Donnerstag den 9. December Zweites Blatt Nr. 287 1886, nzerger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlob«. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Drrreonr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Lusvahme des Montag-. en. :in 2t(WeI wn IdSt aus diesem Wirrwarr zu entkommen; doch ist, wie gesagt, über die Entschließungen Gröoy's noch nicht das Geringste bekannt. Das wäre eigentlich für Meister Boulanger eine prächtige Gelegenheit zu einem kleinen Staatsstreiche! Daß die gegenwärtige Krisis im französischen Ministerium für die auswärtigen Angelegenheiten der Republik Angesichts der Schwierigkeiten der europäischen Lage den maßgebenden Kreisen in Paris nichts weniger als paffend kommt, ist klar. Speciell droht stch gerade im jetzigen Augenblicke die egyptlsche Frage zu verschärfen. Dem Londoner „Observer" zufolge soll die englische Regierung der sranzöstschen eröffnet haben, daß sie zur Zeit nicht in der Lage sei, in Eröffnungen Über einen Termin für die Räumung Egyptens einzmreten. Auch müffe sie jeden Vorschlag bezüglich einer Reutralisirung des Suezkanalü ablehnen, welcher die Verbindung Englands mit Indien über Suez in irgend einer Weise zu stören geeignet sei. — In Frankreich wird diese kühle Abfertigung der sranzösischerseits bezüglich Egyptens erhobenen Forderungen um so empfindlicher berühren, als erst kürzlich Ministerpräsident Freycinet in der Deputirtenkammer die Regelung der egyptischen Angelegenheiten als eine In- teressenfrage ersten Ranges für Frankreich erklärte. Wett, Universität- - Chronik. Berlin, 6. December. 5357 Studirende besuchen im gegenwärtigen Winterhalbjahr die Universität Berlin. Es ist damit weitaus die höchste Ziffer in dem Personalbestände einer deutschen Hochschule erreicht. Neu immatrikulirt wurden nicht weniger als 2230 Studenten, während der Verlust am Ende des vergangenen Semesters nur 1164 betrug. Die gegenwärtige Frequenz ist um 1066 stärker als die im Sommerhalbjahr und übertrifft auch das letzte^ Wintersemester um 165. Interessant ist die Vertheilung auf die einzelnen Fakultäten: Von unseren 5357 Studenten gehören 794 zu den Theologen, 1282 zur Jurisprudenz, 1297 zur Medicin und 1984 widmen sich den verschiedenartigen Wissenschaften, welche im Schootze der philosophischen Fakultät friedlich vereint sind. Preußen stellt insgesammt ein (Kontingent von 4062 (neu im- matrikulirt 1476), die übrigen Bundesstaaten des Reichs sind mit 740 vertreten. Von den 4062 Preußen studiren 629 Theologie, 945 Jura, 1025 Medicin und 1463 „Philosophie". Unter den Letztgenannten sind 715 aus Gymnasien und 402 aus Realgymnasien hervorgegangen, 346 (also fast der vierte Theil) haben überhaupt kein Zeugniß der Reife. (Bekanntlich müssen dieselben innerhalb dreier Semester nachträglich der Prüfung sich unterwerfen. Politische Ueberficht. Gießen, 8. December. Stehen wir wirklich am Vorabende kriegerischer Ereignisse? Fast möchte man dies nach den Reden des preußischen Kriegsministers und des Grafen Moltke in der Generaldebatte des Reichstages über die Militär-Vorlage annehmen. Aus beiden Reden klang ein hochernster Ton heraus, welcher geeignet erscheint, die allerdings auch nur reseroirt ausgesprochenen Friedens-Hoffnun- gen der deulfchen Thronrede bedenklich abzuschwächen. Namentlich hat dies von den Ausführungen zu gelten, mit denen Graf Moltke in seiner knappen, klaren Weise für die vollständige Annahme des neuen Septennats-Gesetzes eintrat. Mit dürren Worten erklärte es der berühmte Heerführer geradezu heraus, daß die militärische Rüstung, welche Europa nun feit 15 Jahren trägt, nachgerade zu einer furchtbaren Last geworden ist und daß überhaupt die politische Lage zu einer Entscheidung dränge. Klar zielte hierbei der greise Feldmarschall auf da» Verhältniß zwischen Deutschland und Frankreich hin und selten ist es wohl von einer solchen Autorität so offen ausgesprochen, daß wir nur einen Scheinfrieden mit unseren westlichen Nachbarn haben. Moltke vermied es hierbei, der deutsch-russischen Beziehungen zu gedenken, aber daß der große Stratege vielleicht bester al» alle Anderen weiß, was uns von unserem östlichen „Erbfreund" droht, bedarf wohl keiner besonderen Versicherung. Bezüglich unfires Bündnisses mit Oesterreich'Ungarn bemerkte Moltke, daß er dasselbe zwar sehr schätze, daß aber ein großer Staat doch nur durch seine eigene Kraft existire und dies klingt beinahe, als ob wir uns unter Umständen allein gegen Frankreich und Rußland schlagen müßten. Diese ernsten Ausführungen und Andeutungen des greisen Feldmarschalls fanden in der Samslags-Rede des Ministers Bronsart v. Schellendorf ihr entsprechendes Echo und die Versicherung des Kriegsministers, er roeroe in der Commission unter dem Siegel der Verschwiegenheit die von ihm schon vorher in Aussicht gestellten wichtigen Mittheilungen über die Dringlichkeit der neuen Militär-Vorlage geben, kann die Anschauung nur bestärken, daß die Lage eine gespannte ist. Da ist es nun allerdings erfreulich, constatiren zu können, daß die zweitägige Generaldebatte über die neue Militär-Vorlage über den patriotischen Geist im Reichstage keinen Zweifel gelaffen hat. Die Redner der regierungsfreundlichen Parteien wie des Centrums und der freisinnigen Partei begegneten sich in der Meinung, daß erforderlichen Falls die schwersten Opfer für die Sicherheit des Vaterlandes gebracht werden müßten. Selbst der Socialdemokrat Grillenberger erklärte, daß feine Partei nötigenfalls gern die Mittel zur Abwehr eines feindlichen Angriffes bewilligen würde, wenngleich diese seine Erklärung mit der nachfolgenden vom genannten Redner abgegebenen Erklärung, daß seine Partei gegenüber den Forderungen der Militär-Vorlage den Standpunkt des non possumus einnehme, in einem seltsamen Widerspruche steht. Diese patriotische Einmüthigkeit der Reichstags-Parteien berechtigt zu der Er- avartung, daß der zwingende Ernst der Verhältniffe dos meiste dazu beitragen werde, die scharfen bezüglich der Vorlage bestehenden Meinungs-Verschiedenheiten zu überbrücken und das wird freilich ein hartes Stück Arbeit sein! Das Cen- trutn will weder von einem Septennat, noch selbst von einem „Quinquenniat" etwas wiffen, die freisinnige Partei fordert die nur einjährige Festsetzung der Präsenzstärke und daneben die zweijährige Dienstzeit und die rein finanzielle Seite der Frage birgt noch besondere Schwierigkeiten in sich — tns wird da allerdings schwer halten, die Forderungen der Regierungs-Vorlage mit denen der Opposition in Einklang zu bringen. Hoffentlich beherzigt die Commission, in welcher bis auf Weiteres der Schwerpunkt der Milttärfrage ruht, bei ihren Verhandlungen über die Vorlage den Ausspruch Moltke'S: Daß diejenigen, welche die Vorlage ablehnten, hierdurch die Verantwortung für die Gefahren einer feindlichen Invasion In Deutschland übernehmen würden. Die Aeußerung des preußischen Finanzministers in der Sitzung M Reichstages vom 30. v. Mts., wonach der Ausfall in der Börsen- steuer Defraudationen zuzuschreiben sei, ist zum Ausgangspunkte einer Ent- rüstungr-Bewegung in der deutschen Börsen- und Handelswelt gegen Herrn v Scholz geworden. Der Minister hat sich nun zwar beeilt, den Eindruck seiner Worte möglichst abzuschwächen, aber man verlangt in Börsenkreisen eine voll- ständige Genugthuung und erwartet, daß Herr v. Scholz im Fortgänge der Etatsberathung seine bezüglichen Aeußerungen rectificicen, resp. zurücknehmen werde. Angenehm ist ein solches »pater peccavi“ für einen Minister ’reiI'%"n4granfrei4 hat die Demission de« Cabinets Freycinet ein vollständige» politische» Chaos heroorgerusen. Die republikanischen Gruppen unterhandeln miteinander über die Bildung einer „festen" Regierungs-Mehrheit — ein Gedanke, den man Angesichts der seltsamen Wandlungen, welche die republt. konisch- Mehrheit der Kammer zum Besten giebt, nur belächeln kann. lieber bie Entschließungen des Präsidenten Grsvy verlautet noch gar nichts Posi- tioe- Lerr Grävy soll durch den Tod seiner Vertrauten, de- Generals Piltiö, Cbei'd-r militärischen Kanzlei des Präsidenten, ganz niedergebeugt sein und beißt er er wolle erst nach dem Begräbnisse Pittls'r der Frage der Neubildung der Cabinets näher treten. Freycinet hat bis jetzt alle Versuche, ihn zur Zu- rücknahme der Demission zu bewegen, entschieden zuruckgeuuesen und erörtert man bereits allen Ernstes die Bildung eines radrkalen Cabinets unter Clemen- mr natürlich würde ein solcher noch weit mehr em bloßer Verlegenheitr. Ministerium, als alle bisherigen Ministerien, sein. Unter solchen Umständen bietet sich die Kammerauflösung in der Thal als der einzige Ausweg dar, um xit ModenwelU XöiUttt Md HM» dTbeütn. Monatlich 2 Nummern. PrA vierteljährlich -- 75 tir. Jährlich erscheinen: 24 Ammern mit Ni» letten u.HandarheG enthaltend gcgenM ch Abbildungen mlt Bv WKL sss M- Mdlunge" M fi»* bkeUer,8i73 jÄf* I Mittwoch Abend', ZM'' stip^ i. Darmstadt, 6. December. Der „VereinKunstfreund" hielt am Freitag Abend in seinem Vereinslokale (Alte Post) unter zahlreichster Betheiligung von Vereinsmitgliedern und Gästen seine diesjährige Generalversammlung, die zweite seit Bestehen des Vereins, ab. Der Vorsitzende, Herr Postsecretär Heyer, konnte in seiner trefflichen Eröffnungsrede, in welcher er die Anwesenden mit herzlichen Worten willkommen hieß, ein erfreuliches Bild von der Wirksamkeit und dem Gedeihen des jungen Vereins, der sich mehr und mehr der Anerkennung, namentlich in den Künstlerkreisen unseres Landes erfreut,.entrollen. Binnen noch nicht zwei Jahren ist es dem „Kunstfreund", dessen Zweck es bekanntlich ist, die hessischen Maler, insbesondere junge aufstrebende Künstler durch Ankauf ihrer Werke zu unterstützen und zu fördern, gelungen, an 100 Mitglieder an sich zu ziehen; die Rede des Herrn Vorsitzenden schloß mit einem warmen Gedächtnißrufe an die zwei verstorbenen Mitglieder des Vereins, den Herren Hauptmann Wagner und Consul Förster, zu deren Ehren sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Alsdann trug der Schriftführer des Vereins, Herr Ludwig Trier, den Jahresbericht vor. Derselbe führte gewissermaßen in Zahlen das Bild, welches der Vorsitzende entworfen, weiter aus. In der kurzen Zeit seines Bestehens hat der „Kunstfreund" nicht weniger als rund 1700 zum Ankauf von Bildern verwendet, — gewiß ein vielversprechender Anfang! Der Bericht gab weiter Kunde von der Thätigkeit des Vorstandes in 12 Sitzungen und der 9 Monatsversammlungen des Vereins. In gleicher Weise lieferte der nun folgende Kassenbericht des Herrn Ernst Permann sehr befriedigende Resultate über den finanziellen Stand des Vereins, dessen actives Vermögen jetzt schon über 300 JL, als dem zehnten Theile des vorerst anzustrebenden Kapitals zum Ankauf größerer und bedeutenderer Kunstwerke, beträgt. Die Wahl der statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder hatte das Ergebniß, daß einstimmig Herr Postsecretär Heyer wieder und die beiden Herren Redacteur Simon und Gymnasiallehrer Lerch ebenfalls einstimmig neu gewählt wurden. Herr Reallehrer Heiß hatte seine Wiederwahl abgelehnt. Bei der Wahl eines Mitgliedes in die Sachverständigen-Commission wurde mit Einstimmigkeit Herr Hofbildhauer K. Scholl als Ersatzmann des verstorbenen Herrn Wagner bestimmt und freudigst begrüßt. Es folgte dann die Verloosung von 17 Oelgemälden und zwar so, daß statutengemäß auf je 5 bezw. 4 Mitglieder ein Bild entfiel; dieselbe war reich an heiteren ©eenen und verlief unter genauer Controls von 4 Vereinsmitgliedern in fröhlichster Stimmung. Unter den verloosten Oelgemälden befinden sich sehr gediegene Bilder, die ebensowohl in ihrer technischen Bearbeitung wie in der Auffassung Kunstwerke im vollsten Sinne des Wortes genannt werden können; für deren Auswahl wurde dm Herren Sachverständigen allseitige Anerkennung zu Theil. Es sind ihrer folgende: „Im Hinterhalt", gern, von Geringer, „Studienkopf" von Jung, „Pferde im Bach" von Frey, „Frühlingsmorgen" von Polck, „Frachtstück" von Schmidt. „Zerbrochene Pfeife" von Leisler, „Kälber am Wasser" von Graetz, „Heuernte" von Deuchert, „Königssee" von demselben, „Partie bei der Rothenburg" von Schlegel, „Neckereien" von Schornbeck, „Verliebter Jäger" von demselben, „Winterlandschaft" von v. Stademann, „Angelpartie" von Graetz, „Pferde auf der Weide" von Beringer, „Erntelandschaft" von Deuchert und „Wichtelmännchen" von Schlitt. Die Gemälde waren im Lokale aufgestellt; außerdem 5 vorzügliche,, dem Verein von den Herren Professor Löffz und Stürtz daselbst gewidmete Kupferstiche (beide Künstler sind bekanntlich geborene Darmstädter). Einer der Kupferstiche wurde zum Besten der Vereinskasse verloost. Noch sei erwähnt, daß treffliche Erzeugnisse von Marmormalereien 2c. von Herrn Zimmermaler Otto Stier aufgestellt waren, welche, dem künstlerischen Streben und Können dieses Herrn, der hier als der beste seines Genres ist (bisher mußten die Prädikate von auswärts bezogen werden) das beste Erzeugniß aufstellen und seine warme Empfehlung rechtfertigen. An die Verloosüng schloß sich eine gesellige Unterhaltung, in welcher es an Toasten auf den Vorstand des Vereins u. s. w. wie an musikalischen und declamatorischcn Vorträgen nicht fehlte und die die Anwesenden noch lange in gemüthlichster Stimmung zusammenhielt. ÄentMr fbleiulbn Koeln. ibT * 8 fr: . M 8806 Vorstand. t den nöihigen Versehener junger Mm ijgem Eintritt in du -eschLst in die Lckc ne Offerten find hei btt l; 6ai verbreitetste aller außerdem er» . igen in Ms fremdes Allgemeiner Anzeiger •e®®e®eeeeeei@®eeeee@eeeoe 8171 r bei ab# OGGOOGGOGGOIOGOOGGOGOOGG 8365 M ir u Angekleidete Puppen, Puppengestelle in Stoff u. Leder, Gelenkpuppen in allen Größen, Puppenköpfe in Patentmaffe und Porzellan mit und ohne Frisuren, — Die Production edler Metalle nimmt in Californien ab und wenn nicht neue Entwickelungen statlfinden, wird diese Abnahme keine unbedeutende werden, da in Folge einer gerichtlichen Entscheidung der Vereinigten Staaten das hydraulische Miniren nun untersagt ist, denn die Flüsse sind von solchem Schutte schon vielfach aufgefüllt worden und haben dann die Errichtung kostspieliger Dämme zum Schutze der Thal - Ländereien gegen Ueberschwemmungen nothwendig gemacht, welche sich bei starkem Regen oft auch noch als unzureichend erwiesen haben. Diese gerichtliche Entscheidung ist daher von Wichtigkeit, da sie dem hydraulischen Miniren ein Ende macht. Eine Partie Reste außergewöhnlich billig. F. Holberg, Kirchenplatz 8 „ Regenmäntel von 6 Mk. an Kinder Regenmäntel von 2.50 Mk. an eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach genau anzufertigen. Arme und Beine, Schuhe und Strümpfe, sowie sämmtliche Puppenwäfche, als Hemdchen, Röckchen, Höschen, Schürzen, und gehäkelte Kleidchen in allen Größen. Puppenhüte re. 835.3 ,, _ — An den Nachwehen von Lungen- und Rippenfell-Entzündungen geht so manches Leben zu Grunde, das noch länger häkle bewahrt werden können, wenn diese Nachwehen mit den geeigneten Mitteln behandelt worden wären. (So starb erst vor Kurzem ein hervorragender Staatsmann. Graf B., an den Folgen einer derartigen Entzündungtzkrankheit.) Zu den bestbewährten Mitteln, die Residuen von Lungen- und Ripvenfell - Entzündungen zu beseitigen, gehört aber anerkanntermaßen der Gebrauch der Sodener Mineralquellen, bezw. der aus den wirksamsten dieser Quellen gewonnenen Sodener Mineral-Pastillen, welche unter officieller ärztlicher Controlle des königl. Sanitätsraths Herrn Dr. W.Stöltzing angesirtigt, den Patienten und Reconvalescenten überall durch die besten Apotheken h 85 per Schachtel zugänglich gemacht werden. 8440 Teppichen. 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