Rr. 6 Freitag den 8. Januar L88C ießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schulstraj« 7. WW .S«.ich mit SjwS' 2^?”^ Amtlicher HHeil. Betreffend: Die Aufnahme einer Armenstatistik. Gießen, am 5. Januar 1886. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS. Unter Hinweis aus unsere Verfügung vom 23. December 1884 — Anzeiger Nr. 1 pro 1885 — erinnern wir Sie daran, daß bis zum 15. L Ms. die Uebersicht nach Formular C an uns einzusenden ist, wobei wir bemerken, daß dieser Termin pünktlich einzuhalten ist, gegenfalls wir Ihnen ohne weitere Erinnerung Wartboten zusenden werden. Politische Uebersicht. , Gießen, 7. Januar. Die festlichen Klänge vom 3. Januar sind nun verhallt, aber in den Herzen aller echten Deutschen in- und außerhalb der Reichsgrenzen klingt die Jubelseier Kaiser Wilhelms nach. Dieselbe bewegte sich allerorten, wo man sie beging, nur im einfachen Nahmen und dies entsprach ja nur den Wünschen des greisen Monarchen, eine Ausnahme machte jedoch die Reichs- hauptsiadt, wie das ja auch ganz natürlich erscheint. Bei der Feier am Hofe bot die Gratulations-Cour, welche die kaiserlichen Majestäten im Weißen Saale des Palais abhielten, ein glänzendes Bild dar, dessen Mittelpunkt selbstverständlich das erlauchte Herrscherpaar bildete, dem die ehrfurchtsvollen Ovationen der festlichen Versammlung galten. Während die Kaiserin unter einem Thronhimmel Platz genommen hatte, nahm der Kaiser, seiner erlauchten Gemahlin zur Rechten, die Glückwünsche der Versammlung stehend entgegen und da die Gratulations- Uour über eine halbe Stunde dauerte, so kann man schon aus dem erwähnten Cmstande einen erfreulichen Schluß aus die Rüstigkeit des erhabenen Jubilars ziehen. Die Feierlichkeit im Weißen Saale bot zwei besonders zugleich weihevolle und rührende Momente dar: Einmal die Beglückwünschung des Kaisers durch den Reichskanzler Fürsten Bismarck und dann durch den General-Feldmarschall Grafen Moltke. Der Kanzler wie Graf Moltke wurden vom Kaiser durch Umarmung und Kuß auf die Wange ausgezeichnet und man sah dem kaiserlichen Herrn die tiefe Bewegung an, in welche ihn diese Scene versetzte. — Von den deutschen Souveränen war neben den fürstlichen Verwandten der kaiserlichen Familie, den Großherzbgen von Baden und Weimar, noch der König von Sachsen zur persönlichen Beglückwünschung des Kaisers erschienen, durch welche unerwartete Aufmerksamkeit dec Kaiser sichtlich angenehm überrascht wurde. Die Bevölkerung der Reichshauptstabt bewies durch ihre leb' haste Antheilnahme an der Jubiläumsfeier wieder einmal, mit welcher Innigkeit sie an ihrem Herrscherhause hängt, den politischen Partei«Unterschieden zum Trotz, welche sonst gerade in Berlin hervorzutreten pflegen. Die Illumination der Stadt am Abend des Jubiläumstages war großartig und kaum hatte Berlin V in einem solchen Lichtmeere gestrahlt. In dieser Woche hat zunächst der Bundesrath seine durch die Weihnachtspause unterbrochene Thäligkeit wieder begonnen, indem seine Ausschüsse am Dienstag eine Sitzung abhielten. Am Freitag folgt der Reichstag mit seiner ersten Plenarsitzung im neuen Jahre nach, womit sein zweiter Sessionsabschnitt eröffnet wird. Derselbe ist der bei Weitem wichtigste Theil der im November vorigen Jahres eröffneten Session, denn erst in ihm wird die Entscheidung Über die verschiedenen den Reichstag bewegenden Fragen fallen und die dieser Entscheidung vorangehenden parlamentarischen Kämpfe dürsten sich aller Voraussicht nach sehr bewegt gestalten. Es ist ja auch in der politischen Atmosphäre des Reichstages eine Menge Zündstoff angelagert, wovon schon die scharfen Auseinandersetzungen, welche zwischen dem Reichskanzler und der Opposition in den vier parlamentarischen Wochen vor Weihnachten anläßlich der Polenfrage, der Missionsthätigkeit in den deutschen Schutzgebieten u. s. w. stattfanden, Zeugniß ablegten. Indessen steht nicht zu befürchten, daß im Reichstage eine Katastrophe, d. h. die Auflösung desselben im Falle einer Niederlage der Regierung in dieser oder jener Frage, erfolgt. Von competenter Seite ist wiederholt versichert worden, daß bje Regierung keineswegs an eine derartige Maßregel denke und so darf man einem normalen Schluffe der Reichstags-Arbeiten und hoffentlich auch positiven Ergebnissen derselben entgegensehen. Die Meldung von privater Seite, daß sich auf der Kreuzer- Fregatte „Stein" in Folge Explosion eines Keffels ein schwerer Unfall ereignet bade, soll sich erfreulicher Weffe als grundlos Herausstellen. Die Fregatte gehört zu dem vor einiger Zeit in Wilhelmshaven gebildeten Schulgeschwader, welches am 19. December v. Js. in Trinidad, also vor der Mündung des Amazonenstromes, eingelroffenM und von da am 10. Januar 1886 weitergehen sollte. Die lange Ministerkrisis in Frankreich kann wohl endlich als beseitigt betrachtet werden. Herr Freycmet hat sich nun doch entschloffen, die Neubildung des Cabinets zu übernehmen und sollte die Veröffentlichung der neuen Ministerliste bereits am Mittwoch erfolgen. Es verlautet, daß auf derselben mehrere der bisherigen Minister sungiren würden. Dem „National" zufolge würde das Programm des neuen Ministeriums drei Hauptpunkte umfassen: Reform des Budgets, Reform der Verwaltung und schließlich Organi- jation des Protectorats über Tongking und Anam, welches aus das Nothwen- I digste beschränkt werden soll. In der Botschaft des Präsidenten würde das Programm des Cabinets genau dargelegt werden. — Offenbar ist die in dem ministeriellen Programme enthaltene Versicherung, daß das Protektorat über Tongking und Anam „auf das Nothwendigste" beschränkt werden solle, ein. Zugeständniß an die Radikalen, welche bekanntlich die Räumung Tongkings- fordern. Dieses Zugeständniß steht indessen in Widerspruch mit der Haltung Freycinetts während der großen Tongking-Debatte in der Deputirtenkammer, wo der Minister versicherte, die Regierung sei entschlossen, die Besetzung Tongkings in allen Stücken aufrecht zu erhalten. Herr de Freycinet hat sich mittlerweile höchst wahrscheinlich überzeugt, daß ohne bedeutende Concessionen in dieser Frage an die Radikalen die Unterstützung des neuen Ministeriums durch di". Radikalen nicht zu haben sei. Ob aber das Cabinet Freycinet wirklich mehr als ein „Verlegenheits-Ministerium" sein werde, bleibt denn doch noch ab- zuwarten. Der Anfang zu Friedensverhandlungen zwischen Serbien und Bulgarien ist nun gemacht worden, indem erstgenannter Staat seinen Gesandten in London, Staatsrath Mijatovic, zum serbischen Delegirten für die Friedensverhandlungen ernannte. Hoffentlich wird jetzt auch Bulgarien seinerseits einen Vertreter zu diesen Konferenzen ernennen und es dürste nur noch erübrigen, den Oct für dieselben zu wählen. Ursprünglich war Sofia hierzu in Aussicht genommen worden, wahrscheinlich, um den Bulgaren eine sofortige kleine Genug- thuung für ihre Siege zu gönnen. Doch ist diese Idee wieder fallen gelaffen worden und werden die Verhandlungen auf neutralem Boden, wie es heißt, in einer rumänischen Stadt, geführt werden. Das neue Jahr hat für die englische Politik in Bezug auf Egypten mit einer erfreulichen Nachricht aus dem Sudan begonnen: Mit derjenigen vom Siege des Generals Stephenson bei Koseh und Ginnis über die aufständischen Sudanesen. Die Niederlage der letzteren stellt sich nach neuerlichen Meldungen noch bedeutender dar, als zuerst, denn die Aufständischen haben allein an Todten über 600 Mann verloren und sind in völliger Aufllssung nach Don- gola zu geflüchtet. Ihren Sieg vollständig auszubeuten, werden aber die Engländer durch ihre numerische Schwäche gehindert; letzteres erhellt auch aus einer Depesche Mukthar Paschas, des türkischen Special-Bevollmächtigten für Egypten. In derselben meldet Mukthar Pascha nach Konstantinopel, daß die Herstellung friedlicher Zustände nur durch Mitwirkung türkischer Truppen möglich sei. Diese Auffassung der Dinge wird in ^London gerade nicht sonderlich angenehm berühren. Das neu gewählte englische Unterhaus wird nicht am 19., sondern am 21. Januar eröffnet. Die griechische Regierung hat ein Rundschreiben an die Vertreter Griechenlands im Auslande gerichtet, in welchem auf die loyale Haltung Griechenlands in der serbisch-bulgarischen Frage hingewiesen wird. Das Schreiben bezeichnet weiter die Situation an der Nordgrenze des Königreiches als voll von Gefahren und giebt dann Der Hoffnung Ausdruck, daß die Mächte bei Regelung der bulgarisch - ostrumelischen Frage den vitalen Interessen Griechenlands- Rechnung tragen würben. In Athen scheint man allen Ernstes gewillt zu fein, aus den jetzigen Balkanwirren irgend etwas für Griechenland herauszuschlagen. Darmstadt, 5. Januar. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 23. December den Straßenmeister Johann Peter Sahlseld zu Grünberg zum Kreisbauaufseher bei dem Kreisbauamte Grünberg zu ernennen; den Stationsvorsteher und Expeditor der Station Zwingenberg der Main- Neckar-Bahn Konrad Pfannmüller auf fein Nachsuchen unter Anerkennung feiner langjährigen treugeleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen und Demselben aus diesem Anlaß das silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen; am 31. December den vortragenden Rath bei der Abteilung des Ministeriums des Innern und der Justiz für öffentliche Gesundheitspflege und Kreis- Veterinärarzt zu Offenbach, Ober-Medkcinalralh Dr. Gustav Lorenz unter Enthebung von seiner Stelle als Kreis-Veterinärarzt zu Offenbach, zum Landgestüts-Veterinärarzt zu ernennen. Darmstadt, 5. Januar. Ein weiterer Bericht des Finanz-Ausschusses bezieht sich auf die Anträge 1) der Abgg. Ohly und Wolfskehl auf Vereinigung der Vorschule für das Gymnasium zu Darmstadt mit dieser Anstalt und Uebernahrne der entstehenden Kosten auf den Staat; 2) des Abg. Metz (Gießen), die in Gießen thatsächlich in Verbindung mit dem Gymnasium be- stehende Vorschule dauernd mit dem Gymnasium zu vereinigen und die hierzu erforderlichen Mittel in das Budget einzustellen; 3) des Abg. Reinhart, int Anschluß an diese Anträge die principielle Uebernahme der Vorschulen der Gymnasien aus Staatskosten zu beschließen. .Referent ist der Abg. Ellenberger. In den Beschlüssen trennt sich der Ausschuß. Während nämlich die Minorität sämmtliche Anträge abzulehnen bittet, beantragt die Majorität. 1) „Großh. Regierung zu ermächtigen, die zu Darmstadt, Gießen, Worms und Bensheim bestehenden Staatsanstalten zu übernehmen; 2) die rubcicirten Anträge damit für erledigt zu erklären." Telegraphische Depeschen. Wolff'K telegr. Eorrespondenr - Brrrearr. Leipzig, 6. Januar. Die gestrige Versammlung deutscher Wollindustrieller, die von einigen Hundert Interessenten aus allen Theilen Deutschlands besucht war, beschloß einstimmig: In Erwägung, daß die deutsche Landwirthschast der Wollindustrie ein Quantum von 2,400,000 Eenrnein Wolle zu liefern im Stande ist, daß aber die Wollindustrie durch einen Zoll in ihrer Weiterentwickelung aufgehalten, die Concurrenz im Jnlande in Frage gestellt, die Exporttähigkeit vernichtet würde, gegen Einführung des Wollzolles zu protestiren und Petitionen in diesem Sinne an den Reichstag und Bundesrath zu richten. London, 6. Januar. Ein Telegramm aus Rangun meldet, die Freibeuter- schaaren entwickelten in Unterbirma fortgesetzt große Thätigkeit. Der commandirende Officier in Schwegzin forderte dringend Verstärkungen; auch in und bei Mandalay werde von Freibeutern ein systematischer Terrorismus ausgeübt und seien daher drei starke Truppen - Abtheilungen abgegangen, um die Macht der Aufständischen zu brechen. — Lord Salisbury und Sir Michael Hicks - Veach theilten durch ein Rundschreiben ihren Parteigenossen in beiden Häusern des Parlaments mit, daß dasselbe am 12. Januar zur Wahl des Sprechers und zur Vereidigung der Mitglieder zusammentrete; die Verlesung der Thronrede erfolge am 21. Januar. — Zufolge einer Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Abri wird die gesammte englische Truppenmacht morgen in nördlicher Richtung zurückgehen. Madrid, 6. Januar. Die Neuwahlen der Eortes sollen Ende März und der Zusammentritt der neuen Cortes Ende April stattfinden. Lokales. _ Gießen, 7. Januar. Den anhaltenden Regen ablösend, stellte sich gestern Abend ein Schneefall mit Sturm ein, welcher innerhalb weniger Stunden den Schnee fast fußhoch fallen ließ. Die Eisenbahnzüge hatten demzufolge Verspätungen zu erleiden. BerrrrischteS. 9ieu-Ulrichstein, 5. Januar. In der hiesigen Colonie befanden sich am 31. December 1885 arbeits-, resp. stellenlos: 27 landw. Arbeiter, Knechte, 2 Bäcker, 1 Kellner, 1 Bergmann, 1 Kesselschmied, 2 Buchbinder, 3 Kaufleute, 1 Fleischer, 2 Klempner, 5 Gärtner, 1 Glasarbeiter, 1 Hutmacher, 2 Korbmacher, 1 Gürtler, 1 Lohgerber, 1 Lackirer, 6 Maler, 7 Maurer, 1 Messerschmied, 2 Sandformer, 4 Schlosser, 2 Schmiede, 5 Schneider, 5 Schuhmacher, 1 Steindrucker, 1 Schleifer, 1 Tapezierer, 3 Tischler, 5 Weber, 2 Schreiber und 1 Weißbinder. In Summa 98 Mann. Der Religion nach waren davon 30 katholisch, 68 evangelisch. Verheiratet waren 4, verwittwet 7, geschieden 2, ledig 85. Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 39, Kurhessen 18, Nassau 4, Rheinprovinz 7, Baden 3, Bayern 2, Provinz Brandenburg 6, Sachsen 1, Westfalen 1, Hannover 3, Pommern 2, Westpreußen 1, Ostpreußen 1, Schlesien 4, Königreich Sachsen 1, Thüringen 4, Württemberg 1. Entlassen wurden im Laufe des Monats December 26. Davon gingen in Stellung durch die Colonie 6, in ihre Familien 3, auf eigenen Wunsch 11, in's Krankenhaus 2, wegen schlechten Betragens entlassen 2, wegen Krankheit entlassen 1, entlaufen 1. Darmstadt, 5. Januar. Am 10. dss. Mts, soll hier eine Versammlung der Vorstände der Deutsch-Freisinnigen Localverbände Hessens stattfinden, um durch Vertrauensmänner aus dem ganzen Lande die Organisation der Partei im Großherzogthum und die Stellung derselben zu wichtigen politischen Tagesfragen in Reich und Land zu berathen. Darmstadt, 6. Januar. ^Turnerisches.^ Der auf dem Mittelrheinischen Turntage Hierselbst ins Leben gerufene technische Ausschuß, dem die Herren Fritz Heidecker-Wiesbaden, Ludwig Reumann-Kastel, Karl Schaffner-Frankfurt, Otto Schatt- Hanau und Karl Demuth-Gießen angehören, hält am nächsten Sonntag, von8Uhr Vormittags an, im Gasthaus „Zum Schwanen" in Offenbach a. M. seine erste Sitzung ab. Die Verhandlungen drehen sich um rein turnerische Fragen, welche den ganzen Mittelrbeinkreis angehen. Mainz, 2. Januar. Der zum Tode verurtheilte Herbst, welcher im Arresthause rnhaftlrt ist, hat den Versuch gemacht, seine Wächter zu bestechen, d. h. er hat ihnen, wenn sie ihm zur Flucht behilflich wären, von dem Gelbe versprochen, das er noch ausstehen habe und das er erheben werde, sobald er die Freiheit erlangt habe. Herbst meinte, die Wächter sollten nur die Traillen an den Fenstern durchsägen. Der auf solche Art gewagte Befreiungsversuch ist natürlich vollständig mißlungen. Mainz, 4. Januar. Zwei Einbruchsvcrsuche sind hier in der Nacht von Samstag auf Sonntaa unternommen worden. Der eine Versuch wurde in dem Hause eures Butterhändlers auf der Grebenstraße gemacht. Dort gewahrte ein Schutzmann, der die Straße abging, eine verdächtige Gestalt, die, als sie den Polizisten sah, Reißaus nahm. Der Schutzmann rannte dem Individuum nach bis zur neuen Brücke, wo er die Verfolgung aufgab, zumal ihn der schwere Mantel, den er trug, am raschen Laufen hinderte. Er kehrte zurück in die genannte Straße und untersuchte das betreffende Haus, des,en Hausthür offen war. Er fand noch andere Thüren offen, ferner auf dem Hausflur eine brennende Laterne, ein Brecheisen, mehrere falsche Schlussel und verschiedene Sperrhaken. Das ebener Erde befindliche Comptoir war durch den Einbrecher bereits ebenfalls gewaltsam geöffnet morden, doch der Kassenschrank, worin sich über 30,000 JL befanden, war noch unberührt. Die Leute im Hause schliefen noch alle, jetzt weckte sie der Schutzmann. Man war herzlich froh bei diesem Elnbruchsversuch 1o glücklich davongekommen zu sein. — In derselben Nacht wurde auch bei einem Colonialwaarenhändler auf der Holzstraße ein Einbruch üer= |ud)t; (US nämlich am Morgen der Laden aufgeschlossen werden sollte, fand sich im Schloß cm Spcrrhaken vor, welcher verdreht war, weßhalb dem Einbrecher das Oeffnen des Schlosses unmöglich gemacht worden war. _ Mainz, 4. Januar. In dem Stadthoussaalc fand am Nachmittag des 30. December die Schlußsitzung des Comitö's für die Wasserbeschädigteu bei der Ueber- schwemniung im Jahre 1882 statt. Aus dem von Herrn Beigeordneten Dr Reinach erstatteten Rechenschaftsberichte war ersichtlich, daß sich die Einnahme aus folgenden Posten zusammensctzte: Aus der Spende des Kaisers durch das LandescomitS JL 25 000, aus den Mitteln des Landescomitö's bewilligt JL 56,000, Sammlungen in Der Stadt JL 31,399.65, Sammlungen von auswärts direct eingesandt JL 57 736 50 Sammlungen von auswärts durch Herrn Provinzialdirector Küchler JL 10 000 ' Zinsen der bei der Volksbank angelegten Gelder JL 1771.93, Summa JL 181,908.08' Durch diele außerordentlichen Zuwendungen war das Comttö in der Lage, folgende Ausgaben zu beftrelten: Beköstigung der Bewohner im Ueberschwemmungsgebiet jl 8027 95 ^ettrag zur Suppenanstalt JL 724.42, Wohnungs-Entschädigung ?c. JL 740.20 Eitt- „gung der Gartner JL 48,708.50, Entschädigung für Mobilien und Waaren- vorrathc ^L 33,005.15, Gebäude-Entschädigung JL 65,763.78, Entschädigung für den Pachter der Ingelheimer Aue JL 6000, für den durch die Wassersnoth, refp. bei Hilfe- letttung bei derfelbcn invalide gewordenen Tambour Eickemüller JL 5600, kleine Aus- r* ^9,080. Der durch die Ausgaben verbliebene Rest von nw1 cv7r rDlliQ7?et.t ^nzer Sparkasse verzinslich angelegt und mit der noch von dem Jahre 18<6 herrührcnden Restsumme für die Wasserbeschädigten verschmolzen so daß nunmehr im Ganzen ein Betrag von JL 20,125.44 vorhanden ist, welche Summe I für etwa später eintretende Ueberfchwemmungen verbleiben soll. Worms, 4. Januar. sTnrnfest.j Im Sommer d. I. findet hier bekanntlich das Mittelrheinische Turnfest statt. Die Opferwilligkeit unserer Bevölkerung für dieses ! Fest documentirt sich schon daraus, daß jetzt bereits 40000 JL zum Garantiefonds gezeichnet sind, darunter allein 8000 JL von der Firma C. Heyl. Marburg, 4. Januar. Das neue Jahr hätte hier beinahe mit einem Unglücksfalle begonnen. Ein spät nach Hause zuruckgekehrler, auf der Ketzerbach wohnender Student war auf dem Sopha liegend eingefchlafen. Morgens gegen 4 Uhr bemerkte ein Nachtwächter Feuerschein in dem Zimmer, man drang hinein und fand dasselbe mit dickem Rauch angefüllr, die Lampe lag am Boden, Tischdecke und Teppiche waren angebrannt, ohne daß sein Bewohner davon erwacht war. Das Feuer wurde alsbald gelöscht und rettete man so den schlafenden vom Erstickungstode, dem er andernfalls sicher zum Opfer gefallen sein würde. (O. Z.) Frankfurt a. M., 2. Januar. Am 29. September 1869 wurde der von Frankfurter Bürgern erbaute eiserne Steg feierlich dem öffentlichen Verkehr übergeben. Gleich von Anfang hielt man das Ziel im Auge, den Verkehr über denselben vollständig frei zu machen; aber erst nach 16 Jahren konnte es erreicht werden. Heute Mittag um 3 Uhr erfolgte die Uebergabe an die Stadt. Einige Hundert Sachsenhäuser Buben waren die Ersten, welche mit lärmenden Hochs im Sturmschritt nach Frankfurt liesen. Der erste^Mann, welcher von Frankfurt über den Steg ging und den Zoll bezahlte, war ein Schuhmacher; der letzte, welcher den Zoll bezahlt hat, war der Hausknecht Klopp. Frankfurt a. M., 6.Januar. Heute Morgen um 10 Uhr wurde im Rechneigraben die nackte Leiche einer 20—25 Jahre alten Frau gefunden. Die Kleider, ein schwarzseidenes Kleid, fline Unlerröcke, Regenmantel, lagen am Ufer. Die Leiche hatte Brillantringe an den Fingern und Ohrringe mit Brillanten. Auf den Rücken war ein Packet festgebundcn. Stuttgart, 5. Januar. Ein französischer Handlungsreisender, welcher gestern Abend ein hiesiges Caf6 chantant besucht hatte, fiel beim Nachhauseweg in angeheitertem Zustande auf unerklärbare Weise in einen Schacht des Nesenbachs, aus welchem er sich "?ch^. mehr herausarbeiten konnte. Er schritt tastend auf dem unaussprechlichen unterirdischen Wege fort, verlor Mantel, Hut und Schirm in dem schlammigen Wasser und gelangte unter jämmerlichen Hilferufen, deren Quelle die Nachbarn nicht zu ent- rathseln vermochten, unterirdisch bis zur königlichen Hofgärtnerei im botanischen Garten, wo er Morgens früh 8 Uhr von Hofgärtner Ehmann halbtodl ob des ausgestandenen Schreckens zu Tage gefördert wurde. Wachen und Schloßbedienstete haben die kläglichen Hilferufe gehört, konnten denselben aber nicht auf die Spur kommen. — In der zur Zeit in Mühlhausen weilenden Menagerie Böhme trug sich bei der Dressur einer Löwin eine schreckliche Scene zu. Dec Thierbändiger Robertc wollte die besagte Löwin zwingen, durch den Reif zu springen. Allein durch mehrmaliges Mißlingen gereizt, warf sich das aufgeregte Thier auf den Thierbändiger und ritz denselben zu Boden. Trotz der Gewandtheit und des Muthes des Mannes wäre es um sein Leben geschehen gewesen, ivenn nicht Frau Böhme und deren Tochter mit Eisenstangen auf das wilde Thier losgeschlagen hätten, so daß es zum Rückzüge gezwungen wurde. Der Thierbändiger kam mit einer leichten Verwundung am Änne davon. Düsseldorf, 5. Januar. Der alte Wedel ist todt und zwar diesmal im ®rnft, schreibt das „Düsseld. Volksbl." Der den Düsseldorfern wohl bekannte Veteran Adolf Wedel ist om 1. Januar 1788 geboren; er wollte um jeden Preis seinen hunden- jährigen Geburtstag feiern und daher erklärte er vor Jahren, als sein „Leichnam" in die Anatomie zu Bonn eingeliefert und das Secirmesser des Professors bereits eingesetzt war, plötzlich zum Ensetzen des Auditoriums: „Herr Professor, wir wollen noch Mal warten." Mit Vorliebe producirte er den sich für den Fall Jnteressirenden die Narbe, die an das Erlebniß in Bonn erinnert. Einige Jahre nach dem Bonner Er- lebniß sollte Wedel eines Morgens im Leichenhause aufgebahrt werden, nachdem man ihn „leblos" auf der Straße aufgefunden hatte. Auch diesmal war es ihm noch zu früh und auf dem Wege zum Kirchhofe protestirte er plötzlich gegen das beabsichtigte Begräbniß. Ein drittes Mal wurde er im vorigen Jahre allen Ernstes todt gesagt. Da sorgte er aber mit Entschiedenheit dafür, daß er nicht mit einem Verwandten gleichen Namens verwechselt werde, den der Tod abgerufen hatte. Für das nasse Element hatte er eine besondere Vorliebe; so sah man ihn, den tüchtigen Schwimmer, während seiner Wirksamkeit als Nheinarbeiter sich oft in den Wellen des Stromes tummeln, manchmal auch darin verschwinden, selbst unter einem Dampfschiff hat man ihn verschwinden sehen, aber immer noch stellte sich der Adolf wohlgemut!) wieder ein. Doch ui der vergangenen Nacht ist er nun wirklich im städtischen Pflegehause gestorben, wo ihm sein Humor bis zum letzten Tage treugeblieben war. Berlin, 2. Januar. Verschiedene Tabaksabrikanten des deutschen Zollgebiets bereiten aus einer Mischung von geschnittenen Rüben-, Cichorien- und Kirschblättern in gebeiztem und gegohrenem Zustande ohne jegliche Verwendung von Tabakblättern ein Erzeugniß, das sie unter der Benennung „deutsches Surrogat mit Wohlgeruch" feilbieten. Die Vermischung dieses Surrogats mit reinem Tabak bleibt den Verbrauchern und die Verfertiger zahlen für die Ersatzblätter keine Steuer. Die Steuerbehörden sind demgemäß angewiesen worden, auch Tadaksurrogate ohne Tabakblätter, welche in vorbezeichneter Weise hergestellt und vertrieben werden, zur Steuer < heranzuziehen. — Aus Belgrad wird der „K.Z." folgende Episode aus der Zeit der Waffenruhe mitgetheilt. Ort der Handlung: Das Wachffeuer einer kleinen bulgarischen Feldwache im Piroter Kreise. Eine serbische Patrouille, welche die Vorpostenstellung abgeht, läßt sich durch den freundlichen Schein der wärmenden Flamme heranziehen, nähert sich mit manierlichem „Guten Abend" und ersucht um die Erlaubniß, sich etwas wärmen zu dürfen, die auch bereitwillig ertheilt wird. Man läßt sich nieder, brennt eine Cigarrctte an, tauscht frugalen Mundvorrath und einen Trunk Wasser und beginnt ein neutrales Gespräch über die Beschwerden des Kriegsdienstes, das sich durch die Erzählung einiger Thaten und Abenteuer ganz gemi'tthlich anläßt, aber allmältg auf das Gebiet der Politik abschweift. Man kommt auf die Ursachen des ganzen Zwistes und ein serbischer Krieger versteigt sich zu einer gröblich kritischen Aeußerung gegen den Fürsten Alexander. Der nächste Vulgär holt ohne viele Umschweife mit seinem nächsten Bein aus und verabreicht dem unartigen Gast einen wohlgezielten Tritt. In einem Augenblick ändert sich das ganze Bild. Der Serbe überkugelt sich nach rückwärts, die ganze Gesellschaft fährt empor und greift zu den Waffen. Doch am gastlichen Wachtfeuer kam es nicht zum Kampfe. Die serbische Patrouille zog sich hundert Schritt zurück und eröffnete das Feuer. Von bulgarischer Seite antwortete eine Salve und drei Serben färbten mit ihrem Blute den Schnee. Dann aber pflanzte sich das Feuer fort. Rechts und links, hüben und drüben knallten die Schüsse. Unterstütznngs- abtheilungen rücken herbei. Meldungen gingen hin und her. Das Hauptcorps der Vorposten trat unter die Waffen. Die zunächst livgenden Truppen wurden alannirt und in Bewegung gesetzt. Bataillone marschirtcn hin und her. Ordonanzen galoppirten nach Pirot und Risch. Es wurden Rapporte geschrieben, die den ersten, im Grunde genommen ordnungswidrigen Vorgang verhüllten, umformten und von Stufe zu Stufe vergrößerten und mit neuer Wichtigkeit umgaben. Als der Telegraph schließlich den Vorgang nach Belgrad und wahrscheinlich auch nach Sofia berichtete, war aus der Rempelei am Wachtfeuer eine neue, beunruhigende Geschichte von schändlich treulosem Waffenruhe in großem Maßstabe erwachsen, die ohne Zweifel den Vertretern der Machte zur Kenntniß gebracht und von diesen mit allgemeinem Schütteln des Kopfes entgegengenommen wurde. — Aehnliches hat sich wohl mehrfach ereignet und ift dann gehörig aufgebauscht worden. — Aus Apolda wird berichtet: Eine tragi-komische Sccne entwickelte sich hier ui der Sonntagsnacht in der Teichgasse; ein dortiger Anwohner wandert mit nichts weiter als einem Bernde bekleidet in der Straße umher und — suchte sein Bett. Einige vom Balle heimkehrende junge Leute suchten den vor Frost Klappernden von seinem Jrrthum abzubringen, hatten aber im Anfänge ihre liebe Roth, ja sie stießen sogar auf Widerftand, so sehr waren dem Armen die Sinne umnebelt; endlich fand man seine Kleider zuiammengelegt vor der Thüre seines Wohnhauses liegen, wo er nunmehr einigermaßen ermuntert dieselben wieder in Empfang nahm. Hoffentlich hat ihm die Promenade nichts geschadet. .. ~X®’?1 ®etcrran-l Am 28. December starb zu St. Leonhardt im Pasfeycr der greise Bruhwtrth Josef Holzknecht, der Schwiegersohn Andreas Hofers und Kampf- sS* im * ■ Poffall' in tinett HtMr MeM" Strait lickt, a"' das"! iuf.# feint M M. * Mirritbtn- tonnte M milbtreH so viel Lt worben I” in diesem rung der bracht woi überwiesen deutende R Resolutioni war. dah | Zur „nochn Athenischer . Rae r>um |U -2 die noch re unb tzgrri Jman er dasselbe w Nn Ang ts'st ij! M die A üch dre S, * ®!Ji) man ft" tonn bi' welk