Me. GS. Donnerstag den 11. Februar sS8V Weßener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit . Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P? Erscheint täglich mit «vSn^hme deS Montags. Mnreanr Schnlstratze 7. ««SWS««l ........................ Darmstadt, 9. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 2. Februar den Geheimen Rath Hermann Welcker zum vorfitzenden Mitglied und den LandgerichtLrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Dr. Friedrich Kritzler, zum Mitglied der Civildiener-Wittmenkaffe-Commission zu ernennen. Berlin, 9. Februar. Dem Abgeordnetenhause ging ein Gesetzentwurf, bete, die Beförderung deutscher Ansiedelungen in Wesipreußen und Posen, zu. Derselbe lautet: § 1. Der StaatLregierung wird ein Fonds von 100 Mill, zur Verfügung gestellt, um zur Stärkung des deutschen Elements in Wesipreußen und Posen gegen volonisirende Bestrebungen durch Ansiedelung deutscher Bauern und Arbeiter 1) Grundstücke käuflich zu erwerben, 2) soweit erforderlich diejenigen Kosten zu bestreiten, welche entstehen; a) aus der erstmaligen Einrichtung, b) aus der erstmaligen Regelung der Gemeinde-, Kirchen- und Schulverhältniffe, neuer Stellen mittleren oder kleineren Umfangs oder ganzer Landgemeinden, mögen sie aus besonders dazu angckauften oder auf sonstigen dem Staate gehörigen Grundstücken errichtet werden. § 2. Bä Ueberlasiung der einzelnen Stellen ist eine angemessene Schadloshaltung des Staates vorzusehen. Die Ueberlasiung kann in Zeitpacht oder zu Eigenthum erfolgen. § 3. Die Beträge, welche der Staat als Schadloshaltung erhält, fließen zu dem in § 1 bezeichneten Fonds. § 4. Die Ausbringung des Fonds erfolgt durch Schuldverschreibungen. S 5. Die Kaufs- und Verkaufe-Akte auf Grund dieses Gesetzes genießen Stempelfreiheit. Dem Landtage ist jährlich über die Ausführung des Gesetzes Rechenschaft zu geben. Die Ausführung des Gesetzes erfolgt durch eine besondere, dem Staatsmmisterium unterftehenoe Commission, der je zwei Mitglieder beider Häuser des Landtags angehören. Die weitere Bestimmung über die Commission erfolgt durch königliche Verordnung. (Fr. Ztg.) ........ ..................................... ■■iuw.il. Itea» Reichstag- E. R. Berlin, 9. Februar 1886. Die dritte Berathung des Neichshaushaltr-Etats wurde heute fortgesetzt. Eine Resolution der Abgg. Schrader und Dr. Bamberger, welche eine Denkschrift über die Durchführung und Wirksanikeit des Gesetzes über die Krankenversicherung fordert, wird angenommen. Beim Reichs-Versicher ungs-Amt wünscht Abg. Möller eine getrennte Darstellung der ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben, die Staatssecretär v. Bötticher für das nächste Jahr in Aussicht stellt. Abg. Kröber führt Klage über einige Entscheidungen deS Reichsvcrsicherungs- amts, welche wesentliche Eingriffe in die Rechte der Berufsgenossenschaften herbeigeführt hätten. Staatssecretär v. Bötticher, de» die einzelnen Fälle nicht bekannt sind, verweist auf den Instanzenweg. Die Eorrespondenz der Aemter und Genossenschaften portofrei sein zu lassen, könne er nicht versprechen. Zum Etat der Verwaltung des Reichsheeres hat Abg. Krug v.Nidda die in zweiter Lesung gestrichene Mehrforderung zu Zahlmeister-Gehaltserhöhungen von in Summa 30950 JL für die drei Contingente wiederum beantragt. Die Abgg. v. H u e n e und H ä n e l erklären Namens des CentrumS und der Deutsch- Freisinnigen, daß sie, da principielle Bedenken nicht dagegen sprächen, diesem Anträge zustimmten. Die Position wurde denrgemäß in der ursprünglich geforderten Höhe genehmigt. Abg. v. Saldern-Ahlimb besprach die Nothwendigkcit reichlicherer Rationen für die Pferde in Rücksicht auf die gesteigerten Anforderungen bei der Eavallerie, und hofft, daß ini nächsten Jahre Gelegenheit sein würde, die diesmal aus Sparsamkeitsrücksichten gestrichene Mehrforderung für Haferrationen bewilligen zu können. Von den Abgg. v. Huene, v. Schalscha, o. Kardoff, Leuschner und v. Manteuffel liegt der Antrag vor: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen: Der Währungsfrage erneut die eingehendste Prüfung zuTheil werden zu lassen und dem Reichstag von dem Resultate dieser Prüfung Mit- theilung zu machen. Staatssecretär v. Burchard bezeichnet diesen Antrag einer erneuten Prüfung für überflüssig; denn bei keiner der verbündeten Regierungen sei die Frage je von der Tagesordnung verschwunden; die Materie sei überaus schwierig, jedoch habe bis jetzt keine Bundesregierung Veranlassung gehabt, Schritte behufs Abänderung der bestehenden Währung zu thun. Abg. Leuschner (Reichspartei) erörtert die Vortheile der Doppelwährung in beinahe zweistündiger Rede. Der Finanzminister von Scholz habe uns zwar schroff zurückgcwiesen, das solle uns aber nicht behindern, in unsern Bestrebungen fortzufahren, zumal wir wissen, daß unser Anhang im Wachsen begriffen und namentlich in England «in großer Theil der Handelskammer gleiche Ziele verfolgt und mit uns übereinstimmt. Aber so viel Vaterlandsliebe mögen die Anhänger der Goldwährung uns denn doch zutrauen, daß sie nicht etwa glauben, als ob wir nur den eigenen Vortheil int Auge hätten. Abg. Wo ermann (nat.-lib.) bittet, an der bestehenden Währung nicht zu rütteln; der Antrag sei überflüssig und müsse abgelehnt werden. Danach wurde die weitere Berathung dieses Gegenstandes auf morgen vertagt. Telegraphische Depesche«. Wolff'- telegr. Lorrespondenz-Burea«. Darmstadt, 10. Februar. (Privatdepesche.) Der Großherzog und Prinzeß Irene reisen am 20. Februar zum Besuch des Großfürstlich Sergius'schen Ehepaares „ach Petersburg. Die „Darmstädter Zeitung" widerspricht der Meldung auswärtiger Blätter, daß die Veranlassung dieser Reise die bevorstehende Verlobung der Prinzessin Irene mit einem russischen Großfürsten sei. Berlin, 9. Februar. Die Zuckersteuercommission nahm den $ 1 der Vorlage nach dem Anträge Rohland's in folgender Fassung an: Die Rübenzuckersteuer wird von je 100 Kilogramm zur Zuckerbereitung bestimmten rohen Rüben erhoben 1) für das Betriebsjahr vom 1. August 1886 bis 31. Juli 1887 mit 1,40 JL, 2) vom 1. August 1887 ab mit 1,20 JL Der § 2 wurde unverändert in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Sämmtliche Gegenanträge wurden abgelehnt. - Die Zuckersteuercommission beendete heute die erste Lesung der Vorlage. Der Beschluß betreffend die freien Läger lautet: Die in öffentlichen Niederlagen gelagerten: Zucker können in zwei Jahren entweder über die Grenze ausgeführt oder gegen Erstattung der Steuervergütung, sei es in baar oder durch Uebergabe des betreffendem Vergütungsscheines, wieder in den freien Verkehr gebracht werden. Der Betrag deS dem Einleger gewährten Vergütungsscheines ist üom Fälligkeitstermine an bis zur Wiedereinführung des Zuckers in den Jnlandsverkehr mit 5pEt. zu verzinsen. Zw S 4 wird der Antrag Robbe angenommen, bei der Verwendung von Zucker als Flitter' für das Vieh oder als Hilfsstoff zur gewerblichen Darstellung von Fabrikaten, welche nicht Verzehrungsgegenstände sind, kann die Steuer nach den im $ 2 festgestellten Sätzen: vergütet werden. Berlin, 9. Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte den Rest des Etats deS Innern unverändert. Im Laufe der Debatte erklärte Minister Puttkamer gegenüber Rickert und Windthorst, die Regierung lasse bei den Polenausweisungen alle billigen Rücksichten auf Handel, Industrie und Landwirthschaft walten. Eine Ltatistit über die Ausweisungen sei fast unausführbar und auch ohne Belang für die Beurtheiluns der Sache. Die Verbreitung der Reden Bismarcks erfolge auf in dieser Beziehung, kundgegebene Wünsche und auf Kosten der bestellenden Zeitungen; auf die Form der Veröffentlichung habe er keinen Einfluß. Die Aufhebung des Amtsgerichts in Neustadt- Magdeburg ivird in erster und zweiter Lesung genehmigt. Wien, 9. Februar. Abgeordnetenhaus. Scharschmid und Genossen beantragen einen Gesetzentwurf, wodurch der Besitzstand der deutschen Sprache umfassend festgestellt, die deutsche Staatssprache mit entsprechenden Ausnahmen für Galizien und die italienischen Landestheile normirt und der Begriff der landesüblichen Sprache nach dem Grundsätze der Berirksüblichkeit erläutert wird. Heilsberg und Genossen bringen eine Interpellation an den Ministerpräsidenten darüber ein, ob gelegentlich der Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn auch die Frage der Einführung des Branntweinmonopols zur Erörterung gelangen werde. — Die Abgeordneten Kreuzig und Genossen brachten einen Gesetzentwurf betreffend die Einführung eines Holzzolles zur Paralpsirung der deutschen Holzzölle und zum Schutze der Holzindustrie besonders in den Grenzgcgenden ein. Sigl brachte die Interpellation an den Handelsminister ein, ob derselbe geneigt sei, bei der deutschen . cherun,' oie Herabsetzung der Tarife für Holz- und Steinwaaren zu erzielen und ob in dieser Beziehung bei den Verhandlungen mit Ungarn das Erforderliche veranlaßt sei, ferner, ob die Regierung bereit sei, zur Vervollständigung des schlesischen Lokalnetzes die Eisenbahn Hannsdorf-Ziegenhals auszubauen. Paris, 9. Februar. In einer Unterredung Freycinets mit den Unterzeichnern des Antrags auf Ausweisung der Prinzen erklärte Freycinet, er sei bereit, zu handeln, wenn es die Umstände erforderten, wolle aber keine bestimmte Verpflichtung übernehmen, noch auch einen bestimmten Zeitpunkt festsetzen. Nach der Unterredung beschlossen die Unterzeichner, ihren Antrag aufrecht zu erhalten. — Nachrichten aus Saint - Quentin zufolge nahmen viele Arbeiter die Arbeit wieder auf. Der Strike dürste demnächst beendet sein. London, 9. Februar. Die gestern Abend von den Ruhestörern angerichteten Verwüstitngen sind nach den vorliegenden Mittheilungen sehr erhebliche. Der aus einigen tausend Personen bestehende Menschenhaufen, welcher von Trafalgar Square nach der Richtung von Hyde Park hin zog, zertrümmerte auf seinem Wege fast in jedem Hause und Laden die Fenster und bediente sich dazu der meist aus den Läden geraubten Gegenstände, wie Flaschen, Kisten, Schuhwaaren u. s. w. , Die Läden der Goldarbeiter und Juweliere hatten von den Ruhestörern am meisten zu leiden, einzelne Ladenbesitzer schützten ihr Eigenthpm, indem sie von dem Revolver Gebrauch machten, andere haben aber große Mengen von Werthgegenständen, Uhren u. s. w., eingebüßt. — Alle Morgenblätter drücken ihre Entrüstung über die gestrigen Vorgänge im Westende aus und fordern die Ergreifung energischer Maßnahmen zur Verhütung ähnlicher Excesse, sowie die Verhaftung und strenge Bestrafung der Socialistenführcr, welche den Unfug organisirt und geleitet haben. — Heute Nachmittag rotteten sich abermals mehrere hundert Personen unter Lärmen und Schreien auf Trafalgar Square zusammen. Die Fensterläden der dort befindlichen Läden waren in Folge Warnung der Polizei geschlossen und wurde der Platz von der Polizei gesäubert. Belgrad, 9. Februar. Der Bahnverkehr auf der Strecke nach Nisch ist in Folge von Erdrutschungen und Schneeverwehungen unterbrochen. Bukarest, 9. Februar. Gestern fand die dritte Sitzung der serbisch-bulgarischen Friedensconferenz statt. Nachdem Madjid Pascha mitgetheilt hatte, daß nach einer ihm aus Konstantinopel zugegangenen Vtcldung seine Vollmachten in allernächster Zeit eintreffen würden, kamen die Delegirten überein, bis zum Eintreffen derselben in nicht officiellen Sitzungen einen Ideenaustausch über die schwebenden Fragen herbeizuführen, um dadurch eine nachherige Verständigung zu erleichtern. Klimatische Einflüsse des Waides- (Nachdruck verboten.) Wenige Wochen trennen uns noch von dem Zeitpunkt, an welchem aus vielem Ländern über Wolkenbrüche und Ueberschwemmungen berichtet wird, die lediglich auf den schlimmen Einfluß zurückzuführen Knd, welchen rücksichtslose Waldrodungen auf die ganze Natur der betreffenden Länder ausüben. Wie in früheren Jahren, werden leider auch diesmal viele Hiobsposten eingehen und zu verzeichnen sein. Es ist nicht zu verkennen, daß sich durch unverständige Rodung von.Wäldern das Klima eines Landes verändert. Besäße Mittel- und Süd-Europa noch seine alten Wälder, so würde das Klima gesünder und angenehmer, der Boden fruchtbarer m erb en, weil der Wald im Binnenlande die Sommerhitze, die übermäßige Trockenheit der £'uftr sowie die Früh- und Spätfröste abstumpft, während große kahle Flächen die Spitzeir der Temperatur schärfen, Menschen, Thieren und den wichtigsten Pflanzen verderblicher machen und endlich der Wald den Ueberschuß von Kohlensäure der Luft verzehrt, dagegen Sauerstoff ausathmet. Eine höchst fehlerhafte Abholzung zeigt uns der Brocken und seine Abdachungen,- die Eichsfelder Gebirge und mehrere deutsche nnd schweizer Alpen. Namentlich in beit, letzteren klagt man über Abnahme des Pflanzenwuchses und über das Rauherwerden des Klimas, welches beides nur durch die zu starke Ausrodung der Hochwälder ers klärlich ist. Wo früher ausgedehnte Waldungen waren, ziehen sich jetzt kahle Bcrge hin und die Niederschläge, statt durch die Wälder schwammartig aufgesogen, von bat Blättern und der Grasnarbe gegen schnelle Verdunstung geschützt und endlich den Baumwurzeln entlang zu Quellen vereinigt zu werden, strömen periodisch in zerstörenden Massen herab. Die Flüsse entwaldeter Gegenden schwellen im Frühling und mach starkem Regen zn plötzlicher Ueberschwemmung an, während sie anderntheils für den regelmäßigen Dienst der Schifffahrt wasserärmer werden. In Frankreich gab es früher das Sprichwort, die Saone trete erst nach nrun- tägigem Wachsen aus; jetzt geschieht dies schon am zweiten oder dritten Tage. Die Dämme von Grenoble haben fortgesetzt mit ungeheuren Kosten erhöht werden müssen mnd ähnliche Erfahrungen sind in Ungarn, Italien, der Schweiz, Tyrol, Spanien rc. gemacht worden. Was die Abnahme der Schiffbarkeit der Flüsse betrifft, so wird nber spanische Verhältnisse mitgetheilt, daß unter Vespasian der Ebro von Varia aus zur Maurenzeit 85 Meilen weit und zu Anfang des 17. Jahrhunderts nur bis Tor- tosa schiffbar war. Der Guadalquivir wurde noch unter Peter dem Grausamen bis Cordova, der Manzanares noch im 16. Jahrhundert bet Madrid zu Schifffahrtszwecken benutzt. Auch Las Umhauen der Bäume an den Bachufern trägt viel zum Versiegen der Flüsse bei. Bousingault in seinen Annales de chim. et de phys. Vol. LXIV, schreibt, daß der Spiegel eines isolirten Sees in Venezuela seit Lichtung der umliegenden Wälder ge- iunfen, nach deren Wiederherstellung aber wieder gestiegen sei. Auch die langjährigen Beobachtungen am Elbpegel in Dresden beweisen zur Evidenz, daß die Entwaldung Böhmens den Stand der Elbe durchschnittlich niedriger, mehr noch zwischen hohem und niedrigem Wasser schwankender gemacht hat. (Vergl. den jährlich wiederkehrenden Hschwasserstand, insbesondere den der Jahre 1845, 1862 und 1876.) Die Temperaturvcrschiedenheit zwischen Winter und Sommer tritt durch Wald- -erstörungen viel schroffer auf; eine bewaldete Fläche erwärmt und erkaltet sich langsamer als eine kahle und daher kommt es, daß der Wald am Tage kühlt und des Nachts wärmt. Die Wälder sind stets im Frühlina kälter und im Herbste wärmer als kahle Flächen und dadurch erhält das Waloklima eine große Aehnlichkeit mir dem 'Seeklima. Sehr viele Gegenden haben durch Waldrodung die nöthige Schutzwehr gegen Stürme, Hagel, Gewitter, Lawinen, Flugsand und ungesunde Luft verloren, dahingegen sind eingezogen: Versiegen der Quellen, Versandung und Verschlämmung von Flüssen, schwerer Eisgang, Spätfröste, Mißwachs, verregnete Ernte rc. In Frankreich, wo zur Zeit der Revolutionen sehr stark gerodet wurde, beschädigt der Frost jetzt nie! häufiger als sonst die Wein- und Obstpflanzungen, wie endlich Württemberg nach großen Rodungen vermehrte Hagelschäden zu verzeichnen hat. Nach den Erfahrungen von vielen Feuerversicherungsgesellschaften steigt mit der Abnahme der Wälder die Zahl der vom Blitz veranlaßten Feuersbrünste. Zu den großartigsten Beispielen einer durch Waldzerstörung verschlechterten Natur gehört Island und in Frankreich ertönen fort und fort Klagen darüber, daß in Folge unverständiger Waldverminderungen die Flüsse durch das herabgeschwemmte Hrdreich versanden und fruchtbare Thäler mit Kieseln überschüttet werden. Die Bewohner der Hochpyrenäen müssen seit vielen Jahrzehnten aus gleichen Gründen immer tiefer herabziehen. Uebrigens sind die Klagen über Waldverwüstungen uralte; schon Plato Critias berichtet über das „Erkranken des Landes" in Folge der Entwaldungen. Auch die klimatischen Zustände Irlands, welches noch zur Zeit der Königin Elisabeth sehr waldreich war, haben sich in jedem Kriege mit England, bei welchem aus polizeilich-militärischen Gründen, besonders aber seit Wilhelm III. wegen der Unsicherheit alles Landbesitzes viel gerodet wurde, sehr verschlechtert. Großartige Waldoerwüstungen fanden auch statt in Hochschottland, England, Jütland, Hannover, Griechenland, Italien, Spanien rc. Die Einwirkung der Wälder auf das Klima hört übrigens auch nicht etwa an der Waldgrenze auf, sondern erstreckt sich auch auf die weiteren Umgebungen, je nach Ausdehnung, Art und Lage des Walddistrictes. Ganz besonders wichtig für die Feld- wirthschaft ist das Auftreten des Taues; in waldigen Gegenden taut es selbst auch bei trockenem Wetter, in entblößten nur dann, wenn die Luft ohnehin schon feucht -ist. Bei unseren häufigen, trockenen Nordostwinden aber ist die Taubildung für den Pflanzenwuchs ganz besonders erwünscht und fast unschätzbar. - Ueber den Einfluß des Waldes auf die Bewohner der Länder kann oas sehr lcsenswerthe, populär^und eindringlich gefaßte Schriftchen vom Oberförster E. Ney nii Elsaß empfohlen werden. Von älteren Forschern und Schriftstellern im forstlichen Gebiete seien erwähnt: Cotta, Sarauw, Hartig, Heger, Pfeil, Hundeshagen, Burck- hardt, Stumpf, Preßler, König, Roscher :c. (vergl. letzteren: System der Volkswirth- schaft 2. Bd., 3. Bch., 3. Kap.). Die sächsischen Wälder nehmen ca. 30 pCt. der gesammten Bodenfläche, Oesterreich 32 pCt., Preußen 25 pCt., Bayern 32 pCt., Württemberg 31 und Baden 33 pCt. ein. Am schlechtesten beforstet sind Großbritannien und Irland mit 5, Dänemark und Spanien mit je 51/2 Portugal mit 4, Holland mit 7 und Italien mit 13 pCt. Waldfläche vom Gesammtareal. Wenn nun auch aus dem Gesagten die große Schädlichkeit der Waldverwüstungen erhellt, so zeichnen sich doch einzelne Länder durch systematisch raffinirte Zerstörungen der Waldungen aus. Es ist zwar von vielen Seiten angestrebt worden, dem allen Einhalt zu thun, aber noch lange nicht allgemein und nachgiebig genug. Namentlich wird die Aufforstung nicht überall umfassend gehandhabt und im Privatbesitze die Abschlachtung von Bäumen und Gehölzen in bedrohlichster Weise fortbetrieben. Hier kann nur eine gute und zeitgemäße Forstwirthschaft, die an Jtensivität ihres Betriebes Wer einer guten Landwirthschaft nicht zur'ückstehen darf, Abhilfe schaffen und es können für sie eben auch eine Menge socialer Einrichtungen passend, vielleicht unentbehrlich sein, welche die Landwirthschaft bereits genießt. Egon W. Lokale-. Gieße«, am 9. Februar. Die heute Vormittag im Regicruugsgebäude dahier stattgehabte Sitzung des Kreistages ergab die durchgängige Annahme der Anträge des Kreisausschusses. Die Rechnung der Kreiskasse für 1884/85, welche mit einem Kassevorrath von 17,901.63 X abschließt, sammt dem zugehörigen Rechenschaftsbericht fanden keine Beanstandung,^ und der Voranschlag für 1886/87, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 171,507.97 X abschließt, wurde gleichfalls genehmigt. Der Haupt- Ausgabeposten des letzteren bilden 75,487.27 x für Erbauung und Unterhaltung von Kreisstraßen. Neben ausgiebiger Fürsorge für die Bediirfnisse der laufenden Unterhaltung, ivie insbesondere auch für Fortsetzung der Straßemrummerirung mit Kilometer- und Hekto- mctersteinen, Beseitigung zahlreicher Mulden in der Straßenfahrbahn, Umbau hölzerner Brücken in Eisenconstruclionen und Herstellung eines Kiesbankettes auf der Wiesecker Straße fand noch der Neubau einer Kreisstraße von Beuern nach Allertshausen im Gesammt-Kostenbetrag von 32,800 X die einstimmige Genehmigung des Kreistages. Die projectirte Straße wird zunächst das fast isolirt gelegene Allertshausen mit seiner Nachbargemeinde Beuern und dem Busecker Thal verbinden, weiterhin aber auch — wenigstens für den leichteren Verkehr die kürzeste Verbindung von Gießen und dem Busecker Thal nach Londorf und dem dortigen Theil des Lumdathales ergeben. Der letzte Punkt der Tagesordnung, die Anstellung der Bezirksbauaufseher bett, wurde gleichfalls einstimmig nach den Anträgen des Kreisausschusses erledigt. Bei der principiellen Bedeutung, welche diese Anträge ebensowohl für unseren Kreis, wie auch — als erste derartige Anregung für alle übrigen Kreisvertretungen zukommt, behalten wir uns vor, dieselben in »der nächsten Nummer der „Verwaltnngsblätter" wicderzugeben und beschränken uns für heute auf die Mitthei-lung, daß nach dem Beschluß des Kreistages der Kreisausschuß ermächtigt ist, zur Erhaltung tüchtiger Bezirksbauaufseher gegenüber den bisher günstigeren Anstellungsbedingungen für den Staatsdienst unseren Aufsehern sowohl hinsichtlich der Fürsorge für den Fall späterer Dienstunfähigkeit der Angestellten, als auch hinsichtlich der Wittwen- und Watsen- versorgung dieselben VortheUe zuzugestehen, welche der Staatsdienst bietet, wobei der Kreis sein übernommenes Risico durch Unfall- und Lebensversicherung jener Angestellten nach Möglichkeit erleichtern wird. 6. Gieße«, 10. Februar. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle in der Woche vom 31. Januar bis 6. Februar belief sich im Ganzen auf 8 und zwar »erthetlten sich dieselben auf 5 Erwachsene und 3 Kinder. Von 2 Kindern im ersten Lebensjahre starb eins an Bräune (Croup) das andere an Krampfen. Ein Kind im zweiten Lebensjahre erlag einer Gehirnentzündung. Bei den erwachsenen Personen war Todesursache: Lungenschwindsucht zweimal, Tuberculose des Gehirns, Tuberculose des Bauchfells je einmal. In einem Falle, wo keine ärztliche BeobachtML vor dem Tode stattgefunden, konnte eine bestimmte Todesursache nicht näher bezeiDM werden. Gießen, 10. Februar. Die von der Stadtverordneten-Versammlung in ihrer Sitzung am 6. d. M. beschlossene Eingabe an Großh. Ministerium, betr. das Branntwein-Monopol, hat nachstehenden Wortlaut: An Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz. Unterthänige Vorstellung des Stadtvorstandes zu Gießen. Betr.: den von der König!. Preußischen Negierung im Bundcsrath eingebrachten Antrag auf Einführung eines Branntweinmonopols. Die Einführung des Branntweinmonopols wurde auch von uns einer ein- ßeljenben Berathung unterzogen, welche zu dem Resultat führte, daß dasselbe in seinen Wirkungen von den größten volkswirthschaftlichen Nachtheilen für ganz Deutschland, für unser engeres Vaterland, insbesondere für die Provinz Oberhessen und unsere Stadt begleitet sein würde. Dieses Gesetz würde Hunderttausendc, welche sich theils mit der Herstellung des Artikels, theils mit dem Großhandel, Detailhandel oder Ausschank von Branntwein befassen, in ihrem Erwerb auf das Höchste schädigen oder denselben gänzlich aufheben, wahrend die in Aussicht gestellten Entschädigungen da, wo sie überhaupt gewährt werden sollen, durchaus unzureichend sind und einem großen Theil der Betroffenen eine Ent- lchädigung gar nicht zugedacht ist. Das Monopol würde denjenigen Landwirthen, welche nicht bereits eine Brennerei besitzen, die Möglichkeit entziehen, ihre Producte durch Brennen zu verwerthen und damit die Viehzucht auf's Schwerste schädigen. Es würde weiter zur Unterdrückung der Brennereien, welche in unserer Provinz hauptsächlich in Betracht kommen, in Folge der Controlmaßregeln, die sich gerade bei kleineren Betrieben besonders lästig erweisen müssen, führen und dem gesammten wirthschaftlichen Verkehr in Folge der zahlreichen Strafbestimmungen und Controlvorschriften hemmend in den Weg treten. In finanzieller Beziehung ist das Monopol verwerflich, weil insbesondere die unbemittelten Consumenten Jbei der enormen Erhöhung der Branntweinpreise von einer ganz unverhältnißmäßigen Steuer betroffen werden. Den Kartoffelbrennereien raürbe ein höherer Preis für den Rohspiritus gesetzlich garantirt, als ihn der Marktpreis erheischt und ihnen damit ein erkleckliches Geschenk auf Kosten der Gesammtbevölkerung gemacht werden. Außerdem würden die kleineren landwirthschafilichen Brenner noch weiter dadurch in ihrem Verdienst geschmälert, daß sie nicht mehr direct an Wirthe, 5rleinhändler und Consumenten verkaufen könnten. Besonders schwer würden diejenigen Wirthe und Zäpfer betroffen, welchen für die Zukunft die Concession zum Verkauf und Ausschank von Branntwein nicht ertheilt würde; es wären diese in den meisten Fällen finanziell ruinirt. In ähnlicher Weise würden Destillateure, Händler, deren HandlungSgehülfen, Agenten, Arbeiter, sowie die in den Branchen beschäftigten selbstständigen Handwerker, als Bötticher rc. heimgesucht, welche sämmtlich von jeder Entschädigung ausgeschlossen bleiben. Die wirthschastliche Existenz' großer Beoölkerungsmassen würde somit geradezil vernichtet und wäre die Maßregel zu einer Zeit doppelt gefährlich, wo es zahlreichen Staatsangehörigen ohnehin schon schwer fällt, sich ein passendes, ihren Fähigkeiten entsprechendes Geschäft zu gründen und zu erhalten. Die Einführung, des Monopols und die dadurch bedingte Unterdrückung und Vernichtung einer Masse einschlägiger Betriebe würde aber auch durch vermehrte Con- currenz u. s. w. inbirect auf -eine große Anzahl anderer Geschäfte nachtheilig wirken und damit die Calamität in weitere Kreise tragen, den finanziellen Niedergang Vieler herbeiführen und die Steuerkraft in einem Maße beeinträchtigen, welche schließlich zum Ztachtheil des Staates und der Commune, welche letztere durch die neue Gesetzgebung ohnehin schon so schwer belastet sind, gereichen wird. Alle diese Gründe sprechen so sehr gegen die Einführung der Maßregel, daß wir uns zu der ganz ergebenen, aber dringenden Bitte verpflichtet fühlen, Hohes Ministerium des Innern und der Justiz wolle der Einführung des Branntweinmonopols die Zustimmung versagen und seinen Bevollmächtigten zum BundeSrathe anweisen. gegen die Einführung eines Branntweinmonopols zu stimmen. Gieße«, IO. Februar. In der gestern Abend abgehaltenen Generalversammlung der Deutschen freisinnigen Partei erstattete der Vorsitzende, Herr L. Georgi, Bericht über die Thäligkeit des Vorstandes im verflossenen Jahre, sodann über die Organisation der Partei in Stadt und Provinz, sowie die Preßverhältnisse. Herr Rechtsanwalt vr. Gut fleisch hielt einen eingehenden Vortrag über die gegenwärtige politische Lage, übergehend auf das Branntweinmonopol, Polenausweisung und die Stellung zu den übrigen politischen Parteien, specicll der ^cationalliberalen Partei. Am Schluß des Vortrags empfahl er festes Zusammenhalten und werde dann der Sieg nicht fehlen. Die Vorstandswahl anlangend, so wurde derselbe auf 18 Mitglieder Erhöht und neben den bisherigen Mitgliedern noch Herr Assessor Grünewald gewählt. Der Vorstand besteht demnach aus den Herren: L. Georgi, vr. Gutfleisch, Assessor Grünewald, Fr. Habenicht, L. Hornberger, M. Hornberger, H. E. Jughardt, I. Kreiling, F. C. B. Koch, Gg. E. Möhl,, R. Scheel, Gg. H. Schirmer, C. Stieber, A. Ricker, Ehr. Wallenfels, W. Wallenfels, A. Metz und PH. Uhl. — Heute Mittwoch, um 4 Uhr, wird nun der Wohlthätigkeits-Bazir, mit welchem seit Wochen die Stadt sich beschäftigt, eröffnet werden. Wir hatten die Grlaubniß, schon vorher einen Blick in den Clubsaal zu roerfeu,. und müssen gestehen, daß das Comite aus dem Saale eine der reizendsten Verkaufs- Hallen geschaffen hat. Die Anordnung der Hallen ist prächtig, die Auswahl der zu verkaufenden Gegenstände sehr groß und die Preise außerordentlich mäßig gestellt, so daß auch der Unbemittelte sich ein Andenken aus dem Bazar mitnehmen kann. Die Buffets in den Nebensälen sind sehr reichlich ausgestattet und haben, wie wir uns überzeugten, ebenfalls so mäßige Preise, daß sich ein Jeder satt essen kann, ohne seinem Geldbeutel wehe zu thun. Auch für die Käufer des Cigarrenstandes — welcher durchweg die allerfeinste Waare enthält, ist durch Einrichtung von zwei Rauchsälen im oberen Stocke Sorge getragen. Besonders machen wir auch noch auf das Naritäten- cabinet aufmerksam, welches eine reichhaltige Ausstellung wirklich seltener und sehens- werther Gegenstände enthält, aber außerdem auch dem Humor Rechnung trägt. Fügen wir noch hinzu, daß der Bazar auch durch die Klänge unserer Ntilitärmusik verschönert werden wird, so glauben wir überzeugt zu sein, daß kein Bewohner unserer Stadt den Besuch desselben versäumen wird, auch der Unbemittelte und die Kinder nicht, denen dazu am Donnerstag von 2—4 Uhr eine billige Gelegenheit (Eintritt 20 4) geboten wird. An den Abenden bleibt der Bazar bis 10 Uhr geöffnet. Verwischte». — Der fünfte Congreß für innere Medicin findet vom 14. bis 17. April 1886 zu Wiesbaden statt unter dem Präsidium des Herrn Geheimerath Leyden (Berlin). Folgende Themata sollen zur Verhandlung kommen: Am ersten Sitzungstage, Mittwoch den 14. April: Ueber die Pathologie und Therapie des Diabetes melitus. Referenten 7 Herr Stokvis (Amsterdam) und Herr Hoffmann (Dorpat). Am zweiten Sitzungstage, Donnerstag den 15. April: lieber operative Behandlung der Pleuraexsudate. Referenten: Herr O. Fräntzel (Berlin) und Herr Weber (Halle). Am dritten SitzungS- tage, Freitag den 16. April: lieber die Therapie der Syphilis. Referenten: Herr- Kaposi (Wien) und Herr Neißer (Breslau), sstachstehende Vorträge sind bereits angemeloet: Herr Thomas (Freiburg): lieber Körperwägungen. Herr Rieß (Berlin): Aus dem Gebiete der Antipyrese. Herr Brieger (Berlin): lieber Ptoina'ine. Herr Ziegler (Tübingen): lieber die Vererbung erworbener pathologischer Eigenschaften. Herr Fick (Würzburg): lieber die Blutdruckschwankungen im Herzventrikel bei Morphiumnarkose. — (Gartenarbeiten im Monat Februar.) Der Februar bewährt sich, zumal in seiner ersten Hälfte, oft noch als ein echter Wintermonat, welcher kaum Bodenarbeit im Freien gestattet, ist jedoch nicht feiten auch sehr mild, trocken und weit ge- eignetet zu Gartenarbeiten als der März, in welchem das Wetter oft sehr unbeständig ist. Man benutze daher jeden schönen Tag, wenn der Boden trocken, zu den ersten Freilandaussaaten von langsam keimenden und frühen Gemüsen, als: Earotten, Scorzoner-, Hafer- und Zuckerwurzeln, Pastinaken, Zwiebeln, Spinat, Petersilie und Kerbel. Auch legt man jetzt die ersten Puffbohnen und Früherbsen, letztere nicht zu flach, damit sie nicht den Sperlingen oder Tauben zur Beute fallen. Man lege auch wieder warme und halbwarme Mistbeete an behufs Anzucht von Kopfsalat oder Stech- falat, Radies und Earotten. Besonders benutze man die Mistbeete zur Anzucht von Setzpflanzen von Frühgemüsen für das freie Land, wie Blumenkohl, Kopfkohl, Wirsing, Kohlrabi, Sellerie rc. Da letzterer nur langsam keimt, so sät man ihn, um Platz zu sparen, zwischen den Blumenkohl, welcher dann schon zum Pflanzen bereit ist, ehe die Selleriepflanzen mehr Raum und Licht beanspruchen. Knoblauch, Johannislauch und Schnittlauch können gepflanzt werden. Ist die Witterung gegen Ende des Monats Allgemeine mild, so kann man an geschützten Stellen überwinterte Blumenkohl und Frühkrautpflanzen, ebenso, im kalten Kasten überwinterte Kopfsalatpflanzen in's Freie pflanzen. In Beeten 2c. eingeschlagene Gemüse sind nun aufzudecken. Sobald die Pflanzen in den Mistbeeten aufgehen, hat man, bei schönem Wetter, fleißig zu lüften, damit sie bei Zeiten abgehärtet werden. Wer nur wenig Pflanzen für Frühcultur braucht, kann seine Aussaat in Töpfen machen, muß die jungen Pflänzchen aber bei Zeilen nur einen kalten Kasten verpflanzen, um sie nach und nach an die freie Luft zu gewöhnen. Wer Frühgemüse im Mistbeet zieht, hat Carotten, Radieschen, Gurken, Melonen, Erbsen, gegen Ende des Monats auch Bohnen zu säen, Blumenkohl und Kopfsalat sind zu pflanzen, Kartoffeln kann man einzeln in etwa 12—15 Cm. weite Töpfe legen und diese später in einen lauwarmen Kasten in einem Abstand von 30—40 Centimeter ausstürzen. r Anzeiger. Holzversteigerung. Es werden versteigert: Freitag bett 19. Februar I. I. aus den Abtheilungen Zellenrod 8. 29, Tempel 10. 11. 12. 25. 26. 27: Scheiter: Buche 1 nn, Eichen 4 rm, Nadel 218 rm; Knüppel: Buche 2 nn, Eiche 1 rm, Nadel 643 rm; Reisig: 9960 Nadel- und Dornwellen; Stöcke: Nadel 157,8 rm. Das in der Abtheilung Tempel 10. 11. 12 an der Kreisstraße von Gießen nach Hausen sitzende Holz wird nicht vorgezeigt, sondern kommt gegen Mittag zum Ausgebot. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr auf der Kreisstraße von Gießen nach Hausen an der Sackschneise. Gießen, den 10. Februar 1886. Großherzogliche Obersöcsterei Schiffenberg. 956 Heyer. Oberhesßsche Eisenbahnen. Wir bringen andurch zur Kenntniß des Publikums, daß der Bundesrath verschiedene Ergänzungen der Anlage D. zum § 48 des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands beschlossen hat, welche durch Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 27. v. M. perfect geworden ist. Nähere Auskunft ertheilen unsere sämmt- lichen Güterexpeditionen. Gießen, den 8. Februar 1886. Großherzogliche Direction. 933 Vergebung von Arbeitskräften. In der Königlichen Strafanstalt zu Diez a/Lahn sind ca. 40 mit Anfertigung von Cigarren beschäftigte Gefangene disponibel geworden und sollen sofort auf drei Jahre an einen cautionssähigen Unternehmer über- laffen werden. Versiegelte Offerten mit der Aufschrift: „Submission auf Arbeitskräfte" versehen, nimmt die Direction bis zum 19. d. M, Vormittags 10 Uhr, entgegen. 947 Diez, den 5. Februar 1886. Königliche StrasanstaltS-Direction. Ieitgebotenes. Z Ein großer Garten ganz ober getrennt zu verkaufen. Zu erfragen bei Friedrich Berg, Nahrungsberg, hinter der Friedhofsmauer, Nr. 3. Zu verkaufen. Zwei Pferde, wovon das Handpferd braun, dicke Nasse, 7 Jahr alt, Sattel- Pferd, Schimmel, 14 Jahre, zu »erkaufen. Zu vermiethen ober zu verkaufen eine Sofraithe, die sich zu Wirtschaft, Fabrik »der sonstigem größeren Geschäft eignet. Heinrich Petri, 936 Reiskirchen. Hrutk la. Angkl-ScheUAchr, Csbliau, Hecht und Geflügel 953 bei C. G. Kleinhenn« Butzbacher Jasset-, Schweine- und Zuchtviehmarkt am TS. März 1SSG verbunden mit einerVerloosung von Faffeln, Rindern, Schweinen und laudwirthschaftlichen Ge- räthen. Den Vertrieb der Loose haben wir für Gießen den Herren Carl Lehrmund und Pedell Ruckelshaufen übertragen. K77 Die Derloofrrn-s-Commiffivu, Carl Schenck Eisengiesserei u. Waagenfabrik Darmstadt. Waggon- u. Fuhrwerkswaagen mit eisernem Bett od. iSteinfuudament u. Laufgewichtscon- struction. Schenck’s Regls- trir-Apparat zum aelbstthätigen Aufdrucken des Gewichts auf Billete. 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Wannern yer nbja im dcntschen rifa. - rcro. - Dämmen' Die Natnr- tste aller rbemjtf Jremöra ntvelt. tnngtür Hsnd- tonatlich Preis A 1,2» ahrlich nitToi- arbeiten, «n 2000 mit Ve- biet der Damev, Nartere ie * \V und eiten fr nufter* bt tm; en sür amen^ mMlllfr Post- OT rlin w- Dpt«1 ge. Ordnungs-Nummer. Namen d e r Gemeinden. Zahl der Zahl der Anwesenden. Zahl der vorübergehend Abwesenden. Zählung im Jahre 1880 1 1 i ► r V ► i 1 > v J • .V' r V r , w* > Gebäude rc. Haushaltungen- Wohnhäuser Andere bewohnte Baulichkeiten -c © a g i g E> 5 g M •>8'~a 2 g © s "g :a g jQ o g^7 r> g J g cS Ci g c «n g es a H S g G 75 2 "g Q g 7= g g g s-e tt c’xc sG-»Ci g d^g.2 Hd sonstige Baulichkeiten § g" gS£ ZG ~ fss S -E e .5 g3 © g g -« E e g « © 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 Albach . '....... Allendorf a. d. Lahn..... Allcndorf a. d. Lumda ..... Allertshausen....... Alten Buseck....... Annerod........ Bellersheim ....... Beltershain ....... Bersrod........ Bettenhausen...... Beuern........ Birklar . ....... Burkhardsfelden...... Climbach....... Daubringen mit Heibertshausen . Dorf-Gill....... Eberstadt mit Arnsburg .... Ettingshausen ...... Garbenteich...... Geilshausen....... Gießen ........ Göbelnrod ....... Großen-Bnseck..... Großen-Linden ...... Grünbcrg ....... Gröningen ....... Harbach........ Hattenrod ....... Hausen........ Heuchelheim........ Holzheim . ..... Hungen ........ Inheiden...... Kesfrlbach ....... Klein-Linden . Langd....... Lang-Göns....... Langsdorf . ..... Lauter....... Leihgestern . - . . , • Lich mitHof Lllbach, Colnhausen u. Mühlsachsen Lindenstruth ....... Lollar ........ Londorf........ Lumda....... Mainzlar ....... Münster ....... Muschenheim mit Hof-Güll .... Nieder-Bessingen...... Nonnenroth....... Obbornhofen....... Ober-Bessingen...... Ober-Hörgern..... Odenhausen mit Apvenborn .... Oppenrod ....... Queckborn.....- Rabertshausen mit Ringelshausen Reinhardshain...... Reiskirchen....... Rodheim mit Hof Graß .... Rödgen ........ Röthges........ Rüddingshausen...... Ruttershausen mit Kirchberg Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg Stangenrod...... Staufenberg mit Friedelhausen . Steinbach....... Steiuheim ...... Stockhausen . Trais-Horloff ...... Treis a. d. Lumda ..... Trohe ........ Utphe ........ Villingen • ...... Watzenborn mit Steinberg . Weickartshain . • » Weitershain....... Wieseck ........ Winnerod . 67 88 233 47 221 87 109 64 76 84 195 87 106 43 98 74 115 106 118 90 1384 45 318 217 348 137 66 84 61 261 230 213 61 71 150 120 276 178 79 202 343 57 172 149 72 83 59 120 67 73 109 78 66 54 60 116 35 56 139 61 100 59 128 72 84 62 106 173 105 31 51 208 27 95 168 255 65 95 373 4 6 2 3 2 5 1 4 4 4 3 4 2 1 3 2 4 1 2 20 11 7 3 5 3 3 8 5 1 3 3 11 6 3 5 7 7 3 2 1 1 2 6 3 2 2 3 3 1 8 1 2 1 3 2 11 1 10 5 2 1 13 2 2 10 1 7 2 3 3 1 2 7 5 1 2 11 4 1 9 1 2 2 2 4 3 22 1 5 1 6 1 2 5 6 6 7 2 6 1 1 1 * 1 1 1 I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 l 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 II 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 II 1 1 110 1 1 1 ! 1 1 1 1 1 1 1 1 I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 11 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 11 1 1 1 1 1 i 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 73 90 236 53 233 93 113 69 76 88 200 91 108 44 101 87 123 107 119 92 1414 56 326 220 348 144 66 89 66 264 242 218 68 74 150 123 287 184 82 207 372 64 173 152 74 84 60 122 73 76 111 85 69 58 61 130 36 58 141 64 102 61 139 73 94 72 114 180 118 33 60 223 30 95 175 257 68 95 382 5 68 100 228 49 241 105 118 66 79 82 218 85 109 52 123 74 111 119 132 91 3410 46 350 239 434 145 68 83 72 317 228 273 73 77 173 136 286 140 81 221 484 58 230 161 70 84 62 123 71 71 113 80 65 57 67 120 37 57 148 68 117 55 138 79 89 65 113 188 116 33 60 226 31 104 191 303 70 96 476 4 4 1 16 2 19 4 1 1 2 4 14 9 6 2 2 8 2 4 2 317 1 10 8 33 11 1 1 5 4 37 1 5 6 7 13 2 4 7 58 2 2 11 2 4 2 7 2 3 5 1 2 4 1 1 1 5 4 5 2 5 1 5 7 6 1 1 22 5 6 4 2 2 18 2 35 7 i 2 72 101 244 51 260 109 119 67 81 86 232 94 115 54 125 74 121 121 136 93 3762 47 360 247 468 156 68 84 73 322 232 311 74 82 179 143 299 142 85 228 544 60 232 172 70 86 66 125 78 73 116 85 66 59 67 124 38 58 148 69 122 59 143 81 94 66 118 195 122 34 61 248 31 109 197 307 72 98 494 4 184 269 520 113 598 234 288 147 189 200 474 209 260 118 307 193 275 284 339 228 10017 104 830 626 1060 340 182 185 160 846 556 636 184 180 478 285 688 462 212 523 1257 146 758 378 172 230 150 313 163 164 284 209 178 136 161 307 103 138 332 175 313 134 306 191 194 151 284 469 250 77 137 521 71 257 453 693 165 241 1150 18 182 281 554 128 629 280 292 162 201 218 528 227 234 107 322 214 311 298 350 249 8984 100 855 644 1091 416 186 188 197 934 603 661 172 212 495 339 757 458 203 557 1296 143 624 390 176 203 178 339 189 186 269 192 171 159 154 299 98 145 376 168 304 145 351 192 236 155 339 532 242 80 145 530 95 253 447 769 167 244 1263 12 366 550 1074 241 1227 514 580 309 390 418 1002 436 544 225 629 407 586 582 689 477 19001 204 1685 1270 2151 756 368 373 357 1780 1159 1297 356 392 973 6 >4 1445 920 415 1080 2553 289 1382 768 348 433 328 652 352 350 553 401 349 295 315 606 201 283 708 343 617 279 657 383 430 306 623 1001 492 157 282 1051 166 510 900 1462 332 485 2414 30 1 3 1 10 4 2 11 6 2 2 1 18 90 21 1 6 3 4 1 10 1 4 1 10 1 1 4 5 1 1 7 13 4 2 1 5 2 4 3 3 8 2 1 2 3 1 5 1 2 4 1 2 13 2 7 13 3 1 3 2 3 1 3 1 1 2 3 1 73 1 2 4 4 1 2 1 10 1 1 1 1 2 18 2 5 6 1 1 2 1 1 1 2 2 3 2 2 3 3 1 3 1 2 2 1 3 3 6 1 11 7 2 12 7 2 4 4 19 163 1 23 5 10 3 5 3 11 1 14 2 11 1 2 5 7 1 1 25 15 9 8 2 6 2 6 4 1 3 8 3 3 2 . 5 1 5 3 3 2 A 3 7 2 5 13 3 9 15 4 4 3 371 520 1120 246 1253 514 586 330 372 417 999 443 591 224 614 403 611 609 674 466 17003 220 1638 1238 2259 774 357 392 353 1779 1186 1350 346 402 895 620 1467 931 426 1028 2568 302 1265 791 341 442 329 703 348 351 568 404 337 304 303 597 284 290 675 343 600 277 680 379 474 308 609 1019 485 159 255 1064 155 506 936 1421 336 471 2304 30 [10845 284 126 8 11263 13882 785 |41 14708 35813 ,36125 ,71938 | 344 | 189 | 533 | 69949 Politische Ueberficht. Gießen, 10. Februar. Der Special»Etat des Ministeriums des Innern pflegt bei der Etatsdebatte im preußischen Abgeordnetenhause seit Langem zu allerhand Auseinandersetzungen zu führen und dies war denn auch in der Samstags- Sitzung des Abgeordnetenhauses der Fall. An dem genannten Tage gelangte der kleinere Theil des Etats des Ministeriums des Innern zur Berathung und wurde die Gehaltsposttion für den Minister zum äußeren Anlaß einer erregten und langausgesponnenen Debatte, die sich namentlich um das Bestätigungsrecht bei communalen Wahlen drehte. Von Seiten der deutschffreisinnigen Partei wurde auf verschiedene specielle Fälle hingemiesen, bei denen die Negierung aus politischen Gründen die Bestätigung von Communalbeamten versagt habe und spielte hierbei die zweimalige Nichtbestätigung des Oberbürgermeisters von Posen, Herse, welcher der deutsch-freisinnigen Partei angehört, eine Hauptrolle. Herr v. Puttkamer führte bei der Vertheidigung dieser Regierungs-Maßregel aus, daß agitatorische Elemente von der Communal-Vertretung fern gehalten werden müßten und betonte im Weiteren, daß die Negierung nicht bei jedem speciellen Fall ihre Gründe darlegen könne, was lebhafte Proteste aus freisinniger Seite hervorrief. Durch das Eingreifen der Centrums-Rebner und speciell des Abg. Windihorst in die Discussion nahm dieselbe einen allgemeinen Charakter an und hatte sie Anklänge an die Polendebatte des Abgeordnetenhauses aufzuweisen; ein besonderes Moment bildete außerdem die Auseinandersetzung zwischen Herrn Rickert und Hobrecht über das Zusammengehen der Freisinnigen mit dem Centrum. Die Debatte endete mit der Genehmigung der EtatSposition, sowie einer Anzahl anderer Titel. Von ofsiciöser Seite wird eine „Secession" im conseroativen Lager nach rechts signalisirt, die angeblich zunächst im preuß. Herrenhause bevorsteht. S» heißt, daß sich daselbst eine neue conservative Gruppe unter Führung des Herrn v. Rochow-Plefsow bilden würde, welche Gruppe bisher immer eine gewisse „Fühlung" mit den klerikalen Elementen des Hauses hatte und die — wie weiter behauptet wird — durch ihre Absonderung von dem Gros der con- fervatioen Partei des Herrenhauses dieses Verhältniß noch mehr betonen wolle. Vorläufig dürste die osficiöse Meldung von der angeblichen Secession in der eonservativen Partei nur mit Vorbehalt zu registriren sein. Die in Aussicht gestellten positiven Maßregeln gegen die Polonisirung sollen dem preußischen Landtage in zwei gesonderten Vorlagen vorgeschlagen werden. Die eine derselben wird sich dem Vernehmen nach auf die innere Colonisation im engeren Sinne, d. h. auf den Ankauf geeigneter Ländereien in der Provinz Posen durch den Staat beziehen, behufs Ansiedelung einer deutschen landbauenden Bevölkerung. Die andere Vorlage würde sich auf die Förderung des deutschen Schulwesens beziehen. Hinsichtlich des Vorgehens auf diesem letzteren Gebiete fehlt es zur Beurtheilung noch an einer genügend klaren Vorstellung. In der österreichischen Presse bildet der zwischen den beiden Flügeln der deutsch-liberalen Partei des Abgeordnetenhauses anläßlich der Brsmarck- Resolution des deutschen Clubs ausgebrochene Conflict das Tages-Thema. Man sollte meinen, der Umstand, daß Fürst Bismarck die ihm zugedachte Kundgebung abgelehnt hat, müßte dem ganzen Streite die Spitze abdrechen, dem scheint aber nicht so zu sein, wenigstens nimmt die Polemik, welche zwischen den Blättern der deutsch-liberalen und denen der gemäßigteren Richtung ausgebrochen ist, einen immer schärferen Charakter an. Leider erscheint der Haupt- vorrvurf, welchen die auf Seiten der Mehrheit der deutsch-liberalen Partei stehenden Blätter den Männern der „schärferen Tonart" machen, nämlich daß sie durch ihren mindestens auffälligen Schritt das Deutschthmn in Oesterreich «mpromittirt haben, nicht unbegründet, denn schon weist die jlavische Presse triumphirend darauf hin, in welch' eigenthümlichem Lichte die Bismarck-Resolution den Patriotismus der Deutschen Oesterreichs erscheinen lasse. Im Interesse der Stellung des Deutschthums jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle kann nicht dringend genug gewünscht werden, daß der Zwiespalt im Lager der deutsch-liberalen Partei baldigst wieder beseitigt werde, denn die Fortdauer desselben wäre ein Selbstmord der Partei. Das Cab in et Frey einet hat in der französischen Deputirtenkammer einmal einen recht guten Tag gehabt. Mit 347 gegen 116 Stimmen lehnte dieselbe am Samstag den radikalen Amnestie-Antrag ab, nachdem der Minister- yrästdent Frepctnet im Laufe der Debatte sich in einer von den gemäßigt-republik. Gruppen mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Rede entschieden gegen den Antrag erklärt hatte. Die Radikalen sahen ihr Verlangen von keiner Seite unterstützt; selbst die Monarchisten, welche doch sonst keine Gelegenheit unbenützt lassen, der Regierung mit Hülfe der äußersten Lmken Verlegenheiten zu bereiten, ließen die Herren Rochefort, Clemenceau und Genossen im Stich, indem sie sich der Abstimmung enthielten. Die erlittene Niederlage der Radikalen wird dieselben dem Cabinet Freycinet nun allerdings gerade nicht günstiger stimmen und sie werden jedenfalls versuchen, sich bei nächster Gelegenheit zu revanchiren. Die Lage in St. Quentin, wo Tausende von Arbeitern striken, ist fortdauernd eine bedenkliche. Für die unter den Arbeitern herrschende Gährung zeugt es, daß sie sogar versuchten, Barrikaden zu errichten — ein Unternehmen, das freilich gleich im Beginn vereitelt wurde. Die Regierung hat umfassende militärische Sicherheits-Maßregeln angeordnet. Nachdem die Orleans durch die Heirath der Prinzessin Marie von Chartres mit dem Kronprinzen von Dänemark mit der dänischen Königsfamilie in verwandtschaftliche Beziehungen getreten sind, werden sie nun auch zu dem Hause Braganza in ein gleiches Verwandtschasts-Verhältniß treten- In den orleanistischen Kreisen dec französischen Hauptstadt ist am Samstag die Verlobung der Prinzessin Arnslie, der ältesten Tochter des Grafen von Paris, mit dem Kronprinzen von Portugal gefeiert worden; die Vermählung des hohen Paares wird in Lissabon stattfinden. Freilich ist nicht daran zu denken, daß diese Verbindungen mit regierenden Häusern je dazu dienen könnten, die Orleans tuf den französischen Thron zurückzuführen. Bei den am Sonntag in Paris vollzogenen Municipalraths-Stich- rvahlen sind 8 Autonomisten (Radikale) und 1 Opportunist gewählt worden. Da» neue englische Cabinet ist jetzt durch die Ernennung der Unterstaatssecretäre vervollständigt worden. Schuttleworth wurde zum Unter- ftaatssecretär für Indien, Broadhurst zum Unterstaatssecretär des Innern, Osborns Morgan zum Unterstaatssecretär der Kolonien und Herbert Gladstone zum Finanzsecretär int Kriegsministerium ernannt. Au» Kairo wird nach längerer Pause wieder einmal etwas über die Sonferenzen gemeldet, welche zwischen Sir Drummond Wolff und Mukhtar Pascha unter dem Vorsitze der Khedive stattsinden. Dieselben betreffen in erster Linie die Reorganisation des egyptischen Heeres, doch ist man hierbei über Vorschläge noch nicht hinausgekommen; am Sonntag hörte die Conferenz auch die Ansichten mehrerer englischer, in der egyptischen Armee dienender Hfficiere, sowie mehrerer egyptischer Officiere. K Osman Digma, der schon wiederholt todtgesagte kühne sudanesische Jnsurgenten-Chef, soll sich des besten Wohlseins erfreuen und mit einem starken Heere gegen Suakim heranrücken. Berlin, 5. Januar. Das „Armee - Verordnungs - Blatt" veröffentlicht Folgendes: Rekrutirung der Armee für 1886/87. Ich bestimme hinsichtlich der Rekrutirung der Armee für 1886/87 das Nachstehende: I. Entlassung der Reservisten: 1) Die Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften hat bei denjenigen Truppen, welche an den Herbstübungen theilnehmen, am ersten oder zweiten Tage nach Beendigung derselben, bezw. nach dem Wiedereintreffen in den Garnisonen stattzufinden. 2) Für das Pommcr'sche Fußartillerie-Regiment Nr. 2 und das Schleswigsche Fuß- artillerie-Bataillon Nr. 9 ist der 31. August, für alle übrigen Truppentheile der 30. September der späteste Entlassungstag der Reservisten; das Nähere bestimmen die betreffenden Generalcommandos, für die Fußartillerie die General - Jnspection der Artillerie. 3) Die zu halbjähriger activer Dienstzeit eingestellten Trainsoldalen sind am 30. October 1886, bezw. 30. April 1887 zu entlassen, die Oeconomiehandwerker am 30. September 1886. 4) Beurlaubungen von Mannschaften zur Disposition der Truppentheile haben an den Entlassungsterminen insoweit zu erfolgen, daß Rekruten nach Maßgabe der unter 2 bezeichneten Antheilc zur Einstellung gelangen können. II. Einstellung der Rekruten. 1) Zum Dienst mit der Waffe sind einzustellen: bet den Bataillonen mit hohem Etat je 225 Rekruten, bei den übrigen Bataillonen der Infanterie, Jäger und Schützen je 190 Rekruten, bei jedem Kavallerie-Regiment mindestens 150 Rekruten, bei den reitenden Batterien mindestens je 25 Rekruten, bei den übrigen Feld-Batterien mindestens je 30 Rekruten, bei den Bataillonen des Rheinischeir Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 8 und des Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 10 je 200, bei den übrigen Fuß-Artillerie-Bataillonen und bet den Pionier-Bataillonen je 160 Rekruten, bei den Bataillonen des Eisenbahn-Regiments mindestens je 135 Rekruten, bei jeder Train-Compagnie zu dreijähriger activer Dienstzeit mindestens 15 Rekruten, zu halbjähriger activer Dienstzeit im Herbst 1886 und im Frühjahre 1887 je 44 Rekruten; soweit Abgaben von gedienten Mannschaften als Krankenwärter, bezw. als Bäcker erfolgen, sind Rekruten in entsprechender Höhe über die vorstehend genannten Zahlen hinaus einzustellen. 2) An Oeconomie-Handwcrkern haben sämmtliche Truppentheile mindestens ein Drittel der etatsmäßigen Zahl einzustellen. 3) Für den Fall, daß bei einzelnen Truppentheilen eine Aenderung der vorstehenden Wahlen noth- wendig erscheinen sollte, ermächtige Ich das Kriegsministerium zu entsprechenden Anordnungen. 4) Die Einstellung der Rekruten zunr Dienst mit der Waffe hat bei sämmtlichen Truppentheilen nach näherer Anordnung der General-Commandos und zwar bei den Truppentheilen des Garde- und 15. Armee-Corps in der Zeit vom 2. bis 6. und bei den Truppentheilen der übrigen Armee-Corps in der Beit vom 4. bis 6. November 1886 zu erfolgen; nur die für das Pommer'sche Fuß-Ärtillerie- Regiment Nr. 2, das SchleSwig'sche Fuß-Artillerie-Bataillon Nr. 9, die Unterofficier- fchule, sowie die als ' Oeconomie - Handwerker ausgehobenen Rekruten sind am 1. October 1886 und die Trainsoldaten für den Frühjahrstermin am 2. Mai 1887 einzustellen. Das Kriegsministcrium hat hiernach das Erforderliche zu veranlassen. Berlin, 28. Januar 1886. Wilhelm. Bronsart v. Schellendorf. An das Kriegsministerium. UuiverfitätS - Chronik. Jena, 5. Februar. Herr Professor Dr. Steinmann, Docent an der philosophischen Fakultät unserer Universität, hat einen Ruf als ordentlicher Professor für Mineralogie nach Freiburg angenommen. — Für das Fach der Naturwissenschaften hat sich in der philosophischen Fakultät der Berliner Universität, Dr. Oswald Seeliger, als Privatdocent habilitirt. In seiner Antrittsvorlesung sprach er über „Knospenbildung im Thierreiche". — Zu Ehren des Hofraths Universitätsprofessors Dr. Georg Schanz in Würzburg fand am Montag Abend von Seiten der Studentenschaft ein großer Fackelzug statt. Der 8. C. hat sich nicht am Zuge betheiligt, weil der Vortritt desselben im Zuge von der übrigen Studentenschaft einstimmig abgelehnt worden war — Professor Dr. Sophus Lie in Christiania ist zum ordentlichen Professor der Geometrie in der philosophischen Fakultät zu Leipzig an Stelle des Prof. Dr. Klein ernannt worden. Breslau, 8. Februar. Geheimrath Professor Dr. Huschte, Senior der juristischen Fakultät der Universität, ist gestorben. — Die Eröffnung der sibirischen Universität zu Tomsk steht in der' Mitte dieses Jahres zu erwarten. Für's Erste ist die Errichtung zweier Fakultäten in Aussicht genommen, einer historisch-philologischen und einer physiko-mathematischen Nach dem russischen Unioersitätsgcsetz werden als Universitätslehrer nur Gelehrte zugelassen dre den Doctortitel haben. Für Sibirien kommt diese Bestimmung in Wegfall und ebenso wird den Zöglingen der geistlichen Seminarien nach absolvirtem Cursus der Besuch der sibirischen Universität gestattet. Die sibirische Universität besitzt eine Bibliothek von 50,000 Werken und eine sehr werthvolle paläontologische Sammlung ein Geschenk des Herzogs 9iifolai Maximilianowitsch von Leuchtenberg. Vermischtes. . , ~ Me ein Duell vermieden wurde.j In einer preußischen Garnisonstadt besieht leit Jahren ein engerer Freundeskreis von jungen Offizieren, der bestimmte Abende mit geselliger Unterhaltung ausfüllt. Schon wiederholt war hier die Rede gewesen vom Duell, über daS richtige Verhalten des Einzelnen bei einem sogenannten „militärischen Rencontre" gingen aber die Ansichten weit auseinander. Die Mehrzahl war der Ansicht, in gewissen Fällen müsse man „sich der traurigen Nothwendigkeit filgen und die Waffen entscheiden lassen", selbst auf die Gefahr hin, daß es ein Menschenleben und dem überlebenden Theile die schwersten Gewissensbisse koste Da fügte es sich (zur Zeit ist das über sechs Jahre her), daß einer der Freunde' einen anderen der Art verletzte, daß jedes Ehrengericht entschieden hätte: Ihr müßt Euch unbedingt schlagen. Einem Dritten, beiden sehr nahestehenden, der schon von einer Seite zum Secundanten ersehen war, gelang es indessen, die Sache gütlich zu schlichten und zwar folgendermaßen: Zunächst ließ er sich von sämmtlichen Anwesenden das Wort geben, daß der Vorgang streng geheim bleiben und mindestens binnen 3 Tagen nicht mit Pistolen oder Degen ausgetragen werden solle. Hierauf hatte er mit dem Beleidiger unter vier Augen eine Unterredung und wußte ihn dahin zu bestimmen daß er sich bereit erklärte, eine namhafte Summe (es war ungefähr das halbe Vermögen des Betreffenden) für einen gemeinnützigen Zweck nach der Wahl des Beleidigten herzugeben, wenn dieser auf einen Zweikampf verzichte und verzeihe. Den Beweis daß nicht Feigheit im Spiele sei, verpflichtete er sich, nach der Vorschrift des Gekränkten zu liefern. Dieser Beweis wurde denn auch nach dem Rathe des Vermittlers bündig erbracht durch mehrwochentlichen Pflegedienft unter angenommenem Namen, nachdem die betreffenden Aerzte und ein höherer Offizier in's Vertrauen gezogen waren in einem Typhusspitale. — Alle näheren Umstände, sowie die Personen- und Ortsnamen sollen nach dem Willen der Betheiligten verschwiegen bleiben, nur ObiaeS wurde gestattet, in die Oeffentlichkeit zu bringen. Möchte das gute Beispiel nicht allein bleiben! — Ein non,plas ultra von einem Geizhals ist dieser Tage in Straßburg gestorben, ein vom Hausknecht zum Millionär emporgekominencr Mann. Sein Geir ging, obwohl er kinderlos war, so weit, daß er beim Herannahen seines Todes sich beeilte, seine Wohnung zu kündigen, um die Miethe seinen Erben zu ersparen. Weitem kann man die Methode in der Uebung der Sparsamkeit nicht wohl treiben. mit .Lungen Catarrhen verbunden sind. Prospekt liegt einer jeden Schachtel bei. Zu beziehe« durch alle Apotheken. 1 juristi- • PVÜO: \\W phischen itbocent i Thiet- anz in großer ■itt bes- war. ssor der Klein r Mitte ;n Aus- . Nach ;elassen, ifl, und sus der Biblto- ins, ein sonßadt stimmte je Rede nannten Mehrzahl Adigkeit es ein e. Ta e einen ßt Euch in einer hlichten, den das j Tagen nit dem len^daß ^niögen ten her/ i§, da» nften ju bündig inchdenr ren, > Orts- Obiges iel M Erin,, >) Die ruPpen, °ch Ae- 'finben «■M eile der nen die ion der sind biuetter wn der 'tfrufen können, bei den 'er Jn- ü miH: bei ben mischen !OÖ, bei 60 Re- ten, bei -n, zu U Re- zw. als rannten ruppen- n Fall, noth'. henbm hat bei os unb nt vom :it vom 'tillerie- officter- nb am ai 1887 Eiergemüserrudeln 632 rmpfiehlt L. Kalkhof Herrn, teg. Stiller 638 Ausführung. 305 S. ElsoSer. Herrn von 256 Fst. getr. Edelbirnen 857 empfiehlt A. Katz Catarrheu des Nacheus und 5 unter Preis. 804 empfiehlt Emil Fischbach Louis Rothenberger, Neuenweg 22. besonders wenn solche mit Ausführlicher — Bad Sodener = Mineral - Brust - Pastillen Abnehmer geschehen kann. Gießen, 6. Februar 1886. Otto Schaaf, Seltersweg 38. Extras. Wiener Marcaroni, Aechte ital. Macraroni, Extras. 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(darunter auS Lich 6900 Mk., aus Klein-Linden 450 Mk., aus Heuchelheim 200 Mk., aus dem Kreis Gießen 850 Mk.). Die Zeichnungen aus Gießen setzen sich folgendermaßen zusammen: 11 zu 50 Mk., 16 zu 100 Mk., 1 zu 150 Mk., 7 zu 200 Mk., 1 zu 250 Mk., 7 zu 300 Mk., 2 zu 400 Mk., 5 zu 500 Mk., 3 zu 1000 Mk., 1 zu 2000 Mk., l zu 2500 Mk, 1 zu 5000 Mk. Der unterzeichnete Vorstand fühlt sich gedrungen, für alle diese reichen Gaben seinen herzlichsten Dank ausznsprechen. Zugleich richtet er an alle, welche sich noch nicht an den Zeichnungen betheiligt haben, dazu aber in der Lage sind, die dringende Bitte, noch wettere Zeichnungen vor dem 1. März an einen der unterzeichneten Herren gelangen zu lassen, da wir auch bei der sparsamsten Einrichtung der gesummten erbetenen Summe von 50000 Mk. durchaus benothiqt sind. Gießen, den 3. Februar 1886. Her Vorstand des oberhesßfchen Vereins für innere Misston: Hsr-mann, Fürst zrr Solms-HoheNsolms-Sich, Ehrenpräsident; Gymnasiallehrer Stamm, Vorsitzender; Professor ©r. Harrmck, Stellvertreter; Pfarrer Schlosser, Schriftführer; Fabrikant C. Kausfmarm, Vereinsrechner; Dr. Clemm, Stiftsdechant; Brandt, Pfarrer; 'Klingelhöffer, Stlftspfarrer; Pullmam», Dekan; Ms1» Strick, Dekan; Bogt, Pfarrer; Wahl, Amtsrichter. 79O Zithern™ Alpenröschen Kaplausgasse 18. miethen. 697- H. NESTLt'S KINDERIEHL Zahlreiche der ersten medicinischen Autoritäten. zu üermictßcn. I. Alker. 348 178 Bindfaden, Seilerwanren Schuhgarnen, Dochten, Watten wollenen und baumwollenen Strickgarne Unterschrift des Erfinders SSenrl TVestfllä. Verkauf in allen Apotheken und Drogen-Handlungen. 189 In meinem neuen Hause in der Ostanlage find zwei schöne Familien-Wob- uungen zu uermietben. I* Bernhardt, Neustadt Nr. 8. K6. 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