Nr/212 Erstes Blatt. Sonntag den 12 September 1886» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. \ Bttttant Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Drei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brlngedcfau Durch bte Poft bezogen vierteliäbrlieü 2 Mark &0 M. Blatt Mal 1886 • Neue H. MtS. wütender laufenden 6379 Ibenbi vm ihlthatigkeits- 6386 >rf. 639» , Teptbr. stand. —-— cmder TOb * (tu. 638T 1k. Bekanntmachung. xn, Ju Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende DurchschmttSmarktpreise vom Monat August veröffentlicht: 0 Hafer JL 13.20, Heu JL 5.13, Stroh JL 4.23 pro 100 Kilogramm. Gießen, am 10. September 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __________ Dr. Boekmann. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz dem Allgemeinen DeutfLerr Versicherungsverem m Stuttgart die nachgesuchte Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen auf Widerruf ertheilt hat. Gießen, am 9. September 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _________________________________________ I- V.: Jost, Regierungsrath. Gefunden: 1 Taschentuch, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Serviette. Zugelaufen r 1 kleiner Hund. Gießen, am 11; September 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. _______________ Deutschland. Darmstadt, 10. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog sind in Begleitung des General-Adjutanten Generalmajor v. Westerweller und des Flügel-Adjutanten Oberstlieutenant Wernher heute Morgen 6 Uhr von Friedberg über Mannheim-Ladenburg nach Straßburg abgereist. In demselben Zuge befanden sich Se. Maj. der König von Sachsen und Se. Königl. Hoheit Prinz Georg von Sachsen. Darmstadt, 10. September. Der Fürst Alerqnder traf um 4 Uhr 20 Min. hier ein und wurde von einer ungeheuren Volksmenge, welche den Bahnhof, den Bahnhofsplatz und die Bahnlinie besetzt hatte, stürmisch begrüßt. Nach herzlicher Begrüßung durch den Vater, Bruder und die Verwandten nahm der Fürst eine Ansprache des Ober-Bürgermeisters Ohly entgegen, der ihn Namens der Stadt bewillkommnete. Der Fürst dankte, durchschritt den Fürstensaal und zeigte sich der am Bahnhofsplatz versammelten Menge. Nachdem der Begrüßungssturm sich gelegt hatte, sprach der Fürst: „Ich danke Ihnen herzlich für den freundlichen Empfang und werde das nie vergessen. Ich bin unendlich erfreut, daß ein Hesse, wenn er aus der Fremde zurückkehrt, von seinen Landsleuten so sympathisch empfangen wird." Hierauf kehrte der Fürst auf den Perron zurück und stieg mit Verwandten und Gefolge in den bereitstehenden Extrazug. Unter endlosem Hochrufen, Tücherschwenken und Kränzewersen der Menge fuhr der Zug ab. (Fr. Ztg.) Bickenbach, 10. September. Als Fürst Alexander hier eintraf, spielte sich eine ergreifende Scene des Wiedersehens zwischen ihm und seiner Mutter ab, die schluchzend in die Arme des Sohnes sank. (Fr. Ztg.) Jugenheim, 10. September. Das Städtchen ist reizend decorirt. Der Fürst Alexander wurde von den Einwohnern und Kurgästen auf das Lebhafteste begrüßt. (Fr. Ztg.) Hesterreich. Aus Prag wird der „Köln. Ztg." über ein närrisches Gesuch berichtet, dar von einigen czechischen Fanatikern, an deren Spitze der Führer der czechi- schen Antisemiten, ein biderber Wäschehändler, steht, an den Prager Stadtrath gerichtet wurde. In diesem unterthänigsten Promemoria werden die ehrsamen Stadtväter gebeten, dahin zu wirken, daß den deutschen Couleur-Studenten in Prag das Tragen von studentischen Abzeichen, Mützen und Tricoloren u. s. w. verboten werde. Begründet wird diese Narretei vor Allem mit der Unwahrheit, daß Prag eine „czechische Stadt" sei. Dieser Charakter werde ihr aber dadurch geraubt, daß man in den Straßen zahlreiche deutsche Studenten herumziehen sehe, welche an ihren Abzeichen leicht erkennbar sind. Die Prag besuchenden Fremden müßten die Meinung bekommen, sie befänden sich in einer Stadt des deutschen Reiches. Die deutschen Studenten seien an zahlreichen Reibereien schuld; die czechische Landbevölkerung, welche aus Furcht vor Zusammenstößen mit den deutschen Studenten die verschiedenen czechischen Feste in Prag nur spärlich besuche, werde sich dann, wenn jenes Verbot ergangen sein werde, wieder zahlreich in Prag einfinden. Es ist gewiß lustig, wenn die Petenten einerseits behaupten, Prag sei eine „czechische Stadt", wenn sie aus der andern Seite erklären, die czechischen Landbewohner in der Umgebung Prags fürchteten sich, die Hauptstadt zu besuchen —- eben dieser deutschen Studenten wegen. Dagegen ist es allgemein bekannt, daß die deutschen Studenten alle Ursache haben, Ausflüge in den Machtbereich dieser harmlosen Landbevölkerung zu unterlassen — die Namen Kuchelbad und Veleslawin, in welchen beiden Orten das eine Mal über deutsche Studenten, das andere Mal über deutsche Studenten und Turner ein verhängnißooller Steinhagel niederging, stehen den Prager Deutschen noch in zu frischer Erinnerung. Ueber das „czechische Prag", dessen 50,000 deutsche Bewohner, sowohl was Intelligenz, als was Besitz anlangt, die Elite der ganzen Bevölkerung bilden, fei mit dem großen Wäschehändler nicht weiter gerechtet, der sich mit seiner Petition auch insofern verrannt hat, als der Prager Stadtrath eine rein communale'Behörde ist, die kein Recht hat, irgend Jemanden und am allerwenigsten den deutschen Studenten, deren Abzeichen und Farben ihnen gesetzlich zugestanden und statuarisch gewährleistet sind, das Tragen von Bändern und farbigen Mützen zu verbieten. Telegraphische Depesche«. Berlin, 10. September. Das „Armee-Verordnungsblatt" enthält eine Bekanntmachung des Kriegsministers vom 3. September, wonach auf Grund allerhöchster Bestimmung alle ausländischen (nicht deutschen) Fürsten, welche in irgendwelcher Form zur Armee in Beziehung stehen, künftig ohne Angabe des militärischen Ranges in der Rangliste geführt und in die Anciennetätsliste nicht ausgenommen werden. Betreffs der Anlegung der Gradabzeichen wird angenommen, daß alle nichtdeutschen regierende Herren zur preußischen Uniform mindestens die Abzeichen eines Generalmajors tragen während es ihrem Ermessen überlassen bleibt, auch zur preußischen Uniform Grad/ abzeichen anzulegen, welche sie zur heimathlichen Uniform tragen. Die übrigen zur preußischen Armee in Beziehung stehenden Mitglieder der ausländischen regierenden Familien werden bezüglich der Anlegung von Rangabzeichen der preußischen Armee als demjenigen Range angehörend angesehen, welchen sie in der Heimathsarmee bekleiden. — Der Bundesrath ertheilte der Vorlage und dem Ausschußberichte, betreffend die Verlängerung des deutsch - spanischen Handels- und Schifffahrts - Vertrages, die Zustimmung. — Die „N. A. Z." schreibt über die Hitzschläge während der Herbstübungen: Ueber Erkrankungen und Todesfälle am Hitzschlag bei der Armee während der diesjährigen Herbstübungen drangen sehr übertriebene Nachrichten in die Oeffentlichkeit. Nach den vom Kriegsministerium am 8. d. M. erforderten telegravhischen Meldungen der Corps-Generalärzte kamen bei den 14 den preußischen Contingentsverwaltungen angehörigen Armeekorps 84 leichte und schwere Erkrankungsfälle vor, darunter sieben tödtlich, von letzteren mindestens einer, welcher durch eigenes Verschulden, bezw. instructionswidriges Verhalten des Betreffenden entstanden ist. In einem anderen Falle trat die zum Tode führende Erkrankung nicht nach dem Marsche oder der Uebuna sondern nach der Etsenbahnfahrt ein. — Der Hamburger Postdampfer „Lessing", welcher am 7. d. M. von Havre nach Newyork abgegangen ist, lief heute früh mit Verlust der Schraube unter Assistenz eines Hafenschlepper-Dampfers in Queenstown ein. Da sich eine Reserveschraube an Bord befindet, wird der „Lessing" voraussichtlich die Reise bald wieder fortsetzen können. Wien, 10. September. Das „Fremdenblatt" vermuthet, daß die weitgehenden, sogar auf eine Einverleibung Bulgariens in Rußland sich zuspitzenden Blättermeldungen über angebliche Intentionen Rußlands bezüglich Bulgariens nur die Aspirationen der russischen Panslavisten wiederspiegeln. Was den Antheil anbetreffe, den man Oesterreich-Ungarn hierbei vindiciren möchte, welches insbesondere die Herbeiziehung der Frage wegen der Annexion Bosniens und der Herzegowina verlange, so könne das „Fremdenblatt" dieselbe auf das Bestimmteste in das Gebiet der willkürlichen Combinationen verweisen. Paris, 10. September. Dem „Temps" zufolge begibt sich der neue Botschafter Herbette Mitte October nach Berlin, um seine Accreditive zu überreichen. — Der „Univers" veröffentlicht eine aus Hongkong von gestern datirte Depesche des Bischofs Puginier im Tonkin über eine im August in Tan Hoa stattgehabte Christenverfolgung, wobei 30 Ortschaften eingeäschert und 100 Christen niedergemacht wurden. London, 10. September. Das Unterhaus erledigte sämmtliche Positionen deS Marinebudgets. Petersburg, 10. September. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt bezüglich des Textes der Proklamation des Fürsten Alexander, worin von Versicherungen gesprochen wird, die Rußland ertheilt habe: Rußland habe aus Gründen, auf welche man nicht näher einzugehen brauche, dem Fürsten gegenüber keinerlei Verpflichtungen übernehmen können. Angesichts des gegenwärtigen Streites der Parteien und der daraus folgenden Erregtheit der Gemüther seien indessen die russischen Agenten in Bulgarien angewiesen, der Bevölkerung mitzutheilen, daß die kaiserliche Regierung bereit sei, ihren ganzen Einfluß aufzuwenden, um die Parteien miteinander zu versöhnen und die Ruhe wiederherzustellen; daß sie sich dieserhalb nicht weigern werde, eine provisorische Regierung zu unterstützen, welche, legalerwctse eingesetzt, es verstehe, nicht Parteiinteressen, sondern die Interessen des allgemeinen Landeswohles zu verfolgen und sich bemühen werde, die Uneinigkeiten zu beenden, worunter Bulgarien schon zuviel gelitten habe. Es sei zu wünschen, daß die bulgarische Nation und ihre Vertreter diese Rathschläge zu würdigen wissen und darnach handeln werden. Warschau, 10. September. Prinz Wilhelm von Preußen ist Vormittags ein- gelroffen und von dem Fürsten Tschakowskoi und General Werder empfangen worden. Er setzte um 2 Uhr Nachmittags die Reise nach Brest-Litowsk fort. Moskau, 10. September. Die „Moskauer Zeitung" schreibt, der Battenberger sei mit dem nämlichen Triumphe aus Bulgarien ausgezogen, womit er einzog, und habe das Land in betäubtem demoralisirten Zustande zurückgelassen. Bei dem Abschiede hätten demselben einige Bulgaren zugerufen: Auf Wiedersehen! Nun, auch das sei möglich, aber lieber, daß zehn Battenberger, als daß Rußland durch Eingehen irgend einer Verbindlichkeit seine Freiheit einbüße. Rußland sei jetzt gesicherter und stärker denn jemals. Die geringste Einschränkung seiner Freiheit werde seine Stellung schnell verändern. Sofia, 10. September. Der hiesige italienische Generalconsul ist angewiesen worden, die mit der bisherigen Regierung estandenen Beziehungen mit der Regentschaft fortzusetzen und zwar ohne neue Accreditive. Der Kaiser in Straßburg. Straßburg, 10. Sept., 4 Uhr 50 Min. Der Kaiser hat soeben unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug gehalten. Kanonenschüsse vom Fort Bose und von den Festungswerken verkündeten das Herannahen des Extrazuges, der unter dem feierlichen Geläute der Münsterglocken Punkt drei Uhr in der geschmückten Bahnhofshalle eintraf. Für das Publikum war der Bahnhof abaesperrt, nur die Fürstlichkeiten mit ihren Adjutanten, der Statthalter Fürst Hohenlohe, oer Staatssekretär v. Hofmann, der kommandirende General von Heuduck, der Divisionskommandeur, der Gouverneur und der Kommandant, sowie die Ehrenwache, welche aus nichtpreußischen Truppen- theilen, Bayern, Sachsen und Württembergern, zusammengesetzt war, ferner der Be- rirkspräsident, der Polizeidirektor und der Bürgermeister standen zum Empfange auf dem Perron. Unter den Fürsten bemerkte man. den König von Sachsen, welcher um zwölf Uhr bereits angekommen war, den Großherzog von Baden, den Großherzog von Hessen, Prinz Ludwig von Bayern, Prinz Georg von Sachsen und mehrere preußische Prinzen. Unter dem Hurrahrufen der Anwesenden stieg der Kaiser, der mit seinem Generaladjutanten zusammen im Wagen gefahren war, aus, begrüßte oie versammelten Fürsten, indem er ihnen lächelnd die Hände drückte und unterhielt sich darauf kurze Zeit mit dem Statthalter der Reichslanoc. Gleich darnach eilte Fürst Hohenlohe von dannen, um hem Kaiser bet seiner demnächst erfolgenden Ankunft, im Statthalterpalais -die Honneurs zu machen. Der Kaiser war im einfachen Waffenrock und Helm; er ging etwas gebückt, aber mit sicheren Schritten. Wer den Kaiser bei den vorjährigen Manövern gesehen hat, der hat heute das Fortschreiten des Alters bei demselben gewiß nicht verkennen können. Während der Kaiser langsam an der Ehrenkompagnie vor- Leischrilt, spielte die Musik, welche ebenso wie die Fahne von der bayerischen Infanterie gestellt war, die Nationalhymne, alsdann wurden verschiedene Militär-Personen vorgestellt und der Kaiser drückte Jedem die Hand. Der Kronprinz, der nach dem Kaiser ausgestiegen war, hielt sich während des ganzen Empfanges im Hintergründe. Unter- deß hatte auch die Kaiserin, auf ihre Damen und Cavaliere gestützt, den Eisenbahnwagen verlassen und stand in lebhafter Unterhaltung mit ihrer Umgebung abseits auf dem Perron, bis der Kaiser in das Vestibül hinabgestiegen war. Vor der Bahnhofshalle auf dem freien Platze nahm dieser den Parademarsch der Ehrenkompagnie ab, die Fürsten und Generäle defilirten zuerst und traten dann dem Kaiser zur Seite. Die Wagen fuhren vor, jeder mit vier Rappen bespannt und mit je zwei Spitz-Vor- -reitern. In den ersten Wagen stieg der Kaiser, dem sich der Kronprinz in der Uniform der gelben Dragoner zur Linken setzte; im zweiten Wagen fuhr die Kaiserin zur Recht.m ihrer Tochter, der Großherzogin von Baden. In langer Reihenfolge folgten dann die Prinzen des königlichen Hauses, Feldmarschall Graf Moltke und das Gefolge. Mehrere der zum Empfang gekommenen Fürsten hatten gleich nach der Abfahrt des Kaisers einen anderen Weg eingeschlagen, dieser aber fuhr durch die Via triumphalis, welche durch die Küßstraße, den Petersplatz, über den alten Weinmarkt, Hohensteg, durch die Meisengasse, über den Broglieplatz, durch die Luxhofgasse und die Brandgasse reichte, aum Statthalterpalais, wo sich die Brigadegeneräle, die Regiments-Kommandeure und oie Ehrenwache vom 1. rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 25 aufgestellt hatten. Die Straßen vom Bahnhof bis zum Statthalterpalast waren zu beiden Seiten mit spalier- bildenden Vereinen und der Schuljugend besetzt; viele der Vereine, namentlich die Kriegerkameradschaften und die Schützen ließen ihre Musikkorps die Nationalhymne aufspielen. Wo sich die kaiserlichen Wagen zeigten, ertönten gewaltige Hurrahs, die Damen wehten mit den Tüchern; bis zu den Dachluken waren die Fenster besetzt, und die Menge staute sich noch lange, nachdem der Zug vorüber in den Straßen. Der Empfang der Straßburger Bürgerschaft war herzlich und lebhaft, ja stellenweise begeistert; ein Unterschied zwischen dem Empfang, den der Kaiser hier und den er in den älteren Landestheilen gefunden, war äußerlich nicht zu erkennen. Im Statthalterpalaste vollzogen sich ähnliche Begrüßungen wie auf dem Bahnhofe; die Ehrenkompagnie machte die militärischen Honneurs und der Fürst und die Fürstin Hohenlohe hießen den Kaiser in ihrem Hause, wo er während der Manöver weilen wird, willkommen. Die Kaiserin wohnt im Stadthause, dessen obere Säle und Wohnungsräume für sie ■auf das Glänzendste hergerichtet wurden. Kurz nach der Ankunft im Statthalterpalast bestieg der Kaiser wieder den Wagen und fuhr zum Stadthause, um dort die Kaiserin und den König von Sachsen 3U besuchen. Um 5*/, Uhr fand beim Kaiser Galatafel im engeren Kreise statt, nur etwa vierzig Einladungen waren ergangen. Auf den Straßen der Stadt wurde es gegen Abend immer lebhafter; es ist heute ein Festtag, den Jedermann ausnutzt, die Witterung tft herrlich und der festliche Schmuck der Stadt läßt wirklich wenig zu wünschen übrig. Mit dem Einbrechen der Dunkelheit umsäumten sich die Fanden der Gebäude mit feurigen Linien, bald in gleicher Farbe, bald in allen Nuancen strahlend, Gaskörper aller Art flammten auf, Adler, Kronen, Namenszüge und Sterne; dazwischen leuchteten Ballons und hin und wieder bengalische Flammen. Besonders zeichneten sich die öffentlichen Gebäude durch ihren Lichterglanz aus, das Theater mit seinem lichtumflosfenen massigen Säulenportal glich einem römischen Forum und dre auf den breiten Treppen lagernde Menge hätte den Meiningern ein wunder- volles Vorbild liefern können. Am herrlichsten glänzte der Münsterthurm, der auf allen Gallerten bis zur höchsten Spitze mit weißen Lämpchen umsäumt war und die zierliche Stemarbeit wie ein duftiges Spitzengewebe erscheinen ließ. Im Innern des Thurmes warfen bald rothe bald grüne bengalische Flammen ihre farbensatten Strahlen rn das Lichtmeer, das dadurch wie durch rosenrothe und smaragdgrüne Wolken abge- tont wurde. Mit Laternen und Magnesium-Fackeln zogen die Militärmusikcorps, den Zapfenstreich blasend, durch die Straßen der Stadt und sammelten sich gegen 9 Uhr gegenüber dem Garten des Statthalterpalais jenseits des Jllkanals zu einer Serenade vor dem Kaiser, an welcher sich die Musikcorps und Spielleute sämmtlicher morgen in gehenden Truppen betheiligten. Der weite Platz gewährte einen feenhaften Anblick. An hohen Signalmasten leuchteten elektrische Bogenlampen, unten bewegten sich unzählige Soldaten mit ihren Laternen und Magnesiuinfackeln, und bengalische Flammen bestrahlten bald die prächtigen Formen des noch im Bau begriffenen Kaiserpalastes, bald die spiegelnden Wasser der Jll und die weiter abliegenden Gebäude- komplexe.. Der Kaiser weilte im Gartensaale der Statthalterpalastes; mehrmals aber stieg er, jedesmal von dem Hurrah der Nahestehenden begrüßt, die Terrasse in den -Garten hinab. Von der Serenade wird der Kaiser nicht allzuviel gehört haben, die Musiker standen etwas weit ab und die Pianostellen gingen meist verloren. Hätten die sämmtlichen Musikcorps Zusammenwirken können, so hätte das gewiß einen großartigen Effect gemacht; die verschiedene Tonhöhe der Instrumente aber machte ein Zu- lammenwlrken unmöglich. Die Musikcorps der Fußtruppen, welche Instrumente hoher Stimmung haben, einschließlich der Jäger und des sächsischen Fußarttllerie-Regiments Nr. 12, spielten zunächst die Ouvertüre zu Euryanthe, dann brachten die Bayern und Badenser mit ihren tief gestimmten Instrumenten die Fantasie aus Carmen zur Aus- fuhrung und die sämmtlichen Trompetercorps mit Instrumenten hoher Stimmung, o cric' Feldartillerie, preußische Fußartillerie und Pionier?, bliesen den Fackeltanz Jtr. 2 von Meyerbeer. In ähnlicher Abwechselung folgten dann das Finale des ersten ^rres aus Lohengrin, der Siegesfestmarsch von Spontini und endlich unter Mit- lD-I#!Ill9rJaSmtIi^crc(5picireute die Retraite, Zapfenstreich und Gebet, letzteres die wirksamste Nummer der Serenade. Als diese geendet, da waren auch iie Lichter der Stadt vielfach abgebrannt, aber lange nachher pulsirte in den Straßen ein lebhaftes Treiben, an welchem das Militär einen hervorragenden Antheil hatte. (Fr. Ztg.) Lokale-. Gießen, 11. September. Der hier am Sonntag im Cafö Leib concertirenden Capelle des 97. Regiments geht ein recht guter Ruf voraus; wie wir aus Frankfurter Blättern ersehen erntete dieselbe bei Gelegenheit des 25jährigen Stiftungsfestes im Zoologischen Garten in Frankfurt reichen Beifall. Es darf wohl auch für ihr Auftreten an hiesigem Platze auf einen musikalischen Genuß gerechnet werden. Gießen, 11. September. Die Leiche des sich in der Lahn ertränkten Kaufmanns B. wurde gestern Nachmittag geländet. An derselben waren keine Schußmerkmale wahrzunehmen, so daß anzunehmen ist, die zwei abgegebenen Schüsse seien von dem Selbstmörder in die Luft abgefeuert worden. Zur Gasfrage. Gießen, 11. September 1886. Die mit Feststellung des Werthes der hiesigen Gasanstalt betrauten Experten haben ihre Arbeit nunmehr abgeschlossen; bei dem hohen Interesse, welches die ganze Angelegenheit für unsere Stadt erhalten hat, geben wir im Nachstehenden eine kurze Wiederholung des bisherigen Verlaufes derselben und einen Auszug aus der uns gütigst mitgetheilten Arbeit der Experten. Nach § 3 des von der Stadt Gießen im Jahre 1855 abgeschlossenen und von ihr mit Wirkung vom 1. October d. I. ab gekündigten Gasvertrages ist die Stadt verpflichtet, „die Gasbeleuchtungsanstalt nach ihrem wirklichen Werthe als betriebbare Anstalt zu übernehmen"; die Feststellung dieses Werthes aber erfolgt durch Experten. Wie unseren Lesern bekannt, haben jedoch vor Bestellung der Experten die Stadt Gießen und der dermalige Inhaber der Gasanstalt, Herr Heß, zunächst einem nach Maßgabe des Vertrages gebildeten Schiedsgericht die Frage unterbreitet, „ob bei Feststellung des wirklichen Werthes der Gas.fabrik als betriebbarer Anstalt die Betriebsrente durch die Experten in Berücksichtigung gezogen werden solle." Diese Frage hat das aus den Herren Kanzler Dr. Gareis, Landgerichtsrath Dr. ©Urner und Landgerichtsrath Oppermann gebildete Schiedsgericht dahin entschieden, „daß bei Ermittelung des wirklichen Werthes der Gasbeleuchtungsanstalt als betriebbarer Anstalt die ihr innewohnende Ertragsfähigkeit mit in Berücksichtigung zu ziehen sei, jedoch nicht nach Maßgabe der bisher thatsächlich daraus gezogenen, sondern nach Maßgabe der durch die Gasherstellungskosten, die Höhe 1886 ^scousums und die entsprechenden Preise bedingten Rente." (Berwaltungsblätter Danach hat die Stadt Gießen den Director der Städtischen Gas- und Wasserwerke in Düsseldorf, Groh mann, Fabrikant Heß den Director der Frankfurter Gasgesellschaft, Schiele und Großh. Kreisamt den Kreisingenieur Gnauth in Gießen zu Experten ernannt. Dieselben haben zunächst „übereinstimmend festgestellt, daß der vorerwähnte Schiedsspruch mit seinen Entscheidungsgründen die Richtschnur für ihre Arbeiten zu bilden hat. Die Besprechung der im Einzelnen einzuhaltenden Gesichtspunkte und die Ver- glerchung der ermittelten Ziffern hat zu nachstehender, in durchgängiger Uebereinstim- mnng der Experten gewonnener, Feststellung des zu erhebenden Werthes geführt. Nach dem Schiedsspruch ist „neben den übrigen Faktoren der Abschätzung- in Be- tracht zu ziehen „die der Anstalt nach Maßgabe der durch die Gasherstellungskosten, die Höhe des Gasconsums und die entsprechenden Preise bedingten Rente innewohnende Ertragsfähigkeit". Nach Ansicht der Experten ist diese Ertragsfähigkeit, welche überhaupt nur annähernd zu berechnen ist, zu ermitteln aus einer für die Zeit nach Ueber- gang der Gasanstalt in anderen Besitz anzustellenden Betriebsrechnung, deren in angemessener Weise kapitalisirte Reineinnahme dann jenen Werth darstellt, den eine auf die Ertragsfähigkeit allein gegründete Schätzung ergeben würde, welcher Werth weiterhin kurzweg als „Ertragswerth" bezeichnet werden soll. Diesem Werthe stehen gegenüber die „übrigen Faktoren der Abschätzung", welche die Experten in dem derzeitigen „Bauwerth" der Anstalt zusammenfassen, ein Werth, welcher sich dadurch. ergibt, daß zunächst die Kosten einer derzeitigen Ncuherstellung der ganzen Anstalt berechnet werden und an diesem Neubauwerth mindernd in Abzug gebracht wird, was die einzelnen Gegenstände durch Abnützung und Alter an Werth verloren haben. •x . Wenn nach dem Inhalt des Schiedsspruches „die Ertragsfähigkeit der Anstalt mit in Berücksichtigung zu ziehen" ist, nach dessen Entscheidungsgründen die Berücksichtigung des künftig möglichen Ertrages „auch nicht ausgeschlossen sein", die Erhebung des Werthes der Gasanstalt sich aber „keineswegs auf das Gewinnmoment allein aufbauen", vielmehr „die der Anstalt innewohnende Ertragsfähigkeit neben den übrigen Faktoren" in Betracht kommen soll, so haben die Experten aus alledem das wenigstens als zweifellos annehmen zu müssen geglaubt, daß im vorliegenden Fall einer gewinnbringenden Anstalt der nach Maßgabe des Schiedsspruches zu ermittelnde Werth derselben zwischen dem „Bauwerth" einerseits, und dem „Ertragswerth" andererseits liegen müsse; weniger als den „Bauwerth" wird ein anständiger Käufer mcht bieten wollen, mehr als den „Ertragswerth" ein solider Käufer nicht bieten können. 200 775 44 250 JL 74 975 , III.—X. Retortenöfen, Apparate, Gasbehälter, Rohrnetz, Straßenlaternen, Gasmesser rc............ Für Entscheidung der weiteren Frage, ob jener Schlußwerth näher an dem einen oder an dem anderen der beiden Grenzwerthe zu liegen habe, giebt der Schiedsspruch keinen Anhalt; ebensowenig ist es auch den Experten gelungen, diese Frag^ anders zu lösen, als indem sie — dem Vorgang ähnlicher Schätzungen und der Hebung des gewöhnlichen Lebens folgend — eine mechanische Ausgleichung dahin annahmen, daß jener Schlußwerth in der Mitte der beiden Grenzwerthe liegen, daS arithmetische Mittel aus beiden bilden solle." Danach haben die Experten den derzeitigen „Bauwerth" int Einzelnen eingehend berechnet und denselben schließlich wie folgt zusammengestellt-. Titel I. Grund und Boden, sammt Auffüllung rc. „ II. Gebäude rc........... Sonach Bauwerth zusammen 320000 JL „Set Bestimmung des „Ertragswerthes" der Gasanstalt sind die Experten vorzugsweise den Andeutungen gefolgt, welche die Entscheidungsgründe des Schiedsspruches dafür geben; sie haben zur Bemessung des künftigen Jahresreingewinnes zunächst eine Vetriebsrechnung aufgestellt, deren einzelne Ansätze, insoweit es sich nicht um allgemein gültige Ersahrungsziffern handelt, den örtlichen Verhältnissen entsprechen sollen, wie sich letztere nach dem Besitzwechsel der Gasanstalt etwa ergeben werden. Bezüglich der Einnahmen war dabei in erster Linie zu untersuchen» ob die derzeitigen GaSpreise auch in Zukunft werden festgehalten werden können ober nicht. Die Experten sind zu der Ueberzeugung gelangt, „daß die derzeitigen Gießener Gaspreise bei Weiterbetrieb der Anstalt sich nicht werden halten lassen, daß vielmehr für den Verbrauch der Privaten eine Ermäßigung von 20o/o, und für Motoren eine solche um 25o/o nicht zu vermeiden sein wird, wogegen der Preis für die Straßenbeleuchtung auch in Zukunft als ein angemessener festzuhalten wäre." — „Die Frage, ob für Gießcn in Zukunft eine Steigerung des Gesammtverbrauchs an Gas zu erwarten ist, haben die Experten in bescheidenem Umfang bejaht. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Steigerung wird unterstützt durch die stetige Zunahme des Gasverbrauchs in den letzten Jahren: 1883/4 507 000 cbm, 1884/5 537 000 cbm, 1885/6 566 000 cbm, durch die voraussichtliche Steigerung des Verbrauchs für Privatbeleuchtunq in tfolge ber oben entwickelten Preisermäßigung unb burch bie im Zuge unserer Beit liegenbe Zunahme bes Gasverbrauchs für Betriebszwecke. . .Aüen weitergehenben Erwartungen auf einen zunehmenben Gasverbrauch steht aber emerieits bte in den letzten Jahren deutlich hervorgetretene Verlangsamung in der Be- volkerungszunahme Gießens, andererseits die Concurrenz des eleetrischen Lichtes entgegen. Wenn lchon nach dem heutigen Stand dieser Technik für Gießen höchstens der Abfall einiger größeren Abnebmer zu befürchten ist und auch dieser voraussichtlich zu einem guten Theil durch einen Mehrverbrauch an (allerdings billigerem) Gas für Motoren wieder ausge- 9"chen werden wird, so sind doch bei dem heutigen Gang unserer technischen Entwicklung gründliche Umwälzungen auch auf diesem Gebiet so wenig ausgeschlossen, daß die Experten geglaubt haben, die künftige Gewinnrechnung nicht nur möglichst vorsichtig aufstellen, sondern au ■•T xwle l!L , Einleitung geschehen — jeden einseitig überwiegenden Einfluß des darauf g-gründeten „Ertragswerthes" auf die Feststellung des „wirklichen Werthes" ausschließew kr 1886. ne, welches die hnben cke lur-e er un§ Sütigft SM* mit n'lalt IU über- *" di- Stabt ?" »*llung 3rfnte durch die den Leu Oppermann Werthes ^agsfühj^jj thatsächlich 'Iten, die höhe lvaltungsblätter lb Wasserwerke dasgesellschaft, 1 -u Experten 'ähnle Lchieds-. |u bilden hat. und die Ser; UebertinfHm; li Werthes ?&&■ hung' in Be: Engskosien, innewohnende , welche über; it nach lieben deren in an; den eine auf welcher Werth Berthe stehen in dem der; ftd) baburß. i Ülnftalt bt: wird, was haben. der AnM i die Berück; jidie Er; ewinnmoment t neben den i alledem das legenden Fall u ermittelnde gswerth' an- ibifler Käufer nicht bieten her an dem der Schieds- diese W en und der ig dahin an; : liegen, das neu eingehend 44 250 Jt 74 975 , 200 775 „ 720 000^ Die Experten liedsspniches unächst eine m allgemein m, wie sich ob die der; t nicht- Die Saspreise bei ,n verbrauch i25»/o* h in 3uh,nft erbraus 0,1 -Die W » ■bffl, itdelkUchl^S ms-rn Art 6 W * in d-r 8‘= ,j ditd'H'"- Si«H «"'8® Ln W1 M -E tzntwiltlu^ oie Experts 1» -,desdarau> Gchiff-n ach richten. Bremen, 10 Septbr. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Trave, Capt. W. Welligerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am -• September von Bremen und am 2. September von Southampton abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Auszug aus den Kirchenbücher« der Stobt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getränte. C. • September. Johann Philipp Stahl, Baumeister zu Nidda, und Auguste Henrrette Dorothea Kraatz, lebige Tochter des Kaufmanns Albert Kraatz zu Gießen , Den 5. September. Christoph Schmitt, Schmied in Gießen, und Margarethe Elisabeth Schneider, ledige Tochter des Taglöhners Johannes Schneider in Gießen s $en-8l ^e,"t>er- Dr. Heinrich Pitz, Realgymnasiallehrer in Gießen, und Katharine L-chmidt, ledige Tochter des Landwirths Caspar Schmidt zu Großen-Buseck rcrr r. September. Dem Dienstmann Friedrich Schmidt eine Tochter, Karoline Elisabeth, geboren den 19. August. Denselben. Dem Schneider Johann Peter Leilich eine Tochter, Anna Marie Margarethe, geboren den 25. August. Denselben. Dem Postsecretär Karl Kaus ein Sohn, Franz Heinrich, gefroren den o. Juli. Denselben. Dem Briefträger Wilhelm Veite eine Tochter, Wilhelmine Philippine gefroren den 7. August. * Denselben. Dem Handschuhmacher Jakob Hengst ein Sohn, Ferdinand Adolf, gefroren den 31. Mai. , .Denselben. Dem Heizer Heinrich Amend ein Sohn, Wilhelm Balthasar, geboren den 17. August. Denselben. Dem Heizer Georg Heinrich Menke eine Tochter, Ottilie Marie Sabine, geboren den 30. Juli. o -- 8' September. Dem Restaurateur Gustav Gühlholtz Zwillingssöhne, Gustav Louis Friedrich Theodor und Carl Christian Ludwig Heinrich, geboren den 30. Juli. Denselben. Dem Prioatdocenten Dr. Carl von Noorden eine Tochter, Elisabetfr Harriet Julie Anna Bertha, geboren den 14. Juni. QQ ar Den 10. September. Ein außerehelicher Sohn, Johann Hermann, geboren den 2o. August. _ „ _ Beerdigte» Den 7. September. Georg Keck, Taglöhner, verwittwet, alt 65 Jahre, gestorben den 4. September. ar ."selben. Henriette Anschütz, geb. Haubach, Ehefrau des Bergmanns Christian Anschutz in Bissenberg, alt 27 Jahre, gestorben den 5. September. vermischte-. ' «n r * Nödaen, 11. September. Ein Arbeiter an der Wasserleitung, Namens Weber, aus Königsberg, schlief seither aus Sparsamkeitsrücksichten in einer Scheuer. Gestern Abend scheint derselbe beim Aufstieg zur Lagerstelle ausgeglitten oder im Schlafe sich nach der Tenne bewegt zu haben, denn heute Morgen fand man ihn todt in der Tenne liegen, neben einem Päckchen Grummet, das er im Fallen wahrscheinlich mitgerissen hat. ,r — Eine theure Eisenbahnfahrt von Köln nach Spandau hat ein Handlungsreisender Namens Bär gemacht. Er nahm kein Billet, sondern machte die Reise im „Closett in sehr unbequemer Lage. Er war aber verrathen worden und wurde wegen allerlei Raffinements, das et damit verbunden, zu 1 Monat Gesängnitz und 300 M Geldstrafe verurtheilt. — Lor Kurzem durchlief die Zeitungen eine Mittheilung, wonach von den Lübbener Jagern im diesjährigen Manöver mit Hunden zwecks Nachrichtenvermittelung Versuche gemacht werden sollten. Die Sache hat, wie die „Kreuzzeitung" schreibt, ihre Richtigkeit. Die Versuche entsprechen der neuen Felddienstordnung, in welcher ausdrücklich angeführt wird, daß Hunde frei der Feldwache und auf Posten Verwendung finden dürfen. Auszug aus den StaudeSamtSregtster« des Standesamts Gtetzr«. (Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) Aufgebote. September: 2. Ludwig Carl Emil Sundheim von Badenburg, Kaufmann dahier Sb61?,“ Lmse Emilie Wallmuth von Frankfurt a. O., wohnhaft dahier. 9. Georg wohnhaft^dahier^^^^^' ^Wmac^r dahier, mit Karoline Rolshausen von Krofdorf. ~ Eheschließungen. emt r.8, J?r; Heinrich Pitz, Nealgymnasiallehrer dahier, mit Käthchen ^naMebr8. Heinrich Müller, Realgymnasiallehrer dahier, mit ba^‘ l0, 2acob Formhals von Allendorf a. d. Lumda, wohnhaft ÄJr'a ™ ^roI‘ne Reinhardt, geb. Stoll, Wittwe des verstorbenen Kord- ^lnhardt dahier. 10. Karl Friedrich Wilhelm Müller von Leubus, ^4»dahier, mit Marie Schmitt von Albach. 10. Nicolaus Rausch von Rebges- fratn, Taglohner dahier, mit Katharine Wagner von Mornshausen. 29o?CS Messerschmied Adolph Gäd- eine Tochter, Franziska Auguste 31. Dem Zuschneider Hermann Silbermann ein Sohn, Siegfried Sft"1 Kostschastner Wilhelm Wagner eine Tochter. 4. Dem Cigarren- - Schmall eine Tochter. 4. Dem Schuhmacher Georg Hoos eine Tochter, S ™^cm Franz Otto eine Tochter, Hedwig Emma. 5. Dem Schrift eher Theodor Loos II. ent Sohn, Theodor Louis. 6. Dem Schneider- Otto Sperber eine Tochter, Elsa Helena. - ~ „ Gestorbene. QnHrrfl ^oplember: 3. Johannes Lüttich, 3 Jahre alt, Sohn von Schneider Friedrich _,4-. ^rg Keck, 65 Jahre alt, Taglöhner dahier. 5. Marie Margarethe 7 IT' e? Tochter von Schutzmann Heinrich Bommersheim. m^arc ^bnriette Katharine Punge, 4 Monat alt, Tochter von Porzellanmaler is-art Punge. Danach haben die Experten die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Zunahme,des Gasverbrauchs nahezu als ausgeglichen betrachtet durch die möglichen, wenn auch zur Zeit keineswegs greifbaren, Gefahren einer Beschränkung des Gasverbrauches für Zwecke der Beleuchtung, und somit ihrer Ertragsrechnung eine künftige, für absehbare Zeit gesicherte durchschnittliche Jahreserzeugung von rd. 600 000 cbm zu Grunde gelegt." — „Der Berechnung der künftigen Betriebsausgaben sind die allgemeinen Erfahrungssätze mit Berücksichtigung der in Gießen während der letzten Jahre erzielten Betriebs- Ergebnisse zu Grunde gelegt; frei den Besoldungen sind als Gehalt des künftig besonders zu bezahlenden Leiters und etwaige Mehrkosten der Kassenverwaltung rund 6000 X zugeschlagen. Endlich ist eine jährliche Abschreibung von 3 °/° des ganzen „Bauwerthes" ausschließlich Titel I. (Grund und Boden) in Ausgabe gestellt, um damit der Werthverminderung Rechnung zu tragen, welche der körperliche Theil der Anstalt durch Alter und Abnützung erfährt." Danach haben die Experten für ein Jahr die Einnahmen zu 125 000 X, die Ausgaben zu 90 000 X, folglich den Reingewinn zu 35 000 X berechnet. „Es bleibt somit für die Experten nur noch die Frage zu beantworten, das Wieoielfache dieses Jahresgewinnes ein Käufer, welcher die Gasanstalt lediglich nach ihrem Ertragswerth erwerben wollte, bezahlen könnte? Die Experten sind dabei von der Erwägung ansgegangen, daß ein Käufer für Anlage seines Kapitales in einer Gasanstalt mindestens denselben Ertrag zu beanspruchen habe, welchen jeder Andere erwartet, der sein Geld im Gasgeschäft anlegt, und dieser Ertrag ist nach dem heutigen Stande des Geldwerthes und den letzten Dividenden für Gasactien zu stark 6 */o des Anlagekapitales anzunehmen. Demnach haben die Experten den Ertragswerth der Gasanstalt zum 16 fachen des berechneten Jahresreingewinnes, fr. h. zu 560000 X festgestellt. Das arithmetische Mittel aus Bauwerth und Ertragswerth d. h. der wirkliche Werth der Gasanstalt als betriebbarer Anstalt berechnet sich somit zn^OOOO^560000 X d- h. zu 440000 X, in Worten: Viermalhundert und Vierzig Tausend Mark. handel «ad Verkehr. 11. September. Aus dem heutiaen Markt kostete- Butter per Psuw •L1’12“1 o0, 1"- St- 5-7 Enteneier St. 6-7 Käse pr. ©t. 5-91 «5fematte 3-0 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 26 4, Tauben per Paar 0,50 bis O'OO ^Hühner per Stück 0.80—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.50—0.80 Ertten $er Stück -5 1-30-1.70 Ochsenfleisch per Hund 62-64 Kuh- und Ä 5b Schweinefleisch 56—60 4, Hammelfleifch 50-66 X Kalbfleisch 46—50 ^rtoffeln per 100 Krlo X 3.50—6.00, Milch per Liter 12—18 H, Zwiebeln per Centner X 4.Uv—b.UJ. nunmehr 18 Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen unüber- , . Haarwasser von Retter, München (staatlich geprüft und begutachtet), welch, statt Oel od. Pomade tagt gebraucht bestens zu empfehlen ist verkauft zu 40 u. X 1,10 I. H. Kichr, Sonnenstraße 25, Gießen. 775 M Temperatur der Lahn. I Am 11. September, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16°, Lust 19° R. im Schatt«. L. Ehr. Rüfrsamen. Bekanntmachung. Dienstag den 14. September, des Nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Bahnhof, an der Russin g'schen Wirthschaft anfangend, eine Parthie alte- Bauholz und circa 136 Loose alte Bahnschwellen an den Meistbietenden versteigert werden. 6410 Gießen, den 11. September 1886. Königliche Bahnmeisterei 14. ftepfel-Versteigerung. Montag den 20 September, Morgens 9 Uhr, läßt Unterzeichneter auf dem Neuhof, Station Lang-Göns, ca. 200 Malter Aepfel unter günstigen Bedingungen versteigern. Neuhof, den 10. September 1886. 6419 Schuchard. 6431 Tfreilmigshalfrer lassen die Erben her Gg. Debus Wwe. in LaunSbach, Hans Nr. 33: 1 gutes Wagen- und Ackerpferd in gutem Alter (brauner Wallach) und einen fast noch neuen Wagen Donnerstag den 16 September Vormittags 9 Uhr, öffentlich meistbietend versteigern. | Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Betreffend: Die Abschätzung der durch Truppenübungen entstandenen Flurschäden im Kreise Gießen. . Unter Bezugnahme auf das in obigem Betreff in Nr. 208 des Gießener erschienene Ausschreiben Großherzoglichen Kreisamts Gießen vom b. vieses Monats, benachrichtigen wir diejenigen Grundbesitzer der Gemarkung Gießen, welche durch die bevorstehenden Truppenübungen Flurschäden erleiden, daß ste ihre desfallsigen Ersatzansprüche unverzüglich bei uns anzumelden haben. Gießen, 10. September 1886. 0439 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Keller, ____________________Beigeordneter. _____________________ Zur Saison. Trotz bedeutenden Aufschlags der wollenen Garne verkaufe noch zu alten Preisen. 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