Ar. 210 1886. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Vureanr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Freitag den 10. September Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brtngerkchn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Betreffend: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen. Gießen, am 8. September 1886. Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen au die Schulvorstände des Kreises. Wir erinnern Sie daran, daß die Schülerlisten in rubr. Betreff bis Ende des Monats an uns einzusenden sind. Zugleich machen wir .Sie darauf aufmerksam, inß nach § VI, pos. 2 a. b. c. d. des Ministerialausschreibens vom 13. Juli 1875 in die Listen alle schulpflichtigen Schüler einzutragen sind und bei von auswärts Eintretenden die betr. Gemeinde anzugeben ist. Die aus Ihren Gemeinden in andere Gemeinden übertretenden Schüler sind getrennt von den anderen aufzuführen und dahinter ist ru beickeininen daß die nöthige Mittheilung an den Schulvorstand der betr. Gemeinden erfolgt ist. pos. 2 c. 8 ' Die Verzeichnisse sind nicht, wie vereinzelt geschehen, durch die Lehrer, sondern durch die Vorsitzenden der Schulvorstände mit Bealeitberi-bt an «ns emzusenden. a I. V: Jost, Regierungsrath. Bekanntmachung. Betreffend: Das Beschneiden der Hecken. Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesitzer, die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr- oder Fußweaen umfriedigenden Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter Höhe und 0,56 Meter Breite zurückzuschneiden und im Laufe des Monats September die neuen Schößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurückzubinden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntniß aebrackt Laß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft werden. ' Gießen, am 8. September 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. , Frese nius. Politische Ueberficht. Gießen, 9. September. Der deutsche Kronprinz ist von dem Besuche, den er der Königin- Mutter von Bayern in Hohenschwangau abgestattet, am Sonntag Abend nach Augsburg zurückgekehrt. Die Königin-Mutter war ihrem hohen Gaste am Samstag bis Füffen entgegengesahren und gab demselben auch aus der Rückreise Lis wiederum zu dem genannten Städtchen das Geleite. Am Montag setzte der Kronprinz, begleitet vom Prinzen Ludwig von Bayern, die Truppen-Besichti- gungen auf dem Lechfelde fort und reiste am Abend des genannten Tages mittelst Extrazuges von Augsburg nach Nürnberg ab. Die bevorstehende Einberusung des Reichstages zu einer außerordentlichen Session, behufs Ratificirung des verlängerten Handelsvertrages mit Spanien, giebt der ^Nordd. Allg. Ztg." Veranlassung, sich mit demselben zu beschäftigen. In ihrer Abeno-Ausgabe vom Montag schreibt dieselbe, indem fie an die Reichstags-Session vom Sommer 1883 und die hiermit in Zusammenhang stehenoen Vorgänge erinnert, die Regierung müsse jetzt den Reichstag einberusen, möge es sich auch nur um Förmlichkeiten handeln. Das Risiko wäre bei einem anderen Verhalten heute sogar noch größer als 1883; die Opposition sei heute weit verbitterter. Die ganze polnische Liga würde voraussichtlich mit Freuden die Gelegenheit benutzen, um über die Regierung her- zusallen. — Wie erinnerlich, war der Reichstag im Juli 1883 einberufen worden, um wegen des damals mit Spanien abgeschlossenen Handelsvertrages Indemnität für die Regierung nachzusuchen. Der Handelsvertrag wurde damals mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der fortgeschrittenen Liberalen und der Socialdemokraten genehmigt und somit der Regierung die gewünschte Indem- nität ertheilt; auch Heuer wird die Sache kaum einen anderen Verlauf nehmen. Die Einberusung des Reichstages ist für den 16. d. Mts. angesetzt. Da der Reichskanzler in diesen Tagen von Berlin nach Varzin abzurersen beabsichtigte, so ist seine Teilnahme an den bevorstehenden parlamentarischen Verhandlungen wieder ungewiß geworden, zumal auch über das Befinden des Kanzlers leider recht ungünstige Nachrichten verbreitet werden; er leidet namentlich wieder an seinen alten nervösen Schmerzen. Im Uebrigen ist dem Bundesrathe bereits die Vorlage, welche die Verlängerung des spanischen Handelsvertrages ausspricht, zugegangen. In eben derselben Nummer läßt sich die „Nordd. Allg. Zeitung" auch über die letzten Ereignisse in Bulgarien vernehmen, nachdem sich das officiäse Blatt seit der Rückkehr des Fürsten Alexander nach Bulgarien über die dortigen Dinge meist sehr zurückhaltend geäußert hatte. Zunächst erklärt das Blatt die Meldung des „Standard" von Besprechungen zwischen den Mächten, die bereits vor Wochen über eine bevorstehende Umwälzung in Bulgarien stattgefunden hätten, als vollständig erfunden. Die Mächte hätten von den bulgarischen Ereignissen keine Vorahnung gehabt und deshalb auch keinen Meinungsaustausch hierüber pflegen können; England habe sich nicht an Deutschland gewandt und sei von letzterem auch nicht an Oesterreich verwiesen worden. Weiter bezweifelt die „Nordd. Allg. Ztg." die Mittheilung eines französischen Reporters, daß wahrscheinlich in Gastein und Franzensbad von der Ersetzung des Fürsten Alexander durch eine andere Persönlichkeit die Rede gewesen sei; weder dort noch hier sei über einen Nachfolger des Fürsten Alexander discntirt worden. Endlich bezeichnet die „Nordd. Allg. Ztg." auch die Meldung, wonach Fürst Alexander vor seinen Osficieren in Sofia geäußert habe, er würde der Erste sein, um als Freiwilliger in einem Feldzuge für den Anschluß Macedoniens an die bulgarische Union zu dienen, als wenig wahrscheinlich. Ein solch' offener Appell zur Losreißung einer türkischen Provinz würde mit der Stellung, welche der Fürst bisher der Pforte und Oesterreich gegenüber eingenommen, wenig verträglich sein. — Für den'Fürsten lag allerdings ein zwingender Grund, die &acebonif$e Frage zu berühren, nicht vor und wird man wohl diese seine sonderbare Aeußerung über Macedonien vorläufig bezweifeln müssen, wie es eben die „Nordd. Allg. Ztg" thut. In Konstantinopel intriguirt Rußland aus's Neue. Wie verlautet, wäre der Sultan russischerseits darauf aufmerksam gemacht worden daß die Ersetzung des englischen Botschafters Thornton durch White — den Vertreter Englands in Bukarest — geeignet sein könnte, die orientalische Frage einigermaßen zu verschärfen. Es wird ja immer schöner! Die „Morning Post" plaidirt dafür, daß England als mohamedanische wie europäische Großmacht gegenüber dem Vorgehen Rußlands in Bulgarien Opfer bringen müsse, wenn es diese seine Stellung behaupten wolle. Deutschland. Darmstadt, 8. September. Die „Neuen Hess. Volksbl." melden: „Prinz Ludwig von Battenberg wird heute Nachmittag 4 Uhr dahier eintreffen. Die Ankunft oes Fürsten Alexander wird voraussichtlich in einigen Tagen erfolgen und werden wir, sobald uns Näheres hierüber bekannt wird, unseren Lesern sofortige Mittheilung zugehen lassen. Der herzlichste Empfang ist dem Fürsten in der alten hessischen Heimath unbedingt sicher." Berlin, 7. September. Das „Berl. Tagebl." erklärt im Namen seines Correspondenten die Behauptung der „Nordd. Allg. Ztg.", v. Giers hätte den Correspondenten des „Berl. Tagebl." in Franzensbad nicht empfangen, als Verleumdung. Der Brief desselben an v. Giers begann: „Als langjähriger Correfpondent des „Berl. Tagebl." und der „Petersb. Ztg." bitte ich er geben st," Herr v. Giers müsse dies bezeugen. Danach hat sich das „Berl. Tagebl." vollständig gerechtfertigt. England. London, 8. September. Der „Standard" schreibt, die Sache des Fürsten Alexander von Bulgarien sei die Sache einer jeden Macht, welche gegen die Herstellung der Herrschaft Rußlands in Konstantinopel sei. So langsam auch die Processe der Diplomatie sich vollziehen möchten, so dürfe Fürst Alexander doch zuversichtlich annehmen, daß er, falls er sich entschließe, die Geschicke seines Volkes zu theilen, im Kampfe nicht blos auf seine eigenen Hilfsquellen angewiesen fein werde. Bulgarien. Sofia, 7. Septbr. Die diesseitige Regierung hatte sich an die Pforte gewandt mit der Bitte um Unterstützung gegen eine etwaige fremde Occupation. Nach den in den letzten Tagen hier von Petersburg aus gegebenen amtlichen Erklärungen glaubt man indeß nicht mehr, daß eine Occupation zu erwarten wäre. Telegraphische Depesche«. »olff'S Megr. Torrsspondenr - BnrsL«. Berlin, 8. September. Der Kaiser ist heute Abend 6 Uhr 40 Min. vom Potsdamer Bahnhofe mittelst Extrazuges und mit großem Gefolge nach Baden-Baden abgereist. Potsdam, 8. September. Der kaiserliche Extrazug traf auf der Fahrt nach Baden-Baden heute Abend 7 Uhr im hiesigen Bahnhose ein, woselbst der Prinz und. — Wir machen unsere Leser auf die im Annoncentheil unseres heutigen Blattes enthaltene Bekanntmachung der technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerksam. Diese Anstalt gewährt ihren Studirenden eine vollständige wissenschaftliche und bezw. künstlerische Ausbildung für den technischen Beruf. In speciellen Fachabtheilungen bezweckt sie die Ausbildung von Architecten, Bau-Ingenieuren, Cultur-Ingenieuren, Maschiüen-Ingenieuren, Electrotechnikern, Chemikern und Apothekern; ferner in der mathematisch - naturwissenschaftlichen Schule die Ausbildung von Lehrern für Mathematik, Naturwissenschaften und Zeichnen, sowie von Geometern. Auch Fabrikanten, Kunst- und Gewerbetreibenden ist sie zur Erlangung der erforderlichen Kenntnisse behilflich. Bei der Prüfung für den preußischen Staatsdienst im Hochbaufach, Bau- Jngenieurfach oder Maschinenfach berechtigt das akademische Studium an der technischen Hochschule zu Darmstadt zur Zulassung. Ferner ist der Besuch der technischen Hochschule bezüglich der Bestimmungen für Prüfung der Apotheker dem Besuche einer Universität gleich zu achten und ist der pharmaceutischen Prüfungs - Commission in Darmstadt durch Bunderathsbeschluß die Berechtigung zur Ertheilung für das ganze Reich giltiger Approbationen gegeben worden. Temperatur der Lahn. Am 9. September, zwischm 11 und 12 Uhr: Wasser I61/i°, Lust 18° R. im Schatten» L. Chr. Rübsamoppeh€aroiiHsel hier befinde. Da dasselbe auf's höchst Eleganteste eingerichtet und mit allem Comfort für das Publikum ausgestattet und als eines der schönsten existirenden zu betrachten ist, hoffe ich, daß das hochgeehrte Publikum mein Streben, etwas außerordentlich Gules zu bieten, gütigst anerkennen und mich mit recht zahlreichem Besuche erfreuen wird. Hochachtungsvoll 6239 _______________________________H. Görke, Carouffelbesitzer.____ Oeffentlicher Vortrag über weitere Zeichen der nahen Wiederkunft Christi (Bul 21, 25-36) Freitag, den 10. d., Abends 8 Uhr, im Saale des Cafe Leib. Zutritt frei. 6212__________Dr. Paul Wigand. 6313 Per 1. October c. ein gewandtes kräftiges Dienstmädchen bei gutem Lohn gesucht. Frau Lachmann, Bismarckstraße 6. 6363 Zwei kräftige Taglöhner auf sofort gesucht. Wilh. Reiber, Möbelfabrik. 6365 Ein fleißiges, tüchtiges Mädchen für Küche und Hausarbeit wird gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bl. 6310 Ein Mädchen empfiehlt sich im Bügeln. Brandplatz 12. 5996] Lehrling mit guter Schulbildung in ein hiesiges Getreidegeschäft gesucht. Schrift!. Offerten unter Nr. 5996 an die Exped. d. Bl. 6326] Kost und Logis zu erhalten. _________________ Mäusburg 3. Gummiwaaren 'S® versendet E. Kröning, Magdeburg. Katalog gegen Porto gratis. 6215 Grossh. technische Hochschule zu Darmstadt. Fachabtheilungen: Bauschule, Ingenieurschule (für Bau - Ingenieure und für Kultur-Ingenieure), Maschinenbauschule, Chemisch-technische Schule (für Chemiker und für Pharmaceuten), Mathematisch-naturwissenschaftliche Schule, Elektrotechnische Schule, Einjäriger Kursus für Geometer I Klasse, Winter-Kursus für Consolidationsgeometer und Kulturtechniker. Anmeldungen für das Winter - Semester 1886—87 bis zum 16. Octeber. Beginn der Vorlesungen am 19. October. Programme sind unentgeltlich von unserem Secretariat zu beziehen. [6359] Die Dlreetlon. tiewehw. Bleerz. Neuenweg 7. E) ää» SptitaUtdUa .-A D, an.nu x .»srr-^w^o. Q Must.rkarten de» -U neuesfen hochmodernen Korben diesen Saison । -..........** Annahmestelle Liederkreuz. Die auf Samstag den 11. d. in Stein's Garten anberaumte Abesatliiaalerhaitiingr wird eingetretener Hindernisse halber auf Tonntag den 26. Septbr verlegt. _________________[6366]_____________________Der Vorstand. Wasserleitungs-Anlagen, ~ sowie Pumpen-, Bade- und Closet-Einrichtungen liefert unter Garantie Chr. Zimmer, Kupferschmied, Bahnhofstraße 12. Badeöfen und Wannen stets auf Lager. 5597 Iermietyungcn. 6313] Verschiedene Wohnungen, sowie möbl. Zimmer zu oermtethen und gleich zu beziehen bei _________B. Katzenstein, Marktplatz. 6287] Möblirtes Zimmer mit Cabinet im Vorderhause, sowie ein möblirtes Stübchen zu vermiethen. Neuen Bäue 11. 5958 Zwei Mansarden-Wohnungen zu vermiethen. Näheres Löberstraße 6 H. 6289 Grünberger Straße 14 im Hinterhause ist der mittlere Stock zu ver- miethen und sofort zu beziehen. 6320 Eine Familtenwohnung, 3 Zimmer nebst Zubehör u. Gartenantheil, zu ver- miethen bei______________Dr. Weber. 6321 Schillerstraße ^3, rechts, 2. Stock per 1. October oder später zu vermiethen. 6333 Ein kl. Logis an ruhige Familie pr. 15. Octbr. zu verm. Wallthorstr. 57. 6225 Ein möbl. Zimmer, 1. Stock, zu vermiethen.__Bahnhofstraße _12_ 5679] Möbl. Zimmer zu vermiethen. _________L. Benner, Nordanlage 6. 6062 Ein kleines möblirtes Stübchen zu vermiethen. Neuenweg 7. Vermischte Anzeigen. Das Grummetgras von der Wiese des Christian Jughardt, 3468 Klafter an der Oberlach, ist zu verpachten. Gießen, den 9. September 1886. 6364_____________________Müller. Verkäuferin. Ein junges Mädchen mit guter Handschrift, das in einem der größten Mercerie- Geschäste in Frankfurt a/M. gelernt, sucht Stellung in gleicher Branche auf sogleich oder später- Zu erfragen in der Exped. d- Bl. unter Nr. 180 R P. 6356 6354 Eine hiesige Cigarrenfabnk sucht einen tüchtigen KMenschreiner. Näheres bei der Exped d. Bl. ^96 GrünbergersträßHL ' bestehend aus 5 Zimmern nebtf Zubehör, wegzughalber per 1. October zu vermiethen. GX Sonntag den 12. d. M. Parlhie n. d. Schissenberg. 6357 Der Vorstand. 6362 Zum 1. October suche ich einen soliden, kräftigen und gewandten Kutscher _________________________Dr. Klein. 6367 Ein Mädchen empfiehlt sich im Flicken und Weißzeugnähen in und außer dem Hause billigst. Wilhelmine Hein, Grünbergerstr- 18. <0 Allen Freunden u. Bekannten, die es gut mit uns gemeint haben, sagen wir bei unserer Abreise X9 nach Berlin ein herzliches Lebewohl! 6355 noj p (Vu) o/ Lj q/ Lj aAn o/L) Rinder- u Fchweinsdärmr werden angekauft M. Keßler, Pferdemetzger, 6372 Neuenweg Unserer heutigen Nummer liegt ein Preiscourant deK Herrn JuliuS Schmidt, Hoflieferant, in Hannover bei. 6369 Nedaction: A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei ^r. uyv. pietsch) in Gic'-