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Januar 1864 zu Saasen, Kreis Gießen, der förmliche Desertionsproceß eröffnet worden ist, wird derselbe hiermit aufgesordert, sich sofort bei seinem Truppentheil zu gestellen, spätestens aber in dem aus Dienstag den 17. August 1886, Vormittags 9 Uhr, anberaumten Termin vor dem unterzeichneten Gericht zu erscheinen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschloffen und er in eine Geldbuße von 150 bis 3000 Mark verurtheilt werden wird. Darmstadt, den 6. April 1886. Großherzogliches Gericht der Großherzoglich Hessischen (25.) Division. Politische Ueberficht. Gießen, 8. April. Die Frage, ob der Reichstag noch vor Ostern definitiv geschloffen oder aber zu diesem Zeitpunkte nur vertagt werden soll, ist nunmehr in letzterem Sinne entschieden woroen. Vor Ostern sollen noch der Gesetzentwurf, betr. die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten, sowie das Militär- penstons-Gesetz, vollständig fertig gestellt werden, während die zweite Verathung des Unfallversicherungs-Gesetzes für die land- und sorstwirthschaftlichen Arbeiter, in welche der Reichstag am Dienstag eintrat, zur Stunde schon erledigt ist. Außerdem soll noch die Vorlage, betr. die Pensionsverhältniffe des Statthalters von Elfaß-Lothringen nebst einigen Petitionen und der Rechnungs-Commission zuzuweisenden Vorlagen, vor Ostern zur Erledigung gelangen. Falls in den vorn SmioreN'Convent des Reichstages in Uebereinstimmung mit der Regierung getroffenen Dispositionen nicht noch Veränderungen eintreten, erfolgt die Vertagung des Reichstages am nächsten Samstag und wird bis zum 10. Mai währen. Nach den Osterferien würde derselbe alsdann noch das Unfallversicherungs-Gesetz für die land- und sorstwirthschaftlichen Arbeiter, die Preßgesetz- Novelle und die Ackermann'jchen Anträge bezüglich Abänderung ta Gewerbeordnung, vielleicht auch noch diesen und jenen in der Zwischenzeit beim Bundes- rathe noch eingegangenen kleineren Gesetzentwurf, wie z. B. den über den bedingten Ausschluß der Oeffentlichkeit bei den Gerichtsverhandlungen, definitiv zu erledigen haben. Was die neuen Spiritussteuer-Entwürfe anbelangt, so herrscht hierüber noch Ungewißheit; ob sie in der am Sonntag unter dem Präsidium des Fürsten Bismarck stattgefundenen Sitzung des preußischen Staats- mimsteriums endlich fertig gestellt morden sind, muß um so mehr bezweifelt werden, als der Staatssecretär im Reichsschatzamt, Herr v- Burchard, dem die Fertigstellung der neuen Entwürfe hauptsächlich obliegt, plötzlich erkrankt ist. Es heißt sogar, daß die Erledigung der Branntweinsteuer-Frage in der gegenwärtigen Session überhaupt wieder zweifelhaft geworden ist. Der Bunvesrath hat dem Reichstagsbeschluß, betr. die Verlängerung des Socialistengesetzes auf weitere zwei Jahre, seine Zustimmung ertheilt. Die Entscheidung über die kirchenpolitische Vorlage im preußischen Herrenhause wird nun doch noch vor Ostern erfolgen, indem für nächsten Montag, den 12. d. Mts., die zweite Berathung des Entwurfes bestimmt aus die Tagesordnung des Herrenhauses gesetzt worden ist. Erst als- dann steht die Klärung in den kirchenpolitischen Angelegenheiten zu erwarten, -denn eine solche hat auch die am vergangenen Montag abgehaltene Sitzung der kirchenpolitischen Commission des Herrenhauses noch nicht gebracht. Aus oer- sstben ist lediglich die Erklärung des Cultusministers o. Goßler hervorzuheben, wonach Herr v. Schlözer die Mittheilung des Bischofs Dr. Kopp, daß die Kurie zunächst nichts als dis einmalige Anzeige für die bis jetzt vacanten Pfarreien gewähren könne, bestätigt hat. Der Papst sei, nach weiteren Mittheilungen des preußischen Gesandten beim Vatikan, überzeugt, daß nach einer abermaligen Revision der kirchenpolitischen Gesetze auch eine weitere Anzeigepflicht erfolgen und daß hinsichtlich des Einspruchsrechts des Staates die Kurie dann bereit sein würde, für Preußen dasselbe Verfahren, wie es für Württemberg schon besteht, zu gewähren. Der Minister fügte dem hinzu, daß die Staats- regierung nicht glaube, dem Könige dazu rathen zu sollen, schon jetzt seinerseits zu diesen Vorschlägen Stellung zu nehmen, ehe nicht beide Häuser des Landtages ihre Auffassung der Sachlage bekundet. — Hiernach zu urtheilen, hat sich also in der kirchenpolitischen Situation einstweilen noch gar nichts geändert und bleibt es Jedem frei gestellt, sich über den schließlichen Ausgang der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen Preußen und Dem Vatikan einer optimistischen oder pessimistischen Auffassung hinzugeben. Die Meldungen über die Danzig bedrohende Hochwasser- issahr lauten noch immer etwas bedenklich, doch darf man hoffen, daß es den fortgesetzten angestrengten Rettungs-Arbeiten, an denen sich namentlich das Militär in aufopfernder Weift betheiligt, gelingen wird, eine Katastrophe fernzuhalten. In Belgien hat das gerichtliche Nachspiel zu den Arbeiter- unruhen begonnen, zunächst für die Führer der Bewegung in Charleroi. Die- jelben werden vom Gerichtshöfe wegen Bannbruches und einfacher Bettele:, Bettelei unter erschwerenden Uinständen, bei Nacht, verbunden mit Drohungen und Erpressung, sowie wegen Angriffs aus die Arbeitsfreiheit zu drei- bis fünfjährigem Gesäugniß verurtheilt. Im Uebrigen ist die Ruhe in Charleroi wie auf den übrigen Schauplätzen des belgischen Arbeiteraufruhrs nicht wieder gestört worden und darf man wohl die Wiederherstellung der Ordnung als eine definitive betrachten. Die Zahl der Beschäftigungslosen ist freilich noch eine sehr beträchtliche, was nach den vorausgegangenen Ereignissen aber auch nicht Wunder nehmen kann; in Charleroi z. B. beträgt dieselbe etwa 10,000, doch dürste der größte Theil dieser Leute die Arbeit jetzt wieder aufnehmen. In Decazeville, dem Mittelpunkte der französischen Arbeiterbewegung, ficht es dagegen fortgesetzt sehr bedrohlich aus. Zwar herrscht äußerlich noch Ruhe, aber es scheint die Stille vor dem Sturm zu sein; dem vorzubeugen, thut die Regierung ihr Möglichstes. Die Verhaftung der Redacteure des „Jn- transigeant", Quercy und Roche, wegen ausrührerffcher Reden derselben in Deca- zemüe^.hat natürlich in den anarchistisch-socialistischen Kreisen von Paris große Entrüstung hervorgerufen und zugleich einen wahren Kreuzzug socialistischer Deputirter und Redacteure nach Decazeville veranlaßt. Da werden die Gensd'armen wohl alle Hande voll mit Verhaftungen zu thun bekommen. Im Senate ist vom Senator Bozörian ein Antrag eingebracht worden, wonach jeder Versuch, durch Aufreizungen die Freiheit der Arbeit zu beeinträchtigen, unterdrückt, werden soll. Der Antrag nimmt speciell Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Belgien und Decazeville. Das russische Kaiserpaar ist zurStunde glücklich inLivadia. eingetroffen, ohne aus seiner Fahrt durch die Nihilisten belästigt worden zu fein. Der letzte Abschnitt der Reise, von Sebastopol nach Livadia, wurde bis Dalta auf Dampfern und von Dalta bis Livadia zu Wagen zurückgelegt. Der Empfang in Sebastopol wie in Aalta war ebenso glänzend wie begeistert; in letzterer Stadt wurden die Majestäten u. A. auch von muselmännischen Notabeln im National-Costüm begrüßt. Serbien widmet sich jetzt vollständig der Consolidirung seiner inneren Verhältnisse und kümmert sich anscheinend gar nicht mehr um die rumelische Affaire. Die Neubildung des serbischen Cabinets unter Garaschanin ist seit Sonntag eine Thatsache; das neue Ministerium hielt am Montag bereits eine Sitzung wegen der Neuwahlen zur Skupschtina ab. Die umlaufenden Gerüchte von einer Krisis im römischen Cabinet werden von der „Raffegnr" dementirt. Trotzdem versichert das ministerielle Blatt gleich hierauf, daß die gegenwärtige Situation nicht länger andauern könne und werde noch im Lause dieser Woche ein definitiver Beschluß gefaßt werden. Der Kammer-Präsident, welcher in Familien-Angelegenheiten in Apulien weilt, ist telegraphisch nach Rom zurückgerufen worden. Minister- Präsident Depretis conserirte am Montag längere Zeit mit dem König. Die Neuwahlen zu den spanischen Cortes haben, entsprechend den gehegten Erwartungen, eine große Mehrheit für das Ministerium Sagasta ergeben. Vis Montag waren 310 ministerielle und 121 oppositionelle Wahlen bekannt; die Ruhe ist nirgends gestört worden. Die Revolution in Uruguay soll nunmehr gänzlich unterdrückt fein. Es heißt, die Insurgenten seien gänzlich zersprengt und ihre Ueberreste bis an die brasilianische Grenze zurückgedrängt. Dementsprechend wird jetzt auch die Nachricht von der angeblichen Niederlage der Regierungs-Truppen bei Daiman wieder dementirt. Darmstadt, 7. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfhb gen heute den Oberst und Commandeur v. Seebeck, sowie die Sekondlieutenants der Reserve Braun, Heyl und Welcker vom 1. Großh. Infanterie- (Leibgarde) Regiment Nr. 115, den Major Kühn ä la suite des Kriegsministeriums, den Sekonolieutenant der Reserve Dieffenbach vom 2. Großh. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116, den Sekondlieutenant Stein von der Großh. Train- Compagnie, den Lieutenant zur See Scheibe!, die Jntendantur-Secretäre Frank und Dietz, den Landstallmeister v. Willich, den Telegraphen-Jnspector Treutler, den Hoskammerrath Nau, den Polizeiamtsdiener Frank, den Universitäts-Tanz- und Fechtlehrer Röse aus Gießen; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Ministerial-Präsidenten Weber, den Oberconsistorial-Präsid. Dr. Goldmann. Darmstadt, 7. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben j Allergriädigst geruht: Am 3. 9Ipri( den Lehrer am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, Ludwig Münch, zum Director der Realschule zu Wimpfen a/B., mit Wirkung vom 16. April d. Js. an, zu ernennen. Darmstadt, 6. April. Von den hessischen Reichstags-Abgeordneten stimmten für Verlängerung des Socialistengesetzes die Herren Buderus, Kalle, Marquardsen. Ulrich, Scipio; dagegen die Herren Bamberger, Hintze, Liebknecht, Racks. Auch der Abg. Dr. Mousang stimmte dagegen. Karlsruhe, 7. April. Der Erbgroßherzog ist fieberfrei, im Uebrigen ist das Befinden, auch bezüglich des Gelenkschmerzes desselben, unverändert. Belgien. Brüssel, 7. April. In Rinove (Ostflandern) sind Ruhestörungen vorgekommen. Auf Ansuchen der Stadtbehörden sind 600 Mann der Garnison Gent mittelst Specialzuges nach Rinove abgegangen. Hriechenlauo. Athen, 6. April. Heute Nachmittag sand hier aus dem Platze des olympischen Zeus eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, welche alsdann die Hauvtstraßen der Stadt durchzog. An verschiedenen Plätzen wurden kriegerische Reden gehalten, in denen die Wiederherstellung der alten ruhmwürdigeu Stellurg Griechenlands cls nothwendig bezeichnet wurde. Reichstag. E. R. Berlin, 6. April 1886. Der deutsche Reichstag trat heute vor säst leeren Bänken in die zweite Be- rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der im land- und korstwirthschaftlichen Betriebe beschäftigten Personen, ein. Der Präsident eröffnete die Diskussion über den wichrigsten Paragraphen des Gesetzes, den § 1, und wollte sie bereits schließen, weil Niemand sich zum Worte gemeldet batte, als der . £ . n Abg. Schrader (dfr.) um das Wort bat. Der Redner wies auf bxe Leere des Hauses hin und darauf, daß von den Socialdemokraten nur zwei Abgeordnete erschienen waren, und erkannte hierin einen Maßstab dafür, wie sich das Interesse für die staatliche Socialresorm im Niedergange befinde. Redner ging sodann auf die einzelnen Bestimmungen des Gesetzes näher ein. Staatssecretär v. Bötticher bestritt einen solchen Niedergang. Die Einbringung des vorliegenden Gesetzentwurfs spreche doch an sich schon gegen eine solche Behauptung. Die verbündeten Regierungen können doch nicht für die schwache Besetzung des Hauses verantwortlich gemacht werden. Er bitte, die Vorlage anzunehmen, wie sie von den Regierungen eingebracht sei. Danach wendete sich der Redner zur Vertheidigung einzelner Bestimmungen, die vom Abgeordneten Schrader angegriffen waren. t Die Abgeordneten Dr. Buhl (natl.), v. Franckenftein (Ctr.) und Struck- . mann (natl.) erkannten sich für das Gesetz, letzlerer unter der Einschränkung, daß er in der Commission den Ansichten des Abgeordneten Schrader nahegestanden habe, daß er sich aber überzeugt habe, daß das Gesetz nicht an sormellen Bedenken scheitern solle. Abg. Barth (dsr.): Darüber, daß auch die landwirthichaftlichen Arbeiter gegen "t Unfälle versichert werden sollen, hat niemals eine Meinungsverschiedenheit bestanden, sondern nur über die Durchführung. Wird das Gesetz in der vorliegenden Fassung angenommen, dann bleibt von den Berussgenossenschaften wenig mehr übrig und an ihre Stelle tritt die staatliche Regelung. Abg. v. Helldorf (cons.) befürwortet die Vorlage. Mit unserer Socialresorm treten wir in eine gesunde Reaction gegen die Uebertreibung des Eigenthumsbegrifses, wie sie Herr Dr. Bamberger wiederholt hier vertreten hat. Abg. Schrader (dfr.): Auf der einen Seite versucht man es mit Zwangsmaßregeln, wie das Socialistengesetz, auf der anderen Seite schwächt man die Selbstständigkeit des Arbeiters, indem man ihn auf die Staatshilfe verweist. Staatssecretär v. Bötticher fragt den Vorredner, was denn seine Partei für die Arbeiter gethan habe. Gar nichts! Der Vorwurf ist ganz unberechtigt, daß die Arbeiter durch unsere Socialresorm unselbstständig gemacht werden sollen. Abg. Dr. Bamberger (dfr.): Die Schwierigkeit der Durchführung der Socialreform bestreiten wir nicht. Sie haben sich aber die Sache zu leicht gedacht, wenn Sie mit kleinen künstlichen Mitteln die socialen Fragen lösen wollen. Das System der Berufsgenossenschaft, von dem Anfangs ein so großes Wesen gemacht wurde, in dessen Durchführung man eine große historische That zu sehen glaubte, ist mit dieser Vorlage in die Brüche gegangen. Die freisinnige Partei hat nicht weniger gethan, sondern nur weniger versprochen. In der Specialberathung wurden dann die §§ 1 bis 11 der Vorlage nach den Beschlüssen der Commission mit einigen redactionellen Acnderungen angenommen. Morgen Mittwoch wird die Berathung fortgesetzt. Berlin, 7. April. Die zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen wurde heute bei § 12 fortgesetzt. In längerer Discussion fanden die §§ 12 bis 134 nach den Beschlüssen der Commission mit einigen redactionellen Abänderungen Annahme. Ein Antrag des Abg. Struckmann (natlib.): „Soweit der Arbeitgeber nicht für Leistung eines Drittels der Beiträge herangezogen wird, hat die Gemeinde bezw. der weitere Commnnalverband diesen Zuschuß zu leisten" wurde abgelehnt. Aus eine Anfrage des Abg. Schrader erklärte Staatssecretär v. Bötticher, daß die Bestimmungen über die Befugnisse der Landesgesetzgebung nur so aufzufassen seien, daß dieselbe zwar ihrerseits die Ausführung der Krankenversicherung mit Rücksicht auf die verschiedenen Verhältnisse regele, aber natürlich nicht Vorschriften erlassen dürfe, die in Widerspruch zu den auf diesem Gebiete erlassenen reichsgesetzlichen Vorschriften treten würden. Der Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem deutschen Reich und dem Sultan von Sansibar gelangte darauf, auf Grund der in zweiter Lesung unverändert angenommenen Vorlage, zur Annahme: desgleichen in dritter Lesung der von den Abg. Dr. v. Jagdzcwski und Genossen eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der §§ 186 und 187 des Gerichtsverfassungsgesetzes. Nächste Sitzung Donnerstag den 8. April. Petitionen; Antrag Moltke: Militär-Communalstcuer; Antrag Ausfeld: Zolltarifabänderungen in zweiter Lesung. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich der Reichstag am 10. April bis zum 10. Mai vertagen. Telegraphische Depesche«. Wolfis telegr. Sorrrspondtirzt Bureau. Berlin, 7. April. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung'den Gesetzentwurf über die Beförderung der deutschen Ansiedelungen in den Ostprovinzen unverändert und nahm das ganze Gesetz in namentlicher Schlußabstimmung mit 214 gegen 120 Stimmen an. Beim Beginn der Sitzung hatte Magdziiiski Namens der polnischen Fraktion erklärt, dieselbe werde, nachdem die Majorität diese die Staatsgrundgesetze, die Humanität und die internationalen Verträge verletzende Vorlage in zweiter Lesung angenommen habe, an der weiteren Berathung nicht theilnehmen und nur noch ein ablehnendes Votum gegen die einzelnen Paragraphen und das ganze Gesetz abgeben. — Dem Abgeordnetenhause ist heute ein Gesetzentwurf zugegangen, betr. die Heranziehung der Militärpersonen zu den Gemeindeabgaben. Gegenstand der Besteuerung ist das außerdienstliche selbstständige Einkommen unter Hinzurechnung des etwaigen besonderen Einkommens der Familienglieder. Außer Ansatz bleibt das Einkommen, welches bereits nach den bestehenden Bestimmungen der Communalabgabe- pflicht unterliegt, sowie bei verheiratheten Mllitärpersonen derjenigen Chargen, welche bet dem Heirathsconsens ein bestiinmtes außerdienstliches Einkommen nachweisen müssen, der vorschriftsmäßige Satz deS letzteren. Die zu entrichtende Abgabe soll der nach den gesetzlichen Bestimmungen vom gleichen Jahreseinkommen zu entrichtenden Staatsstcuer gleichkommen, mindestens aber die erste Stufe der Klassensteuer betragen. Die Feststellung des Einkommensbetrages und der Steuerstufe erfolgt durch den Vorsitzenden der Einschätzungscommission. Die Abgabepflicht ruht während der Zugehörigkeit zur Besatzung eines zum auswärtigen Dienst bestimmten Schiffes oder zu einem in Kriegs- formation befindlichen Heerestheile. Das Gesetz gelangt am 1. April 1887 zur Anwendung. Königsberg i. Pr., 7. April. Die Schifffahrt ist eröffnet. München, 7. April. Der Kaiser von Oesterreich wird morgen früh hier erwartet. München, 7. April. Die Kammer der Abgeordneten setzte heute die Berathitng des Antrags Soden auf Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung fort. Der Minister des Innern, v. Feilitzsch, erklärte, die Regierung erachte in Anbetracht ihrer mit den in Bayern concessionirten Privat-Feuerversicherungs-Gesellschaften getroffenen Vereinbarungen, die Errichtung einer staatlichen Concurrenzanstalt für inopportun und lehne deshalb'den Soden'schen Antrag ab. Man hege unerfüllbare Hoffnungen betreffs einer Staatsversicherung und unterschätze die Schwierigkeit ihrer Durchführbarkeit. Der von der Regierung beschrittene Weg der Vereinbarung mit den Gesellschaften und der Controle derselben sei sicherer als der von Soden beantragte. Die Regierung halte es für unverantwortlich, jetzt die Concessionen der Gesellschaften in Frage zu stellen. Eine Staatsanstalt könne keine größeren Vortheile bieten, als es jetzt Die Privatgesellschaften thun. Die weitere Berathung wurde schließlich auf morgen vertagt. Wien, 7. April. Der Kaiser empfing anläßlich des 25jährigen Bestehens des Protestankenpatentes eine Deputation des Oberkirchenraths und ber• Synodalausscküsse der Augsburger Helvetischen Cvnfessivn, welche ihren Dank für das am 8. April 1861 verliehene Patent aussprach. Der Kaiser antwortete der Deputation, daß er mit Wohlgefallen den Ausdruck unerschütterlicher Treue und Anhänglichkeit van den legalen Vertretern der evangelischen Kirche entgegennehme und es gereiche ihm zur besonderen Befriedigung, stets der loyalen und maßvollen Haltung der Angehörigen beider evangelischer Bekenntnisse anerkennend zu gedenken. „Versichern Sie Ihre Glaubensgenossen meiner fortdauernden Huld und Fürsorge." Unmittelbar nach der Audienz machte die Deputation ihre Aufwartung beim Ministerpräsidenten Grafen Taaffe und dem Cultusminister Gautsch. Paris, 7. April. Die Einnahmen der iudirecten.Steuern vom März sind um 2*/< Millionen hinter dem Budgetanschlag zurückgeblieben und betragen 5 Millionen weniger als im März des Vorjahres. London, 7. April. Dem ,/Standard" wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Botschafter nach der Conferenzfitzung telegraphisch eine gleichlautende Note an die griechische Negierung richteten, worin sie die Unterzeichnung des Protokolls anzeigen und sehr dringend anempfehlen, den gegenwärtigen anormalen Zuständen in Griechenland ein Ende zu machen. — Im Unterhause gedachte Gladstone gestern in warmen Worten des großen Verlustes, den das Land durch den Tod Forster's erlitten habe. Madrid, 7. April. 9tad) brieflichen Meldungen von den Philippinen sandten die Behörden von Mindonao 4 Kanonenboote gegen aufständische Eingeborene. Ein Osficier landete mit einer Truppenabtheilung behufs Delogirung der etwa 400 Insurgenten. Der Osficier ist verwundet, 5 Eingeborene wurden getödtet. Nachdem eine andere Abteilung zur Hilfeleistung eingetroffen war, flohen die Eingeborenen. Mons, 7. April. Van der Smissen verläßt heute mit seinem Stabe Mons und begibt sich nach Brüssel. In dem Tagesbefehl theilt der General mit, die Truppen würden, da die Ordnung wieder hergeftellt sei, nach und nach zurückgezogen. Die Verordnungen betreffs der Verhaftung der Anarchisten in den Gemeinden, welche Militär nachgesucht haben, werden aufgehoben. Der General dankt den Truppen für ihre Hingebung. Konstantinopel, 7. April. Die Pforte theilte dem Bulgarenfürsten mit,'daß die Conferenz gest n das türkisch - bulgarische Uebereinfommen genehmigt habe. Eine gleiche Mittheilung erging an die griechische Regierung. Eine Antwort des Fürsten von Bulgarien ist noch nicht ciiigetroffen. Sofia, 7. April. (Telegramm der „Agence Havas".) Die Regierung erhielt den Wortlaui des Uebereinkommens der Mächte, betreffend Ostrumelien, und dürfte sich die Erwiderung vorbehalten, bis ihr die amtliche Notifikation zugeht, welche im Laufe Dieser Woche erwartet wird. Rom, 7. April. Wie die „Rassegna" wissen will, würde in den nächsten Tagen ein Decret erscheinen, welches das Parlament vertage und bald darauf ein weiteres Decret, welches die Auflösung der Kamnker anordne. Der vom Könige hierher berufene Präsident der Kammer treffe morgen ein. Darmstadt, 8. April. (Privatdepesche.j Ein gestern Abend aus Sofia eingetroffenes Privattelegramm besagt, Fürst Alexander habe beschlossen, das am 5. April in Konstantinopel von sämmtlichen Mächten unterzeichnete Document als Wahlspruch Europas anzuerkennen, unter Wahrung seiner Ansprüche in Bezug auf den ersten Paragraph. Lokales. Gießen, 7-. April. Aus dem uns heute zugegangenen Programm des Großh. Gymnasiums, welchem in diesem Jahre keine Abhandlung beigegeben war, ersehen wir u. A., daß dasselbe während des verflossenen Jahres im Ganzen von 442, am Schlüsse des Schuljahres von 413 Schülern besucht war; davon sind der Confession nach 330 evangelische, 28 katholische Christen und 55 Israeliten. Die Chronik der Anstalt besagt, daß die Schule auch in diesem Jahre die Thätigkeit des Herrn Dr. Roese entbehren mußte, da derselbe von seiner schweren Erkrankung noch nicht wieder her- gestellt war. Mit Beginn des Wintersemesters mußte auch Herr Dr. Textor wegen Krankheit seine Thätigkeit einstellen, welche er leider nicht wieder aufnehmen sollte, da ihn schon der Tod im besten Mannesalter am 20. Februar d. I. ereilte. Definitiv angestellt wurde durch Allerhöchste Entschließung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs am 10. Februar d. I. der seitherige provisorische Gymnasiallehrer Herr Dr. Georg CI em m. — Ordentliche Mitglieder des pädagogischen Seminars waren die Herren Dr. Strack, Dr. Hüter, Dr. Lucius, Dr. Sturmfels und Neeb, außerordentliches Mitglied war Herr Accessist Dr. Ledroit. Geschichts-Kalender. 9. April. 1241. Schlacht bei Liegnitz, in welcher 30,000 Deutsche und Polen, unter Herzog Heinrich dem Frommen von Niederschlesien, von den weit zahlreicheren Mongolen geschlagen wurden, da die feigen Polen im entscheidenden Augenblicke die Flucht ergriffen hatten, Herzog Heinrich fiel selber. Die Mongolen hatten aber so große Verluste erlitten, Daß sie ihren Sieg nicht weiter aus- nützten, sondern vorzogen, sich wieder nach Ungarn, Rußland und Asien heimwärts zu wenden. Auf dem Schlachtfelde ist später das Kloster Wahl- stadt erbaut worden. 1866. Der preußische Ministerpräsident v. Bismarck beantragt beim deutschen Bundestage eine Reform des Bundes, wonach ohne Preußens und Oesterreichs gemeinschaftlicher Zustimmung kein Bundeskrieg stattfinden, Preußen im Vorsitz und in der Leitung des Bundes mit Oesterreich gleichberechtigt, eine Volksvertretung, hervorgegangen aus directen Wahlen nach Maßgabe der Bevölkerung der einzelnen Staaten, mit beschließenden Stimmen in Bundesangelegenheiten mitwirken und zu deren Berufung sofort ein Termin, festgestellt werden sollte. »•«5 » • der Prokura w -.-«L &■ * ff" «leider e cob EmUn Einlage lnS)»' 3 mrKmaKM' u Lang-6^ »ch dein Tod Inhabers Ko» M beffen '1 fiHereu als einzige In Gießen, den 30. 'J ' Großh Anil Müll! Hchheche im Gießener Nomg den 12< . M Vormittag soS im Gießener ( Districten Ncuheege, und Heegstrauch nad versteigert werben: 342 tiifyitäämne Ml- „ 40 n 219 2$ Meb f! Niti im «Anita- A. Bren Scheith. Prag Rmtr. te Nabel 52 269 Eichen - 36 B. 'Sau’, Werk- u Eichen-Stangen 8 Nadel- „ Die Zujammenlur LiWraße, i. Cch» Gieße», am 3. Ap NüeryigL Bürger A. Bro Fiertest Dieustag den , Bormittags «cd tn bem W «2«» Gießen Dienstpserd gegen ql> Seigert ließen, beit 3. S ®enbarmeril ID ■ Ur-1. sl 116 .-L Wbto&ratJ MWM ! J. G. D. Bapat empfiehlt 2062 Protokolls anzeigen j landen in Griechen- I Worten des großen Pbilippiuen sandten : Gingeborene. Gin ’ der etwa 400 Zn- >dtet. Nachdem eine mgebornien. entern Stabe Mons il mit, bit Truppen MÜdMM Die inht’H, welche.Mi- Truppen für ihre emüpten Mi, daß । Icbmtgt W- $ine ktwort des Fürsten - ie Negierung erhielt ! imclien, und durfte . L zugcht, welche im L in den nächsten L bald darauf ein i I vom Könige hierher I 315 n „ Knüppel (darunter 112 Rmtr. von 3 Mtr. Länge), 116 „ „ Stöcke, 4200 Nadel-Wellen. Nadel- „ Eichen-Stangen Nadel- „ PferdeversWigerung. Dienstag den 13. April, Vormittags 10 Uhr, wird in dem Hof der Gendarmerie- Caserne zu Gießen ein auörangirtes Dienstpferd gegen gleiche baare Zahlung öffentlich versteigert. 2574 Gießen, den 3- April 1886. Großh. Gendarmerie-Distr. Oberhessen. Frhr. v. Follenius, Major und Districts-Commandeur. Holzversteigerung. Dienstag den 13. d. M. werden in hiesigem Gemeindewald versteigert : 3 Eichen-Stämme mit 0,62 Fm., HS fgf*«®* L *}SS. b?s ■ KZS-i I sofort f«1 Im Lützellindener Markwald sollen Donnerstag den 15. d. M., Vormittags von 10 Uhr an, (Zusammenkunft in der Bergwerks- Schneise) öffentlich versteigert werden: Stämme: 61 Eichen — 22,87 fm, 37 Nadel = 13,85 fm, 590 Stück Derb- und 5540 Stück Reis-Nadelstangen. 2659 Groß-Rechtenbach, 6. April 1886. Das Bürgermeisteramt. Samstag den 10. April, Vormittags 11 Uhr, lasse ich an meinem Hause Thüren, Fenster, Treppen, 1 kupfernen Waschkefsel u. s. w. gegen Baarzahlung versteigern. 2656 Die Erker, Fenster, Thüren und Treppen sind in bestem Zustande. Carl Aug. Faber. ■ Jeilgeiwtenes. Allen Liebhabern von einem guten Glas Wein offerire unter Garantie der Naturreinheit 1883er ä Liter 80 Pf. im Faß entsprechend billiger. 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