>NM. 1,8 '"'WrL Nr-"At-s-' ?inter^Qu§, WmDZ- Sunb,°* _^bnstraße^ n. iptbcrt —’ ?s zur Tiaubc, Egasse io. kr Stadt großrr . ditto Wokr.ung Aminen ober nC- jer grpeb. b. $1; > 4 bis 5 jinirnrr, Wd. d. A. Itaniotbtnrocbnung JitbißitraBe 61. GräflileT^ m banzleibcrg, br- \ Küche 2c., sofort cs bei nk, jkuftabt 13. oais zu oermictbcn. Dettergassk 5II. äe Sobirang, ee- :n, Küche und allein n. Bierbrauerei. 5 Zimmer zu oer- . Hrünberqerstr. 44. ng von 4 Zimmern n ber Stabt zu vcr- ber (fyp- b. Bl. lorbcnlige gelegene aus 5 Zimmer/k , ui oermiethen. rpeb. d. Bl. iu tri iödTüWM^ ideres bet \, BioMrckstraße. ^Zimmer zu Ticffe, Neuenweg 4- ulü ein gut möbl. b Lubmigstragc 23. "engrenj. Stube ist >u Dtrinictheii. tergasse 5,11* c;. Baüen feü^ Ms iiUMj el«L Anzeigen. Je [ointnbt $»: 6m j.tefcl&c ift t>n' 1765 an die u.p xtti Zawstag, Morges MeG Abends Rr. «2 Zweites Blatt Sonntag den 14. März 1886 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. »•'« "* “*■ “ ■*» NSSW! SÄE SÄT Wochen - Ueberficht. Gieße«. 13. März. Der Kaiser litt in den letzten Tagen an rheumatischen Beschwerden, welche den Schlaf des Monarchen beunruhigten. Erfreulicher Weise haben diese Beschwerden nunmehr erheblich nachgelaffen und auch die Heiserkeit ist fast vollständig wieder beseitigt, so daß das Befinden des hohen Herrn als im Ganzen befriedigend bezeichnet werden kann. Dem am Dienstag im königlichen Schlosse stattgesundenen großen Fastnachts-Ball, mit welchem herkömmlicher Weise die Karnevals-Festlichkeiten am Berliner Hofe ihren Abschluß finden, wohnte jedoch der Kaiser nicht bei, da er einstweilen noch immer genöthigt ist, das Zimmer zu hüten. Mit dem Gesundheitszustände des Fürsten Bismarck will es noch nicht recht vorwärts gehen, ja, erst dieser Tage wurde osficiöserseits geschrieben, daß sich das Befinden des Kanzlers sogar wieder verschlechtert habe, da er an heftigen rheumatischen Schmerzen leide. Unter diesen Umständen ist auch die Teilnahme des Reichskanzlers an den ferneren parlamentarischen Verhandlungen fraglicher geworden, denn je. Wenigstens an den Berathungen der Reichstags-Commission über die Branntwein-Monopol-Vorlage wird er sich nicht betheiligen und mag hierbei sein leidender Zustand ebensoviel ein* wirken, al» die Ueberzeugung, daß die Monopol-Vorlage doch nicht mehr zu retten ist. Der Leitartikel in der DienStagS-Nummer der „Nordd. Allg. Ztg.", in welchem erklärt wird, da der Kanzler an dem Monopol festhalte, ein Erfolg desselben aber ausgeschlossen sei, so habe er auch in der Commission nichts zu suchen, läßt keinen Zweifel darüber zu, daß Fürst Bismarck von seinem Entschlüsse, wenigstens an den Commissions-Verhandlungen über den Monopol-Entwurf Theil zu nehmen, wieder mrückgekommen ist. Demnach muß auch die Hoffnung, daß es in der Commission gelingen werde, zu einem Einverständnisse über die höhere Branntwein-Besteuerung auf anderer Grundlage zu gelangen, definitiv ausgegeben werden und erscheint somit der Branntwein-Monopol-Feldzug der Reichsregierung verloren. (Siehe Depesche in heutiger Nr., I. Blatt. Red ) Das Interesse an den parlamentarischen Vorgängen der Woche vertheilte sich ziemlich gleichmäßig zwischen dem Reichstage und dem preußischen Abgeordnetenhause. In ersterem war es zumeist der am Mittwoch verhandelte „beschleunigte" Antrag Windthorst — eS als unzulässig zu erklären, einen Reichstags-Abgeordneten wegen Aeußerungen^ über Thatsachcn, welche ihm in dieser seiner Eigenschaft mitgetheilt sind und die er in Folge dessen im Reichstage mitgetheilt hat, einem Zeugniß-Zwangsverfahren zu unterwerfen — welcher die Aufmerksamkeit auf sich zog. Zu dem Antrag hat bekanntlich die Mittheilung des Centrums-Abgeordneten v. Schalscha, das Gericht habe ihn wegen Der von ihm mitgetheilten Thatsache, daß Berliner Häuser im Auslande minderwerthige Thalerstücke prägen ließen, zeugeneidlich vornehmen wollen und jfjnt — als er das Zeugniß verweigert — mit dem Zeugniß-Zwangsverfahren gedroht, den Anlaß gegeben. Abg. Windthorst begründete den Antrag kurz, wobei er namentlich darauf hinwies, daß durch den Zeugnißzwang die Redefreiheit vollständig aufgehoben werden würde, und befürwortete schließlich die Verweisung des Antrages an die Geschäftsordnungs-Commission. Es entspann sich nun hierüber eine langausgedehnte Debatte, in welcher Die widersprechendsten Anschauungen über die Berechtigung des Windthorstsschen Antrages laut wurden unb auch darüber, ob das Vorgehen des Gerichts im Falle Schalscha gegen die parlamentarische Unverletzlichkeit der Abgeordneten verstoße, waren die Meinungen gethellt, ebenso wie überhaupt über die parlamentarischen Rechte und den Begriff der Redefreiheit- Was den Standpunkt der Regierung, resp. des Bun- desrathes anbelangt, so erkärte Staatssecretär v. Bötticher, daß sich der Bundesrath mit der Frage noch nicht beschäftigt habe, daß aber das preußische Ministerium sich einstimmig aus formellen und materiellen Gründen gegen den Antrag, sowie gegen denselben ausspreche, daß Art. 30 der Verfassung den Zeugnißzwang &r Reichstageabgeordneten ausschließe. Der Antrag Windthorst wurde schließlich der Geschäftsordnungs-Commission überwiesen, welche die Frage, ob ein Abgeordneter zum Zeugniß gezwungen werden kann ober nicht, einer sehr reiflichen Prüfung zu unterziehen haben wird. Der übrige Theil der Sitzung wurde durch die erste Berathung über den Antrag des Abg. Grafen Moltke aus Ab- änberung des Militär-Pensionsgesetzes ausgefüllt und war es sehr erklärlich, daß die sich hierüber entwickelnde Debatte auch den im Reichstage letzthin ein# gegangenen Regierungs-Entwurf, betr. die Heranziehung von Militärpersonen zu bin Gemeinde-Abgaben, streifte. Allseitig wurde eine baldige Regelung der Mitärpensions-Angelegenheit, wie der Frage der Communalbesteuerung der Osficiere gewünscht. Sehr warm trat Graf Moltke für die endliche Regelung for Pensionsverhältnisse der Osficiere ein und betonte hierbei, daß das Penlions- geietz durch das Osficier-CorpS auch auf die Tüchtigkeit und Schlagfertigkeit ber Armee einwirke und nur eine tüchtige Armee wiederum könne der diplomatischen tetion auf Erhaltung des Friedens Nachdruck verleihen. Daß die Communal- Weuerung der Osficiere mit dem Militär-Pensionsgesetze Zusammenhänge, wurde M dem Regierungsvertreter, Kriegsminister v. Bronsart, und den conservativen Rednern bestritten, von den Rednern der übrigen Parteien dagegen behauptet; ier Ant-ag, resp. die Novelle zum Militär-Pensionsgesetz, wurde schließlich einer besonderen Commission von 21 Mitgliedern überwiesen. Am Donnerstag erle- chte der Reichstag in zweiter Berathung Die noch nicht durchberathenen Theile des Reichenspergersschen Gesetzentwurfes bezüglich der Wiedereinführung der Be- rusung in Strafsachen, beschäftigte sich dann mit Petitionen und nahm endlich den Commissionsbericht über den Antrag Auer, betr. die Arbeiterschutz'Gesetzgebung, entgegen. Aus der Reichstags-Commission zur Vorberathung der Socia- listen-Vorlage ist zu erwähnen, daß sie am Montag die erste Lesung ber Vorlage unter Annahme der sämmtlichen Windthorstsschen Abänderungs-Anträge erledigte und alsdann die Verlängerung der Vorlage auf zwei Jahre annahm. Die Bülletins über das Befinden des Erbgroßherzoq» von Baden lauten jetzt entschieden besser. Das Fieber ist im Rückgänge begriffen, die Gelenkaffection tft nur noch eine mäßige und auch die inneren Krankheits-Erscheinungen gehen zum Theil langsam zurück. In Oesterreich hat am Freitag nach vierwöchentlicher Pause die parlamentarische Thätigkeit im Abgeordnetenhause wieder begonnen. Bei den Verhandlungen desselben wird in nächster Zeit der Schaarschmidt'sche Sprachen- antrag, durch welchen die deutsche Sprache gesetzlich zur Staatssprache in Oesterreich erklärt werden soll, am meisten hervortreten, doch sind die Verhandlungen der Majoritätsparteien über eine gemeinsame Stellungnahme zu dem Anträge noch in der Schwebe. Die clericale Partei soll sich bereit erklärt haben, mit den Czechen, Polen und Slovenen gegen die Erhebung der deutschen Sprache zur Staatssprache zu stimmen, wenn dafür die Clericalen von ihren slavischen Verbündeten das Zugeständniß erhalten,, die clericale Forderung nach confessionellen Schulen zu unterstützen. Vorläufig sträuben sich die liberalen Elemente in den slavischen Reichsrathsclubs noch gegen dieses Zugeständniß, aber es ist kaum zu bezweifeln, daß schließlich auch diesmal der „eiserne Majoritätsring" wieder zusammengeschweißt werden wird, so daß man jetzt schon die Ablehnung des vom deutsch - österreichischen Club eingebrachten Sprachenantrages als sicher betrachten kann. Die österreichisch-ungarischen Minister-Conferenzen in Wien sollen nach einer Darstellung des „Pesther Lloyd" keineswegs abgebrochen, sondern nur vertagt worden sein. Das genannte officiöse Blatt behauptet auch, die sämmtlichen „kleinen Differenzen" seien in der am Sonntag stattgefundenen gemeinsamen Sitzung zum Ausgleich gelangt; nur bezüglich des Petroleumzolles bestände noch eine Meinungsverschiedenheit, die aber auch noch beseitigt werden würde. Jenseits der Alpen beschäftigt man sich noch immer mit den lebhaften Budgetverhandlungen der italienischen Deputirtenkammer, die in voriger Woche bekanntlich mit Annahme eines Vertrauensvotums für die Regierung geendigt haben. Es war dies indessen nur ein sehr zweifelhafter Sieg, denn die Majorität, welche sich für die Regierung aussprach, betrug nur fünfzehn Stimmen; auch im Laufe der Debatten selbst wurde die innere und äußere Politik des Cabinets Depretis so scharf mitgenommen, daß die Minister gerade nicht immer mit Glanz aus den Debatten hervorgingen. Die Oppositionsblätter meinen daher auch, daß von Rechtswegen das Ministerium eigentlich zurücktreten müßte, doch scheinen eben Herr Depretis und seine Ministercollegen nicht dieser Meinung zu sein. Die Cholera scheint den Winter im Venetianischen überdauert zu haben, denn es werden aus der Umgegend von Venedig mehrere neue Cholerafälle gemeldet. In England beschäftigt man sich wieder viel mit dem „irischen Programme" Gladstone'S. Ein neuerlicher Artikel im „Daily Telegraph" will wissen, das den Irländern von Gladstone im Princip zugestandene eigene Parlament in Dublin würde neben der Erledigung aller rein internen Angelegenheiten Irlands sich auch mit der Erhebung der Zölle und Accisesteuern zu befassen haben. Im englischen Parlamente würde die irische Nation nur dann vertreten fein, wenn es sich um die Berathung von Fragen, welche das ganze Reich betreffen, handele. Auch soll den Irländern eine eigene Localpolizei zugestanden werden, welche birect unter die einheimischen Behörden gestellt werden würde. Vorläufig betrachtet man diese angeblichen Zugeständnisse Gladstone'S nur als einen Fühler. Die Berichterstattung über die Lage im Orient sieht sich in dieser Woche auf ein recht kärgliches Nachrichtsmaterial beschränkt. Einzig hervorzuheben wäre ein Konstantinopeler Telegramm, demzufolge die Pforte in ihrer jüngsten Circularnote vom 6. ds. Mts. erklärt hatte, daß Griechenland keinerlei Zugeständnisse zu machen hätte und daß mithin über eine solche auch keinerlei Verhandlungen stattfinden könnten. In Athen wird man hoffentlich diese Erklärung beachten. _________________ Vermischtes. Berlin. „Opfer des Wuchers" ist eine Serie von Artikeln in der „Staatsbürger-Zeitung" überschrieben, in welchen an dem Falle Bombe das schändlichste aller Gewerbe, das besonders das Beamtenthmn guszubeuten sucht, eingehend geschildert wird. Das Leben des Rectors Bombe ist fast typisch für die Laufbahn unendlich vieler Beamten aller Kategorien. Als er hier mit einem Gehalt von 300 Thalern als Gemeindelehrer angestellt war, verheirathete er sich, aus seine Arbeitskraft vertrauend, im Alter von 28 Jahren. Kurz hintereinander wurden zwei Kinder geboren, die beide nach längerer Krankheit starben, hierauf erkrankte die Frau, um nach zweijährigem Krankenlager ebenfalls zu sterben. Es entstand in diesen traurigen Jahren em unabweisbares Ereditbedürfniß. Verwandte und Bekannte, welche um ein Darlehen angegangen wurden, lehnten solches ab. In einem unglücklichen Augenblick gerieth Bombe einem Herrn in die Hände, welcher ihm 50Thaler auf 3 Monate gegen Hinterlegung seiner Vocation und eines Wechsels lieh. Die Zinsen verzehrten das Gehalt zum großen Theile. Eine neue Ereditquelle mußte gesucht werden, die natürlich ähnliche Bedingungen stellte. Eine Schuld von 300 Thalern fraß unter diesen Umständen Wn das Äfinie Gehalt an Zinsen weg. Diesen Kampf mit seinen Gläubigern, Leren Zahl schließlich auf 25 stieg, hat Ernst Bombe 21 Jahre lang gekämpft. Er hat gearbeitet mit unerhörter Kraft, immer hoffend, irgendwo ein niedrig verzinsliches Darlehen zu erhalten, groß genug, um alle seine Schulden zu tilgen In dieser Hoffnung hat er seine Schuld von Vierteljahr zu Vierteljahr weiter geschoben, immer die hohen Zinsen zahlend. Die zweite Frau brachte 600 Thaler in die Ehe mit, aber es war ein Tropfen auf einen heißen Stein, zumal auch die Ausgaben wieder bedeutend stiegen, denn es wurden in kurzen Zwischenräumen 6 Kinder geboren, von denen einige lange krank waren. Da Wicmanb von seiner Verschuldung etwas erfahren sollte, verzichtete er auf die Rechtswohlthat des Gehaltsabzugsverfahrens, obwohl ihm, da ihn feine Behörde wegen seiner hervorragenden Leistungen inzwischen zum Rector der 59. Gemeindeschule ernannt hatte, mit einem bedeutenden Gehalt von 3180 X liebst freier Wohnung und Heizung, auch nach Eintritt des Gehaltsabzugsverfahrens eine mehr als ausreichende Summe übrig geblieben wäre. Bei Publicirung des Wuchergesetzes im Jahre 1881 verlangten sämmtliche Gläubiger ihr Geld. Diejenigen Gläubiger, welche keine Bürgen hatten, ließen das Mobiliar öffentlich versteigern und belegten das Gehalt in seinen pfändbaren Theilen auf Jahre hinaus mit Beschlag. Die übrigen Gläubiger, welchen Bombe sichere Bürgen gestellt hatte, stellten aber Agenten an, welche nunmehr mit dem Rector Bombe rote mit den unzähligen verschuldeten Beamten in Beziehungen traten. Das Institut der Agenten, alias Geldvermittler, für Wuchergeschäfte, zählt in Berlin gegenwärtig gegen 50 Personen. Dieselben stehen miteinander in engsten Beziehungen, haben ihre Zusammenkünfte und sind über die sämmilichen Verhältnisse und Beziehungen ihrer Opfer genau unterrichtet. Ihre Thätigkeit besteht darin, Wechsel zu „kaufen" und dieselben dann wieder an den Geldgeber zu verkaufen, um auf diese Weise den Wucher zu verschleiern. Beim Unterbringen des Kaufgeldes an den Geldsuchenden wird natürlich ein „Damno" abgezogen, das sich zwischen 80 und 120 pEt. p. a. bewegt. Der Geldgeber steht als unbekanntes Faktum im Hintergründe und lenkt an unsichtbaren Fäden die Schicksale seiner Kreaturen. Ihr Bestreben geht dahin, künstliche Eriminalfälle zu construiren, in welche die Geldsucher eventuell zu verwickeln wären, um so ihrerseits gründlich dagegen gesichert zu sein, daß der Bewucherte in seiner Verzweiflung doch den Schutz des Gesetzes anrufe. Vor 2Vr Jahren war Bombe nahe daran, gerettet zu werden. Ein evangelischer Geistlicher batte eine Anzahl von Kapitalisten gefunden, dre bereit waren, eine genügend große Geldsumme zusammenzubringen, um ihn gänzlich auszulösen. Die Befreiung eines so werthoollen Opfers konnte aber natürlich nicht allen Wucher- gläubigern angenehm sein und es fehlte nicht an Versuchen, das Vorhaben zu hintertreiben, bis es schließlich gelang. Man gab vor, die Familie Bombe sei nicht sparsam genug, und doch ist selten in einer Familie in ähnlicher Stellung der Haushalt mit geringeren Mitteln geführt worden. Der Gehalt Bombe's belief sich in den letzten Juhren auf 3540 X nebst 600 X Miethsentschädigung und freier Heizung. Das jährliche Nebeneinkommen dieses mit fabelhafter Energie arbeitenden Mannes hielt sich eine Reihe von Jahren hindurch auf 3600 bis 4000 X, d. b. sein Gesammteinkommen war so groß, daß er, wäre es ihm gelungen, seine Verhältnisse durch ein ausreichendes, niedrig verzinsliches Darlehen zu regeln, seine Schulden schnell hätte tilgen und bann noch ein Vermögen ansammeln können. Es läßt sich rechnungsmäßig nachweisen, baß er in den letzten 17 Jahren circa 70,000 X zur Bereicherung bcr Gläubiger hergegeben habe. Am 9. v. M. würbe der Rector Bombe auf dem Georgen-Kirchhofe beerdigt, nachdem er sich am 4. vergiftet hatte. Bedrängt und gehetzt von allen Seiten, hatte der hochbegabte Mann, wie in feinem herzergreifenden Abschiedsbriefe an seine unglückliche Familie zu lesen ist, keine Rettung mehr gewußt. — Die Macht der Liebe, welche des Alterunterschiedes spottet, hat sich an einem glücklichen Paare bewährt, welches sich dieser Tage auf einem Berliner Standesamt im nördlichen Stadttheile meldete. Die holde Braut, eine Frau Wittwe Rentier E., steht in dem respeciablen Alter von 62 Jahren, dagegen ist die Altersziffer des stattlichen jungen Bräutigams gerade die umgekehrte- er ist ein Jüngling von 26 Jahren. Die alte Dame, welche sich noch einmal in Hymens Fesseln schlagen lassen will, ist eine sehr reiche Frau und ihr zukünftiger Gatte ist — ein Student der Philologie. — Eine amüsante Frage, die besonders Rechenkünstler und Eisenbahnfteunde intcressiren dürfte, ist in der bekannten Berliner Wochenschrift „Das Echo" aufgeworfen worden, nämlich: „Eine neue Pacificbahn wurde am 1. Januar eröffnet. Punkt 12 Uhr Mittags gingen an diesem Tage 2 Züge, einer von New-York, einer von St. Francisco ab, jeden der darauf folgenden Tage zu gleicher Zeit 2 weitere Zuge von beiden Endstationen. Jeder Zug braucht genau 7 Tage zur Fahrt. Wieviel Züge begegnen sich auf der Bahnstrecke innerhalb der ersten 7 Tage?" Von einem höheren Eisenbahnbeamten wird die Frage, nachdem eine Reihe falscher Lösungen eingeschickt waren, nun dahin beantwortet: In scherzhafter Weise läßt sich sagen, wenn vom 1. bis 7. Januar jeden Tag in jeder Richtung je ein Zug abzeht, so macht dies in diesen 7 Tagen in Summa 14 Züge und können sich daher in dieser Zeit auch nur eben diese 14 Züge begegnen! Anders stellt sich die Sache in ernsthafter Beantwortung. Sind die ersten 7 Kalendertage des Januar gemeint (von Mitternacht des 31. December auf den 1. Januar bis Mitternacht des 7. Januar auf den 8. Januar), so wäre die Lösung: 28 Züge. Sind aber 7 Tage vom Abgänge des ersten Zuges an gerechnet (b. i. von 12 Uhr Mittags des 1. Januar bis 12 Uhr Mittags des 8. Januar) gemeint, so ergeben sich 36 Zugsbegegnungen, da am 8. Januar um 12 Uhr Mittags (also genau am Schluß der gegebenen Zeitperiode) noch 8 Zugskreuzungen erfolgen, wovon 6 auf bei Strecke und 2 in den beiben Endstationen stattfinden." Eine graphische Darstellung erleichtert das Verständniß dieser Berechnung und bcr Verlag von I. H. Schor er zu Berlin ist sicher gern bereit, Interessenten diese Nummer rc. zur Verfügung zu stellen. Aus dem kleinen Rechenkunststück sieht man übrigens, welche rechnerischen Schwierigkeiten zu überwinden sind, um einen richtigen und sicheren Anschluß im internationalen Welt- und Kreuzungsverlehr bcr Eisenbahnen herzustellen. LandwirthschastlicheS. — (Was kann der einzelne Lanbwirth erreichen in ber Richtung bcr höheren Vnwerthung seiner Probucte?] Gewiß Mancherlei! Vor Allem muß er hierzu bas Ziel haben, unerläßlich die Qualität seiner Maaren, wenigstens wo es ohne wesentliche Erhöhung bcr Productionskostcn angeht, stetig zu verbessern. Das Vieh, welches er für den Zuchtmarkt ober für bie Fleischbank probucirt, muß möglichst genau bereu momentanen Bebürsnissen angepaßt sein. Die Beschaffenheit seiner Butter, seiner Wolle, seiner Milch muß er unausgesetzt verbessern und namentlich möglichst vor Variationen bewahren. Er muß — wie dies Professor Märker in seinem Vortrag vor der bcutschen lanbwirthschaftlichen Gesellschaft so trefflich hervorhob — unablässig daran arbeiten, den Werth seines Hauptproductcs, bcs Gelreibes unb ebenso bei Hackfrüchte burch züchterische Thätigkeit zu erhöhen. Er muß in bcr Reinigung bes Saat- unb Marktgutes, in ber Herstellung gleichmäßiger Durchschnitts-Qualitäten, sowie des letzteren immer peinlicher zu Werke gehen, um beim Verkauf die höchsten Preise zu holen unb um für spätere Zeiten die Arbeit bcs Jätens unb großen Verlust zu ersparen. Er muß bemüht sein, mit dem Verkauf seiner Probucte den günstigsten Zeitpunkt abzuwarten unb namentlich bie kleineren Lanbwirthc müssen sich mehr wie es gegenwärtig ber Fall ist, mit ber wirklichen Lage des Marktes unb mit dem Preis- verhältniß vertraut machen! Auf solchem Wege werben bie einzelnen Lanbwirthc für sich eine bessere Verwerthung ihrer Probucte erlangen können. ' — sDas Rechnen des Landwirths.] Sehr arg ist es meist mit dem Rechnen bes Landwirths bestellt. Die Wenigsten vermögen sich annähernd Rechenschaft darüber zu geben, was ihnen bas Liter Milch, bas Pfund Fleisch, was ihnen ihr Spiritus ober gar ihr Getreibe, ihr Mist zu probuciren kostet. In biefer Beziehung kann ber Lanbwirth ungemein viel von jedem Kaufmann lernen, der kaum eine geschäftliche Operation unternimmt, ohne sie vorher auf das Sorgsamste kalkulirt zu haben. Der Lanbwirth läßt häufig sein ganzes großes Kapital und seine ganze Arbeitskraft in seinem Geschäfte wirken, ohne auch nur einmal eine klarstellendc Rechnung zu machen. Und es ist deshalb nur zu erklärlich, daß bei Berührung zwischen Kaufleuten und Landwirthcn letztere sich jenen gegenüber, was geschäftsmännischen Blick und geschäftliche Klarheit anlangt, meist nicht gewachsen fühlen. Zur Entschuldigung der Land- wirthe muß hierbei allerdings erwähnt werden, daß ihr Beruf so unverhältnißmäßia mehr vielseitige Anforderungen an seinen Leiter stellt als andere Berufsarten, daß infolgedessen Neigung unb Zeit zur Kalkulation beim Landwirth weit weniger vorhanden sind. Auch muß im lanbwirthschaftlichen Rechnungswesen so häufig mit un- meßbaren unb nur zu schätzenden Größen operirt werden, daß dadurch bie landwirth- schastliche Kalkulation nie den vollen Werth unb bie leichtere Einfachheit von vergleichbaren Ausstellungen aus den meisten kaufmännischen unb industriellen Geschäften erlangen können. Nichts aber schärft den Blick des Landwirths für bie Fehler unb die Gebrechen seines Betriebes so wie häufige unb immer wieder angestellte Kalkulationen, bie natürlich nicht von dem Gefühle bcr Zufriedenheit mit den erlangten Resultaten, sondern von dem Bestreben geleitet sein müssen, immer noch viel billigere Probucte unb bereu noch viel bessere Verwerthung zu erreichen. Dar Dorkommen von Diehsenchen im Großherzogthrrm Hessen währenb bes Monats Januar 1886. Rotzkrankheit: Arn 8. Januar würbe ein in einer Pferbeschlächtcrei zu Mainz geschlachtetes, aus Osthvfen, im Kreise Worms, stammenbes Pferd mit Lungenrotz behaftet befunden. Die hierauf angestellten Ennittelungen haben ergeben, daß in dem Stalle, aus dem bas rotzige Pferd herrührte, sich noch 2 ber Seuche unb 5 bcr Ansteckung verdächtige Pf erbe befanden. In einem weiteren, einem anderen Besitzer gehörigen Stalle in Osthofen wurde 1 ber Seuche »erbächtiges Pferb ermittelt unb 6 Pferde unb 1 Maulesel als ber Ansteckung verdächtig erklärt. Milzbrand wurde festgestellt: Im Kreise Friedberg in Fauerbach am 9., im Kreise Büdingen in Nidda am 7. und in Ober-Widdersheim am 8., im Kreise Lauterbach in Schlitz am 31. und im Kreise Erbach in Vielbrunu am 4. December bei je einem Rindoiehstückc. Lungcuseuche: In Burkhards, im Kreise Schotten, wurde am 2. Januar bei einer wegen Krankheit geschlachteten Kuh ber Verbacht auf Lungenscuchc ausgesprochen. Als der Ansteckung verbächtig siub 7 Stücke Rindvieh bezeichnet, welche mit bcr erkrankten Kuh in einem Stalle gestanden haben. Der Bläschen aus schlag in Nieder - Ohmen und Nieder-Breidenbach, im Kreise Alsfeld, und in Nidda, im Kreise Bübingen, ist erloschen. In Lcidhecken, im letztgenannten Kreise, herrscht die Seuche noch fort. Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Trais - Horloff, im Kreise Gießen; in Wolfersheim, im Kreise Friedberg; in Heidelbach unb Erbenhausen, im Kreise Alsfeld; in Leibhecken unb Berstabt, im Kreise Büdingen. Farbige seidene Faille Firanpaise, Sarah, Satin merveilleux, Atlasse, Damaste, Ripse und Taffete 2 Mark 20 Pf. per Meter bis irMk. W Pf. °-rs " ’ * m einzelnen Roben unb Stücken zollfrei in's Haus bas Seidenfabrik-Dcpöt G. Heoneberg (K. u. K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehenb. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 250 erofee Auswahl, fol. Ausführung, mäßige Preise. ^jUlVVvlUt-Ui-sVllyvIl^ Photographien z. Ansicht. Div. gebrauchte Wage«. J. 6. Rumpf, Wagenbauer, Frankfurt a/M., Eisernehand 18. 1344 Allgemeiner Anzeiger. 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Bekanntmachung Großh. Mnisteriums die Bestätigung einer Schenkung betreffend. ‘ 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums die Erweiterung der Hafenstation Guftavsburg bahn betreffend. 3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums die Vergrößerung des Familien-Fideikommisses Schweinsberg auf Rülfenrod betreffend. 4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Alsfeld, die Umlagen der israelitischen Relicsions Gemeinde zu Romrod für 1885 betreffend. 5. Nebersicht der für das Jahr 1886/87 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal- Bedürfnissen in den Landgemeinden des Kreises Offenbach. 6. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Alzey, den Gehalt des Rabbinen zu Alzey betreffend. 7. Ordensverleihungen. 8. Namensveränderung. 9. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft: Am 20. Februar wurde der Gerichtsaffeffor Friedr. Bierau aus Echzell zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Grünberg zugelaffen. 10. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft: Am 20. Januar hat der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Sommerlav die Zu- laffung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Alsfeld, am 27. Januar hat der Rechtsanwalt Karl Volhard in Darmstadt die Zulaffung zur Rechtsanwalischast bei Großh. Oberlandesgericht und Großh: Landgericht der Provinz Starkenburg anfgegeben. 11. Abwesenheitserklärung. 12. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 7. Januar dem evang. Pfarrer Karl Hoffmann zu Heßheim bie evang. Pfarrstelle zu Plenig zu übertragen; am 23. Januar den Oberlehrer an der evang. Schule zu Lampertheiln Jacob Kissinger zum Kreisschulinspector bei der Kreisschulcommission Alzey zu ernennen; am 27. Januar der Ernennung des Inge- nieurs Heinrich Mülwert aus Glattfelden zum Betriebscontroleur bei der Hess. Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft die landesherrliche Bestätigung zn ertheilen; am 5. Februar dem evang. Pfarrer Karl Strack zu Obbornhofen die evang. Psarr- ftelle zu Leeheim zu übertragen; am 17. Februar dem evang. Pfarrverwalter Johannes Medert zu Herbstein die evang. Pfarrstelle zu Wenings zu übertragen. (Schluß folgt.) Verwischtes. Berlin, 9. März. Gestern wurde von einem hiesigen Schöffengerichte der Heilkünstler William Becker, zuletzr in Moabit wohnhaft, der fast alle Gebrechen und Krankheiten durch seine „tropische Heilmethode" auf schriftlichem Wege zu heilen versprochen hatte, zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurtheilt. Der Angeklagte, dessen Ausdrucksweise nur eine oberflächliche Bildung verräth, bestritt nicht nur jede betrügerische Absicht, sondern wollte von dem großartigen Nutzen seines tropischen Kräuterheilverfahrens für die leidende Menschheit tief durchdrungen sein. Er ist schon oft wegen Anmaßung des Doclortitels, wegen Kurpfuscherei und wegen Vertriebs von Arzneimitteln bestrast morden. Wie er selbst einräumt, hat er in einem Zeiträume von sechs Monaten einen Umsatz von 45,000 X erzielt, aber auch bedeutende Ausgaben gehabt, denn er will drei approbirte Aerzte beschäftigt und das von ihm zu Neclamenzwecken allmonatlich erscheinende Blatt „Der fliegende Rathgeber" in 400,000 Exemplaren bis an die äußersten Grenzen des deutschen Reiches verschickt haben. Dem Sachverständigen, Geheimrath Dr. Wolff, gegenüber hatte der Angeklagte einen harten Stand, er gab fick Blöße über Blöße und seine Antworten erregten häufig unter den Zuhörern, worunter sich viele Aerzte befanden, laute Heiterkeit. Er gab zu, daß täglich etwa 30 Recepte von ihm und seinen Leuten verschrieben würden, deren Anfertigung bent Besitzer einer Apotheke oblag. Dieser ließ die postmäßig verpackte Arznei durch einen Spediteur gegen Nachnahme an die Patienten absenden. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängniß und zwei Jahre Ehrverlust; das Er- kenntniß lautete dem Anträge gemäß; auch wurde die sofortige Verhaftung des Ver- urtheilten beschlossen, obwohl derselbe eine Bürgschaft von 10,000 x anbot. Ilschhausen (Kreis Marburg), 9. März. Die anhaltende strenge Kälte hat auch hier ihr Opfer gefordert. Der 45jährige Ackermann Johannes Neb wollte sich in angetrunkenem Zustande aus der Lemert'schen Wirthschaft in Hachborn nach Hause begeben, blieb aber eine kurze Strecke vor Ilschhausen im Schnee liegen und wurde anderen Morgens erfroren aufgefunden. In einem weiteren Falle wurde das Erfrieren eines schon erstarrten Handwerkers nur durch rechtzeitiges Auffinden desselben verhindert. — „Ein vornehmer Schwiegersohn" möchte man das Familiendrama betiteln, dessen letzter Act sich eben vor dem Schwurgericht in Prenzlau abgespielt hat. Der Verlagsbuchhändler Commercienrath Otto Janke in Berlin hegte den Wunsch, einen Grafen als Schwiegersohn ju besitzen. Er wandte sich deßhalb an den Heiraths- vermittler Ucko in Berlin. Dieser vermochte dem Wunsche des Eommercienraths bald zu entsprechen. Graf Matuschka wurde in die Janke'sche Familie eingeführt und wußte sich sehr bald die Gunst der gesummten Familie, ganz besonders aber die Zuneigung einer der heirathsfähigm Töchter des Hauses zu erwerben. Nur wenige Monate vergingen, als Graf Matuschka eine geborene Janke zum Traualtar führte. Commercienrath Janke, der nun hocherfreut war, einen gräflichen, wenn auch vollständig mittellosen Schwiegersohn zu besitzen, kaufte im März 1884 demselben das im Templiner Kreis beleaene Rittergut Alt-Placht für 234,000 X. Graf Matuschka schien einerseits viele Schulden zu haben, andererseits lebte er auf sehr großem Fuß, bis er sah, daß es nicht so weitergehen könne und zu dem Entschluß gelangte, das gesammte lebende und tobte Gutsinventar zu jedem Preis zu uerfaufen und mit dem Erlös in Gemeinschaft mit seiner Frau flüchtig zu werden. Eine kleine Hilfstruppe, unter der sich einige Leute befanden, denen derartige Geschäfte nicht fremd waren, fanden sich sofort bereit, dem Grafen bei Ausführung seines Planes behilflich zu sein. Bereits am folgenden Tage, den 21. Juni 1885, war fast das gesammte lebende und tobte Gutsinventar für einen Schleuderpreis vei kaust. Mit dem Erlös und unter Mitnahme seines Baarvermögens kehrte er noch an demselben Tage am Arm seiner Gattin Deutschland den Rücken, hielt sich in Italien, der Schweiz und Frankreich auf, bis er in Kopenhagen verhaftet wurde. Er ist nun wegen betrügerischen Bankerotts angeklagt und wurde deswegen vom Schwurgericht zu Prenzlau zu 1 Jahr Gefängniß verurtheilt. Seine Helfershelfer, mehrere Händler aus der Llingegenb, die durch Ankauf des den Gläubigern gehörigen Gutsinventars ihm Beihilfe geleistet hatten, erhielten höhere Gesängnißstrafe, da der Gerichtshof zu der Ansicht gelangte, daß Graf Matuschka unter ihrem Druck gehandelt hat. - fAusbruch des Aetna.) Ein Telegramm aus Catania meldet einen neuen Ausbruch des Aetna. Der Berg wirft fortwährend Steine und Asche aus und man vermuthet, daß aus dem Krater auch Lava ausfließt, wegen der dichten Rauchwolken, welche den Gipfel umlagern, können indessen eingehendere Beobachtungen nicht angestellt werden. Am Fuße des Berges sind leichte Erdstöße gespürt worden. — Aus Perpignan, 7. März, wird gemeldet: Gestern Abend gegen 7 Uhr drangen drei vermummte Männer in die Wohnung des Pfarrers von l'Hospitalet Herrn Malsgue ein, der mit einem Collegen, dem Pfarrer Caseponce von Rivesaltes, zu Tische saß. Sie banden die Köchin an einer Thür fest, verstopften ihr den Mund und tödteten sodann die beiden geistlichen Herren mit zahlreichen Messerstichen. Nachher banden sie die Dienstmagd los und ließen sich von ihr unter fortwährenden Todesdrohungen im Hause herumführen und raubten was an Geld und Werthsachen aufzufinden war. Schließlich banden sie das Mädchen wieder fest und entkamen, wie man annimmt, Über die spanische Grenze. Die Werthpapiere im Betrage von 7000 Frcs. warfen die Mörder, von welchen bis jetzt keine Spur entdeckt ist, im Garten wieder weg. Die ganze Gegend ist ob der unerhörten Mordthat in größter Aufregung. Der Pfarrer Malägue, der ein Alter von 60 Jahren erreicht hat, war ein Schwager des früheren Ministers Devds. Caseponce stand im 40. Lebensjahre. — sPllicht der Unterweisung von Maschinen-Arbcitcrn.j Die Gewerbe-Unter nehmer haften aus § 120 G.-O, für den Unfall, wenn derselbe durch mangelhafte Unterweisung der Arbeiter in Handhabung der Maschinen verursacht ist. Der Arbeitgeber soll dafür sorgen, daß die Arbeiter bei Anwendung der Arbeitergeräthe auf die mit denselben verbundenen Gefahren aufmerksam gemacht werden und keine Zuwiderhandlung dulden, gleichviel ob der Arbeiter selbst sachkundig ist oder nicht. Literarisches. — sUniversurrr.j Mit dem soeben zur Ausgabe gelangten zwölften Hefte des „Universum", iüuftiirte Zeitschrift, herausgegeben von Eugen Friefe, redigirt von Jesko von Putt kam er, schließt der erste Halbband des Jahrgangs 1886 in interessanter Weise ab. Das Heft bringt außer dem Schluß der bis zuletzt den Leser in Spannung erhaltenden J e n s e n'schen Novelle „Auf der Lateinschule" eine der Erinnerung Hölderlins gewidmete werthvolle Literaturskizze von Dr. H R., ferner vonM.Eichler einen von tiefer Empfindung zeugenden Beitrag: „Ein alter Brief" in novellistischer Form, dem eine für viele Leser ohne Zweifel noch werthvollere Arbeit: „Aus den geheimen Papieren des zweiten Kaiserreichs" von Arrigo Montanus folgt. Hieran schließt sich eine von echtem Patriotismus dictirte, an die beiden Lichtdruckbilder „Parade in Potsdam" und „Prinz Wilhelm auf der Jagd" (nach Momentaufnahmen von Di. Ziesler) anknüpfende, resp. erklärende Skizze von Eugen Friese, sowie die amüsante, zu rechter Zeil kommende Faschingshumoreske: „Die Komödie der Irrungen" von Hans von Spielberg. Ein besonderer Schmuck des zwölften Heftes ist der schöne, ungemein zart behandelte weibliche Studienkopf von Fr. Zrnurko, der allein den Preis aufwiegt, den der Leser für das Heft anlegt. Aki gemeine FRAM BITTER QUELLE Das zuverlässigste und wirksamste aller ungarischen Bitterwässer, weil am gehaltreichsten an ab- führenden Salzen und das am wenigsten unangenehm schmeckende der Bitterwässer überhaupt, ist das FKAK2 JOSEF-Bitterwasser. Dasselbe wird von den bedeutendsten Aerzten empfohlen und verbreitet sich über seine Bestandtbeile und Wirkungen eingehend die in allen Mineralwasser-Depots (in Giessen bei H. Wallach) gratis zu erlangende Brochüre der Herren Geh. Hofrath «Professor v. Fehling in Stuttgart und Dr. 0 F. Kunze in Halle. 107 Die Versendungs-Direotion in Budapest. 1419 Herzogi. 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