Dienstag dm II. Mai Är. los 1886 BW rnectelMrlich 2 Mar? 20 Pf. mit Durch W Poft bezogen Vierteljährlich 2 ? Vrscheurt tK-SE flirt MMuchme dvS Ms«t08S. WM«! Gchul'ftrstze 7. Gießen, am 8. Mai 1886. agen Nr. 13 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 6. d. M., enthält: (Nr. 1659.) Gesetz, betreffend den Anspruch, des Statthalters in Elsaß-Lothringen auf Gewährung von Pension und Wartegeld. Vom 28. April 1886. (Nr. 1660.) Gesetz, betreffend die Ergänzung des § 809 der Civilproceß-Ordnung. Vom 30. April 1886. Grpßherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Voekmann. Kämpfern des i M ! Reise h Amerika TeSegraphiWe Dipeschm. WoM's telegr. Torrespondenz- Bureau» Rom, 9. Mai. Von gestern Mittag bis heute Mittag kam in Brindisi ein Cholera-Todesfall vor, in Ostuni 12 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Torre Santa Susanna 2 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Venedig 9 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Salice 1 Erkrankung und 1 Todesfall. Madrid, 9. Mai. In dem Proceß wegen des Angriffs auf die deutsche Gesandtschaft am 4. September v. I. wurde einer der Anstifter zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Der Officier, welchem die Ueberwachnng des Gesandtschaftshotels übertragen war, wurde freigesprochen. Petersburg, 9. Mai. Der Kriegsminister ist nach Livadia abgereist. Bukarest, 9. Mai. Das Amtsblatt veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Konstantinopel Ghika zum Gesandten in Petersburg an Stelle des bisherigen Petersburger Gesandten Kretzulesco. Als Gesandter nach Konstantinopel geht der frühere Gesandte in Paris. Balatchano. Athen, 9. Mai. Der französische Gesandte, Graf de Mouy, theilte gestern dem Ministerpräsidenten Delyannis mit, daß die französischen Officiere in Griechenland ihre Dienste einstellen, da das Erscheinen ottomanischer Kriegsschiffe von der thessalischen Küste gemeldet sei. Schiffe der internationalen Flotte sind an verschiedenen Punkten in den griechischen Gewässern erschienen. General Sepuntzaki meldet neue Bewegungen türkischer Truppen nach der Grenze zu. Die Negierung sendet Verstärkungen ab. — ^Telegramm der „Agence Havas".^j Delyannis hat eine an die Vertreter- Griechenlands im Auslande abzusendende Darlegung entworfen, welche sich über die durch die Blockade geschaffene Lage ausläßt. In derselben erklärt Deliyannis, Griechenland habe nicht vermuthet, daß es in einen Zustand der Feindseligkeiten den Mächten gegenüber kommen würde, als man militärische Vorkehrungen traf. um die Rechte Griechenlands zu wahren. Uebrigens habe die griechische Regierung die formelle Verpflichtung übernommen, den Frieden nicht zu stören, daher sei die von Europa angenommene Haltung, sowie die Blokade nicht gerechtfertigt. Griechenland sei in Folge der Blokade in einer schwächeren Lage als die Türkei, welcher die Freiheit der Bewegungen auf dem Meere bleibe. Es sei zu befürchten, daß die Türkei die Blokade dazu benutzen werde, um Griechenland anzugreifen. Da Delyannis die hierdurch entstehenden Calamitäten abzuwenden wünsche, sei er entschlossen, seine Entlassung zu nehmen. — Der griechische Consul in Kanea meldet, daß die dort liegenden Schiffe des internationalen Geschwaders nach den griechischen Gewässern abgegangen seien. Konstantinopel, 9. Mai. Die Pforte hat ein Rundschreiben erlassen, in welchem sie die erfolgte Abreise des türkischen Gesandten von Athen erörtert. Schiff-nachrichten. Bremen, 8. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer- Fulda, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Brechen, welcher am 28. April von Bremen und am 29. April von Southampton abgegangen war, ist heute 5Vz Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Amerika. New'Avrk, 8. Mai. Nach Cincinnati, woselbst für den Sonntag der Ausbruch von Arbeiterunruhen befürchtet wird, sind 4 Milizregimenter beordert worden. Kriechenkano. Athen, 8. Mai. Wie die „Proia", das Organ des Ministerpräsidenten Delyannis, meldet, ist der gestrige Abmarsch eines der hiesigen Regimenter nach Thessalien nur veranlaßt durch die Berichte des Generals Sepuntzaki über die Concentrirung der türkischen Truppen und steht in keinerlei Verbindung mit den letzten diplomatischen Vorgängen. Griechenland sei entschlossen, seinerseits die Feindseligkeiten nicht zu beginnen, ergreife aber alle notwendigen Maßregeln, um einen eventuellen Angriff zurückzuweisen. — Die Geschäftsträger der fünf Mächte zeigten heute der griechischen Regierung an, daß der Blokadezustand über die Ostküste Griechenlands von Kap Malia bis zur griechisch-türkischen Grenze für griechische Schiffe verhängt worden sei. Lokales. — Kietzen, 10. Mai. Am Samstag Nachmittag entstand unter einigen in der Hormann'schen Restauration cingekehrten Rekruten aus Wieseck eine Keilerei, bei welcher es schlimm herging. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, da auch Widersetzungen gegen die einschreitenden Schutzleute vorgekommen sind. r Schatz - her -fotzt. 11ÖM em zerrten (erschoß ' »• ’*■’ 0 V* -5z> ie W Vermischte». Lollar, 10. Mai. Am Samstag Abend gerieth ein Arbeiter auf hiesiger, Station beim Wasserfüllen mit der Hand zwischen die Kammräder des Triebwerks, wobei ihm zwei Finger zerquetscht wurden. — Eine geisteskranke Frauensperson machte ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. . m Nidda, 10. Mai. Künftigen Sonntag, den 16. d. Mts., Nachmittags 3Vr Uhr, findet in der Ludwigshalle dahier landwtrthschaftliche Wanderversammlung der Section Nidda statt. Herr Landwirthschaftslehrer Dr. Ullmynn aus Budmgen wird einen Vortrag halten über das Thema: „Wie ackert und düngt man richtig § Deutschland. Darmstadt, 10. Mai. Mivatdepesche.^ Die „Darmstädter Zeitung" dementirt dos Gerücht von einer beabsichtigten Demission des Staatsministers Finger und die Blättermeldung, daß der Großherzog ohne Mitwirkung des Ministeriums sich mit der Curie wegen der Wiederbesetzung des Mainzer Bischofsstuhles geeinigt habe. Das Blatt bestreitet, daß bei den bisherigen einleitenden Schritten zur Wiederbesetzung des Mainzer Stuhles unconstitutionelle Vorkommnisse stattgefunden hätten. Potsdam, 8. Mai. Se. Maj. der Kaiser besichtigte heute Mittag auf dem Bornstädter Felde das 1. Garde-Regiment zu Fuß. Berlin, 8. Mai. Das Abgeordnetenhaus berieth in heutiger Sitzung die Verhandlungen des Eisenbahnraths pro 1885, lehnte den Commissions- Antrag, betr. die Beseitigung der Ungleichheiten im Gütertarif aus den vormals Hannover'schen Bahnen ab und nahm den Commissions-Antrag auf Gewährung von Ausnahmetarifen für Düngemittel an. In der längeren Debatte, woran die Abgg. Diesenbach, Seer, Sattler, Natorp, Puttkamer-Plauth, Medell-Malchow, Meyer (Breslau), Windthorst und Wehr theilnahrr;n, wurden mehrfache Wünsche, namentlich wegen Beseitigung des Rheinbrückenzolls und Frachtermäßigung für Kohlen und Coaks geäußert. Der Regierungs-Commiffär Brefeld erklärte, die Beseitigung des Rheinbrückenzolls sei wegen des dadurch herbeigesührten Ein- rrahmeausfalls nicht ausführbar, ebenso erscheine eine Frachtermäßigung für Düngemittel wegen des Einnahmeausfalls von drei Millionen bedenklich. Ferner bemerkt der Regierungs-Commiffär, die Eisenbahnverwaltung werde trotz des Einnahmeausfalls in Folge des harten Winters und der allgemeinen Verkehrs- stockung im Stande sein, die volle Verzinsung und Amortisirung der Eisenbahnschuld selbstständig aufzubringen. — Montag Kirchen-Vorlage unv Lehrer- anstellungs-Gesetz. Karlsruhe, 8. Mai. Nach dem heutigen Bulletin konnte der Erbgroß- herzog seit Donnerstag täglich mehrere Stunden auf einem Ruhebett außerhalb des Krankenzimmers zubringen. Arankreich. Paris, 8. Mai. Die mit der Reorganisation der griechischen Armee beauftragten französischen Officiere erhielten von der französischen Regierung den Befehl, bis zur Beendigung der griechisch-türkischen Streitfrage ihren Dienst einzustellen. — Das Gerücht von einem Unwohlsein des Präsidenten Grevy ist unbegründet, derselbe hat heute einem Ministerrath präsidirt. England. London, 8. Mai. Die „Times" bespricht den gegenwärtigen Stand der griechischen Frage und meint, wenn Delyannis hartnäckig bleibe, werde der Abreise der Gesandten sicherlich bald eine directere Zwangsaction der Mächte folgen. Die Wahl liege zwifchen einer Blokade der griechischen Häfen und der Beseitigung der Beschränkungen, welche der Actionsfreiheit der Türkei auferlegt seien. Wenn den Mächten nicht die künftige Wohlfahrt Griechenlands am Herzen läge, durften sie sich damit begnügen, der Türket freie Hand zu lassen. Die Pforte würde völlig gerechtfertigt sein, Griechenland zu Lande und zu Wasser anzugreifen, allein ein Bombardement von Athen würde als ein Unglück für die Civilisation empfunden werden. Im Interesse Griechenlands dürften demnach die Mächte die Blockade der griechischen Häfen übernehmen und es Griechenland überlassen, sein Glück mit den türkischen Truppen an der Grenze zu versuchen. Sollte es zum Kriege kommen, so würden die Mächte bestrebt sein, denselben nach Möglichkeit zu lokalisiren; hoffentlich werde der Krieg kurz und entscheidend sein. Türkei. Kanea, 8. Mai. Durch kaiserlichen Erlaß wird die Eröffnung der kretensischen Generalversammlung bis zum 12. Juli er. vertagt. — Die englischen Panzerschiffe „Neptune" und „Caryssort" und die italienischen Panzerschiffe „Maria Pia" und „Colonna" sind mit den Gesandten Englands und Italiens an Bord vom Piräus in der Suda-Bai angekommen. Asten. Teheran, 8. Mai. Der hiesige deutsche Gesandte v. Braunschweig hatte gestern eine Abschieds-Audienz beim Schah und reist morgen von Teheran ab. Smyrna, 8 Mai. Der deutsche Gesandte tn Athen, v. b. Brincken, ist an Bord der deutschen Panzerschiff« „Friedrich Karl" hier eingetroffen und b-giebt sich von hier nach Konstantinopel. Der „Friedrich Karl" kehrt nach der Suda-Bai zurück. ider. Jahresbericht Les Iabrik-Znspectors für das Großherzogthum Hessen für 1885. (Fortsetzung.) Im Berichtsjahr fanden drei Arbeitseinstellungen statt. Im Monat März verlangten die Arbeiter der Schriftgießerei von I. M. Huck & 60. in Offenbach von den Arbeitgebern die Genehmigung eines von ihnen aufgestellten ncueü Lohntarifs für die verschiedenen Arbeiten, dessen Sätze gegen die seitherigen tbeilweise erheblich höher waren. Es wurde gedroht, die Arbeit einzustellen, wenn die Annahme des Tarifs nicht erfolge. Da der Tarif nicht angenommen wurde, kündigten die Schriftgießer und arbeiteten noch 14 Tage fleißig weiter. Rur 4 ältere Arbeiter auf Taglohn verblieben nachdem noch in der Gießerei, unterstützten jedoch dabei ihre streikenden Collegen mit Beiträgen. Zu gleicher Zeit wurde den Arbeitgebern von der Redaction des „Eorrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer", ein vorzugsweise von Arbeitern gelesenes, in Leipzig erscheinendes Blatt, die weitere Aufnahme von Inseraten, Arbeitergesuche betreffend, verweigert. Die nichtoerheiratheten Arbeiter verließen nach und nach die Stadt und die Streikenden wurden durch Beiträge auch von auswärts unterstützt. Bei den Verhandlungen derselben mit den Arbeitgebern wurde hervorgehoben, daß sie von auswärts angewiesen seien, an dem aufgestellten Tarife festzuhalten, während durch die Arbeitgeber darauf hingewiesen wurde, daß in ihrer Gießerei größere Arbeitsparthien vorkämen wie in vielen anderen Gießereien und vorhandene geringere Lohnsätze durch die Zeitersparniß bei großen Arbeitsparthien ausgeglichen würden. Nachdem die Beiträge zur Kasse der Streikenden nicht mehr so reichlich flössen, wurde endlich durch einen Vertreter derselben mit den Arbeitgebern ein neuer Tarif vereinbart und der für den Arbeiter günstig ausgefallene Ausstand hatte nach achtwöchentlicher Dauer ein Ende. Uebrigens verging noch eine Zeit von 14 Tagen, bis alle Arbeitsplätze wieder besetzt waren. , Der Schaden, welcher den Arbeitgebern durch die Nichteinhaltung von Lieferfristen, die Unmöglichkeit, Aufträge anzunehmen und Ansprüche auf Entschädigung erwuchs, wurde auf 30,000 X geschätzt. Bei dem Ausgleich mit den Arbeitern wurde ein pünktlicheres Einhalten der Arbeitszeit als früher verlangt und Strafen für Unordnung festgesetzt. Die Strafkasse verwaltet ein älterer Arbeiter und die Ergebnisse derselben sollen mit Zustimmung der Arbeitgeber zu gemeinschaftlichen Vergnügungen der Arbeiter verwendet werden. , In der Arbeit herrschte nach dem Streike eine größere Pünktlichkeit als zuvor. Weitere Differenzen veranlaßten jedoch die Arbeiter, am 11. November den Arbeitgebern abermals einen veränderten Tarif vorzulegen. Derselbe wurde nicht angenommen und es erfolgte hierauf eine zweite Arbeitsniederlegung von 32 Gehilfen. Von diesen ergriffen jedoch 5 am anderen Tage wieder die Arbeit und 16 weitere folgten. Nach 10 Wochen waren noch 10 Arbeitslose, meist Verheirathete, von ihren Eollegen zu unterstützen. , Am 2. November stellten die Schriftsetzer in der E. Ebering'schen Buchdruckerei in Offenbach die Arbeit ein, weil der Besitzer 8 dem Buchdruckerverband angehörige Setzer, welche in Frankfurt wohnten und Morgens erst um 73/» ftatt 7 Uhr zur Arbeit erschienen, gekündigt hatte. Nur ein nicht dem Verband angehöriger Setzer verblieb. Nach wenigen Wochen batte der Arbeitgeber wieder vollständigen Ersatz für die ausgetretenen Setzer durch anoere arbeitsuchende Setzer. Den Arbeitern der Schuhwaarenfabrik von Dreschfeld & Halberstadt in Offenbach wurde seitens der Arbeitgeber im December ein neuer Lohntarif vorgelegt mit dem Bemerken, daß diejenigen, welche nicht nach diesem Tarif zu arbeiten geneigt seien, die Fabrik nach 14 Tagen verlassen könnten. Von den Arbeitern wurde hierauf eine Versammlung abgehalten und dann von 30 Arbeitern der Austritt erklärt (2/3 der Ausputzer und sämmtliche Zwicker). Stach achtwöchentlichem Ausstand fand durch die Bemühungen des Gewerbeschiedsrichters eine Einigung zwischen dem Streik-Comit6 und den Arbeitgebern statt und die noch in Offenbach befindlichen streikenden Arbeiter traten wieder in die Fabrik ein. Sie waren während dieser Zeit von Eollegen unterstützt worden. Die hochgradige Erregung der Streikenden geht aus der Thatsache hervor, daß ein arbeitender College mißhandelt wurde. Nach den Lohnbüchern der Fabrik betrug der Durchschnittsmochenlohn für Ausputzer (berechnet aus den gezahlten Löhnen von 6 Arbeitern während 6 Wochen vor dem Ausstand) 27,35 JL und der Durchschnittslobn für Zwicker (berechnet aus den Löhnen von 14 Arbeitern in 2 Wochen) 18,56 Zidicker und Ausputzer sind Stückarbeiter. In den Städten Mainz und Offenbach ergingen aus Arbeiterkreisen Anregungen zur Errichtung von Gewerbeschiedsgerichten auf Grund der §§ 120a und 142 der Gewerbe-Ordnung an die Gemeindeverwaltungen. In Mainz wurde der Gegenstand in Berathuug gezogen, aber in Rücksicht auf den von der Arbeiterschutz-Commission an den Reichstag ergangenen Antrag auf obligatorische Einführung von Gewerbeschiedsgerichten ein Beschluß zur Errichtung eines solchen noch nicht gefaßt. . In Offenbach wurde die Errichtung eines Gewerbeschiedsgerichtes beschlossen und die aufgestellten Satzungen liegen gegenwärtig Großh. Ministerium des Innern und der Justiz zur Genehmigung vor. Nach denselben soll das Schiedsgericht bestehen aus einem von der Gemeindevertretung gewählten Vorsitzenden und 4 Beisitzern: 2 Arbeitgeber und 2 Arbeiter. Die Beisitzer werden aus einer Anzahl von 40 Arbeitgebern und 40 Arbeitern (und je 20 Ersatzleuten) entnommen, welche in getrennten Wahlgängen, jene von den Arbeitgebern, diese von den Arbeitern auf die Dauer von 3 Jahren durch directe und geheime Wahl gewählt werden. Die Aemter sollen Ehrenämter, die Verhandlungen des Schiedsgerichts öffentlich sein. Die Kosten des Verfahrens in Streitigkeiten soll die Partei tragen, welcher sie vom Schiedsgericht auferlegt werden. Eine Vertretung der Parteien durch Anwälte ist ausgeschlossen. 3. Schutz der Arbeiter vor Gefahren. A. Unfälle. Am 4. Avril explodirte in der Dampf-Molkerei zu Langen-Brombach ein gußeiserner kugelförmiger Dampfkessel von 75 cm Durchmesser. Der Kessel zersprang in etwa 15 Stücke, schleuderte eine 25 cm starke Außenwand des Molkereigebäudes vollständig hinaus, so daß das Dach daselbst freihing und demolirte auch Innenwände. Die Wandstärke des Kessels variirte von 6—12 mm. Der flache Deckel war mit 6 Schrauben befestigt; das Sicherheitsventil hatte einen Durchmesser von nur 14 mm und die durch die Rippen des Ventils verengte Durchgangsöffnung für den Dampf war zu klein. Ein Wasserstandsglas war vorhanden, ein Manometer fehlte. Der Kessel war ohne Genehmigung und Prüfung in Betrieb genommen worden und da bei der Explosion auch eine Frau verletzt wurde, so erfolgte die Bestrafung der beiden Molkerei-Directoren wegen fahrlässiger Körperverletzung, begangen durch den ungesetzlichen Betrieb eines überhaupt unzulässigen gußeisernen Dampfkessels. Eine andere weniger heftige Explosion fand in einer Mühlenbauwerkstätte statt. Der Deckel des aus einem einfachen stehenden Cylinder von 1,20 m Höhe und 0,80 m Durchmesser bestehenden Vorwärmers für das Speisewasser eines Locomobildampf- kessels wurde abgerissen, flog weg und der ausströmende Dampf verbrühte einen gerade vorbeigehenden Arbeiter. Wahrscheinlich war eine Verstopfung des Rohres, welcher den Dampf aus dem oberen Theil des Vorwärmers abführte, die Ursache des Unfalls. Der Locomobilkessel war kurz vorher mit Anwendung eines Kesselsteinlösungsmittels gereinigt worden. , Eine dritte Explosion erfolgte in einer Lederfabrik. An einem cylindrischen Blechgefäß von 0,70 m Durchmesser und 1 m Höhe, welches zum Heben von Farbbrühe durch Dampf in eine oben befindliche Werkstätte diente, riß der Boden ab, das Gesäß hob sich aus einer Vertiefung, in welcher es stand, heraus und es wurde ein Arbeiter am Kopf und an einer Hand verletzt. Die Blechdicke des Gefäßes war überall 3 mm, das Sicherheitsventil hatte nur 1 cm Durchmesser und die Durchgangsöffnung war überdies durch die Rippen des Ventilkörpers noch verengt. Die Steighöhe für die Farbbrühe betrug 3,50 m. Am Steigrohr befand sich kein Verschluß. Im Dampfkessel war ein Druck von 3 Atmosphären. Wahrscheinliche Ursache ist eine eingetretene Verstopfung der 5 cm weilen Steigröhre. In einer Strohstoff-Fabrik war der Kochprozeß in einem Kocher beendigt und der Kocher sollte entleert werden. In diesem Falle hat der Kocherfüller den Dampf aus dem Kocher abzulassen und nachdem das Manometer keinen Druck mehr anzeigt, den Deckel zu öffnen und den Kocher zu entleeren. Der Kocher stand noch unter einem Dampfdruck von nahezu 2 Atmosphären und trotz der Warnung seitens eines Arbeiters lüftete der Kocherfüller die Deckelschrauben und ließ den Kocher rotiren, um den Deckel nach oben zu stellen. Der oben stehende Mitarbeiter löste hierauf die Schrauben und schickte sich an, den Deckel abzunehmen. Hierbei wurde jedoch der Deckel in die Höhe geschleudert und der oben stehende Arbeiter durch ausströmenden Dampf und Lauge verbrüht, sowie 4 in den nebenan befindlichen Räumen sich aufhaltende Mädchen an den Armen verbrannt. Der verbrühte Arbeiter starb am nächsten Tage. (Fortsetzung folgt.) Geschichts-Kalender. 11. Mai. 1315. Kaiser Ludwig der Bayer spricht über die Herzöge von Oesterreich auf einem „öffentlichen Tage" zu Nürnberg die Reichsacht aus. 1686. Otto von Guerike, Bürgermeister zu Magdeburg, einer der fleißigsten und- verdienstvollsten Physiker des siebzehnten Jahrhunderts und Erfinder der Luftpumpe, stirbt zu Hamburg, wohin er sich zum Besuche seines Sohnes begeben hatte. 1760. I. G. Peter Hebel, Dichter in alemannischer Mundart und beliebter Volksschriftsteller, zu Basel geboren. 1809. Am Himmelfahrtstage Aufbruch der Tyroler, um auf der kürzesten Linie durch das Jsarthal über Schareitz, Benediktbeuern und Wohlfahrtshausen gegen München vorzurücken. Furchtbarer Kampf im Staubpaß, ein Häuflein Tyroler schlägt die mächtigen Angriffe des bayerischen Generals Wrcde wiederholt zurück, bis dieser es durch die großen Verluste der österreichischen Artillerie ermöglichen konnte, den tapferen Tyrolern in den Rücken zu fallen und nun die Bayern unter diesen ein Blutbad anrichteten, wie kaum ein zweites die Geschichte der damaligen Freiheitskämpfer aufzuweisen hat. Was von Tyrolern in die feindlichen Hände fiel, ward in der Wuth gemordet. Der große Verlust an Todten und Verwundeten, welche die Bayern durch die Kernschüsse der Tyroler Schützen und das Steingeröll bei den vier Stürmen erlitten hatte, war die Ursache ihrer Wuth gegen sie. Ueberdies hatte Napoleon gegen Wrede noch die Absicht ausgesprochen, man solle alle mit den Waffen gefangenen Tyroler über die Klinge springen lassen. 1859. Erzherzog Johann, während der österreichisch-französischen Kriege ein tapferer Feldherr, im Privatleben der populärste Prinz des Kaiserhauses und im Jahre 1848 Reichsverweser, stirbt. Seine 1827 vollzogene Vermählung mit der schönen Posthalterstochter, Anna Plochl zu Aussee in Steiermark trug noch besonders viel zu seiner Popularität bei. 1867. Die Londoner Conferenz einigt sich in der Luxemburger Frage dahin, daß das Großherzogthum als ein neutraler Staat unter der gemeinsamen Gewährleistung der Mächte dem Hause Oranien verbleiben, die Stadt Luxemburg von den Preußen geräumt, die Festung vom Großherzog geschleift werden und das Großherzogthum im deutschen Zollperein verbleiben solle. Handel unid Werkehr. Grünberg, 8. Mai. (Frachtpreise.) Weizen 17.40, Korn 1420, Gerste JL. 12.40, Hafer 13.30, Erbsen JL 17.10, Linsen JL 00.00, Lein JL 00.00, Samen 22.00, Kartoffeln JL 3.20, Wicken 13.00. Wärmegrade der Lahn (nach Reaumur) zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 12°, Luft 14V8°. ' ---------1---- '-LJ!"-1-*- Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde. Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelftunde in der Kleinkinderschule, Matth Kap. 6, von Vers 1 an, Pfarrer Dr. Naumann. Allgemeiner Anzeiger. 3 Wettergasse 3 Großartiger Ausverkauf meines StrofjtjuUagers, sowie Mumm unh /ehern zu jedem annehmbaren Preise. 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Mai er-, Vormittags 8 Uhr, auf das Verwal- 'ungsbureau obiger Anstalt einzureichen. Gießen, den 10. Mai 1886. 3366 ^Die Großh. Direction. Ernteversteigerung. Samstag den 15. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, sollen 4 Morgen rother Klee des landwirthschaftlichen Versuchsfeldes, in Abheilungen von je einem Morgen, nn Ort und Stelle meistbietend ver- ' steigert werden. Gießen, den 10. Mai 1886. Großh. Universitäts-Rentamt. ___________Schmitt._______3659 Verdingung der eisernen Dachkonstruetion (26639 kg) als Loos 5, und der Schlofferarbeiten (18 Thore, 45 Fenster aus Schmiedeeisen, sowie Anker und Bolzen) als Loos 6, zum Neubau des Locomotiv-Schuppens zu Gießen. Termin Sonnabend den 22. Mai 1886, Vormittags 10 Uhr, in unserem technischen Bureau. Zeichnungen, Bedingungen u. s. w. können daselbst eingesehen und auch gegen Einzahlung von 2 Mark für Loos 5 und 4 Mark für Loos 6 von demselben bezogen werden. Zuschlagsfrist 2 Wochen. 3557 Königl. Eisenbahn-Betriebs-Amt (Main-Weser-Bahn) zu Caffel. Dienstag den 11« d. Mts«, Nachmittags 2 Uhr, -soll, am Neuenwegerthor anfangend, die diesjährige Grasnutzung von den Böschungen der Wieseck, dec Stadtringgräben und von den städtischen Wegen, sowie die Gras- und Kleenutzung an einen! Stück Land am Wismarerweg versteigert werden. Gießen, am 8. Mai 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 3630 Holz-Versteigerung in der Königlichen Oberförstern BrandMrndors, Schutzbezirk Cleeberg, Distrikte Clee- baum 25. 26b und 24, Montag den 17. Mai, Vormittags 10 Uhr, 15 Rm. Laub- u. Nadelholz-Knüppel, 114 Hundert Eichen-, Buchen- und Weichholz-Wellen (Durchforstung des Niederwaldes). Das Holz wird von 9—10 Uhr im Schlag? vocgezeigt, und um 10 Uhr in dem diesem gegenüberliegenden Gasthaus von Christian Hofmann versteigert. Brandoberndorf, den 9. Mai 1886, Der Königl. Oberförster ___________Bender. 3677 Freitag den 14 Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Lony'schen Bierkeller eine Parthie zur Ph. K. Schmidt'schen Konkursmasse gehörige silberne und goldene Taschenuhren, wobei eine werthvolle Savonetteuhr, Regulatoren,Wand- Stand- u. Weckeruhren, sowie Spieldosen, Dpielwerke und Mustkalbums versteigert. .... F. Hoffmann, •jö'ö Konkursverwalter. 3668 Ein braves Dienstmädchen gesucht- Südanlage 3 II. Holzversteigerung. Es kommen zur Versteigerung: I» Montag den 17« Mai l. I. in den Distrikten Neuhofsheege, Alterhaag, Wirberger-Waldlache, Bauschel, Schafbusch, Großerseng, Zeileichen, Winneröderheide und Hainheege: 156 Rm. Buchen-Scheiter, 83 Rm. Eichen- und Nadel-Scheiter; 403 Rm. Buchen-Knüppel, 197 Rm. Eichen und Nadel-Knüppel; 154 Rm- Buchen-Neiser, 494 Rm. Eichen- und Nadel-Reiser; 64 Nm. Buchen-Stöcke, 141 Rm. Eichen- und Nadel-Stöcke. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr im Distrikt Neuhofsheege auf dem Vicinalweg von Reinhardshain nach Bersrod. Steigliebhaber werden ersucht, die in den Distrikten Alterhaag, Wirberger-Waldlache, Winneröderheide und Hainheege sitzenden Nummern vorher einzusehen, da solche bei der Versteigerung nicht vorgezeigt werden können. — Die Großh. Forftwarte Buri und Keißner zu Reinhardshain ertheilen auf Verlangen Auskunft. Sollte die Versteigerung des Brennholzes am 17. nicht beendigt werden können, so kommt der Rest ain 18. Mai von 12 Uhr an im Distrikt Zeileichen zum Ausgebot. II* Dienstag den 18 Mai in den Distrikten Steinweg, Neuhofsheege, Bauschet, Schafbusch und Zeileichen' 73 Eichenstärnme mit 27,79 Mm., 50 Kiefern-, Fichten- u. Lärchenstämme mit 34,59 Fstm., 19 Buchen- und Birkenstämme mit 12,16 Mm., 39 Buchen- und Eichen-Derbstangen mit 1,06 Fstm. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr im Distrikt Steinweg bei Reinhards- Hain. — Steigliebhaber sind ersucht, die in den Distrikten Neuhofsheege und Bauschel liegenden Nummern vorher einzusehen. Grünberg, am 8. Mai 1886. Großherzogliche Obersörsterei Grünberg. _____________Vigelius.______________________3661 Bekanntmachung. Die am 4. d. Mts. im hiesigen Gemeindewald (Forstwartei Vorderwald) stattgehabte Versteigerung von Bau-, Werk- und Nutzholz nebst den Buchenwellen in der Forstwartei Hinterwald ist genehmigt und werden die Abfuhrscheine den betreffenden Bürgermeistereien zur Ausführung der Bürgscheine demnächst zugestellt werden. Gleichzeitig bemerken wir, daß Freitag den 11. dieses Monats, Vormittags 9 Uhr, Die Versteigerung von 17 Stämme Eichen-Schnittholz von 15,79 Fstm. Inhalt, 19 Buchen-Stämme „ 10,44 „ „ 31 Fichten-Stämme „ 4,81 „ „ 497 Fichtenderbstangen „ 31,74 „ „ 154 Fichten-Reisstangen in der Forstwartei Hinterwald in den Districten Schweinstallsheege, Oberspeierlingskopf, Langenbuchen u. s. w. stattfindet. Die Zusammenkunft ist am Hattenröder Vicinalwege vor den: Walde am Licher Feld. Lich, den 7. Mai 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. 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Joseph Herz, _______Fruchthandlung, Neuen Bäue 25. 249] Cautionsfähige Auswanderungs-Agenten gesucht für Bremen, Hamburg und Anb werpen von C. G. Bücking ir., Generalagent in Alsfeld. 3675 Ein kräftiger Junge, der die Metallgießerei zu erlernen wünscht, kann sofort eintreten- H. Schasfstaedt, Metallwaarenfabrik und Gießerei. 3662 Ein braver kräftiger Bursche als Ausläufer u. Packer, mir guten Zeugnissen, kann sofort dauernde Stellung erhalten bei K. Grünebaum, Mechanische Schuhfabrik. Zur Beherzigung für alle Eltern! Die elektromotorischen Zahnhalsbänder, h Stück 1 JL, von Gebrüder Gehrig. Hoflieferanten und Apotheker 1. Klasse in Berlin, S-W., Wesselstr. 16, sind das einzige Mittel, Kindern das Zahnen leicht und schmerzlos zu befördern, Unruhe und Zahnkrämpfe zu beseitigen. Nur ächt zu haben in Gießen bei Ohr. Ludw. Thomas, Brandgasse 5. 3663 LonsumÜnsialk nebst Restauration aus unserem Werke in Bärenstein bei Werdohl ist zu übertragen. Familienwohnung vorhanden. 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