Nr. 23S Samstag den 9. Oktober 1886 7091 Vrrrearrr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. 63 IIL Gießen, den 7. October 1886. Politische Ueberfkcht. Gießen, 8. October. *ra tbert, m (Israel.) hohen Lohn ?rten an die Berlin, 7. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." kann bestimmt mittheilen, daß die Zeitungsnachrichten, wonach an Stelle des Mtlitärseptennats irgendwelche andere gesetzliche Grundlage für die Heeresstärke treten soll, auf willkürlichen Erfindungen beruhen. Im Schooße der Regierung hätten keine Erwägungen und Verhandlungen nach dieser Richtung hin stattgefunden. — In dem Proceß gegen den Maurer Müller und fünf Genossen wegen Ausschreitungen gegen mehrere Gensdarmen gelegentlich eines am Himmelfahrttage nach Grünau unternommenen Ausflugs und wegen dabei begangenen Landfriedensbruchs verneinten die Geschworenen alle Schuldfragen. Die Angeklagten wurden demzufolge freigesprochen und in Freiheit gesetzt. Zur Begründung der von mir gestellten Anfrage erlaube ich mir, auf die bei erwähnter Berathung des Budgets, und zwar tndirecte Abgaben betreffend, stattgefundenen Verhandlungen beider hessischen Kammern hinzuweisen. , welches < findet ahme btt Unterdessen gehen in Bulgarien selbst ernste Dinge vor sich. Ungeachtet der brutalen Erklärung des Generals Kaulbars, Rußland würde die Wahlen zur Sobranje wie deren Beschlüsse als null und nichtig betrachten, sind von der Regentschaft die Wahlen zur großen bulgarischen Rattonal-Versammlung auf nächsten Sonntag bestimmt festgesetzt worden. Hat schon die Ablehnung Neuerdings ist viel von Reformen aus dem Gebietendes juristischen Studiums die Rede und soll es sich bestätigen, daß sich diese Reformen nicht nur aus Preußen, sondern auch auf das Reich erstrecken werden. Dagegen soll es mit der gleichfalls angekündigten Reform des Medictnalwefens in Preußen noch gute Wege haben. Laut Bekanntmachung des preuß. Cultusministeriums ist das theologische Studium am Klerikal-Seminar in Fulda dem Universitäts- Studium gleichzustellen, worin man den ersten praktischen Ausfluß des neuen Kirchengesetzes zu erblicken hat. Der langjährige deutsche Militär-Bevollmächtigte in Petersburg, General v. Werder, hat am Mittwoch die russische Hauptstadt verlassen, um seinen neuen Posten als Gouverneur von Berlin anzutreten. General v. Werder hat sich während seiner Wirksamkeit in Petersburg die aufrichtigsten Sympathien der dortigen Hoskreise zu erwerben gewußt, wovon u. A. die Widmung eines kostbaren Schreibzeuges Seitens des kaiserlichen Gefolges an den scheidenden General Zeugniß ablegt. Als Nachfolger v. Werders wird mit ziemlicher Bestimmtheit Flügeladjutant Oberstlieutenant .v. Villaume, zur Zeit erster Militär-Attache bet der deutschen Botschaft in Paris, genannt. Erhebungen anstellen lassen, welches Resultat haben dieselben ergeben und wird dem jetzigen Landtage über fragl. Gegenstand wohl noch ein bezüglicher Gesetz- Telegraptzische Depesche«. B0in Mw. Ts»Mvo«dem-Vmeea«. derjenigen Forderung, auf welche Rußland den meisten Werth legte, eben der v Verschiebung der Sobranje-Wahlen, den Riß zwischen Bulgarien und Rußland Eine Begegnung, die in voriger Woche zwischen dem'deutschen Kron- erweitert, so ist dieser Riß durch die am Sonntag in Sofia stattgefundene anti- ~ ~ ~ * ' . - । russische Volksversammlung, auf welcher Kaulbars eine so eigenthümliche Rolle spielte, nur noch erweitert worden, und die Agitationsreise, welche der russische General durch Bulgarien angetreten hat, wird die Beziehungen zwischen Petersburg und Sofia schwerlich verbessern. General Kaulbars will nach Beendigung seiner Rundreise Bulgarien wieder verlassen und dies ist für die Erhaltung der freundschaftlichen Beziehungen Rußlands speciell zu Oesterreich vielleicht sehr gut, denn das hochofficiöse Wiener „Fremdenblatt" verurtheilt ganz offen das Auftreten Kaulbars. Kommenden Donnerstag den M. diese- Monat-, Nachmittag- 2 Uhr, soll eine Generalversammlung de- land- wirtbschaftlichen Bezirk-Vereins Gießen in Lich in der Turnhalle daselbst stattfinden. In dieser Versammlung hält Herr Hofgärtner Noack von Darmstadt einen Bortrag über Obstverwerthung. Im Anschluffe an diesen Vortrag wird in der Versammlung ein Dörrofen neuester Construction aus der Eisengießerei von Röder in Darmstadt in Betrieb gesetzt und erklärt. Diesen Ofen (im Werthe von 200 JL} kauft der landwirthschaftliche Verein zum Zwecke der Verloosung unter die Anwesenden an. Das Nehmen der Loose soll jedem Anwesenden, nicht blos den Vereinsmitgliedern, gestattet, und dem Gewinner nur die Verpflichtung auferlegt sein, nach Möglichkeit jedem Interessenten Einsicht dieses Ofens zu gestatten. Der Preis eines Looses ist auf 50 festgesetzt. Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hiermit freundlichst eingeladen. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Nover. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf. entwurf vorgelegt werden?" wLsck. Imcr' eoT^t He 36 ui. SfjSimTr [Me 45. kann so- man«, ucht, kann licher M pfiehlt * "•& Ule, durchs MS Der Director des landwirthschaftlichen BezirksvereinS Gießen an die Herren Bürgermeister de- Kreise-. Ich ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung auf geeignete Weise zur Kenntniß Ihrer Gemeindeangehörigen zu bringen und dieselben auf diese wichtige Versammlung noch besonders aufmerksam zu machen. Nover. Die bulgarische Frage bildet fort und fort das A und O aller Betrachtungen, Erörterungen u. s. w. nicht nur in der europäischen Journalistik, . .... w.. Vv.w.» VVi, .^uupuuvc w sondern auch in der europäischen Diplomatie. Auf die Erklärungen Tisza'S schlüffen — in Erwägung gezogen, beziehungsweise hat dieselbe über diese Frage über die bulgarischen Angelegenheiten ist nun — gewissermaßen als Echo — die Rede Lord Churchill's in Drathford über dasselbe Thema gefolgt und der halb und halb kriegerische Ton, den der englische Schatzkanzler in seiner Rede anschlug, hat allgemein Beachtung gesunden. Auch in Petersburg kann man sich diesem Eindruck der Churchill'schen Aeußerungen nicht ganz entziehen und das officiöse „Journal de St. Petersburg" widmet denselben einen langen Artikel, dessen ironisirender Ton doch nicht verbergen kann, daß man in Petersburg über die selbstbewußt klingende Rede Churchill'- Aerger empfindet. Das bisherige Verhalten Englands in der ganzen bulgarischen Frage erlaubt es freilich, dem pomphaften Auftreten des englischen Ministers gegenüber das ironische Wort Mephisto's anzuwenden: „Wozu der Lärm? Was steht dem Herrn zu Diensten?" Der Unterzeichnete erlaubt sich an Großh. Ministerium der Finanzen die Anfrage zu richten: „Hat Großh. Staatsregierung die Frage der Besteuerung der Weineinlagen von Privaten — entsprechend den bei Berathung des Budgets im Frühjahr 1885 von beiden Kammern der Landstände gefaßten Be- aue 17 « , rr-O^vart. ■iS57* 'jtoSrotg 26. j; Stocks Prinzen und dem Grasen von Parts in Genua stattgesunden hat oder haben soll — eine officiöse Mittheilung liegt hierüber allerdings nicht vor — ist namentlich in französischen und englischen Blättern mit einem gewissen Nachdrucke hervorgehoben worden. Speciell der „Standard" weist auf die zwischen beiden Fürstlichkeiten bestehenden verwandtschaftlichen Bande hin und sagt hierbei allerdings, daß letztere das Zusammentreffen erklärlich machten. Alsdann meint aber das englische „Tory-Blatt", es sei immer behauptet worden, die Thronbesteigung des Grafen von Paris würde das Signal zu einem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland geben. Der deutsche Kronprinz und das Haupt der königlichen Familie von Frankreich hätten nun offenbar durch ihre Zusammenkunft der Welt zeigen wollen, daß die früher zwischen ihnen bestandene Freundschaft so stark sei, wie jemals und es spreche demnach ihre jetzige Begegnung gerade nicht für die erwähnte Behauptung. — Ob die Freundschaft zwischen dem deutschen Thronfolger und dem orleanistischen Thron-Prätendenten wirklich eine so innige ist, wie der „Standard" andeutet, mag dahingestellt bleiben; jedenfalls sind die Schlüffe, welche das englische Blatt aus der angeblichen Zusammenkunft der beiden fürstlichen Persönlichkeiten zieht, sehr willkürlicher Art und lohnt es sich nicht, ihnen besonders entgegenzutreten. «eigen. r S5(fe tragen rnn, wird für H. Pianlrro « C.T.3arc tten Lohn rüher ein elches gut 7028 r>. Bl. imes Mäd- und gute; gftraße 1- _ 'ucht. :aße 29. Hach längerer Pause werden aus Frankreich wieder Ruhe- störunM Seitens der Arbeiter gemeldet. Der Schauplatz derselben war diesmal Vierzon, wo schon längere Zeit ein Strike unter den dortigen Gruben- Arbeitern im Gange ist. Als am Dienstag die Werkstätten der betreffenden Gesellschaft wieder eröffnet werden soAen, widersetzten sich die Strikenden der Wiederaufnahme der Arbeiten, so daß die Gensd'armerie einschreiten und mehrere Verhaftungen vornehmen mußte. Unter den Verhafteten befindet sich bezeichnender Weise auch Herr Baudin, radikales Mitglied des Generalrathes der Seine-Departements; Baudin hatte die ganze Kundgebung überhaupt erst „arrangirt." Das Stillleben der englischen Opposition hat soeben eine kleine Unterbrechung aus dem Munde Gladstone's erfahren. Der Ex-Premier empfing Deputationen der städtischen Behörden von Cork-Limerik und Waterford, die ihm das Ehrenbürgerrecht der genannten irischen Städte überbrachten und wobei Gladstone äußerte, nur die Hoffnung, die irische Frage noch mit regeln zu können, halte ihn davon ab, sich vom öffentlichen Leben zurückzuziehen. Die irische Nationalpartei wird nicht verfehlen, aus dieser Gladstone'schen Aeuße- rung neues Kapital für ihre Agitationen zu schlagen. Der Begnadigungsfturm, der in der spanischen Hauptstadt zu Gunsten der zum Tode verurtheilten Führer des verunglückten Militär-Aufstandes in Scene gesetzt worden war, hat den gewünschten Erfolg gehabt. Eine Madrider Depesche vom 5. October meldet kurz, daß Villacampa und seine Ge- noffen begnadigt worden sind.________________________________ Darmstadt, 6. October. Der Abg. Haustein in Gießen hat bei der zweiten Kammer folgende aus die Besteuerung der Weineinlagen von Privaten bezügliche Interpellation eingebracht: Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. iötr. m kleine e Werk» 703S Sch». Uttttfutw trmuilt- uuöblirtr sofort zu len an die Wien, 7. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 13/2, Oktober. Cholerabullettn. Es erkrankten, resp. starben 38/13 d"sonen. October. In Deputirtenkreisen gilt der Rücktritt des Finanz- ministe^ Sadt Carnot wegen fortdauernder Meinungsverschiedenheit mit der Wubget; ES1„iStunwowietal^. Das „Journal des Debats" sagt, der Minister halte an dem ausgestellten Budget fest, während die übrigen Minister jedweder Aenderung desselben nicht entgegen seien. _ Die Abendblätter erklären es für unrichtlg, daß der spanische Botschafter die Ausweisung horilla's verlange und daß die Regierung nicht gewillt sei, dieselbe luniaeftehen Uebrtgens habe Zorilla keinerlei politische Kundgebung unternommen, welche die Auslieferung rechtfertige. — Freycinet besuchte heute das griechische Konigspaar. London, 7. October, Bezüglich der Reise Lord Randolph Churchrll's nach dem Continent wird dem Reuter'schen Bureau von competenter Seite versichert es handle sich dabei nicht um diplomatische Angelegenheiten, die m irgend einer der Hauptstädte des Festlandes zu erledigen wären. Churchill unternahm vielmehr die Reise l^i.^Octob er!W ie^verlautet, haben fünf Minister demissionirt und sei Lopez Domingue- zur Königin berufen, um mit derselben zu conferiren. Suakim, 7. October, sMeldung des Reuter'schen Bureaus.) Den Engländern befreundete Eingeborene erstürmten heute Morgen nach ernsthaftem Kampfe Tamar, einen ehemals befestigten Platz Osman Digma's. Die Rebellen verloren 200 Todte, viele Verwundete und mehrere Gefangene. Der Neffe Osman Digma's ist unter den Todten. Der Verlust der befreundeten Eingeborenen betragt 20 Todte und 20 ^wundete. Stober. Bei den Wahlen zu den Staatsämtern in Georgia haben die Demokraten gesiegt; ihr Candidat für den Gouverneurposten, General Gordon, wurde gewählt; ebenso haben sie die Majorität in der Staatslegrslatur. Lokale-, Gießen, 8. October. Vielfachem Wunsche zu begegnen, bringen wir in Nachstehendem bie Bedingungen für den Bezug von Wasser aus dem Wasserwerk der Stadt Gießen zur Kenntniß der Leser: 8 1. Das Quantum des Wassers, für welches Zahlung an die Stadl zu leisten ist, wird durch'Wassermesser bestimmt. § 2. Die Ausführung der Abzweigung vom Hauptrohr, die Zuleitung bis in das Grundstück, die Lieferung und Anbringung des Wassermessers und des Hauptabsperrhahnes geschieht von Seiten der Stadt auf Kosten des Antragstellers, die Zuleitung nebst Wassermesser und Haupthahn bleibt Eigenthnm der Stadt. Dieselbe besorgt, soweit die Zuleitung rc. nicht im Innern des Hauses liegt, die Unterhaltung und Reparatur auf eigene Kosten, während Unterhaltung und Reparatur der im Innern des Hauses gelegenen Theile der Zuleitung, sowie des Wassermessers und des Haupthahnes auf Kosten der Besitzer erfolgt. 8 3- Das Weiterführen der Leitungen innerhalb der Hauser und Grundstücke bleibt den Consumenten überlassen. Dieselben sind jedoch hierbei an die von der Stadt für diese Ausführungen zu erlassenden Bestimmungen gebunden. e 8 4. Der Wasserconsument ist dafür haftbar, daß das Wasser nur in den Grenzen feiner Besitzung verwendet werde. Wasserabgabe an nicht auf dem Grundstück wohnende Personen ist untersagt. 8 5. Für den Wasserverbrauch wird jeder Kubikmeter vorläufig mit 40 berechnet. Als Mindestbetrag des jährlichen Verbrauchs wird jedoch berechnet: für ein Gebäude von einer Familie bewohnt 30 „ „ „ „ zwei Familien bewohnt 40 „ „ „ „ drei und mehr Familien bewohnt 50 „ Die Zahlung ist mit Ablauf des Quartals fällig. 8 6. Für die in 8 1 gedachten Wassermesser hat der Consument eine monatliche Miethe von 1 JL für einen 20 mm weiten Wassermesser zu zahlen. 8 7. Eintretende Unterbrechungen der Wasserlieferung berechtigen den Con- sumenten zu keinen Ansprüchen an die Stadt. , 8 8. Die Vertheilung des Geldbetrags unter die an der Consumtion be- theiligten Miether oder Pächter bleibt den Interessenten überlassen, da in jedem Grundstück nur ein Wassermesser zur Ausstellung gelangt. Weitere Messer können jedoch von den Wasserabnehmern für die Miether ausgestellt werden. Letztere Messer sind von der Stadt zu beziehen. Das ganze Wasserquantum für ein Grundstück muß indeß durch den der Stadt gehörigen Waffermesser laufen. 8 9. Die Kosten für den Anschluß eines Hauses betragen: 1) Aufgraben des Straßenrohres und Pflasteraufbrechen, 2) Anbringung der Rohrschelle mit Abzweigstutzen und Anbohrhahn, 3) Anbohrung des Rohres, 4) Anbringung des Haupthahnes im Innern des Gebäudes, 5) Zuwerfen des Hauptrohres und Wlederherstellung der Oberfläche, Gesammtpreis = 24 JC, hierzu kommen: 6) pro laufendes Meter, 20 mm weites Bleirohr zu liefern und zu verlegen einschließlich sämmtlicher Erdarbciten und Wiederherstellung der Oberfläche ä 3 60 7) für Durchstemmen eines Fundaments und Vermauern 1 JL 50 8) für Aufstellung eines Wassermessers, incl. Lieferung und Anbringung eines hölzernen Gehäuses, 21 JL. 8 10. Werden von einem Hausbesitzer Zweifel über die Richtigkeit der Angaben eines Wassermessers erhoben, so findet dessen Abnahme und Prüfung statt. Weicht der Wassermesser von der Nichtigkeit zum Nachtheil des Consumenten ab, so wird ihn: für den letzten Monat das zuviel Gezeigte in Abzug gebracht, im umgekehrten Falle das zuwenig Gezeigte nachträglich berechnet. Zeigt der Wassermesser richtig, so hat der Consument die Kosten der Prüfung zu tragen. 8 11. Die Wasserabnehmer haben dem hierzu beauftragten städtischen Beamten jederzeit die Untersuchung der Privatleitung, des Hauptabsperrhahnes und des Wassermessers zu gestatten. Bestimmungen über die Anlage der Hauöeinrichtungen zur Benutzung deS städtischen Wasserwerks zu Gießen. 8 1. Die Ausführung der Wasserleitungseinrichtungen hinter dem Wassermesser ist Sache des Hausbesitzers. Die Wahl des Installateurs für die Errichtung der Hausleitungen ist freigestellt, jedoch wird die Großherzogliche Bürgermeisterei die Namen derjenigen Geschäftsleute öffentlich bekannt machen, welche sich im Besitz der nöthigen Einrichtungen insbesondere Probirpumpe mit Manometer befinden und ferner dieses Regulativ zum Zeichen der Anerkennung unterschreiben. 8 2. Die Leitungen in den Gebäuden müssen so angelegt werden, daß die Temperatur des Wassers nicht unter den Gefrierpunkt sinkt, fie also gegen die Einwirkung des Frostes gesichert sind. Dazu ist erforderlich, daß alle Theile, die außerhalb des Hauses in der Erde liegen, eine Bedeckung von 1,5 Meter erhalten und daß im Innern der Gebäude die Verlegung von Röhren und sonstigen Theilen, abgesehen von Kellern, möglichst in geheizten Räumen, also namentlich in Küchen stattfindet. Die Röhren müssen außerdem mit einer Umhüllung versehen werden. Abzweigleitungen in Waschküchen und Hofräumen sind für den Winter mit besonderer Absperr- und Entleerungsvorrichtung zu versehen. Die Anlage muß gegen äußere Verletzung gesichert fein, weshalb die Verlegung der Röhren zweckmäßig in einem Mauerschlitz geschieht, der mittelst Holzverschalung geschlossen wird. Die Verlegung der Röhren durch Schornsteine, Dung- rc. Gruben ist untersagt. Als Material für die Wasserleitungsröhrcn ist Bletrohr zu nehmen, welches vom besten, zinnfreien Weichblei gefertigt ist und mit einer dünnen Schicht von Schwefelblet versehen sein muß. Die Anwendung von Schmiedeeisenrohr mit galvanischer Verzinkung ist ebenfalls gestattet. Gasröhren sind unter allen Umständen ausgeschlossen. Die Bleiröhren müssen durchaus gleichmäßige Wandstärke und mindestens folgende Gewichte haben: Durchmesser Gewicht pro lfd. Meter 13 mm 2,5 kgr 20 „ 4,10 „ 25 „ 6,6 „ 8 3. Da eine plötzliche Hemmung der Wasserströmung einen Rückstoß auf die Zuleitungsröhren und die daran befindlichen Hähne mit sich bringt, so dürfen zum Abzapfen des Wassers nur Niederschraubhähne oder Ventile, in keinem Fall aber Conushähne verwendet werden. Für Küchenhähne ist eine Dimension von 13 mm immer ausreichend. 8 4. Jede Hauseinrichtung muß, bevor sie von dem Installateur an die seitens der Stadt hergestellte Leitung angeschlosscn wird, einer Prüfung und Probepressung von 10 Atmosphären seitens des betreffenden Installateurs unterworfen werden und zwar in Gegenwart des beauftragten städtischen Beamten. Durch diese Prüfung der Anlage übernimmt die Stadt jedoch keine Verpflichtung oder Garantie für deren Güte und dauernde Haltbarkeit. In dieser Beziehung ist vielmehr der Unternehmer allein dem Auftraggeber verantwortlich. Eingesandt. Gießener Wasserwerk. Da in allernächster Zeit die Einführung der städtischen Quellwasserleitung in die Wohnungen stattfinden soll und nun auch die Bedingungen bekannt werden, unter welchen die Stadt den Anschluß und die Entnahme des Wassers gestattet, so möge es gestattet sein, diese Angelegenheit einer öffentlichen Besprechung zu unterziehen. Der Preis, unter welchem die Stadt das Wasser an Private abgeben will beträgt (vorläufig) 40 Pfg. pro Cbm.; mindestens muß aber von einem Gebäude' welches eine Familie bewohnt, 30 JL, von 2 Familien 40 JL und einem solchen von 3 und mehr Familien bewohnten 50 JL jährlich entrichtet werden. Hierzu kommt noch, abgesehen von den Einrichtungskosten, die Miethe des Wassermessers welcke 12 JL jährlich beträgt. Wir haben die Ueberzeugung, daß die Preise mindestens um die Hälfte zu hoch gegriffen find. Eine uns vorliegende vergleichende Statistik von dem Köuigl. Baurath Salbach führt 33 deutsche Städte auf, in welchen die Vergütung für Wasserentnahme auch nicht annähernd obigen Satz erreicht; als höchste dominirt Wiesbaden mit 25 A pro Cbm. Es mag unter Umständen gestattet sein, einen solch hohen Preis zu verlangen, wenn z. B.'kostspielige Pumpwerke mit bedeutenden Betriebs- und Unterhaltungskosten^ Hochreservoirbauten in flacher Gegend oder sehr lange Zuleitung die Herstellung eines Wasserwerks mit großen Kosten verknüpfte. Wenn man aber, wie hier, in denkbar einfachster Weise das Wasser der Stadt zuführt, so sehen wir keinen Grund, warum ein solch außergewöhnlicher Preis verlangt wird. Die Berechnung des Wasserpreises nach dem Cbm. für den gewöhnlichen Hausgebrauch halten wir überhaupt nicht für die richtige. Will die Stadt sich eine gesicherte Einnahme verschaffen, so gebe sie das Wasser an Private zu einem gewissen Procentsatze des Miethwcrthes der Wohnungen ab. Nehmen wir 3pCt. an, so hätte eine Familie, deren Wohnungsiniethe 500 JL beträgt, jährlich 15 Wassermiethe zu zahlen und eine Wohnung von 1000 JL, deren Ausstattung etwa ein Bad enthält, 30 jL — Nehmen wir nun weiter an, der Grundpreis des Cubikmeter sei 20 so würde für obige Beträge die Wohnung von 500 JL 200 Liter und die von 1000 JL 400 Liter täglich verbrauchen können, ein Quantum, das in Wirklichkeit durchschnittlich kaum erreicht werden dürfte. Wir meinen hierbei selbstverständlich nur den Verbrauch im Innern des Hauses. Springbrunnen, Hydranten. Straßensprenghähne rc. kann man nach Weite der Mundstücke und Sprunghöhe resp. nach Quadratfläche des zu besprengenden Raumes extra tarifiren. Die Abgabe des Wassers für den Gewerbebetrieb hätte nur nach Waffermesser zu geschehen und könnte je nach Verbrauch Rabatt- bewilligung eintreten. Um einer Vergeudung des Wassers vorzubeugen, kann die Wasserwerksverwaltung, analog anderen Städten, Wassermesser zur Controle aufstellen natürlich auf ihre Kosten. Weben der großen Einfachheit obiger Bercchnungswetse bietet dieselbe noch andere Vortheile. Sie stellt das Verhältniß zwischen Miether und Vermiether bezüglich des Wasserbezugs klar. Jeder weiß, was er für sein Wasser zu bezahlen hat und braucht nicht ängstlich an die Zapfstelle heranzugehen, um ja nicht zu viel zu entnehmen und so den eigentlichen Segen einer Wasserleitung in Frage zu stellen. Wie hoch werden sich nun nach oben Gesagtem die Einnahmen der Stadt stellend Soviel mir erfahren, beträgt der tägliche Zufluß von den Quellen ca. 530 Cbm. Nehmen wir an, daß von diesen täglich cn. 400 Cbm. abgegeben werden können (100 Cbm. sollen die öffentlichen Brunnen absorbiren, 30 Lbm. für andere Zwecke), so ergiebt sich bei einem Preise von 20 H pro Cbm. eine jährliche Einnahme von ca. 29 200 Jü Soviel wir wissen betragen die Wasserleitungsarbeiten bis zur jetzt projectirten Fertigstellung rund 160 000 JL und sollten wir denken, daß eine jährliche Einnahme von beinahe 30 000 JL eine recht erkleckliche wäre. Sollten diese letzteren Angaben nicht ganz stimmen, so bitten wir um Berichtigung, allzuviel wird nicht am Ziel vorbeigeschossen sein. Wir sehen voraus, daß uns der Einwand gemacht werden wird, daß, wenn das Wasser zu diesem Preise abgegeben werden soll, am Ende die Leistungsfähigkeit der Quellen nicht Stand hielte. Wir sind der Ansicht, daß eine zu große Ängstlichkeit in dieser Beziehung nicht am Platze ist. Die Erfahrung hat bisher überall gelehrt, daß, wo nicht gerade der Wasserbezug obligatorisch ist, wie z. B. in Köln, kaum die Hälfte der Bevölkerung an der Entnahme des Wassers theilnimmt. Bei uns kommt weiter der Umstand noch hinzu, daß ein Theil unserer Bewohner in den hochgelegensten Stadltheilen, der Druckoerhältnisse halber, an der Leitung überhaupt nicht participiren kann und Militär und Staat werden demnächst ihre eigene Wasserleitungen haben. Sollte jedoch trotz alledem das vorhandene Wasser unseren Bedarf nicht decken, nun, so sind wir ja in der glücklichen Lage, noch mehr Quellen erwerben zu können, welche Angelegenheit wir unserem verehrl. Stadtvorstand und dem technischen Leiter des Unternehmens, Herrn Ingenieur Rosenfeld, oerttauensvoll in die Hände legen dürfen. Wir kommen nun zu einem anderen Punkte, betreff, die Zuleitung von den Hauptsträngen nach den Wohnungen. Wir wollen die in dem Statut aufgestellte Berechnung, nach welcher eine Zuführung von 10 Dieter Länge JL 82,50 kosten würde, weiter nicht bemängeln, zumal sie in ihren Haupttbeilen eine richtige sein mag, sondern stellen uns auf den Standpunkt, daß außer einer Abfindungssumme (etwa JL 25) für jedes Haus, der Anschluß von Seiten der Stadt hergestellt werden muß. Man bedenke, daß die Hausbesitzer für die innere Einrichtung schon Ausgaben genug haben und belaste sie nicht mit solch durchaus nicht gerechtfertigten Kosten, zumal alle Materialien rc. Eigenthum der Stadt bleiben. Soll die Wasserleitung wirklich ein Segen für unsere Stadt fein, fo erschwere man ihren Bewohnern nicht allzu sehr die Benutzung derselben. Wir wollen hoffen, daß die obigen Bemerkungen an zuständiger Stelle eine Beachtung finden mögen und daß bie Wormiiunfl des Wasserpreises eine wesentlich anbere luertien wird, so daß ein billiger Bezug unseres unentbehrlichsten Lebensmittels, bes Wassers, uns zum Segen unb der Stadt zum Nutzen gereichen möge. N. Vermischte-. i}riebbcrg, 3. October. Heute Nachmittag um 4 Uhr wurde der letzte Veterane der Frerhertskriege und älteste Bürger unserer Stadt zur letzten Ruhe geleitet. Wer den alten, in Ehren ergrauten Veteranen, Unter - Adjutant Hasselbaum, uäher kannte, mußte ihn wegen seines schlichten und treuen Wesens achten unb ehren. ?!.^ioener. Zurückgezogenheit verbrachte er, nachbem er 45 Jahre ununterbrochen in hessischen Diensten gestanben, ben Rest feiner Tage feiner Familie wibmend, in unserer Stabt. Am 3. December v. I. feierte er seinen 90. Geburtstag, bei welcher Gelegenheit er burch Geschenke und Gratulationen von Nah unb Fern erfreut würbe. Er nahm Theil an ben Felbzügen von 1814 und 1815, sowie am Ausmarsche nach Schleswig-Holstein im Jahre 1848 unb nach Baben im Jahre 1849. Jtn Jahre 1859 Ww5% r en ca. 530 6bm. werden können andere Zwecke), Einnahme von m bis zur jetzt ß eine jährliche i wir um Be- daß, wenn das igsjähigkeit der lengsllichkeit in lll gelehrt, daß, mm die HäR ; kommt weiter hochgelegensten cht participircn ilungen haben, it bufft nun, ’önnen, welche •n Seiter des Hande legen ana non den foften »uw m°S, f«Ä a F 2o) l»r .. Man be- jlllliol «U( kiW »X ichl oHi'1 Wr r 0lfl' * int „ itr n N1 un» -2 SÄ Li» ln S er; “'.“»ter "v,ieL"°-- Bin, 4^ 5 leJäifje zu Hoch MS ^aden mit 25 ^s zu verlangen 'terhaltungttosten' Herstellung eines ' Mr, m denkbar 1 ®rN, warum Ähnlichen Haus- stch eine gesicherte gewissen Procent: an, so hätte eine 'rmiethe zu Men nthält, 30 JL - so würde für 00 JL 400 Liter chschuittlich kaum en Verbrauch im ne re. kann man iche des zu be- ' Gewerbebetrieb brauch 'Mait; gen, fann bie tole ausstellen, Ibc noch andere i bezüglich des lat und braucht mtnehmen und Einnahmen der u«T sachgemässer und reeller übernimmt unter Garantie Ausführung das ©rofKr $°ften wollene u. wasserdichte Die Einführung der neuen Qtieilwasserfleit Installationsgeschäft von 7015 H. Kostenvoranschläge gratis. Statut, resp. eine Sttftungsurkunde feffaefteiur fnnm^lÄutXn wurde ein Rückzahlung durch Rcntentilgung nach Art der Panhferr^-t^r ac^,t Kapitalien zur und diese Thättgkeii mit 6em 1. Siili 1887 6eaOmen faf,Cn ?^iehm werden b-i d-m deutschen Valle und den Turnern a?« tvnbT^F ^Cn Eerhalt fm Schauturnen der Localvercuie flau Heidjern ein ^am5ta8 Abend Toaste wurden ausgebracht aus Oc. jJiaicftät beit ■mirr8 r 6er ®011™er§ folgte, d-n König Albert von Sachsen den Ausickub 1,1,6 ®e- Majestät Turnerschast", auf das „Deutsche Bündniß mtt Oefterrei*" ®enT^ab 6er deutschen sow e unr ^ellerreich rc. Gesänae dpi- Gattesdienst in -er Lrinasoae w,»d?"Ü7,^ »» Uhr, W Cvrfetts t 6632 Ji Chi 7131 bei 7070 7085 Ein gebrauchtes, gut erhaltenes Herald-Bicycle billig abzugeben. __________________Frankfurterstraße 57. Bühner, Gerichtsvollzieher. Versteigerung von Lumpen u s. w. Nachdem Gasbeleuchtung in unsere Kirche eingerichtet worden ist, solle am Samstag, -en 16. 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Heil, 6734 Lindenplntz. gemacht und sich zienilich wohl und munter T* fci"fn Spaziergang machte Nachts seinem Leben ein plötzliches Ende * ®jn«^^Ia0an^aIt gab ihm das militärische Ehrenaeleite und (Mr^V Veteranen- und Militärverein Frieden ruhen! ^yrerigelette und Ehrenfeuer am Grabe. Möge er in Turnerschaft^," welcherEaus^ 2? Männern au? „Ausschuß der deutschen Oesterreichs zusammengesttztiftSSmS? um Ä" Deutschlands und Deutschreiche Tagesordnung zu erledigen Sb LUr? t fur dieses Jahr recht umfang- Unfallversicherungskassen, für welche viAach^w^ gemeinsamen Ausschusses nickt gefunden und bleibt daher den e meWen ÄGenehmigung des Erlangung einer verkürzten Dienstzeit für weisen Vorbehalten. Zur ständigen Behörden eMgereicht ^/ Das Turnen 5,"» "s1 Werthgegenstände soll für die Folge abgestellt werden 9lls und sonstige deutsche Turnfest wurde München gewählt welckfc;' Ülr das nächste geisterung" sich bereitwillig für die U%erm Bme erHärt hattest J'9l^cnbcr Be- bezw. bie Verwendung der „97attonalfam- . ^^er die Verwaltung, bauschule" gesammelten Gelder zur Unterstützung für Turn^l? „^urnhallen- Statur, re p. eine (SttfhinaSin-hmhP 0^'-^v ?"^hallenbauten 6924 Eine Quantität Mist verkauft- Cyr. Jungblut, Promenadehaus f Bremchvlz in Spalten und auch klein aema^k empfiehlt in trockener Maare $ 144 Arrdr. @ukr. nb e» ■» J‘ ^M5ap* Ssnirmstraße 25. st-H^Musterr^cke?um°AbAickm grät??nr Z-rfü^ng Den Herbst- u. ttiiih-rsloDl-n zeige hiermit ergebenst an. Neue Sueke Frucht und Kartoffeln, 45 und 50 4 das Stück, bei Mühlhausen, Sonnenstraße 1. Kirchliche Anzeige der Stadt «iestea. Evangelische Gemeinde. " Gottesdienst. 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