206 Erstes Blatt. ^vmuuy w»» _.T.. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Dureaur Schulftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. . Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Betreffend: Die Ausführung des Krankenversicherungsgesetzes. Gießen, am 4. September 1886. 11. 0 L 1886. 0 it in breit -r ganze lfcht. schweren sm die n unitm Sofia, 3. September. (Privat-Depesche.) Fürst Alexander ist Vormittags 11 Uhr hier eingetrosfen. Die Stadt ist reich bestaggt. Eine große Anzahl Einwohner von Stadt und umliegenden Ortschaften auf beiden Seiten ertast title., welche er besuchen,, ev Verkauf Eonsrrm» - bisberigen rch Rudolf Deutschland. Jagdschloß Wolfsgarten, 3. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog begrüßten gestern auf dem Bahnhof in Langen Se. Königl. Hoheit den Prinzen von Wales und fuhren mit Höchstdemselben nach Darmstadt, um dort das Mousoleum zu besuchen, wo der Prinz am Grabe der Höchstseligen Großherzogin Alice einen prachtvollen Kranz niederlegte. Gegen Abend erfolgte die Rückfahrt hierher über Kranichstein. Nach der Tafel hier, an welcher das Gefolge des Prinzen theilnahm, fuhr Se. Königl. Hoheit, von dem Großherzog bis Langen begleitet, wieder nach Homburg zurück. Heute Nachmittag werden Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, Se. Kgl. Hoheit der Erbgroßherzog, sowie Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, und Irene in Frankfurt a. M. mit dem Prinzen und der Prinzessin von Wales Zusammentreffen, da deren Rückreise nach England in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Berlin, 3. September. Ein Telegramm des „Bert. Tagebl." aus Sofia, 3 Uhr Nachmittags, meldet: Fürst Alexander ist soeben feierlich in Sofia eingezogen, von den Truppen und von der Bevölkerung aus's Wärmste begrübt. Der Fürst wechselte mit den Spitzen des Militärs und den Sivil- Autoritäten kurze Begrüßungen. Von dem diplomatischen Corps fehlten bei dem Empfange im Palais der deutsche und der russische Vertreter. Die Stimmung ist herzlich, doch nicht lärmend, der Gesammt»Eindruck groß, aber doch gedämpft. (Fr. Ztg.) f Aegl- ion btt ießlarer ai d" Hesterreich. Wien, 3. September. Die „Neue Fr. Presse" meldet aus Sofia: Fürst Alexander hat unter unbeschreiblichem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug gehalten. (Fr. Ztg.) England. London, 3. September. Der Marineminister Hamilton hielt gestern auf einem Banket zu Sheffield eine Rede, in der er bezüglich der afghanischen Grenzabsteckung sagte, dieselbe sei vollständig mit Ausnahme eines einzigen Punktes. Er hoffe, diese glückliche Lösung werde viele Jahre Bestand haben. Die bulgarische Angelegenheit betreffend, hofft Hamilton, die Begeisterung und Ergebenheit für den Fürsten, die anläßlich des abscheulichen Complots sich kundgegeben habe, sichere den Fürsten für immer gegen ähnliche Anschläge. Wenn gewiffe Blätter von KrtegSvorbereitungen Europas sprächen, so glaube er, es habe niemals eine Zeit gegeben, wo die Völker Europas mehr zum Frieden geneigt waren, als gegenwärtig. Er hoffe, diese Gesinnungen der Völker würden künftig einen vorherrschenden Einfluß aus die Politik ihrer Regierungen ausüben. Rußland. ^ MD-kau, 3. September. Die „Mosk. Ztg/ sagt: Indem der Kaiser dre Rückkehr des Fürsten von Bulgarien nicht gutheiße, vielmehr wünsche, daß der Fürst nicht in Bulgarien bleibe, verpflichte er den Fürsten zu dem gegebenen Worte, die von Rußland verliehene Krone an den Kaiser zurückzugeben. Der Fürst möge mit diesem Schritte nicht zögern, den seine Ehre und sein Gewissen forderten. Jede Stunde längeren Verweilens in Bulgarien verstärke unnöthiger Wem das liebet und bedrohe Bulgarien mit neuen Leiden ohne Nutzen für den Fürsten selber. check Gefunden: 2 Paar Handschuhe, 1 einzelner Handschuh, 1 leinenes Hemd, 1 Sonnenschirm, 1 Paar Frauenschuhe. Zugeflogen: 1 Hahn. ’ Gießen, den 4. September 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. _____ Herrn bMthr. «bei ibach 6233 nhsrn. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grobherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, drei Tagm°bei°Meidung^von"l ^Strafe Bürgermeistereien erinnern wir an Erledigung unserer Verfügung vom 23. v. M. (Anzeiger Nr. 196) innerhalb ___________________________ I. V.: Nover. 6253 1 Telegraphische Depesche«. SBolff’S Wut» Loriefporrdem • Bmtuitt. ~ a September. Die der „Halle'schen Zeitung" entstammende Meldung: „Das Hessische Großherzogllche Haus war entschieden gegen die Rückkehr des Bul- garenfursten.^ Ein Telegramm an den Reichskanzler wurde dahin beantwortet, man müsse dem Fürsten vollkommene Freiheit seiner Entschlüsse lassen, der Reichskanzler rathe weder ab noch zu", wird von der „Rordd. Allg. Ztg." für unrichtig erklärt. Der Echskanzlcr habe kein solches Telegramm erhalten, auch nicht die ihm zugeschriebene Antwort ertheilt. Von dem ganzen Depeschenwechsel sei kein Wort wahr. _ Wien, 3. September. Die hiesigen Blätter halten die Abdankung des Fürsten ^".dulgarien für wahrscheinlich. Die „Presse" meint jedoch, daß die kommenden ^reigmsse nicht über den Rahmen einer localen Bewegung htnausgreifen würden. P1?!-3, ??^mber. Das Fremdenblatt" deutet die Depesche des Fürsten Alexander dahm daß dreier nach Herstellung der Ordnung in Bulgarien abdanken WC?C< ^^ine Hrkkunst nahezuausfichtslos geworden sei. — Die „Presse" sieht vor- aus, daß das Ansehen des Fürsten durch seine Depesche Schaden leiden werde, lieber das endgrltrge Schicksal des Fürsten Alexander sei kein Zweifel zulässig. Auch die kommenden Ereignisse wurden über den Rahmen einer lokalen Bewegung nicht hinaus- P™fcrn; ~ Die „Reue freie Presse" hegt die Besorgniß, daß der Widerstand gegen dre Autorität des Fürsten sich nun wieder aufrichten werde. 0 0 _ ^th, 3 September. Die deutsche Militärdeputation wohnte heute in der Sui e des Kaisers dem Manöver bei Bicske bei und besuchte Nachmittags den Banus Grasen Kynen. ' , “ Bei dem gestrigen, die ofsiciellen Festlichkeiten schließenden Bankette des Pesther Munrciprums brachte der Oberbürgermeister zuerst einen deutschen Toast aus den osterrerchischen Kaiser und auf den glorreichen Alliirten, den Kaiser Wilhelm, an welchem dre Vorsehung bereits Wunder gewirkt, indem sie ihn bis zu so außerordentlich hohem Alter in voller Rüstigkeit und Thatkraft erhielt, und als Fürsten, von dem Europa wisse, daß all fern Srnnen und Trachten darauf gerichtet sei, den Weltfrieden zu erhalten. Möge es ihm vergönnt sein, durch die gütige Vorsehung »um Stolre Deutschlands, zur Freude seines hohen Verbündeten und der Völker Oestm-eich-Unaars zur Sicherung des europäischen Friedens noch lange, sehr lange glücklich zu wirken" Das wünsche ich von ganzem Herzen in der Tiefe meiner Seele. Kaiser Wilhelm lebe W- Nach dem Toaste auf dm deutschen Kaiser trank der Arbeitsminister Kemenv auf das Wohl der anwesenden ^Vertreter der glorreichen preußischen Armee. Hierauf sprach Gem ul - Lieutenant v. ^chlrchting Folgendes: Die militärischen Gefühle die mich bei diesem Feste bewegen, die, wie ich meine, international sind, veranlassen mich bas Wort zu ergreifen. Mit derselben Gesinnung, womit der Kurfürst von Brandenburg vor zwei Jahrhunderten in den österreichischen Armeeverband und die Genossenschaft der ungarischen Truppen seine Schaaren entsandte, komme ich zu Ihnen um herzlich Gluck zu wünschen. Der König hat dafür gesorgt, daß wir echte Nachkommen DerMigen seien, die vor 200 Jahren hier gewesen. Zwei Vertreter bringen Ihnen den Gruß derselben Fahne, die vor 200 Jahren durch die Ofener Bresche gegangen Zwei andere Vertreter legen gleichzeitig ein Lorbeerblatt auf das Grab ihrer Vorfahren" die in den Kämpfen um Ofen gefallen. Es gibt auch unter Nationen ein Stück Blutsverwandtschaft. Die hier erschienenen Bundesgenossen haben sich seit zweihundert Jahren zu großen selbstständigen Staatsgebilden herausgestaltet. Unser aller Wunsch ist, daß diese Waffenfreundschaft auch in Zukunft so fortblühe, wie es in der Vergangenheit gewesen. Ich erhebe mein Glas in Hochachtung und Ergebenheit vor dem Kaiser und Könige und leere es auf das Wohlergehen des Königreichs Ungarn und- semer Jubilarin!" nbgeretfT™6' 3* (5cptetnber* knister Gautsch ist gestern Nachmittag nach Berliw Paris, 3. September. Das Journal „Paris" schreibt, die letzten Nachrichten aus Sofia ließen die Lage der Dinge in Bulgarien getrübt erscheinen. Die Antwort des russischen Kaisers auf das Telegramm des Bulgarenfürsten habe den Enthusiasmus abgekühlt. i — c>.'/H°vas"-Meldung aus Philippopel: Ueber die Schienen, welche der Aua m" dem Fürsten Alexander passiren mußte, waren an einer Stelle Holzscheite gelegt worden. Dem Locomotivführer gelang es, kurz vor der betreffenden Stelle den Aua -um Stehen zu bringen, so daß eine Entgleisung vermieden wurde. London, 3. September. Der englische Generalconsul für Sofia, Lascellas ist vertreten^ Kosten zurückgekehrt, um England beim Einzuge des Fürsten in Sofia zu London, 3. September. Sämmtliche Morgenblätter besprechen den Devescken- wechsel zwischen dem Kaiser Alexander und dem Fürsten von Bulgarien und äußern sich übereinstimmend dahin, daß die Abdankung des Fürsten fast unvermeidlich sei und alsdann eine Intervention Rußlands in Bulgarien unausbleiblich werde. Die Times" urchtet, die Antwort des Kaisers werde die russische Partei in Bulgarien verstärken und ermuntern, die Stellung des Fürsten dagegen entsprechend schwächen. Die beste Hoffnung des Fürsten auf die Sicherheit und Stabilität seiner Stellung liege in einer vernünftigen Beherrschung der bulgarischen Bevölkerung und in seiner Befähigung, die Bande der Eintracht zwischen den emanzipirten Nationalitäten im Südosteu Europas fester zu knüpfen. Petersburg, 3. September. Das „Journal de St. Petersbourg" schreibt: Die kaiserliche Antwortsdepesche auf das Telegramm des Fürsten Alexander bedarf keinerlei Kommentars. Sie stellt die Frage, welche durch die von dem Fürsten angenommene Haltung aufgeworfen wurde, auf vollkommen klaren Boden. Philippopel, 3. September. Fürst Alexander ist heute früh 8 Uhr einge- roffen. /Leine Ankunft wurde durch die vielfachen Beweise der Ergebenheit seitens >er Bevölkerung auf dem Wege hierher verzögert. Auf der Strecke von Jenisagra hierher, welche der Fürst Nachts passirte, war die Bevölkerung aus allen Stationen, zusammengeströmt, um ihm zu huldigen. ver Stadt wurde der Fürst ^M^LM-malen-^orpS in großer Uniform empfangen. Der Vertreter Rußlands fehlte. Zum Salut wurden 21 Kanonenschüsse gelöst. Lokale-. Gießen, 4. September. [Sie Kunstausstellung in Gießen.) Welch hohen Rang die gegenwärtig hier ausgestellten Zeichnungen und Entwürfe G. Adolf Gnauth's in der Künstlerwelt einnehmen, beweisen die Worte, mit welchen Dr. I. Stockbauer in der Zeitschrift für Kunst und Gewerbe seinen Nachruf an den Dahingeschiedenen beginnt: „Unter den Architecten der Neuzeit hat keiner eine so eigenartige und selbstständige Stellung eingenommen, hat so sehr den künstlerischen Bestrebungen der ^Neuzeit einen abgerundeten, vollen Ausdruck geliehen und denselben in die weitesten Kreise getragen, als der am 19. November 1884 gestorbene Oberbaurath Gustav Adolf Gnauth. Es war eine genial angelegte und durch umfassendes Studium harmonisch abgeschlossene Künstlernatur, welche das gesammte Kunstgebiet mit frischer Schöpferkraft beherrschte und im Größten wie im Kleinsten eine den Stempel des Genies tragende Originalität aufwies." Wir können hier nicht den ganzen Nachruf wiedergeben, lassen aber eine kurze Lebensbeschreibung folgen: G. Adolf Gnauth, geboren 1840 in Stuttgart, erhielt seine Bildung zum Künstler am Polytechnikum zu Stuttgart unter Baurath Leins und war dann von 1860—61 beim Eisenbahn Hochbau thätig. Doch schon im folgenden Jahre zog es ihn nach Italien. Dort machte er während zweier Jahre die fleißigsten Studien, ging dann auf einige Zeit nach Wien und von^!864 bis 1866 wieder nach Italien. Die Ergebnisse dieser Reise waren die -reichste Sammlung von architectonischen Aufnahmen und vortrefflich in Aquarell ausgeführter Blätter nach den Werken der großen Meister der Renaissance in Rom, Florenz, Genua und Venedig. 1866 kam er als Professor an die Baugewerkschule zu Stuttgart, besuchte in dem folgenden Sommer wiederholt Italien und wurde dann Professor am Polytechnikum seiner Vaterstadt, trat aber nach zwei Jahren wegen bedeutender Prioataufträge von dieser Stelle zurück. Er baute nun die reizende Villa Siegle im Renaissancestill, die Villa Eonradi und die Vereinsbank in Stuttgart in Barockstil, die Häuser der dortigen Göthestraße mit Anwendung des Sgrafitto, ferner die Villa Engelhorn und Klemm in Mannheim und verschiedene Grabmäler. Daneben aber hat Gnauth das große Verdienst, das Kunstgewerbe durch zahlreiche Entwürfe für Kunsttischler, Gold- und Silberarbeiter und durch Herausgabe der trefflichen Zeitschrift „Kunsthandwerk" und des Maler-Journals (1876) gehoben zu haben. — 1875—76 bereiste er dann mit Lenbach, Makart, Müller und Hubert Griechenland und Egypten. Die Briefe, welche er von dort aus an seinen Vater schrieb, beweisen die ganze Liebenswürdigkeit und den frischen Humor seines Characters, vereint mit dem edelsten Streben und dem feinen Kunstgefühle des hochbegabten Künstlers. Nach Deutschland heimgekehrt, ließ er sich in München nieder und wendete sich dort der decoratioen Malerei zu, bis er 1876 Director der Kunstgewerbeschule zu Nürnberg wurde. Dort richtete er sich mit seiner Gattin in dem alten Vembohause, gegenüber dem berühmten Rathhause, behaglich und geschmackvoll ein, ward auf meinen Wunsch und Vorschlag zum Mitgliede des Verwaltungsausschusses des germanischen Museums erwählt, führte verschiedene Entwürfe für die Ausstellung der Gewerbe in Nürnberg 1882 aus, übernahm aber dann den Bau und die Einrichtung eines großartigen Palastes iu Newyork in Amerika. Nach der Rückkehr von dort fühlte er sich leidend und erlag bald, allzu früh lür die Kunst und für seine Freunde, einem Herzleiden. Dr. H. v. Ritgen. ** Gießen, 4. September. Daß die Singvögel durch Vertilgung von allerlei Ungeziefer im Haushalte der Natur von ungeheurem Nutzen sind, daß sie ferner un- gemein zur Belebung und Verschönerung der Natur beitragen — was wäre der schönste Wald ohne Vögel — weiß Jedermann. Der hiesige Thierschutzverein hat es deshalb seit seinem Bestehen für seine Pflicht gehalten, durch Anbringung künstlicher Brutstätten sowohl wie durch die Anlage von Futterplätzen im Winter zur Vermehrung resp. Ansiedelung der Singvögel beizutragen. Leider treten 2 Factoren den Bestrebungen des Vereins hindernd entgegen, nämlich 1. die Katzen und 2. die Abnahme der lebenden Hecken. Weit entfernt, die Nützlichkeit der Katzen irgendwie in Zweifel ziehen zu wollen, müssen wir doch darauf Hinweisen, daß es eine nicht unbedeutende Anzahl von Katzen giebt. die sich herrenlos in Garten und Feld umhertreiben, weniger der Mäuse, als der Vögel, Hasen u. s. w. wegen. Zur Brütezeit der Vögel kann man täglich die Beobachtung machen, daß mit dem Eintritt der Dämmerung Katzen die Gartenhecken nach Vogelnestern förmlich absuchen. So hat man in Frankfurt a. M. 30 Stück Katzen, die sich in den Gärten und Anlagen dieser Stadt umhertrieben, gefangen, getödtet und secirt und was fand man in ihren Magen? — Keine Spur von Mäusen, sondern nur die Ueberreste von Vögeln. Solche Katzen, deren Zungen an das feinere Vogelfleisch gewöhnt sind, haben als Mäusefänger des Hauses keinen Werth mehr. Würden überhaupt nicht mehr Katzen gehalten, als das Bedürfniß erfordert, so würden sie wenig oder gar nicht lästig werden. Leider giebt es Leute, welche eine wahre Katzenmanie besitzen, d. h. aus besonderer Katzenliebhaberei ein halbes Dutzend derselben halten. Daß unter solchen Umständen die zu große Zahl derselben lästig wird, ist selbstverständlich, der lieblichen Serenaden, wodurch sie die friedlichen Bürger im Schlafe stören, gar nicht zu gedenken. Der Thierschutzverein ist deshalb der Ansicht, daß er gegen das Ueberhandnehmen und Umherstreifen der Katzen an Orten, wo sie nichts zu thun haben, Schritte thun muß. Mehrere besonders nützliche insectenfressende Singvögel bauen nur in Hecken und zwar in dichte und dornichte Hecken, welche ihnen gegen Katzen und andere Raub- Ihiere den nöthigen Schutz gewähren. Leider verschwinden von Jahr zu Jahr die lebenden Hecken sowohl als die Dornbüsche an Rainen, welche vielen Vögeln Schutz gegen die Witterung und gegen das Raubzeug gewähren, immer mehr. Als ganz vorzüglich kann nun die Anpflanzung des schwedischen Bocksdorns (Lycium eurvpäum) zu Gartenhecken empfohlen werden. Diese sehr dornige Schlingpflanze beansprucht wenig Raum, giebt eine undurchdringliche Hecke und bietet den darin nistenden Vögeln in Folge ihrer wagrecht abstehenden, massenhaften Dornen sicheren Schutz und ist deren Anpflanzung sehr zu empfehlen. Der hiesige Thierschutzverein beabsichtigt deshalb, die Anlage von Bocksdornhecken zu unterstützen. Gartenliebhaber, welche vielleicht einen Versuch mit der Anlage von derartigen Hecken machen wollen, werden gebeten, dies dem Vorstande des hiesigen Thierschutzvereins mitzutheilen, da bet gemeinschaftlichem Bezug der Setzlinge sich die Transportkosten bedeutend geringer stellen dürften. Die nöthige Auskunft, in welcher Weise die betreffenden decken anzulegen seten, wird gerne ertheilt. Gießen, 4. September. Bei unserem benachbarten Orte Heuchelheim hat sich gestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr ein Unglücksfall ereignet, indem eine Frau von dem Berlin-Metzer Bahnzug auf der Strecke überfahren und getödtet wurde. Tie Großh. Staatsanwaltschaft hat sich an Ort und Stelle begeben. Vermischte-. x Darmstadt, 2. September. Der Tag von Sedan wurde in diesem Jahre in unserer Residenz von fast allen Theilen der Bevölkerung gefeiert, so daß man sich in die Jahre 1870/71 versetzt glaubte. Schon Morgens früh zog die Schuljugend in die nahen Waldungen unserer Stadt, woselbst von den Lehrern unter Spielen und Gesängen auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. In fast sämmtlichen Straßen der Stadt war der Fahnenschmuck ein reicher. Nachmittags fand vor dem -reich geschmückten Krieger-Denkmal Eoncert statt. Der am Abend stattgehabte imposante Fackelzug bewegte sich nach dem Landesdenkmal, woselbst eine Ansprache an die Ver- sammlung stattfand. Den Schluß bildete ein großartiges Feuerwerk, wonach die Zug- theilnehmer sich zu gemüthlicher Vereinigung nach dem Saalbau begaben. Dingen, 3. September. Aus Ober-Ingelheim wird ein großer Brand ge- meldet. Es soll einpfindlicher Wassermangel herrschen. Der Binger Kreisralh hat sich nach der Brandstätte begeben. — sMilitärischesJ Während in der russischen Armee eine durchgreifende Reform bereits vorgenommen ist und man sich in Frankreich mit weit ausschauenden Plänen trägt, vollzieht sich auch in unserem Heere eine stetige Reform auf allen Gebieten. Im laufenden Jahre haben sich in unserer Armee so einschneidende Veränderungen und so bedeutsame Fortschritte vollzogen, wie sie keines der letzten 10 Jahre aufweisen kann. In erster Linie ist die Gewehrfrage in einer ebenso raschen als befriedigenden Weise durch die Massenanfertigung eines Repetirers einem vorläufigen Abschluß zugeführt. Ferner ist man dabei, das Gepäck der Infanterie zu erleichtern und an Stelle des bisher gebräuchlichen schweren Seitengewehrs ein dolchartiges Bajonett einzuführen. Auf dem Gebiete des Reglements und der Ausbildungsvorschriften ist das Erscheinen eines neuen Exercierreglements für" die Eavallerie und die Redaction einer neuen Feld- dienstordnung besonders bemerkenswerth. In rein organisatorischer Beziehung Hal die grundsätzliche Trennung der Geniewaffe in Feld- und Festungs-Pioniere weitere Fortschritte gemacht und ist die Schaffung einer besonderen Festungstruppe, welche aus Fußartillerie und Genietruppen besteht, ihrer Verwirklichung näher gerückt. Die ein- getretene Vermehrung der Landwehrinspectioneu, sowie die Errichtung einer neuen Cavallerie-Division haben zur Erhöhung der Schlagfertigkeit unserer Armee jedenfalls beigetragen. Schließlich hat die Fürsorge unserer Heeresverwaltung für die Nutzbarmachung der wissenschaftlichen Fortschritte auf dem Felde der militärischen Luftschifffahrt zu einer Erweiterung der vorhandenen Organisationen geführt und wird bald ein Stamm praktisch erfahrener Fachleute vorhanden sein. — sUnmenschlichkeit.) In dem Dorfe Wahnsdorf unweit Sonnewalde hat sich ein Akt seltener Unmenschlichkeit zugetragen. Bei einem Bauer daselbst kamen Verwandte zum Besuch. Die fremde Frau hatte Verlangen, die Ehefrau des Bauers zu sehen und da sie dieselbe in der Wohnung nicht anwesend fand, betrat sie eine kleine dunkle Kammer. Der Anblick, der sich ihr darbot, entzieht sich jeder Beschreibung, denn hier lag die gesuchte Frau in einem entsetzlichen Zustande auf einem handhoch mit Koth bedeckten Strohlager, angethan mit einem Stück zerlumpten und schmutzigen Hemdes, welches kaum den Obertheil des Körpers bedeckte. Die fremde Frau entsetzte sich darüber so sehr, daß sie ohnmächtig wurde und erst von ihrem Manne aufgesucht werden mußte, der sie aus diesem grauenvollen Orte wegtrug. Die eingekerkerte Frau soll sich in einem Zustande befinden, der an Wahnsinn grenzt; ob dieser Zustand nicht die Folge der unmenschlichen Behandlung ist, wird jedenfalls die Untersuchung ergeben, die im vollen Gange ist. Neben dieser Einkerkerung soll die unglückliche Person noch von Mann und Kindern Mißhandlungen zu erdulden gehabt haben, auch ist festgestellt, daß die Frau schon seit vergangenen Weihnachten in diesen grauenvollen Raum eingesperrt ist. Die Frau ist in das Krankenhaus zu Luckau gebracht. Hande! und Verkehr. Gießen, 3. Septbr. Der Austrieb zu dem am 31. August und 1. September dahier abgehaltenen Viehmarkt war sehr bedeutend, an Rindvieh waren 2531 Stück, und Schweine 377 Stück aufgetrieben. — Der Handel bei Zucht- und Arbeitsvieh war durch die vielen Handelsleute aus Bayern, Württemberg und Baden sehr lebhaft, wodurch die Preise höher als am letzten Markte waren. Nächster Markt Dienstag den 14. und Mittwoch den 15. d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt und findet Morgens 7 Uhr das Verlesen der Krämerstände statt. Gießen, 4. September. Auf dem heutigen Markt kostete' Butter ver Piund ä. 1.00—120, Hühnereier pr. St. 5—6 -3i, Enteneier St. 6—0 4, Käse pr. St. 5—9 Ä, Käsematte 3—0 Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 30 4, Tauben per 0,50 bis 0,65 Hühner per Stück JL 0.85—1.20, Hahnen pr. Stück JL 0.45—0.75, Enten per Stück vM 1.20—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 52—56 H, Schweinefleisch 54—60 H, Hammelfleisch 50-66 H, Kalbfleisch 46-50 Kartoffeln per 100 Kilo JL 4.00—6.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Zentner m. 5.00-6.00. Gingesandt. Grünberg, 4. September. Dem kunstliebenden Publikum von Grünberg und Umgegend steht ein seltener, gediegener Kunstgenuß bevor, der nächsten Sonntag Abend 8 Uhr im Gasthaus „zum Hirsch" dahier dargeboten werden wird. Zwei Schüler des Raff'schen Conservatoriums zu Frankfurt, Herr Aff er in aus Florenz und Herr Schweitzer, Sohn des Lehrers Schweitzer zu Odenhausen, beide noch ganz jugendliche Künstler, werden ein durchaus classischcs Programm zur Ausführung bringen, worauf wir nicht verfehlen wollen aufmerksam zu machen. Auszug aus den Standrsamtsregister« des Staudrsamls Gieße«. (Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) Aufgebote. August: 28. Ernst Emil August Aßmann von Plettenberg, Maler und Lackirer dahier, mit Marie Hamel von Rainrod, wohnhaft dahier. Ghefchlietzungen. September: 1. Christoph Schmitt von Roßbach, Schmied dahier, mit Margarethe Elisabeth Schneider von Wieseck, wohnhaft dahier. 2. Großh. KreiLbaumeiftcr Johann Friedrich Kranz zu Friedberg mit Emilie Neidhart dahier. Geborene. August: 26. Dem Schneider Georg Fischer eine Tochter, Anna. 27. Dem Briefträger Heinrich Ohly ein Sohn, Karl. Gestorbene. August: 31. Marie Helene Katharine Hankel, 6 Monate alt, Sohn von Fuhrmann Johann Hankel. 31. Elisabethe Friederike Heidt, 1 Jahr alt, Tochter von Schuhmacher Jacob Heidt. September: 1. Johann Christian Retter, 64 Jahre alt, Kaufmann dahier. 2. Elisabethe Wehner, geb. Möhl, 67 Jahre alt, Witlwe von Johann Konrad Wehner. 2. Georg Heinrich Kreiling, 1 Jahr alt, Sohn von Metall- dreher Georg Kreiling. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gieße«. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 2. September. Friedrich Kranz, Großh. Kreisbaumeister zu Friedberg, ein Wittwer, und Emilie Neidhart, Tochter des Gerichtsschreibers Georg Neidhart zu Gießen. Getaufte. Den 29. August. Dem Schutzmann Johannes Ochs eine Tochter, Christine, geboren den 6. Juni. Denselben. Dem Oeconomcn Carl Rinn eine Tochter, Marie Emma Elisabeth, geboren den 26. Juli. Denselben. Dem Schneidmüller Philipp Reuschling Zwillingstöchter, Katharine und Lina, geboren den 9. Juli. Denselben. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Beck ein Sohn, Wilhelm, geboren den 5. Juni. Den 31. August. Dem Bremser an der Oberhessischen Bahn Anton Stork ein Sohn, Carl Wilhelm, geboren den 17. Juli. Den 1. September. Dem Schutzmann Bernhard Krause eine Tochter, Marie Henriette Elisabethe Wilhelmine, geboren den 19. August. Den 2. September. Dem Uhrmacher Wilhelm Emil Böger eine Tochter, Johanna Georgine, geboren den 11. August. Beerdigte. Den 29. August. Johannes Kreiling, Privatmann, alt 62 Jahre, starb den 27. August. Den 3. September. Johann Christian Retter, Kaufmann, alt 64 Jahre, starb Temperatur der Lahn. Am 4, September, zwischen 11 imb 12 Uhr: Wasser 18», Lust 24° R. im Schatten. L. Chr. Rübsamein L. Schmidt, Aaser 5863 6286 M W Uebernahme Druck K w 6285 Tabak und Cigarren irr und Lackim 170 na. 27. Dem mt Margarethe meister Johann Mit den neuesten Schriften, Einfassungen und Maschinen ausgestattet, sind wir in der Lage, auch den weitgehendsten Anforderungen in Bezug auf geschmackvolle Herstellung der uns übertragenen Arbeiten genügen zu können. 'ptember. *bt ein seltener, MtbauS „jiint nseroatmums in des Lehrers x ein durchaus .en wollen aus- Bühner, Gerichtsvollzieher. für 25 Pfg. M. Kessler Neuenweg 33. ganzer Werke. Verlag des »Giessener Anzeiger.' Carl Bieler, Kreuz 6. 6260 Eine Kaute Mist zu verkaufen- __________Dampf-Molkerei Gießen. Steinkohlen- Lieserung Die Lieferung der zur Heizung unterer Kirche im nächsten Winter möthigen Steinkohlen soll auf dem Weg der Submission vergeben werden. Angebote wolle man bis zum 11. d. M. auf dem Comptoir des mitunterzeichneten Fabrikanten I. Hanstein abgeben, woselbst auch die Bedingungen zur Einsichtnahme offen liegen. Gießen, den 4. September 1886. Für den evangelischen Kirchenvorstand: vr. Naumann, Pfarrer. 6283 I. Hanstein, Fabrikant. 6291 Friedrichsdorfer Zwieback, Cervelatwurst, frische u. Wmterwaare, prima Ochseuzungen, abgek. Schinken Goth. Leberwurst und frische ital. Pfirsiche empfiehlt C. G. Kleinhenn. Empfehle meinen Nlittagstisch Suppe, Braten u. Kartoffeln ter per PM 6t 5-9 4, Paar 0,50 bitz -0.75, Enten mb Rindfleisch eisch 40-50 4 dn vn Gentner h September J 2531 Stück, Arbeitsvieh war n sehr lebhaft, $•» am letzteren n der Kramer- zu Friedberg, ijeorg *xt \4»tlU W von Zeitschriften. Jean Dern