1886. **• T «*•a* **** SSWwHÄ! ÄÜS ?“W BHB«gg^w!g5£g!g£g38w»g”gg3gBg^?«wwq3g»*siw*EqgjgBgTOE?ig^^ Politische Ueberficht. Gießen, 4. August. Kronprinz Friedrich Wilhelm hat sich auf dem Umwege über 'Bayreuth, wo der hohe Herr einer Parsioal-Aufführung beiwohnte, nach Hei- delberg zur Universitäts-Jubelfeier begeben. Dem Vernehmen nach gedenkt der Kronprinz am Sonntag nach Potsdam zurückzukehren. In Heidelberg ist u. A. auch der preußische Cultusminister Dr. v. Goßler eingetroffen, um den Unioer- sitätS-Festlichkeiten beizuwohnen. Von dort aus tritt der Minister die Weiterreise nach der Schweiz an, um hier seinen Sommer-Urlaub zuzubringen. Der bisherige chinesische Gesandte in Petersburg und London, Marquis Tseng, hat sich bet seinem gegenwärtigen Aufenthalte in Deutschland einer ungewöhnlich auszeichnenden Ausnahme Seitens der leitenden Kreise zu erfreuen gehabt. In Kissingen hatte der Marquis eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck, mit einem auf Kosten des Kaisers gestellten Extrazuge reiste die chinesische Excellenz dann weiter nach Berlin, wo dieselbe mit ihrer Begleitung ebenfalls Gast unseres Kaisers war und am Samstag wurden Marquis Tseng und sein Begleiter in Potsdam vom Kronprinzen empfangen und später auch zur kronprinzlichen Tasel hinzugezogen. Diese Ausmerksamketten, welche man in Deutschland dem in nächster Zeit nach Peking zurückkehrenden Vertreter Chinas erweist, gehen über die gewöhnlichen Höflichkeit^-Erweisungen der europäischen Regierungen an fremde Diplomaten denn doch hinaus und am Pekinger Hofe wird man von dem Empfange, den Marquis Tseng auf seiner Durchreise in Deutschland gesunden, gewiß mit hoher Befriedigung Kenntniß nehmen. Jedenfalls geht hieraus hervor, daß die Beziehungen zwischen dem deutschen Reiche und China sich immer freundschaftlicher gestalten und dies kann für die deutschen Verbindungen mit Ost'asien, die mehr und mehr an llmsang und Bedeutung gewinnen, nur von größtem Werihe fein. Als Nachfolger des im nächsten Monat aus seinem Amte scheidenden französischen Botschafters, des Barons de Courcel, wird jetzt einerseits der Vertreter Frankreichs am Vatikan, Lesevre de Beheine, anderseits der französische Ministerresident in Tunis, Cambon, mit einer gewissen Bestimmtheit genannt. Offenbar ist aber in dieser Frage noch nichts entschieden. Aus die gegenwärtigen Festspiele in Bayreuth ist durch den daselbst am Samstag Mitternacht erfolgten Tod Franz Liszt's ein tiefer Schatten gefallen. Die Meldung von dem Ableben des größten Claoiervirtuofen unseres Jahrhunderts wird in allen musikalischen Kreisen das schmerzlichste Bedauern Hervorrusen. Der nun dahingeschiedene Meister der Töne wurde am 22. October 1811 in dem ungarischen Orte Raiding geboren, er hat demnach ein Alter von beinahe 75 Jahren erreicht. Sein glänzendes musikalisches Talent brach sich schon frühzeitig Bahn, in Frankreich und England, in der Schweiz und in Italien wurde der Name Liszt's genannt und als er jene großen Kunstreisen von 1840 bis 1848 vollendet, da war sein Ruhm für alle Zeiten seft begründet. Im Jahre 1848 ward Weimar der ständige Sitz des Virtuosen; 1865 trat er in Rom als Abbö in den geistlichen Stand und lebte daselbst längere Zeit. Später wurde wieder Weimar und daneben auch Pesth der bevorzugte Aufenthaltsort Liszt's. Wie aus Hamburg mitgetheit wird, ist in Kamerun auf Grund einer Verordnung des dortigen deutschen Gouverneurs die Reichsmarkrechnung eingeführt worden. Zur Befriedigung des Geldverkehrs wurden schon größere Posten von Thalerstücken von den beteiligten kaufmännischen Firmen in das deutsche Schutzgebiet eingeführt. Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich und seine Gemahlin Maria Theresia sind in Peterhof von dem Kaiserpaar, dem Großfürsten- Thronfolger und den übrigen Mitgliedern der russischen Kaiserfamilie auf’« Herzlichste empfangen worden. — Das „Journal de St. Pötersbourg" erinnert anläßlich der Ankunft des erzherzoglichen Paares an die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen dem russischen Hose und dem Erzherzog und seiner Gemahlin feit der Krönung in Moskau bestehen und sagt, die hohen Gäste könnten sich versichert halten, bei dem Hose und der russischen Gesellschaft den herzlichsten Empfang zu finden, ihr neuer Aufenthalt in Rußland werde die bisherigen freundschaftlichen Beziehungen noch befestigen. Das Verhältniß zwischen Deutschland und Rußland wird von der panslavistischen „MoSk. Ztg." in einem bemerkenswerthen Artikel besprochen. In demselben heißt es u. A.: „Wir wünschen, daß sich Rußland in freien, freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland befinde; jedoch sollten wir eben solche Beziehungen auch zu anderen Mächten, desgleichen zu Frankreich haben. Wir erachten es als gänzlich unwahrscheinlich, daß Deutschland irgendwann Streit mit uns suchen wollte; aber wenn England, was wohl möglich ist, mit uns im nahen oder fernen Osten collidirte, würde das jetzige Frankreich, welches zu England fast in nicht geringerem Antagonismus steht als zu Deutschland, wahrscheinlich nicht müssiger Zuschauer des Kampfes bleiben, worüber wir zu klagen wahrlich keinen Grund hätten." Man sieht, daß den Herren Pansla- visten ein Bündniß mit Frankreich nach wie vor als die Quintessenz aller politischen Weisheit gilt. In Irland kommen immer wieder Reibungen zwischen Orangisten und Nationalisten vor. Am Samstag Abend kam es in Belfast zwischen den Orangisten und Nationalisten zu Schlägereien, wobei von beiden Theilen mit Steinen geworfen wurde. Die Polizei war genöthigt, mit der Waffe einzuschreiten. Eine Anzahl von Personen wurde verwundet, ein Knabe getödtet. Gegen Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt. Berlin, 2. August. Die Bestrebungen der Gewerbetreibenden, betr. die Zuziehung von Sachverständigen bei staatlichen Verdingungen, haben in Preußen doch einen gewissen Erfolg gezeitigt. Zwar hatte der Minister der öffentlichen Arbeiten auf die Berichte Der Provinzialbehörden erklärt, daß bett mit der Leitung des Verdingungs-Verfahrens betrauten Behörden und Beamten sowohl die Entscheidung darüber, in welchen Fällen überhaupt die Zuziehung von Privat-Sachverständigen, bezw. Sachverständigen-Commisfionen angemessen erscheine, als auch die Auswahl der hierfür geeigneten Persönlichkeiten überlassen bleibe, er hat aber, um den aus den Kreisen der Gewerbetreibenden kundgegebenen bezüglichen Wünschen thunlichst entgegen zu kommen und die Verwaltung zugleich gegen Mißdeutungen bezüglich der Auswahl der Sachverständigen sicher zu stellen, der „Nordd. "Allg. Ztg." zufolge angeordnet, daß, soweit nicht die Beamten der Verwaltung selbst mit ausreichenden Fachkenntnissen ausgerüstet seien und auch sonst unparteiische, in ihrem Fach als tüchtig anerkannte Persönlichkeiten nicht bereits zur Verfügung ständen, wegen Namhastmachung von Sachverständigen zuvörderst die Vorstände der auf Grund des Unfallversicherungs- Gesetzes vom 6. Juli 1884 gebildeten Berussgenossenschaften angegangen und, falls gegen die in Vorschlag gebrachten Persönlichkeiten vom Standpunkte der Verwaltung Bedenken nicht vorlägen, dieselben zur zweckentsprechenden Mitwirkung -herangezogen werden sollen. Der Minister behält sich vor, über die praktische Bewährung dieser Maßnahme s. Z. Bericht zu erfordern. Desgleichen hat der Minister des Innern bestimmt, daß in Gemäßheit dieser Vorschriften auch bei Den im Verwaltungsbereich des Ministeriums des Innern vorkommenden Verdingungen verfahren werden soll. Hoffentlich wirb der Gebrauch dieser Mini- sterial-Versügungen den Nutzen aus der Verwendung von Sachverständigen so Überzeugend nachweisen, daß die Einrichtung gänzlich verallgemeinert werden kar.»». Denn sie allein erscheint geeignet, eine allen berechtigten Anforderungen entsprechende sachkundige und unparteiische Handhabung bei der Vergebung und Ausführung von Leistungen und Lieferungen zu sichern. LelegraMHe TMHm. SBtoSfFS tetanu Tseressemdtrrr»Mr«-«?. Gastein, 3. August. Der Kaiser machte um 3 Uhr dem Fürsten und der Fürstin Bismarck einen halbstündigen Besuch. Nach dem Diner fand Vortrag Bülow's statt. Berlin, 3. August. Der Austausch der Ratifications-Urkunden zu der deutsch - englischen Uebereinkunst vom 2. Juni, welche die preußisch - englische Literar-Convention von 1846 und 1855 auf die bisher vertragslosen Theile des Reiches ausdehnt, sand am 29. Juli in London statt. Die Uebereinkunst tritt drei Monate nach Austausch der Urkunden in Kraft. Bayreuth, 3. August. Die Beerdigung Franz Liszt's erfolgte heute Vormittag unter Theilnahme zahlreicher hiesiger uni) auswärtiger Leidtragender. Die Feier dauerte von 10 bis halb 12 Uhr, Se. K und K. Hoheit der Kronprinz hatte gestern Abend vor seiner Abreise einen Kranz für LiSzt'S Grab in der Villa Wahnsried abgeben lassen. Wien, 3. August. Der „Polit. Corresp." wird aus Nisch gemeldet: Die Skupschtina nahm einstimmig einen Antrag des Finanzministers an, betr. die Wahl einer 15gliederigen Commission zur Prüfung der bisherigen Finanz- gebahrung der Regierung und Erwägung von Maßregeln wegen Herstellung des stetigen Gleichgewichts des Budgets. — An der Cholera erkrankten, refp starben in Triest 1/3, in Fiume 2/3 Personen. Pari-, 3. August. Die Generalrathswahlen sind beendet. Die Republikaner gewannen 76 Sitze, die Conservativen 83 Sitze. Stichwahlen sind 177 erforderlich. Madrid, 3. August. General Salamanca, Director des Kriegsministeriums, demissionirte. Washington, 3. August. Cleveland theilte dem Congreß den Bericht mit, welchen der Staatssecretär Bayard über die in Mexiko unweit der Grenze erfolgte Verhaftung eines Bürgers der Vereinigten Staaten, des Redacteurs Cuttings, erstattet hat. Der Präsident fügt hinzu, er habe Alles gethan, was in feiner Macht stehe, um die Freilassung Cutting's zu erlangen und müsse nunmehr dem Congreß das weitere Vorgehen überlassen. Heidelberger Iudilaumsbrieft. ii. Heidelberg, 2. August. Z Soeben, Nachmittags 4 Uhr, verkünden drei Kanonenschüsse die Ankunft Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich von Baden, des Rector magnificen- tissimus der alten hochgelahrten Jubilarin. Von sämmtlichen, in großer Gala befindlichen Spitzen der städtischen Behörden am Bahnhofe abgeholt, fährt der lange Wagenzug in raschem Trabe unter meinen Fenstern her zum sogenannten Palais, einem äußerst anspruchslosen, am Markte gelegenen zweistöckigen Gebäude, dem ein Uneingeweihter seine hohe Zweckbestimmung kaum anmerken kann. Weder die innere noch die äußere Einrichtung gewähren diesem Hause Anspruch auf den Namen einer Fürstenwohnung. Drei neue Kanonensalven geben das Zeichen, daß der hohe Gast in seinem Absteigequartier angelangt ist. Als wolle sie dem edlen Landesherrn einen Act der Huldigung erweisen, bricht die allersehnte Sonne, die sich den ganzen Taz. Hinter schwarzen, regenstromenden Wolkenwänden verborgen hielt, plötzlich hervor und gibt der Hoffnung auf eine mögliche Besserung des ganz abscheulichen Wetters von Neuem Raum. Morgen trifft als Vertreter Les Deutschen Kaisers auch der Kronprinz von Preußen ein und wenn er das sprichwörtliche Hohenzollernwetter mitbringt, dürften Arrangeure wie Theilnehmer des Festes ihm herzlich dankbar sein. Spricht man doch schon davon, den großen Festzug, wenn das Wetter am Freitag gar zu ungünstig, auf Samstag oder noch später zu verlegen. Die 3-400,000 Jt, welche die Jnscenirung des Zuges kostet, im wörtlichen Sinne zu Wasser werden zu lassen, kann man dem Comitä allerdings nicht zumuthen. Dessenungeachtet wäre eine Verlegung des programmmäßig festgesetzten Tages aus tausend Gründen sehr unangenehm. Jedenfalls ist es rathsam, das Beste zu hoffen. Das Schlimme kommt von selbst. Die von auswärts zum Feste eintreffenden Gäste mehren sich. Nicht nur die Universitäten Deutschlands, auch die der übrigen europäischen Lande, ja selbst die Hochschulen Amerikas haben Deputationen angemeldet, denen morgen in der stilvollen und mit reichem Geschmack neu eingerichteten Aula ein herrlicher Empfang bereitet werden soll. Gegenüber meiner Wohnung, im Hause des Professors Gegenbaur, hat Ernst Häckel aus Jena Quartier genommen. Ick sah ihn flüchtig auf dem Balkon. Kopf- und Barthaar des Gelehrten sind fast weiß geworden, aber sein edles Anlitz und seine hohe männliche Gestalt erscheinen noch in alter Schöne und Jugendkraft. Von anderen auswärtigen Gelehrten begegneten mir die Herren Professoren Geh. Rath Veit aus Bonn, Geh. Rath Ab egg aus Prag, Schloßmann aus Kiel, v. Meyer aus Zürich, Lippmann aus Wien, v. Her ter aus Petersburg, Fastenrath aus Köln u. a. m. Selbst das ferne, heiße Afrika hat in der Person des im Orange-Freistaat wohnenden Dr. jur. M. van Dyck einen Abgeordneten geschickt. Der Empfang in der Aula wird übrigens bedeutend abgekürzt werden. Ursprünglich intendirte man, jede Deputation der fremden Universitäten einzeln zu empfangen und setzte für die Feierlichkeit eine Zeitdauer von vier Stunden an. Auf Großherzoglichen Befehl ist diese Zeit jedoch auf die Hälfte reducirt worden und wird die Empfangsfeierlichkeit in der Weise vereinfacht, daß nicht die Deputirten jeder einzelnen Universität, sondern sämmtlicher Universitäten desselben Landes begrüßt werden. Eine ähnliche, wenn auch bedeutsamere Vereinfachung ist bezüglich eines andern Punktes des Festprogramms eingetreten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hatten die Absicht, die hervorragenderen Festtheilnehmer nach Schwetzingen einzuladen und ihnen dort ein Fest zu bereiten. Dieser Plan ist fallen gelassen und dafür desto mehr Gewicht auf die Ausstattung und Einrichtung des Sckloßfestes gelegt worden, womit der edle Fürst seine Gäste morgen Abend erfreuen will. Dasselbe soll, wenn auch in beschränkterer Weise, Donnerstag Abend für die große Zahl der Nichteingeladenen wiederholt werden. Die Decoration der Stadt selbst entwickelt sich immer reicker und würde, wenn nur die entsetzliche Farbenzusammenstellung des augenkrankheitbefördernden Gelb-Roth nicht so vorherrschend wäre, entschieden wohlthuend wirken. An den Tribünen für den Fest- und Fackelzug wird noch fortwährend gezimmert, hier und da wird auch noch eine Fahnenstange eingepflockt oder ein Triumphbogen mit einer mehr oder weniger passenden Inschrift errichtet. Die Inschriften scheinen überhaupt die schwache Seite der Heidelberger zu bilden. Man merkt, daß Scheffel noch keinen Nachfolger gefunden hat. Das interessanteste und verhältnißmäßig witzigste Earmen, das ich entdeckte, stand an der Front eines ansehnlichen Bürgerhauses auf dem Ecke des Schloßbergwcgs vor dem Denkmale von Earl Metz gelegen. Es lautet wie folgt: „Der Hexenthurm erhob sich allhier seit alter Zeit, Daneben war ein Keller voll Fässern hoch und weit. Das hat sich nun geändert: Der Thurm hat längst 'nen Rutsch, Die Hexen sind verschwunden, doch auch der Wein ist futsch." Das erste ist erfreulich, das zweite thut mir weh', Drum richt' beim Jubiläum ich diesen Wunsch zur Höh': O brächen alle Hexen nur immerdar den Hals Und wüchs dafür in Fülle der Wein der „Fröhlich Palz!" Heute Abend 8Vt Uhr nahm in der Festhalle mit dem Empfang der Festgäste durch die Vertreter der Stadt die Feier ihren offictellen Anfang. Der colossale Raum, ein langhingedehntes Tonnengewölbe, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Selbst im Mittelgang und in den Seitenaängen standen die neugierigen Menschen Schulter an Schulter und harrten unter dem künstlich gestirnten Himmel der Decke im Scheine von 40 großen elektrischen Glühlichten der Dinge, die da kommen sollten. Und sie kamen. Am hinteren Ende des gewaltigen Bauwerks, wo die Estrade für die Sänger aufgeschlagen war, sah der am Eingang Stehende ein paar kleine Puppengestalten auftauchen, von denen eine mit den Geberden eines Sprechenden sich auf und ab bewegte. Es war der Oberbürgermeister von Heidelberg, Herr Wilkens, welcher dort die Gäste Namens der Stadt willkommen hieß. Verstehen konnten nur die Nächststehenden den Redner und auch diese nur unvollkommen. Die außerordentlichen Raumverhältnisse und das dumpfe Mecresbrausen des tausendfachen Stimmengewirrs ließen den Klang eines einzelnen Organes und wäre es das eines Danton gewesen, nicht zur Geltung kommen. Glücklicherweise faßte der Redner sich kurz. Er brachte den althergebrachten Inhalt einer solchen Begrüßungsrede in herzliche, lakonische Worte und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, welchem, begleitet vom Orchester, die allgemeine Absingung der preußischen Nationalhymne folgte, eine Vocalleistung, die durch ihre elementare Massenwirkung entschieden nachhaltiger wirkte, als der nachfolgende Vortrag des von dem verewigten Victor von Scheffel gedichteten Festliedes durch die Heidelberger Mannergesangvereine. Der Raum ist zu groß für künstlerische Productionen und abgesehen Davon und mit allem schuldigen Respect vor der musikalischen Bedeutung von Vincenz Lachner — die Composition, die der alte Musiker zu dem Scheffel'schen Texte geliefert hat, schien mir offen gestanden etwas gesucht-populär und, die geschickte Verwebung einiger Studentenlieder abgerechnet, inhaltlich wie formell ziemlich banal. Trotzdem mußte die Composition, in welcher auch ein Solosänger sich vergeblich ab- rnühte, dem Verlangen der Menge folgend, wiederholt werden. Lachner, welcher persönlich dirigirte, willfahrte gerne und wenn die vox populi wirklich wie es heißt auch vox Dei ist, so habe ich mit meiner musikalischen Kritik entschieden Unrecht und muß den Altmeister um Verzeihung bitten. Seiber aber hat mir die vox populi weder in künstlerischen noch in anderen Dingen besonders imponirt und ist es mir selten gelungen, meine Prioatmeinung mit jener in Einklang zu bringen. Am Interessantesten bei dem ganzen Festact war unstreitig die Beobachtung des geselligen Lebens, welches sich später entwickelte und Dank dem vorzüglichen „Stoff" des Restaurateurs bis zum frühen Morgen fortdauerte. Die Studentenschaft, vor Allen die hier bestehenden Corps und Burschenschaften, die Sueoia, Guestphalia, Saxo- Borussia, Rhenania, die Allemania, Franconia und Teutonia, waren selbstverständlich vollzählig vertreten und hatten ihre „Activen" durch Hinzuziehung ihrer „alten Herren" mehr als verdoppelt. Ueberall in der unendlichen Halle leuchteten gelbe, grüne, carmoisinrothe, dunkelblaue und rothe Mützen oder die weißen Stürmer der Saxo- Borussen. Namentlich die „alten Herren" des letztgenannten Corps schienen vollzählig auf der Wahlstatt erschienen zu sein und es berührte höchst eigentümlich, manche verwitterte, weißbärtige, ehrfurchtgebietende Häupter, die im gewöhnlichen Leben vielleicht nur der Generalshelm, der Ministerhut, der Dreimaster- des Commerzienraths oder höchstens der salonfähige und höfisch gesinnte Chapeau claque bekleidet, gegenwärtig mit dem koketten, weißen Stürmer verziert zu sehen. Die alten würdigen Herren kamen einem so maskirt vor, der Ton, in dem der „Herr Präsident" oder der „Herr -Legationsrath" mit seinem blutjungen Corpsbruder sprack, die vertrauliche Weise, in welcher er mit ihm anstieß, so übertrieben kameradschaftlich, so äußerlich begeistert. Aber spielen wir Menschen nicht alle und immer mehr oder weniger Komödie im Leben ? Und sollen wir uns darüber alteriren, wenn ein Jeder es in der seiner eigenen "Persönlichkeit am Meisten zusagenden Weise thut? Ich glaube, nein. Und dann, welch' eine Fülle der gegenseitigen Anregungen schließt ein solches Zusammentreffen der Alten mit Ihresgleichen und den Jungen nicht in sich ein! Man muß selbst Student und Corpsstudent gewesen sein, um dies ermessen zu können. Leider war für mich das letzte Zeichen des Verjüngungsprozesses, den das Alter bei solchen Gelegenheiten durchmacht, diesmal eine etwas zweideutige Scene. Ich sah nämlich, wie ein Trupp Corpsstudenten ein „altes Haus" nach dem Hotel escortirte. „Hast Du auch leinen Schlüssel?" fragte einer der Activen den anderen. Ich wußte genug. Heidelberg, 3. August. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz ist um 8 Uhrmittelst Extrazuges von Bayreuth eingetroffen, am Bahnhofe vom Großherzog, dem Prinzen Ludwig Wilhelm, dem commaudirenden General v. Obernitz, dem Gesandten v. Eisendecher, dem gcsammten Großherzoglichen Hofstaat, dem Prorector an der Spitze des engeren Senats, dem gesammten Stadtrath, den Spitzen der Civil- und Militärbehörden empfangen worden. Nach herzlichster Begrüßung des Großherzogs schritt der Kronprinz, welcher die Uniform seines Schlesischen Dragoner-Regiments mit dem badischen Hausorden angelegt hatte, die als Ehrenwache aufgestellte 8. Compagnie des 2. Badischen Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 110, geführt von Hauptmann Keller, ab und gab bei der darauf folgenden Vorstellung der Anwesenden dem Prorector Bekker gegenüber seiner Freude Ausdruck, von Sr. Majestät dem Kaiser hierher geiandt zu sein. Jedes einzelne Senatsmitglied ward mit huldreichster Ansprache seitens des Kronprinzen und seitens des Großherzogs mit Händedruck begrüßt, welcher letztere den Dank der mit Rangerhöhung oder Ordensdecorationen Ausgezeichneten in huldreichster Weise erwiderte. Auch die beiden Bürgermeister Doctoren Wilckens und Walz wurden vom Kronprinzen in die Unterhaltung gezogen. Nach viertelstündigem Aufenthalt bestiegen der Kronprinz, der Großherzog und Prinz Ludwig die bereitstehenden offenen Großherzoglichen Equipagen, denen Spitzenreiter voraufritten und begaben sich durch die dichten Zuschauermassen, von den begeisterten Zurusen derselben begleitet, nach dem Großherzoglichen Palais, woselbst auch der Kronprinz Absteigequartier genommen hat. — Heute Vormittag fand in der Heiligegeistkirche zur Einleitung der Jubiläumsfeier ein feierlicher Festgottesdienst statt. Daran schloß sich um 11 Uhr der Festact in der Aula der Universität, bei welchem Se. K. Hoheit der Großherzog und Se. K. u. SL Hoheit der Kronprinz Ansprachen hielen. Der Festact in der Aula begann mit Musik. Auf einer Estrade hatte der Großherzog, von den Würdenträgern der Universität umgeben, die gekreuzten Scepter vor sich, Platz genommen. Neben der Frau Großherzogin saß Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz. Zunächst verlas der Großherzog nachstehende Anrede: Durchlauchtigster Kronprinz, höchste, hohe und verehrte Gäste! Als mein erhabener Ahn, der unvergeßliche Karl Friedrich, in den Tagen, da das Sckwert allein zu gelten schien, in hoher Gesinnung und Erkenntniß dessen, was dem Staatswesen- dauernd frommt, der Universität neues Leben einhauchte, ein wahrer zweiter Gründer derselben, erklärte er: Rektor der Universität wollen wir selbst sein und unfern Nachfolgern in der Kur diese Würde hinterlassen. In meiner Eigenschaft als Rektor der Hochschule begrüße ich heute an dem stolzen Tage, welcher die fünfhundertjährige- Jubelfeier der ältesten Universität des deutschen Reichs einleitet, die glänzende Versammlung, die uns die Ehre und die Freude erweist, an dem bedeutungsvollen Feste theilzunehmen. Ich freue mich vor Allem der uns beglückenden Anwefenheit Sr. L und k. Hoheit des Kronprinzen des deutschen Reiches uno von Preußen, des erhabenen Vertreters unseres Kaisers Wilhelm, unter dessen glorreicher Regierung, unter dessen gnädiger und warmer Theilnahme wir dieses herrlicke Fest feiern dürfen. Auch gereicht uns zu hoher Genugthuung, daß Seine Heiligkeit der Papst Leo XIII., hierin nicht weniger feinen erhabenen Vorgängern folgend, der alten Bildungsstätte durch die. Widmung einer kostbaren wissenschaftlichen Gabe sein freundliches Interesse bekundet.. Ich danke insbesondere allen den Abgesandten der deutschen Sckwesteranftalten, sowie der vielen Hochschulen und Akademien befreundeter Stationen, welche durch die Beglückwünschung der Jubel-Universität ein so schönes Zeugniß abgeben von der Einheit der Wissenschaft. Freundlich begrüße ich die Männer aus allen Lebenskreisen, denen die Förderung der Wissenschaft und Kunst anvertraut ist, welche unserem Ruf gefolgt sind. Ein halbes Jahrtausend deutscher Geschichte hindurch hat sich diese große Anstalt allen politischen Wechseln, allen äußeren Einflüssen gegenüber oft in schweren Kämpfen behauptet, und immer wieder erhoben in lebendiger Kraft, auf den verschiedensten Wegen nach Wahrheit strebend, die Jugend bildend. Sie hat das Kapital menschlichen Wissens gemehrt, sie hat den Samen edler Sitte und humaner Gesinnung in die Herzen der Jugend gelegt. Ehre sei barum dem Grünber ber Universität, Ruprecht L. unb allen ben erhabenen Fürsten geistlichen unb weltlichen Stanbes, welche dieser Bildungsstätte im Laufe Der Jahrhunderte werkthätige Theilnahme und mächtigen Schutz gewährt haben. Ich nenne dankbar unter Vielen Philipp den Aufrichtigen, Otto Heinrich, den großen Kenner und Freund von Kunst unb Wissenschaft, ben unverzagten Regenerator Karl Ludwig, auch Johann Wilhelm möchte ich nicht vergessen, welcher dieses Haus unb biesen Saal, ben ausgezeichnete Künstler unserer Tage neu geschmückt haben, ber Hochschule hat erbauen lassen. Stolz erfüllt mich, wenn ich ber Verdienste meines weisen Ahnherrn gebenfe, unter dessen freisinniger unb freier Regierung bie Universität, mit Recht Ruperto-Carola aenannt, roieber erstanden ist unb eine neue Blüthe gejunben hat. Wieberholt hat Die Hochschule schöpferisch eingegriffen in bas wissenschaftliche Denken, neue Anregungen, neue Richtungen sind von diesem herrlichen Musensitze ausgegangen. Auch ber Kunst hat bieselbe Stätte nicht nur Motive geliefert; von ber beutschen christlichen Kunst bürfen wir wohl sagen, daß sie hier ihre Wiebergeburt gefeiert hat. Unb die heutige Universität ist ihrer großen Geschichte würdig geblieben, in Forschung und Lehre. Jugendfrisch steht sie in lebendigem Wechselverkehr mit den Schwesteranstalten in der ernsten Geistesarbeit unserer Tage, bleibende Werke in den Geisteswissenschaften, große Entdeckungen auf dem Gebiete der sich mächtig entwickelnden Naturwissenschaften, glänzende Beredtsamkeit ausgezeichneter Lehrer haben in den letzten Decennien Heidelbergs Ruhm erhalten und treu gemehrt. Bei dem Eintritt in das sechste Jahrhundert ihrer gesegneten Arbeit bringe ich ber großen Korporation meinen Glückwunsch bar belegten unb freubigen Herzens, in dankbarem Aufblick zu der göttlichen Vorsehung, bie so Ebles hat ge= lingeh lassen. In Erinnerung an das heutige Jubelfest unb als Zeichen meines fürstlichen Dankes übergebe ich der Universität diese Medaille und Kette, welche der jeweilige Prorektor als Auszeichnung tragen soll. Indem ich in dieser feierlichen Stunde Ihnen, Herr Prorector, meine Jubelgabe anvertraue, gebe ich gerne die Versicherung, daß ich, hierin unterstützt von der Weisheit und Liberalität meiner getreuen Stände, auch in Zukunft diese große Bildungsanstalt hegen und pflegen, ihr Schaffen mit allen Mitteln fördern, ihr ein treu gesinnter Rector sein werde» Möge der Ruperto Carola unter dem Schutze meines Hauses, der großen Vergangenheit würdig, eine herrliche Zukunft beschieden fein! Das walte Gott!" Nachdem der Großherzog geendet, hielt der deutsche Kronprinz nachstehende Ansprache: Seine Majestät der deutsche Kaiser hat mir den Auftrag zu ertheilen geruht» Eurer königlichen Hoheit unb den hier versammelten Vertretern und Gästen der Universität Heidelberg Heil, Gruß unb Glückwunsch zur Jubiläumsfeier zu entbieten. Es erfüllt mich mit Stolz unb Freube, Zeuge zu sein von ber Begeisterung, mit welcher in biesen festlichen Tagen alte unb junge Söhne ber Ruperto Carola sich um ihren fürstlichen Rector schaaren, um mit ihm zurückzuschauen auf bie ruhmreiche Geschichte dieser Hochschule und mit Dank zu Gott inne zu werden, baß sie in bem halben Jahrtausend ihres Bestandes nie glücklichere Zeiten geschaut hat, als bie, in benen wir leben. Begrünbet in ber ersten Frühe unseres Kulturlebens hat bie Heibelberger Universität alle die Schickungen an sich erfahren, welche dem deutschen Wesen im Ringen nach selbstständiger Ausprägung verhängt gewesen sind. Sie hat wechselnd geblüht und gewelkt, geduldet und gestritten um Glaubens- und Forschungsrecht; hat Trübsal und Exil ertragen, um endlich, gehoben von ber starken unb milben Hanb ihres erlauchten Beschützers, bie ehrenvollen Wunben mit dem Festkleibe des Sieges zu decken. Wie dem deutschen Volke, um dessen höchste Güter sie sich redlich verdient gemacht, so ist auch ihr erfüllt, was Jahrhunderte ersehnten. Ihr Ehrenschild strahlt glänzender in der Sonne des einigen Vaterlandes! Mit tiefer Bewegung gedenke ich heute der großen Stunde, da Eure königliche Hoheit als der erste dem Führer unseres sieghaften Volkes gehuldigt. Diese Erinnerung ist mir bedeutsam für die Feier, die wir jetzt begehen. Denn voranzuschreiten mit großem gutem Entschlüsse ist ein Anrecht des jnlaudjten Zahrmger Hauses und dieser ruhmvollen Universität. Es ist die schönste Pflicht meiner Sendung, rühmend zu bekennen, wie treu dies Heidelberg beflissen war» die geistigen und sittlichen Bedingungen der Wiedergeburt unseres Volksthums zu pflegen. Lehrenden und Lernenden war von jeher hier die gastliche Stätte bereitet, ^lus allen Gauen strömten sie herzu unb in den liebenden Armen ber Alma water er- l s"^sich.. als Söhne ber größeren Mutter wieber. So hat sich hier in der Studienlebens verbreitet, was uns Deutschen nach langen Irrungen die Geschichte offenbart. Im Südwesten des Reiches, nahe der ehemaligen Grenze und nahe der Gefahr, lernte der Sohn des Nordens den Sohn des Südens als Bruder lieben, um, heimgekehrt, den schönen Glauben der Volksgemeinschaft auszubreiten, der unser Hort und unsere Stärke ist. Nun wir es wieder besitzen, das Glück der Vereinigung, strömt aus dem ganzen ein kräftigender Odem zurück in die alte traute Hei- math unserer Bildung. Größer geworden sind die Zwecke des Forschens und Strebens, dankbarer und folgenreicher der Beruf, sie lehrend zu verkündigen und lernend zu verstehen. Vaterland und akademisches Bürgerthum werden aber nur dann wahrhaft segensreich auf einander wirken, wenn Sie in ihrer Lebensthätigkeit die gleichen Tugenden bewahren. Je höhere Gipfel in Wissenschaft und im geschichtlichen Leben erstiegen sind, le stolzere Ziele winken, desto größerer Besonnenheit und Selbstverleugnung bedarf es. Die Wünsche und die Zuversicht, die ich heute der Ruperto-Garola mtgcgenbringe, umschließt der Zuruf an Lehrer und Schüler- eingedenk zu bleiben der Aufgaben, die uns gerade im Hochgefühle des Erfolges am Erndringllchsten die Seele erfüllen sollen; in Wissenschaft und Leben festzuhalten an der Wahrhaftigkeit und Strenge geistiger Zucht und der Förderung des Brudersinnes unter den Genossen, auf daß aus dem Geiste des Freimuthes und der Friedfertigkeit die Kraft zu der heilsamen Arbeit wachsen möge, die Lebensformen unseres Volksthums gedeihlich auszubilden. So möge dieser Universität, einer der ältesten Pflanzstätten deutscher Wissenschaft, beschieden sein, an Thalkraft die jüngste zu bleiben! Hierauf ergriff der Prorector Bekker das Wort zum Dank. Die Kette, die er erhalten habe, sei ein Symbol des Verhaltens des Großherzogs, Glied an Glied gefestet solle auch die Treue der Universität zu ihrem Rector sein. Die Fürsten hätten der Hochschule Gedeihen gewünscht; es gäbe nur Rückschritt oder Fortschritt. In jeder Pflege sittlichen, politischen und wissenschaftlichen Lebens vorwärts zu schreiten, sei der Wille der von ihm vertretenen Hochschule. Daß das Können dem Wollen entsprechen möge, dafür erflehe er den Segen des Himmels. Weitere Ansprachen wurden von dem Cultusminister Nokk, dem Präsidenten der zweiten Kammer, Lamey, vom päpstlichen Abgeordneten Stevenson, von Professor Zeller (Berlin), Namens der deutschen Universitäten und Akademien, von Jules Zeller (Paris) Namens der ausländischen Universitäten und Akademien gehalten. Der Festakt dauerte bis 1 Uhr und schloß abermals mit Musik. Lokales. Gießen, 4. August. Die bei dem gestrigen Feuer im Schmidt'schen Hause am Canzleiverg verunglückte Näherin befindet sich den Umständen gemäß in sorgsamster Pflege und hofft man, daß sie mit dem Leben davon kommt. Beiläufig bemerkt sei hier, daß das Kindchen, welches sie aus dem Fenster warf, bereits l3/< Jahre alt ist (im November 1884 geboren), Seine Mutter befindet sich seit Ende August 1884 in hiesiger Stadt. Universität- - Chronik. Berlin, 3. August. In der Aula der hiesigen Universität fand heute Mittag aus Anlaß des Geburtstages Friedrich Wilhelms III. ein Festact statt. Als Vertreter des Königlichen Hauses war der Kammerherr, Geheimer Rath Graf v. Bernstorff, von dem Cultusministerium der Unterstaatssecretär Lucanus und der Geheime Rath Althoff zugegen. Außerdem wohnten der Feier bei: Der Director der Königlichen Museen, Geheime Rath Schöne, der Commandeur des Kadettenhauses und andere hervorragende Persönlichkeiten. Die Feier begann mit dem Gesang des Psalms: „Wohl dem, der ohne Wandel lebet", woraus der Rector der Universität, Professor vr. Kleinert, die Festrede hielt, in welcher er die Beziehungen Friedrichs des Großen zur Universität beleuchtete. An die Festrede schloß sich die Mtttheilung über die Erfolge der Bewerbungen um die Preisaufgaben, sowie die Verkündigung neuer Preisaufgaben. Mit dem Gesänge: „Herr gedenke unser nach deinem Worte", schloß die Feier. Vermischte-. Darmstadt, 3. August. Nach genau eingezogenen Erkundigungen befinden sich die sämmtlichen bet der Excursion nach Griesheim verunglückten Studenten der technischen Hochschule, sowie insbesondere der anscheinend am schwersten verletzte Professor Brauer außer jeder Gefahr für ihr Leben. Die Verletzungen sind sämmtlich glücklicherweise nicht so ernster Natur, wie es im ersten Augenblicke den Anschein hatte. Außer zwei Studenten, wovon der eine einen Bruch des linken Armes, der andere einen Bruch der linken Hand davontrug, befinden sich sämmtliche Verletzten in häuslicher Pflege. Professor Brauer, welcher schwere Gesichtswunden erhielt und besinnungslos vom Platze getragen wurde, befindet sich erfreulicherweise ebenfalls auf dem Wege der Besserung und haben innerliche Verletzungen, wie man im ersten Augenblicke angenommen, außer Contusionen an Brust und Rücken, nicht ftatt- gefunden. — »Nichtswürdiger Betrug.) Ein wichtiger und ernstlich zu beachtender Hinweis für Näherinnen fei zur Warnung hier gegeben. Gewisse Fabrikanten scheuen nicht davor zurück, Näh-, Stick- und Knopflochseide mit Bleiweiß schwerer zu machen, um durch erhöhtes Gewicht einen höheren Preis zu erzielen. Dieses Bleioxyd ist ein ganz gefährliches Gift, welches die langwierige Krankheit, die „Bleikolik", hervorzurufen im Stande ist und auch schon oft jahrelanges Siechthum und Verdauungsschwäche heroor- gerufen hat. Ein Chemiker fand kürzlich in 1 Pfund Nähseide 18 Procent dieses Giftes und es ist daher nachdrücklich zu warnen, diese Seide, wie es viele machen, in den Mund zu nehmen, durch die Lippen zu ziehen oder die Spitze zum Einfädeln mit den Lippen zu berühren, weil auf diese Weise Blei birect verschluckt wird. Auch sollte keine Näherin mit de« bleigefärbten Fingern ihre Nahrung genießen, sondern dieselben zuvor recht gründlich waschen. Bei Erschöpfung der Nerven wird Magenbehagen, kalt genossen, ärztlich empfohlen, weil er den Magen kräftigt und befähigt, die Nerven wirksamer zu nähren und sie widerstandsfähiger macht- Niederlage bei Emil Fischbach. 5590 Temperatur in Gießen. Juli 1886. Niederste.......+ 6,0 ®R. Mittlere.......+ 14,41 „ Mittel früherer Jahre.....+ 14,46 „ Höchste . + 25,0 „ Anzahl der Sommertage (mit 20 unb mehr Grab im Schatten) 1886 bis Ende Juli 27, im Mittel früherer Jahre 20. Sommertage im Juli 1886 14; früheres Maximum 25 (1859), Minimum 2 (1879). Niederschlag an 13 Tagen .... 2,63 Par. Zoll. „ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,81 „ „ Die Vegetationsstufe am Enbe des Monats erweist sich, verglichen mit bem burchschnittlichen Verhalten früherer Jahre, als normal. Temperatur der Lahn. Am 4. August, zwischen 11 unb 12 Uhr: Wasser 143, Luft 16° R. im Schatten. L. Cbr. Rübs amen. Gberhesslslhe Eisenbahnen. Die Lieferung von ca. 600 lfd. Meter Weichenschwetten aus Eichenhol; soll vergeben werben- Angebote sind bis zum 11- b. Mts. bahier einzureichen, bte Bedingungen können bei unserer Magazinsverwaltung eingesehen werden- 5587 Gießen, den 2. August 1886- Großherzogliche Direction. In der Krivalklagesache des Daniel Ihm von Wieseck, vertreten durch Rechtsanwalt L a b r o i s s e in Gießen, Privatklägers gegen den Heinrich Jacob Schnabel von Wieseck, Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das Großherzogl. Schöffengericht zu Gießen am 16. Juli 1886 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird der Beleidigung im Sinne des § 185 200 des St.-G.-Bs. für schuldig erkannt und in eine Geldstrafe von 20,00 v4L, im Falle der Uneinbringlichkeit vier Tage Ge- fängniß verurthellt. Auch werden ihm die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Auslagen auferlegt und dem Privatkläger die Befugniß zu- yesprochen, den entscheidenden Theil (des Urtheils innerhalb 14 Tagen nach Rechtskraft desselben einmal auf Kosten des Angeklagten im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilssormel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. 5612 Gießen, den 30. Juli 1886. Glässing, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. 5610 Ein noch gut erhaltener Herren- smzirg billig zu verkaufen- Wo f sagt bte Exped- d- Bl. Allgemeiner Anzeiger. Vergebung von Steinschlagarbeiten. Das Zerschlagen von 432 cbm Decksteinen zum Neubau der Kreisstraße von Bettenhausen nach Bellersheim soll in Loosen von 20 cbm ä 60 Dienstag den 10. Angnst, Vormittags 10 Uhr, auf dem Gemeindehanse zn Beller-Heim in mündlichem Abstrich vergeben werden. Gießen, am 3. August 1886. Der Kreisingenieur: 5608 Gnauth. FruchtversteigeniDg. Nächsten DienStag den 10. Angnst d. I., von Vormittags 9 Uhr an, sollen in der Gemarkung Londorf, aus der Oeconomie des verstorbenen Herrn Freiherrn Carl von Nordeck zurRabenau nachstehend verzeichnete Fruchtgattungen auf dem Halm, in Abheilungen, öffentlich meistbietend versteigert werden: ca. 5 Morgen Weizen, „ 6 „ Hafer, „ 1 „ Gerste. Die Zusammenkunft ist auf dem s. g. Marktplatz. Londorf, am 3. August 1886. Der Rechner. 5604 Schmidt. Arbeitsverding. Dienstag den 10. d. M., Morgens 10 Uhr, sollen dahier folgende Arbeiten f- d. Gern. Dutenhofen vergeben werden, veranschlagt: 1) für Tüncher, Maurer u. Anstreicher zu 644,50 JL, 2) für Schreiner 317,60 X, 3) für Zimmermann 47,85 JC. Kostenanschlag liegt hier offen. Crofdorf, den 2. August 1886. 5616 DaS Bürgermeisteramt. Montag den 9. d. Mts , von Vormittags 9 Uhr an, sollen auf dem städtischen Ban- bnrean versteigert werden: Iernüschte Anzeigen. 5613 Ein im Kleidermachen, Weißzeugnähen und Bügeln gut bewandertes Mädchen sucht Stelle als Stütze der Hausfrau. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. Tüchtige Kockarbeiter finden dauernde Arbeit bei 5614 Gebrüder Stamm, Schulstraße. Hotel Kattwasser, Wetzlar. Ein angehender Saal-Kellner gesucht. Eintritt sogleich.___________ 5593 Oswald’^ G-arten, G-iessen. Heute Mittwoch den 4 August: 2 große Mchrroröenttiche Vorstellungen der bestrenommirtesten aus 20 Specialitäten (Damen und Herren) ersten Ranges bestehenden Gymnastiker, Akrobaten, Equilibristen und Pantomimen-Gesellschaft, unter der Direction des Herrn W. Jmmanns, in ihren hier noch nie gesehenen, durchaus neuen Leistungen. Auftreten sämmtlicher ersten Kräfte! e Zum Schluß: Ein Rendez-yous auf dem Lande! Große komische Pantomime. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Anfang der ersten Vorstellung: Nachmittags 4 Uhr. Anfang der Abend-Vorstellung: Abends 8 Uhr (bei brillanter Beleuchtung). Zu zahlreichem Besuch ladet ergebens! ein 5595 W. Ammans, Director. 5601] Dienstmädchen gesucht. Sonnenstraße 3, Hinterhaus. Anlage von Hausleleßraphei! übernimmt unter Garantie und billigster Berechnung 2359 Carl Heyer, Mechaniker. 4723 Eine Scheuer inmitten der Stadt unter sehr günstigen Bedingungen zu verkaufen, eventl. zu verpachten. Näheres in der Exped. d. Bl._________ 5553 Ein durchaus tüchtiger Schuhmacher-Geselle, selbstständiger Arbeiter, findet sofort gute Stelle. Zu erfahren in der Exped. d. Bl. 5426 Ein Oeconomiegut von 530 Morgen ist zu verpachten und kann jeder Zeit übernommen werden. Näheres durch __I. Blitz. 5543 Ein braves Mädchen, welche- gut kochen kann und sich häuslichen Arbeiten unterzieht, wird auf Michaeli zu miethen gesucht von Frau Johanna Fulda, Ostanlage 4. 5525 Ein Kaufmann, verh, seit 20 Jahren in der Eisenbranche thätig, mit der einfachen und doppelten Buchhaltung vertraut, sucht entsprechende dauernde Stellung. Gefl. Offerten sub A. B. 100 besorgt die Exped. d. Bl. 5594 Ein Bursche von 16 Jahren, welcher elektrisiren und massiren kann, sucht eine Stelle als Wärter oder als Krankenpfleger. Die besten Zeugnisse stehen zur Seite. Näheres zu erfragen in der Exp. d. Bl- iTechniKu: (Bangewerk-, Maschinenbau-, Kunsttischler- u. Malerschule) Eg Buxtehude A 2 b. Hamburg. Bedeutende nordd. 10 Fuchsobule. Pensionat billig. KH Programme gratis u. franco d. Director Ry Hltteakofer. 5117 Ein braver Junge vom Lande als Hausburfche und zum Kegelstellen per sofort gesucht im Frankfurter Hof. □ 6./8. 8 Uhr. ©bl | Redaction: A. Scheyda — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei lFr. Ehr. Bietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 2 Blätter. M. I*9 Sette Adem 1. bie ' 2. Die hinwirken, daß i Magazinen gelte 3. Die ständigen Militö sicher gestellt- C Stroh und für 4. Bez 5. Die Wetter und brii 6. Die Wetzlar und Gi 7. M wib Gichm. 2 tembet P Rch 8. Di bmakiren die1 9. Di chen deziv. Sti Das; M gU vech'nd Sie w ------- Dt I Langgöns . , Eroßen-Linden Aen^tf a. «ai «'hgestern . ' Mendorf a. La! EWns, ^oßeN'Linden KlÄin^n dieuhvs. e,«ninitn Wktn i N'-Äw...