*11 Samstag d u 11. December Nr. 289 1886 »el Erscheint tä-lich mit SK»Sn«hme de« Msntag-. B*rt**t Schulstraße 7. : W. sw. w Sill St. ACmf.III.8i! voll ;tr, im, Preis vierteljährlich L Mart 20 Pf. Vurch die Poft bezogen vierteljährlich 32. 33. 34. 35. 36. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 30. Schmidt, Georg III., Schreiner in Leihgestern. 31. Arnold, Christoph IL, Landwirth in Großen-Buseck. 14. Ferber, Georg Wilhelm, Buchhändler daselbst. 15. Schäfer, Ludwig V., Landwirth in Albach. Germer, Philipp, Bürgermeister in Klein-Linden. Jäger, Konrad, Landwirth in Hausen. Kreiling, Philipp IV., Landwirth in Heuchelheim. Menges, Georg IV., Landwirth in Großen-Linden. Germer, Jacob II., Schmied in Heuchelheim. Hermann, August, Gutsinspector in Winnerod. Riehm, Heinrich II., Landwirth in Lollar. Otto, Heinrich IV., Bürgermeister in Beuern. Böger, Emil Wilhelm, Goldarbeiter in Gießen. Walther, Wilhelm VI., Bürgermeister in Daubringen. Dauern heim, Louis, Buchhalter in Gießen. Rabenau, Wilhelm, Kaufmann in Alten-Buseck. Alker, Johann, Zimmermann in Gießen. Wagner, Balthasar IV., Kaufmann in Allendorf a. d. Lda. Weigel, Philipp XII., Landwirth in Klein-Linden. Henrich, Heinrich, Landwirth in Lang-Göns. Balser, August, Agent in Gießen. Böck, Jean, Kaufmann daselbst. Balzer, Karl, Wirth daselbst. Stuhl, Ernst, Buchhalter in Lollar. Brück, Karl, Goldarbeiter in Gießen. Dern, Georg VI., Landwirth in Leihgestern. Jung, Philipp in., Landwirth in Heuchelheim. Hofmann, Magnus, Fabrikaufseher in Daubringen. Schmidt, Johann VI., Landwirth in Burkhardsfelden. Althaus, Balthasar, Schreiner in Alten-Buseck. npfWt Iuliui Sud). ' Mbcheir sofort in •anMSft gesucht, ped. b. T Italien. Rom, 9. December. Minghetti ist schwer erkrankt. Der König besuchte denselben heute. . Gießen, 9. December. Wie wir bereits gestern mittheilten, hat heute die Section der Kindesleiche in Staufenberg stattgefunden; das Kind soll gelebt haben und Mord vorliegen. Die junge Mörderin und deren Mutter sind heute Abend gefänglich hier eingebracht worden. Gießen, 10. December. Die Kindesmörderin soll ein umfassendes Geständniß abgelegt haben. lieber ihre Person erfahren wir, daß sie erst 17 Jahre alt und seither im elterlichen Hause gelebt habe. Nach der Geburt des Kindes babe sie es mit Tüchern zu ersticken versucht und ihm zum Uebesfluß auch noch einen Schlag auf den Kopf versetzt, die Leiche hernach im Garten verscharrt. Wenige Tage darauf hat sie schon wieder häusliche Arbeiten verrichtet und sich mehrfach im Orte gezeigt. Es ist kanm anzunehmen, daß ein so junges Geschöpf solche Greuelthaten aus eigener Initiative hat vollbringen können und wird hoffentlich der Arm der Gerechtigkeit auch ihre Helfershelfer erlangen. Lokales. Gießen, 10. December. (Vom Amtsgerichts Für den bereits seit längerer Zeit erkrankten Herrn Amtsrichter Dr. Schaefer ist Herr Gerichtsassessor Dornsei ff von, hier zum Stellvertreter bestellt worden. Gießen, 10. December. In öffentlicher Sitzung Großh. Amtsgerichts dahier fand gestern Nachmittag die Ausloosung der Schöffen für das Jahr 1887 statt. Es gingen folgende Namen aus der Urne hervor: i t u«1 Seuling, Christoph II., Landwirth in Großen-Buseck. 9. Adami, Heinrich, Bauunternehmer in Gießen. 10. Adami, Georg, Kaufmann daselbst. 11. Leun, Johann VIII., Bürgermeister in Großen-Linden. 12. Drebes, Ferdinand, Kaufmann in Gießen. 13. Dietz, Jean, Gastwirth daselbst. üifetie to* Älm-E' Silin» tzharl. ' Robert N’ Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz - Brrreau. Berlin, 9. December. Bei der heute eröffneten Berathung der Commission für die Militärvorlage erklärte der Kriegsminister nach einem Berichte der „Nat.-Ztg.": Die Vorlage sei deßhalb eilig, weil das Mobilmachungsjahr mit dem 1. April beginne; man mache es der Militärverwaltung unmöglich, die nothwendigen Aenderungen im Mobilmachungsjahr rechtzeitig zu treffen, wenn die Vorlage nicht bis Neujahr erledigt werde. Er wolle rein politische Fragen außer Acht lassen, denn er sei im Stande, die Vorlage aus rein militärischen Gründen zu vertreten. Hiernächst setzte der Kriegsminister auseinander, daß die Kriegstüchtigkeit von der Masse der vorher ausgebildeten Mannschaften abhänge, Deutschland müsse jedenfalls auf eigenen Füßen stehen. Der Redner schilderte die Wehr- und Dislocationsoerhältnisse in Deutschland, Rußland, Oesterreich und bat, das Septennat, das sich bewährte, nicht abzukürzen. Wien, 9. December. Die bulgarische Deputation ist heute Nachmittag vom Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, empfangen worden; die Unterredung 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. Deutschland. Berlin, 9. December. Der Kaiser nahm heute Vormittag die Vorträge Perponcher's und Wilmowski's entgegen und begab sich Mittags in dar Schloß zum Dejeuner mit dem Prinz-Regenten von Bayern; er machte darauf eine Spazierfahrt. Abends 9 Uhr findet eine Soiree bei den Majestäten statt. — Der Kaiser empfängt morgen Nachmittag den Erzbischof von Prag. — Der Prinz'Regent von Bayern empfing heute Abend die hier anwesenden bayerischen Reichstags-Abgeordneten. Er sagte, nachdem er jeden einzeln begrüßt, zu Allen gewendet, er hoffe, fie würden eine baldige Entscheidung der Mtlitär'Vorlage fördern. Sein Wunsch sei die Entscheidung in dem Sinne, in welchem die Vorlage gemacht sei, zum Wohle des deutschen Vaterlandes und des bayerischen Landes und Volkes, welches er über Alles liebe. Der Vtce- Präfident des Reichstags, v. Frankenstein, erwiderte, die Vorlage würde gewiffen- hast geprüft werden, schon wegen der finanziellen Seite, worauf der Prinz-Regent entgegnete, die finanzielle Seite erscheine auch ihm belangreich, dürfe aber bei hochpolitischen Fragen nicht den Ausschlag geben. — Der Prinz-Regent von Bayern verlieh bei seiner Anwesenheit in Berlin zahlreiche Orden. — Grillenberger hat die Wahl in die Militär-Commission nicht angenommen. An seiner Stelle trat Meister (Soctalist) in die Commission. Irankreich. Pari-, 9. December. Nach kurzer Sitzung verwarf die Kammer den Antrag, den Handelsvertrag mit Italien unverzüglich zu berathen, mit 320 gegen 204 Stimmen und vertagte sich bis Samstag. England. Loudon, 9. December. (Reuterffches Bureau.) Jddesleigh erhielt dem Vernehmen nach eine Note der Pforte, worin der Wunsch unumwunden ausgesprochen wird, über die Räumung Egygtens mit England in einen Meinungsaustausch zu treten. Jddesleigh antwortete, er werde die Note in Erwägung ziehen. — Der Kriegsminister bementirt formell, daß er mit dem Journal „France militaire" in irgendwelcher Beziehung stehe. — Duclerc lehnte die Uebernabme des Ministeriums des Auswärtigen ab, welches nunmehr Courcel angeboten wird. Die Antwort Courcel's wird erst morgen erwartet. London, 9. December. Lord Salisbury hielt heute im conservativen Club von London eine Rede, in welcher er jedoch keine auswärtigen Fragen berührte. Lord Salisbury erklärte, er müsse sich zu der Unterstützung von Seiten der alten Führer der Liberalen beglückwünschen, wie solche gestern offen von Lord Hartington versprochen worden sei. Bezüglich der irischen Frage trachteten die Conservativen keineswegs darnach, Differenzen mit den liberalen Unionisten zu suchen, sie wünschten im Gegen- theil alle möglichen Mittel zu finden, um gemeinsam mit denselben zu handeln, ohne ihre politische Individualität zu opfern. Die Regierung beabsichtige zuerst über eine englische und schottische Lokalregierung und dann erst im geeigneten Augenblick über eine Lokalregierung Irlands zu verhandeln; sobald eine solche hergestellt sei, könne man über die ernsten, Irland betreffenden Fragen berathen. Die Regierung wolle ferner die Uebertragung von Grundbesitz in Großbritannien erleichtern, ohne die Eigen- thumsrechte zu schädigen. Was die Geschäftsordnung für das Unterhaus betreffe, so hätten sich die Ansichten der Regierung nicht geändert; letztere werde Alles thun, um die Redefreiheit zu sichern, aber die Mittel, welche hinreichend waren, so lange nur 40 irische Deputirte im Hause saßen, würden nicht ausreichen bei 90. Bevor man sich indessen mit den das Parlament betreffenden Fragen beschäftigen könne, gäbe es eine noch dringendere zu ordnen, die sich auf die augenblickliche Lage Irlands beziehe. Nichts als strenge Handhabung des Gesetzes könne die Bevölkerung von der Täuschung befreien, worin sie sich befinde, man müsse sich mit dem liebel beschäftigen, welches beträchtliche Klaffen Irlands dazu verleite, sich unter einem politischen Vorwande gesetzlichen Verpflichtungen zu entziehen. Die Regierung rechne auf die Unterstützung nicht nur der Conservativen und Unionisten, sondern auch auf eine solche anderer Parteien, denn sie wolle Doktrinen entgegentreten, welche der Industrie und dem Wohle eines jeden Gemeinwesens verhängniß- voll seien. e Leib. 0. Dccembtt 1888. bonnement: ie JÄ- Dhtfif»«" R' ®iaL klone»'. Universität- - Chronik Gießen. (Promotionen bei der philosophischen Facultät an der Landes- Universität Gießens Hermann Willig aus Dienheim, Realgymnasiallehrer in Mainz, Gustav Jellinek aus Wilna in Litthauen, Studirender der Chemie dahier. dauerte l1/« Stunde. Paris, 9. December. Goblet wurde im Laufe des gestrigen Nachmittags nochmals zu Grevy berufen und soll auf dringendes Bitten desselben sich entschlossen haben, die Cabinetsbilbung zu versuchen. Paris, 9. December. Es heißt, Goblet werde drei oder vier Mitglieder des abtretenden Cabinets behalten, insbesondere den General Boulanger, ferner sofort nach der Cabinetsbilbung die Bewilligung von drei Zwölftel der Jahreseinkünfte beantragen und die gegenwärtige Session der Kammern schließen. Die Berathung des Budgets werde bis Januar verschoben. Die radikalen und die monarchistischen Zeitungen nehmen die Cabinetsbilbung durch Goblet nicht günstig auf. Die „Republique fr." meint, Goblet müsse mit der Demagogie brechen, wenn er eine lebensfähige Regierung begründen wolle. — Die internationale Conferenz zur Herbeiführung möglichst übereinstimmender Bestimmungen in verschiedenen Staaten über die überseeischen Kabel wurde auf den 1. Juli 1887 verschoben, da in den betheiligten Staaten die Strafbestimmungen, welche Üie Ausführung des Art. 12 der Convention vom 14. Marz 1884 sichern sollen, noch nicht Gesetzeskraft erlangt haben. Paris, 9. Deeember. Dem Vernehmen nach würden im Cabinet Goblet nur bie Minister posten des Innern, der Finanzen, der Justiz und des Auswärtigen neu besetzt werden, während die übrigen Portefeuilles in den Händen der bisherigen Inhaber blieben. Den Posten des Finanzministers soll Dauphin angenommen haben. — Fouragemagazine, Reitbahn und Cavalleriereitschule in Saumur sind niedergebrannt. Der Schaden ist beträchtlich. — Goblet conferirte heute Abend mit Duclerc über die Zusammensetzung des jieuen Cabinets, dessen Constituirung morgen erwartet wird. Es verlautet, dasselbe werde sich folgendermaßen zusammensetzen: Goblet Präsident, Inneres; Duclerc oder (Sourcel Auswärtiges; Dauphin Finanzen; Burdeau Unterricht; Sarrien Justiz; Bou- langer Krieg; Aube Marine; Grauet Posten; Lockroy Handel; Millaud öffentliche Arbeiten; Ricard Landwirthschaft. . t ri J — Es verlautet, Duclerc würde als Mmrster des Aeußern in das Cabinet Goblet eintreten. . _rr_ Paris, 9. December. Im Kammervorflur (Palais Bourbon) machte em Bildhauer Namens Baffier, einen Mordversuch auf den Dcputirten Casse, welcher leicht an der Hand verwundet wurde. Be- ?tn W* wM*?. 1113’ * 2 3UIt0tn' td *"***,[ B suppe. Morgens: ^llflejsch, tion Wiener, Burggraf". ’ und kleines Kneib, Wiener Hos. seilerT- Abend: 8173 uit Rothkraut tkartoffeln. dlicher Unterricht )ttt Schule, wird er- >ie Exp. d. U. 8766 den nöthigen Bor- heuer junger Man« »an Eintritt in ei« eschifft in die Lehrt ! Cfferten sind bei der ireichm. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vermischtes. ][ Darmstadt, 9. December. Am Grobherzoglichen Ludwig-Georgs-Gymnasium wird soeben Seitens Schüler der vier Primklassen der Philoctet des Sophokles einstudirt, um im Großherzoglichen Hoftheater, wozu die Allerhöchste Genehmigung bereits ertheilt worden ist. Ende Januar oder Anfangs Februar k. I. zur Aufführung zu gelangen. Die Einstuoirung geschieht unter der Leitung des Directors der Anstalt, Dr. Becker, und zwar in einer neuen deutschen Uebertragung, welcher eine fließende Sprache nachgerühmt werden kann. Auf diese Weise wird das Werk, das von Lessing ein Meisterstück der Bühne genannt wird und das in einem Theil Goethe für seine Iphigenie als Vorbild gedient hat, wie an mehreren Anstalten Norddeutschlands und jüngsthin erst wieder in Karlsruhe, so nun auch hier einem größeren Kreise Gebildeter zugänglich gemacht werden. Der Reingewinn aus der Veranstaltung soll der deutschen Schillerstiftung zu Gute kommen, deren Vorstand sich vor zwei Jahren schon mit einer diesbezüglichen Bitte hierher gewandt hatte. Verschiedene Umstände ließen eine Erfüllung derselben erst in diesem Winter angängig erscheinen. Frankfurt a. M., 5. Decemver. In einem hiesigen Mädchenpensionat machte die Vorsteherin die Entdeckung, daß drei ihrer Zöglinge heimlich in Eorrespondenz mit jungen Männern standen. Es wurden — wie das „Jnt.-Bl." erzählt — sämmtliche Mädchen zusammengerufen und eine Sitzung abgehalten, in welcher die Vorsteherin das Verhalten der drei Mädchen brandmarkte und vorschlug, aus den übrigen Zöglingen ein Comits zu wählen, das über das Treiben der Sünderinnen Recht sprechen sollte. Das Comiw wurde auch gewählt und bestand aus fünf der ältesten Schülerinnen, einer Lehrerin und der Oberin. Als am Freitag Abend das Comit6 gerade Sitzung hielt, trat eine Pensionärin athemlos in das Zimmer und rief, man solle rasch kommen, die drei Angeklagten hätten sich in ein Zimmer des Parterre eingeschlossen und erklärt, sie würden sich um's Leben bringen. Alles eilte in das Parterre, man belagerte das verschlossene Zimmer, doch^ machten die Insassen trotz wiederholter Bitten nicht auf. Um die Thür zu sprengen, dazu waren keine Kräfte vorhanden; man schickte deshalb in der Nachbarschaft herum nach Männern. Es dauerte auch nicht lange, so erschienen einige kräftige Burschen, welche gewaltsam die Thüre eindrückten. Die Eintretenden wurden jedoch an der Thür zurückgehalten, denn eines der drei Mädchen hielt einen Revolver in der Hand, mit dem es Jeden niederzuschießen drohte, der es wagen würde, weiter vorzudringen. Einer der Burschen ließ sich jedoch nicht einschüchtern, er sprang auf das Mädchen zu und entriß ihm die geladene Waffe. Nachforschungen ergaben, daß die Mädchen weitere Waffen nicht besaßen; man ließ sie deshalb vorläufig unbelästigt. Als man später nach ihnen sah, waren sie sämmtlich verschwunden. Sie hatten die Flucht durch die Fenster des im Parterre gelegenen Zimmers genommen. Wohin sie sich gewandt, konnte nicht ermittelt werden. — Die alten Brücken über den Main mehren sich. Nachdem erst vor einigen Wochen bei Baggerungen unweit Stetnheim eine muthmaßliche Römerbrücke über den Main aufgefunden ward, sind jetzt durch Herrn Friedrich Kofler Reste von Mauerwerk mitten im Main unweit Bürgel nachgewiesen. Nach Bürgel, dessen Name wohl von Burg herzuleiten ist, führen von Dieburg, Seligenstadt und Hanau (linkes Mainuser) her verschiedene alte Wege, welche zum Theil auch alte Straßen genannt werden. Sie vereinigen sich südlich vom Orte in der Nähe des Hesselbusches (Haselbusches), zwischen der Theerfabrik und der sog. alten Hütte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Straßen hier nicht endigten, sondern sich jenseits des Maines fortsetzten. Auf dem rechten Mainufer bemerkt man Anfangs keine Straße, westlich von Fechenheim aber treten Reste einer solchen auf, die sich am Heiligenkreuz unweit Seckbach von der alten (römischen) Straße Heddernheim-Bergen abzweigt und in südöstlicher Richtung durch Seckbacher und Fechenheimer Gemarkung führt. Verlängert man die Richtung der letzten Strecke, so trifft man auf den Vereinigungspunkt der Straßen unweit der alten Hütte. Auf diesen Umstand gestützt suchte vor einigen Tagen Herr Kofler hier nach den Ueberresten einer Brücke und fand etwa 20—25 Schritt vom Ufer entfernt, mitten im Maine, zwischen Wirbeln und Stromschnellen einen auf starken Pfählen ruhenden größeren Mauerrest und hörte, daß sich auch in der Nähe des linken Ufers ein solcher befinden soll; beide liegen in der Richtung der obengenannten Straßen. Im Volksmund geht die Sage, daß an jener Stelle, welche der Schiffer „eisern Mann" nennt und mit größter Vorsicht, befährt, einst eine Brücke gestanden habe. Ob dies überhaupt der Fall und ob solche römischen Ursprungs ist, müßte durch Baggerungen nachgewirsen werden; ebenso bedürfen die dahinführenden Straßen, obschon sie aus römischen Niederlassungen zu kommen scheinen, noch der näheren Untersuchung. Kassel, 5. December. Ein Opfer seines gefährlichen Berufes wurde gestern Nachmittag der Locomotivführer Jacobs auf dem Marburger Bahnhofe und zwar kam derselbe auf eine ebenso eigentümliche als schreckliche Weise um's Leben. Als der von Kassel nach Westfalen verkehrende Schnellzug um 33/4 Uhr dort ctngetroffen war, fuhr Jacobs mit seiner Maschine vor, um von dort bis Paderborn den Schnellzug weiter zu fahren. Während des Fahrens beugte sich nun Jacobs seitwärts von seinem Stande und schaute rückwärts nach seiner Maschine, um nachzusehen, da eine Feder 2c. gesprungen zu sein schien. Die ungewöhnliche Größe und Stärke des Körpers wurde dem erprobten Beamten hierbei verhängnißvoll, er wurde von einer mitten im Geleise stehenden Signalstange an den Kopf gestoßen und stürzte sofort todt von der Maschine herab. — sEin Jagdabenteuer des Prinzen von Coburg.) Prinz Philipp von Coburg erlebte vor einigen Tagen auf der Pürschjagd ein interessantes und seltenes Abenteuer. Er war von der Kladnaer Jagdhütte zu einem Brunstplatze aufgestiegen, den ein starker Vierzehnender beherrschte. Glicht lange, nachdem der Prinz seinen Stand eingenommen hatte, wechselte in einer Entfernung von 300 Schritten ein Rudel Hochwild, unter dem sich auch der Herr des Platzes befand, bei ihm vorüber, um bald darauf auf einer Blöße Halt zu machen. Der Wind war dem Jäger günstig und langsam zog auch der ersehnte Hirsch heran, jedoch plötzlich Halt machend, noch ehe er in Schußnähe gekommen war. Langsam hob er das stattliche Haupt, als wittere er Unrath und doch hatte der Wind sich nicht im Geringsten geändert. Bald aber sollte dem Jäger die Ursache dieser Erscheinung klar werden, denn kaum 40 Schritte von dem Vierzehnender trollte urplötzlich ein alter Bär aus denMnterholz hervor. Der Hirsch schien zwar den „Braunen" nicht sonderlich zu beachten, doch zog er langsam Schritt für Schritt in ein wenig veränderter Richtung, vor ihm das Rudel, über die Blöße hin. Wohl eine Viertelstunde sah Prinz Coburg die beiden Thiere sich anäugen, als plötzlich der Morgenwind auffrischte, die Richtung wechselte und dem Wild die Anwesenheit des Jägers verrieth. Im Nu waren sie alle auf der Flucht. Voran der Bär, dicht auf der Vierzehnender, dann das Leitlhier und das übrige Mutterwild — so flogen sie, ein hochkomisches Bild, über den Plan, ohne in Schußnähe zu kommen. — (Der Henker Belgiens.) Herr Boutquin, ein 78jähriger Greis, hatte jüngst ein Urtheil zu vollstrecken an einem früher in Brüssel ansässig gewesenen Buchhändler, der vom Brabanter Schwurgericht wegen Verkaufs unzüchtiger Schriften zu 6 Monaten Haft in contumaciam oerurtheilt worden war. Das geschah folgendermaßen: Nach altem Brauche erschien der Henker, umgeben von einem Brigadier und vier Gensdarmen, alle in ihren malerischen Gala-Uniformen und zu Pferd, und vier Polizei-Officieren in großer Dienstuniform. Der Henker richtete ihm einen „Schandpfahl" auf, befestigte das Urtheil an demselben, die Polizeibeamten zogen die Degen und bewachten in strammster Haltung eine volle Stunde den Pfahl. Der Henker aber spazierte auf dem Platze auf und ab. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Zeit holte ein Karren den Pfahl ab und dem Gesetze war genügt. Diese Exekutionen find die einzigen amtlichen Verrichtungen, die Boutquin ausübt; seit 1863 hat in Belgien keine Hinrichtung mehr ftattgefunden; aber er bezieht sein volles Gehalt weiter. Er ist seit 1829 im Amt. Handel und Verkehr. Gießen, 8. December. Auf dem heute und gestern dahier abgehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 711 Stück Rindvieh und 271 Stück Schweine. Daß diesmal der Markt nicht.so stark befahren war wie sonst, mag seinen Grund in der ungünstigen Witterung haben. Der Handel war lebhaft, was sich an den Tagen vor dem Markte schon zeigte und wurden an denselben Tagen schon viele Käufe ab; -geschlossen. Nächster Markt Dienstag den 18. und Mittwoch den 19. Januar 1887. Ginge s and t. Gießen, 10. December. Hier und da begegnet man noch Klagen über die kurze Gültigkeitsdauer des Netourbillets im Verkehr mit Berlin, während ein an dessen Stelle tretendes combinirtes Rundrenebillct eine 45tägige Ausdehnung der Tour gestattet und dürfte ein Hinweis auf diese nicht bekannte Verkehrserleichterung für Manchen von Interesse sein. Es bedarf hierzu der mehrtägigen Vorausbestellung folgender Coupons: 400 25.30 18.80 13.20 3. 4. Coupon Nr. 427 Cassel-Gießen (wie vorst.) 18.80 6.30 25.30 8.50 13.20 4.40 1. 2. 400 134 3. Cl. 4.40 1. Cl. 8.50 2. Cl. 6.30 Kilom. 134 Coupon Nr. 427 Gießen-Cassel „ „ 401b Cassel-Berlin über drei Linien: Nordhausen-Belzig, Nordhausen- Magdeburg, Kreiensen-Magdeburg gültig Coupon Nr. 401b Berlin - Cassel (wie sodaß der Preis dieses Billets für die 3 Wagenclassen JL 67.60 50.20 35.20 beträgt. Die Hin- und Herreise kann auf gleicher Linie erfolgen. K. Vom oberen Stock himmlischer Sphärenmusik eines engelhaften, mit eiserner Ausdauer musikalischen Studien obliegenden Backfisches; vom Nachbarhaus herüber das unaufhörliche Getrommel eines angehenden Virtuosen, seinen Fingern die Wohltat schwedischer Heilgymnastik stundenlang gönnend; in der eigenen Wohnung Fingergestolper der Sprossen auf klingenden Tasten und Saiten, accompagnirt von dem unermüdlichen eintönigen Gerassel der eisernen Nähmamsell! — Was mag denn jetzt der rastlos treibende Geist unserer Zeit noch Neues bescheeren, um die Gemächlichkeit des modernen Heims zu erhöhen? Aber der Tag wird kommen, wo der deutsche Reichskanzler die Rettung unserer vielgeplagten Nerven in sein socialpolitisches Programm einsetzen wird! Oder wird die Natur gemäß der Darwinschen Lehre zur Selbsthilfe greifen und dem menschlichen Ohr allmählich eine Trommelfellschutzklappe wachsen lassen? Bis das geschehe, wird der tönende Marterkasten lustig weiter zermartert und auf der Nähmaschine emsig weltergerasselt. Nun, Gott sei Dank, in letzterem Punkte ist endlich Wandel geschafft. Die Nähmaschine wird nicht ferner höllische Pein in's irdische Jammerthal tragen, sondern eine stille geräuschlose Hausfreundin sein. z„ < Die Deutsche Näbmaschinensabrik vvrm. Jos. Wertheim in Frankfurt a. TR., (Niederlage bei Herrn Th. Haubach in Gießen) ist der Erlöser aus den Nöthen, dieselbe bringt eine neue Erfindung von größter Tragweite, nämlich eine fast absolut geräuschlos arbeitende Schiffchennäbmaschine in den Handel. Diese Nähkünstlerin hat einen vollständig geräuschlosen Schiffchengang und, was die Haupt ache, einen tonlosen patentirlen Tisch. Der Nähmaschinentisch in der bisher üblichen Form ist ein Resonanzboden, welcher die selbst schwachen Geräusche einer gut Gearbeiteten Nähmaschine, gleichwie der Resonanzboden am musikalischen Instrument in vielfach verstärktem Maße zurückgibt. Durch die Anwendung dieser neuen Erfindung eines tonlosen Tisches ist der Gang der Wertheim „Electra" fast absolut geräuschlos. Und dies spricht wiederum für die Güte und gediegene Arbeit der Maschine aus dieser Fabrik, denn eine minder gut gearbeitete Maschine würde dennoch starkes Geräusch abgeben. Das Geräusch der Maschine setzt sich zusammen aus unzähligen kleinen Stößen der bewegten Theile; je dichter und sauberer jedes Stück eingepaßt ist, umsoweniger starke Stöße, umsoweniger Geräusch und damit geringe Abnutzung. Daher ist dieser tonlose Tisch, abgesehen von der unschätzbaren Annehmlichkeit des ruhigen Ganges, um so werthvoller für den Laien — dem die Kenntnisse zur Beurtheilung eines Mechanismus nicht zu Gebote stehen — als demselben jetzt das Mittel an die Hand gegeben ist, sofort nach dem Geräusch, welches eine Maschine auf dem tonlosen Tische macht, auf die Qualität der Arbeit des Mechanismus einen sicheren Schluß zu ziehen. Somit haben wir wiederum einen bedeutenden Fortschritt in der Technik dieser treuen Helferin der fleißigen Hausfrau zu conftaliren. Man versäume nicht, vor Anschaffung einer Nähmaschine sich dieses verbesserte, jetzt erst so recht ein angenehmes Hausgeräth zu nennende Maschine mit dem bezeichnenden Namen „Electra" anzusehen, welche in dem Nähmaschinen-Geschäft von Herrn Th. Haubach vorräthig ist. er zweckmässig annonciren will, 8492 d. h. seine Anzeigen in effectvoller Form durch die für den jeweiligen Zweck erfolgreiclisten Blätter zu verbreiten beabsichtigt, wende sich an die allgemein bekannte, leistnngsfähig»te Annoncen- Expedition von "88 1H dH $ IF Frankfurt a/M., Rossmarkt 3. Dieses _BLw 80 wL«. '«Ll* A£1 Institut steht mit allen Zeitungen und Fachzeitschriften in intimem Geschäftsverkehr und ist vermöge seiner grossen Umsätze mit den Zeitungen in der Lage, die günstigsten Konditionen zu gewähren. — Zeitnngs-Kataloge, sowie Kosten-Anschläge gratis. Vertreter in Giessen: Julius Wallach. KirchliOe Anzeigen der Gtndt Mesterr Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 3. Adventssonntag, 12. December. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dr. N a u m a n n. Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienft. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser. Montag, den 13. December, Abends 8 Uhr, Bibelstunde (die letzte in 1886) m der Kleinkinderschule, Markus Kap. 3, von Vers 20 an, Pfarrer Dr. Naumann. Donnerstag den 16. December, Abends 8 Uhr, in der Kirche, 3 und letzter Advents-Wochengottesdienst; der Advent des Herrn in Herrlichkeit am Tage seiner Zukunft, Pfarrer Dr. Naumann « 1 Adventssonntag, 19. December, wird der Nachmittagsgottesdienst um 2 Uhr gehalten werden. Die Pfarrgefchäfte in der Woche vom 12. bis 18. Dezember besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholisch? Gemeinde. 3. Sonntag des Advents. Von 7 Uhr an Beichte. Hm 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. „ V2IO Uhr: Hochamt und Feftpredigt. „ 2 Uhr: Festandacht. Mittwoch, Freitag und Samstag sind Quatemberfasttage. Gottesdienst in der Synagoge. Rreitafl ?beni> 4 Uhr, Samstag Morgen 8-° Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr Samstag Abend 450 Uhr. 18.80 13.20 K. .30 .30 ÄL2s» äs» L-'X-ig r ^lihmalchine emsig ^Seschafft. Die M- 1 Wr, sondern eint ‘in Frankfurt a. M, °«°uSdmNSt^ riilch eine säst absolut . Diese Nähkünstlerm Hauptsache, einen ton- t ein Resonanzboden, naschine, gleichwie der ltem Maße zurückgibt. Fisches ist der Gang icht wiederum für bit >enn eine minder gut bligen kleinen Stößen pafet ist, umsoweniger ng. Daher ist dieser ruhigen Ganges, um ng eines Mechanismus and gegeben ist, sosoet Tische macht, auf bit ziehen. in der Technik dieser säume nicht, oor Anrecht ein angenehme^ ,Mtra". anzMn, mäthig ist. MM Will lie für den jeweiligen ^breiten beabsichtigt, fähigste Annoncen- RossmarktS. 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Der Kaiser hatte es sich nicht nehmen lassen, fernen erlauchten Gast uno Freund bereits auf dem Bahnhofe zu begrüßen uno trug die Begrüßung -wischen den beiden greisen Fürsten einen ebenso herzlichen wie rührenden Charakter. Von den anderen Mitgliedern des Kaiserhausewaren außerdem der Kronprinz, die Prinzen Wilhelm und Alexander von Preußen und der Erbprinz von Sochscn-Meiningen aus dem Bahnhose anwesend; aus demselben hatte auch die vom 2. Garde-Regiment gestellte Ehrenwache, sowie ein sehr glänzendes und zahlreiches Officier - Corps Aufstellung genommen. Nach den üblichen Vorstellungen des Gefolges u. s. w. fuhren der Kaiser und der Prinz-Regent in geschlossener Gala-Equipage unter den brausenden Hochrufen des zahlreich versammelten Publikums nach dem königlichen Schlosse, wo Prinz Luitpold Absteigequartier genommen hat. — Die Presse der Reichshauptstadt widmet dem Prinz-Regenten sympathische Begrüßungs-Artikel. Unter Anderm schreibt die „Nat.-Ztg." : „Wenn König Ludwig II. es niemals über sich gewann, in der Reichshauptstadt zu erscheinen, so hat dies das Vertrauen in die reichstreue Gesinnung der Regierung und der Bevölkerung Bayerns nicht vermindert; aber es blieb bei alledem ein schmerzlich empfundener Mangel, daß zwischen dem führenden und dem zweitgrößten Staate des Reiches diejenige sympathische Verbindung fehlte, welche in dem herzlichen persönlichen Verkehre der Herrscher zum Ausdruck kommt. Um so freudiger wird in den weitesten Kreisen der Besuch des Prinzen Luitpold begrüßt werden, welcher mit starker Hand und nationalem Sinne Bayern durch eine traurige Krisis hindurch geführt und in ganz Deutschland die Uederzeugung befestigt hat, daß der Hader der deutschen Stämme für immer beseitigt, die nationale Einheit unerschütterlich be- giünoet ist." An diesem Freitag gedenkt der Prinz-Regent Luitpold in Dresden einzutreffen, um der sächsischen Königssamilie einen Besuch abzustatten. Der Reichstag hat, nachdem er an den beiden ersten Tagen dieser Woche neben den ersten Lesungen der Vorlagen über die Veränderung des Servisiariss und über die Errichtung eines orientalischen Sprachen-Seminars verschiedene Etatstheile nach meist unerheblicher Debatte erledigt, am Schluffe der DienStagSfltzung in seinen Arbeiten eine zweitägige Pause eintreten lassen. Allgemein war erwartet worden, daß das Plenum die Sitzungen dis kommenden Montag vertagen würde, um vor Allem der Militär-Commission Zeit zu ihren Berathungen zu gewähren; es scheint nun, als ob diese Pause mit Rücksicht aus die Dringlichkeit der Etatsderathung abgekürzt worden ist. Die Militär.Commission des Reichstag» hat am gestrigen Donnerstag ihre Sitzungen unter dem Präsidium des Centrums-Mitgliedes, Grafen Ballestrem, eröffnet. Bekanntlich sollen die Verhandlungen vertraulich geführt werden, da der preußffche Kriegsminister nur unter dieser Bedingung die von ihm verheißenen wichtigen Mittheilungen machen wollte. Da aber jedes Reichstogsmitglied das Recht hat, den Commissions-Sitzungen beizuwohnen, so wird die Sache der Geheimhaltung ziemlich schwierig und ein Gesetz- oder j Zwargsmittel, die Reichstags-Abgeordneten zur Amtsverschwiegenheit zu ver- I pflichten, giebt es nicht. Bis jetzt läßt sich noch nicht absehen, wie der vorliegende eigenthümliche Fall, der sich in den parlamentarischen Annalen noch nie ereignet hat, seine Lösung finden wird. Beim Bundesrathe ist ein Antrag eingegangen, den in voriger Session unerledigt gebliebenen Gesetzentwurf über den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen wieder vorzulegen, da das Bedürfniß nach Beseitigung der Mißstände, gegen welche der Gesetzentwurf gerichtet ist, unverändert sortbestehe. Die gleichzeitig am vergangenen Montag im ersten Berliner Wahlkreise und im Wahlkreise Mannheim-Schwetzingen stattgefundenen Nach- wählen zum Reichstage haben in jenem Den Sieg des freisinnigen und in diesem den de» nationüÜiberalen Candidaten ergeben. Die Wahl ves freisinnigen Can- didaten In Berlin I., de» „alten" Klotz, konnte nicht besonders überraschen, Denn in diesem Wahlkreise hat die fortschrittliche Partei von jeher vorgeherrscht, dagegen war der Ausgang der Mannheimer Stichwahl höchst ungewiß. Hatte doch schon im ersten Wahlgange der socialistische Candivat, Dreeüdach, nur einige hundert Stimmen weniger, als sein nationalliberaler Hauptgegner, Com- merzienrath Diffenö, erhalten und da die in Mannheim stark vertretene Volkspartei für ihre Anhänger die Parole ausgegeben hatte, in der Stichwahl Tür den SocialDemokraten zu stimmen, so mar deren AuScang höchst schwankenv. Mit um so größerer Genugthuung muß die Wahl de« reichstreuen Candidaten begrüßt werden und die absolute Mehrheit von über 1000 Stimmen, mit der er feinen Gegner schlug, berechtigt zu der Erwartung, daß es gelingen werde, Den Mannheimer Wahlkreis auch bei den allgemeinen N u wählen des kornmer- den Jahres glgenüder den Angriffen Der Umsturzpartei im Besitze der gemäßigt- liberalen Partei zu behaupten. Aus Zanzibar meldet da» „Reuter'che Bureau", daß Dr. Jühlke, der verdienstvolle Vertreter der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, in Kesmayor durch Somanlis ermordet worden sei. Erst dieser Tage wurde berichtet, daß sich Dr. Jühlke wohl und munter befinde, um so erschütternder würde sein plötzlicher tragischer Ausgang berühren. Hoffentlich bringt ter afrikanische Telegraph ein Dementi dieser Hiobspost. Der Schweizer Bundesrath hat sich wieder einmal veranlaßt gesehen, gegen die Uebergriffe der klerikalen KantonS'Regierungen vorzugehen. Von der Regierung zu Luzern war den Altkatholiken die Mitbenutzung der für sie und die Katholiken bestehenden Simultankirchen verboten worden, welche« Verbot der Bundesrath jedoch wieder aufgehoben hatte. Gegen tiefe Entschei- düng des Bundesrathe« recurirte die Luzerner Kantons-Regierung beim Rational- rathe, aber auch letzterer hat sich mit 88 gegen 43 Stimmen dahin entschieden, daß das obige Verbot auszuheben sei. Am Donnerstag ist die Wintersession sämmtlicher österreichischer Landtage eröffnet worden und kann kaum bezweifelt werden, daß die hohe Politik auch in den Landstuben der K.onländer nochmal» eine Rolle spielen wird, nachdem sie bereits das Leitmotiv bei den Delegations-Verhandlungen abgegeben hat. Jedenfalls ist es ein merkwürdige« Zusammentreffen, daß Die bulgarische Deputation so kurz vor der Landtagssession, nämlich am Dienstag 1 Abend, in Wien angelangt ist und wird ihre Anwesenheit in der österreichischen Hauptstadt sich wohl zu einem politischen Tagesereigniß gestalten. In Pesth hat die Deputation einen geradezu enthusiastischen Empfang gefunden, was sich unschwer begreift, Denn die Magyaren hatten da wieder einmal eine billige Gelegenheit, gegen Rußland zu demonstriren. Bei der Begrüßung der Deputation i auf dem Pesther Bahnhofe zeichnete sich besonders die akademische Jugend au», während hervorragende osficielle Persönlichkeiten gefehlt zu haben scheinen. Allgemeiner Anzeiger. Iieifgeöotenes. Zwetscherihonig, getrocknete Thüringer und Türk. Zwetschen, gutkochende Hellerlinsen, weiße Bohnen, Dietoria-Erbseu empfiehlt billigst 8682 C. Roth, am Lindenplatz. 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