Nr. 88 Zweites Blatt Sonntag den 14. Februar 1886 (fiicßcucr Anzeiger Anrts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. V«reaur Schulstraße 7. Die Urtheilspublikatron im §andesverrathsprocesse gegen Harauw und Röttgcr vor dem Reichsgericht. Am Donnerstag Mittag um 12 Uhr verkündete Herr Senatspräsident Drenk- -mann das Urtheil in dem Landesverrathsprocesse gegen den dänischen Eapitän von Sarauw und den Journalisten Röttger, welcher seit dem ersten Februar die vereinigten II. und HL Strafsenate des Reichsgerichts beschäftigt hatte. Schon um V2I2 Uhr sind die Tische für Berichterstatter dicht besetzt, der kleine dein Publikum zur Verfügung stehende Raum füllt sich schnell. Schon um 3/<12 Uhr sind alle verfügbaren Plätze besetzt. 5 Minuten vor 12 Uhr werden die Angeklagten hereingerufen. Sarauw blickt sich scheu im Saale um, Röttger ist bleicher als gewöhnlich imb bewegt in nervöser Erregung die Hände. Sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Schmidt ist bereits abgeretst und wohnt der Publikation nicht bei, ebenso Munkel aus Berlin. An dem Vertheidigungstische nimmt nur Rechtsanwalt Wolfgram ans Berlin Platz. Kurz nach 12 Ubr tritt der Gerichtshof ein und^Senatspräsident Dr. Drenkmann verkündet folgenoes Urtheil: Eapitän a. D. von Sarauw wird zu 12 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der Ehrenrechte in Dauer von 10 Jahren verurtheilt, Der Journalist Röttger dagegen von der Anklage der Beihülfe wie des Versuchs zum Landesverrath freigesprochen. Gründe: In Paris besteht ein Bureau, das sich die Erlangung secreter militärischer Dinge im Auslande zum Ziel setzt. Dies Bureau unterhält Agenten, welchen Fragen gestellt wurden und die dann diese Fragen beantwortende Berichte einzusenden hatten. Die Einsendung geschah unter Benutzung von Deckadressen. An der Spitze des Bureaus standen ein gewisser Kosselowski und ein Däne, Namens Hansen. Die einlaufenden Berichte wurden von dem Bureau dem französischen Generalstabe übermittelt, nachdem der Gegenstand der Berichte in einem Buche des Bureaus zur Eintragung gekommen war. In dem Correspondenzbuche wurde nicht der Abgangsort eingetragen, sondern nur das Datum des Berichtes. Das Bureau hatte vor Allem sein Augenmerk auf Deutschland. Seine Hauptagenten Maren Kraszewski, Jansen und Sarauw, der in den Registern des französischen Generalstabes den Buchstaben A. führte. Verschiedene Unteragenten befanden sich in Danzig, Kiel, Stettin, Mainz. Die für Sarauw bestimmten Fragen wurden vom Bureau ebenfalls an Deckadressen gesandt. Als solche wurden benutzt die Adresse seiner Ehefrau, sowie die Namen „Madson", „Carl Heinrichs" 2c. . Sarauw sandte feine Berichte, die er von den von ihm geworbenen Unteragenten erhielt, dem Bureau zu. Er bezog von dem Bureau ein festes Gehalt von 5—6000 Francs monatlich. Sarauw leugnet, mit dem geschilderten Bureau in Verbindung gestanden zu haben. Er will im Jahre 1880 in Paris gewesen sein und dort von einem französischen General Ascot (?) aufgefordert worden sein, ihm militärische Correspondenzen aus Deutschland zu senden, die in der französischen Militärzeitschrift, dem Avenire militaire, zum Abdruck gelangen sollten. Hierfür will er ein Jahreshonorar von 4000 Francs bekommen haben. Diese Angabe des Sarauw ist nun keineswegs glaubwürdig, weil Sarauw selbst zugestehen muß, daß er nie einen seiner Artikel in dieser Zeitschrift gedruckt gesehen hat. Mit Bestimmtheit ist dagegen die engere Verbindung Sarauw's mit dem vorgenannten Bureau durch einen Zeugen nachgewiesen, dessen -Hamen der Herr Senatspräsident nicht nennt und den er im weiteren Verlaufe der Publikation nur mit dem Worte „Der Zeuge" bezeichnet. Dieser Zeuge sagt nun aus, daß das Bureau mit dem Avenir militaire in absolut keiner Verbindung gestanden habe. Der Zeuge hat ferner mit Bestimmtheit bekundet, daß der Angeklagte Sarauw feinen Gehalt in Briefen, welche meistens an feine Ehefrau adressirt waren, empfangen hat. In mehreren dieser Briefe hat der Däne Hansen Begleitschreiben gesteckt, welche Aufträge an Sarauw enthielten, so daß dieser über die Provenienz des Geldes absolut nicht im Zweifel sein konnte. Sarauw fft vor 5 bis 6 Jahren in Paris gewesen und hat dort mit den Offizieren des französischen Generalstabes in vertrautem Verkehr gestanden. Der Zeuge ist nicht vereidigt. Der Herr Präsident schildert den Grund hierfür in Folgendem: Der Zeuge fei Elsässer, von Geburt Franzofe und 1879 als Bureauarbeiter in den Dienst des mehrerwähnten Bureaus getreten. Im Juli 1884 habe er sich zur Losung gestellt und als er erfahren, daß Deutschland für ihn optirt habe, habe er sich an die deutsche Behörde gewandt. Da er mehrere Monate darüber im Zweifel sein konnte, ob er Franzose oder Deutscher sei, so babe eventuell der Verdacht der Mitthäterschaft ihn treffen können und so sei aus § 356, III seine Vereidigung unterblieben. Der Gerichtshof hat indessen trotzdem den Darlegungen des Zeugen vollsten Glauben geschenkt. Zunächst ist der Grund, weshalb er den deutschen Behörden die Mittheilungen von dem verrätherischen Treiben machte, nicht nachzuweisen, wohl aber ist, wenn auch das Motiv der Anzeige dunkel blieb, nachgewiesen, daß der Zeuge dies freiwillig und nicht auf Grund von Versprechungen gethan hat. Außerdem hat er für seine Dienste keine Geldsummen erhalten, sondern nur die ihm nothwendig gewordenen Auslagen, die nur eine geringe Summe repräsentiren, ersetzt bekommen. Der Zeuge hat nun durch seine Aussagen nicht allein,, sondern auch durch That- sachen die Anklage wesentl'ch unterstützt. So hat er eine Abschrift des ganzen „Fragebuches" jenes Bureaus und des größten Theiles des livre de correspondance ange- feriigt und der Behörde überreicht. Ans dieser geht nun hervor, die Ansicht, daß es sich hier um eigene Fabrikationen der Zeugen handle, sei absolut ausgeschlossen. Vom Juli 1884 ab hat Zeuge Abschriften von den von Sarauw an das Bureau gelieferten Correspondenzen angefertigt und der deutschen Behörde ausgeliefert. Daß diese Abschriften Falsificate seien, ist völlig ausgeschlossen. Er hat ferner Originalschriften des Kosselowski überreicht und den deutschen Behörden eine Anzahl Originale geliefert, die sich mit den Abschriften inhaltlich völlig decken. Alle diese von dem Zeugen gelieferten Unterlagen ergeben auf das Unzweideutigste die Verbindung Sarauw's mit dem Bureau. Er hat ferner Couverts vorgelegt, welche Sarauw als von seiner Hand adressirt anerkannt hat und die die Deckadresse einer Madame LaPeyrouse tragen. Im Juli 1884 reiste Sarauw durch Deutschland über München nach Oesterreich. In München wollte er mit dem Dänen Hamen, einem der Leiter des Pariser Bureaus, Zusammenkommen. Im September hat sarauw eine Rheinreise gemacht und dabei auch Berlin berührt. Sarauw stellt beide Reisen in Abrede, diese werden jedoch durch den Polizeidirector Krüger-Berlin bestätigt: auf beiden Reisen ist. sarauw bereits polizeilich beobachtet worden. Nach der Rheinreise liegt ein Brief des Angeklagten vor, in welchem er über die Erfolglosigkeit feiner Reise Bericht erstattet. Sarauw hat ferner mit dem s. Z. wegen Landesverrath verurtheilten Hauptmann Hentsch in Verbindung gestanden. " Es ist nachgewiesen worden, daß Hentsch, nachdem er seine Berichte dem bekannten Agenten Adler in Wien angeboten hatte, sie auch dem „Madson" in Kopenhagen Angeboten und überlassen hat. Madson aber ist identisch mit Sarauw. Es liegen Briefe von diesem vor, in denen er dem Hentsch für erhaltene Arbeiten dankt und Berichte über die Befestigungen in Wilhelmshaven fordert, Nach- bem Hentsch verurtheilt, hat Sarauw seiner (Hentsch's) Gattin eine laufende Unterstützung vermittelt, die durch ihn selbst zur Auszahlung gekommen ist. Ferner ist Lurch diesen Proceß ein bisher unaufgeklärtes Moment im Jansscn-Proceß aufgeklärt Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringrrioL» Hurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. worden. Man hatte bei Janssen mehrfach Zettel mit schwarzem Rande gefunden. Jetzt ist nachgewiesen, daß solche von Kosselowski herrübrten. Der „Zeuge" hat der Behörde einen Theil solchen von K. für seine Privat-Correspondenz ständig benutzten Papieres eingebändigt. Sodann ist erwiesen, daß Sarauw namentlich Angehörige des decktschen Soldateilstandes zu beftüninen wußte, ihm Berichte und Nachrichten secreter Natur zugehen zu lassen. In dieser Beziehung ist nachgewiesen, daß er mit einem gewissen Jacobs in Verbindung trat, welcher mit Wissen der Polizei seinem Auftraggeber Berichte sandte; sodann hat Sarauw den Oberfeuerwerker Thomas veranlaßt, ihm fortgesetzt Berichte über die neuesten Resultate auf dem Schießplätze bei Jüterbogk zugehen zu lassen. Ferner hat er mit Röttger eine Verbindung behufs Erlangung von Plänen 2C. der Festung Mainz angeknüpft, sodann den Lieutenant v. Wittgen ersucht, ihm Berichte über die Einführung des Repetirgewehres zu senden und ebenfalls in Sachen dieses neuen Gewehres Informationen von einem dänischen Eapitän Bonschke und einem Oberforstmeister 0. Winger zu erlangen gesucht. Diese Verbindungen sind durch Originalschreiben Sarauw's, die von ihm zugestanden sind, erwiesen. Er hat behauptet, alle diese Nachrichten zu einem militärwissenschaftlichen Werke und zu Artikeln für Militärzeitungen verarbeiten zu wollen. Das ist unrichtig. Es ist vielmehr erwiesen, daß er von allen diesen Sachen dem Bureau Mittheilun- gemacht hat. So hat Angeklagter einen Bericht an Hansen gerichtet (nachdem er den Jacobs für feine Zwecke gewonnen), in welchem er ihm Berichte über das Sperrfort Reuß anbietet und hinzufügt, „er habe einen vorzüglichen Kerl (Jacobs) gewonnen." Aus der großen Reihe von einzelnen Verrathsfällen hat nun der Gerichtshof die folgenden als unzweifelhaft nachgewiesen herausgegriffen: Sarauw hat 1) dem Bureau die Berichte über die streng fecreten Sturmgeräthe geliefert, mit Hilfe des Hentsch und des aus dem Hentsch'n Processe bekannten Coßmann. Diese Berichte waren sehr werthooll für die französische Regierung und man hat gerade diesen Verrath seitens der deutschen Regierung unangenehm empfunden. Es handelte sich besonders um sog. Fischbauch- Leitern und Brücken (pontes d&nontables), die zum Sturm auf Sperrforts voll einem deutschen Generalstabsofficier erfunden waren. Charakteristisch ist, daß Hentsch diese Berichte angeblich jenem Agenten Adler angeboten hatte und sie daml erst dem (Madson)- Sarauw allslieserte, der sie sofort dem Bureau in Paris zugehen ließ; 2) bot Sarauw dem Bureau den vollständigen deutschen Mobilisirungsplan für 10 000 Francs an. Män antwortete ihm, daß die französische Regierung schon im Besitze desselben sei, daß man aber auf zwei bestimmte Eapitel reflectire und bot für diese 1000 Francs. Die Abschrift dieser zwei Capitel, die unbedingt höchst secreter Natur waren, hat Sarauw dem Bureau geliefert. Mobilisirungspläne aber find militärische Geheimnisse ersten Ranges; 3) bot Sarauw dem Bureau ein Document über Pulver an. Dies wurde für 1200 Francs acceptirt. Später wurde der Preis sogar auf 1500 Francs erhöht. Damals hatte ein Oberstlieutenant Bode eine Monographie über Pulver geschrieben , die mit Genehmigung des Kriegsmiiüsteriums im Druck erschien, aber nur den Officieren zum Dienstgebrauch übergeben wurde, also ebenfalls secreter Natur war; 4) verrieth sarauw die Ergebnisse der angestellten Untersuchungen über die Wirkung der Granaten und Shrapnels, welche behufs Vergleichungen angestellt wurden. (In dem Correspondenzbuche des Pariser Bureaus ist dieser Bericht Sarauw's mit „Tire d’artillerie comparative“ bezeichnet); 5) lieferte Sarauw die Berichte der Artilleric- Prüfungs-Commission aus, die streng geheim zu halten sind. Es sind dies die Resultate der auf den Schießplätzen von Cunnersdorf und Zossen Dorgenommenen Schießübungen; 6) erlangte Sarauw einen Bericht über eine neue 21 Centimeter- Kanone, welche am 21. September 1881 angefertigt war und verschaffte sich auch eine Abschrift einer Monographie, welche über dieselbe geschrieben war; er lieferte Beides seinem Bureau aus; 7) steht aus einem Eintrag in die Bücher jenes Bureaus fest, daß sarauw einen Plan der Festung (Solberg geliefert hat; 8) hat er versucht, Pläne der geplanten Befestigungen von Kiel zu erlangen; so hat er eine Generalstabskarte eingeschickt, in welcher sich die projectirten Forts eingezeichnet befanden; 9) erlangte Sarauw Kenntniß von dem Plane, bei Cuxhaven zu den schon vorhandenen vier Forts ein fünftes zu bauen, da das Fort Kugelbake durch die an ihm vorgenommenen Schießversuche erheblich gelitten haben sollte, auch ein Plan wurde dem Bureau von Kopenhagen aus geschickt; 10) hat Sarauw einen Plan von Swinemünde eingereicht, für welchen 1000 Francs gezahlt sind; dagegen ist nicht erwiesen, daß ein Plan der Festung Magdeburg ebenfalls von dem Angeklagten dem Bureau geliefert worden ist; 11) wurde Sarauw zur Last gelegt, einen Plan der Festung Spandau geliefert zu haben. Da der den Bericht enthaltende Brief aber aus Dresden kam, so steht immerhin offen, ob er nicht durch Kraszewski dem Bureau gesandt wurde. 12> Im Jahre 1884 machte man deutscherseits Versuche mit gepanzerten CaponiLren. Am 20. Januar 1885 hat nun Sarauw dem Bureau eine Zeichnung von solchen eingereicht und zugleich bemerkt, daß solche mit je 4 Hotshiß-Kanonen arnürt werden sollten. 13) Fällt dem Sarauw zur Last, dem Bureau Berichte über die geplante Einführung des Repetirgewehres gesandt zu haben. Diese Berichte enthielten weniger Thatsachen, als irrtümliche Behauptungen und (Kombinationen. 14) Hat Sarauw versucht, Artillerie- und Infanterie Munitionspläne zu bekommen, sodann von Thomas Nachricht über feste Festungsziele auf den Schießplätzen bei Jüterbogk, die er nebst Zeichnungen dem Bureau übersandte. Schließlich kommt die Befestigung von Mainz in Betracht. Es unterliegt keinem Bedenken, daß Röttger in fortlaufender Verbindung mit Sarauw gestanden hott Röttger hat sich daraus berufen, daß er nichts geschrieben hat, das nicht Ichon Jahre vorher durch die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht fei. Die Sachverständigen haben dies bestätigt und nach ihrer Ansicht ist bei einem so weit verbreiteten Blatte die französische Regierung dadurch schon in den Besitz des Materials gekommen. Bezüglich des Berichts von Röttger, der auf die an der Südfront von Mainz im Kriegsfälle zu errichtenden Erdwerke sich bezieht, ist angenommen worben, daß dies (Kombinationen des als gediegenen Militärschriftsteller bekannten Röttger seien. Aus diesem Grunde ist der Gerichtshof dazu gelangt, den Röttger sowohl von der Beihilfe zum Landesverrath wie von dem Versuche freizusprechen. Ter Herr Senatspräsident wies nun noch ausführlich darauf hin, daß Sarauw, obwohl er Ausländer fei, unter ben $ 92 falle unb erwähnte bann weiter bezüglich der Strafabmesfung, baß ein Landesverrath in größerem Maßstabe, als Sarauw ihn begangen habe, kaum gedacht werben könne. Er habe ben Lanbesverrath lediglich gegen Geldgewinn geschäftsmäßig getrieben und fein Verrath fei in Bezug auf die daraus entstehenden Folgen durchaus nicht muiorifcb, sondern sogar gefahrdrohend gewesen. Außerdem habe er nach einem förmlichen System sich der Mithilfe von Angehörigen des deutschen Soldatenstandes versehen, so daß von der Annahme mildernder Umstände keine Rede sein könne Auch sei ber Verrath an einem Lanbe begangen, mit welchem ber Heimathsstaat des Angeklagten in Frieden lebe, daher sei auch auf 10 Jahre Ehrverlust erkannt worden. Röttger wird cntlassen, Sarauw in Haft behalten. Erscheint ILglich mit Ausnahme des Montags. UrriverfitätS - Ehrorrik. — Professor Gedeon Ladanyi von der Klausenburger Universitär ist am 4. Februar gestorben. Er war einer der tüchtigsten ungarischen Historiker. Im Iuhre 1870 erschien sein erstes großes Werk: „Die Geschichte des ungarischen König- thums biS zum Szatma'rer Friedensschluß", nach dessen Erscheinen er im Jahre 1872 i* die Akademie gewählt wurde. Im Jahre 1873 wurde er zum Professor an der neuen Klausenburger Universität ernannt. Seine letztere größere Arbeit: „Die Geschichte Ungarns" hat mehrere Auflagen erlebt. — Am 5. Februar starb an den Folgen eines Blutsturzes Prof. Dr. Franz Hirschwälder, welcher an der Berner Universität systematische Theologie las. Er bat ein Alter von 42 Jahren erreicht. Vermischtes. — Kürzlich berührten wir, schreibt das „Leipz. Tagebl.", die Lehrlingsfrage im Handwerk und führten aus, daß die Geringschätzung, mit welcher man noch immer bei unS imbegründeter Weise auf das Handwerk, das seinen goldenen Boden noch nicht verloren hat, zurückblickt, den jungen Leuten bei ihrem Hinaustreten aus der Schule in das praktische Leben die Lust zum Erlernen eines Handwerks verleide. Als einen Beweis dafür, daß dieser Umstand sehr bedauerlich ist, muß die verbürgte Nachricht aus Berlin angesehen werden, nach welcher unter den Hunderten der stellenlosen und nothleidenden jungen Handlungsbeflissenen daselbst neuerdings viele noch nachträglich ein Handwerk erlernen. — Möchte bei der Berufswahl zu Ostern diese Thatsache, die am besten für sich selbst spricht und keiner weiteren Erläuterung bedarf, in Berücksichtigung gezogen werden. — Die Silberdiebe, welche vor mehreren Monaten das Potsdamer Viertel zu Berlin unsicher machten und durch nächtliche Patrouillen der Criminalpolizei von dort verscheucht wurden, haben nunmehr während der Nacht einen Besuch In der Wohnung des Fürsten Radziwill am Pariserplatz abgestattet, indem sie die nur mit einfachen Schnepverschlösfern versehene Haus- und Eorridorthür ohne Schwierigkeit öffneten. Die Diebe haben sich anscheinend mehrere Stunden in der großen Wohnung aufgehalten, alle Räume derselben nach Gold- und Silbersachen durchsucht und sich erst gegen 6 Uhr Morgens entfernt. Der Hausdiener, welcher zuerst am Morgen die Wohnung betrat, fand das bei Ausführung des Diebstahls benutzte Licht noch brennen. Auffallenderweise haben die Thäter bei Beurtheilung des Werthes der von ihnen gefundenen Gegenstände sich nicht als Sachverständige erwiesen, denn während sie einen großen goldenen Pokal und sehr merthvolle massive Silbergeräthschaften zurückließen, haben sie neben echten eine beträchtliche Menge von Alfenidelöffeln und Gabeln mitgenommen. Sechs schwere silberne Tablets sind von ihnen in eine Decke gewickelt und gleichfalls mitgenommen, ab-r auf dem Pariser Platz ins Gebüsch geworfen morden. — sAn der Tanzwuth erkrankt.^ Baronesse Marietta Burn, ein junges, reizendes Mädchen aus der Pariser Aristokratie, wurde vor einigen Tagen einer Heilanstalt übergeben, nachdem die Aerzte den Ausbruch des Wahnsinns festgestellt hatten. „ Die junge Dame war nämlich von einer wahren Tanzwuth befallen; sie entwich allnächtlich dem elterlichen Palais, um sich in den gemeinsten Schänken so lange im Tanze zu drehen, -iS sie ohnmächtig zusammenbrach. Am Morgen stets von Polizisten hereingebracht, sagte Marietta: „Dort tanzt man, in unseren Salons kriecht man ja nur." Da das Mädchen auch bei Tage ohne Musik sich unablässig im tollsten Tanze bewegte, so schien die vorerwähnte Maßregel ein Gebot der Nothwendigkeit $u sein. New-Uork, 5. Februar, lieber dem amerikanischen Eontinent hat ein weiterer furchtbarer Schneesturm gehaust und der Schneefall ist ein so reichlicher, wie er seit Jahren nicht erlebt worden ist. Der Sturm begann am Montag und Dienstag im Felsengebirge, wandte sich dann allmälig dem Osten zu und trieb gestern über den Atlantischen Oeean. In südlicher Richtung dehnt er sich bis zum Golf und der Stadt Mexiko aus, wo zum ersten Male seit 30 Jahren Schnee gefallen ist. Die amerikanischen Eisenbahnen sind an vielen Stellen blockirt. Eine ganze Familie, bestehend aus 8 Personen, wurde auf einer Prärie unweit Oberlin, Kansas, erfroren aufgefunden. Die Unglücklichen waren Einwanderer und wurden von dem Schneesturm überholt. Auch in Washington erfroren in vergangener Nacht 2 Personen. — Zum Tröste für die Rheumat'schen und Gicht'schen, denen bei dem jetzigen „Hundewetter" ihre Preßhaftigkeit in so eindringliche Erinnerung gebracht wird, sei nachstehender wahrheitsgetreuer Bericht über eine Konsultation wiedergegeben, die ein bayerischer Brauereibesitzer kürzlich mit dem Geheimrath Professor v. 9L, der größten ärztlichen Celebrität der bayerischen Hauptstadt, gehabt hat. Der biedere Bierbrauer leidet, woran so manche Bierbeflissene ift höheren Semestern leiden, an der Gicht. Er fährt also nach München und geht zu Professor v. N., der ihn übrigens aus beiderseitigem militärdienstlichem Verhältniß her noch kennt. Da entspinut sich dann folgender herzerhebender Dialog: Professor v. N. (ein gemüthlicher Urvater): „Na, lieber X., wo fehlt's denn?" „Herr Geheimrath, ich hab's in den Beinen." „So, so, in die Beine haben Sie's! Na, schaun's, wenn Sie's oben im Knie haben, nacha is die Gicht; wenn Sie's aber unten in den Zehen haben, nacha is das Zipperle." „Herr Geheimrath, ich hab's in den Knieen." „So, denn zeigen's mal her . . . Nichtig, das is die Gicht." „Nun, und was hilft denn dagegen, Herr Geheimrath?" „Ja, schaun's, lieber X., da denkens jetzt 'mal drüber nach, und wenn Sie a richtiges Mittel wissen, nacha sag'n 's mir's — dann sin ma alle zwo« in einem Jahr Millionär." „Nun, und sonst?" „Sonst trinken's halt möglichst wenig und halten's den Fuß warm und g'streckt." „Danke schön, Herr Geheimrath. Was bin ich schuldig?" ' „Das kost nix, lieber X., aber 's nutzt auch nix." -- (Singen und Eierlegens In einer kleinen bayerischen Stadt trug sich neulich in der Vemeinderathssitzung ein komischer Zwischenfall zu. Man stritt sich heftig hin und her, ob der Gesellschaft „Fauna" zu ihrer im März zu veranstaltenden Geflügel-Ausstellung wiederum eine städtische Prämie von 100 «A. zu bewilligen sei. Nachdem von der einen Seite darauf hingewiesen worden war, daß nach solchem Präzedenzfall auch die Gesangvereine mit Unterstützungsgesuchen kommen könnten, brach einer der Väter der Stadt in die klassischen Worte aus: „Ach was! Singen kann ein Jeder, aber Eierlegen nicht!" Stürmische Heiterkeit folgte und die 100 «A wurden bewilligt. Ganz seidene Spitzenstösse 70 cm. br. schwär; u. creme) M. 1.95 bis M. L5.— per Meter (Chantilly, Guipure und echte Schmetter Stickerei) ^t-r-und stückweise ’ 1 L 7 zollfrei m's Haus das Ser- denfabrik-Däpot 6. Henneberg (K. u. K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehend- Briefe kosten 20 Pfg, Porto- 412 Dienstag den 16. Februar, Nachmittags 2 Uhr, 904 wird Flügelsgasse 20 der Nachlaß des I. Horn: Kleiderschrank, Schrank mit Glasaufsatz, Küchenschrank, Kommode, Tische, Stühle, gutes Bettwerk und Weiß- zeu«, Küchengeschirr u- sonst, versteigert. Im Auftr.: Müller, Ortsgerichtsmann. Ieilgeöotenes. Apotheker Bergmann s Ziwfcnwollle 1006 zum augenblicklichen Stillen jedes Zahnschmerzes. Erfolg garantirt. Vorräthig fr Hülse 30 H bei Carl Schwaab. Polstermobel Stühle, Spiegel, Bettvorlagen, Rouleaux, Wachs-Ledertuche empfiehlt 511 W. Kutzschrad, Tapezier, Kaplansgasse 27. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Johannes Kißel II. von Garbenteich hat in dasiger Gemarkung Mur IX. Nr. 197 und Flur XII. Rr. 68 nach Kaufbrief vom 29. April 1853 an Karl Leinweb er von Steinbach verkauft, es kann aber die Zahlung nicht nachgewiesen werden. Wer Ansprüche auf das Kaufgeld zu bllden hat, wolle dieselben so gewiß binnen 2 Monaten hier geltend machen, alt sonst die Zahlung unterstellt und das beschränkt gelöscht werden soll. Gießen, den 10. Februar 1886. Großh. Amtsgericht Gießen. Langsdorfs. 1012 Holzversteigerung. Mittwoch den 17, und Donnerstag den 18. Februar soll im Leihgesterner Gemeindewald nachverzeichnetes Holz versteigert «erden. 1. 7 Eichen-Stämme mit 2,08 Festm., 2. 51 Nadel-Stämme mit 15,50 Festm-, 3- 481 Nadel - Derbstangen mit 16,22 Festm., 4. 128 Nadel - Reisstangen mit 1,72 Festm., 5. 6 Rmtr. Eichen-Scheit, 6. 23 „ Nadel- „ 7. 412 „ „ Knüppel, unter welchen 20 Raummeter von 3 Mtr. Länge, I. 200 Buchen-Wellen, V 500 Eichen- „ 10. 12060 Nadel- „ 11. - 20 Rmtr. Eichen-Stock, 12. 87 „ Nadel- „ Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr in Abtheilung Mühlberg. Leihgestern, am 10- Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Leihgestern. Heß. 973 Holz-Versteigerung im Wilsecker Gemkindeimld. Freitag den IS. Februar, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Wiesecker Gemeindewald, in den Districten Hegwald und Teufelspfütze nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz. Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen- Buchen 199 22 26 2000 Eichen 4 82 9,2 730 Nadel — - - 365 B. Bau-, Werk- und Nutzholz. 224 Eichenstämme mit 29,51 Festm., 321 Eichenstangen „ 19,70 „ 251 Nadelstangen „ 2,63 „ Die Zusammenkunft und der Anfang ist im Hegwald und wird sämmt- liches Stamm- und Stangenholz zuerst versteigert. Wieseck, am 12. Februar 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Wieseck. __Sommerlad. 1015 Brennholz- Versteigerung in dem Licher Gemeindemald. Donnerstag den 18. L M. werden im Distrikt Großhäuserberg versteigert: 165 Eichenstangen, für Wagnerholz geeignet, 128 Rmtr. Buchen-Scheitholz, 232 „ „ Knüppel, 50 „ Eichen-Knüppel, 6800 Buchen-Durchforstungswellen, 2375 Eichen-Wellen, 100 Nadel-Wellen, 168 Rmtr. Buchen-Stöcke, 24 „ Eichen- „ Der Anfang ist Morgens 9 Uhr am Nonnenröder Weg an der Streiteckschneise. Lich, den 10. Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Lich. Walz. 964 Holzversteigerung. Dienstag den 16. und Mittwoch den 17. d. M. werden in den Ober-Bessinger Gemeinde-Waldungen versteigert: 264 Eichenstämme von 15—53 Ctm. Durchm. und 5—18 Mtr. Länge, 21 Buchenstämme von 36—69 Ctm. Durchm. und 4—5 Mtr. Länge, 2 Fichtenstämme von 16—22 Ctm. Durchm. und 8—11 Mtr. Länge, 3 Nadelstämme von 15—25 Ctm. Durchm. und 3—5 Mtr. Länge, 147 Eichen-Derbstangen von 7—14 Ctm. Durchm. und 3—13 Mtr. Länge, 31 Nadel - Derbstangen von 7—13 Ctm- Durchm. und 5 Mtr. Länge, 297 Rm. Buchen-Scheiter, 221 „ „ Knüppel, 41 „ Eichen- „ 632 „ Buchen-Astreisig, 162 „ Eichen- „ 112 „ Eichen- und Nadel-Durchforstungsreisig, 109,5 „ Buchen-Stockholz, 107 „ Eichen- „ Das Bau-, Werk- und Nutzholz kommt am ersten Tage zur Versteigerung. Der Anfang ist jeden Tag Vormittags 9V2 Uhr im Distrikt Haard bei Holznummer 1. Ober-Bessingen, 9. Februar 1886. Gr. Bürgermeisterei Ober - Bessingen. Kühn. 957 Kapitalien-Ausleihung. Aus unserer Kirchenkaffe sind am 1- April d. I. etwa 100000 Mark in größeren oder kleineren Beträgen gegen hypothekarische Sicherheit auszuleihen. Angebote wolle man an die Unterzeichneten richten. Gießen, den 9. Januar 1886. Der evangelische Kirchenvorstand. Dr. Naumann, J. Haustein. Pfarrrr. 269 Holzversteigerung im Dsubringer Gemeindemald. In verschiedenen Distrikten soll nachverzeichnetes Holz versteigert werden: Montag den 13, Februar 63 Eichen-Stämme mit 33,60 Fstm.. 69 Nadel- „ „ 21,88 , 635 „ Derbstangen mit 19,56 Festm., 1070 „ Reisstangen mit 12,36 Festm. DienStag den 16. Februar Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter Wellen Buchen 108 20 24 1170 Eichen 11 8 11 600 Nadel 136 160 — 3400 Zusammenkunft jedesmal Morgens 10 Uhr auf der Haid am Eingänge des Waldes. Daubringen am 10. Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Daubringen. Walter. 983 Theo, Choeslade, Caeeso u. Vanille empfiehlt 77 C. Roth. 976] Heu und Grummet verkauft I. Balser, Mittlere Bleiche. Große Lotterie zu Darmstadt. Staatlich genehmigte Vertonung mit Gewinne int Werthe von 42,650 X Darmstädter Pterdeloose 2 J, — Loose zum Butzbacher|Zöchtvietarkt ä 1 JL bei 572 C. Lehrmund, Neuenweg. Fleischpepton Dr. Koch’s und Kemmerich’s. 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