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Mai Mr. 509 * ■ W H 'S1 na— II—’■ »Illi niuiuutiLMiwiw» i ui ii ■ i ——---- -...... ---:—----- -- ■ - -—-. ----------------------—-----------------—-------------—- —-------------1 rr - _ .w m i in i— mirr nri.-.-. - •*» a s*# rva .. »ME- ’• Wkch.int tWi» *» MMW>°s politische Ueberficht. Gießen, 11. Mai. Die Abreise der Kaiserin nach Baden-Baden, welche bereits . für Mitte vergangener -Woche in Aussicht genommen war, ist einstweilen noch verschoben worden. Der russische General ä la suite des Kaisers, Fürst Dolgoruki, welcher bisher dem Kaiser Wilhelm attachirt war, ist von seinem Berliner Posten abberufen und durch den Flügeladjutanten, Obersten Grafen Golemistches- Kutusow vom Chevalier-Garderegiment, ersetzt worden. Ueber den Grund dieses VersonalwechselS verlautet noch nichts Näheres. Der kirchenpolitische Kampf ist zu Ende. — Die am vorigen Freitag im preußischen Abgeordnetenhause in specieller Berathung erfolgte unveränderte Annahme des neuen Kirchengesetzes drückt dieser bedeutsamen Thatsache das Siegel auf. Allerdings stand noch die dritte Lesung und mit ihr die endgültige Abstimmung aus, aber letztere hat nach den vorausgegangenen Verhandlungen kaum mehr als eine formale Bedeutung und wurde der Gesetzentwurf in dritter Lesung mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der Nationalliberalen, sowie eines Bruchtheiles der Freiconservativen und der Deutsch-Freisinnigen definitiv angenommen. Die Specialberathung selbst bewegte fich im Gegensätze zu dem scharfen und erregten Ton der zweitägigen Generaldebatte in ver- hältnißmüßig sehr ruhigen Grenzen, man mochte allseitig das Bedürsniß haben, mit der Sache nunmehr ohne weitere große Verhandlungen zu Ende zu kommen. Eine längere Debatte rief eigentlich nur Art. 2 der Vorlage hervor, welcher von der Wiedereröffnung der kirchlichen Seminare handelt und in seinem Schlußsätze bestimmt, daß die Wiedereröffnung der Seminare in den Diöcesen Gnesen- Posen und Kulm königlicher Verordnung vorbehalten bleibt. Diesen Zusatz zu streichen, beantragte Abg. v. Jazdzewki Namens der polnischen Fraktion, doch wurde dieser Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt, nachdem Cultusminister v. Goßler für die Nothwendigkeit dieser Bestimmung eingetreten war und der Centrumssührer Dr. Windthorst kurz und bündig erklärt hatte, die Centrumspartei halte an den Beschlüssen des Herrenhauses fest und sei daher auch gegen den Antrag Jazdzewski. Im Uebrigen trugen diesmal die Nationalliberalen — abgesehen von der oppositionellen Haltung der Polen bei Artikel 2 — die Kosten der Opposition ganz allein; auf deutschsreisinniger Seite herrschte vollständiges Stillschweigen und auch auf Seiten der Freiconservativen verhielt man sich äußerst reservirt. Von den Nationalliberalen machte Dr. Gneist nochmals die Bedenken seiner Partei gegen den vorliegenden Entwurf im Allgemeinen,, wie auch gegen die einzelnen Artikel geltend, erklärte jedoch bezüglich des Schluß- Artikels (Freigebung des Messelesens und des Sacramente-Spendens), daß für denselben auch seine Partei stimmen würde. — Man kann jetzt nur noch wünschen und hoffen, daß der Ausgleich zwischen der preußischen Regierung und der katholischen Kirche wirklich ein dauernder sei und keinen Scheinfrieden bedeute, denn daß in letzterem Falle der Staat den kirchenpolitischen Kampf unter viel ungünstigeren Verhältnissen für ihn wieder ausnehmen müßte, bedarf wohl kaum einer näheren Erörterung. Im Bundesrathe haben am Samstag die Plenar-Verhandlungen über die neue Zuckersteuer-Vorlage begonnen und dürften zu deren Fertigstellung Seitens des Bundesraths nur wenige Sitzungen nöthig sein. Demnach wird der Reichstag bei seinem am Montag erfolgenden Wiederzusammentritt diese Vorlage bereits vorfinden und sich ihr sofort widmen können; am Montag selbst kann dies allerdings noch nicht geschehen, da für diese Sitzung kleinere Sachen auf der Tagesordnung stehen. Ueber die Verhandlungen der Bundes- raths-Ausschüffe, betr. die neue Branntweinsteuer-Vorlage, ist noch nichts Bestimmtes bekannt geworden. Oberst Giehrl ist zum Ches des Generalstabs des ersten bayerischen Armee-Corps ernannt worden. Der seitherige Inhaber dieser Stellung, Oberst Ritter von Xylander, wurde zum Commandeur des fünften Infanterie-Regiments ernannt. Prinz Wilhelm von Württemberg und seine Gemahlin haben die königliche Sommer-Residenz Marienwahl bei Ludwigsburg bezogen. Die griechische Frage, aus welche sich gegenwärtig die Orientkrisis reducirt, hat zum zweiten Male eine so drohende Wendung genommen, daß der Ausbruch des so lange befürchteten kriegerischen Zusammenstoßes zwischen der Pforte und Griechenland nunmehr fast unvermeidlich erscheint. Die Gesandten der fünf Mächte — Frankreich allein sondert sich bekanntlich von den übrigen Äroßmächten ab — haben Athen in Folge der wenig befriedigenden abermaligen Antwort der griechischen Negierung aus das Ultimatum der Mächte am Freitag früh verlassen. Auch der türkische Gesandte verließ am gleichen Tage Athen und zwar mit dem gesammten Personal, während von den Gesandtschaften der fünf Mächte einstweilen noch die Secretäre in der griechischen Hauptstadt zurückgeblieben sind. Das vor Phalerun ankernde internationale Geschwader ist nach der Suda-Bucht zurückgekehrt und die griechische Flotte ihrerseits verließ ihren bisherigen Stationsort bei Salamis und soll nach Porros abgegangen sein. Das griechische Kanonenboot „Salaminia" erhielt Ordre, unverzüglich nach Konstantinopel abzudampfen und den Gesandten Conduriotis abzuholen. Der schleunigste Abmarsch der Athener Garnison nach Theffalien, wo ein Einfall der Türken befürchtet wird, wurde angeordnet und ging am Freitag das erste Regiment der Athener Garnison, welche durch die in Calamata und Sparta stehenden Regimenter ersetzt werden soll, nach der Grenze ab. — Hiernach zu ! urtheilen, ist der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Pforte und Griechenland als eine vollendete Thatsache zu betrachten und es erübrigt nur noch die formelle Kriegserklärung. Hingegen haben die „fünf Mächte^ ihre diplomatischen Beziehungen zu der griechischen Regierung noch nicht vollständig abgebrochen, da ja, wie schon oben mitgetheilt, d-e Gesandtschafts-Secretäre in Athen zurückgeblieben sind. Ob die Mächte den nun fast unvermeidlich gewordenen Kampf zwischen Griechenland und der Türkei von den beiden feindlichen Parteien allein aussechten laffen oder ob sie nun endlich actio gegen Griechenland vorgehen werden, läßt sich noch nicht genau beurlheilen. Allerdings meint die „Times" bezüglich des jetzigen Standpunktes der griechischen Frage, die Mächte würden die griechischen Häfen blokiren und es Griechenland überlassen, sein Glück mit den Türken an der Grenze zu versuchen, sowie auch bestrebt fein, den eventuellen, hoffentlich nur kurzen Krieg möglichst zu localisiren. Indessen trotz der Abberufung der fünf Gesandten hat es doch den Anschein, als ob Die Mächte über ein weiteres Vorgehen gegen Griechenland nicht recht einig seien und so dürfte es denn auch mit der oft erwähnten Blokade noch gute Wegq haben. Deutschland. Berlin, 10. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute Nachmittag die große Markthalle in der neuen Friedrichsstraße und wurden am Eingang vom Oberbürgermeister Forckenbeck und einer Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten empfangen. Sie durchfuhren die Markthalle, deren Einrichtungen nach den Erläuterungen Forckenbeck's und des Stadtkämmerers Runge in Augenschein nehmend. In der Markthalle wurden dem kaiserlichen Paare mehrere Bouquets überreicht. Bei Ankunst und Abfahrt wurden demselben begeisterte Hochs dargebracht. — Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung der Kirchen- Vorlage die einzelnen Artikel unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung und das ganze Gesetz in namentlicher Abstimmung mit 260 gegen 108 Stimmen. Rur das Centrum stimmte geschlossen für die Vorlage; die Polen enthielten sich der Abstimmung. — Bei der zweiten Lesung des Gesetzes über die Anstellung von Lehrern und Lehrerinnen in den vormals polnischen Landestheilen befürwortet Wessel die Commissionsbeschlüsse. Seyffarth (Liegnitz) und Porsch sind aus nationalen Gründen und Bedenken wegen der Verfassungsmäßigkeit gegen die Vorlage. Rauchhaupt spricht für die Vorlage und für seinen Antrag, welcher die Beseitigung der Verfassungs-Bedenken bezweckt. — Die Berathung wird morgen Vormittag 11 Uhr fortgesetzt werden. Pofen, 10. Mai. Der Oberpräsident Günther empfing heute nach Rückkehr von seinem Urlaub die Spitzen der Civil- und Militär-Behörden, den Landtags-Marschall, die Mitglieder der Provinzial- und städtischen Behörden, die Commissionen und Deputationen der Städte Posen, Gnesen, Meseritz, sowie viele Notabeln, deutsche wie polnische aus der Provinz, welche ihre Glückwünsche anläßlich des am 5. Mai stattgehabten 50jährigen Dienst'Jubiläums des Oberpräsidenten darbrachten. Die städtischen Behörden übereichten dem Jubilar den Ehrenbürgerbrief der Stadt Posen. München, 10. Mai. Die Königin Isabella von Spanien ist zu längerem Aufenthalt heute Nachmittag hier eingetroffen. Schweiz. Bern, 10. Mai. Bei den gestrigen Stichwahlen im Kanton Bern für den Großen Rath gewannen die Conservativen fast die Hälfte der noch verfügbaren Sitze; doch verbleibt der freisinnigen Partei die Mehrheit im Großen Rathe. — Die Landesgemeinde Glarus beschloß eine Revision der Kantonal- Verfassung. Türkei. Konstantinopel, 9. Mai. In dem Rundschreiben der Pforte über die Abreise des türkischen Gesandten Feridun Bei von Athen heißt es, Feridurr Bei habe den Befehl erhalten, Athen zu verlassen, um das Einvernehmen der Großmächte in Betreff der Erhaltung des Friedens zu bekräftigen. — Das Befinden des englischen Botschafters Thornton, welcher, wie gemeldet, mit dem Pferde gestürzt war, ist ein befriedigenves. Kanea, 9. Mai. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus.") Die heute nach den griechischen Gewässern in See gegangenen Schiffe des internationalen Geschwaders sind wegen stürmischen Wetters in die Suda-Bucht zurückgekehrt. Telegraphische Depesche«. uw» «orrisponderrr - Bureau. London, 10. Mai. Unterhaus. Bryce erklärt, er habe den Schriftwechsel über die griechische Angelegenheit auf den Tisch des Hauses niedergelegt, die Vertheilung werde in wenigen Tagen erfolgen. Die Blokade sei in's Werk gesetzt, aber cs bestehe kein Kriegszustand zwischen England und Griechenland oder einer andern Macht und Griechenland. Die Blokade sei eine friedliche. — Bryce theilte ferner mit, der Handelsvertrag mit Spanien sei unterzeichnet; derselbe gestehe England die Behandlung der meistbegünstigten Nation zu. England habe der Herabsetzung der Eingangszölle auf Wein durch Abänderung der Alkohol-Scala zugestimmt und Weine von 30 Grad zum Zollsatz von einein Schilling per Gallone zugelassen. Der Vertrag werde den Eortes und dem englischen Parlament unterbreitet. Die Grcnzabsteckungs-Arbciten in Afghanistan seien suSpendirt worden, weil Instructionen über gewisse Punkte erwartet würden. Nachdem dieselben eingegangen, habe die Commission die Arbeiten wieder ausgenommen; es sei nicht die Absicht der Regierung, daß Drummond Wolff in Egypten bleibe. Sobald die Berichte vervollständigt, würden die Verhandlungen mit Mukhtar beendet. Baring beschäftige sich größtentheils mit den gewöhnlichen Angelegenheiten, während Drummond Wolff seine Aufmerksamkeit auf die den Sudan betreffenden Fragen, militärische Reorganisation und gewisse Specialfragen der inneren Verwaltung zu richten habe. — Gladstone beantragte die zweite Lesung der irischen Verwajtungsbill. „ . Rom, 10. Mai. Von gestern Mittag bis heute Mittag kamen tn Venedig 13 Cholera-Erkrankungen und 8 Todesfälle vor, in Bari 26 Erkrankungen und 10 Todesfälle, in Ostuni 5 Erkrankungen und 2 Todesfälle. Athen, 10. Mai. Das Ministerium demissionirte, allein der König theilte Delyannis schriftlich mit, er könne bei den Schwierigkeiten, in welchen sich das Land befinde und weil das Ministerium für die Lage verantwortlich sei, die Demission nicht annehmen. — Auf dieses Schreiben des Königs erwiderte Delyannis, er müsse seine Demission aufrechthalten, weil das Interesse des Landes eine rasche Lösung der Schwierigkeiten erheische und er mit der Abrüstung nicht vorgehen könne, ohne das Ansehen des Landes zu gefährden. — Auf dem Konstitutionsplatze fand gestern eine große Volksversammlung statt. Nach heftigen kriegerischen Reden wurde eine Resolution beschlossen, welche sich für eine weitere Verstärkung der Armee und die Abreise des Königs nach Larissa ausspricht. Die Volksmenge zog darauf vor die Wohnung Delyannis, welcher in einer Ansprache erklärte: Die Kriegsfrage sei nicht die Sache einer Partei und könne nicht durch eine parlamentarische Majorität oder Minorität gelöst werden, sondern nur durch die Einmüthigkeit der Nation. Angesichts der von den Mächten dictirten Bedingungen müsse Derjenige, welcher die Verantwortlichkeit für einen Krieg übernehmen solle, fest überzeugt sein, Daß das Volk unerschütterlich entschlossen sei, Krieg zu führen. Wenn das Ministerium unter jenen Bedingungen gezwungen werden solle, die Entwaffnung zu unterzeichnen, so werde er das wenigstens nicht thun, weil die ganze Frage dann nicht einen nationalen Charakter, sondern das Ansehen einer Jntrigue gewinnen würde. Schließlich demonstrirte die Volksmenge gegen Trikupis, indem sie sich vor dessen Wohnung begab und „Verräther" und dergleichen rief. Athen, 10. Mai. Die „Proia", das Organ des Ministerpräsidenten Delyannis, betont die Nothwendigkeit des Rücktrittes des Cabinets, um nicht die für die Interessen des Landes verhängnißvolle Lage zu verlängern. — Die „Hora", das Organ Trikupis, glaubt dagegen, daß diejenigen, welche die gegenwärtige Lage geschaffen, sie auch lösen müßten, oer König möge daher auf der Zurückweisung deS Entlassungsgesuchs des Cabinets beharren. — Der König hat heute Nachmittag Trikupis zu sich berufen. Universität- - Ghronik. — sVon der Universität.^ Mit dem soeben beginnenden Sommersemester wird an unserer Hochschule eine anderwärts schon vielfach bewährte Institution in's Leben treten; die Studentenschaft soll nämlich eine gemeinsame Vertretung, einen Ausschuß erhalten. Die Wahl der Mitglieder desselben wird künftigen Samstag, den 15. d. M., in der großen Aula des Universitätsgebäudes stattfinden. Wahlberechtigt ist jeder hiesige Student. Lokale-. Gießen, 11. Mai. ^Turnerisches.^ Die erste Turnfahrt, welche der hiesige Turnverein (gegründet 1847) in diesem Frühjahr unternimmt, wird am Sonntag den 23. Mai nach dem herrlich gelegenen Kloster Arnsburg bei Lich stattfinden. — Gießen, 11. Mai. Die am vorigen Samstag wegen Schlägerei und Widerstands gegen die Staatsgewalt verhafteten Personen aus Wieseck sinh gestern Wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Vermischte-. Deutz, 9. Mai. Eine ungeheure tiefschwarze Rauchwolke stieg heute Nachmittag 6 Uhr 15 Minuten über unsere Stadt empor, auf viele Stunden im Umkreis sichtbar. Auf dem rechtsrheinischen, ehemals Köln-Mindener Bahnhofe lagerten dicht am Bahndamme Hunderte von Fässern mit Schmieröl, Rückstände von Petroleum; Licht daneben befand sich ein Materialienmagazin, voller brennbarer Stoffe. Die Fässer geriethen zweifellos durch Funken aus einer vorbeifahrenden Locomotive in Brand und in wenigen Minuten bildeten dieselben mit dem Magazin ein gewaltiges Flammenmeer. Aus der dem Bahnhof gegenüberliegenden Kaserne rückten Kürassiere im Laufschritt zur Htlfe heran, bald folgten die Pioniere und auch die gut organisirte Deutzer Freiwillige Wehr war in wenigen Minuten zur Stelle. Die Kölner Berufswehr rückte gleichfalls heran, aber der Wasserdruck mar ein so geringer, daß die Spritzen keinen nennenswerthen Erfolg hatten. Besser griffen verschiedene Locomotiven, welche nuf den Bahndamm aufgefahren wurden und nunmehr als Dampfspritzen in Thätig- keit traten, ein; von oben herab sandten sie ihre Wasserstrahlen in die Flammen und löschten das brennende Magazin. Die Hitze war so stark, daß sich die Schienen krümmten und aufwärts bogen. Gegen 9 Uhr war die Gefahr beseitigt, aber immer noch flammten brennbare Stoffe auf und die Wehren hatten noch lange zu thun. Es war ein Glück, daß fast Windstille herrschte, sonst batte das Feuer das Bahnhofsgebäude ergriffen und dann wären die Folgen unabsehbar gewesen. Dicht am Bahnhofe liegen nämlich große Fouragemagazine der Militärverwaltung, Kasernen, Depots n. s. w. Die Kürassiere standen, so lange die Gefahr dauerte, neben ihren Pferden, zum Abrücken bereit. Auffallend ist es, rote die Eisenbahnverroaltung so kolossale Vor- räthe des brennbarsten Oels dicht am Bahndamm und im Herzen einer Stadt lagern kgnn, zpmal bereits einmal auf derselben Stelle ein fast gleiches Brandunglück vorgekommen ist. Dazu kommt noch, daß auf dem Bahnhofe nicht einmal genügende Hydranten angebracht sind und, rote bereits bemerkt, der Druck der Deutzer Wasserleitung so schwach ist, daß sich die Wehrleute beinahe in's Feuer stellen müssen, um mit dem Wasserstrahl die Flammen zu erreichen. Jahresbericht St» Zabrik-Inspectors für das Großher?ogthum Hessen für 1885. (Fortsetzung.) B. Anordnungen zur Verhütung von Unfällen. Zur Verhütung von Unfällen wurden seitens des Fabrik-Inspectors 211 Anordnungen getroffen ober auf Beseitigung bestehender Mängel und Mißstände hin- gewirkt und zwar an Dampfkesseln und Gefäßen unter Dampfdruck 17, an Motoren 12, an Triebwerken und Triebwerkstheilen 80, an Auszügen und Hebezeugen 4, an Metallbearbeitungsmaschinen 14, an Holzbearbeitungsmaschinen 43, an anderen Maschinen und maschinellen Vorrichtungen 24, zur Abführung von Benzindämpfen 1, an Treppen, Fußböden, Gallerten, Vertiefungen, Bassins und Aehnlichem 11, an Verschiedenem 5. Die getroffenen Anordnungen vertheilen sich auf die Jndustriegruppen wie folgt: Industrie der Steine und Erden 13, Metallverarbeitung 20, Maschinen, Werkzeuge, Instrumente, Apparate 9, chemische Industrie 6, Industrie der Leuchfftoffe, Fette, Oele, Firnisse 10, Textilindustrie 10, Papier und Leder 31, Industrie der Holz- und Schnitzstoffe 42, Nahrungs- und Genußmittel 65, Bekleidung 2, polygraphische Gewerbe 3. Die beigeschlossene Tabelle enthält eine Uebersicht der zur Unfallverhütung getroffenen Anordnungen. Dampfkesselanlagen ohne Concession und Ueberwachung wurden 4 vorgefunden und zwar je eine in einer Büttenpapierfabrik, Sagofabrik, Mälzerei und Branntweinbrennerei. Der Dampfkessel in letzterer hatte ein Sicherheitsventil und außerdem ein offenes Standrohr, jedoch von nur 5 cm Weite. In einer kleinen Leimfabrik fand ich das Sicherheitsventil des Dampfkessels durch einen langen Schraubenschlüssel, welcher gegen einen Sparren des Kesselhausdaches und den Hebel des Ventils gespreizt war, festgestellt, und in einer Färberei wurde das Sicherheitsventil des Dampfkessels mit einem Zusatzgewicht von 2 kg belastet vorgefunden. Wiederholt kamen Unfälle an Walzennudelpressen vor. Bei diesen Pressen befinden sich gewöhnlich 2 Walzen übereinander und der Nudelteig wird abwechselnd von beiden Seiten zwischen den Walzen durchlaufen gelassen. Es muß daher auf jeder Seite eine Arbeiterin stehen und die Walzen müssen sich abwechselnd rechts und linksum drehen. Gewöhnlich befindet sich bei dem Tisch auf der einen Seite ein Hebel, durch dessen Anzug die rückläufige Bewegung der Walzen durch die eine Arbeiterin bewirkt werden kann. Es wurde den Besitzern der Nudelfabriken empfohlen, auch auf der andern Seite beim Stand der zweiten Arbeiterin eine Vorrichtung zum Rückläusig- macken der Walzen anzubringen. Auch erscheint es zweckmäßiger, Den Rücklauf nicht durch Anziehen eines Hebels, sondern durch einen Fußtritt zu bewirken. In der Lederfabrik von Mayer, Michel u. Deninger in Mainz befinden ich in allen Arbeitslokalen mit Maschinenbettieb elektrische Signalvorrichtungen, deren Gebrauch bei einem Unfall die Abstellung der Betriebsmaschine durch den Maschinisten veranlaßt. Bei einer vorgenommenen Probe erfolgte innerhalb einer halben Minute der Stillstand. Um das gefährliche Ueberfließen erwärmter Oel- und Fettmasscn zu verhüten, befindet sich an dem Kessel zur Herstellung von Degras in einer Lederfabrik eine nachahmenswerte Einrichtung. Auf den Rand des Kessels wurde ein breiter Rand unter einem Winkel von etwa 45* geneigt aufgesetzt. Aufsteigendes Oel fließt in eine Oeffnung in diesen schrägen Rand des Kessels durch ein Rohr nach einem Canal, kann also nicht zur Feuerung gelangen. Derartige Einrichtungen dürften sich auch für Firnißsiedekessel empfehlen. Die Direction der süddeutschen Brückenbau-Anstalt zu Gustaosburg bei Mainz hat zur Verhütung von Unfällen beim Transport von Lasten und Maschinenbetrieb und zur Verhütung von Augenverletzungen eine Reihe von Vorschriften für die Arbeiter gegeben und in den Arbeitsräumen anheften lassen, welche, da sie als zweckmäßig und empfehlenswerth erscheinen, in einem Anhang aufgeführt sind. Zum Zwecke der sachgemäßen Ausbildung von Dampfkesselheizern hatte der Vorstand des Dampfkesselüberwachungsvereins zu Offenbach versuchsweise einen Wanderlehrheizer angenommen, welcher auf Wunsch der Mitglieder des Vereins deren Kesselanlagen besuchen und die betr. Heizer unterweisen und controüiren sollte. Nicht ganz 10pCt. der Mitglieder gab den Wunsch zur Unterweisung ihrer Kesselheizer zu erkennen, man war jedoch mit den Resultaten des Unterrichts, dort wo er stattfand, recht zufrieden. C. Gesundheitsschädliche Einflüsse. Als gesundheitsschädlich muß die Handarbeit der Mälzer auf den Malzdarrhorden solcher Bierbrauereien und Mälzereien bezeichnet werden, welche keine mechanischen Malzwendeapparate besitzen. Während einer etwa 12stündigen Darrperiode muß das Malz halbstündlich mit Schaufeln umgewendet werden und es befinden sich dabei die Arbeiter in der bis 70° heißen mit Staub erfüllten Luft des Darrraums. Mitunter wird nach dem auch kaltes Bier getrunken oder es folgt ein Gang in den Keller in eine Temperatur von IW Manche Arbeiter erliegen der Beschäftigung für das Darren nach mehreren Jahren, der Appetit nimmt ab, es stellen sich Krankheitserscheinungen ein und nach etwa vierwöcheutlichem Krankenlager tritt der Tod ein. Es sollten deshalb in allen Brauereien und Mälzereien, auch in solchen ohne Motoren- Betrieb, mechanische Malzwendeapparate angewendet werden. Die Arbeit auf den Malzdarrhorden verursacht auch Augenleiden der Mälzer. Von den Zündhölzerfabrikanten im Großherzogthum hatten 6 um Gestattung von Ausnahmen von den reichsgesetzlichen Vorschriften über Einrichtung und Anlage der Zündhölzerfabriken beim Bundesrath nachgesucht. Soviel mir bekannt wurde, ist zweien dieser Gesuchsteller der Ausnahmezustand widerruflich gestattet worden. Das Genehmigungsgesuch zum Betriebe einer Zündhölzerfabrikation in einem Gebäude, in welchem früher eine solche betrieben wurde, mußte abschlägig beschieden werden, weil die Höhe der Arbeitsräume den neuen gesetzlichen Bestimmungen nicht entspricht. Zur Einrichtung von Ventilationsanlagen wurde in 7 Cigarrenfabriken, 1 Hasenhaarschneiderei, 1 Strumpfwaarenfabrik und 1 Buchdruckerei (für den Setzersaal) Anregung gegeben und den Besitzern zweckmäßige Einrichtungen ausführlich erläutert. Dasselbe geschah in den Zündhölzerfabriken des Aufsichtsbezirks. Die Verwendung des elektrischen Lichts zur Beleuchtung von Fabrikräumen macht erhebliche Fortschritte und ist wegen der Vortheile bezüglich der Beschaffenheit der Luft und der Temperaturverhältnisse der Arbeitsräume gegenüber der Beleuchtung mittelst Gas oder Pettoleum freudig zu begrüßen. Die Arbeitszeit in 500 Fabriken, wie sie in den nachstehenden Notizen mit- getheilt ist, wurde für den weitaus größten Theil dieser Fabriken beim Besuch derselben ermittelt und nur für einen kleineren Theil durch schriftliche Anfragen erhoben. Die Angaben beziehen sich auf die Arbeitszeit längster Dauer und es ist z. B. bei solchen Fabriken, welche im Sommer eine längere Arbeitszeit als im Winter einhalten, die Sommerarbeitszeit angegeben. Die Ausdrücke „im Sommer", „im Winter" bedeuten gewöhnlich die Zeit vom 1. April bis 30. September, bezw. vom 1. October bis 31. März. Ist in einer Fabrik der Arbeitsanfang um 6 Uhr Morgens, der Schluß um 7 Uhr Abends und dauern die Vor- und Nachmittagspausen je Vz, die Mittagspausen je 1 Stunde, so wurde die Arbeitszeit als llftündig bezeichnet. Es wurden bei den einzelnen Fabrikationszweigen möglichst Angaben über die Arbeitszeit in Fabriken an verschiedenen Orten des Großherzogthums gemacht und es beziehen sich z. B. die Notizen über die Arbeitszeit in der Schuhwaarenfabrikation auf Fabriken in Mainz, Offenbach, Worms, Darmstadt, Gießen und Bingen. Auch die größere Arbeiterzahl wurde bei der Auswahl der Fabriken berücksichtigt. In Offenbach ist in vielen Fabriken Samstags ein früherer Arbeitsschluß, in manchen auch Montags ein späterer Anfang oder früherer Schluß als an den übrigen Wochentagen und es finden Uebcrstunden an Samstagen oder Montagen gewöhnlich nicht statt. Der Grund hierfür liegt meist darin, daß in dieser Stadt viele Arbeiter von auswärts beschäftigt werden, welche während der Woche in Offenbach verbleiben, Samstag Abends aber sich nach Hause begeben und Montags Morgens wieder nach Offenbach zurückkehren, wobei ein mehr oder weniger weiter Weg zurückgelegt werden muß. (Fortsetzung folgt.) Unanfechtbare Lebensversicherungspolicen. Wir haben heute auf dem Gebiete der Lebensversicherung eine epochemachende Neuerung zu verzeichnen. Eine unserer ältesten, größten und kapitalkräftigsten Anstalten , die „Lebensversicherungs - Gesellschaft zu Leipzig", auf Gegenseitigkeit gegründet 1830, welche stets an der Spitze der deutschen Gesellschaften stand, wenn es galt, zeitgemäße Verbesserungen einzuführen, hat sich entschlossen, den letzten wichtigsten Schritt auf der Bahn der Reformen zu thun und ihre Policen unanfechtbar zu machen. Die Gesellschaft stellt sich auf den Standpunkt, daß, wer sich versichert, die Gewißheit haben will und haben muß, daß er den mit der Versicherung beabsichtigten Zweck wirklich erreicht, auf welche Weise er auch aus dem Leben scheiden möge. Hiervon ausgehend, muß sie mit der Versicherung auch die Gefahr übernehmen, daß durch später eintretende ungünstige Veränderungen in den Lebensverhältnissen ihrer Mitglieder oder aus irgend welchem anderen beim Abschluß der Versicherung nicht vorherzusehenden Grunde das Leben der Versicherten verkürzt oder dessen Gesundheit beeinträchtigt werde. In Folge der von der ordentlichen Generalversammlung der Gesellschaft am 8. Mai 1886 auf gemeinsamen Antrag des Verwaltungsraths und des Directoriums gefaßten Beschlüsse verzichtet nunmehr die Gesellschaft, sobald vom Tage der Ausstellung des Versicherungsscheines mehr als 5 Jahre verflossen sind, auf allen und jeden Einwand gegen Die Giltigkeit der Versicherung, soweit es sich um unrichtige Angaben in den Antragspapieren handelt und verpflichtet sich zur Zahlung der vollen Versicherungssumme, wenn nach Ablauf dieser 5 Jahre der Tod des Versicherten durch eigenes Verschulden oder durch Selbsttödtung oder Duell herbeigeführt wird. Die Bestimmung, wonach die Versicherung erlischt, wenn der Versicherte in einen ausschweifenden Lebenswandel, insbesondere in Trunksucht verfällt ober zu einer längeren Freiheitsstrafe rechtskräftig verurtheilt wird, ist aus dem Statut der Lebensversicherungs- Gesellschaft zu Leipzig gestrichen und die Berufswahl nach Ablauf der 5 ersten Versicherungsjahre gänzlich freigegeben, auch die höchst wichtige Frage der Reisen in überseeische Lander und der Theilnahme an Kriegsereignissen in liberalster Weise geregelt worden. Da diese wichtigen Statutenveränderungen auch auf die bestehenden Versicherungen ohne Weiteres Anwendung erleiden, so werden dieselben namentlich von den zahlreichen Mitgliedern der Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig mit Freuden begrüßt werden, sicherlich aber auch dazu beitragen, der Gesellschaft viele neue Freunde und Versicherte zu gewinnen. ',dm Maljdarr- ^eme mechanischen - Periode muß das dm sich dabei die lums. 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Nun hat sich aber wenigstens für die landwirthschaftlichen Krankenkassen (meistentheils wenn nicht durchaus in Form der Gemeindeversicherung) die Thatsache herausgestellt, daß so und fo viele Procente der Erkrankungen viel länger dauern, als 13Wochen. Das Hatzum Theil seinen Grund darin, daß sich vor Einführung des Krankenversicherungsgesetzes die Arbeiter aus Gründen der Sparsamkeit schwer entschlossen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, und daß dadurch viele, anfänglich geringe Uebel sich zu bösartigen und langwierigen Krankheiten herausgebildet haben und zwar bei Frauen etwa doppelt so viel als bei Männern nach Kenntniß des Berichterstatters auf Grund einer 16monatlichen Beobachtung. Insofern haben die jetzigen Krankenkassen die früheren Versäumnisse und Sünden zu büßen. Zum Theil aber liegt der Grund für diese Thatsache auch darin, daß viele Männer und Frauen wegen abgeschwächter Gesundheit üer Körperkraft aus anderen Hantierungen und Gewerben zur Landwirthschaft in der Hoffnung übergehen, durch diese im Ganzen gesundere Beschäftigung ihrer Lebenslänge eine Elle zuzusetzen. Insofern müssen die Gemeindeversicherungen die Verschuldung anderer Betriebe mittragen. Mögen aber die Gründe dieser Thatsachen sein, welche sie wollen, eine solch' andauernde Krankheit ist ein derartiges Unglück für den handarbeitenden Menschen, daß die Gesetzgebung dringende Veranlassung hat, sich mit der Frage nach der Abhilfe zu beschäftigen. § 60 des Krankenversicherungsgesetzes schreibt in Absatz 2 vor, daß dem Unternehmer, „sowie den von ihm beschäftigten Personen oder von diesen gewählten Vertretern" Gelegenheit gegeben werde, sich über die Errichtung einer Betriebskrankenkasse zu äußern. § 64, Absatz 2 schreibt vor, daß das Kassenstatut nach „Anhörung der beschäftigten Personen" durch den Betriebsunternehmer oder seinen Beauftragten errichtet werde. Selbst wenn diese Anhörung (Woedtke, Amnerkung 13 zu § 60) nur „zur Information" dienen soll, so hat doch die Aufsichtsbehörde die Pflicht, den Nachweis zu verlangen, daß diesen Bestimmungen entsprochen wurde. Jetzt, wo sich die Kranken- kassen-Gesetzgebung erst einleben kann, sollten die Aufsichtsbehörden alle Aufmerksamkeit darauf verwenden, daß den gesetzlichen Bestimmungen und humanen Absichten in vollem Umfange Rechnung getragen werde, damit die arbeitenden.Klassen den Segen der besetze erfassen. Geschichts-Kalender. 12. Mai. 1525. Schlacht bei Böblingen. Die württembergischen und schwarzwälder Bauern werden durch den Truchseß von Waldburg geschlagen, wobei ihrer 8000 todt auf dem Platze bleiben. Das Verlangen der empörten Bauern war in seinen Hauptpunkten: Befreiung von den drückenden Gerechtsamen geistlicher und weltlicher Herrschaften; Verwandlung sämmtlicher geistlicher Güter in weltliche (Säkularisation), um daraus die weltlichen Herrschaften für die Aufhebung ihrer Rechte zu entschädigen; Aufhebung der Zölle und Geleite, dagegen Anerkennung des Kaisers als alleiniger Herr, dem alle zehn Jahre (!) eine Steuer gezahlt werden sollte; durchaus volksthümliche Gerichtsbarkeit, Freigerichte mit Richtern aus allen Ständen rc.; Gleichheit der Münze, des Maßes und Gewichtes. — Viele dieser Forderungen sind im Laufe der Zeit, meistens erst als eine blutige Errungenschaft dem Volke gewährt worden, manche Wünsche von damals sind auch heute noch in einzelnen Theilen Deutschlands unerfüllt geblieben und harren noch der Erfüllung. J629. Kaiser Ferdinand II. schließt zu Lübeck mit dem Könige von Dänemark, Christian IV., einen Separat-Vertrag ab, worin er diesem alle seine Länder zurückgibt, jedoch bedingt, daß dieser sich nicht weiter mehr in die deutschen Angelegenheiten einmischt, als es ihm in der Eigenschaft eines Herzogs von Holstein zusteht. 1670. August II., der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, zu Dresden geboren. -1796. Der Dichter I. P. Viz stirbt zu Nürnberg. Unter seinen Gedichten verdienen seine geistlichen Lieder besondere Beachtung. 1797. Auflösung der Republik Venedig durch einheimische Demagogen und französische Waffen, nachdem diese Republik eintausend dreihundert und fünfzig Jahre bestanden hatte. Im Frieden von Campoformio (17. October 1797) siel Venedig, als Entschädigung für die verlorenen Niederlande, an Oesterreich. 1809. Erzherzog Maximilian übergibt die Stadt Wien durch Kapitulation den Franzosen, nachdem diese dasselbe 24 Stunden lang mit Erfolg beschossen hatten. 1845. August Wilhelnr von Schlegel, ein verdienstvoller Schriftsteller und Dichter, stirbt zu Bonn. Er zeichnete sich insbesondere in der Nachbildung der an- tiken Versform aus und bewährte auf's Schönste die Biegsamkeit der- deutschen Sprache. Seine Shakspeare - Uebersetzung wird als mustergiltig bezeichnet. 1862. General Willisen überbringt im Auftrage des Königs Wilhelm von Preußen dem Kurfürsten von Hessen ein „Abmahnungsschreiben" wegen seines widerrechtlichen Verfahrens gegen Volk und Verfassung und wird vom Kurfürsten mit einer solchen Geringschätzung behandelt, daß drei Tage später die Mobll- machungsordre an zwei preußische Armee-Corps erfolgte. 1864. Eröffnung der Londoner Conferenz und gleichzeitige Vereinbarung einer vierwöchentlicken Waffenruhe mit Dänemark, welche nach deren Ablauf noch- mals um 15 Tage verlängert wurde. 1872. Der Volksdichter Moritz Hartmann stirbt. Er gehörte der Linken in der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. an und machte von hier aus die verhüngnißvolle Reise nach Wien in Gesellschaft Robert Blum's und Fröbel's. Durch glückliche Zufälle entging er dem Schicksale seines Gefährten. — Hartmann's Dichtungen bekunden Herz und Phantasie; mit viel Innerlichkeit behandelt er die kämpfenden Principien der Zeit und weiß hierbei auch dem religiösen Element Rechnung zu tragen und verleugnet nirgends den Drang einer edlen idealen Natur. 1876. Die leitenden Minister der drei Kaiserreiche, Bismarck, Andrassy und Gort- schakoff, vereinigen sich zu einer Conferenz in Berlin, um den blutigen Kampf zu schlichten, in welchem die christlichen Bewohner der westlichen Türkei in Folge fortdauernder Bedrückungen und Mißhandlungen gegen die Türken begriffen waren. Handel und Verkehr. Gießen, 11. Mai. Auf dem heutigen Martt kvstste: Butter per Pfund X 1.00—1.03, Hühnereier 2 Stck. 9—00 Enteneier St. 5—6 Käse pr. St. 5—8 Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 24 4, Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,60 bis 0,80 H, Hühner per Stück X 0.90—1.20, Hahnen pr. Stück X 1.10—1.50, Enten per Stück X 1.50—2.00, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 52—56 H, Schweinefleisch 54—60 Hammelfleisch 50—66 H, Kalbfleisch 40—48 Kartoffeln per 100 Mlo X 3.50—4.50, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner X 7.50-8.00. Frankfurt, 10. Mai. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X 17,75—00,00, fremder X 17,50—20,50, Roggen eff. hies. X 15,00—00.00, fremder X 14,00—14,50, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer X 15,50—18,00, fremde X 00,00—00,00, Hafer eff. hies. X 14,50-15,50, fremder X 00,00-00,00. Frankfurt, 10. Mai. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 422 Ochsen, ca. 19 Bullen, ca. 456 Kühe und Rinder, ca. 326 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 60—62, 2. Qual. X 48—56, Kühe und Rinder 1. Qual. X 50—53, 2. Qual. X 40—45 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kalber 1. Qual. 55—58 H, 2. Qual. 40—50 H per 1 Pfund Schlachtgewicht. — Eine Stahlfeder, welche nicht glatt über das Papier gleitet, macht den Schreibenden nervös und hemmt den Gedankengang. Diesem Uebelstande hat die berühmte englische Stahlfedernfabrik D. Leonardt & Co., Birmingham, welche auf sämmtlichen Weltausstellungen mit den ersten Preisen ausgezeichnet wurde, mit der Erfindung einer neuen Stahlfeder abgeholfen. Sie hat dieselbe Fortunafeder genannt und in allen Ländern patentiren lassen. Durch eine einfache Manipulation sind die Spitzen der Feder ringsum ausgebogen, wodurch sie mit größter Leichtigkeit über jedes Papier hingleitet und ein Eindringen in's Papier, Spritzen und Faserziehen absolut unmöglich ist. In der Tbat ist diese Erfindung von größter Wichtigkeit für das schreibende Publikum, besonders aber bei Schnellschrift. — Von allen spirituösen Getränken ist guter Cognae für die Verdauung am meisten zu empfehlen. Die Cognacs der Firma B. Meising, Düsseldorf, erhielten auf der Antwerpener Welt-Ausstellung die höchste Auszeichnung der deutschen Ausstellung. Jede Flasche trägt die Firma B. Meifing. Genergl-Depöt bei Fero. Drebes. 3002 Firma Ed. Loeflund in Stuttgart bewährtes diätetisches Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Catarrh, Asthma, Brust- und Halsleiden, auch für Kinder vielfach ärztlich empfohlen. In t/i und l/8 Flaschen» Idoefhitutfa Malz - Extract - Bonbons die beliebten, sehr wirksamen Hustenbonbons zu 20 und 40 Pfg. per Packet. In allen Apotheken in Originalpackung zu haben. 13 12 Medaillen und Diplome. oeflund! -zaci Mittwoch dm 12. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden im Seipp'schen Hinterhause, Südanlage Nr. 21, die Mobilien des verstorbenen Fräulein Koch versteigert; es befinden sich dabei gut erhaltenes Bettwerk, Gopha, Stühle, Kommode, Kleiderschrank, Weißzeugkiste, Nähmaschine, Tische, Weißzeug, Küchengeschirr re., an Büchern Goethes, Schillerns Werke, sowie andere Klassiker, Gartenlaube, Daheim u. s. w. 3547 Im Auftrag: Sofinazm. Die Gegenstände können Morgens von 9 bis 11 Uhr besichtigt werden. 8. Rothenberger. Freitag den 14. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Lony'scken Bierkeller rine Pacthie zur PH. K- Schmidt'schen Konkursmasse gehörige silberne und goldene Taschenuhren, wobei eine werth- volle Savonetteuhr, Regulatoren,Wand- Stand- u. Weckeruhren, sowie Spieldosen, Spielwerre und Mustkalbums versteigert. F. Hoffmann, 3678 Konkursverwalter. Allgemeiner Anzeiger. Gefellfchaftsverein. Bei der heutigen Ziehung sind folgende Schuldscheine, und zwar: 1. von dem Anlehen vom 1. Januar 1836 die Nr. 5, 29, 125, 159, 251 über je 100 fl., 2. von dem Anlehen vom 1. Oktober 1854 Lit. A. Nr. 46 bis 50 incl. über je 100 fl-, 3. von dem Anlehen vom 1. Juli 1882 Lit. B. Nr. 71, 72, 73, 74 über je 200 «X. zur Rückzahlung bei unserer Gesellschastskaffe oder dem Bankhaus A. Heichelheim dahier auf den 1. Juli l. I. ausgeloost worden und hört von diesem Tage an die Verzinsung auf. Rückständig sind von der letzten Ziehung die Schuldscheine Lit. A. Nr. 41, 42, und von der vorletzten Lit. A. Nr. 52 des Anlehens vom 1. October 1854. Gießen, den 8. Mai 1886. Der Borstand des Gesellschaft-Vereins. Gebhardt. 3697 66 3625] Mädchen können das Kleiber- Näheres bet der Exped. d. Bl. Restauration (1 Dräbing Balmltor empfiehlt feinstes Gießener Gxportbier und Münchener Hacker- brau, auch englische Biere, sowie beste warme und kalte Speisen machen gründl. erl. 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Gießen, den 10. Mai 1886. Engel, 3679 Gerichtsvollzieher. 3694] Frische Dickmilch zu haben bei Frau Hüttenberger, Westanlage 15. nehmen, welche Jedem auf Wunsch gratis übersä«dt werden. Prügelh. Ltockh. Reish. Seit Bestehen der Gesellschaft bis Ende 1885 gezahlte Versicherungssummen: 42299172 eX Versicherungsbestand Jahresüberschuss 44. 11 u. Aspen 26 640 ii 1! „ Buchenstämme Dividende der Versicherten für 1886 u. 1887: 43°/( o Die Zusammenkunft 3684 B« A- Bramm. 3682 E 5 Höck©, Hosen und Westen u„ s. w, 2520 Marke. 5 . Textlich: Spiegeln wird rasch und billig besorgt. 3689 Nadelstämme 9tadelstangen an. an. ii n ii ii .«■ s> II II u II II II II II n n