Donnerstag den 8. Juli ISS« Kr. iss Erscheint tt-SSch mit MM«* M HetAetW* 'MMI Vchv^aße T. 3 In der spanischen Deputirtenkammer ist es am vorigen an oer spanrscyen L-epurirrenrammer es am vungen niurde mit 1439 Stimmen gewählt. Samstag recht lebhaft zugegangen. Es handelte sich um die Adresse an die _ In Londonderry fanden anläßlich der Verkündigung des Wahlresultates, Königin und nahm hierbei der Ministerpräsident Sagasta Gelegenheit, sich scharf I Ruhestörungen statt. Bet einem Zusammenstoß der Polizei mit den vor der Wohnung fiarItltrQ§e 0 0 □ 0 Sonntag den uflid) Schluß. layer’s kö Dolk5- lstUIN gegen die Republikaner auszusprechen, die er als Feinde des Vaterlandes bezeichn nete. Die sehr erregte Verhandlung endigte mit Annahme der Adresse. In Moskau tritt eine merkwürdige Krankheit auf, welche die Aerzte als acuien Eingeweide-Katarrh bezeichnen. Es sind bereits zwei Fälle mit tödtlichem Erfolg vorgekommen, doch wird geleugnet, daß die Krankheit einen epidemischen Charakter habe. Der General-Gouverneur ordnete die Errichtung einer bacteriologischen Station für die entsprechenden Untersuchungen an. Wenn sich dieser merkwürdige Katarrh schließlich nur nicht als die Cholera entpuppt — denn das ist in Moskau schon einmal dagewesen! uerei in der sucht per ust für Reise n gewandten erselbe muss zen, mit der und freund- u können, in scheid wissen sicher und beiten. Dau- tellung. Beil in dersel- er Branche *en, erhalten mit Angabe rigen Thätig- nsprüche bett 320 bei Vogler, niederlegen. *U ''^München, 6. Juli. Das heutige Kriegsminifterialblatt veröffentlicht die Verleihung der Jnhaberstelle des 5. Eheveauxlegers-Regiments an den Erzherzog Albrecht von Oesterreich. - Die „Allgem. Ztg." theilt das an den Prinz - Regenten eingelaufene Telegramm des neuen Inhabers aus Hof bei Kettenberg mit, dasselbe, lautet: „Tief gerührt durch diesen Beweis brüderlicher Freundschaft, danke ich von Herzen und bin stolz, mich zu der braven bayerischen Armee zählen zu dürfen." London, 6. Juli. Nach den neuesten Resultaten sind gewählt: 187 Eon- servative, 43 dissentirende Liberale, 88 Gladstonianer, 39 Parnelliten. Bei der Wahl im Ostbezirk Edinburgs unterlag Goschen gegen den Gladstonianer Buchanan; letzterer Darmstadt, 5. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 21. April dem Königlich Preußischen Eisenbahn - Stations - Kaffen- Rendanten Jacob Schwarz in Gießen das silberne Kreuz und am 30. Juni dem Ministerial-Revisor bei dem Ministerium der Finanzen, Rechnungsrath Joseph Jäger das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienst>Orden- Philipps des Großmüthigen — zu verleihen. Berlin, 6. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt in Erwiderung auf die in der „Mosk. Ztg." und der „Nowoje Wremja" gewünschte Erhöhung der russischen Eisenzölle: die für die Erhöhung der Eisenzölle geltend gemachten Gründe sprächen auch für die Erhöhung der deutschen Getreide- und Holzzölle, gegen die Ueberproduction sei das einfachste Mittel die Zurückführung der Pro- ductionsmenge aus die angemessenen Beträge. Rußland und Deutschland könnten durch ihr Zollsystem zu diesem Zwecke gemeinsam wirken, indem Rußland die deutsche tleberproduction durch die Eisenzölle und Deutschland die russische Ueberproduction durch russische Agrarzölle einschränken könnte. Die Frage lasse sich bei den gegenseitigen politischen Beziehungen freundschaftlich prüfen, eine weitere Steigerung der russischen Zölle müsse eine Steigerung deutscher Zölle für land- wirthschastliche Produkte Hervorrufen. Politische Ueberficht. Gießen, 7. Juli. Die Prager Polizei kann sich eines besonderen Schwabenstreiches rühmen. Der deutsche Handwerker-Verein in Prag hat in seinem Vereinsgarten eine Kaiser-Josef-Statue ausstellen lassen und sollte die Enthüllung derselben am Sonntag durch eine einfache Festlichkeit gefeiert werden. Die Polizei hat nun aber die Enthüllurgsseier, obwohl dieselbe doch nur im Verein, ohne irgend einen officiellen Anstrich, statlfinden sollte, mit Rücksicht aus die „öffent' liche Ruhe und Ordnung" verboten und auch em an die Statthalterei Seitens des Handwerker-Vereins gerichteter Recurs blieb erfolglos. Wie eine in einem abgeschlossenen Garten stattfindende Festlichkeit durchaus privaten Charakters die öffentliche Ruhe und Ordnung stören kann, bleibt dem einfachen Menschenverstände unerfindlich, aber der czechischen Polizei-Direction in Prag ist diese merkwürdige Entdeckung doch gelungen! In hohem Grade befremdlich muß es erscheinen, daß sich die Statthalterei, also eine kaiserliche Behörde, nicht veranlaßt fühlte, das Verbot einer Huldigungsseier für den großen Kaiser aufzuheben und es ist sehr bemerkenswerth, daß das osficiöse Wiener „Fremdenblatt" gerade unter diesem Gesichtspunkte das Verhalten der Prager Statthalterei scharf tadelt. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß sich Polizei-Direction Wie Statthalterei in Prag aus Wien eine Nase holen werden. Die Cholera-Epidemie in Italien hat ganz und gar den Charakter einer Landes-Calamität angenommen. Das inficirte Gebier erstreckt sich von Brindisi im Süden der Apenninen-Halbinsel an längs der ganzen Ostküste des Adriatischen Meeres bis nach Venedig; zwischen diesen beiden Endpunkten bilden Francavilla, etwa 5 Meilen westlich von Brindisi, und Latiano. weiter nördlich, am Abhange der Abruzzen gelegen, die Haupt-Seuchenheerde. Die sanitätswidrigen Lebensgewohnheiten der Bevölkerung an der Ostküste Italiens, besonders die Verwendung des Seewaffers zu Trinkzwecken, die Unreinlichkeit der niederen Bevölkerungsklaffen, dann aber auch die unverzeihliche Lässigkeit und Energielosigkeit der dortigen Behörden sind die Ursachen, daß sich die Seuche aus der langgestreckten Linie Triest-Brindisi so hartnäckig behauptet und ihre Weiterverpflanzung wird durch dis eingetretene heiße Jahreszeit nur begünstigt. Das italienische Kriegsministerium hat wegen der Cholera die großen Manöver, welche bei Pordemme und Somena hätten stattfinden sollen, bis zum Herbst verschoben. Der Generalsecretär im Ministerium des Innern, Morana, ist in Latiano eingetroffen, um die Maßregeln gegen die Epidemie persönlich zu leiten. Eine ossiciöse Zuschrift der „Polit. Corresp/ aus Petersburg oer* Mtheilt auf's Schärfste das Vorgehen des Fürsten Alexander. Der Fürst habe durch Einberufung der vereinigten Nationalversammlung und durch seine Erklärung, tue Vereinigung fei vollzogen, die Verträge verletzt und die übernommenen Verpflichtungen verleugnet. Die vollständige Vereinigung von Bulgarien und Mumelien bedeute den Beginn der Zerstückelung der Türkei und somit eine Ge- sährdung des allgemeinen Friedens. Die Haltung des Fürsten fei empörend, diejenige des Sultans aber, der das Vorgehen des Fürsten dulde, befremdlich und wecke Vermuthungen, die durch die Rüstungen der Türkei genährt würden. Rußland könne weder das Vorgehen des Fürsten, für welches der Ausdruck fehle, noch die Mitschuld der Pforte dulden. Hierzu bemerkt die „Köln. Ztg.": Inhaltlich scheint dieser Bries nicht viel Anderes zu bieten, als was man schon durch die vielbesprochenen Auslassungen des „Journal de St. Petersbourg" erfahren hat, aber er ist eine neue Illustration zu der seltsamen Thatsache, daß Rußland in demselben Augenblicke, wo es selbst mit gewohnter Rücksichtslosigkeit die Verträge bricht, sich als den berufenen Hüter internationaler Vereinbarungen ^usgeben möchte. Wenn nicht Alles trügt, ist übrigens diese russische Entrüstung .über Bulgarien augenblicklich nicht so ernsthaft zu nehmen, und Rußland wird gegen die Zustimmung der Mächte zur Aufhebung des Art. 59 des Berliner Friedens von 1878 seinerseits gern das Zugeständniß machen, die bulgarische Frage vorläufig aus sich beruhen zu lassen. Der Fischereistreit zwischen Canada und den V reinigten Staaten verschärft sich durch das energische Eingreifen Englands zusehends. Eine Kabel- Depesche aus New-Dork besagt, daß das englische Kriegsschiff „Terror" abermals zwei amerikanische Fischerei-Fahrzeuge bei Shelburne an der Küste von Neu-Schottland mit Beschlag belegt. Es deutet dies darauf hin, daß man sich in London um die Vorstellungen, welche amertkanischerseits wegen der wiederholten Beschlagnahme amerikanischer Fahrzeuge in den canadischen Gewässern erhoben worden sind, einstweilen herzlich wenig kümmert. Psst ^ex Vierteljährlich 2 Mark 5» P?. , (in von \t .kleine lb 8 4915 ichmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen w hie Großherzoglichen Bürgermeistereien des Landbezirks (ausgenommen: Mach, Mendorf a. d. Lahn, Annerod, Burkhardsfelden Großen-Linden, Mainzlar, Leihgestern und Staufenberg). Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben in Nr. 146 des Gießener Anzeigers ersuchen wir Sie um umgehende Einsendung der verlangten Verzeichnisse nebst Erklärungen, eventuell um verneinende Anzeigen. Gießen, am 6. Juli 1886. Süsfert. gSH* ZW A1fr’6®: •t äuitjor w Zeigen, löbelmagen gH ’ ersten $Qgin 8 Nachfrage bei • Müller, ÜtWpoiteur. ^"ing gefuebt >• Bl. Telegraphische Depesche«. telegr. Lo«vespondr«r«Brrr-as. München, 6. Juli. Der Prinz-Regent Luitpold hat das Demissionsgesuch des Ministeriums Lutz soeben ablehnend beschieden. München, 6. Juli. Der Prinz - Regent Luitpold hat dem gesammten Staatsministerium auf dessen Entlassungsgesuch folgendes Antwortschreiben zugehen lassen: „Die sämmtlichen Minister haben mir mit gemeinsamer Vorstellung vom 5. d. M. die Bitte um Enthebung unterbreitet und in eingehender Begründung der Bitte namentlich die sich mehrenden Angriffe auf das Gesammtministerium heroor- gehoben. Diese Angriffe vermögen jedoch nicht die in mir feststehende Ueberzeugung zu erschüttern, daß das gesammte Staatsministerium unter den schwierigsten Verhältnissen seine aufopfernde Hingebung an die Krone und das Land bewährt hat und für die Interessen, welche dasselbe zu schirmen und zu fördern berufen ist, in ersprießlichster Weise eingetreten ist. Das Bestreben des gesammten Staatsministeriums ist, wie ich in eigener reger Antheilnahme an den Staatsangelegenheiten seit Jahren wahrzunehmen Gelegenheit hatte, fortdauernd darauf gerichtet, in pflichtmäßiger, objectioer Sachlage die geistigen und materiellen Güter des Volkes zu erhalten und zu mehren. Von dem hierzu Erzielten steht mir der Schutz der Religion und die Wahrung des Friedens unter den Confessionen obenan und ich empfinde es mit ganz besonderer Freude, daß zu öfteren Malen von der höchsten katholischen kirchlichen Autorität die vollkommene Befriedigung über die Lage der katholischen Kirche in Bayern ausgesprochen morden ist. Von großer Bedeutung sind auch die zahlreichen Bestrebungen des Ministeriums, welche die Stärkung des Wohlstandes und der Steuerkraft tat Lande bezweckt und nach beiden Beziehungen, soweit die Regierung hierzu beizutragen vermag, relativ günstige Zustände angebahnt und gefestigt haben. In Erwiderung der Vorstellung der sämmtlichen Minister spreche ich denselben meine volle Anerkennung für ihr seitheriges Wirken, insbesondere für ihr treues gewissenhaftes Aushalten in den letzten schweren Zeiten, sowie mein volles Vertrauen mit dem Beifügen aus, daß ich des Rathes so diensterfahrener erprobter Männer nicht entbehren möchte, vielmehr deren Verbleiben im Amte ausdrücklich wünsche. Ich hoffe und erwarte, daß immer mehr alle Jene, denen das Wohl unseres theueren Vaterlandes am Herzen liegt, dazu Mitwirken werden, dem Lande vor Allem die Segnungen des inneren Friedens rüvek. Q ö?/ folgens 10 bis bittet F. Vsy.k- riiit# ,4 Zimmern mm -W- ' u mietben ge- GOOOOO des Gewählten versammelten dissentirmden Liberalen wurden mehrere Personen verwundet. Sult. Nach den nunmehr bekannten 307 Wahlresultaten sind gewählt: 168 Conservative, 36 dissentirende Liberale, 76 ®Iabftonianer un^ Selliten. Dilke unterlag in Chelsea, da lein Gegner, der Conse.vatlve Ißöttmore, 176 Stimmen mehr erhielt. Wiedergewählt sind Labouchere, Bradlaugh, E^eorg Hamilton und Stansfeld. Die (konservativen und dissentirenden Liberalen gewannen 25, ine um Mitternacht griff ein Volkshaufen den konservativen Arbeiterclub und die Orangistenhall an und versuchte die Thurm zu erbrechen. D Insassen feuerten aus den Fenstern auf die Angreifer, von denen 1 getodtet und 3 verwundet wurden. Die Polizei stellte dann die Ordnung wieder her. “ Dublin, 6. Juli. An hundert unter den vor dem Orangistenclub Versammelten wurden in Folge der Unruhen in vergangener Nacht verhaftet. — Der Lordmayor erließ einen Aufruf an die Bürgerschaft, in welchem er dieselbe auffordert, angesichts der schmachvollen Vorgänge der vergangenen Nacht n der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung mitzuwrrken und sich mcht zu, ungesetzlichen Schritten hinreißen zu lassen. Die schuldigen wurden den Gerichten übergeben werden. ==—----— Lokale-. ßutfan, 7. Juli. Gestern Abend 9Vi Uhr wurde auf der Grünbergerftraße ein Ljatzriger Junge von einem Velocipedfahrer so unglücklich überfahren, daß der Junge dabei den ^gen^ ftüh^ftandalisirte ein gestern dahier zur 12tägigen Uebung ringerückter Landwehrmann mit gezogener Säbelklinge auf der Bahnhofstraße herum. Ein hinzugekommener Schutzmann, welcher ihn zur Ruhe verwies wurde von demf lbe verfolgt und bedroht, weshalb die Arrestation und Abführung des Soldaten auf die Kasernenwache erfolgte. Die Lorbeerkrone. Eine Studie von Oscar Zack. Es war ein düsteres Gemach, in welchem der Weltweise, dessen lUufgabe darm bestand, der himmelstürmenden Jugend gute Lehren zu geben, , des Alters Tage verlebte Ein würdevoller Greis mit langem, eisgrauen Barte faß er an 1 einem eichenen Schreibtische, die Stirne in schwere Falten gezogen, während ein wehmuthiges Lächeln leine Lippen umspielte. So schien er über die Thorheit der Menschen zu philofophiren; denn er murmelte vor sich hin: „Sie sind alle gleich in ihren Ideen, Launen und Phantastereien. Sie verwirken um einer Bagatelle willen ihr Leben und wenn es aalte Berge hinweg zu wälzen, sie thäten es mit der Aufopferung ihrer letzten Kräfte, nm endlich zu der Einsicht zu kommen, daß Alles thöricht Beginnen." , Und dennoch hat die Thorheit oft Weisheit geboren, wenn auch bittere Wahrheit in derMbm^egt. ein kurzes „Herein" des Alten betrat ein Jüngling, auf dessen Antlitz Muth und Entschlossenheit zu lesen war, das Gemach. Nach einer Verneigung gegen den Greis, fragte ihn, dieser nach seinem Begehren. Euren Rath wünsche ich, würdiger Herr, Euren Rath m einer Lebensfrage!" Der Alte blickt ihn scharf an, dann entgegnete er: „Wenn es Dir Ernst ist, mein Sohn, dann will ich Dir den Weg zeigen, den Du wandeln mußt!" Nun denn, so wißt, ich möchte der Bühne angehören, möchte Menschen dar- Men, "mit einem Worte, ich möchte ein Schauspieler werden, wie unsere großen Dichter sich einen solchen vorgestellt haben: aber wie fang ich das an?" — Der Weise redete mit feierlichem Ernst, indem er den jungen Mann vom Kopf bis zu den Füßen musterte: „Es ist ein hohes Ziel, welches Du anstrebst und wenn Du Dich der ganzen Tragweite desselben bewußt bist, so hast Du einen Vortheil, nämlich die Kraft, seine ganze Dornenbahn zu ermessen. — Aber es giebt Träume, die sich einbilden, die Kunst sei eine leichtfertige Dirne, deren Gunst man mit Leichtigkeit erringe. Dieser Glaube ist ein schwerer Irrglaube, ein Traum, dessen Erwachen dem bitteren Gifttranke gleicht, welcher ein ganzes Leben voller Wermuth im Gefolge hat. Tausende machen dem Namm „Schauspieler" Schande und man begegnet ihnen überall mit verächtlichem Achselzucken! Der Schauspieler soll kein Eomödiant sein, sondern ein dramatischer Künstler, er soll keine Earrikaturen zeichnen, sondern lebendige Menschen auf der großen weiten Bühne des Lebens. Ist doch das ganze Menschendasein nichts weiter, als eine Schaubühne, auf welcher Scherz und Ernst in jähem Wechsel miteinander stehen und die Menschen, welche unsere großen Dichter aus reiner Lebensanschauung zeichneten, sollen auch aus innerstem Leben in denjenigen entstehen, die sich Schauspieler nennen. Nicht jenes declamatorische Heruntergeplapper eingelernter Worte macht den Künstler aus, sondern lediglich die Darstellung echten, natürlichen Lebens, welches die Zuschauer mit sich fortreißt, das Gefühl, die edle Begeisterung für die Sache! Jeder denke erst an den Künstler, dann an den Erwerb; aber diese leidige Frage nach dem Erwerb ist es gerade, welche das deutsche Theater, die deutsche Kunst dem Ruin nahe gebracht hat. Ja, lieber junger Freund, heutzutage, wo die Kunst zur Milchkuh herabgekommen ist, wo es nur wenige pietätvolle Künstler giebt, da ist es schlecht bestellt mit dem deutschen Schauspiel und wenn die Menschheit demselben Mißtrauen entgegenbringt, so sind nur die tausend und abertausend schlechten Eomödianten daran schuld. — Verabscheue darum alles Unedle, trachte nicht nur nach schnödem Mammon, laß Dich nie verleiten, Schätze aufzuhäufen. Suche das Glück lediglich in den Armen der holden Kunst, theile ihre eigene Armuth und bewahre Dir eine köstliche Perle, welche ich Dir geben will, die Zufriedenheit! Und nun folge mir in das Heiligthum, welches ich nur Demjenigen öffne, der mit freiem Antlitz und redlichem Mannesmuth vor dieser Pforte erscheint." Durch einen Druck des Alten sprang eine Thür auf und Heller Lichtglanz umfing dm Staunendm, als er auf einem golddurchwirktm Thron, umgeben von leuchtenden Sternen, zwei wunderschöne Mädchengestalten erblickte, die sich bei seinem Eintritt ihm zuwandten. Die ältere der beiden, deren lieblichen Zügen ein melancholischer, fast schmerzlicher Ausdruck innewohnte, ließ ihre Blicke fragend und voll tiefem Ernst auf dem Alten ruhen; dieser aber nahm die Jungfrau bei der Hand und stellte sie dem noch immer Staunenden als die Göttin Melpomene vor. Die Andere, eine heitere Erscheinung, deren dunkle Augen freundlich strahlten, deren rosige Wangen mit dem Grübchen um den kleinen lächelnden Mund Schelmerei und Luft verriethen, lernte der Schützling des Alten als Göttin Thalia kennen, und nachdem die beiden Lichtgestalten von dem Vorhaben des Jünglings unterrichtet waren, forderte der Greis diese auf, demselben die Weihe zu geben. Melpomene reichte daraus dem Jünger der Kunst die Hand und küßte seine Stirne, während Thalia ihn mit silberhellem Lachen umarmte und einen herzhaften Kuß auf seine Lippen drückte. Die Sterne fingen jetzt Heller an zu leuchten und der Greis erklärte, daß dies die Sterne seien, welche am Himmel der Kunst glänzten und deren Zahl zu vermehren nun seines Schützlings Aufgabe fei. Sobald auch er an diesem Himmel aufgegangen, dürfe er mit ihm den Thron besteigen und solle die ewige Lorbeerkrone empfangen, deren Blätter niemals welk würden, so lange fein Herz den beiden Göttinnen Treue hielte. „Es soll aber damit keineswegs gesagt fein", fuhr der Alte fort, „daß Du Dich fern halten sollst von der irdischen Liebe; Senn diese veredelt den Mann und veridealisirt den Künstler, und muß sie sich mit der Pflicht in dem Herzen desselben theilen. Auch ich habe einst geliebt und es war die schönste Zeit meines Lebens! Das Mädchen, das ich liebte, war ein Engel an Reinheit, Schönheit und Herzensgüte, aber die süßen Schäferstunden, die ich mit ihr verlebtes schwebten schnell wie ein Traum an mir vorüber, frühzeitig ging meine Sonne unter und der Baum, der das Licht ihrer Strahlen entbehrte, krankte, da der Wurm des Grams lange an seiner Wurzel nagte, bis endlich die Zeit kam, wo ich den Born der Weisheit mit vollen Zügen getrunken und die Lehren, die ich meinen Mitmenschen geben konnte, allmälig über den Schmerz der Seele hinweghalfen! Mögen meine Worte auch Dir den rechten Weg zeigen und die Pforten der Kunst öffnen, damit Dir die Lorbeerkrone zu Theil werde." Mit diesen Worten drückte er dem Jüngling die Hand und verabschiedete ihn. Jahre waren vergangen und Ernst Po ff art, denn Niemand anders war der Jüngling, von dem wir erzählten, reifte zum Manne heran, bildete sein Herz und bildete die Kunst, er huldigte der trauernden Göttin mit dem melancholischen Blick un!) opferte auch auf dem Altar der heiteren kosenden Schwester, die ihn einst so herzlich .Keküßt hatte; darum zeigte sich auch bald an dem Sternenhimmel des Alten ein neuer Vermischte Potsdam, 5. Juli. Heute Nachmittag brach in dem in der Nähe des Neuen Palais gelegenen Dorfe Eiche eine Feuersbrunst aus, welche, da die meiften Anwohner außerhalb des Ortes mit Feldarbeiten beschäftigt waren, rasch um sich und 7 Gehöfte in Asche legte. Ein Kind wird vermißt. Se. K. u.K.HoheltderKronprinz war unmittelbar nach Ausbruch des Feuers nach der Brandstätte geeilt und verblieb auf derselben rathend und helfend, bis das Feuer gelöscht war. Von den Eommuns war das Lehr-Jnfanterie-Bataillon nach Eiche ausgerückt und beteiligte sich an den Lösch- und Rettungsarbeiten. Cassel, 3. Juli. Ein schrecklicher Vorfall wird aus Grebenstein gemeldet. Dort hat sich gestern eine Wittwe, deren Mann sich vor ungefähr einem Jahre im eigenen Wohnhause erhängte, mit ihrem jüngsten Kinde auf dem Arme in den Kelzer Teich gestürzt, nachdem sie auch den etwas älteren Knaben kurz vorher in das tiefe Wasser geworfen hatte. Alle drei ertranken. Zerrüttete Vermögensverhältnisse soll das Motiv der grauenhaften That fein. — fDas Eisenbahn-Unglück bei Würzburg.) Einem ausführlichen Berichte der „N. Würzb. Ztg." entnehmen wir folgende Einzelheiten: Der Zusammenstoß war ein furchtbarer. Ein weithin vernehmbarer Schlag, gewaltiger als eine Batteriefalve ertönend, erschreckte sofort die Umgebung, namentlich die in einem nahen Steinbruch bekräftigten Arbeiter und die Einwohner der Artilleriekaserne. Erstgenannte waren ofort zur Hilfeleistung zur Stelle, alsbald kamen auch Mannschaften des Artillerie- Regiments, die dann Wagen aus der Kaserne zur Unglücksstätte ,brachten, um die Verwundeten aufzunehmen. Der Schauplatz des Unglücks bot ein furchtbares Bild. Sofort wurde vom Bahnhofe Würzburg ein Extrazug mit Arbeitsmannschaft, dem Jnspectionspersonal, dem Bahnmeister, Ingenieur u. s. f. abgelassen, um theils die Verwundeten aufzunehmen, theils die Passagiere hierin zu befördern. Beide Loco- motiven waren dicht ineinander gefahren; der Tender jener des Personenzugs „Krobs- burg" lag zerbrochen zur Seite, der der Schnellzugsmaschine „Gundelfingen" aufrecht inmitten beider, wie eine einzige Maschine dastehenden Locomotiven. Der Packwagen des Schnellzugs lag ganz zertrümmert zur Seite, ebenso der Postwagen; die übrigen Wagen des Schnellzugs waren losgekoppelt und theilweise aus dem Geleise gerathen. Vom Schnellzug erlitt der Führer Weidner einen Beinbruch, der Heizer Schemm blieb unverletzt. Furchtbar war der Schweinfurter Personenzug zugerichtet. Auf seinem Posten hatte der Locomotivführer Öefelein, früher Besitzer des „Badischen Hofes" in Grombühl, den Tod gefunden; ausströmendes Wasser hatte ihn verbrüht, wenn er nicht schon durch den Stoß um's Leben gekommen war. Denn über die Locomotive und dem Tender aufgeschichtet lagen umgestülpt der Kohlm und Packwagen und in kleine Trümmer auseinandergesprengt die zwei ersten Wagen des Schweinfurter Per- onenzugs. Hier hat unter dem Zugspersonal und den Passagieren das Unglück zahlreiche Opfer gekostet. Hier ist kein Insasse dieser drei Wagen unverletzt geblieben. Der dritte Personenwagen des Schweinfurter Zuges war in feinem vorderen Coup6 eingedrückt, drei weitere Personen- und zwei Gepäckwagen standen theilweise entgleist, und entkuppelt. Die Schienenlage war schrecklich zugerichtet, halbe abgebrochene Schienen starrten unter den Locomotivrädern hervor. Ein wahrer Berg von Trümmern lag über der Locomotive „Krobsburg", deren unglücklicher Führer erst gegen 4 Uhr aus seinem Todesgefängniß, das war ihm durch die Trümmerhaufen der Heizraum der Maschine geworden, gezogen werden konnte. Die rasch herbeigceilte Artilleriemannschaft schaffte die Trümmer weg und arbeitete die Todten und Verwundeten heraus. Sieben Leichen, welche anfangs in einem Bahnwärterhaus und in der Artilleriekaserne niedergelegt waren, wurden zwecks Agnoscirung in den Bahnhof überführt, wo solche indeß bis zum Abend nur theilweise nach ihren Personalien festgestellt werden konnten. Der Postwagen des Schnellzugs lag völlig in Trümmern, die einzelnen Packete waren blutüberströmt. Don den Insassen desselben ist Postinspector Wiedemann schwer verwundet, Assistent Grün erhielt eine Gehirnerschütterung, Reichs- conbucteur Büchner von Neudietersdorf ist schwer verletzt. Von den Insassen des Bamberger Postwagens, der am Schluß des Zuges stand, wurde nur Assistent Burmeister contufionirt. Vom Personal des Schnellzugs wurde noch Wagenwärter Sauer schwer und Hilfsheizer Günther leicht verletzt. Einzelne Personen kamen nur wie durch ein Wunder mit dem Leben davon. So Postassistent Grün, der durch das zersplitterte Dach des Postwagens herausgeschleudert wurde, Telegraphen - Ingenieur Hirfinger, dessen Geistesgegenwart es zu danken ist, daß alsbald der Würzburger Bahnhof telegraphisch von dem Unfälle verständigt und sofort ein Extrazug an die Unglücksstelle entsandt werden konnte. Ein im Zuge befindlicher Artillerie - Unterosficier, der gut davongekommen war, eilte sofort in die Kaserne und allarmirte dieselbe. Der daselbst jourhabende Officier ließ die Mannschaften, wie sie waren, alsbald zur Unglücks- ftätte eilen, Wagen bespannen und durch berittene Estafetten die Sanitätscolonne auf? bieten, sowie zur Vorbereitung der Aufnahme von Verwundeten das Juliusspital benachrichtigen. Dem raschen planmäßigen Eingreifen der Artilleriemannschaft ist die rasche Herausholung der Verwundeten aus dem Trümmerhaufen besonders zu danken. Die Nachricht von dem Unglücke hatte sich rasch in Würzburg verbreitet. Den die Verwundeten hereinfahrenden Wagen begegnete bereits ein ganzer Chaisenjug und ein Strom von Menschen, der sich nach der fast eine halbe Stunde vor der Stadt gelegenen Unglücksstätte begab. Eigenthümlicherweise waren die Trümmer der beiden Züge fast alle auf die Südseite gestürzt, so daß das auf der Nordseite befindliche Bamberger Geleise ziemlich frei blieb und nach 4 Uhr die Nürnberger und Bamberger Züge wieder aus- und einfahrm konnten. In dem Postzuge befanden sich auch eine Anzahl lunger Lehrer die am Abend des 1. Juli zum Militär einzurücken hatten. Bis m die spate Nacht hinein war die Unglücksstätte von zahlreichem Publikum umstellt,, so daß zur endlichen Räumung des Platzes es des Aufgebots der Polizeimannschaft bedurfte. ~ crf!c .Eindruck.) Vater: „Ich beurteile den Menschen stets nach dem. ersten Eindruck, und ich habe mich noch nie getäuscht!" Der kleine Ludwig: „Papa, 'fcS611 Eindruck hast Du denn von mir gehabt, als Du mich zum ersten Male sahst? Stern und der gefeierte erschien Ur dem Krone Mrd« j^ewig- U^e°- Wiedersehen und kmeend vor Melpomme empfing Mßft ;eht einen Welt- kröne mH dem Segen des eilen gnifrt, M bei "en!sche7Sch°uspIettunskerw°rben/d° er mit ganzer Seele der Erfüllung seiner hohen Aufgabe^gengen habe.^ WclV- bcr Alte, „und die Nachwelt Deinen Namm nennen", so lange deutsche Zungen sprechen. Zieh' hin, mein Freund und laß dich s nie gereuen Durch Deine Kunst die Menschheit zu erfreuen. . 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