K M verkaufe ern drs cht von arktplah. r für bie. Stationen lt, LLch, g. DK- lelche ihre aud) bti ige Ver- xi miner 857. Derben an- >ärtr ver- 397 8we., irsiveg 43. km Krane«- it. Filler ofp. flratiö- rit, Basel- *' 123 Nr. 34, Mittwoch den 10. Februar 18816 ießmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. - SchvISra». 7. Erscheint U«»ch -mt S-We M «»ntefl». W MMDDAWMgW«^6IWWMMBVLSWSUWM«l»UWMl^?!^>UBU»«M2WaMU>LMWI I! r li wi ngrcWT— ^TrrrKAWit*WKflBfe»WLULB i l w ww ^Mi.W<1 K-JMiW Amtlicher HL) ei L Nr. 2 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 6. d. M-, enthält: (Nr. 1630.) Handels-, Schifffahrts- und Consularvertrag zwischen deni Deutschen Reich imt) der Dominikanischen Republik. Vom 30. Januar 1885. (Nr. 1631.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Drahtziehereien mit Wafferbetrieb. Vom 3. Februar 1886. Gießen, am 9. Februar 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boek mann. BMM——B———qaaaWB—1 im T rw Hl W KM I > M W'""*>*"nnir*TM*™‘M* ‘■""WiTOweTOnonfgKi.mfwwnwqin—MBpffCT—gHIWBEB—n Politische Ueberslcht. Gießen, 9. Februar. Der Reichstag wies in letzter Zeit recht bedenkliche Lücken auf, welche Erscheinung sich auch in den drei Plenarsitzungen der vergangenen Woche sehr bemerklich machte und wäre es während derselben zu entscheidenden Abstimmun» gen, resp. zur Auszählung des Hauses gekommen, so hätte sich die Beschluß- Unfähigkeit deffelben wieder einmal herausgestellt. Die Concurrenz des preußischen Abgeordnetenhauses mag die empfindliche Leere im Reichstage ja zum Theil entschuldigen, immerhin ist diese Erscheinung aber beklagenswerth und die Qualität der Reichstags-Arbeiten muß hierunter auf die Dauer leiden. Vorläufig scheint jedoch die geringe Böschung des Hauses mit zu einer ungewöhnlich raschen Abspinnung der laufenden Geschäfte beizutragen, denn zur Erledigung der ersten Lesung des Gesetzentwurfes über die Ausdehnung der Unfallversicherung aus die landwirthschastlichen und bei den Forstverwaltungen beschäftigten Arbeiter hat der Reichstag nur einen Tag, den Mittwoch, gebraucht. Ebenso genügte der folgende Tag, um die zweite Berathung des Beamten Unsallver- ncherungs-Gesetzes zu erledigen und am Freitag endlich genehmigte der Reichstag debattelor in erster und zweiter Lesung den Entwurf, detr. die Bürgschaft des Reiches für die Zinsen u. s. w. einer egyptischen Staatsanleihe. Auch die erste Lesung des Entwurfes über die Abänderung von § 137 des Gerichtsverfassungs- Gesetzcs rief nur eine ganz kurze Debatte hervor, die zu dem Beschluß führte, die zweite Lesung des Entwurfes ohne commissansche Vorberathung im Plenum vorzunehmen. Es folgten hierauf Wahlprüfungen, bei denen lediglich die Wahl des Abg. Eugen Richter eine längere Discussion verursachte, da bei dieser Wahl Verbote von Wahlversammlungen vorgekommen sind. Die Debatte endete mit der Annahme des Commissions-Antrages, die Beschlußfassung über die Wahl Richter's auszusetzen und den Reichskanzler um Berichteinziehung der Gründe für jene Verbote zu ersuchen. Am Samstag setzte der Reichstag die Sitzung aus, um dem Abgeordnetenhause wieder einen kleinen Vorsprung zu gönnen, und trat am Montag in die dritte Berathung des Etats ein. Im königlichen Schlosse zu Berlin fand am Donnerstag der erste Hosball in dieser Saison statt. Zu demselben hatten ca. 1800 Personen Einladungnr erhalten und nahm die Festlichkeit einen überaus glänzenden Verlauf. Der Kaiser wohnte dem Balle bis fast zur Mitternachtsstunde bei und die Rüstigkeit, mit welcher sich der greise Monarch unter'seinen Gästen bewegte, wurde allgemein beachtet. Wie man hört, ist auch die Festlichkeit dem Kaiser in erwünschtester Weise bekommen. Die Annahme des preußischen Antrages, welcher die Verlän- gerung des Socialistengesetzes auf 5 Jahre ausspricht, durch den Bunoesrath ist überraschend schnell erfolgt und so wird sich wahrscheinlich auch der Reichstag eher mit dieser Angelegenheit zu beschästigen haben, als bisher geglaubt wurde. Man nimmt an, daß die erste Lesung des Socialistengesetzes alsbald nach der Beendigung der dritten Berathung des Etats vor sich gehen soll und dann wird es in unserem ersten Parlamente wieder heiße Tage geben. Daß die confer» vativen Fraktionen und die Nationalüberalen für die Verlängerung des Socia- listengesetzes wiederum eintreten werden, bedarf kaum einer näheren Darlegung, ebenso ist es selbstverständlich, daß neben den Socialdemokraten die Volkspartei, die Elsäffer, die Polen und wahrscheinlich auch die Welfen von vornherein als Gegner der Vorlage zu betrachten sind. Was die deutschfreisinnige Partei an- belangt, welche das vorige Mal bei der Berathung des Socialistengesktzes sich spaltete, so erklären die leitenden Preßorgane der Partei, daß dieselbe Heuer einstimmig gegen die Verlängerung deffelben votiren würde. Von dem Centrum hängt demnach die Entscheidung — wie in so vielen anderen Dingen — auch in dieser Frage ab. Im Jahre 1884 stimmten 39 Centrums-Mitglieder für, 53 gegen die Verlängerung des Socialistengesetzes; seitdem hat sich der Gegensatz zwischen der Regierung und dem Centrum im Reichstage wesentlich verschärft, welche Thatsache auch trotz des Umstandes, daß das Centrum zum überwiegenden Theile für die Zollerhohungen eingetreten ist, bestehen bleibt. Man wäre also einigermaßen zu der Annahme berechtigt, d'ß das Centrum diesmal ebenfalls geschloffen sich gegen das Socialistengefetz erklären und somit dessen Ablehnung herbeiführen werde; inzwischen könnten aber seltsame Dinge hinter den parlamentarischen Couüsseu vor sich gehen und somit wird man die Frage nach der Haltung der Centrumspartei gegenüber der Socialisten-Vorlage einstweilen auf sich beruhen lassen müssen. Victor v. Unruh, der Präsident der deutschen National-Versammlung im Jahre 1848, ist in voriger Woche, fast 80 Jahre alt, verschieden. Als langjähriges Mitglied d^s preußischen Abgeordnetenhauses wie später des Reichstages gehörte v. Unruh der gemäßigt-liberalen Richtung an und hat in Hingehendster Weife mit zur Errichtung des deutschen Nationalstaates gewirkt. Die Polenreden des Fürsten Bismarck haben für die Deutsche Liberalen Oesterreichs eine ganz überraschende „Wirkung in die Ferne" zur Folge gehabt. Bekanntlich wurde alsbald nach dem Bekanntwerden jener Reden von dem deutsch-nationalen Club des österreichischen Abgeordnetenhauses be- schloffen, eine Dank- und Anerkennungs-Adresse an den Fürsten Bismarck zu erlaffen — ein Beschluß, welcher sofort die lebhafteste Mißbilligung des anderen, stärkeren Flügels der liberalen Opposition im Abgeordnetenhause, des deutsch- österreichischen Clubs, hervorrief. In Folge deffen modificirten die „Männer der schärferen Tonart" ihre Bismarck-Resolution wesentlich, aber der deutsch- österreichische Club beruhigte sich hierbei nicht, sondern faßte nach stürmischen Verhandlungen seinerseits eine Resolution, welche sich gegen die Kundgebung des deutschen Clubs richtet. Die Resolution der Mehrheit der deutsch-liberalen Opposition bezeichnet das Vorgehen der deutsch-nationalen Minderheit als einseitig und den Vereinbarungen beider Clubs über die gemeinsame Behandlung polWcher Fragen als widersprechend und habe die Minderheit durch ihren Beschluß eine wesentliche Veränderung in den bisherigen engen Beziehungen beider Clubs herbeigesührt. Der deutsch-österreichische Club behalte sich vor, fein künftiges Verhältn^ß zum deutschen Club in weitere Erwägung zu ziehen. Diese Resolution kommt fast einer Absage des deutsch-österreichischen Clubs an den anderen Theil der Opposition gleich und in Anbetracht des schweren Kampfes, den das liberale Deutschthum in Oesterreich zur Wahrung feiner politischen und nationalen Stellung zu führen gelungen ist, muß dieser Zwiespalt unter seinen parlamentarischen Vertretern auf's Tiefste beklagt werden- Hoffentlich gelingt es, das so gut wie zerriffene Band zwischen den beiden Fraktionen wieder aufts Neue und fester als zuvor, zu knüpfen, andernfalls müßte eine andauernbe Zerklüftung zwischen ihnen für das deutsche Element in Oesterreich von den ver- hängnißvollsten Folgen sein. Seit der Jnstallirung des radikal angehauchten Cabinets Freycinet treten in Frankreich auch die radikalen Bestrebungen immer offener hervor. Der Amnestie-Antrag der Radikalen und das Vorgehen des Kriegsministers gegen die monarchistischer Gesinnung verdächtiger Officier-Corps mehrerer Kavallerieregimenter sind hiervsn vollgiltige Beweise. Ihnen fügt sich, der weitere radikale Antrag auf Ausweisung der Prinzen der früheren Herrscherhäuser Frankreichs an und wenn auch verlautet, der Antrag solle, als gegenwärtig inopportun, wieder zurückgezogen roeröen, so beweist doch schon feine Einbringung, wie sehr sich der Radikalismus in Frankreich seines Einflusses bewußt ist. Endlich müffen auch die in Decazeville stattgefundenen Arbeiter- Unruhen mit den radikalen Bestrebungen in, wenn auch nur indirecten Zusammenhang gebracht werden, da in Decazeville bekannte socialistische Agitatoren ihre Hände mit im Spiel gehabt haben. Größere Arbeiler»Unruhen werden auch aus St. Quentin gemeldet, wo Kavallerie zur. Wiederherstellung der Ordnung einschreiten mußte. In den Streitigkeiten zwischen Italien und der Republik Columbia ist Spanien von beiden Theilen als Schiedsrichter acceplirt worden. Die Differenzen rührten von der Mißhandlung eines Italieners durch columbische, Beamte her und hatten sogar schon zum Abbruche der beiderseitigen diplomatischen Beziehungen geführt. Das neue englische Cabinet unter der dritten Premierschaft Glad" stone's steht run endlich in allen feinen Theilen fix und fertig da. Was man von ibm für Thaten zu besehen hat, muß vorläufig abgewartet werden, indessen hat Mr. Gladstone in einem an seine Wähler in Midlothian gerichteten Schreiben bereits die Grundzüge seines Programms daraelegt, soweit sich dasselbe auf Irland bezieht. Aus ihnen erhellt, daß Gladstone sich von der Fortsetzung ber Gesetzgebung zur Unterdrückung der Agrarverbrechen keinen Erfolg verspricht, sondern auf social'reformatorischen Wegen die Beruhigung Irlands zu erreiche« gedenkt. Trotzdem besitzt aber auch Mr. Gladstone noch keinen fertigen Plan bezüglich Irlands, er will die irische Frage erst noch näher studiren; ob ihm Parnell jedoch hierzu die nöthige Zeit lassen wird, steht auf einem anderen Blatte. Zum griechischen Zwischenfall verlautet nichts Neues.^ Was die Floiten'Demonstration ber europäischen Mächte anbelangt, so scheint hierbei noch keine Einigkeit unter den Mächten zu herrschen und das kann freilich d:e Griechen in ihrer herausfordernden Haltung nur bestärken. Ausfällig verzögert sich das Eintreffen ber einzelnen Schiffe in der Suda-Bai und es ist gerade nicht unmöglich, daß eines Morgens der erstaunten Welt verkündigt wird, daß die gemeinsame Flotten-Demonstration in's Wasser gefallen sei. Reichstag E. R. Berlin, 8. Februar 1886. Der Gesetzentwurf, betreffend die Bürgschaft des Reiches für die Zinsen einer ägyptischen Staatsanleihe, dessen dritte Lesung heute auf der Tagesordnung stand, wurde auf Antrag der Abg. Kayser, Windthorst und Dr. Bamberger an die Budgetcommission verwiesen. Es folgte die dritte Lesung des Etats. In der Generaldebatte hielt Abg. Liebknecht (Socdem.) es unter der Würde des Reichstages, auf die Vorgänge im Abgeordnetenhause bei der Polendcbatte zurückzukommen; er ging dann auf die mißlichen Verhältnisse Rußlands ein, das vom Reiche und Preußen finanziell unterstützt werde, wodurch sich zeige, wer in Deutschland that- sächlich dem Auslande dient. Die Beförderung der Anlage des deutschen Kapitals in russischen Papieren bedeute ein Ausruhen der deutschen Kapitalisten, die keine Aussicht baden, bet der absolutistischen Finanzwirthschaft Rußlands ihr Geld wieder zu bekommen. Als vor zwei Jahren die russische Anleihe ausgenommen wurde, habe der Reichskanzler Bedingungen für Reformen in Rußland vornehmen können; nun dauere die Mißwirtschaft fort. Rußland werde nicht blos finanziell, sondern auch politisch zu Grunde gehen. Adg. v. Kar dorff (Reichspartei) ging auf die in zweiter Lesung erfolgten Abstriche ein, die durch das Deficit des Reichs veranlaßt sein sollten; aber keine habe Vorschläge gemacht, wie das Deficit zu beseitigen sei. Was die Action des Reichstages in der Polenausweisungsfrage betreffe, so halte er es für sehr bedenklich, daß der Reichstag eine Resolution angenommen habe, die doch keinen Erfolg haben kann. Abg. Dr. Windthorst: Die versteckten Vorwürfe des Vorredners sind grundlos: wir stehen dem Chef der Admiralität sehr freundlich gegenüber; wir sind auch nicht gegen die Erwerbung von Colonien, haben aber gegen die Art Bedenken, in welcher manche Erwerbungen stattfandcn. Die Steuern haben das Land schwer geschädigt, wir müssen uns einrichten. Deutschland hat immer noch die Männer, die cs zu regieren verstehen; daß dies der Reichskanzler allein im Stande sei, ist eine Herabsetzung des Reichstages. — In der Polenfrage sind die Beweise nicht erbracht, die angedrohten Maßregeln, Expropriirung rc. sind ungehörig. Der Reichskanzler hat gedroht, den Schwerpunkt seiner Politik nach dem preußischen Abgeordnetenhause zu verlegen. Ja, werden Bayern, Baden, Sachsen damit einverstanden sein? Das Vorgehen des Reichstags in der Ausweisungsfrage hat sein Ansehen erhöht; das Drama im Abgeordnetenhause war ein comödienhaster Coup ohne Erfolg. Im Interesse des Reichs, des Rechts und der Humanität hätte der Beschluß des Reichstags respectirt werden müssen. Ohne den Reichstag wird man keine Veränderungen einführen können. Die Verfassung besteht auf einem Gesetze, ein anderer Versuch wäre ein Bruch! (Lebhafter Beifall'.) Abg. Dr. Hänel (dfr.) hält die Befürchtungen Dr. Windthorst's für ausgeschlossen, das würde denn doch wohl 'Niemand wagen. Wir werden weder eine unitarische noch eine föderalistische Reise mitmachen, wir richten uns nach der Verfassung. Die neuesten Handlungen des Reichskanzlers sind Eingebungen des Augenblicks, das war auch bei dem Ausspielen des preußischen Landtages der Fall; aber er wird bei Zeiten selbst einsehen, daß derartige Manöver keinen Erfolg haben. Herr v. Kardorff findet in unserem Verhalten in der Polenfrage Obstructionspolitik, ebenso bei der Diätenfrage. Wie thöricht! Haben wir denn nicht der Reichsregierung Gelegenheit zur Abhilfe der Diätenlosigkeit gegeben? Die Ausweisungen sollen eine nationale Frage sein. Wenn es also eine solche ist und wir sie im nationalen Sinne für schiwlich halten, dann müssen wir doch unsere Ansicht dazu äußern können, und nimmermehr ist es Obstruction, wenn die Majorität des Reichstags gesprochen. Unser Ansehen ist gesunken, weil wir nicht mit genügendem Nachdruck unsere Ansichten geltend machen und weil es anscheinend nur einen Willen giebt, der nicht durchbrochen werden kann. Abg. Dr. v. Lenz (natlib.) betont, daß die Nationalliberalen die Competenzdes Reichstags in der Polenfrage nicht bestritten hätten, wohl aber cs beklagten, daß das Votum der Regierung, die im nationalen Interesse gehandelt, Mißbilligung ausgedrückt hätte; seine Partei wolle auch sparen, aber nicht am Militäretat. Abg. Rickert spricht gleichfalls seine Verwunderung über die mangelhaften Gründe aus, mit der Herr v. Kardorff seine Zustimmung zu einem Zurücktrcten des Reichstages gegenüber dem preußischen Abgeordnetenhause ausgedrückt hat. Der Vorwurf, daß wir die Marineverwaltung bevorzugten, ist unrichtig und nur eine Copie der Behauptung des Reichskanzlers von vor zwei Jahren; dem früheren Minister v. Stosch ist viel mehr gestrichen worden, als dem jetzigen. Der Vorwurf der Obstructionspolitik trifft auch Herrn v. Kardorff, denn auch er hat zu denen gehört, die das Tabaksmonopol abgelehnt haben. Wenn der Reichskanzler sein Wohlwollen den Einzelstaaten zuweisen will, billig kommt er nicht dazu. Auf die Ausweisungen bleiben wir aufmerksam und werden uns durch gemachte Entrüstung nicht beirren lassen. Wenn wir pflichtgemäß und loyal hier Opposition machen, so sind wir uns unserer Pflicht und unseres Amtes, das wir übernahmen, vollauf bewußt. Abg. v. Helldorf (ksv.) bezeichnet die deutsche Militärverwaltung als die sparsamste der Welt. Die Angriffe der freisinnigen Partei seien werthlos, so lange sie nicht die Mittel zur Besserung bewillige. Nächste Sitzung morgen. Telegraphische Depesche». Wolff'S telegr. Eorrespondenz-BttLrarr. Berlin, 8. Februar. Der Antrag der bimetallistischen Reichstagsabgeordneten, die Regierung ;u Verhandlungen mit England und anderen Ländern wegen Einführung der internationalen Doppelwährung aufzufordern, ist wegen ungenügender Unterstützung unterblieben. Das Centrum bereitet einen Antrag vor, welcher die Regierung zum Studium der Währungsfrage auffordert. Der bekannte Antrag Struckmann zur Frage deS Petroleumfaßzolles ist in der Commission in zweiter Lesung mit 9 gegen 3 Stimmen angenommen worden. — Das Abgeordnetenhaus genehmigte die Ausgabetitel des Etats des Ministers des Innern bis zum Capitel Landgensdarmeric nach den Commissionsanträgen. Die Kosten für den dritten Senat des Oberverwaltungsgerichts werden bewilligt. Im Laufe der Debatte wurde von Seiten der Regierung mitgetheilt, zur Abstellung der Zigeunerplage seien wegen gleichmäßigen Vorgehens der einzelnen Bundesstaaten Verhandlungen mit dem Reichsamte des Innern im Gange; die neue Bauordnung für Berlin befinde sich in der Ministerialinstanz, um zu prüfen, inwieweit die Wünsche der Stadtvertretung zu berücksichtigen seien, lieber eine anderweite Regelung der örtlichen Polizeiverwaltungskosten seien Vorarbeiten im Gange. Der von Dzembowski angeregten Gehaltsaufbesserung der Posener Districtscommissarien sicherte der Minister Berücksichtigung zu. Fortsetzilng morgen 11 Uhr. Berlin, 8. Februar. Der Antrag, die Regierung zur erneuten eingehendsten Prüfung in der Währungsfrage aufzufordern, ist nunmehr dem Reichstage zugegangen. Derselbe ist von Hüne (Centrum), Kardorff, Leuschner (freiconservativ) und Man- teuffel (conservativ) eingebracht und von anderen Mitgliedern dieser Fraktion unterstützt. — Unter den Vorlagen, betreffend den Schutz des Deutschthums in den Ost- prooinzen, wird die erste, betreffend die Colonisation, schon in den allernächsten Tagen eingcbracht werden. Nach derselben soll ein sehr erheblicher Fonds flüssig gemacht werden, um alle zur Subhastation gelangenden Güter zwecks Ansiedelung anzukaufen. Die Vorlage über die Schulen folgt. Lübeck, 8. Februar. Die Bürgerschaft bewilligte 1,562,000 für Vergrößerung des Hafens. Kopenhagen, 8. Februar. Der Reichstag wurde heute geschlossen. Der König wird demnächst ein provisorisches Finanzgesetz erlassen. Paris, 8. Februar. Bei den gestrigen Municipal-Stichwahlcn wurden acht Autonomisten und ein Opportunist gewählt. London, 8. Februar. Zu Unterstaatssccretären sind ernannt: Shutleworth für Indien, Brosdhurst für das Innere, Osbornc Morgan für die Colonien und zum Finanzsecrelär im Kriegsministerium Herbert Gladstone. — In der heutigen Sitzung des Oberhauses leistete Herschel, dem unter Ernennung zum Baron die Pairswürde verliehen worden ist, den Eid als Lordkanzlcr. Das Haus vertagte sich darauf bis zum 18. d. M. London, 8. Februar. Als nach Beendigung der socialistischen Arbeiter-Demonstration die Volksmenge sich vom Trafalgar-Square in den benachbarten Straßen zerstreute, kam es zu Ruhestörungen, indem die Fenster mehrerer konservativer Klublocale in Pallmall eingeworfen und mehrere Privatwagen dcmolirt wurden. — In den angenommenen Resolutionen wird auf die Nothwendigkeit hingcwiesen, unverzüglich Schritte zu thun, um dem unter der Arbciterbevölkerung herrschenden Elend abzuhelfen. Ferner soll die Parlamentsdeputation für London aufgefordert werden, jede andere parlamentarische Arbeit zu verhindern, bis ein Gesetzentwurf angenommen ist, welcher das Arbeitsministerium ermächtigt, den Bau von Arbeiterwohnungen zu unternehmen. Es wird die Herabsetzung der Arbeitszeit aus 8 Stunden verlangt. Mehrere heftige aufreizende Reden gegen die besitzenden Elasten und das Capital wurden gehalten, worin die Arbeiter aufgefordert werden, sich zu organisiren und eine sociale Revolution zu machen. Burns fordert die Arbeiter auf, der socialen Förderation zu folgen, welche ihnen das Zeichen zum Angriff und zur Plünderung der westlichen Stadtrbeilc Londons geben würde, falls die Regierung nicht ein Heilmittel gegen das Elend der Arbeiter finde. Nom, 8. Februar. Der chinesische Kaiser ersuchte den Papst, eine päpstliche Vertretung tn Peking zu errichten unb einen Vertreter Chinas beim päpstlichen Stuhle zuzuführeu. Moskau, 8. Februar. Aksakow ist heute gestorben. Belgrad, 8. Februar. Der deutsche Gesandte überreichte dem Minister Gara- schanin die Zustimmungserklärung zur Note Rußlands bezüglich der Begrenzung der Friedensoerhandlungen in Bukarest; derselben sind somit alle Großmächte beigetreten. Konstantinopel, 8. Februar. Eine identische Mittheilung der hiesigen Botschafter empfiehlt der Pforte, in Betreff der Friedensverhandlungen in Bukarest den Berliner Vertrag absolur zu respectiren und jeden Gedanken an eine Kriegsentschädigung zu Gunsten Bulgariens auszugeben, die ostrumelische Frage als rein interne nicht zu berühren und die Vertreter der Mächte in Bukarest über die Verhandlungen auf dem Laufenden zu erhalten. Kairo, 8. Februar. In der gestern unter dem Vorsitze des Khedive abgehaltcnen Conferenz zwischen Wolff und Mukhtar wmden mehrere in der egyptischen Armee an- gestellte britische Officiere und mehrere cgyp'.ischc Officiere über verschiedene die Reorganisation der Armee betreffende Punkte gehört. Washington, 8. Februar. Der Senat hat den Gesetzentwurf, durch welcher: das Territorium Dakota in den Staatenverband der Union ausgenommen wird, angenommen. London, 9. Februar. sPrivatdepesche.^ Nach der gestrigen socialistischen Arbeiterversammlung auf Trafalgarsquare zog ein mehrere Tausende zählender Mcnschen- haufen nach dem Hydcpark, zertrümmerte auf dem Wege die Fenster fast eines jeder: Hauses, mehrfach and) in die Läden cindringend und daselbst plündernd. Am erheblichster: litten die Läden der Goldarbeiter und Juweliere. Einzelne Ladenbesitzer schützter: sick) mit den: Revolver. & o f ß l e Giehen, 9. Februar. Ein musikalischer Genuß seltener Art wird uns am kommenden 4. und 5. März in Stcin's Etablissement geboten. Die russische Doccrl- capelle des Dmitri Slaviar:ski d'Agröneff ist auf einer Tournee begriffen und wird an^ vorstehenden Tagen zwei Concerte geben. Die russische Vokalcapelle des Dmitri Slavianski d'Agrsncff hat für Deutschland jedenfalls der: Reiz der absoluten Neuheit, denn ein ähnlich zusammengesetzter Chor mit so eigenartigem Programm und so merkwürdigen Eostümen ist bisher auf dem (Sontincnt, außer in Rußland, wo derselbe populär geworden, noch nicht aufgetreten. Es sind 20 Männer-, 12 Frauen- und 15 Knabenstimmen im Chor vertreten, der abwechselnd Nationalgesänge, Volks- und Kirchenlieder der östlichen Völker vorträgt. Sämmtliche Compositionen sind von Frau Olga Slavianskt d'Agr6neff, der Gattin des an der Spitze der Gesellschaft stehenden Directors, selbst gesammelt und gesetzt; dieselben werden theils a capella, theils mit Begleitung des Harmoniums ausgeführt. Letzteres Instrument wird deshalb benutzt, weil es dem, bei den Volksgesängen in Rußland üblichen Begleitungsmstrument „Rogok" im Klange an: meisten ähnelt. In den Kirchengesängcn wirken nur Knaben- und Männerstimmen. Die wirklich prachtvollen Costüme aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind genau ^:ach den fick) im Kreml zu Moskau befindlichen Originalen angefertigt. Dmitri Slavianski d'Agrönesf ist außer seinem Künstlerberuf auch Großgrundbesitzer und zwar in Twer, einer Ortschaft auf der Strecke Moskau-Petersburg. Da die Art und Werse deS Ehorgesanges, welchen d'Agrsneff cultivirt, ein fortwährendes Zusammensingen nothwendig macht, so hat er feine länger und Sängerinnen schon seit langer Zeit sämmtliä) auf seinem Gute untergebracht, wo sie Jahr aus Jahr ein wohnen und wie eine große Familie leben. Die Mahlzeiten werden gemeinschaftlich eingenommen und tägliä) versammeln sick) die Mitglieder des Chores in der großen Musikhalle deS d'Agröneff'schen Hauses zu gemeinschaftlichen Sanges- übungen. Auf diese Weise ist es möglich, das Repertoir zu ergänzen und zu vergrößern. Von Zeit zu Zeit werden von Twer aus dann kürzere und weitere Concertausflüge unternominen, von denen gewöhnlich eine große Anzahl wohlthätigen Zwecken gewidmet wird. In den Chormitgliedern tritt selbstverständlich manchmal ein Wechsel ein, da d'Agrsneff sein Unternehmen schon im Jahre 1870 gegründet hat und zum ersten Male mit seinem Chore gelegentlick) der großen russischen Ausstellung im Jahre 1872 zu Moskau öffentlich nnfgetreten ist. Sonst ist die Capelle außerhalb ihres Vaterlandes vor einigen Jahren in Konstantinopel und später in Amerika gewesen, woselbst sie 300 Conccrte gegeben hat. Vermischtes. Darmstadt, 6. Februar. Der Verknust des Großh. Palais- auf der Zeil in Frankfurt a. M. ist gestern perfect geworden. Die Kaufsumme beträgt 800,000 at. Berlin, 8. Februar. Der Tischler Schunicht, welcher im Mai v. I. die Wirthschafterin Weber ermordet und beraubt hatte, ist heute früh 7^/z Uhr im Moabiter Zellengefängnisse hingerichtet wordem r—wm un i »fiBiRrr i _i !■ ir.nwBTi r. m i ■! »w I» ,1I n—im >i tn ■ ■T»rBniTWBwwwTariTWMBWTwr~TTirrnTwwmmnwBMWTiTBMiHM m—fmu—ummw—ti Handel und Verkehr. Gießen, 9. Februar- Auf dem heutigen Markt kostet Butter per Piund 0.90—0 95, Hühnereier 2 Stck. 13—0 Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 5—8 L, Kasematte 3—0 Erbsen pr. Liter 22 Linsen 30 Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Hühner per Stück T- M. Schulhof, Gießen 249] Cautionsfähige Auswanderungs-Agenten gesucht für Bremen, Hamburg und Aitt- merpen von C. G. Büsing jr., _____________Generalagent in ÄLlSfeld. Köchin. Zum Eintritt am 1. März wird eine tüchtige zuverlässige Köchin mit besten Zeugnissen und Empfehlungen gesucht von _ Frau Carl Buderus, <92______________ Ludwigstraße 68. 908] Jüngerer Laufbursche gesucht. ___Neuen Bäue 11. 605 Für mein Medicinal-, Droger,-, Chemikalien- und Farben - Geschäft suche ich auf sofort oder später einen mit den nötlsigen Schulkennlnissen versehenen jungen Mann aus guter Familie als ___Dito Schaaf, Seltcrsweg 39. 521 Borri einer hiesigen Cr- garren-Fabrrk wird ein mit gMerr Schul-Zeugnissen versehener junger Mann als Lehrling gesucht. Schriftliche Offerten snh t des die Exp. d Bl. ^hmiäiÄparatiireo besorgt prompt und billig WilGraf, Mechaniker, 747 Schloßgasse 17. A. Scheyda- — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Ffi. Ehr. Pietsch) in Gießen.