachen Hoch. Das Abgeordnetenhaus wurde um ls/4 Uhr mit einem dreimaligen Kaiserhoch durch den Alterspräsidenten Lessing eröffnet. Der Letztere berief provisorische Schriftführer, ordnete die Verloosung der Mitglieder in Abtheilungen an und setzte die nächste Sitzung auf Sonnabend zwei Uhr fest. Präsidentenwahl. Im Herrenhause brachte der bisherige Präsident Herzog v. Ratibor, nachdem er des Regierungsjubiläums des Königs gedacht hatte, ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät aus. Auf Antrag Kleist-Rctzow's wurde das bisherige Präsidium per Acclamation wiedergewählt, ebenso die Schriftführer. Telegraphische Depeschen. Wolff'- tellegr. Correfporrderrz-Brrreav. Berlin, 14. Januar. Der Bundesrath überwies die Branntweinmonopol- Vorlage an die Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, Handel, Verkehr und Justizwesen. — Gegenüber den Newyorker sensationellen Nachrichten, wonach Deutschland ■Don Samoa Besitz ergriffen hätte, ist wiederholt zu bemerken, daß davon gar keine Rede sei, daß es sich nur um Wiederherstellung einer oom König Maliotoa widerrechtlich rückgängig gemachten Pfandnahme handeln kann. Essen, 14. Januar. Nach der „Rh.-Westf. Ztg." blieben bei einer Explosion auf der Zeche „Neuiserlohn" bei Langendreer 4 Bergleute todt, 1 Bergmann wurde schwer, 2 wurden leicht verwundet. Aachen, 14. Januar. Die Leichen sämmtlicher seit dem Brande der Kayser u. Biesing'schen Fabrik vermißten 17 Personen sind heute auf der Brandstelle gefunden worden. Die feierliche Beerdigung derselben erfolgt auf städtische Kosten. Leipzig, 14. Januar. Nach Meldung der „Leipziger Zeitung" ist der erste Staatsanwalt Galli (Göttingen) in Folge des Tedes des Ober-Reichs-Anwalts von Seckendorf als Hilfsarbeiter der Staatsanwaltschaft an das Reichsgericht einberufen. — Dem Schauspieler Friedrich Haase wurden bei seinein heutigen Auftreten im Stadttheater anläßlich seines 40jährigen Schauspieler-Jubiläums durch Hervorrufe und Ueberreichung von Lorbeerkränzen fast ununterbrochen Ovationen dargebracht. Nach dem Schlüsse der Vorstellung fand eine Feier Seitens des Schauspiel - Personals und darauf ein Festbanket statt. Paris. 14. Januar. Die Botschaft des Präsidenten wird heute Nachmittag um 4l/r Uhr verlesen. — Der Senat wählte mit 149 von 173 abgegebenen Stimmen Leroyer zum Präsidenten. PariS, 14. Januar. Präsident Grevy spricht in seiner Botschaft den Dank für seine Wiederwahl aus, wodurch das Land allem Anscheine nach den Wunsch ausdrücken wollte, die Stetigkeit der Regierung zu sichern. Die Republik sei angesichts der Spaltung und Ohnmacht der Gegner die nothwendige Regierungsform. Es liege viel daran, daß die Parteien der Linken sich vereinigten, um ernsthafte Reformen durchzuführen. Die Botschaft constatirt ferner, daß die Regierung der Republik in Europa hohe Achtung genieße. Frankreich habe in den letzten Jahren nicht wenig zur Erhaltung des Friedens von Europa beigetragen. Der Präsident sprach schließlich ber Armee und Marine seine volle Anerkennung aus. — In der Botschaft heißt es, nachdem auf die Republik als einzig mögliche Regierungsform und auf den zweimaligen Untergang der Monarchie und des Kaiserreichs in diesem Jahrhundert hiugewiesen ist, das Parlament möge besonders für eine ministerielle Stetigkeit Sorge tragen, die so nolhwendig für eine gute Führung der Geschäfte, für die Würde ber republikanischen Regierung, für Frankreichs Eredit unb seine Achtung in der Welt sei. Diese wünschenswerthe Stetigkeit hänge von ber Bildung einer gouoernementalen Majorität, dem gebieterischen Bedürfniß des gegenwärtigen Augenblicks, ab, sie sei gesichert, wenn die Freunde der Republik nur wollten. Dieselben möchten sich eng zusammenschließen auf dem ihnen gemeinsamen Gebiete; dasselbe jei weit und fruchtbar genug, daß sie durch ihre Vereinigung darin jede für die Bedürfnisse und Wünsche des Landes erforderliche Befriedigung finden könnten. Die französische Republik sei seit den Friedensschlüssen mit China, Annam und Madagaskar im Frieden mit allen Nationen und habe niemals aufgehört, im Frieden zu sein mit den Völkern von Europa und Amerika, in deren Vereinigung Frankreich den ihm gebührenden Platz wieder eingenommen habe. Es folgt dann der bereits gemeldete Dank an die Armee und Marine. — Die Botschaft wurde im Senat durchweg beifällig ausgenommen. In der Kammer wurden bei den Stellen, wo von der Ohnmacht der monarchischen Negierungsformen die Rede ist, Proteste laut. Paris, 14. Januar. Der Präfekt des Eure-Departements ist gestern Abend in der Nähe von Maisons-Laffite im Eisenbahnwaggon ermordet worden. Der Mörder ist noch nickt ermittelt. Raub scheint das Motiv ber That zu sein. — Der Mörber bes Eure - Präfekten ist noch nicht ermittelt. Der Kopf der Leiche hat zwei Wunden, deren eine von einem Revolver, die andere von einem schneidenden Instrument Herrührt. Lokale-. Gietzen, 15. Januar. Die hiesige Rudergesellschaft wird kommenden Sonntag den 17. d. M. in ihrem Vereinsloeal, „Hotel zum Einhorn", für ihre Mitglieder einen musikalischen Damen-Abend veranstalten; wie man uns mittheilt, ist hierfür u. A. ber Königl. Hofkünstler Herr Professor Duschnöe bereits engagirt worben, welcher laut uns vorliegenden Zeugnissen die Ehre hatte, vor Sr. Majestät dem Kaiser von Deutschland und Rußland austreten zu dürfen und dessen mimisch - physionomischen Darstellungen großen Beifall fanden. —h. — In der Nähe von Annerod lagerte eine Zigeunerfamilie am Waldessaume; die kleine Niederlassung dot für alle bei dem schönen Wetter Vorüberfahrenden einen sehr malerischen Anblick. In dem zum Theile offenen Zelte brannte ein lustiges Feuer, an dem unbeweglich eine junge Frau saß, während die zahlreichen schwarzlockigen Kinder die Schlitten um kleine Gaben bestürmten. Zwei dieser Kinder, etwa 4 bis 6 Jahre alt, waren nur mit Hemd und Jacke bekleidet, aber voll blühender Gesundheit liefen sie ebenso schnellfüßig im Schnee wie die etwas besser bekleideten Geschwister. Wer mag wohl der Familie Hausarzt sein? — Drei Realschüler bereiteten sich gestern Nachmittag das zweifelhafte Vergnügen, an einem Hause der Nodheimerstraße, sowie an der Spinnerei von Gebr. Hornberger u. Söhne diverse Fensterscheiben einzuwerfen. Das Nachspiel wird wohl nicht so arg verlockend sein. Universität- - Chronik. — Man schreibt aus Heidelberg: Der Große Senat hat zum Prorector in dem Jahre, in welchem die Ruperto-Carola ihr 500jähriges Jubiläum feiern wird, den Geh. Rath Becker erwählt. Eine nicht unbeträchtliche Minderheit hatte sich auf den Geh. Rath Kuno Fischer geeinigt. Es wird in weitesten Kreisen befremden, daß Letzterem, ber burch seinen Ruf als Gelehrter und durch seine glänzende Wirksamkeit als akademischer Lehrer zu den ersten Zierden der Universität gehört, ein Wettbewerber um die höchste akademische Würde vorgezogen worden ist. Verwischte-. Mainz, 12. Januar. Gestern hat der Inhaber einer Putz- und Modewaaren- Handlung seinen Concurs angemeldet. Es ist dies nunmehr das fünfte Falliment seit Beginn dieses Jahres. Im abgelaufenen Jahre sind hier fünfundzwanzig Fallimente vorgekommen; das neue Jahr scheint das verflossene noch überflügeln zu wollen. — Hektoliter Malz, im Jahre 1880/81 und wurde mit diesem letzten Quantum ber größte Malzverbrauch unter sämmtlichen 1881/82 1882/83 1883/84 1884/85 55 426 56 342 59 977 88 734 105 575 — sDie Hackerbrauerei in München s Die Erbauung bes „Hackerkellers" erfolgte im Jahre 1820 durch den damaligen Besitzer des „Hackerbräu" in der Sendlinger- straße, Herrn Josef Pschorr. Letzteres, ein kleines, aber sehr beliebtes Bräuhaus im Eentrum der Stadt, war, wie noch heute manche Münchener Klein-Brauerei, hauptsächlich aus den Hausconsum angewiesen und besteht derzeit noch als stark besuchte Dierwirthschaft unter dem alten Schilde „zum Hackerbräu". Der schon bei ber Erbauung in einer für die damalige Zeit außergewöhnlich rationellen Art angelegte, successive vergrößerte und zu einer eigenen Brauerei um- gewandelte Hackerbräukeller ging von dem Erbauer Josef Pschorr auf dessen ältesten Sohn Mathias und von diesem wieder auf seinen ältesten Sohn Mathias Pschorr jun. über, welcher im Juli 1881 seine im schwunghaftesten Betriebe befindliche Brauerei in eine Actiengescllschaft umwandelte. Von dieser Zeit schreitet der stetige Aufschwung der Hackerbrauerei mit noch größeren Schritten vorwärts, wie aus folgender Zusammenstellung des Malzoerbrauches ersichtlich ist. Verbraucht wurden deutschen Actienbrauereicn erreicht. Die Brauerei betreibt einen schwunghaften Export nach Frankreich, Italien Holland, Belgien und Oesterreich rc., ohne auch nur eine einzige ausländische Bierhalle auf eigene Rechnung führen zu müssen und erfreut sich insbesondere der „Bock" einer allgemeinen Anerkennung, welcher auch Fürst Bismarck (als Kenner unb Verehrer des bayerischen Bieres bekannt) während seines Aufenthaltes in Kisfingen beipflichtete. Heidelberg, 9. Januar. In der letzten Stadtrathssihung wurde die Vorlage für die nächste Sitzung des Bürgerausschusses, betr. die Erbauung einer Festhalle zum Universitätsjubiläum, festgestellt. Da hierzu viele Tausende von Fremden unsere Stadt besuchen werden, so hat man die nöthigen Vorbereitungen behufs Beschaffung von Wohnungen schon eingeleitet. Es soll insbesondere durch Aufnahme von Hans zu Haus festgestellt werden, über wie viel Zimmer, resp. Betten für Fremde, einschließlich jener, welche bei hiesigen Bekannten und Verwandten zu Besuch verweilen werden, verfügt werden kann. Gleichzeitig sollen ähnliche Erhebungen zunächst in den Nachbarstädten Mannheim unb Schwetzingen gemacht werden; aus der letzterwähnten Stadt liegt bereits ein bezügliches Anerbieten des dortigen gemeinnützigen Vereins vor. Das Gesuch eines hiesigen Wirths um die Erlaubniß, während des Universitäts- Jubiläums aus dem großen Faß auf dem Schlosse Wein verzapfen zu dürfen, wurde vom Stadlrath der Großh. Domänen-Direction empfehlend überwiesen, jedoch wird der jedenfalls sehr berechtigte Vorbehalt daran geknüpft, baß nur guter Wein zu angemessenem Preise verabreicht werden darf. — In Paris herrschte am Freitag ein starker Schneesturm. Der Wagenverkehr in den Straßen war sehr erschwert. — Das am 5. d. M. über Norddeutschland hinweggezogene Wintergewitter hat den von vielen Seiten einlaufenden Berichten zufolge besonders an der unteren Elbe stark gehaust, da sich zu dem Schneesturm zeitweise starke Hagelböen gesellten. Im Dorfe Busdorf bei Schleswig ist im Viehstall ein Ochse vom Blitz erschlagen, mehreren Kühen wurden die Halsketten durch ben, bestcllungc Zahl bcrfi in Berlin seinen w1 Men vnrd- auS der T Mnuber, > H (Ick bemerken w ^ein-Monm «clilislhen G MS ttWjtidu -9 -er Kinder für das X1 von Reisei fast leine 3? halbe Bü Et züae, der 100 Kilo» die Bevor . nut' Mnl Casse Halle Hann Bren Berl' Fer Rundreise flungen zr * Gieß Zweikvere^ Melden pM'st eigM A werden, QB Gegner nur ManntlvelN- beii.*S listig" L N*58 triff*",, Blatter zu' Dirm soll im veransö Mm Gieß •rojje: Bond bergerB ständen steigrrur Dient Aormii WM danach i Weber Borni Uii , bot 2. tir 3. mi 4 m 5. m 6- m Na. J nie J- nie 5- zn> o sch ti '■ vei Gies 378 39^ Hahi Blitz do in Halse gerissen; außerdem wurde im betr. Hause Küchengeschirr und Oefen beschädigt. — In Nieder-Oesterreich, Mähren und Ungarn fand ein außerordentlich starker Schneefall statt. In Wien lag Sonntag Mittag der Schnee meterhoch. — Luch Russisch-Polen ist von Schneestürmen heimgesucht. Auf vielen Strecken erlitt der Eisenbahnverkehr Störungen. — Ebenfalls aus England und namentlich dem schottischen Hochland werden vom gleichen Tage schwere Beschädigungen durch Sturm und Hagelwetter gemeldet. G i n g e san tHu Gießen, 15. Januar. Gestern Abend gründeten die seitherigen Mitglieder des Zweigvereins deutscher Barbier- und Friseur-Herren zu Gießen eine Innung. Möge denselben aus dieser Gründung für die Zukunst nur Gedeihliches erblühen. In Nr. 11 des „Gießener Anzeigers" vom 14. d. Mts. befindet sich unter der politischen Uebersicht ein kurzes Referat über das Branntweinmonopol, welches geeignet ist, falsche Vorstellungen über die Monopolvorlage bei dem Publikum heroor- zurufen. Wenn darin gesagt wird, „daß das Monopol nicht so in's Ungemessene geht, wie zuerst von seinen principiellen Gegnern behauptet worden ist,- so muß betont werden, daß im Gegentheil die Monopol-Vorlage weiter geht, als der enragirteste Gegner nur im Entferntesten denken konnte. Allerdings ist die Herstellung des rohen Branntweins der privaten Gewerbsthätigkeit überlassen, allein das wurde auch von den „principiellen" Gegnern nie anders angenommen, und es wird durch die allzulästigen Controllen, durch die Feststellung der Productionsmöglichkeit, die unter Umständen beliebig beschränkt werden kann, die private Gewerbsthätigkeit so ziemlich unter staatliche Vormundschaft gestellt. Noch weniger angebracht aber ist es von dem betreffenden Artikelschreiber von „Heruntermachen" der Vorlage durch oppositionelle Blätter zu sprechen, das Recht der Kritik an einem geplanten Gesetz, das derartige Umwälzungen Hervorrufen wird, ist eben eine der ersten Pflichten, die jedes Tagesorgan seinen Lesern schuldig ist, und der sich wohl auch der „Gießener Anzeiger" nicht ent- riehen wird- Grade aber den Interessen unserer Provinz- und Vaterstadt widerstrebt das Monopol so sehr, daß man vom Standpunkt sowohl der Branntweinbrenner, als auch der Destillateure und Händler nur zu einem abfälligen Urtheil der Vorlage gegenüber, kommen kann. (Indem wir Vorstehendem aus Gründen der Unparteilichkeit Raum gewähren, bemerken wir, daß der „Gießener Anzeiger" sich wie sonst, so auch jetzt bei der Branntwein-Monopol-Vorlage stets refcrirend der möglichsten Objektivität bei Besprechung der pclinschen Ereignisse befleißigt. Dies oorausaeschickt, kann cs doch passiren, wie das „Eingesandt" zeigt, daß ein direkt Betheiligter sich durch solche objektive Fassung in seinem teresse geschädigt sieht. Aber wer vermag es Jedem einzelnen recht zu machen ? Die Red.) Handel und Verkehr. — Mit dem 1. Januar sind auf sämmtlichen deutschen Bahnen durch Einführung der Kinderbillete — halber Preis mit 12 kg. Freigepäck — wesentliche Erleichterungen für das reisende Publikum in's Leben getreten. Diese Einrichtung wird besonders von Reisenden der IV. Classe begrüßt werden, die bislang für Kinder bis 10 Jahre fast keine Ermäßigung hatten- Zum Uebergang in Schnellzüge bezw. höhere Classen brauchen auch theils nur halbe Billets gelöst zu werden- Ebenso haben die Retourbillets, mit allgemeiner Gültigkeit auch für die Schnellzüge, dergestalt Erweiterungen erfahren, daß dieselben bei einer Entfernung bis 100 Kilometer 2 Tage, bis 200 Kilometer 3 Tage u. s- w. länger gelten. Dadurch ist die Bevorzugung für größere Stationen wie Frankfurt rc- weggefallen, indem z- B- auf Bahnhof Gießen solche bestehen nach: Cassel, Wiesbaden, Wildungen, Bebra, Cöln mit 3 tägiger Gültigkeitsdauer. Halle, Düsseldorf, Dortmund 4 „ „ Hannover, Münster, Osnabrück 5 „ •„ Bremen, Hamburg 6 „ „ Berlin 8 „ " Ferner ist es durch die Benutzung der 45 und 60 Tage gültigen combinirbaren Rundreisebillete ermöglicht, bei größeren Reisen von jedem Platze aus Fahrtoergünsti- gungen zu genießen. -- ^Postalischer Nothschrei.] Ein empfindlicher Nothstand wird im Post- bestellungsdienst durch die vielen Briefe mit unvollständiger Adresse hervorgerufen; die Zahl derselben hat in wahrhaft erschreckender Weise zugenommen. Beim Stadlpostamt in Berlin allein gehen durchschnittlich täglich achttausend Briefe mit mangelhafter Aufschrift ein. Aehnlich ungünstige Wahrnehmungen sind in anderen größeren Orten des Reichspostgcbiets gemacht worden. Es leuchtet ein, welche unsägliche Mühe und Arbeit der Post erwächst, um bei einer solchen Zahl von Briefen die Adressen zu vervollständigen. Und doch ist diese Mühe zum Theil vergeblich; ungeachtet aller Anstrengungen der Postverwaltung bleiben in Berlin täglich etwa 1200 Briefe unbestellbar, welche nach dem Aufgabeort zurückgeschickt werden müssen. Die mangelhaften Briefaufschriften verursachen also nicht nur unnöthige Belästigungen der Post, sondern auch wesentliche Nachtheile für Absender und Empfänger. Besserung dieser Verhältnisse ist lediglich von dem Publikum selber zu erhoffen. Zunächst müßten die in Berlin und anderen großen Städten Einheimischen bei ihren Briefen nach außerhalb durchweg ihre Wohnung nach Straße, Hausnummer und — bei Berlin — nach Postbenrk (W. S.-W. rc.) angeben, was sich bei starker Correspondenz durch Vordruck auf oeit Briefumschlägen oder Briefbogen leicht bewerkstelligen läßt. Es ist eine förmliche Manie neuer oder nicht bedeutender Firmen, blos ihren Namen, ohne die Wohnung anzugeben, um den Schein zu erwecken, als seien sie allgemein bekannt. Aufgabe der auswärtigen Briefschreiber wäre es, bei ihren Antworten jederzeit die volle Adresse, einschließlich der Wohnungsangabe, anzuwendcn. Ganz besonders muß aber bei der Abfassung der Aufschriften vor der Benutzung veralteter Adreßkalender, Wohnungsanzeiger, Handbücher u. s. w. gewarnt werden. — Es liegt hier, wie die obigen Zahlen zeigen, ein wirklich sehr großer Uebelstand vor, dessen Beseitigung lediglich in der Hand des Publikums selber liegt. Für die Hinterbliebenen des verunglückten Conrad Keßler sind weiter eingegangen: Tisch Connewitz 2.20 «X, K. W. 2 .X, N. S. 5 «X, Dr. Rosenberg 5 «X, L. S. u. W. Z. 5 -X, I. B. 1 *X, N. N. 1 -X Summa 21.20 «X Jnsgesammt 160.80 «X. Weitere Gaben werden gerne entgegengenommen. Die Expedition des „Gießener Anzeiger". Bei Herrn Pfarrer Dr. Naummann gingen ferner ein: Von Herrn Professor Dr. Schürer 3 - zugeben gegen gute Belohnung 383 Westanlage 1. Kaisergavolie für Klavier componirt von G. Niemann, Vaterlandsliebe, 3« neuestes Lied von Karl Haeser. Man verlange bei der nächsten Postanstalt, Buch- oder Musikhandlung: Neue Musik- Ztg I. Quart Preis nur 80 Pf. Durch die Geburt 7Z 399 einer hoch Tochter wurden erfreut Carl Abel und Frau. 401 Ein Mädchen sucht Aushülfö-- stelle oder Laufdienst. _____________________Bahnhofstraße 56. 391 Ein älteres Mädchen für Küche und Hausarbeit gesucht- Alicestraße 11 II. Danksasims. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Tode unseres unvergeßlichen Vaters, des evang. Pfarrers 385 Beichert in Grossen-Buseck, für die vielen Kränze, sowie für die zahlreiche Begleitung zu seinem Grabe, insbesondere dem Gesangverein Großen-Buseck für den Gesang am Grabe, sagen wir hiermit unseren tiefgefühltesten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brü hl'schen Druckerei lFr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt «. 1 Beilage. Beilage zu Nr. 13 des „Gießener Anzeiger". Politische Ueberficht (gieren, 15. Januar. Kaiser Wilhelm feierte am Donnerstag, den 14. Januar, sein Jubiläum als Chef des 6. bayerischen Jnfanlerie-RegimentS. Aus diesem Anlasse lras aus Amberg, dem Garmionsorte des genannten Regiments, eine Deputation desselben — aus dem Obersten Harrach, dem Oberstlieutenant Nürnberger, dem Hauptmann Gaek und den Premierlieulenants Schlink und Hölzel bestehend — in Berlin ein, um dem erlauchten RegimenlS-Chef die Glückwünsche seines Regiments zu überbringen. Die Deputation wurde an dem gedachten Tage vom Kaiser empfangen. Zwei Wochen hindurch schien es, als ob das durch den serbisch- bulgarischen Waffenstillstand eingeleitete FrüdenSwerk im Orient in'S Stocken gekommen, ja vielleicht gar in das bedenkliche Stadium der Versumpfung ge- rathen fei. Zur Genugthuung aller F.ieoensfreunde und zur Ehre der Kaisermächte darf aber jetzt consta'irt werden, oaß die Großmächte in eine nachhaltige Action zu Gunsten der vollständigen Beruhigung der Orients eingetreten sind. Bei dieser diplomatischen Action ist es außeroem vom höchsten Werthe, daß sie Rußland eingeleilet hat, indem es den Antrag gestellt hat, daß die Balkan- staatcn zur Abrüstung, d. h. zur ersten Bedingung eines dauernden Friedens, genöthigt werden sollen. Durch diesen von Rußland mit Energie festgehaltenen Antrag documenürt dasselbe offenbar, daß es Ruhe und Frieden auf der Balkan- Halbinskl wieder hergestellt haben will, es ist dies eine Thalsache, die bei der einflußreichen Stellung Rußlands im Orient fast so viel als eine Friedens- Bürgschaft gilt. , Es braucht auch kaum heroorgehoben zu werden, daß die übrLtii Großmächte mit Eifer sich dem russischen Abrüstungs-Autrage ange- schloffen haben und die Vertreter derselben in Belgrad, Sofia und Athen sehr deutlich g^gt haben, was sich in der gegenwärtigen Periode den Kleinstaaten des Balkans gezieme. Serbien wie Bulgarien dürften auch schwerlich Lust haben, den Krieg von Neuem zu beginnen, denn auch Bulgarien soll während der letzten Wochen des Feldzuges mit feinen Milizen und Freiwilligen äußerst unangenehme Erfahrungen gemacht haben. In Serbien wie Bulgarien fehlt es dock auch au Geld, dem wichtigsten Kriegsmittel, und die bereits abgekühllr Kampflust legt stch daher von selbst. — Einige Besorgniß flößt indessen die noch immer kriegslustige Haltung der leicht erregbaren Griechen ein, welche mit Mühe und Roth 60,000 Mann auf die Beine gebracht haben und dieselben nicht ohne Heldenthaten wieder nach Hause schicken möchten. Selbst die üblen Erfahrungen Serbiens scheinen auf Griechenland noch nicht abkühlend gewirkt zu haben und es hält seine Truppen noch immer drohend an der türkischen Grenze zusammen. Das herausfordernde Gebühren Griechenlands, welches keinen einzigen zuverlässigen Verbündeten hat, ist natürlich der reine politische Wahnsinn, zumal die Türken gegen Griechenland ein größere» und tüchtigeres Heer an ihrer Grenze aufgestellt haben. Um von Seiten Griechenlands eine Durchkreuzung des Friedenswerkes zu verhindern, haben die Großmächte eine Demonstration gegen Griechenlands Haltung in Aussicht genommen; wie es heißt, hätte Rußland das Erscheinen von Kriegsschiffen der Großmächte in den griechischen Gewässern vorgeschlagen. Hoffentlich wird es daher gelingen, die griechischen Heißsporne auch diesmal im Zaume zu halten und Schritt vor Schritt die Beruhigung des Orients durchzusetzen. Der preußische Landtag ist am Donnerstag Mittag um halb 1 Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlaffes eröffnet worden. Prinz Wilhelm, der württembergische Thronfolger, hat sich mit Prinzeß Charlotte von Schaumburg-Lippe, geb. 1864, verlobt. Wie der „Staatr-Anz. für Württemb." meldet, erfüllt diese Verbindung den König Karl mit innigster Freude und findet jene auch im ganzen Lande den lebhaftesten Widerhall. Dies ist sehr begreiflich, denn da in Württemberg, wenn Prinz Wilhelm (geb. 1848) ohne männliche Nachkommen stürbe, eine katholische Nebenlinie zur Regierung käme, so war es schon lange der lebhafte Wunsch des weit überwiegend protestantischen Landes, daß der Thronfolger sich wieder vermählen möchte. Das bisher vor Zanzibar ankernde deutsche Geschwader, aus dem „Bismarck", „Gneisenau" und der „Olga" bestehend, ist nach den australischen Gewässern beordert worden. Das ungarische Unterhaus hat am Dienstag die Budgetdebatte begonnen. In seinem Expose gab der Finanzminister Szapary ein recht erfreu- liches Bild von der ungarischen Finanzlage, da die Staats-Einnahmen des Vorjahres die meisten Posten übersteigen. Speciell der Voranschlag zur Grundsteuer erqiebt ein Plus von 3 Millionen und der zur Verzehrungssteuer ein solches von einer Million Gulden. Freilich bleibt immerhin adzuwarten, ob Herr Szapary, der Gewohnheit der meisten Finanzminister folgend, nicht etwa die Farben zu glänzend aufgetragen hat. Die Eröffnung der neuen Kammersession in Frankreich hat in der Depulirtenkammer zunächst die Wiederwahl des bisherigen Präsidiums ergeben. Demnach bekleidet Floquet wiederum das Präsidenten'Amt, Delaforge, Lesevre und Buyat sind abermals Vicepräsidenten; zum 4. Vice- Präsidenten wurde Casimir Perier an Stelle des in das Ministerium Freycinet eingetretenen Develle neu gewählt. Sämmtliche Präsidenten gehören mehr ober weniger der radikalen Richtung an, was jedenfalls bezeichnend für die Strömung innerhalb der republikanischen Elemente der neuen Kammer ist. Am Donnerstag hat die Kammer das Programm des Ministeriums entgegengenommen und wird demselben — abgesehen von den monarchistischen Gruppen — jedenfalls ihre Zustimmung ertheilt haben, da dasselbe ja den Wünschen der Radikalen speciell in Bezug auf die Tongking-Expedition ziemlich weitgehend Rechnung trägt. Die Kammer dürste sich im Verlause der Session auch mit der für das Jahr 1889 projectirten Weltausstellung in Paris zu beschäftigen haben, da der Handelsminister Lockroy einen hieraus bezüglichen Gesetzentwurf vorzulkgen gedenkt. Vorher sollen indessen die auswärtigen Regierungen durch die Vertreter Frankreichs befragt werden, inwieweit sie sich an der Ausstellung beteiligen würden. — Paul Bert, der Unterrichtsminister im Ministerium Gambetta, geht als sranzösischer Ministerresident nach §ue. Die beiden Häuser des neuen englischen Parlaments sind am Dienstag ohne Sang und Klang zusammengetreten, denn die eigentliche Er- jisinung wird erst mit'der Thronrede der Königin Victoria am 21. d. Mts. vor sich gehm. Im Unterlaufe wurde Peel einstimmig zum Präsidenten ober Sprecher gewählt, wobei Maccurty Namens der Pariullittn erklärte, daß dieselben zwar keinen Einspruch erheben wollten, daß ihnen aber die Wahl Peel'S aus persönlichen Gründen nicht genehm sei. In der Mittwochssitzung wurden die Schriftführer gewählt und andere Förmlichkeiten erieDigt. Vermischtes. Sad)ar ad), 8. Januar. [Zob in Folge Schreckens.) Herr Kaufmann F. aus Simmern wurde auf der hiesigen Station vom Schlage getroffen und da die Weiterreise nidit statlfinden konnte, im Hotel W. hier in ärztliche Behandlung genommen. Ein Telegramm, welches die Familie des Verunglückten in Kenntniß setzen sollte, hatte die traurige Folge, daß Frau F., vom Schlage getroffen, auf der Stelle todt blieb. Buckau, 6. Januar. Der „Magd. Ztg." wird gemeldet: Bei einem heute Mittag in der Südstraße vorgekommenen Haus-Einsturz sind, so viel id) bis jetzt habe erfahren können, acht Menschen verunglückt. Fast alle sind mehr oder weniger schwer verletzt worden; Arm- und Beinbrüche und schwere Verstauchungen sollen _bcinabe alle davongetragen haben. Einer hat außer anderen Verletzungen auch einen Schädelbruch erlitten, so daß er wobl schwerlich mit dem Leben davonkommen wird. Die meisten der Verunglückten wurden nach dem Magdeburger Krankenhause geschafft, lieber die Ursache des Einsturzes fehlt nod) ein sicherer Anhalt. — (Wenn oie Wände Ohren^ haben.) Seit einiger Zeit grübeln die Mitglieder des Chors und die kleinen Solisten am Monnaie - Theater in Brüssel (das Opernhaus der belgischen Hauptstadt) darüber nach, weßhalb ihr gestrenger Herr Kapellmeister plötzlich so äußerst höflich und gewählt in seinen Apostrophen gegen sie geworden, eine Neuerung, die bei seiner bekannten — Offenherzigkeit fast beängstigend wirkt. „Boudoir" erzählt nun den Grund dafür. Ihre Majestät die Königin von Belgien, eine der eifrigsten Besucherinnen der Oper, war burd) die Hoftrauer uni König Alfonso von Spanien dem Moimaie-Thenter serngehalten, aber wozu hätte man das Telephon erfunden? Ihre Majestät ist vielleicht bie Erste, welche es für Opern- Zwecke zuerst aus Versuchen zu regelmäßiger Benutzung brachte und sie war von ihrem Erfolg so entzückt, daß sie die Benutzung der Telephon-Verbindung vom Opernhause bis Schloß Laeken bis auf die Proben ausdehnte. Eines Morgens aber ließ Ihre Majestät mit allen Zeichen des Schreckens das Lauschrohr fallen — und ihre Erregung ließ ein heftiges Unwohlsein vermuthen. Aber nur die Ohren der hohen Frau waren von einem „Anfall" getroffen. „O, mein Gott, dieser Kapellmeister — wie er flucht und schimpft — — die armen Choristen." Am anderen Tage erzählte ein Kammerherr dem Herrn Kapellmeister sub rosa, daß Ihre Majestät oft die Proben anhöre, auch gestern, als er die Herren Choristen „eine Heerde Ochsen und Esel" und „cochons“ genannt habe----Seit dieser Stunde regieren nur noch parlamentarische Ausdrücke diese „Heerde." — Vor einigen Tagen feierte in Paris der junge Seidenwaarenfabrikant Barnard feine Hochzeit mit dem 18jährigen Fräulein Lydie Dubois. Zwischen der Trauung und dem Festmahle überredete der junge Ehemann seine Frau, mit ihm seinen seit zehn Jahren in einer Einzelzelle des Irrenhauses befindlichen Vater Charles Barnard besuchen zu wollen. Die junge Frau erklärte sich einverstanden, und als sie zu dem Vater kamen, versicherte ihnen die Wärterin, der alte Herr sei ganz ruhig und werde sich gewiß freuen, seine Verwandten zu sehen, da er bereits seit Wochen von der Hochzeit erzähle. Das junge Paar trat ein und während die Frau aus ihrer Tasche mitgebrachtes Zuckerwerk hervorholte, schrie der Irre plötzlich: „Du bist die böse Fee, die mich hierher verbannte!" sprang gleid) einem Naubthiere auf die Unglückliche los und begann sie am Halse zu würgen, während er ihren Leib mit den Zähnen zerfleischte. Auf den Lärm kamen von allen Seiten Leute herbei, man befreite die bewußtlose Frau, doch dieselbe siel infolge der Aufregung in Krämpfe und starb nach wenigen Stunden. London, 9. Januar. Der strenge Winter, der sich hier mit dem großen Schneefalle vor einigen Tagen eingestellt hat, hält an und verursacht unsagbares Elend unter den ärmeren Klassen, die in Folge der großen Arbeitslosigkeit kaum das tägliche Brod erringen können und jetzt auch mit Schnee und Kälte zu kämpfen haben. In Folge der mangelhaften Anstalten zur Wegschaffung des Schnee's und Reinigung der Straßen befinden sich letztere, namentlich in den Vorstädten, in fast unpaffirbarem Zustande und der Wagenverkehr ist in vielen Theilen der Metropole gänzlick) unterbrochen. Zu dem scharfen Froste gesellte sich gestern ein heftiger Sturm, der namentlich im Norden Englands große Verheerungen und zahlreiche ed)iff§unfäüe verursachte. c ... _ „ , — ^Englische Geizhälse.) Aus Lsndon wird der „Franks. Ztg." geschrieben . Es ist schwer zu sagen, ob England reicher ist an Geizhälsen als andere Länder und ob klimatische Verhältnisse oder die Erziehungsmethode in gewissen Leuten die aun sacra fames auf Kosten anderer Eigenschaften Übermäßig entwickeln. Sicher ist jedoch daß die Habsucht und der Geiz in seiner nacktesten, abschreckendsten Form in der guten Gesellschaft wenigstens zur Seltenheit gehört; solche Eigenthumlichkeiten find nicht gentlemanly, und es muß schon ein Herzog oder mindestens em Earl sein, der stch Schäbigkeit oder gar Geiz erlauben darf. So sind auch alle Geizhälse, deren Absterben in der letzten Zeit gemeldet wurde, aus den niedrigen Ständen; am besten sttuirt war vielleicht der ehemalige Bankkommis in Croydon, der vor Kurzem im vorgerückten Alter todt in seinem Bette gefunden wurde. Er war in seinem Wohnorte als Sonderling bekannt; jedes Kind kannte die seltsame Gestalt, die seit einem Menschenalter anscheinend im selben schäbigen Rock zur selben Stunde um die Ecke huschte, um Nahrungsmittel einjutaufen. Der alte Herr pflegte sie eigenhändig zuzubereiten, und daß er sich nie überaß, das konnten die Krämer ihm bezeugen. Niemand durfte feine ärmlich möMirte Wohnung betreten, er besorgte Alles selbst, flickte Alles selbst. Da überraschte aud) ihn der Tod, der Keinen schont, und ein Schwesterkind des Verstorbenen machte die erfreuliche Entdeckung, daß ihm ein Vermögen von über Lst. 100 000 (2 Millionen Mark) zugefallen sei; der alte Herr hatte vor etwa 40 Jahren, zur Zeit der Eisenbahn- speeulationen den Grundstein zu einem Vermögen gelegt, das jetzt Verwandten gehört, um die er sich zeitlebens nie gekümmert. — Männer und Frauen imb gleid) schlimm, nur mit dem Unterschied, daß die ersteren ihr zusammengescharUes Geld gemeiniglich profitabel anlegen, die letzteren es einfad) bei ^oeite legen. Wenigstens hat Mrs. JJiinnett in Newark, die dieser Tage starb, nach diesem Grundsatz gehandelt. Sie wohnte aUem in einem Häuschen außerhalb der Stadt und lebte fo armselig, daß die Nadibain ihr häufig Speisen schickten, die sie mit Zeichen der größten Dankbarkeit entgegennahm. Nack) ihrem Tode fand man, daß die Schnüre ihres Bettes mit Banknoten umwickelt waren, eine 5 Pfd.-Note stak, in einen Staublappen gewickelt, in einem Loch in der Mauer. Geldstücke im Betrage von Lstrl. 35 waren unter den Kohlen versteckt und in einem Schrank stak ein Bündel Noten, so dick, daß man es mit bewert Händen kaum fassen konnte. Eine Kiste voll Gold- und Silbermünzen wurde aus dem Haus geschafft und das ganze Vermögen, das einem Neffen zufallt, wird auf Lstrl. 11000 (225 000 X) geschätzt, soweit jetzt ermittelt ist. Em Testament, das dem Stadtpolizisten Lstrl. 500 vermachte, war nicht rechtsgültig unterzeichnet. — Die Wohlthatigen m Leamington werden sich hüten, wieder einem bedürftigen alten Mann zu helfen. Seit 16 Jahren sah man regelmäßig jeden Tag den alten Edward Gib,an zur Encnbahn- station gehen und dort Kohlenstückchcn und Späne auflelen, die er IN eine alte Schuh- nachermerkstätte trug, wo man ihn ans Mitleid schla,°n ließ Mitl-idig- Siachborn unterstützten ihn, und nie gab er mehr als 2'/--Schilling-per Woche aus. Nach seinem Tode tand man W-rthschristen im Betrage oon Citri. 10000 ans welche zwei in London residirende Neffen als Jntcstaterben Anspruch erhoben habet,. Im Bergleich mit diesen geizigen Reichen ist sreilich der alt- John I. Saul der vor e,n paar Tagen m Camdentown Hungers starb, ein bloßer Bettler. Er verdiente lemen Lebensunterhalt indem er gedruckte Gesänge in den Straßen von Somers Town feil hielt wo er leit 34 Jahren bekannt war. In seiner Tasche |and |ich ein Bankjchem lur Lstrl. 60, die I nun der Krone zufallen, da keine Anverwandte bekannt sind. Allgemeiner Anzeiger. Vergebung vo^i Zteinhauerarbeiicn. Die Lieferung der für die Rum- merirung von Kreisslraßen zunächst erforderlichen Kilo, und Hektometer-Steine aus feinporigem Lungstein, veranschlagt zu 829.80 Jt, soll Dienstag den 19. d. M., Bormittags 10 Uhr, auf dem Bureau des Unterzeichneten im Wege schriftlicher Submission vergeben werden. Zeichnungen, Kostenvoranschlag und Bedingungen sind ebendaselbst einzusehen. Gießen, am 13. Januar 1886. Der Kreisingenieur: 373 Gnauth. Ieisgeöoienes S Kaiser- p andmandelkleik beseitigt jedes Hautübel, als: Mit- elfer, Pickel, Sommersprossen rc.. frottirt 3Qrt und ist das mildeste, unschädlichste Waschmittel zur Erlangung einer weißen, gesunden Haut. SfcSgT Erfolg unausbleiblich. Tgfej Preis ä Büchse 60 H und 1 12 Alleinverkauf für Gießen bei C. Fr. Conrad, Mäusburg 15. CACAO^PULVER CHOCOLADE E.O.M.OSER&CZS j V. fc STUTTGART Zu haben in Gießen bei den Herren W. Hartmann, H. Kinkel, Fr. Leo, Rob. Sattler, Carl Schwaab. 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Vor jeder Nachahmung oder Verkaufs von Nachahmungen wird mithin ernstlich gewarnt und zwar nicht FiNchbncfo, Hr. Kinkel, Conditor; Carl Schwaab. Man findet den echten Bencdlctl»«'>r Iilqueur bei Nachgenannten, die sich schriftlich verpflichtet haben, keine Nachahmung zu verkaufen. Man achte darauf, dass sich auf jeder Flasche die viereckige Etiquette mit der Unterschrift des General-Directors befindet. zu gewärtigenden gesetzlichen Folgen, sondern auch hinsichtlich der für die Gesundheit zu befürchtenden Nachtbeile. Distillerie der Abtei zu Fecamp (Frankreich) Verilable Liqueur BßiißdictilM! der jBenedi.ctin.er Mönche. Vortrefflich, tonisch, den Appetit und die Verdauung befördernd. KIM Wöchentlich eine Nummer. Preis oiertelj. «X 1.95. Deutsches Familienbuch. 34. Jahrgang (1886). Alle 14 Tage ein Heft. 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Alle die, welche ein fühlendes Herz für die Noth ihrer Nebrnmenschen haben, sind gebeten, ihr Scherflein nach Können beizutragcn und durch Einsendung von Geld oder von zum Verkauf geeigneten Gegenständen an unterfertigtes Comite zum Gelingen des guten Werkes mitzuhelfen. Jede, auch die kleinste Gabe wird dankbar angenommen. Der Bazar wird in der zweiten Hälfte des nächsten Monats im großen Saale des Gesellschafts-Vereines abgehalten und Näheres über Tag und Stunde später mitgetheilt werden. Frau Kaufmann SBdd). Frau Regierungsrath v Bechtold. Frau Oberst von Cöllns. Frau Steuerräth Gngisch. Frau Kanzler Gareis. Frau Amtsrichter Gebhardt. Frau Kauf. Fräulein @. Mettenheimer. Frau Professor Riegel. Fräulein Pauline Stammler. Herr Professor fromme. Herr Amtsrichter Gebhardt. Herr Kaufmann Plank. Herr Eisenbahnbaumeister Roth. nunmehr 17 Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen unüber- -«C'uy troffene Haarwasser von C. 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