Ur. 238 Mittwoch deu 13. October 1886. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. »wteetit Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. ■MPMWKMUMMUJMMI !■ !■ »UlJl■ ■MMMnBMMMMWI——■ Amtlicher Hheil. Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit SHtytM*. Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bekanntmachung. Donnerstag de» 14. dieses Monat», Nachmittag» 8 Uhr. soll eine Generalversammlung de» land wirtdschafUichen Bezirksveretns Gießen m Lich tu der Turnhalle daselbst stattfinden. In dieser Versammlung hält Herr Hofgartner Noack von Darmstadt einen Vortrag über «bstverwerthung. Im Anschlüsse an diesen Vortrag wird in der Versammlung ein Dörrofen neuester Constructwn aus der Elsengreßerel von Räder in Darmstadt in Betrieb gesetzt und erklärt. Diesen Ofen (im Werthe von 200 kauft der {anorotrtyicpaftnqie herein zum Zwecke der Verloosung unter die Anwesenden an. Das Nehmen der Loose soll jedem Anwesenden, nicht blos den Vereins- Mitgliedern, gestattet und dem Gewinner nur die Verpflichtung auferlegt sein, nach Möglichkeit jedem Interessenten Einsicht dieses Ofens zu gestatten. Der Preis eines X$oo)e5 ist auf 50 nj\ festgefetzt. ^Wieber des Vereins und Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hiermit freundlichst eingeladen. Greßen, den 7. October 1886. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. _________________________________Nover Der Director des landwirthschaftlichen Bestrksoereins Gießen an die Herren Bürgermeister de» Kreise». .... 34 ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung auf geeignete Weise zur Kenntniß Ihrer Gemeindeangehörigen zu bringen und dieselben auf diese wichtige Versammlung noch besonders aufmerksam zu machen. Nover. ' Politische Ueberficht. Gießen, 12. October. Wie aus Baden-Baden gemeldet wird, konnte sich der Kaiser Wilhelm auch in den letzten Tagen in gewohnter Weise den Regierungs-Arbeiten widmen und nahm auch Vorträge entgegen, welche die Zeit von zwei Stunden überdauerten. Es erhellt daraus, daß es dem verehrten Monarchen vergönn ist, stch trotz der Last eines patriarchalischen Alters immer noch ununterbrochen ' den Regierungs-Geschäften zu widmen, was namentlich in Hinblick auf die Trübung der europäischen Lage durch die bulgarische Frage mit großer Genug- thuung von allen denjenigen Politikern begrüßt werden wird, welche in Kaiser Wilhelm den obersten und einflußreichsten Wächter über den europäischen Frieden erblicken. Der Staatssecretär v. Bötticher, der jetzt Ostpreußen bereist, wird vor seiner Rückkehr nach Berlin sich zum Reichskanzler nach Varzin begeben, um mit demselben die Vorlagen für den Reichstag sestzustcllen, der bekanntlich in der zweiten Hälfte des November zusammentreren soll. In der Presse des Auslandes, zumal in derjenigen Oesterreichs und Englands, machen sich immer mehr Stimmen geltend, daß Deutschland, resp. der deutsche Reichskanzler, die Rolle eines Schiedsrichters in der bulgarischen Frage übernehmen soll. Bei der bekannten Abneigung des Fürsten Bismarck, den Schiedsrichter zu spielen, dürste sich derselbe dieser undankbaren Aufgabe aber wohl erst dann unterziehen, wenn alle betheiligten Mächte die vermittelnde Thätigkeit der deutschen Diplomatie wünschen. Ob der englische Minister Lord Churchill der Träger einer solchen Mission gewesen ist, läßt sich riicht mit Bestimmtheit sagen, da Lord Churchill nur einen Tag in Berlin weilte und dann nicht nach Varzin, dem jetzigen Aufenthaltsorte des Fürsten Bismarck,'sondern nach Wien weitergereist sein soll. Etwas abgeschmackt klingt aber jedenfalls eine Meldung aus London, wonach Lord Churchill die Reise nach dem Fesilande nur aus Gesundheits-Rücksichten unternommen habe, als ob es nicht mit Händen zu greifen wäre, daß England nach Verbündeten in feiner vollständig ifolirten Stellung sucht, zumal auch Frankreich nicht eitel Lust hat, wegen der egyptischen Frage England die Freundschaft zu kündigen. Die parlamentarischen Arbeiten für den Reichstag befinden sich bereits in nahezu vollendeter Vorbereitung. Der Eindruck, welchen das Erscheinen eines deutschen Geschwaders vor Zanzibar auf den Sultan Sejid Bargasch gemacht hat, scheint sich schon wieder verwischt zu haben. Die Beziehungen Deutschlands zum Sultanat von Lanzibar sind schon wieder nicht allzu günstige, und kann man als äußeres Zeichen dafür dies ansehen, daß die als Geschenk für den Sultan bestimmten Geschütze noch nicht von Berlin nach ihrem Bestimmungsorte abgegangen sind. Dem Vernehmen nach legt der Sultan den Deutschen in Ost-Afrika allerlei Hindernisse in den Weg, er hat z. B. seinen Untertanen bei Leibesstrafe verboten , in die Dienste der Deutschen zu treten; auch sind seinerseits Eingriffe in dis Rechte der Deutschen wiederum versucht worden. Wiederholt eingegangenen Berichten zufolge ist das Verhalten des Sultans auf den Einfluß des englischen General. Consuls Kork zurückzusühren. Uebrigens bestätigt es sich, daß Sir John Kork zur Berichterstattung über die demnächst beginnenden Grenzreguli- rungs-Fragen von der ostafrikanischen Küste nach London berufen worden ist. Wie unbegründet die Sorge um die Lockerung des deutsch-öster- reichischen Bündnisses in gewissen Kreisen Oesterreich-Ungarns gewesen ist, hat auch im österreichischen Abgeordnetenhause die Beantwortung der Interpellation des Abg. Heilsberg durch den Minister-Präsidenten Grafen Taaffe dargethan. Graf Taaffe sagte: „Die Annahme, als wenn das Verhältniß unserer Monarchie zu Deutschland erschüttert worden sei, ist vollkommen grund- los. Dasselbe beruht nach wie vor auf den vom Minister des Auswärtigen in den Delegationen wiederholt definirten Grundlagen, und es liegt kein Anlaß vor, um eine Lockerung ober Trübung der gegenseitigen engen und vertrauensvollen Beziehungen besorgen zu lassen." Die von Heilsberg beantragte Eröffnung der Debatte über die Antwort wurde abgelehnt. Dafür stimmten nur der deutsch- österreichische und deutsche Club, die Antisemiten und die Demokraten; das VorgcheNs des deutsch-österreichischen Clubs war also ein überflüssiger Schlag In Wien soll angeblich die Polizei einem Anarchisten-Club auf die Spur gekommen sein, welcher seine verbrecherischen Bestrebungen nicht nur mit Dynamit, Gift und Dolch, sondern auch mit , Falschmünzerei" zu ver- folgen scheint. In Triest und Buda-Pesth haben die Erkrankungen und Todesfälle an der Cholera keine Vermehrung erfahren, aber in Szeged in sind dieselben gestiegen. Die Schwierigkeiten, welche im französischen Budget ent- standen sind, beschäftigen seit einigen Tagen unausgesetzt die Regierung Frankreichs, zumal die Budget - Commission es ihrerseits geradezu abgelehnt hat, paffende Vorschläge zur Beseitigung der Kalamitäten zu machen. Im Cabinets- rathe hat der Finanzminister Sadi Carnot seinen Kollegen die überraschende Mittheilung gemacht, daß der Budget-Ausschuß bis jetzt vollständig versäumt habe, ihm von seinen verschiedenen Beschlüffen hinsichtlich der Beseitigung des Deficits irgendwelche Kenntniß zu geben, so daß er sich gar nicht in der Lage erachte, feinen Kollegen über diese Beschlüsse Bericht zu erstatten. Die Begnadigungs-Affaire der Anstifter des jüngsten Put sch es hat in Spanien zu einer allgemeinen Ministerkrisis geführt, da das Ministerium Sagasta die Verantwortung für die glimpfliche Behandlung der Revolutionäre nicht übernehmen wollte. Der Minister Präsident Sagasta überreichte am Freitag der Königin-Regentin das Entlaffungsgesuch des gesammten Ministeriums. Die Königin wies Sagasta an, sich im Lause des Tages zur Entgegennahme weiterer Befehle noch einmal im Palais einzufinden und hat ihm dann den Auftrag ertheilt, ein neues Kabinet zu bilden. Lopez Dominguez hatte die Bildung eines Ministeriums abgelehnt, da nach feiner Meinung Sagasta und feine Anhänger in Spanien jetzt immer noch eher der Situation gewachsen seien. Von osficieller russischer Seite liegt bis jetzt keine Kundgebung darüber vor, was Rußland in der bulgarischen Angelegenheit zu thun gedenke. Alles, was man hörte, sind nur Vermuthungen und unverbürgte Zeitungs- Nachrichten. Wahrscheinlich will man in Rußland die Beendigung der Mission des Generals Kaulbars in Bulgarien abwarten, obwohl dieselbe schon jetzt als gescheitert betrachtet werden dürste. Von einer Occupation Bulgariens durch russische Truppen rathen übrigens auch russische Zeitungen, ja, sogar Organe der Panslavisten ab, da sich Rußland dadurch die Sympathien der Südslaven verscherzen werde. Aus den bulgarischen Städten kommen bunte Nachrichten über ras Auftreten und die Erfolge des Generals Kaulbars. Die Garnisonen von Schumla und Rustschuk sollen stch nach der Ansprache des Generals Kaulbars Är Rußland erklärt und der bulgarischen Regierung angezeigt haben, daß sie ich freie Entschließungen gegenüber den unsicheren Zuständen des Landes vorbe- sielten. Unruhen sollen ebenfalls in Bulgarien schon vorgekommen sein, doch behaupten osficielle Depeschen der Regierung in Sofia, daß im ganzen Lande stutze und Ordnung herrsche, auch sollten die Wahlen zur großen Sobranje 'einen Aufschub erleiden, sie haben also am Sonntage trotz des Vetos der russischen Regierung stattgefunden. Krankreich. Paris, 10. October. Der „Temps" berichtet über eine Unterredung, welche einer seiner Mitarbeiter mit dem König von Griechenland gehabt hat. In derselben erkannte der König an, daß sich Europa augenblicklich in einem Zustande der Beunruhigung und Störung befinde. Griechenland werde sich lndeß nicht in den Lauf der Ereignisse einmischen, sondern sich, wie Frankreich, damit begnügen, eine beobachtende Haltung einzunehmen. Das gegenwärtige Gleichgewicht Europas, wie dasselbe durch die formidabeln Ereignisse der letzten Jahre hergestellt fei. könne kein definitives sein. Die Zeiten Karls, Ludwigs XIV. und Napoleons I. lieferten den Beweis dafür, daß keine Macht auf lange Zeit hinaus die absolute Suprematie in Europa behalten könne. Der König beklagte lebhaft, daß gewisse Bestimmungen des Berliner Vertrages nicht beobachtet würden und sprach schließlich mit Anerkennung von den hervorragenden Eigenschaften Freycinet'». Bulgarien. Sofia, 10. October. Etwa 150 Landleute begaben sich Morgens nach dem russischen Consulate, um Erkundigungen etnzuziehen, wie sie sich bei den Wahlen zu verhalten hätten. Nekljudow erschien am Fenster, von der Menge mit Rusen: „Es lebe Rußland!" begrüßt und hielt eine Ansprache, worin er auf die Mission Kaulbars' hinwies unv htnzufügte, Rußland habe bereits erklärt, daß es die Wahlen als nichtig ansehen werde. Die Landleute gingen hierauf nach dem Wahlbureau und erklärten, sie kämen, um den Wahlen Einhalt zu thun, da dieselben von Rußland gemißbilligt würden. Die im Wahlbureau Anwesenden trieben die Landleute zurück, wobei mehrere von den letzteren auf der Treppe stürzten und von den Nachdrängenden getreten wurden. Die Wähler verfolgten die Bauern mit Steinwürsen und Schlägen, 5 oder 6 Verwundete wurden auf das russische Consulat gebracht, wo ihnen von dem Personal desselben Hülfe geleistet wurde. — Man spricht von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regentschaft, indem Karawelow den Collegen gegenüber den russischen Forderungen zuneigen soll. Der Zuzug von Bauern aus der Umgegend vermehrt sich; eine zahlreiche Bauernmenge steht vor dem russischen Consulat. Die Regierung läßt Patrouillen durch die Straßen ziehen. Telegraphische Depeschen. Mrs» Corsrspoirdeirr - Brrrrarr. Eisenach, 11. October. Der deutsche Schriftstellertag ist heute nach Wiederwahl des bisherigen Vorstandes geschlossen worden. Die Theilnehmer besuchten heute die Wartburg und waren später zu einem Festmahle vereinigt. Leipzig, 11. October. In dem vor dem Landgerichte Freiberg gegen v. Voll- mar, Bebel und Genossen verhandelten Proceß wegen Theilnahme an einer verbotenen Verbindung ist die von den Angeklagten gegen das verurteilende örkenntniß des Landgerichts eingewendete Revision verworfen worden. Wien, 11. October. Rach einer Meldung der „N. F. Pr." aus Sofia haben von 1800 Wählern, die abgestimmt, mehr als 1700 ihre Stimmen Stambulow, Rodos- lawow, Jantschow, dem Advokaten Mezow und vier Bürgern von Sofia gegeben. Karawelow erhielt nur 17 Stimmen. Wien, 11. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 7/3, Pesth 14/9 Personen. Szegedin, 11. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben 17/12 Personen. „ Prag, 11. October. Lord Churchill ist gestern aus Dresden hier ein- getroften. Paris, 11. October. Die „Republique Franc." sagt, es werde vergebens versucht, Frankreich und Italien hinsichtlich des mittelländischen Meeres und besonders Tripolis in Gegensatz zu einander zu bringen. Wollte Italien Tripolis besetzen, so werde Frankreich es nicht daran hindern. — Die Polizei verhinderte gestern das Anschlägen von Prospecten der Zeitung „Revanche" und nahm die Asficheurs fest. Der Prospect enthielt ein Bild mtt den Zügen Boulanger's. Der Kriegsminister weist in seiner erlassenen Erklärung die Annahme zurück, daß er das genannte Blatt patronisire, und betont, kein Blatt sei berechtigt, sich als sein Organ zu bezeichnen. Madrid, 11. October. Galeoti wurde zum Tode verurtheilt. Sofia, 11. October. Alle ministeriellen Candidaten wurden hier gewählt. Die Stadt ist ruhig. Nach den der Regierung aus der Provinz vorliegenden Wahlnachrichten gehören die Gewählten in ihrer großen Mehrheit der Regierungspartei an. In Ostrumelien wurde, soweit bekannt, kein oppositioneller Candidat gewählt. Kaulbars ist in Schumla eingetroffen. Ein daselbst stattgehabtes, zahlreich besuchtes Meeting hat sich für die Regterung ausgesprochen. In Debnitza wurde der Unter- prafect und zwei ministerielle Wahlcandidaten von Bandenführern ermordet, sonst fanden in der Provinz keinerlei Ruhestörungen statt. _ ,x ~ Die Landleute, welche gestern den Wahlen Einhalt zu thun gesucht und sich späterhin nach dem russischen Consulate begeben hallen, verließen dasselbe Nachmittags um 5 Uhr in kleinen Gruppen- Sie wurden unter militärischer Eskorte nach den Kasernen geleitet und dort im Laufe der Nacht freigelassen. Konstantinopel, 11. October. Die Pforte acceptirte den gegenwärtigen Gesandten in Bukarest, White, als interimistischen Botschafter Englands in Kon- stantinopel. Sofia, 12. October. sPrivatdepesche.1 Bei der am Sonntag stattgehabten Wahl zur großen Sobranje wurden 420 Anhänger der Negierung, sowie 20 Anhänger Banrorog 06105^1. Die Parteistellung der übrigen Gewählten ist unbekannt. Die drei Schriftstücke an die Regierung, betreffend den Tadel Kaulbars über das Verbot der Einmischung Fremder in die Wahlen aussprechend ferner die stattgefundenen Wahlen als ungesetzlich erklärend, sowie gegen den Angriff auf das russische Consulat am Sonntag energisch protestirend. Lokale-. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am DormerStag de« 14. October 1886, Nachmittags 4 Uhr. 1. Die Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung pro 1887/95. 2. Neubau von Kliniken. 3. Vorläufige Unterbringung der Geisteskranken. T SaucLazarethen im Mobilmachungsfall. 5. Ausführung der Waldculturarbeiten für das Etatsjahr 1887/88. 6. Erwerterung des Pflanzgartens. 7. Anlegung von städtischen Triebvierteln zu Wiesen. 8. Ueberfluthungen des Neustädter Feldes. 9. Den Viehmarktplah betr. 10. Gesuch der Firma Heyligcnstädt & Somp. um Erlaubnis zur Chaussiruna eines Weges. ö Io §ef^c(Iullfl der Baufluchtlinien an der Grünberger Chaussee. 12. Ausbau der Ludwlgsstraße. 13. Gesuch des Spenglermcisters Karl August Faber wegen Trottoir- Pflasterung. 14. Desgleichen des Architecten Jakob Stein. IS. Gesuch des Weibbindermeisters Georg Wohl um Ausdämmung. 16. Much des Fellhändlers Israel Klebe um Erlaubmß zur Ucbcrbrückung des Schoorgrabens. b 17‘ Gesuch des Weibbindermeisters Louis Petri III. um Erlaubmß zur Ueberbruckung einer Gosse. 0 6 In Straßenversperrung in der Mühlgasse. on S?^en des diesjährigen Jugendfestes. oi S c e gegen den Ortsarmenoerband Arnshain. 99 »rlauün0 emes neuen Stadtmädchenschulgebäudes. Kostendecreturen. Stehen, 12. October. Die hiesige Militärverwaltung hat die Ausführung der neuen Quellwasserleitung zu den Casernements, incl. der erforderlichen Hoch- Reservoirs 2C., dem Königlichen Hoflieferanten Herrn Ehr. Hölke in Cassel übertragen. Eingesandt. Gießen, 12. October. . . „Das am Sonntag Abend im Lenz'schen Fclsenkeller abgehaltcne RUberconrprf des Wohlthatigkcitspereins ocrdient eine öffentliche Besprechung, da die Pidcen welche die Herren Brand und Grunebaum oortrugen, höchst effectooll waren. Besonders erwähn enswcrth war die Aufführung des Liedes „Behüt Dich Gott" aus dem Trompeter stllrm^Iche!n^Äppläus"himiku fetae ^uosttitt entsal.ete und zu A r ü ne bäum bewies in der äußerst schwierigen Bearbeitung der Gnaden- arre aus „Robert der Teufel , daß er die Zither vollständig beherrscht und sich mit dfn..besten Zithersplelern messen kann. Allgemeinen Beifall fand ferner: Hauser's „schöner Traum" für Streichzither. ’ 1 * ..Der Saal war dicht besetzt und dem Verein wurde vom Publikum in jeder Sette^ftellen ^^f ^^b"^'knde Ehre zu Thell, da er sich den besten Zithervereinen ander , - — Soviel bekannt geworden ist, beabsichtigt Herr PH. Uhl, 1. Sprecher des diesen Tmmverems, bei der Montag den 18. d. Mts. stattfindenden Vorstandswahl ftm Amt als solcher nicht wieder anzunehmen. Es liegt daher im Interesse des Vereins, wenn sich die Mitglieder vorher schon nach einer geeigneten Persönlichkeit uu^hen wurden, um der Versammlung einen passenden Vorschlag machen zu können. Ein gleiches soll von dem seitherigen Schrrftwart S t ie b e r zu erwarten sein. •anftel itnb Verkehr. w A7n®tAOßCrknl2, PctoBcrV?u4 dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfmrtz fJ^-090, Hühnereier pr. St. 7-0 -3,. Enteneier St. 0-0 4, Käse vr St 5-8 I Käsematte 3-0 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 32 H Tauben Zntfa «-rtoff-K SX'l 35OT-5M ft® M X 3.00-3.50. Zwetschen JL 3.40-4.40 * Zwiebeln per Zentner JL 16^“ FS? ^ff. hiesiger u. Wetterauer JL 13 25-13 75 ßÄJ 0-19,00, Roggen eff. hies. JC. 13,50-13,75, fremder *5 nnna_nnnn' « ^sige und Wetterauer JL 13,50—16,00 fremde %?Tnrff;^afieir Ä -*12,60-13,00, fremder JL 00,00-00,00 October. Der heuttge Viehmarkt war stark befahren. Ange- Di?Nreis?0eM?n $^enr' ca* 4C29 Kühe und Rinder, ca. 232 Kälber. i Ännf o l-<-Oual. JL 65—67, 2. Qual. JL 54—60, Kühe und '65^ "^^'92'<-Qual. 40—46 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kalber 1. Quar. 65-70 2. Qual 60-64 per 1 Pfund Schlachtgewicht. Vermischte Darmstadt, 9. October. Aach Abzug der Octroi-Rückoergütungen in Folge von Ausfuhren und Befreiungen belief sich im Rechnungsjahre 1885—86 die baare Einnahme an Octroi in Darmstadt auf 373,765 JL 77 in Offenbach auf 201,416 JL 68^ in Gießen auf 79,009 JL 50 in Alsfeld auf 4720 JL 17 in o2337 •* 8 Mainz auf 465,935 JL 40 in Worms auf 118,167 v* 26 sß \ Ottenbach, 8 October. Vorgestern Morgen gegen 7 Uhr platzte' an dem Dampfkesiel der Leimfabrck der Herren Jorg u. König hier die Feuertafel, wodurch kaA..9^?uc!:n,erf Kessels aus der einen Seite zerstört und in den Maschinenraum geschleudert wurde; die übrigen Zerstörungen am Kesselhaus sind ganz unwesentlich. Die Ursache an diesem Unfälle ist nach dem Urtheil der Sachverständigen nur darin zu suchen, daß in dem Kessel absolut kein Wasser war; nicht allein der größere Theil des Oberkessels war stark glühend, sondern auch am Unterkessel zeigten sich Stellen, die rothwarm waren. Der Kesselheizer hat sich vor Beginn des Anfeuerns ??^bavon überzeugt, ob überhaupt Wasser in dem Kessel war und muß jetzt seinen sträflichen Leichtsinn mit einer schweren Verletzung der Augen büßen. Die Untersuchung über den Vorfall ist bereits im Gange. Möge der im Großen und Ganzen gut ausgegangene Unfall für die Heizer eine Mahnung sein, die ihrer Bedienung anvertrauten Dampfkessel stets in der peinlichsten Ordnung zu halten. ~ _ Köln, 8 October. Heute Morgen stürzte sich eine elegant gekleidete junge Z.^^halb der festen Brücke in den Rhern. Schiffer eilten hinzu und zogen die Unglückliche in s Boot, diese benutzte jedoch den nächsten unbewachten Augenblick, auf's Neue m s Wasser zu springen. Man enttiß die dem Ertrinken Nahe nochmals den Wellen und brachte sie m einer Droschke zum Burgerhospital, wo sie sorgsame Pflege fand. Verwandte, bei denen die Dame gewohnt hatte, kamen bald herbei um sie mit Uch nehmen; von ihnen erfuhr man, daß der verzweifelte Schritt der Lebensmüden der Actschluß eines Ehestandsdramas war. r . r+ - Eine höchst drollige Scene, welche zugleich etwas ungemein Rührendes hatte, spielte sich, dem ,Mltm. Jntell.-Blatt" zufolge, auf dem Bahnhofe in Seehausen (Alt- mark) ab Der Schäfer Heuer aus dem Torfe Gtesenslage, welcher von seinem treuen Karo begleitet war, beabsichtigte nach Magdeburg zu fahren. Vergeblich hatte er sich bereits bemüht, seinen Hund mit in den Personenwagen zu nehmen; wohl oder übel mußte er das Thier m das Hundecoup4 bringen. Da er sich aber von seinem ständigen Begleiter absolut nicht trennen wollte, kroch er mit in den engen Raum hinein Hiermit waren aber die an strenge Dienstvorschriften gebundenen Schaffner nicht einverstanden und zum allgemeinen Ergötzen wurde der alte Schäfer aus dem Loche wieder herausgezogen, was allerdings nicht ohne hartnäckigen Kampf abging. In derben Worten macht er nun seinem Unmuthe über das Mißlingen dieses Planes Luft „Wenn ick doch tosreden (zufrieden) bin niet dat Logis, un min Hund is't ok, denn. c ? Se doch ok tofreden fin. Wo de Hund bliwt, bliw ick ok!" Es war noch großes Gluck, daß auch der letztere gleiche Anhänglichkeit gegenüber seinem Herrn besaß und bereits wieder in seiner Nähe war; denn pustend und keuchend setzte sich der Zug schon wieder m Bewegung. Betrübt zwar, aber resigntrt sah der Alte dem Zuge nach „Dat hat nich sein sollen!", sagte er und spazierte mit seinem Karo nach Gottesdienst in der Synagoge. Laubhüttenfest. Mittwoch Abend> 5« Uhr, Donnerstag Morgen 8 Uhr, Donnerstag Mittag 4 Ubr Donnerstag Abend 6 Uhr, Lreitag Morgen 8 Uhr, Freitag Abend 5 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 55 Ubr. 9 ßl Schiff- - Bewegung der Post-Dampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gescllschaft. „Westphalm", 30. September von Hamburg nach New-York. „Polaria", von Hamburg nach New-York, 2. October Dover passirt. „Gothia", 30. September von Stettin nach New-York, 4. October von Gothenburg weitergegangen. „Gellert" October von ^Hamburg nach New-York, 5. October von Havre weitergegangm. „Suevia 23. eeptember von New-York, 6. October in Hamburg angekommen. „Teutonia , 2. October von Hamburg nach Mexico, 6. October von Havre weitergegangen. „Rhaetta L 6. October von Hamburg nach New-York. „Rugia", 7 October von New-York nach Hamburg. „Albingia", 6. October von Hamburg nach Westindien 8. October in Havre angekommen. „Lessing", ab Hamburg, 4. October in ^tew-Bork angekommen. „Hungana", 16. September von Stettin, 5. October in New-Bork an- gekommen. „Bohemia" 25. September von Hamburg, 8. Octob ? in New Bork angekommen "$BicIan°"' 261 September pon Hamburg, 8. October in New^ork OberhMche Eisenbahnen. Vom 15. d. Mts. ab tritt eine Trans- Porterleichterung für gebrauchte leere Bierfässer, wenn dieselben in Bierspecialwagen verladen werden, für den Verkehr der (Station Sachsenhausen mit Nidda und Stockheim und der Station Hanau (Ost- bahnhof) mit Büdingen, Stockheim und Alsfeld in Kraft. Nähere Auskunft ertheilen die betheilig- ten Güterexpeditionen. 7247 Gießen, den 9. October 1886. Großherzogliche Direction. Oberhesßsche Eisenbahnen. Die Lieferung von 12 Stück tranS- portabeln Röder'schen Kesselfeuerungen mit doppeltem Mantel, (innen Gußeisen, außen Schmiedeeisen), Größe Nr. 89Va für 90 Liter Inhalt der Kessel nebst 12 Rohrslücken von je 30 cm Länge und ebensoviel Futtern soll vergeben werden. Angebote, in welchen die Lieferzeit angegeben werden muß, sind bis zum 18. d. Mts. hier einzureichen. 7246 Gießen, den 11. October 1886. Großherzogliche Direction. Ileikgevotenes. In der F 6 r b 6 Aschen Universitäts-Buchhandlung in Giessen ist vorräthig: Irvingianismus und Sekte. Oeffentlicher Vortrag, gehalten auf dem Rathhause zu Celle, von Max Frommelt D. th., Consistorialrath zu Celle. ___________Preis 50 Pfge. 7220 Neue Cttronen die erste Sendung eingetroffen bei 7z42 C. G. Kleinheun. Prima 6042 $ i Ofen schwärze j » von Reinh. Diezmann in ~ Plauen i. D», empfiehlt 2 O billig A* Kröll. r- Meissener Porzellan-Oefen in allen Farben, sowie auch sämmtliches Porzellan- u. Bunzlauer Geschirr und alle Arten Thon-Geschirr von nur sehr vorzügl. Fabrikat, empfiehlt <*• Stadler, 6631_____________Sonnenstraße 7. Guter Zwetfchenhonig und Nüffe sind zu haben auf dem 7222_________________Schiffenberg. Neue thüring. 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