Str. 130 Zweites Blatt 1886 Lormtag der, 6. Juni s^nkftraße 7. ■•»W»BSNaa*i«aen scheint -AHkiS- mit A«Sn«chmr drS MsrrtAg-. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Nrivgr-ckch« Durch die Post bezogen vierteljährlich 3 Mart 5olg< Wochen - Ueberfkcht. m , . n Gießen, 5. Juni. ^le Br antttwelnsteuer,Commission des Reichstages hat nch am Dienstag über die Höhe der Consumsteuer endlich schlüssig' gemacht. Unter Ablehnung der Anträge der Deutschconservativen auf Normirung der Steuer auf 80 und der Nationalliberalen auf eine solche von 60 $ pro Alkohol wurde mit den Stimmen der Conservativen und des Centrums der Seitens der letztgenannten Partei durch den Abg. Mosler eingebrachte Aw trag angenommen, wonach die Consumsteuer 25 H pro Liter betragen soll. In der vorangegangenen Debatte hatte sich zunächst Abg. Rickert Namens der Deutschfrelstnnlgen nochmals gegen die erhöhte Branntweinsteuer erklärt und das Bedurfnrß des Reiches nach neuen Einnahmen als nicht nachgewiesen bezeichnet, während er zugleich die schweren Bedenken hervorhob, welche einer Vertheilung der Einnahmen aus der Branntweinsteuer an die Einzelstaaten und die Gemeinden entgegenstehen. Der freisinnige Redner betonte wiederum, daß seine Partei nur dann mit einer Erhöhung der Branntweinsteuer einverstanden sein würde, wenn feste Verwendungszwecke gegeben wären und die Lebensmittelzölle erniedrigt wurden. Nachdem Abg. v. Mirbach nochmals die gegen die conservativen ' Aoänderungs-Anträge zur Branntweinsteuer-Vorlage erhobenen Einwendungen widerlegt hatte, befürwortete der nationale Abg. Dr. Buhl den Antrag seiner Partei auf Erhebung eines einzigen Steuersatzes von 60 H pro Liter; er wies Herbei darauf hin, daß die neuen Bedürfnisse des Reiches sich in Folge des Mlluär-Pensronsgesetzes aus 14 Millionen beliefen und daß sich die Mehrbe- düvsniste Preußens aus 19 Millionen bezifferten, und zur Deckung dieser Summen reichten die Einnahmen aus dem Mosler'schen Steuer^Vorschlage von 25 pro Liter kaum aus. Dr. Buhl legte dann dar, daß durch die Überweisung Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden eine Entlastung der untersten Kliffen eintreten würde und bezeichnete schließlich die von freisinniger Seite gestellten Fragen nach den Mehrausgaben des Reiches speciell für Bedürfnisse des Veeres und der Marine und nach der Verwendung der aus der erhöhten Branntweinsteuer zu erwartenden Einnahmen in Preußen als inopportun. Vom Zentrum führte Abg. Mosler aus, daß seine Partei bereit sei, an der Beseu'- gung der Nothlage der Landwirthschaft mitzuwirken und den finanziellen Bedürf- mssen zu genügen und erörterte dann die Art und Weise, wie die Branntwein- neuer zu erheben sei. Nachdem die Commission die schon angedeuteten Fragen der Deutschfreisinnigen acceptirt, erfolgte, wie schon erwähnt, die Annahme des Centrums-Antrages, eine Verbrauchsabgabe von 25 X pro Hectoliter Alkohol zu erheben. Die Conservativen haben dem Anträge nur unter Vorbehalt zugestimmt und wollen sich erst im Plenum endgiltig entscheiden; von der Negierung fehlt noch jede Aeußerung, wie sie sich zu dem Commissions-Beschluß nellt. Jedenfalls dürfte es nur allein von der Regierung abhängen, ob in v'eser Selfion in der Branntweinsteuer-Frage noch etwas" zu Stande kommt. Wenn sie der Festsetzung der Consumsteuer auf 25 JL. pro Hectoliter zustimmt, ■° wird sich im Plenum des Reichstages wohl noch eine aus Centrum, Confer- oativen und Nationalliberalen bestehende Mehrheit für ein Compromiß in der Branntweinsteuer,Frage zusammenfinden. Das preußische Abgeordnetenhaus, welches am Montag pausirt hatte, genehmigte am Dienstag zunächst den Kropatscheck'schen Gesetzentwurf über die Gleichstellung der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Lehranstalten mit den-Lehrern an den höheren staatlichen Schulen definitiv nach den Beschlüssen zweiter Lesung und trat hierauf- in die dritte Berathung des Nachtrags-Etats ein- Derselbe verlangt bekanntlich in der Hauptsache die Bereitstellung von Mitteln zur Hebung des Schulwesens im Interesse der Sicherung des Deutsch- thums in den östlichen Provinzen Schon die Specialberathung des Gesetzentwurfes hatte zu einer lebhaften abermaligen Erörterung der Polenfrage ge- führt und auch diesmal gestaltete sich die Generaldiscussion, welche der dritten Lesung vorausging, wiederum zu einer „Polendebatte", in der namentlich der freiconservative Abg. v. Tiedemann-Labischin die polnischen Agitationen gegen das Deutschthum scharf charakterisirte. Bemerkenswerther Weise ergriff der Centrumssührer, Herr Dr. Windthorst, auch diesmal die Partei der Polen, doch that er dies in sehr maßvoller Weise und auch sein Fraktionsgenosse, Abg. Nadbyl, äußerte sich in der Specialberathung recht gemäßigt zu der vorliegenden Materie. Die Vorlage wurde schließlich mit einem Abänverungs-Antrage der Abgg. Nadbyl und v. Rauchhaupt — wonach die 'Verwendung der in den Titeln 16a und 8a für Studirende und für Schüler höherer Lehranstalten ausgesetzten Fonds im Regierungsbezirk Oppeln nicht von der deutschen Herkunft der Betreffenden abhängig gemacht werden soll — angenommen. Der Rest der Sitzung war nicht von Belang; am Mittwoch beschäftigte sich das Haus mit einer Anzahl Petitionen, u. A. auch derjenigen der Kölner Brauerei-Corporation, welche dahin ging, alle Surrogate bei der Bierbereitung zu untersagen. Die Petition wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiejen. In Oesterreich ist anscheinend eine innere Krisis eingetreten, zu der die Frage der Petroleumzölle den Anlaß gegeben hat. Der Petroleumzoll, welcher die österreichische Negierung in den Ausgleichs-Verhandlungen mit Ungarn vereinbarte, mißfällt den Polen aus'S Aeußerste, da derselbe angeblich die galizische Petroleum'Jndustrie ruinirt und nur den ungarischen Raffineuren zu Gute kommt. Im österreichischen Reichsrathe ist nun von liberaler Seite der Antrag aus Erhöhung des Petroleumzolles eingebracht worden, welcher Antrag begreif, | licher Weise von den polnischen Abgeordneten unterstützt wird. Das Cabinet । Scaffe M sich entschieden gegen denselben erklärt und im Zollausschuffe d01 Men Liebha! Glas Wein < der Murreich 1883er ä im Faß eni Bitte obig ofl in einer sehr c nicht mit einem gleichen zu wölb Ach A. 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