Nr. 82 Erstes Blatt. Sonntag den 7. Februar 1886 Eichener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ». Erschaut tie-ich mit M »oute«». Urch'd^P°skW-n ........ j ■■Hl >—nWBMgMM|llll11 li'll IIIJU J I. Amtlicher THeil. Gefunden: 1 Paar Manschetten, 1 Schürze, 1 ledernes Täschchen, 2 Körbe, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Vorstellladen, einige Meter Spitze, 1 Tuch. Gießen, am 6. Februar 1886. Großherzogliches PolizeiamL Gießen. Fresenius. Deutschland. Darmstadt, 5. Februar. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben Mergnädigst geruht: Am 23. Januar den Historienmaler Ludwig Hofmann zu München zum Museums-Jnspector zu ernennen und zu genehmigen, daß demselben fpecied die Jnspection der Gemäldegallerie, des Antikensaals und des Kupferstich- und HandzeichnungS-Cabinet« übertragen wird. — Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 30. Januar den Privatdocenten an der technischen Hochschule, Dr. Rudolph Adamy dahier, unter Verleihung des Ranges und Amtstitels eines Mustums'Jnspectors die Stelle eines Assistenten bei dem Museum zu übertragen und zu genehmigen, daß demselben die selbstständige Jnspection der Sammlungen von Alterthümern, Erzeugnissen der Kunst-Industrie und ethno- graphischen Gegenstände überwiesen wird. X Darmstadt, 5. Februar. ^Zweite Kammer der ßanbftänbe.J Nach Verlesung einiger Einläufe schreitet man zur Berathung über ben Antrag bes Abg. Osann „auf Vorlage eines Gesetzentwurfes, in welchem bas gesammte Feuerlöschwesen einheitlich für bas Großherzogthum geregelt wirb." Der Ausschuß ist von der Nothwendigkeit ber gesetzlichen Regelung bes Feuerlöschwesens überzeugt unb spricht bie Erwartung aus, baß von Seiten ber Negierung ein Gesetzesentwurf baldigst zur Vorlage kommen möge. Abg. Vogt wünscht, bem Gesetzesentwurf möge eine Instruction für planmäßige Löschung bei Bränben angehängt werben. Der Regierungs-Commissär Ministerialrath Rothe theilt mit, baß die Regierung bereits Stellung zur Regelung bes Feuerlöschwesens genommen habe unb bemnächst ber Kammer Vorlage machen werbe. Hiernach wird ber Antrag Osann für erlebigt erklärt. Zur Berathung gelangt hierauf ein Antrag der Abgg. Werth unb Reinhart, „bem Rehbock, ganz analog wie in Preußen, für bie Monate März unb April Schonzeit zu gewähren." Die Regierung erklärt, diesem Anträge erst Berücksichtigung schenken zu können, wenn bie I. unb II. Kammer bemselben ihre Zustimmung ertheilt habe. Die Abgg. Werth unb Reinhart treten in längerer Rebe für ben Antrag ein, derselbe wird jedoch, nachdem bie Abgg. List, Wasserburg, Jöst noch bagegen gesprochen hatten, mit allen gegen 11 Stimmen abgelehnt. Der Abg. Heinzerling bringt zunächst ben Bericht über die vom IV. Ausschuß vorgenommene Wahlprüfung der Abgg. Jöst und Ullrich zur Kenntniß der Kammer und spricht sich derselbe dahin aus, die Wahl für gültig zu erklären, da allen Bestimmungen Genüge geleistet sei. Die Kammer schließt sich diesem Antrag an. Die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Bewilligung des Betrages von 1160 JL zur Bestreitung der Kosten der Mobiliarausstattung des Sitzungssaales im Kreisamtsgebäude zu Offenbach aus den bei dem Neubau dieses Gebäudes erzielten Ersparnissen findet ohne Debatte die Genehmigung des Hauses. Bezüglich eines Antrages des Abg. El len berg er, die Unterstützung ärmerer mit Communalsteuern allzu stark belasteter Gemeinden bei Aufbringung der Mittel i. B. für Schulhausbauten, Lehrerbesoldungen :c. betr., wurde beschlossen, folgendes Ersuchen an Großh. Regierung zu richten: „Großh. Regierung möge bei Aufstellung des nächsten Staatsbudgets in nähere Erwägung ziehen, ob es thunlich erscheine, ärmeren Gemeinden noch reichlichere Unterstützungen in 'der im Antrag angedeuteten Richtung als seither aus Staatsmitteln zu gewähren. Der Antrag Schade, „das landwirthschaftliche Genossenschaftswesen betr.", wird wegen Abwesenheit des Antragstellers zurückgestellt. Von Seiten des Abg. W asserburg ist der Antrag gestellt, die Einführung von Wahlcouverten bei öffentlichen Wahlen zu beschließen. Der Antragsteller betont, daß danür den corrumpirenden Wirkungen der Wahlbeeinflussung entgegengetreten werde, doch würden auch hiermit nicht alle Schäden geheilt. Die Tendenz seines Antrags gehe vielmehr darauf hinaus, die Kammer zu veranlassen, der Frage der Wahlbeeinflussung im Allgemeinen näher zu treten und sich über die Mittel schlüssig zu machen, wie diesem Treiben abzuhelfen sei. Der Abg. Möhn berichtet, daß der Ausschuß sich diesem Antrag anschließe, da er die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer besseren Wahrung des Wahlgeheimnisses anerkenne. Die Art und Weise, wie eine solche zu bewerkstelligen sei, bedürfe jedoch einer eingehenden Erwägung. Die Kannner beschließt einstimmig, Großh. Regierung zu ersuchen, Maßregeln zu ergreifen, um einen besseren Schutz des Wahlgeheimnisses bei öffentlichen Wahlen herbeizuführen. Zuletzt kommen noch zwei Interpellationen zur Verlesung und zwar: 1) die von dem Abg. List und Genossen, den Bau einer Secundärbahn von Alsfeld nach Schotten betreffend, 2) die von den Abgeordneten Ullrich und Jost, die Uebernahme der Volksschulen auf den Staat, bezw. Einführung allgemeiner Volksschulen durch den Staat betreffend. Heute Mittag 4 Uhr: Fortsetzung der Beratungen. Berlin, 5. Februar. Gegenüber den Nachrichten russischer und englischer Blätter über unrichtige Construction und Seeuntüchtigkeit der chinesischen, in Stettin gebauten Kriegsschiffe, sowie über stattgesundene Entlassung der deutschen See-Officiere wird der „Rordd. Allg. Ztg." von einem deutschen Officier, welcher mit den chinesischen Panzerschiffen s. Z. nach China gegangen ist, mitge- theilt, diese Nachrichten über die Panzerschiffe seien schmähliche Unwahrheit. Die Schiffe seien auf der Ueberfahrt von zahlreichen englischen, französischen und holländischen Ossicieren besucht und nur in hohem Grade lobend beurtheilt worden. Der chinesische General Ting habe bei Uebernahme der Schiffe seine vollste Zufriedenheit mit denselben ausgesprochen. Dieselbe Correspondenz erklärte ferner die behauptete Entlassung deutscher See-Officiere, ausgenommen die des Admirals Sebelin, für völlig unbestätigt. Kngland. London, 5. Februar. Wie die „Daily News" erfährt, wird die Königin auf den Rath Gladstone's einen neuen Vicekönig von Irland ernennen. — Henry Fowler ist zum Finanzsecretär des Schatzamtes und Hilbert zum Secretär der Admiralität ernannt. ArMand. Petersburg, 5. Februar. Das „Journal de St. Pötersbourg" bezweifelt, daß durch den ergangenen Jrade des Sultans das türkisch-bulgarische Uebereinkommen bereits sanctionirt sei; denn ein internationaler Akt könne nur nach Zustimmung aller contrahirenden Theile sanctionirt werden. Der Jrade könne höchstens bedeuten, daß die Pforte ermächtigt werde, das Uebereinkommen den Mächten mitzutheilen und deren Zustimmung nachzusuchen. Reichstag. E. R. Berlin, 5. Februar 1886. Der Reichstag genehmigte in seiner heutigen Sitzung in erster und zweiter Beratung ohne jede Debatte den Gesetzentwurf, betreffend die Bürgschaft des Reiches für F- । Zinsen einer egyptischen Staatsanleihe. Es handelt sich hierbei um eine Anleihe fin;.fffectivbetrage von 9 Millonen Pfund Sterling nach Maßgabe der Bestimmungen btF'V-":. 18. März 1885 zu London unterzeichneten Uebereinkunft. Zweiter Gegenstand der Tagesordnung war die Berathung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des § 137 des Gerichtsverfassungsgesetzes. Beim Erlasse dieses Gesetzes war man von der Annahme ausgegangen, daß eine Verschiedenheit in der Rechtsprechung der Civilsenate gegenüber derjenigen der Strafsenate nicht vorkommen würde. Diese Voraussetzung ist aber nicht in Erfüllung gegangen, deßhalb soll der in dem zur Verhandlung gelangten Entwürfe enthaltene neue Paragraph die Verhütung und Ausgleichung dieser Verschiedenheit regeln. Die rein technischen Ausführungen der Redner, Abgg. Klemm, Dr. v. Cuny und Dr. v. Gräoenitz, fanden nur geringe Aufmerksamkeit. Die Materie wird, bevor sie zur zweiten Berathung gelangt, von einer freien Commission Sachverständiger diskutirt werden. Bei den darauf folgenden Wahlprüfungen wurden die Wahlen der Abgeordneten Dr. Virchow, Prinz Handjery, Noppel, Dr. Delbrück, Klemm, Fähr- mann für giltig erklärt; bezüglich der Wahl des Abg. Dr. Kropatscheck wurde die Ergänzung der Beweisaufnahme wegen einiger vorgekommenen Unregelmäßigkeiten beschlossen. Eine längere Diskussion knüpfte sich an die Berichterstattung über die Wahl des Abg. Richter im 4. Wahlkreise des Regierungsbezirks Arnsberg. Das Verbot einiger socialdemokratifcher Wahlversammlungen hat einen Protest gegen die Giltigkeit der Wahl veranlaßt. Nach wiederholten Bemerkungen der Abgeordneten Ha sen- clever, v. Köller, Singer, Rickert, Spahn und Francke wurde nach dem Anträge der Commission, über einige Punkte Erhebungen anzustellen, beschlossen. Nächste Sitzung Montag. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Esrrespondenz - Brrrearr. Paris, 5. Februar. In Parlamentskreisen verlautet, bie äußerste Linke halte ben Antrag auf Ausweisung ber Prinzen für inopportun, baher ist dessen Zurücknahme wahrscheinlich. — Meldungen aus Saint Quentin zufolge fanden daselbst gestern Abend in Folge der Zusammenrottung von strikenden Arbeitern Ruhestörungen statt, zu deren Beseitigung die Gensdarmerie einschritt. Belgrad, 5. Februar. Die Antwort der serbischen Regierung auf*bie Collectiv- note ber Mächte ist den Vertretern des letzteren heute übergeben worben. In derselben wird lediglich erklärt, daß die serbische Regierung den Inhalt der Collectio- note zur Kenntniß nehme, sie glaube, daß es ihr nicht zustehe, sich in eine Diskussion einzulassen, da die Beschlüsse der Mächte einen definitiven Character trügen. Lokale-. Gießen, 6. Februar. Stadtverordnetensitzung am 4. Februar, Nachmittags 4 Uhr. Anwesend Herr Beigeordneter Heß als Vorsitzender, sowie die Herren Stadtverordneten Bai st, Georgi, Dr. Gutfleisch, Hoch, Hornberger, Kauf, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt u. Wortmann. Nach Eröffnung der Sitzung wird der Dank eines hiesigen Einwohners für ein ihm zugewiesenes Legat aus der Gai loschen Stiftung durch den Vorsitzenden an die Versammlung ausgesprochen. t . Von der zur Berathung anstehenden Tagesordnung wurden die einzelnen Positionen wie folgt erledigt: _ 1 . Verwerthung des Eichenstamm Holzes aus dem Stadtwalde auf dem Submissionswege, in den vorgeschriebenen Organen in 4 Loosen zum Ausgebote gelangt, wurde von den eingelaufenen 4 Offerten diejenige der Firma F. Wüstefeld in Wabern resp. Hannövr.-Münden für die Loose 1, 2 und 4 genehmigt, dagegen soll Loos 3, weil das eingelegte Gebot zu gering, auf Vorschlag der Oberforsterei zur Versteigerung ausgeschrieben werden. Ein Nachgebot eines hiesigen Industriellen konnte, als unzulässig, nicht berücksichtigt werden. Es wurden erzielt p. Cubikmeter: Loos 1 = 21.10 vM, Loos 2 = 18.50 und Loos 4 = 19.10 Dem Gesuch der Interessenten der Branntwein- und Liqueur-Jndustrie behufs Stellungnahme gegen das geplante Branntweinmonopol wird lebhaft zugestimmt und einer Commission, bestehend aus den Herren M. Homberg er und Commerzien- rath A. Noll der sofortige Entwurf einer Eingabe an Großh. Regierung, ähnlich derjenigen der hiesigen Handelskammer, übertragen; da diese Angelegenheit als dringlich erkannt wird, soll für Samstag, den 6. Februar, Nachmittags 5 Uhr eine außerordentliche Sitzung berufen werden, in welcher der fertige Entwurf zur definitiven Genehmigung vorgelegt wird. Dem Gesuche des Bäckermeisters Horn um Ueberlassung eines Holzlagerplatzes wird entsprochen und für den vorgeschriebenen Platz eine jährliche Abgabe osn 4.57 JL festgesetzt. Die Aufstellung eines Brunnens in der Nordanlage hat wegen der schwierigen Platzfrage immer noch keine definitive Erledigung finden können; ein Angebot des Herrn Carl Stückrath, denselben auf seinem Grund und Boden aufzustellen, wird deshalb berücksichtigt und beschlossen weitere Rücksprache mit demselben zu nehmen. Erbauung eines Hauses, für die Herberge gjir Heimath. Der Verein für innere^Mission fragt an, ob der Erbauung genannten Gebäudes auf einem von Herrn G. C. Simon zu erwerbenden und direct hinter der neuerbauten Mädchenschule an der Westanlage gelegenen Gründstücke von Seiten des Stadtoorstandes keine Schwierigkeiten gemacht werden, event. ob demselben ein Zugang von der Westanlage aus, etwa der alte Schoorweg, nebst Beleuchtung ?c. gewährt würde, lieber diesen Gegenstand entspinnt sich eine sehr lebhafte Debatte und wird besonders der Umstand dagegen in die Waagschale fallen, daß die Errichtung eines derartigen Instituts so in'unmittelbarer Nähe einer Schule, besonders einer Mädchenschule, doch nicht rathsam sei; da eine wirkliche Erwerbung des Grundstückes noch nicht stattgefunden hat, ein definitiver Antrag daher auch noch nicht vorgelegt werden kann, so wird beschlossen, .weitere Verhandlungen hierüber vorerst auszusetzen. Der Versammlung wird mitgetheilt, daß das Baugesuch des Schreinermeisters Hrn. Emil Müller in der verlängerten Schillerstraße von Seiten der Polizeibehörde auf Grund des § 25 der Bauordnung ohne Bedingungen genehmigt sei. Dem Gesuch des Stadtgärtners Balser, behufs Ableitung des Wassers aus seinem Garten, hier Unterführung von Drainröhren unter einem städtischen Wege, wird unter den üblichen Bedingungen stattgegeben; dagegen kann dem Gesuche der Bewohner des Sellersberges behufs Eröffnung einer Verbi n d u n g s str a ß e m i t d e m B a h n h o fe mit der dabei nöthigen Ueberbrückung des Bahnkörpers wegen zu großer Kostspieligkeit des Projectes vorerst nicht näher getreten werden; es wäre erst abzuwarten, ob allenfalls durch den Kliniksneubau in diesem Stadttheile die Dringlichkeit des Antrages näher rückt. Hierbei beantragt Herr Dr. Gut fleisch, die Erledigung der Angelegenheit des Bahnüberganges an der Rü sing'scheu Wirth- schaft bei Großh. Ministerium in Anregung zu bringen. Die Fassung des Stadtbaches in eine Steinsohle soll für dieses Jahr, anstatt der vorgesehenen 400 Meter, bis an das Thorhaus am Selterswez d. i. 430 Meter, zur Ausführung kommen. Auf ergangene Anfrage macht Herr Albr. Stein die Mittheilung, daß er die Ausführungen dieser Arbeiten von der Südanlage abwärts wegen der hier immer, höher werdenden Böschungen und dadurch schwierigeren Transport des Materials, zu keinem billigeren Preise Herstellen, dagegen von der Ostanlage aufwärts den Preis um JL. 2,50 pro laufenden Meter erniedrigen könne, wovon die Versammlung zustimmend Kenntniß nimmt. Auf ein an Großh. Polizeiamt gerichtetes Baugesuch des Herrn R übsamen sollen die Rivellirungspläne des Hamm, der ja doch von der inneren Stadt vollständig getrennt, für sich fertig gestellt werden. Verschiedene Kostenrechnungen werden genehmigt. Ein Vermächtniß der verstorbenen Fräulein Antonie Geßner, Jl. 700, mit der Bestimmung, für die Zinsen ihre Grabstätte, sowie die ihres verstorbenen Vetters, Professor Leopold Schmidt, zu unterhalten und den Ueberschuß am 2. December, dem Todestage des Letzteren, einem bedürftigen Armen auszuhändigen, wird angenommen. Einem Gesuch des Weißbindermeisters Hrn. Will). Seipp, Abtragung einer Böschung im alten Feld, wird unter den üblichen Bedingungen zugestimmt. Ferner wird mitgethe'lt, daß der Stadtgärtner Balser auf den Fcldschutz verpflichtet wurde und daß der Druck und die Herstellung von 1600 Stück Obligatiomn zur Anleihe der Stadt, der Druckerei Nau mann in Frankfurt für den offerirten Preis von 590 JL übertragen worden sind, was ebenfalls Zustimmung findet. Auf die Anfrage des Spenglermcisters Hrn. Carl August Faber, ob er bei event. Erwerbung des Hauses seines Nachbars, Hrn. Jul. Hoos, einen Neubau errichten könne, ohne an Raum abgeben zu müssen, wurde bejahend erkannt. Mit dieser Zustimmung wurden die von demselben und seinem eben genannten Nachbar abgeschlossene Kaufabschlüsse perfect. Schluß der öffentlichen Sitzung 6 Uhr. Das Paradies und die Peri- Dichtung aus Lalla Rookh von Th. Moore, Musik von R. Schumann. V. *** Im Anfang des dritten Theils wird uns durch den Chor der Houris ein Einblick in den Himmel eröffnet, nach Anschauung der Indier. Immer noch ist Peri's Gabe nicht die rechte und fast in Verzweiflung wendet sie sich der Erde wiederum zu. Die Sehnsucht nach dem Paradiese veranlaßt sie, muthig und ohne Rast und Ruh nach dem Kleinod zu suchen. In Nr. 20 finden wir ein wahres Muster musikalischer Charakteristik für die Peri. Alles erscheint leicht zusammengewoben und doch voll mannhaften Muthes. Ruhig, aber schmerzlich bewegt läßt die Peri den Spott der leichtfertigen Schwestern über sich ergehen, endlich naht sie dem Ort, an dem ihr des heißesten Wunsches Erfüllung werden soll; aus mancherlei Zeichen dämmert ihr ahnungsvolle Gewißheit auf, daß sie „hier gewahrt, was Eden öffnet den sündigen Wesen" und Schumann faßt den Moment in seiner ganzen großen Bedeutung auf. Mit hoher Meisterschaft ist die Peri in ihren: weiteren Verlauf zu Ende geführt, was besonders in dem Schlußgesang-. „Freud', ewige Freude, mein Werk ist gethan" hervortritt, einem Siegeshymnus gleich, breit und glänzend tritt dieser Satz vor uns hin, nur ein nach Stimmung und Ausdruck gleich bedeutendes Musikstück steht ihm gegenüber, das Duett in Beethovens Fidelio: „O namenlose Freude." Das ganze Werk ist wohl offenbar als der Gipfelpunkt der Entwicklung Schumanns zu betrachten. Die ganze Fülle des zum Theil von ihm geschaffenen, zum Theil umgestalteten musikalischen Ausdruckes faßte er an einem bedeutsamen Ereigniß zusammen, um ihn aus musikalischem Gebiet Gestalt werden zu lassen. Wir schätzen das Oratorium als das hervorragendste Werk, welches der Componift geschaffen und mit ihm hat er auch sicherlich seinen größten Gedankenreichthuiu niedergelegt in herrlichen unvergänglichen Tönen. Wenn auch das Studium Mühen und Arbeit erfordert, so sind wir überzeugt, daß Jeder, der die Musik als eine ernste Kunst auffaßt, mit Lust und Liebe sich den Anforderungen unterwirft und, somit sein Bestes einsetzen wird, um dem Namen „Schumann" Ehre zu machen und auf diese Weise wird die Aufführung, unterstützt durch namhafte Solisten ihre Wirkung nicht verfehlen. — a— Handel und Verkehr. Gießen, 6. Februar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund A 0.80—0 95, Hühnereier pr. Stck. 7—0 Enteneier St- 0—0 Käse pr. St. 5—8 Kasematte 3—0 Erbsen pr- Liter 22 H, Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 H, Hühner per Stück JL 1.30—1.70, Hahnen pr. Stück JL 1.50—1.80, Enten per Stück JL 1.70—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 54—56 H, Schweinefleisch 50—60 X Hammelfleisch 50—66 H, Kalbfleisch 48—50 Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.50—0.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner JL 7.00-0.00. Auszug aus den Standesamtsregistern des Staudesamts Gießen. Aufgebote. _ Februar: 1. Kellner Ludwig Feldhaus mit Magdalene Luzius, Tochter des Schneidermeisters Georg Luzius von Assenheim. 4. Kaufmann Otto Ewald Spannagel von Lennep mit Marie Wilhelmine Fischer, Tochter des Rentners Johann Fischer von Gießen. Eheschließungen. Februar: 3. Kellner Johannes Schieferstein mit Lina Appel von Einartshausen. 3. Bäcker Jacob Horn mit Anna Jakobine Hubeler, Tochter des verstorbenen Bahnwärters Peter Hubeler von Gießen. Geborene. Februar: 22. Dem Fuhrmann Philipp Böcher eine Tochter. 24. Dem Hülfs- breinser Heinrich Schneider eine Tochter, Elisabethe. 25. Dem Bäckermeister Karl Lenz eine Tochter. 25. Dem Taglöhner Ludwig Schneider ein Sohn, Johann Wilhelm. 25. Dem Schuhmacher Wilhelm Schmidt ein Sohn. 26. Dem Zimmermeister Heinrich Ruckstuhl II. eine Tochter. 27. Dem Schuhmacher Heinrich Lepper ein Sohn. 27. Dem Gepäckträger Georg Lesch Zwillinge, Lina und Emma. 31. Dem Schlosser- Wilhelm Giesler ein Sohn. Februar: 1. Dem Fabrikarbeiter Karl Drescher ein Sohn. Gestorbene. Januar: 30. Susanne Hilgardt, geb. Bernbeck, 64 Jahre alt, Ehefrau des Spenglermeisters Ludwig Hilgardt. 30. Rentner Ludwig Vogt, 56 Jahre alt. 30. Bäcker- Julius Kulb, 32 Jahre alt, von Großkarben. 31. Friedrich, 7 Monate alt, Sohn des Zimmermanns Jacob Best I. von Waldgirmes. 31. Karl Lich, 17 Jahre alt. 31. Louis, 6 Jahre alt, Sohn des Rangirers Ludwig Schneller. Februar: 1. Gertrude Merkel, geb. Röder, 35 Jahre alt, Ehefrau des Taglöhners Peter Merkel. 1. Taglöhner Philipp Becker, 45 Jahre alt, von Annerod. 1. Lehrer Wilhelm Göbel, 21 Jahre alt, von Braunfels. 2. Küfer Franz Jordan, 44 Jahre alt, von Steinweg. Auszug aus dm Kirchenbüchern der Stadt Meße«. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 3. Februar. Johannes Schieferstein, Kellner zu Gießen, und Lina Appel zu Gießen. Denselben. Jakob Horn, Bäcker zu Gießen, und Anna Jakobine Hubeler, Tochter des verstorbenen Bahnwärters Peter Hubeler zu Gießen. Getaufte. Den 31. Januar. Dem Schreinermeister Ferdinand Wilhelm Wiedmeyer ein Sohn, Carl Max Erich Christian, geboren den 27. December 1885. Denselben. Dem Bäckermeister Fritz Schreiner eine Tochter, Elsa Hermine Henriette, geboren den 10. December 1885. Denselben. Dem Schaffner Konrad Kaspar Kaus ein Sohn, Wilhelm Heinrich Philipp, geboren den 18. Januar. Denselben. Dem Kaufniann Philipp Krailing eine Tochter, Wilhelmine Christine Rosa Luise Justine, geboren den 9. Januar. Denselben. Dem Maurer Friedrich Gümbel ein Sohn, Friedrich, geboren den 24. December 1885. Denselben. Dem Schuhmacher Balthasar Wacker ein Sohn, Wilhelm Heinrich, geboren den 3. Januar. Beerdigte. Den 31. Januar. Heinrich Todt, Club-Diener, lediger Sohn des verstorbenen Postillons Johannes Todt, alt 28 Jahre, starb den 29. Januar. Denselben. Susanna Hilgardt, geb. Bernbeck, Ehefrau des Spenglers Ludwig Hilgardt, alt 64 Jahre, starb den 30. Januar. Den 1. Februar. Louis Vogt, Oecononi, ein Wittwer, alt 56 Jahre, starb den 30. Januar. Den 2. Februar. Carl Lich, lediger Sohn des Taglöhners Wilhelm Lich, alt 17 Jahre, starb den 31. Januar. Brodpreife vom 7. bis 21. Februar 188 6. der Bäcker $ Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27 „ (4 Pfd.) Weißbrod .... 54 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei K. Haas, L. Keil, I. Lenz . 63 Gießen, den 6. Februar 1886. der Brodverkäufer 4 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . . . . 27 2 „ U „ ) .......54 1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 24 2 r (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 48 3 „ (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte — 1 lf (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 21 2 „ (4 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 4ß 3 (6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 63 Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. All gemeiner Anzeiger. Herren- u. Damen-Wäsche. Durch einen günstigen Gelegenheitskauf bin ich in der Lage Einen Posten prima HerremHemben, Einen Posten prima Damen ^emüen außergewöhnlich billig verkaufen zu können. ,05 iP/te Ettinger. Iebensverficherungsbank f. D. in Gotha. Größte Deutsche Lebensversicherungs-Anstalt. Niedrigste Prämimsätze, höchste Dividende, z. Zt. 44pCt. der Jahresprämie, oder nach Wahl steigende Dividende. Dividenden werden von allen Versicherungsjahren gewährt, worauf sehr zu achten. Verwaltungskosten nur 5,09 pCt. der Jahreseinnahme. Alles Nähere bei Herrn F. Gros, Bahnhofstr. 66. 68 Das Bureau für Stellenvermittelung des Kaufm. Vereins in Frankfurt a. Main (unter Patronat der Handelskammer) besetzte, vermöge seiner ausgedehnten Verbindungen, in den letzten 6 Jahren weit über 6000 Stetten. 4667 Gerhesßslht Eisenbchnen. Die Lieferung von Betriebs« und Werkftattematerialien für die Zeit vom 1. April 1886 bis 1. April 1887 soll im Submissionsoerfahren vergeben werden. Lieferungsangebote sind spätestens bis zum 22. Februar 1. I., Vormittags 10 Uhr, portofrei, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns cm» zusenden. , „ „ Bedingungen nebst Materialien - Ver- zeichniß können gegen Franko-Einsendung von 70 H durch unsere Kanzlei bezogen werden. Gießen, den 30. Januar 1886. Großherzogliche Directton. 884 In der Privatklagesache der Margaretha, Konrad Arnold V. Ehefrau geb. Kümmel aus Großen - Bufeck, Privatklägerin, gegen den Konrad BonariuS IV- von da, Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das Gr. Schöffengericht zu Gießen am 23. December 1885 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Beleidigung in eine Geldstrafe von 10,00 «X eventuell 3 Tage Ge- fängniß und in die Kosten einschließlich der der Privatklägerin erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt. Die Widerklage des Angeklagten wird abwiesen. Der Privatklägerin wird das Recht zugesprochen die Verur- theilung des Angeklagten auf Kosten desselben einmal im „Gießener Anzeiger" bekannt machen zu lassen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. Gießen, den 1. Februar 1886. Lind, 862 HülfSgerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts. Holz-Versteigerung. Im Gräfl. Solms - Laubach'schen Revier Arnsburg, District Feuerstett, Kolnhäuserkopf und Seif am Pfahl» graben, kommen Donnerstag, den 11. d. Mts. zur Versteigerung: Scheit-, Prügel-, Stock-, Neiserholz N a u m m e t e r Buchen 84 54 31 221 Eichen — 77 101,5 523 Nadel — - - 27 ferner 107 Eichen-Stämme von 6 bis 13 M- Länge, 21 — 36 Ctm. Durchmesser — 46,40 Cbm., 10 Fichtenstangen von 5—13 M. Länge, 8 bis 14 Ctm. Durchmesser — 0,92 Cbm. Das Stammholz wird abwechselnd mit dem Brennholz, dagegen die Reiser sollen während der Pause versteigert werden. Zusammenkunft Morgens 10 Uhr am Grüninger Fußpfad. Arnsburg, den 6. Februar 1886. 870 Henckel. Montag den 8. Februar, Nachmittags 2 Uhr, werden in der F le t t 1 scheu Hofraithe dahier Glas-, Küchen- und Kleiderschränke, Sopha's, Tische, Stühle, Uhren, Kommode, Bilder, Spiegel, Konsolchen, 1 Blumen- u. 1 Schreibtisch, 1 Nähmaschine, 1 vollst. Bett, 1 Kassaichrank, 2 Kanarienvögel mit Käfig, 1 Ladeneinrichtung, 1 Wagen und l Pferd, öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. Bühner, 880 Gerichtsvollzieher. Oeconomieverfleigerung nämlich: 1 Wagen, 2 Pflüge, 2 Eggen, 1 Fegmühle, 1 Pfuhlsatz, 11 Hühner, 1 Hahn und sonstige Gegenstände lasse ich Mittwoch den 10. Februar, Nachmittags 2 Uhr, bei meiner Wohnung öffentlich versteigern. August Noll, Oeconom, $59 Rittergasse 23. Chili-Salpeter In ca. 8—10 Tagen beginnen die Bezüge von Chili-Salpeter für die Frühjahrssaison und lasse ich Waggonladungen zunächst nach folgenden Stationen gehen: Alsfeld, Niedergernünden, Grünberg, Gießen, Lich, Hungen, Lollar, LanggönS, Nauheim und Friedberg. Diejenigen Landwirthe oder Vereine zu gemeinschaftlichen Bezügen, welche ihre Bestellungen noch nicht aufgegeben haben, wollen sich geft. an mich, auch bei Bedarf in anderen Kunstdüngersorten, wenden, damit die rechtzeitige Ver- theilung unter Berücksichtigung der Wagenladungsfracht zu Gunsten meiner Abnehmer geschehen kann. 857 Gießen, 6. Februar 1886. A. Hais. 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In der Privatklagesache des Ludwig Wilhelm Schmidt in Birklar, Privatklägers und Widerbeklagten, gegen den Heinrich Köhler — Sohn des Metzgers Adam Köhler — und gegen Philipp Pauli — Sohn des Maurers Heinrich Pauli — von Langsdorf, Angeklagte resp. Widerkläger wegen Beleidigung hat das Großh. Schöffengericht zu Lich in seiner Sitzung vom 18. Januar 1886, an welcher Theil genommen haben: 1. Großh. Oberamtsrichter Lan- germann als Vorsitzender, 2. Philipp Roth VI. von Langsdorf, 3. Thomas Walter von Ober- Bessingen als Schöffen, Verpfl. Ger. - Schr. Aspirant Bauer als Gerichtsschreiber für Recht erkannt: 1. die beiden Angeklagten Heinrich Köhler und Heinrich Pauli werden wegen Beleidigung des Ludwig Wilhelm Schmidt — jeder in eine Geldstrafe von fünfzehn Mark — im Falle der Uneinbringlichkeit — in eine Gefäng- nißstrafe von je drei Tagen verurthellt. IV. Dem Privatkläger wird die Vesugniß zugesprochen, die Ver- urtheilung der Angeklagten binnen 14 Tagen nach Rechtskraft des Urtheils durch einmaliges Einrücken in den Gießener Anzeiger auf Kosten der Verurtheilten bekannt machen zu lassen. Für den Auszug: Katz, 878 Rechtsanwalt. Ieitgeöotenes. 863 Zur Frühjahrspflanrung habe ich noch schöne kräftige Zwerg-Odjtbäume als Pyramiden, Spaliere, CordonS rc-, sowie ca. 1000 Kirschenstämme in tadelloser, starker Qualität sehr preiswürdig abzugeben. Catalog gratis und franco. Ernst Lüttich, Obstbaumschulbesitzer Oberursel, am Taunus. 868 Um mein Lager in Winter-Schuhwaaren zu räumen, verkaufe ich zu staunenb billigen Preisen. L. Sütz. Butzbacher Jasset-, Schweine- und Zuchtviehmarkt am SS. März 1SS6 verbunden mit einerDerkoosungvon Fasseln Rindern, Schweinen und landwirthschaftlichen Ge- räthen. Den Vertrieb der Loose haben wir für Gießen den Herren Carl Lehrmund und Pedell Ruckelshausen übertragen. 877 Die Verloosungs-Commisflon. 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Die heutig« Nummer enthält 2 Blätter u. 1 Beilage. \ Beilage zu Nr. 32 des „Gießener Anzeiger". Das Bergsteigen ein Heilmittel. Die Hauptgrundsätze der öffentlichen und persönlichen Gesundheitspflege, soweit sie die Mehrheit der Fachmänner als feststehend erachtet, auszubreiten, haben wir stets als Pflicht unseres, der Gemeinnützigkeit dienenden Blattes angesehen, von sogenannter „populärer Medicm" uns jedoch sorgfältig ferngehalten. Aus Gründen, die wohl keiner Erläuterung bedürfen, glauben wir indessen eine Ausnahme von dieser Regel machen zu sollen durch Hinweis auf das Schriftchen von Professor Oertel in München: Heber Terrain-Eurorte" zur Behandlung von Kreislaufstörungen, Fettsucht, gewisser Lungen- und Herzfehler (Leipzig, 1886, Vogel.) Jeder Zeitungsleser weiß, daß unser großer Kanzler zum Helle des Deutschen Reichs seit Jahren sich besserer Gesundheitsverhältnisse erfreut, weiß auch, daß die Heilung sich an den Namen Schweninger knüpft; minder allgemein bekannt ist es, unter Aerzten jedoch unbestritten, daß geistiger Vater dieser neuen Methode Professor Oertel in München ist. Diese Methode verwirft nämlich die althergebrachten, durchweg geübten Grundsätze, jenen Schwäche- und Krankheitszuständen durch „Schonung", gemächliche Bewegung, viel Wassertrinken und dergleichen entgegenzuarbeiten. Sie verlangt vielmehr ärztlich sorgsam geregelte und abgemessene Bethätigung des Körpers durch Bergsteigen in freier, reiner, milder Luft, mit Atemgymnastik, Entwässerung des Blutes durch wenig Trinken, systematische Schweißabsonderung, Hand in Hand mit einer Reihe diätetischer Dinge. Bei starkem Herzklopfen und Schwerathmigkeit soll nicht sitzend, sondern stehend mit Tiefathmen ganz kurze Zeit geruht werden. Ruhebänke sind zu meiden. Das Nähere mag man in der genannten Schrift nachlesen. Hier ser nur gewarnt vor etwaigem Selbstcurirenwollen und der Annahme, daß es blos auf tüchtiges Klettern und Dursterregung ankomme. Für Herbst-, Winter- und Frühlingskuren findet Oertel die deutschen Berggegenden aus klimatischen Gründen (schroffe Temperaturwechsel, rauhe Winde, Nebel, Regen, Schnee) ungeeignet, ebenso die italienischen und südfranzösischen, weil sie erschlaffend, den Stoffwechsel mindernd wirken. Vorzüglich passend scheinen ihm die südtyroler Eurorte Meran-Obermais, Bozen-Gries und Arco mit ihrer milden, sonnigen Luft, windgeschützten Lage und sonstigen Einrichtungen. In Obermais sind bereits Wege zu gymnastischen Zwecken abgemessen und markirt, auch ein Gasthof ist nach Oertel's Anweisungen „eingerichtet. Für Sommercuren werden deutsche Heilorte in Aussicht gestellt, Baden-Baden, Ischl u. a. Die junge Heilmethode bedarf natürlich noch der Zeit, um auszureffen. Allem Anscheine nach bezeichnet sie jedoch einen werthvollen Fortschritt der Medicin. Denn so fest auch von jeher die Ueberzeugung stand, daß Bergsteigen gesunde Menschen erfrischen und kräftigen, schwächliche stärken kann, so dachte doch Niemand daran, daß es auch an der Heilung mehrerer sehr lästiger und gefährlicher Krankheiten zu helfen vermag, wofür eine Anzahl von guten Erfolgen sprechen. ———T-gri 1 Vermischtes. fDie Wirkung von Oel auf Meereswogen.j Capitän F. C. Pendleton, der Eommandeur des den Verkehr zwischen Philadelphia und Nassau vermittelnden Dampfers „Lucy P. Miller", theilte dem Chef des hydrographischen Bureaus zu Washington mit, daß er am 26. v. 9DL einen sehr heftigen Sturm zu bestehen hatte. Die See ging sehr hoch und der Capitän versuchte, dieselbe durch Oel zu besänftigen. Das Experiment gelang vollkommen und das Meer war in der unmittelbaren Nähe des Dampfers spiegelglatt, während in geringer Entfernung hohe Wellen emporschlugen. — Heber die Abfassung eines deutschen Justizflüchtlings wird uns aus New- Bork geschrieben: Auf Requisition des hiesigen deutschen Generalconsulats begab sich Hülssmarfchall Bernhard, der in der Festnahme deutscher Justizflüchtlinge, schon so oft großen Scharfsinn bekundet, an Bord des Bremer Dampfers „Fulda", um auf einen gewissen Wilhelm Stapf aus Augsburg, welcher die dortige Firma Gebrüder Wolfsheimer durch falsche Wechsel um 50000 X betrogen haben soll, zu fahnden. Einen Wilhelm Stapf wollte aber Niemand kennen und der Name stand auch nicht in der ^rchiffsliste. Der Beamte ließ sich indeß dadurch nicht irre machen, sondern besichtigte die einzelnen Passagiere genau. Er entdeckte auch bald einen jungen Mann, auf den das ihm mitgetheilte Signalement einigermaßen paßte. Der Betreffende gab jedoch auf Befragen an, er heiße Christian Stinger, sei 24 Jahre alt und wisse nichts von einer Wechselfälschung oder von Wilhelm Stapf. Dabei zeigte er einen Paß, sowie andere Papiere und Visitenkarten vor, die alle auf Christian Stinger lauteten. Nichtsdestoweniger kam das ganze Gebühren des jungen Mannes dem Marschall verdächtig vor, weshalb dieser kurzen Prozeß machte und Stinger in Haft nahm. Bei der Unter- suchung des Arrestanten fanden sich 600 Doll, in Baar, aber keine Beweise für dessen Identität mit Stapf vor. Als nun der umsichtige Marschall das Taschenbuch seines Gefangenen einer genauen Prüfung unterzog, entdeckte er zwischen dem rothen Futter ein Blatt Papier. Cs war dies eine behördliche Bescheinigung über einen Wohnungswechsel in Augsburg und lautete auf — Wilhelm Stapf. Der angebliche Stinger stand wie vernichtet da und machte unter dem Ausrufe: „Jetzt hilft's Leugnen doch nichts mehr!" das Zugeständniß, daß er wirklich Stapf sei. Anstatt seinen Fuß auf den freien Boden Amerikas zu setzen, bestieg Wilhelm Dtapf eine Droschke, die ihn nach dem Bundesgerichte und sodann, nach Ausfertigung der nöthigen Papiere, nach dem Ludlow-Street-Gefängniß brachte, wo der junge Mann so lange internirt bleibt, bis über seine Auslieferung verfügt werden wird. — Ein eigenartiges Kunstwerk wird dieser Tage im,Löwenbräu" zu Berlin, an der Ecke der Französischen und Charlottenstraße, über dem Fahrstuhl, welcher das edle Naß aus dem Keller zum Ausschank befördert, Aufstellung finden. Es ist ein im Innern mit einem Apparat versehener, vom Bildhauer Walger modellirter Löwe von natürlicher Größe und lebendiger, lebensfrischer Auffassung in Zinkguß, der jedes Mal, zum Zeichen, daß ein frisches Faß angezapft wird, einen brüllenden, durch die weiten Räume laut schallenden Ton ausstößt. — [Stiftungen.] Der in England verstorbene K. Fr. Detmold, der bereits 80,000 X zu milden Zwecken für Hannover verwendete, hat noch letztwillig 350,000 X an Wohlthatigkeitsanstalten der genannten Stadt vertheilen taffen, von denen u. a das Henriettenstift (Diakonissen), Friederikenstift, Clementinenhaus und das Haus der katholischen barmherzigen Schwestern, jedes 50,000 X, das Stephansstift 24,000 X, die Kinderheilanstalt 30,000 X. die Bädecker'sche Krippe 7500 X erhalten haben. — Der verstorbene Privatmann I. G. K. Jentzsch hat in seinem Testament der Stadtgemeinde Chemnitz zwei Legate von je 5000 X ausgesetzt. Von den Zinsen dieser Legate sollen einerseits Schulzwecke gefördert, andererseits bedürftige Bürgerfamilien unterstützt werden. — Der verstorbene Herr Carl August Dittrich, Chef der Firma Htelle u. Dittrich in Schönlinde in Böhmen hat dem Pernehmen nach u. A. dem bortigen Armen- und Siechenhause 30,000 Gulden testamentarisch vermacht. — Bei Gelegenheit der Feier seines 86. Geburtsfestes hat der Ehrenbürger Dresdens, Herr Johann Meyer, dem dortigen „Dienstbotenheim" 4000 X und der „Wohlgemeinten Stiftung" 2000 X zufließen lassen. Farbige seidene Faille Franpaise, Surah, Satin, merveilleux, Atlasse, Damaste, Ripse und Taffete 2 Mark 20 Pf. per Meter ’’ * T tn einzelnen Noben und Stücken zollfrei in's Haus das Seidenfabrik-Depot 6. Henneberg (K- u. K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 250 Ieikgeöotenes. Echt nur Radiauers Hühneraugenmittel, radicale, schmerzlose sofortige Wirkung. Carton mit Flasche und Pinsel — 60 2) Radiauers Coniferen-Geist, von prachtvollem BSHHB Tannenwaldgeruch, zur Reinigung und Ozonisirung der Zimmerluft. Flasche 1,25 6 Flaschen — o X Zerstäuber von 75 4 an. 3) Radiauers Spitzwegerichbonbons, gegen Husten und Heiserkeit, Schachtel — 50 4> sämmtlich aus Rad- lauers Rothe Apotheke in Posen, prämiirt mit der Goldenen Medaille. 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