Mr. 2S8 Freitag Heu 5. November 1886. Gichmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Drei- vierteljührlich 2 Mari 20 Pf. mtt Brtwyd* Durch die Post bezogen vierteljührlich 2 Mart 60 Ps. Erscheint ILglich mit Ausnahme befl Montags. Schulstraße 7. «C Politische Ueberfkcht. Gießen, 4. November. Die in der Umgegend von Mainz aufgetretene choleraähnliche Epidemie beschäftigt fortgesetzt die Aufmerksamkeit der Behörden. Seitens des Herrn Dr. Schmitt, Director des Untersuchungsamtes in Wiesbaden war behauptet worden, daß die in seiner Anstalt vorgenommene Untersuchung der Därme der in Finthen verstorbenen Personen das Vorhandensein des Koch'schen Cholerakeimes, des sogenannten Kommabacillus, zweifellos nachgewiesen habe. Dem gegenüber wird nun von einem Mainzer Sachverständigen versichert, daß es sich in Finthen und Gonsenheim lediglich um eine zufällige Auseinanderfolge von Todesfällen an entzündlichem Magen-Darmkatarrh gehandelt habe und daß diese Erscheinung sich gerade in den genannten Orten fast jeden Herbst wiederhole. Wohl in Folge dieser gegenteiligen Behauptungen ist vom Reichsamte des Innern der Regierungsrath Dr. Gaffky, Mitglied des Reichsgesundheitsamts, beauftragt worden, sich den hessischen Behörden zur Verfügung zu stellen und hat sich derselbe mit dem Vorstande der betreffenden Großherzogl. hessischen Mtnifterialabtheilung nach Finthen und Gonsenheim begeben. In letzterem Orte ist keine weitere Erkrankung vorg kommen, dagegen erkrankte in Finthen am 28. v. M. eine Frau am Durchfall und wird dieselbe im Jsolirhause behandelt. Ueberall sind umjaffende M'ßregeln znr Desinfection getroffen. — Leider geht auch aus diesen von der amtlichen „Darmst. Ztg " gebrachten Mittheilungen noch nicht der wahre Sachverhalt hervor, so daß es erklärlich erscheint, wenn sich die beunruhigenden Gerüchte über einen in Finthen vorgekommenen wirklichen Todesfall an asiatischer Cholera erhalten. Von dem Eingreifen der genannten Reichsbehörde darf man wohl bald eine bestimmte Aufklärung in dieser Angelegenheit, an der ganz Deutschland tnleressirt ist, erwarten. Der Prinz-Regent Luitpold von Bayern hat anläßlich seines Namenstages dem Ministerpräsidenten v. Lutz eine besondere Auszeichnung zu Theil werden lasten, indem er denselben zum lebenslänglichen Mitglieds des Reichsraths ernannte. Die Gegner des bayerischen Cabinetscheis dürften hieraus ermesten. wie wenig ihre Bemühungen, das Ministerium Lutz zu Fall zu bringen, Aussicht aus Erfolg haben. Aus demselben Anlaste wurden die Ministerial- räthe v. Ziegler und v. Mayer zu Staatsräthen ernannt und erhielten ferner der Reichsrath Graf Quaadt-Jsny das Großkrcuz der bayerischen Krone, der kommandirende General v. Orff in Würzburg das Großkreuz des Michael- ordens und der Erzbischof von Bamberg, sowie der bayerische Gesandte beim Vatikan, Freiherr v. Getto, das Comthurkreuz des MichaelordenS. Die Beunruhigung der Deutschen in Böhmen wegen der Sprachenverordnung des Justizministers Prazak hat bereits in den letzten Tagen zu ernsten Kundgebungen in den Städten Warnsdorf und Reichenberg geführt. Vorläufig sorgt man durch die in Oesterreich vielbeliebte Methode der Zeitungs- Confircationen dafür, daß durch die Preste von dieser Beunruhigung nichts laut werde. Seit zwei Jahren wurde nicht mehr so eifrig confm-.rt, wie in den letzten vierzehn Tagen. In Böhmen selbst blieb kein einziges, auch nicht ein einziges deutschnationales Blatt von der Confircation frei. Mit solchem Drucke gegen die Deutschen sucht man die widerspänstig gewordenen Czechen aus's Neue zu erkaufen. Im Sprachenausschuffe erklärte der Jungczechensührer Gregr doch, daß, so lange Oesterreich noch einen deutschen Character trage, die Czechen zur Ueberzeugung gelangen werden, daß sie in Oesterreich keine Zukunst haben und jeden österreichischen Patriotismus ersticken müßten. Der deutsche Abgeordnete Dr. Plckert entgegnete darauf, daß man sich an einem Wendepunkte der Ge- Ichichte Oesterreichs befinde, der Character des Staates solle geändert werden. Fahre man aus diesem Wege fort, dann wird das Uusicherheitsgefühl der Deutschen so sehr steigen, daß man sich ihrer wird versichern müssen, wie man sich jetzt der Czechcn versichert, Der am Sonntag in Tirnowa erfolgte Zu'ammentrilt der bulgarischen Nationalversammlung eröffnet eine neue Phase in der Entwickelung der bulgarischen Dinge — wenigstens ist dies der überall vorherrschende Eindruck dieses Eceign sses. In ihrer Eröffnungsbotschaft hat es die bulgarische Regierung zwar vermieden, sich über ihr Verhältniß zu Rußland auszulaffen, dagegen ist der bulgarische Vertreter in Konstantinopel angewiesen worden, den dortigen Vertreter der russischen Regierung, Herrn v. Nelidoff, zu sondlren, ob Rußland einem Uebereinkommen bezüglich einer aus der Ministerpartei und der russischen Partei zusammengesetzten Regierung für Bulgarien zuzustimmen geneigt sei; Rußland hätte dafür die jetzige Sobranje und die von ihr zu treffende Fürsten wähl anzuerkennen. Es ist noch nicht bekannt, wie man rusfischerseitS diesen Vorschlag zur Güte ausgenommen hat und ebenso wenig weiß man, wie in Petersburg die Freilassung der bulgarischen Officiere Gru ff und Bandereff, der eigentlichen Anführer beim Complotte gegen den Fürsten Alexander, ausgenommen worden ist. Jedenfalls gibt die bulgarische Regierung durch diese beiden Handlungen ihren guten Willen, mit Rußland zu einer Verständigung zu gelangen, zu erkennen, aber es erscheint nicht unmöglich, daß Rußland gerade durch' diese seitens der bulgarischen Regierung bewiesene Versöhnlichkeit und Nachgiebigkeit veranlaßt wird, den Bogen noch straffer anzuspannen. Diese Anschauung kann durch den neuesten Schritt des Generals Kaulbars nur bestätigt werden. Letzterer eröffnete nach einer Mittheilung des „Petersb. Regierungs- Lnzeigers" mit Genehmigung des Kaisers der bulgarischen Regierung, er werde bei der ersten Vergewaltigung russischer Untertanen mit allen Agenten Bulgarien verlassen. — Da es den russischen Helfershelfern in Bulgarien sehr leicht ist, diese „Vergewaltigung" herbeizuführen, so kann der schon neulich gedrohte Abzug des Generals Kaulbars mit jedem Tage zur Thatsache werden und hieraus erhellt, daß die Dinge in Bulgarien füglich der Entscheidung zu- treiben. Wie dieselbe ausfallen wird, das vermag freilich die europäische Diplomatie selber nicht zu sagen. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Corrcsporrderrz- Bureau. Berlin, 3. November. Se. Maj. der Kaiser nahm heute Vormittag militärische Meldungen entgegen, ließ sich von Wilmowski Vortrag halten und empfing Nachmittags die Herzogin Wilhelm von Mecklenburg und deren Tochter. — In der morgigen Bundesrathssitzung gelangt u. a. der Gesetzentwurf, bett, die Abänderung des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung der Rechtsanwälte zur Vorlage. Berlin, 3. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Abgeordnete Dr. Löwe (Calbe) ist gestern in Meran gestorben. Berlin, 3. November. Der „Reichsanzeiger" meldet: Domdechant Dr. Klein- Limburg ist nach Zustimmung der königlichen Staatsregierung durch ein päpstliches Breve vom 15. October zum Bischof von Limburg ernannt. Der König ertheilte dem Bischof Klein mittelst Urkunde vom 27. October die nachgesuchte landesherrliche Genehmigung. — In dem Etat der Zölle und Verbrauchssteuern ist dem Vernehmen nach bei Veranlagung der Zuckersteuer mit Rücksicht auf die Erhöhung des Steuersatzes von v4L 1.60 auf JL 1.70, die Bruttoeinnahme der Zuckerrübensteuer Vie höher als^ der Durchschnitt der drei letzten Jahre, nämlich auf JC. 149,431,000 veranschlagt; dagegen sei von einer Berücksichtigung der Ermäßigungen der Ausfuhrvergütungssätze abzusehen, weil nach den Ausführungsbestimmungen zum Gesetze vom 1. Juli 1886 für die im Etatsjahre 1887/88 zustehenden Vergütungen noch die bisherigen höheren Sätze gelten. Kopenhagen, 3. November. Für die Provenienzen aus italienischen Häfen von Cap Maria Leuca bis zur französischen Grenze ist eine Quarantäne angeordnet worden. Paris, 3. November. Bihourd, Director der communalen Angelegenheiten im Ministerium des Innern, ist zum Residenten in Tunis ernannt. — Die Akademie der Wissenschaften beschloß angesichts der großen Fortschritte, welche die Photographie der Himmelskörper gemacht hat, für nächstes Frühjahr eine internationale Conferenz wegen Herstellung einer photographischen Himmelskarte vorzuschlagen, die gleichzeitig von zehn oder zwölf über den ganzen Erdball verteilten Observatorien in Angriff zu nehmen sei. London, 3. November. Die Polizei gab gestern ganz bestimmte Befehle, jeden Auszug oder eine größere Ansammlung von Menschen, ausgenommen bei der Lordmayors-Prozession am 9. November, in den Straßen zu verhindern. Alle Ladenbesitzer wurden angewiesen, ihre Läden zu schließen und die Fenster, falls sie keine Fensterladen besitzen, durch Bretter zu schützen. London, 3. November. Lord Stanhope, Staatssecretär der Colonien, empfing heute eine Deputation, welche die Annexion von Zululand erbat. Stanhope erwiderte, zwischen dem Gouverneur Havelock von Natal und den Boers sei eine Vereinbarung getroffen, wonach England über den östlichen Theil von Zululand, welcher den Zulus vorbehalten bleibe, die Schutzherrschaft übernehmen und die neue Boerenrepublik den westlichen Theil des Zululandes behalten werde. London, 3. November. Meldung des Bureau Reuter aus Rangunj: Die Stadt Minhla am Jrawaddi wurde vergangene Nacht von 900 Aufständischen angegriffen und vollständig zerstört. Petersburg, 2. November. Das „Journal de St. P." schreibt: Die gestern publicirte amtliche Kundgebung bezeichne die Grenzen der Geduld und Mäßigung Rußlands, welches von dem Wunsche beseelt sei, die Bulgaren nicht für die schlechten Handlungen ihrer Machthaber verantwortlich zu machen. Man müsse hoffen, die Machthaber würden begreifen, daß sie nicht ungestraft auf diesem Wege verharren dürfen. Mit der Freilassung der Offiziere sei einer wichtigen Forderung des General Kaulbars genügt. Die Rathschläge, welche den derzeitigen Inhabern der Gewalt würden ertheilt werden, dürften dieselben vielleicht zur richtigen Beurtheilung der Lage und Interessen Bulgariens führen. Konstantinopel, 3. November. Sir William White überreichte gestern dem Sultan in feierlicher Audienz seine Creditive als interimistischer englischer Botschafter und hatte später eine Privataudienz beim Sultan. Konstantinopel, 3. November. Meldung des Bureau Reuter.j Infolge von Instructionen der Pforte stellte Rustem Pascha seine Vorstellungen bei Jddesleigh bezüglich Egyptens ein und wird den Gegenstand nicht weiter erwähnen. New-Nork, 3. November. Der demokratische Candidat Hewitt wurde mit 90,296 Stimmen zum Mayor von New-Aork gewählt. Der Arbeiter-Candidat George erhielt 67,699 und der Republikaner Roosevelt 60,392 Stimmen. Bei den Wahlen für die Staatslegislatur siegten die Republikaner. Außerdem siegten die Republikaner in Nevada, Massachusetts, Wisconsin, Pennsylvania, Illinois, Jova, Michigan, Kansas and Ohio, während die Demokraten in Arkansas, Alabama, Florida, Georgia, Nississippi, Kentucky, Missouri, Maryland, Tennessee, Nord- und Süd-Carolina und ^exas siegten. In New-Jersey war die Wahl sehr schwankend, wahrscheinlich ist dieselbe lemokratisch ausgefallen. Connecticut und Neu-Hampshire erwählten republikanische Legislaturen, die Gouverneurswahlen blieben erfolglos, da in beiden Staaten drei Kandidaten waren, deren keiner die nothwendige Stimmenzahl erhielt. In Californien md Indiana haben wahrscheinlich die Republikaner gesiegt. In Chicago und Milwaukee uurden die Arbeitercandidaten erwählt. Das Gesammtresultat der Wahlen ist, daß die Rpublikaner viele Sitze im Congreß gewonnen haben, wodurch die demokratische Majorität im fünfzigsten Congresse sehr verringert wird. Vermischte-. Darmstadt, 2. November. sPostpersonalnachrichten.j 1. Versetzt sind ber Pfftkassirer Kobelt von Darmstadt nach Posen, behufs Uebernahme einer Postinspector- stlle, der Oberpostdirectionssecretär Freytag von Oldenburg nach Darmstadt behufs Übernahme einer Postkassirerstelle, derPostsecretär Raab von Darmstadt nach Mühl- htusen (Elsaß) behufs Uebernahme einer Oberpostsecretärstelle, der Postsecretär Gösser von Friedberg (Hessen) nach Mainz, die Postverwalter Stork von Herbstein, nch Wörrstadt und Qua ecke von Grebenhain nach Rheinheim (Hessen). | 2. Gestorben ist der Postsecretär Kopp in Offenbach (Main). Londorf, 3. November. Gestern Abend brach in der sogen. Becker'schen Fabrik dahier, einem zur Zeit unbewohnten Gebäude, Feuer aus ^-welches binnen kurzer Zeit das Gebäude zerstörte. Da das Haus, wie erwähnt, leer stand und somit der Gedanke an ein zufälliges, unbeabsichtigtes Auskommen des Feuers weniger nahe liegt, so kann man auf das Resultat der stattfiudenden Untersuchung recht gespannt fein. Offenbach, 3. November. Bei Den heule stattgefundenen Stadtrathswahlen gingen mit großer Stimmenmajorität aus der Wahlurne hervor die Candidaten der vereinigten Bürgerpartei und zwar die Herren: G. Böhm, I. Buß, Jos. Feistmann, W. Grünewald, Peter Heiles, Joh. P. Heinrich, Aug. Huthmann, E. Goll, Jos. Kalt- schmidt, W. Kumpf, L. Lantz, Theod. Mainz, I. Petermann, Ludw. Schmidt, E. Schuhmacher, Fr. Spicharz, Dr. Weber, Jonas Weber. Die Wahlbetheiligung selbst war gegen früher zwar bedeutend reger — es wurden 1703 Stimmzettel abgegeben — allein die Betheiligung hätte um mindestens 100 Stimmen mehr betragen, wenn die Wählerliste korrekter aufgestellt worden wäre als es in der That geschehen ist. In derselben fehlten z. B. Inhaber bedeutender Firmen, Stadträthe, Beamte rc., die in Folge dessen zurückgewiesen wurden. Mainz, 2. November. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: Die Frage der Choleragefahr, die wir mit der bekannt gegebenen Erklärung der Sanitätsbehörde vom 28. v. M. für glücklich beseitigt hielten, ist inzwischen auf's Neue aufgetaucht und zum Gegenstand ernster Erörterungen geworden. Die nächste Veranlassung dazu gab eine Mittheilung des Herrn Dr. Schmitt in Wiesbaden, Directors des dortigen Unter? fuchungsamts, welcher bet der Section der in Finthen verstorbenen barmherzigen Schwester zugegen gewesen und sich Theile der Eingeweide zur Untersuchung mit nach Wiesbaden genommen hatte. Als Ergebnitz dieser nachträglichen Untersuchung erklärte der Genannte in den letzten Tagen öffentlich, daß sich in den Därmen der erwähnten Leiche der Koch'sche Kommabacillus zweifellos nachweisen lasse und somit das Vorhandensein der asiatischen Cholera in dem fraglichen Falle constatirt werden müsse. Ebenso wurde in Darmstadt eine Untersuchung dieser Art mit Leichenresten der verstorbenen Schwester angestellt und das gleiche Resultat erzielt. Bisher wurde nun allerdings nach der Koch'schen Theorie als feststehend angenommen, daß der sogenannte Kommabacillus ein untrügliches Kennzeichen ber Cholera asiatica sei; da jedoch nach Aussage der Medicinalbehörde die übrigen Symptome der Krankheit in dem fraglichen Falle nicht vorhanden waren, so wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die bisherige Annahme der Wissenschaft betreffs des Bacillus als unbedingtes Symptom der Cholera durch diese Beobachtung hinfällig werde. Jedenfalls verdient hierbei bemerkt zu werden, daß sowohl auf langjährige Erfahrung gestützte Aerzte als auch Geistliche, welche bei einer früheren Epidemie zahlreiche an Cholera Verstorbene gesehen haben, den jetzt in Frage kommenden Fall als ganz verschieden davon bezeichnet haben. Wie nun aber auch die oben erwähnte Streitfrage entschieden werden möge, so scheint doch jedenfalls hier Vorsicht geboten und die Behörden haben es in Dieser Hinsicht an Nichts fehlen lassen. Das Reichsamt des Innern hat sofort den Regierungsrath Herrn Dr. Gaffky, Mitglied des Relchsgesundheitsamts hierher gesandt, um sich den hessischen Behörden in dieser Angelegenheit zur Versügung zu stellen und weilt derselbe bereits in Finthen, um die getroffenen Maßregeln zu überwachen. In Gonsenheim ist seit dem 14. d. M. kein neuer Erkrankungsfall vorgekommen. In Finthen erkrankte — der einzige Fall seit dem 25. v. Mts. — am Sonntag eine Frauensperson, wie wir hören, nach übermäßigem Genuß von Weintrauben (worauf sie noch Wasser trank), an Diarrhöe, ohne daß sich zugleich Erbrechen eingestellt hätte. Die Kranke wurde übrigens in ein bei dem Kloster der Krankenhausschwestern befindliches Jsolirhaus untergebracht und ist, wie wir soeben von zuverlässigster Seite erfahren, bereits genesen. Das Gerücht, daß neuerdings auch in Bingerbrück ein verdächtiger Krankheitsfall vorgekommen sei, hat sich als völlig falsch erwiesen. Vom Großh. Kreisamt geht uns heute folgende, vom 1. d. Mts. datirte Mit- theilung zu: „Gestern waren der Chef des hessischen Medicinalwesens, Geheimrath Jaup aus Darmstadt, ferner Regierungsrath Dr. med. Gaffky vom Reichsgesundheitsamte aus Berlin in Begleitung des Regierungsraths v. Zangen und Amtmann Fey, sowie des- Kreisassistenzarztes Dr. Lehr in Finthen und Gonsenheim anwesend. Dr. Gaffky, welcher seiner Zeit mit Dr. Koch in Egypten und Indien die Cholerauntersuchungen vorgenommen hat, besichtigte eingehend die Ortschaften und erklärte sich mit den auf Veranlassung des Kreisamtes getroffenen santtätspolizeilichen Maßregeln durchaus einverstanden. Nach Dafürhalten des genannten Herrn sind Verkehrsbeschränkungen zwecklos und nicht angezeigt. Die in den Häusern, Hofraithen und Straßen herrschende Reinlichkeit wurde ganz besonders anerkannt und gewann man die Ansicht, daß zur Verhütung einer Weiterverbreitung des Krankheitsstoffes alle erforderlichen Maßregeln getroffen seien." Was unsere Stadt selbst anbelangt, so ist nach wie vor der Gesundheitszustand ein völlig normaler und ein Grund zu irgend welcher Beunruhigung für die Bevölkerung liegt durchaus nicht vor. Gleichwohl halten wir es für nicht überflüssig, wenn Seitens, der Regierung in Darmstadt darauf bingewiefen wird, daß Jedermann durch eine möglichst geregelte Lebensweife und Vermeidung alles dessen, was erfahrungsgemäß Durchfall verursacht, (Störungen seiner Gesundheit verhüten möge und daß bei etwaigem Unwohlsein es unumgänglich nothwendig ist, möglichst frühzeitig ärztlichen Rath in Anspruch zu nehmen. , _ Aus dem Großherzogthum Hessen, 1. November. Vom heutigen Tage ab bis zum 31. Mai des nächsten Jahres ist im ganzen Großherzogthum der Fang von Krebsen in allen nicht geschlossenen Gewässern untersagt. Dortmund, 28. October. Eine wohlverdiente Strafe hat gestern die hrestge Strafkammer über einen gewissenlosen Metzger von hier verhängt. Derselbe hatte im verflossenen Sommer das Fleisch eines an Rothlauf erkrankten, im letzten Augenblick noch abgestochenen Schweines von etwa 120 Pfund Schwere für 2,50 JL gekauft, um es angeblich den Hunden zu geben. Obwohl er wußte, daß der Thierarzt den ©enufc verboten, hat er es bann in feinem Laben verkauft unb zwar bas Pfunb zu 60 Pfg. Das Gericht hat ben „Mustermetzger" zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten und Verlust ber Ehrenrechte auf bie Dauer eines Jahres verurtheilt. Gingesandr. Gießen, 4. November. Beim Herannahen bes Winters mochten wir unfern oerehrlichen Stabtrath auf einen Uebelftanb aufmerksam machen, ber bereits im Vorjahre gerügt würbe unb von Den Bewohnern ber norblichen Hälfte unserer Stabt allseitig empfunben wirb. Wir meinen den beschwerlichen Zugang zur Eisbahn. Nicht Jeder kann auf das gesunde Eisläufen so viel Zeit verwenden, daß er allein auf den Weg von und zu dem Eisplatze eine volle Stunde rechnet. Uns wurde auf Erkundigung von zuverlässigster Seite Sie Auskunft, daß dem Eisverein letzten Winter von der Stadt ein Gesuch nach einem schmalen Wege von ber Schoor her abschlägig beschieben worben sei. Wie gefunb gerabe bas Schlittschuhlaufen ist, bas haben anbere Stabtverwalt- ungen längst begriffen. Wir können eine ganze Reihe von Stabten namhaft machen, wo große Flächen im Winter künstlich bewässert werben, um weite Eisbahnen zu schaffen, auf benen bie ärmere Bevölkerung unentgeltlich sich tummeln barf. In Gießen sollte man sich boch nicht besinnen, einen bequemen Weg bis zu ber Wiese, welche ber Eisverein erpachtet hat, burch ben Schnee zu bahnen. Jetzt ist ber Zugang so unbequem unb zeitraubend baß ben Besuchern ber Eisbahn aus ben angeführten Stadttheilen fast bie Möglichkeit benommen wirb, eine freie Stunbe zur Benutzung btr Eisbahn zu uerwenben. Man eröffne einen bescheibenen, mit Brettern belegten Fußweg von ber neu- aufgeworfenen Straße an ber Ostanlage aus unb setze etwa 40 für Jnstanbhaltung beffelben währenb bes Winters in ben Etat. Was bedeutet eine fo geringe Summe gegenüber dem nicht hoch genug anzuschlagenden Nutzen, baß Taufenbe von Menschen babureb ihre Lungen kräftigen unb ihre Nerven stärken können! Den geehrten Vorstand des Eisvereins aber ersuchen wir hierdurch höflichst, durch immer erneute Eingaben an bie Stadt darauf hinzuwirken, baß biesem bringenben Bebürfniß abgeholfen wirb. Der Dank bafür bleibt ihm nicht aus; zahlreiche neue Mitglieder werben sich melden, die sich jetzt dem Verein fern halten müssen unb nichts für ihre Gesunbheit thun können. Nervenkranken Frauen wirb jetzt Wibtfelbt's Magenbehagen ärztlich ver- orbnet, weil er bie Magenthätigkeit anregt, bie Nerven belebt, bie Stimmung er- muthigt. Nieder!, u- A- b- Emil Fischbach. 7923 Temperatur in Gießen. October 1886. Niederste.......+ 0,0 °R. Mittlere.......+ 6,33 „ Mittel früherer Jahre ..... 4- 7,24 „ Höchste . + 18,1 „ Niederschlag an 13 Tagen .... 2,24 Par. Zoll. „ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 1,97 „ „ Briefkasten. Herrn W. in Saarburg, Lothr. Wegen des fehlenden Blattes wollen Sie sich nur an das dortige Postamt wenden. D. Red. Allgemeiner Anzeiger. Cokes. Gegenwärtiger Preis in dem Gaswerk: Stückcokes..........Mk. —.95 pr. Ctr., Nutzcokes, für Stubeuheizung, zerkleinert „ 1.05 „ „ Der Transport an das Haus erfolgt von dem Gaswerk aus bei, Abnahme von mindestens 5 Centnern und werden für denselben 25 Pfg. berechnet; von Herrn Emil Pistor werden auch kleinere Quantitäten zugefchickt. 7761 _______________________________Städtisches Gaswerk Gießen.___ Zur bevorstehenden Winter-Saison empfehle: Woll. Strümpfe und Socken, baumwoll., halbwollen» und wollene Unterhosen, Hemden und Hautjacken, gewebte und gestrickte wollene Jacken, Jagdweste«, Gamaschen, Filzschuhe u. 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ALK ^nrann bnrrffN vcl vanz s$gp °°" Wiese, welche ist der Zugang °us den angeführten "de zur Benutzung der Fußweg von der neu- Ä |*lr Instandhaltung 3,e so geringe Summe raufende von ihre Nerven lr hierdurch höflichst, daß diesem dringenden t aus; zahlreiche neue n muffen und nichts mt 75 Pf. • #•* 5 tfpffel«. • e r m Herren #, Mr Zeit» «' he Nachricht^ » er, JllnM- ? riiuipke«, <> Konkursverfahren. Ueber das Vermögen der Johanna Lang von Gietzen wird heute am 2. November 1886, Vormittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Herr Kaufmann Hoffmann von Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 30. November 1886 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Glau- bigerauLschuffes und eintretenden Falls über die in § 120 der Konkursord- nung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderu;.gen aus Dienstag den T Dezember 1886, Vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 30. November 1886 Anzeige zu machen. Gießen, am 2. November 1886. Das Großherzogliche Amtsgericht. Veröffentlicht: Glässing, Gerichtsschreiber. 7943 Konkursverfahren. Ueber den Nachlaß des früheren Bürgermeisteres Georg Hunrath von Lohra wird heute, am 2. November 1886, Nachmittags 5 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Wilhelm Finger zu Fronhaufcn wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 10. December 1886 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falls über die in § 120 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände auf Freitag den 26. November 1886, Vormittags 10 Uhr und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf [7936 Donnerstag den 30. December 1886, Vormittags 10 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte an der Gerichtsstelle Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 23. November 1886 Anzeige zu machen. Königliches Amtsgericht zu Fronhausen. Freitag ben 5 November, Nachmittags 2 Uhr, werden im „Darmstadter Haus" zur K. Becker'schen Konkursmasse gehörige Colonialwaaren, als: Kaffee, Zucker, Reis, Stärke rc, Ligueur u. Branntwein in Flaschen u. Schimmel- frügen, Tabak u. f. ro- versteigert. Im Auftrag der Konkursoerwaltung: 7895_______,F. Hoffmann.________ "7699^2 Porzellan» und 1 Füllofen zu verk. Roll Wwe., Canzleiberg. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das 2. Bataillon des Großherzoglichen Infanterie-Regiments Nr. 116 am 2.. 3, 4. und ». November l. I., Vormittags von 8 bis 11 Uhr, gefechtsmäßiges Einzelschießen in der Sandgrube bei Wieseck mit der Schuß, richtung gegen den Hangelffein abhalten wird und daß an den genannten Tagen von 8—11 Uhr Vormittags da» Betreten des Hangelsteiner Waldes zwischen den beiden Straßen Wieseck-Alten-Buseck und Gießen—Daubringen, im Norden begrenzt durch den Hangelsteiner Bergrücken, untersagt ist, wobei bemerkt wird, daß von Seiten des Bataillons alle in das gefährvete Terrain 7924 Lackirte Blechwaaren, Lampen aller Art, emaillirte HauS- haltungs-Gegensiände und Koch-Geschirre, Vogelkäfige, Grabkränze von Blech, Lampenschirme, -Glocken, -Cy- linder tu -Dochte empfiehlt in schönster Auswahl zu billigen Preisen Ludwig Siieraii, Spengler in Lollar. führende Wege abgesperrt werden. Gießen, am 29. October 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen, A. B r a m m. Für Metzger Buchene Hackstöcke, sow. 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