Rr. 29. Donnerstag dm 4. Februar L8ZG Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. - Schu„r-ß-7. scheint tLMch mit «me M WnUg». Ndt^Wg-n “XS rÄST ............. l>l»lll^,,,»Mr,ta^*,,«MBgaMMnMn«WnWW'F»riCTBBataBäCaUIU^i?WIW?!WI!l»IIMil8JATr«WaWHI Amtlicher Hh § it. Betreffend: Die Ernennung der Feuervisitatoren im Kreise Gießen. Gießen, am 30. Januar 1886. Das Großherzoglichr Kreisamt Gießen an die Großberzoglichen Bürgermeistereien Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Keffelbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, RüddingShausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain. Wir haben an Stelle des seitherigen Feuervisitators Jacob Haas zu Grünberg, welcher auf sein Nachsuchen von uns dieser Verrichtungen enthoben worden ist, den Maurermeister Christoph Bock zu Grünberg zum Feuervisitator für die vorstehend genannten Gemeinden ernannt. ___________________________________________________Dr. Boekmann.______________________________________ Dienstag den 9. Februar l. I., Vormittag- 10 Uhr, findet in dem Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen statt mit folgender Tagesordnung: 1) Prüfung der Kreiskasserechnung für 1884/85. 2) Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1884/85. 3) Feststellung des Voranschlags für 1886/87. 4) Anstellung der Bezirksbauaufseher. Dr. Boekmann.__________________________________________ Betreffend: Das Ersatzgeschäft für 1886. Gießen, am 1. Februar 1886. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS. Wir fordern Sie auf, nunmehr mit Ausstellung der Stammrollen sofort zu beginnen und dieselben mit denjenigen für 1884 und 1885 ungesäumt einzusenden. Hierbei wollen Sie die dem Formulare vorgedruckte Anmerkung genau beachten, insbesondere alle Bestrafungen rc. unter Rubrik „Bemerkungen" eintragen. Falls ein Bruder eines Militärpflichtigen schon im Heere dienen sollte, wollen Sie dies in der Stammrolle bemerken. Reclamationen sind baldigst einzureichen bezw. die aus früheren Jahren zu erneuern. Dr. BoekmaNn. ' Deutschland. Darmstadt, 2. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht: Am 27. Jan. den Director der Realschule zu Alzey, Dr. Emil Rausch, zum Director der höheren Mädchenschule zu Worin«, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an, zu ernennen. Darmstadt, 30. Januar. Der eingclaufene Gesetzentwurf, betreffend das Civ ildlen er-Wrttwen-Institut, bestimmt in seinen 32 Artikeln der Hauptsache nach Folgendes: Art. 1. Berechtigt und verpflichtet zum Eintritt in das Eivildiener- Wittwen-Jnstitut sind: 1) alle unwiderruflich angestellten Staatsbeamten mit Aus- nahnle der Forstbeamten, 2) eine lange Reihe besonders aufgeführter , auf Widerruf angestellter Staatsbeainten, bezw. Bediensteten. Art. 2. Die Mitglieder des Instituts sind verpflichtet, Wittwen- und Waisengeldbeiträge an dessen Kasse zu zahlen. Art. 4. Diese Beiträge betragen jährlich 3 pCt. des pensionsfähigen Dienst- einkommcns oder der Pension mit der Maßgabe, daß der die Jahressumme von 5400 JL. der Pension übersteigende Betrag nicht beitragspflichtig ist. Art. 5. Den seitherigen Mitgliedern des Instituts kommt das bezahlte Eintrittsgeld derat't zur Aufrechnung, daß bei den Mitgliedern der ersten bis neunten Klasse bis zu 8500, bezw. 6400, 4200, 3400, 2500, 2100, 1700, 1200, 800 X pensionsfähigen Gehalt die Beiträge mit 2 pEt. und nur von dem diesen Betrag übersteigenden Theil des pen- sionsfähigen Gehalts mit 3 pCt. in Ansatz gebracht werden. Rückersatz des Eintrittsgeldes findet beim Uebertreten eines Mitgliedes in das neue Verhältniß nicht statt. Art. 3. Das Wittwengeld beträgt 30 pCt. der Pension, zu welcher der Verstorbene berechtigt gewesen. Es soll jedoch nicht unter 160 »4L und nicht über 1600 Jt betragen und soll bei Besoldungen bis einschließlich 2500 JL mindestens ein Fünftel der Besoldung und bei höheren Besoldungen mindestens 500 JL betragen. Art. 10. Das Waisengeld beträgt 1) für Kinder, deren Mutter lebt und zur Zeit des Todes des Beamten zum Bezüge von Wittwengeld nicht berechtigt war, ein Fünftel des Wittwen- gelbes für jedes Kind; 2) für Kinder, deren Mutter nicht mehr lebt ober zur Zeit rc. zum Bezüge von Wittwengeld nicht berechtigt war, ein Drittel des Wittwengeldes für Ms Kind. Art. 11. Wittwen- und Waisengeld dürfen weder einzeln noch zusammen den Betrag der Pension, zu welcher der Verstorbene berechtigt gewesen, übersteigen. Art. 13. War die Wittwe mehr als 20 Jahre jünger als der Verstorbene und hatte der letztere zur Zeit der Verheiratung das 50. Lebensjahr bereits zurückgelegt, so wird das Wittwengeld für jedes angefangene Jahr des Altersunterschiedes über die 20 bis einschließlich 30 Jahre um Vzo gekürzt. Art. 14. Keinen Anspruch hat die Wittwe, ivenn ihre Ehe innerhalb dreier Monate vor dem Ableben des Beamten und zu dem Zweck geschlossen wurde, um der Wittwe den Wittwengeldbezug zu verschaffen. Art. 18. Das Recht auf den Bezug erlischt 1) für jeden Berechtigten mit dem Ad- lauf deS Monats, in welchem er sich verheiraihet oder stirbt; 2) für jede Waise außerdem mit der Vollendung des 20. Lebensjahres. Art. 21. Dies Gesetz tritt mit dem 1. October 1886 in Kraft. Art. 23. Den activen Staatsbeamten, welche vor dem 1. October 1886 Mitglieder des Instituts geworden sind, steht es frei, in dem seitherigen Verhältniß zu demselben zu verbleiben, wenn sie vor dem 1. October 1886 ihren diesbezüglichen Entschluß der Civildiener-Wittwen-Commission anzeigen. Art. 25. Diejenigen Staatsbeamten, welche, Mitglieder des Instituts, vor dem 1. October in den Ruhestand versetzt wurden, haben im bisherigen Verhältniß zum Institut zu verbleiben. Art. 26. Die Hofdiener, welche vor dem 1. October 1886 Mitglieder geworden sind, bleiben überhaupt, ob actio oder pensionirt, im seitherigen Verhältmß zum Institut. Art. 31. Alle bisherigen Gesetze über das Institut bleiben in Kraft, ivenn sie nicht durch gegenwärtiges Gesetz eine Aenderung erleiden. x Darmstadt, den 2. Februar. (Zweite Kammer der Landstände.) Rach längerer Pause begann heute Morgen die II. Kammer wieder ihre Thätigkeit. In der VzlO Uhr eröffneten Sitzung gelangten eine Reihe von neuen Einläufen und Berichtsanzeigen zur Verlesung. Beim ersten Punkt der Tagesordnung: Beantwortung resp. Besprechung der Interpellation Lautz, die Nutznießung mehrerer Gemeinden im Amtsgerichtsbezirke Groß-Umstadt an dem sogenannten Neustädter Forftwalde, Eigentum des Fiscus, betr., theilt die Großh. Regierung mit, daß sie sich mit der Nutznießung des Waldes durch die Gemeinden, sowie mit der unentgeltlichen Abgabe von Stockholz an dieselben nicht einverstanden erklären könne. Die folgende Interpellation desselben Abgeordneten über das Bepflanzen der Staatsstraßen mit Bäumen, resp. dadurch hervorgerufene Schädigung angrenzender Grundbesitzer, gibt Veranlassung zu einer Besprechung, in der der Interpellant betont, daß durch Bepflanzen der Staatsstraßen mit Nüstern die Grundbesitzer schwer geschädigt würden und in welcher er die Großh. Regierung bittet, doch darauf hinwirken zu wollen, daß eine Bepflanzung mit Obstbäumen baldigst stattfinden möge. Ministerial- Präsideut Weber bringt das Gesetz vom 13 August 1846, betreffend die Bepflanzung der Staatsstraßen mit Bäumen, zur Verlesung und weist darauf hin, daß hierin allen Interessenten Rechnung getragen werde. Im klebrigen sei es erwünscht, daß etwaige derartige Beschwerden der Gemeinden nicht auf Umwegen durch die II. Kammer, sondern direct an die zuständigen Behörden gelangten, damit auf diese Weise unnöthige Verzögerungen vermieden würden. In ähnlicher Weise, rote der Interpellant, sprechen sich für eine Bepflanzung mit Obstbäumen aus die Abgg. Küchler, Jöst, Schaum und von Rabenau, letzterer jedoch nur unter der Bedingung, daß die betr. Grundbesitzer auch die Pflege der Bäume übernehmen müßten, da man diefelbe den Chaussec- roärtern unmöglich zumuthen könne. Die Regierung verspricht, über die erwähnten Uebelstände Erhebungen anstellen zu wollen und demnächst hierüber Bericht zu erstatten. In Beantwortung der Interpellation des Abg. Matthäi, die Unterhaltung der Staatsstraßen betreffend, theilt Ministerial-Präsident Weber Namens der Großh. Regierung mit, daß nach den gemachten Erhebungen die für die Staatsstraßen bewilligten Gelder budgetmäßig verwendet worden seien. Was die beregten Anstände betreffe, so würden dieselben geprüft und baldigst Bericht darüber erstattet werden. Die demnächst zur Berathung gelangenden Vorlagen Großh. Ministeriums der Finanzen wurden sämmtlich ohne Debatte genehmigt. Es sind mithin bewilligt: die für Prüfung des für das landständische Archiv bestimmten Domänen-Jnventars verlangten Kosten; dic llebertragnng eines Credits von 51 428 JL 57 für Herstellung einer Vicinalstraße durch den Grebenauer Grund; die Kosten für Erneuerung des baufälligen Oberbaus der Brücke über die Gersprenz bei Groß-Bieberau; die Herstellungskosten der Wasserleitung zu Schloß Wolfsgarten im Betrage von 8100 JL; schließlich ein jährlicher Beittag von 5000 JL zur Bestreitung der bei der Reichs- Eommission für Untersuchung der Stromverhältnisse des Rheins entstehenden Kosten. Ein Antrag des Abg. Vogt, betreffend die Verleihung eines bestimmten pen- sionsfäbigen Einkommens an die Ortseinnehmer, wird trotz warmer Befürwortung Seitens des Antragftlllers mit Allen gegen 2 Stimmen abgelehnt, um den durch eine Genehmigung enffteheiden Jnconsequenzen vorzubeugen. In morgiger Sitzung: Berathung über die Gie^ner Universitätsbauten. Berlin, 1. Februar. Dem Bundesrathe ist vom Reichskanzler ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, welcher die Ausprägung eines Zwanzigpfennigstücks in Nickellegierung bezweckt. In der Begründung des Gesetzentwurfs ist darauf hingewiesen, daß an Zwanziqpsennigstücken, welche nach dem Münzgesetze vom 9. Juli 1873 bicher nur in Silber auszuprägen waren, bis Ende 187(> im Ganzen 35,717,92c Jt. hergestellt sind, daß aber von der Fortsetzung dieser Ausprägung abgesehen ist, weil stch schon damals herausstellte, daß die Unterbringung dieser "Silbermünzen in den Verkehr, namentlich in Norddeutschland erheblichen Schwierigkeiten begegnete. Bei der Reichsbank sammelte sich von diesen Münzen eine für den Verkehr nicht verwendbare Reserve von erheblichem Betrage an und auch bei den öffentlichen Kaffen zeigte sich ein Anwachsen der Bestände in dieser Münzsorte. Demzufolge wurde durch Bundesraths-Beschlüsse vom 23. October 1879 und 11. Mai 1883 ein Gesammtbetrag von 8 Mill. JL in Zwanzigpfennigstücken zur Einziehung gebracht und demnächst in andere mehr gangbare Silbermünzsorten umgeprägt. In Folge dieser Umprägung und des Abgangs der als nicht mehr umlaufssähig eingezogenen Stücke hat sich der Umlauf an Zwanzigpfennigstücken aus rund 273/4 Mill. Jb. vermindert. Trotzdem hat der Rückfluß dieser Münzen zu den öffentlichen Kaffen nicht nachgelassen, vielmehr hat auf's Neue ein Theil der Bestände der Reichsbank, als unverwendbar, in Reserve gelegt werden müssen. Auch die Umwechselung von Zwanzig- Pfennigstücken gegen Reichsgoldmünzen bei den laut der Bekanntmachung vom 19. December 1875 bestimmten Einwechslungsstellen hat im Vergleich zu derjenigen anderer Silbermünzen einen besonders starken Umfang gewonnen, worüber die Motive des Gesetzentwurfs den näheren Ausweis in Ziffern gewähren. Diese Umstände bestätigen die auch anderweit gemachte Wahrnehmung, daß die Abneigung gegen das jetzt geltende silberne Zwanzigpfennigstück wegen seiner Kleinheit und Unhandlichkeit namentlich in den Kreisen der kleinen Gewerbetreibenden und der Handarbeiter, welche in ihrem Verkehr hauptsächlich auf das Kleingeld angewiesen sind, stark und nachhaltig verbreitet ist. Wenn die Unbeliebtheit dieser Münze in Süddeutschland weniger in Erscheinung tritt als in Norddeutschland, so mag dies seinen Grund hauptsächlich darin haben, daß in Süddeutschland das Bedürsniß nach einer Zmischenmünze zwischen dem Zehn- pfennis- und dem Fünfzigpfennigstück ein noch größeres als in Norddeutschland ist, und daher dort größere Geneigtheit vorhanden ist, die unhandliche Prägung der Münze in den Kauf zu nehmen. Die Lücke, welche durch den Mangel einer brauchbaren Zwanzigpsennigmünze im Kleinverkehr besteht, wird durch das Zehnpfennigstück nicht ausgefüllt. Es ist vielmehr trotz der in letzter Zeit erfolgten umfangreichen Vermehrung des Umlaufs an Zehnpfennigstücken besonders auf dem Lande der Mangel an Kleingeld, und namentlich an einer brauchbaren Zwischenmünze zwischen dem Zehn- und Fünszigpsennigstück stellenweise derartig, daß bei der Einwechselung größerer Beträge Aufgeld gezahlt werden muß. Unter diesen Umständen erfordert das Bedürsniß des Verkehrs dringend die Ausprägung einer handlichen Zwanzigpfennigmünze in Nickellegierung, zu welchem Zweck eine entsprechende Ergänzung des Münzgesetzes ncthwendig ist. Daneben wird auch die silberne Zwanzigpfennigmünze bis auf Weiteres im Verkehr zu belassen sein, um nicht den Mangel an solchem Kleingeld zu erhöhen. Die neue Nickelmünze wird in Bezug aus Gewicht, Durchmesser und Gepräge derart zu gestalten fein, daß sie sich thunlichst leicht von den Silbermünzen und den anderen Nickelmünzen, also namentlich von den Einmarkstücken, Fünfzig- und Zehnpfennigstücken, unterscheiden läßt. Im Uebrigen finden ans dieselbe die hinsichtlich der Nickelmünze bestehenden Bestimmungen des Münzgesetzes, insbesondere die Vorschriften der Art. 5 und 9 des letzteren, gleichmäßige Anwendung. IrankreiH. Paris, 1. Februar. Deputirtenkammer. Gaudin (Rechte) richtete eine Anfrage an den Kriegsminister Boulanger wegen der Verlegung der Caoalleriebrigade von Tours nach Pontray und wirft dem Minister vor, hierbei politischen Einflüsterungen gefolgt zu sein. Boulanger erwiderte, der Kriegsminister habe über derartige Maßregeln allein zu entscheiden, er wolle die Achtung vor den republikanischen Institutionen sichern und werde keine politischen Koterien in die Armee hineinbringen laffen,' welche glaubten, es gehöre zum guten Ton, der Republik Opposition zu machen. (Beifall auf der Linken, Proteste der Rechten.) Der Minister verlas sodann ein an den Corps- commandanten gerichtetes Circular, in welchem es heißt, die Armee habe die strengste Pflicht, der Politik fern zu bleiben und diese Enthaltung müsse allgemein für die ganze Armee gelten. Gaudin erklärte, er überlasse der Armee das Urtheil über die Antwort des Ministers. Boulanger mutierte, die Armee habe nicht zu urtheilen, sondern zu gehorchen. (Lebhafter Beifall der Linken.) Ballue beantragt hierauf eine Tagesordnung, dahin gehend, die Haltung des Ministers zu billigen und ihn aufzufordern, in derselben Weise fortzufahren. , Admiral Dompierre proteffirt gegen gewisse Aeußerungen Boulanger's, welche einen Unterschied zwischen adligen und nichtadligen Offizieren zn machen scheinen. Boulanger erklärte sich mit der von Ballue vorgeschlagenen Tagesordnung einverstanden. Raoul Duval bekämpfte diese Tagesordnung und hielt die Debatte für bedauerlich. Ohne Zweifel würde Niemand zulassen, daß Offiziere eine seindselige Haltung gegen Institutionen des Landes zeigen und dürfe die Armee nicht den politischen Leidenschaften überliefert werden. Bisher seien aber derartige, die Armee verdächtigende Aeußerungen niemals von der Rednerbühne gethan worden. In Mitten der politischen Spaltungen sei der Gedanke tröstlich gewesen, daß die Armee geeinigt bliebe. Jetzt theile man auch die Armee. Die Kammer nahm schließlich mit 357 gegen 174 Stimmen eine Tagesordnung an, welche die Erklärung des Ministers billigt und dem Vertrauen zu seiner Energie und seiner Ergebenheit für die Republik Ausdruck giebt. England. London, 1. Februar. Wie „Reuker's Bureau" erfährt, hätte Gladstone der Königin folgende Ministerliste vorgelegt: Gladstone, erster Lord des Schatzes und Kanzler der Schatzkammer, Sir Farrer Herschell Lordkanzler, Harcourt Inneres, Granville Lordpräsident des Geheimen Raths, Chitders Krieg, Lord Spencer, Lord Roseberry und Lord Kimberley würden die Ministerien des Auswärtigen, der Kolonien und für Indien unter sich zu theilen haben. Trevelyan und Murdella sollen die Posten des Vorsitzenden des Handelsamtes und des Präsidenten des Local Government Board übernehmen, doch sei die genaue Vertheilung dieser Aemter noch nicht bestimmt. Wie es ferner heißt, werde Chamberlain zum Marineminister und Morley zum Staatösecretär für Irland ernannt werden. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Eorrrspondenz - Bureau. Berlin, 2. Februar. Die „Nordd. Allg. Zeitung" meldet: Zur wissenschaft- Lichen Erforschung der noch unbekannten Theile des Kaiser-Wilhelmslandes rüstete die Neuguinea-Compagnie" eine Expedition unter der Leitung des Astronomen und Geographen Schrader aus Hamburg aus, welcher außerdem der Botatliker Hollrung aus Dresden und der Geologe Schneider aus Breslau, sowie ein in Laiser-Wilhelmsland hinzutrelender Beamter der Compagnie angehören. Schrader, Hollrung und Schneider, begleitet von dem Kaufmann Elias, find am Sonnabend nach London abgereist, von wo sic sich mit dem Dampfer Luetta über Batavia nach Cocktowr begeben. Von dort erfolgt die Ueberführung nach dem Finschhafen auf einem Danipfer der Compagnie. Die Dauer der Expedition ist auf zwei Jahre berechnet. Dresden, 2. Februar. Die zweite Kammer genehmigte das in der Thronrede «ngekündigte Gesetz, betreffend die Verschärfung des polizeilichen Ausweisungsrechts gegenüber bestrafter Personen. Weimar, 2. Februar. Der Landtag hat zu dem Bail einer Eisenbahn von hier nach Bad Berka und Blankenhain seine Zustimmung ertheilt. Wien, 2. Februar. Eine Mittheilung des „Fremdenblatt" aus München dementirt die Nachricht über Unterhandlungen mit der Wiener Anglobank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank wegen eines Arrangements der Cabinetskasse König Ludwigs. Paris, 2. Februar. Der griechische Gesandte Nikolaus Delyannis überreichte gestern Grevy sein Beglaubigungsschreiben und erklärte, er werde alles thun, was in seinen Kräften stehe, um die Bande der Freundschaft zwischen beiden Ländern aufrecht zu erhalten. Grevy erwiderte, der Gesandte werde mit demselben Vertrauen ausgenommen, welches seiner Regierung entgegengebracht werde. — Der Ministerrath beschloß, dem General Schmitz sein Commando zu entgehen, weil er die Verlegung der Cavallerieregimenter von Tours nach Nantes und Pontivy indirect getadelt habe. Paris, 2. Februar. Das heute vertheilte Gelbbuch über Madagaskar^ enthält ein Rundschreiben Freycinet's vom 27. Decbr., worin es heißt: Der Vertrag ändere nichts an den zwischen der Regierung der Hovas und anderen Staaten bestehenden Verträgen. Frankreich dachte niemals daran, durch die getroffenen Arrangements der freien Entwickelung der privaten Interessen auf Madagaskar, gleichviel welcher Nation sie angehören, Hindernisse zu bereiten. — Eine Depesche Patrimonio's meldet, das in der Umgegend der Bai von Diego Suarez an Frankreich abgetretene Gebiet erstrecke sich anderthalb Meilen südlich und westlich und vier Meilen nach Nordosten; es enthalte eine schöne Rhede, deren strategische Lage für den Fall einer Unterbrechung des Verkehrs auf dem Suezkanal sehr wichtig sei. — Im Louorehotel wurde heute aus einen reichen Grundbesitzer, Namens Mon- tauzan, ein Mordversuch gemacht. Der Thüter nennt sich Baron Artaud und will ein Neffe des früheren Seinepräsekten Hausmann fein. Der Hergang bei der That ist noch nicht genügend festgestellt. Der Geisteszustand des Thäters ist zweifelhaft. London, 2. Februar. Nach einer von den „Daily News" veröffentlichteir Ministerliste würde Kimberley das Staatssekretariat des Auswärtigen, Lord Rosebery dasjenige der Kolonien, Lord Spencer dasjenige für Indien übernehmen, Trevelyan würde zum Präsidenten des Local Government Board, Mundella zum Präsidenten des Handelsamtes, Lord Hampden zum Lord-Geheim-Siegelbewahrer ernannt, die übrigen Posten würden, wie bereits gemeldet, besetzt werden. Der „Times" zufolge würde Lord Rosebery das Staatssekretariat des Auswärtigen erhalten, weil durch diese Ernennung das Kabinet Gladstone an seiner schwächsten Stelle gestärkt werden würde. — Die „Times" erfährt, die.Verhandlungen zwischen England und China wegen Birmas würden in London geführt. China nehme das Recht auf eine Tributzahlung in Anspruch und verlange außer Bbamo auch die Grenzdistricte bis zum Shewleysluß. Von der englischen Regierung würden diese Forderungen beanstandet. Madrid, 2. Februar. Gestern fand abermals eine Arbeiterkundgebung statt. Etwa 100 Arbeiter zogen vor das Ministerium des Innern und forderten Beschäftigung. Der Minister hielt eine Ansprache und forderte zum Auseinandergehen auf. Etwa 12 Personen wurden verhaftet. Athen, 2. Februar. Officiell wird mitgetheilt, daß Gennadius zum Gesandten in London und Paparigopulo zum Gesandten in Rom ernannt worden ist. Bukarest, 2. Februar. Madjid Pascha und Geschow sind hier eingetrnffen. Belgrad, 2. Februar. Der König ist in Nisch zu mehrtägigem Aufenthalte aus Belgrad eingetroffen. Konstantinopel, 3. Februar. (Privatdepesche.) Ein Jrade des Sultans wurde veröffentlicht, welches das Abkommen der Pforte mit Bulgarien zur Beilegung der zwischen beiden entstandenen Schwierigkeiten genehmigt. Ein Rundschreiben der Pforte benachrichtigt die europäischen Mächte hiervon. Uuiverfitäts - Chronik. — Aus Erlangen, 30. Januar, wird der „Franks. Ztg." geschrieben: Der ordentliche Professor der Ophthalmologie, Dr. Sattler, Director der Ophthalmologi- schen Klinik, bat einen Ruf an die k. k. Universität Prag erhalten. — Die „Köln. Ztg." berichtet aus Bonn: Bald nach dem Tode des verstorbenen langjährigen Curators der hiesigen Universität, Geh. Ober-Regierungsraths Dr. W. H. Beseler, ist der Wunsch laut geworden, dem verdienten Manne hier ein Denkmal zu errichten. Das Comitö, das zur Ausführung des angeregten Gedankens berufen wurde, hat jetzt der Universität eine von Albert Knüppers in carrarischem Marmor vorzüglich ausgeführte Büste zum Geschenk angebotcn und der akademische Senat hat dieselbe mit freudigem Danke angenommen. Ueber die Aufstellung der Büste wird noch nähere Bestimmung getroffen werden. — Der „Franks. Ztg" wird aus Greifswald gemeldet: Der Lehrstuhl des Professors der klassischen Philologie, Dr. Kaibel, dessen Berufung nach Straßburg Sie Ihren Lesern bereits mitgetheilt haben, wird aller Wahrscheinlichkeit nach — die ministerielle Entscheidung bleibt nach abzuwarten, ist aber so gut wie sicher — zunächst aushilfsweise der Privatdocent Dr. Maaß aus Berlin ausfüllen. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden und aus guter Quelle wird mir bestätigt, daß der Letztgenannte sobald thunlich ganz an Kaibels Stelle tritt, da er trotz seiner Jugend schon Bedeutendes in seinem Fache geleistet hat und man sich von seiner Thätigkeit in dem von ihm eingeschlagenen Gebiete noch viel verspricht. — Anfang nächsten Monats wird sich hier in der Palaecmtologie Herr Dr. Wilhelm Deecke habilitiren, ein Sohn des bekannten Directors des Straßburger Lyceums Deecke. Der Titel seiner Habilitationsschrift ist noch nicht bekannt. — Ebenfalls im nächsten Monat habilitirt sich hier auf dem Gebiete der Zoologie Dr. phil. Wilhelm Müller, der mehrere Jahre in überseeischen Ländern zugebracht hat und ein guter Kenner der brasilianischen Zustände und Verhältnisse ist. Lokale-. Gießen, 3. Februar. Wie uns ein Telegramm aus Darmstadt meldet, find in der heutigen Kammer-Verhandlung für das chem. Laboratorium nebst Dienstwohnung, sowie sämmtliche Gebäude für die medicinifche re. Klinik im Betrage von IV2 Millionen für &ie$en bewilligt worden. Gießen, 3. Februar. Dem Verwaltungsbericht Großh. Bürgermeisterei Gießen pro 1884/85 entnehmen wir ferner: Das Resultat der, wie in dem Verwaltungsbericht für das Jahr 1883/84 erwähnt zur Aufschließung neuer Quellen fortgesetzten Arbeiten war ein recht günstiges, indem am Hubertusbrunnen sehr ergiebige weitere Quellen aufgedeckt wurden, welche bereits mit der Hauptleitung verbunden worden sind. Der Zuschuß der Stadtkasse zu den Kosten der ständigen Einquartierung für die in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften des dahier garnisonn enden Regiments betrug vom 1. April 1884 bis dahin 1885 8995 Jü 30 Auf den im Jahre 1884 abgehaltenen 33 Viehmärkten sind aufgetrieben worden: 25287 Stück Rindvieh gegen 24236 Stück im Jahre 1883, 15968 Stück Schweine gegen 17765 Stück im Jahre 1883, 13 Pferde gegen 6 Pferde im Jahre 1883, 10 Fohlen — im Jahre 1883 0. Geschlachtet wurden im Jahre 1884: 1) 1330 Ochsen, 77 weniger als im Jahre 1883, 2) 178 Fasselochsen und Kühe, 10 weniger als im Jahre 1883, 3) 1028 Rinder und Stiere, 20 weniger als im Jahre 1883, 4) 5837 Stoppelkälber, Saugkälber, Hämmel und Schafe, 37 weniger als im Jahre 1883, 5) 7028 Schweine, 200 mehr als im Jahre 1.883, 6) 132 Spanferkel, 46 mehr als im Jahre 1883. Im Ganzen kamen im Jahre 1884 16 Brände vor, von welchen zwei durch Blitzschlag verursacht wurden — am 14. und 17. Juli. Von Erheblichkeit waren nur drei Brände, nämlich der Brand vom 10. Mai 1884 in der Hofraithe des Gastwirths Jean Weber, der Brand vom 5. August 1884 in der Lackfabrik von Philipp Lotz und derjenige vom 1. November 1884 in der Werkstätte des Tapeziers Wilhelm Reiber. Der umsichtigen Leitung und Thätigkeit der beiden freiwilligen Feuerwehren bei allen Bränden, bei welchen sie einzugreifen genöthigt waren, insbesondere bei den. erwähnten zwei größeren Bränden, sei hier ehrend unb anerkennend gedacht. Die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Gießen betragen: Ordentliche Einnahme 493,765 JL 64 H, außerordentliche Einnahme (darunter 136,418 JL 20 neu aufzunehmende Kapitalien) 175,563 JL 10 H, Umlagen 275,718 jl 6 zÄ, Haupt- summe aller Einnahmen 945,046 JL 80 H. Die ordentliche Ausgabe beträgt 696,913 JL 2 die außerordentliche Ausgabe 160,991 JL 83 H, Hauptsumme aller Ausgaben 857,904 JL 85 H. An Miethe von Markt- und anderen öffentlichen Plätzen im Berichtsjahre 1884/85 erzielte die Stadt 3736 JL 85 H. An Octroi in 1884/85 erzielte die Stadt eine Einnahme von 97,598 JL 37 & gegen 97,267 JL 80 $ in 1883/84. Wir lassen nachstehend die Zusammenstellung der Octroieinnahme folgen: SDctroitanf Einnahme JL 'V? JL Ochsen ...... das Stück 6 86 9178 68 Fasselochsen..... if H *1 58 / 664 10 Kühe...... H 1/ 4: 58 ( Rinder....... if if 2 75 2785 75 ^toppelkälber..... it u 2 15 4 30 Saugkälber und Hämmel ft H 58 3294 98 Schweine ...... 1 72 12418 40 Spanferkel..... If II 12 15 60 zerlegtes Wildpret .... PV. Kgr. — 3 3 06 geräuchertes und gedörrtes Fleisch . ff ff 5 1487 65 Hirsche, Spießer, Schmalthiere das Stück 1 72 12 04 Wildkälber unter 20 Kgr. ff if — 58 1 74 Rehe...... 43 96 75 Wildschweine..... ,f u 1 29 5 16 Hasen...... if i — 6 157 44 Backwaaren..... pr."li/r Kil. — 1 193 38 Mehl, geschälter Hafer, Grütze, Hirse pr. Hectol. — 28 22005 27 Malz...... 18 — — Mehl unter 9 Kilo .... Posten — 6 72 78 Hafer..... „ Hectol. — 8 2101 22 Laub-, Scheit-, Prügel- und Klotzholz Nadel-, Scheit-, Prügel- und Klotzholz „ Rmtr. — 24 763 56 16 568 — Stockholz jeder Gattung . Laubholzwellen, 1 Wagen mit 2 Pferden ft H 12 113 19 61 26 oder 2 Ochsen bespannt ä — 18 Laubholzwellen, 1 Wagen mit 2 Kühen 52 bespannt..... Nadelholzmellen, 1 Wagen m. 2 Pferden „ — 12 5 20 52 und 2 Ochsen bespannt — 12 Nadelholzwellen, l Wagen mit 2Kühen bespannt ..... — 9 5 22 Steinkohlen ..... pr. Ctr. — 4 14058 37 Braunkohlen..... U ,/ ---- 2 901 13 Wein in Fässern .... „ Liter — 3 5990 37 Wein in Flaschen .... „ Flasche - 6 1253 73 Obstwein..... „ Liter — 1 828 88 Bier, von auswärts bezogen . „ Hectol. — 18 1340 96 Bier, in loco gebraut pr. Ctr. Malz — 25 5864 06 Branntwein..... Branntwein, von den Großhändlern eingeführt und zwar für Verpr. Liter — 3 2145 60 waltungskosten: a. von Branntwein pr. Hectol. — 12 317 28 b. „ Rum und Arrac in Fässern 18 1 80 r. Clemm, Stiftsdechant; Draudt, Pfarrer; Klingelhöffer, Stiftspfarrer; Pullmaun, Dekan; Mr. Strack, Dekan; Bogt, Pfarrer; Wahl, Amtsrichter. 790 II Nur die besten Cacao-Sorten werden verarbeitet. Puder-Caoao’s, absolut rein und schalenfrei, daher leicht verdaulich. Chocoladen mit 6 u. 10% Sago-Zu- satz per V2 Ko. von Jt. 1.25 ab; mit Garantie-Marke »ReinCacao und Zucker« ; I von Jt. 1.60 ab. i Die */,-u.‘/rKilo-Tafeln tragen die Verkaufs- । preise. ; Unsere Kaiser-Chocolade (pr. % Ko. j I 5) ist das Beste, was in Chocolade i! gefertigt werden kann. I Ddpdt Schilder kennzeichnen die Verkaufs- ! fiteilen, woselbst auch wissoriBöhartliche Ab- 1 handlangen über den Nährworth des Cacao j erhältlich. Köln. Gebr. Stollwerck, Kais., hönigl, Gmsherzgl. Le. Hoflief. Üngar-Weine selbstgekeltert, garantirt rein per Flasche m. Glas: Prima Erlauer (wie Bordeaux.) ä JL 1.10 Ung. 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Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Bender. 780 -Ü Als Verlobte empfehlen sich: :f| 1 r H Marie Bertram, rU Friedrich i^eo. §4 776 Kr Giessen, im Februar 1886. Die ordentliche Generalversammlung des Vereins findet Samstag den 6. Februar d. I., Abends 8 Nhr, im Saale des Lenz’schen Felsenkellers statt. 789 Gießen, den 3. Februar 1886. Der Verstand Bürger-Gesellschaft. Maskenkränzclien am 20. Februar in Steln’s harten. Zur Betheiligung an Gruppen wird zu einer Besprechung auf Freitag den S. Februar, AbendS 9 Uhr, in die Restauration von L. Herbert eingeladen. 779________________,_____________Der Vorstand. Dos Bureau für Stelleuvermittelung des Kaufm. Vereins in Frankfurt a. Main (unter Patronat der Handelskammer) besetzte, vermöge seiner ausgedehnten Verbindungen, in den letzten 6 Jahren weit über 5000 Stetten. 4667 Werrmethungen. 774 Ein Familicnlogis zu vermiethen. __Seltersweg 21. 775 Ein kleines Logis zu vermiethen. __Kutharinengasse 17. 699 In meinem Vorderhause ist der untere Stock, 4 Zimmer mit Zubehör, zu vermiethen und am 1. Mai beziehbar. Desgleichen eine kleine Wohnung im Hinterhause, bis den 1. März beziehbar. I. Ruckftuhl, Steinstraße (Gartfeld) 47. 783 Eine Wohnung von 7 Zimmern und eine Wohnung von 4 Zimmern mit Zubehör sind zu vermiethen. W. Schäfer, Nordanlagc. Vermischte Anzeigen. Entlaufen eine rehfarbige Pinscherhündin. Ab- zugeben im Hotel Prinz Carl. Vor Ankauf wird gewarnt. 772 Zur gell. Beachtung. Erlaube mir hiermit die Eröffnung des 2. Curfus im Kleidermacheu anzuzeigen. Derselbe beginnt Mon-. tag den 1. Ma z Anmeldungen nehme in meiner Wohnung, Sonnenstraße 12, entgegen, wo ich auch gerne jede gewünschte Auskunft ertheile. Achtungsvoll 770_________Elise Käß. Ein Wort an Alle^ welche französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch oder Russisch wirklich 5MT sprechen lernen wollen. Gratis und franko zu beziehen durch die Nosenthal'sche Verlagshandlung Mittweida^ Ä *) Äaeehlnen • Ingenieur - Sohtüe \ ® b) Werkmeister-SeUule. \ Vütqduzricut frei. — \ Metzelsuppe Donnerstag, tL. Februar im 782 Cafe Schwinn. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt u. 1 Beilage. Beilage ;u Ur. 29 des „Gießener Anzeiger". Politische Ueberficht. Giestev, 3. Februar. Im Reichstage ist am Samstag nach Verweisung der von cvnserva- tiver und freicvnservativer Seite gestellten Abänderung--Anträge zur Gewerbeordnung eine kurze Unterbrechung der Plenararbeiten eingetreten, indem dieselben erst an diesem Mittwoch mit der ersten Lesung des Entwurfes, welcher die Ausdehnung des Unfallverstcherungs.Gesetzes auf die land- und focstwirthschaftlichsn Arbeiter bezweckt, wieder ausgenommen werden. Das Haus wies in der Samstagssitzung eine erschreckliche Leere auf, kaum 50 Reichsboten waren versammelt, was allerdings speciell an diesem Tage durch die gleichzeitige Polen- vebatte im Abgeordnekenhause entschuldigt werden mag. Die Bänke des Reichstages Haden aber schon mehrfach in letzter Zeit ganz bedenkliche Lücken auszuweistn gehabt und die Befürchtung ist Angesichts dec Concucrenz des Abgeordnetenhauses nicht ausgeschlossen, dass die.Beschlußunfähigkeit des Reichstages mehr und mehr chronisch wird. Dem Bundesrathe ist nunmehr der Antrag Preußens auf Verlängerung des Socialistengesetzes zugegangen. Dasselbe soll auf 5 Jahre verlängert werden, also bis zum 1. October 1891, da an dem genannten Datum das Socialisiengesetz in diesem Jahre ablaust. Die Cvlonial-Politik bildet in der italienischen Deputirtenkammer einen Gegenstand, der immer wieder aus der Tagesordnung erscheint. Am Samstag verbreitete sich dec Minister des Auswärtigen, Graf Robilant, an» laßl ch einer Interpellation ausführlich über die Politik Italiens am Rothen Meere und erklärte hierbei, daß die jetzige Action daselbst nicht weiter ausge- dehnt werden solle, doch müßten die Verhältnisse in Massowah u. s. w., besonders in Bezug auf die Justizpflege, allmälig geregelt werden. Auch über die lebhaft ventilirte Mission des Generals Pezzolini an den Negus von Abyssinien gab Gras Robilant Aufklärungen, aus denen erhellt, daß General Pezzolini den Auftrag hat, die freundnachballichen Beziehungen Italiens zu Abyssinien enger zu knüpfen. Die angekündigte neuerliche Colonial-Rote der Mächte, welche die kleinen Balkanstaaten zur Raison bringen soll, ist am Samstag in Belgrad übergeben worden. In derselben versichern die Mächte in bestimmter Weise, daß sie etwaige kriegerische Schritte, gleichviel, von wem ausgehend, nicht -gutheißen, sondern den Angegriffenen schützen, und — wie auch der Ausgang sein möge — territoriale Modificationen nicht gestatten würden. In Belgrad wie in Sofia wird diese deutliche Sprache Die dort wie hier vorhandene Neigung zum Frieden wohl nur stärken, aber dem kriegerischen Gebühren der Athener Regierung gegenüber bedarf es drastischerer Mittel. Es wird denn auch mit der gemeinsamen maritimen Action der Großmächte allmälig Ernst. Am Sonntag find die englischen Panzer schiffe „Temeraire", „Superb" und „Neptune", sowie der Aviso „Irisch", von Malta nach der Suda-Bai auf Kreta abgegangen. An Bord des „Temcraire" befindet sich Admiral Hah, welcher das Ober- Commando über die gesammte combinirte Flotte der Mächte erhält. In ber Suda-Bai befinden sich bereits die zur Theilnahme an der Flotten-Demonstca- tion beorderten österreichischen und italienischen Kriegsschiffe; Ende dieser Woche dürfte die Flotte vollzählig versammelt sein. Darüber, welches ihr nächstes Operationsziel sein wird, gehen die Meinungen noch auseinander; aber man irrt wohl schwerlich, wenn man annimmt, daß es sich vorläufig nur um die Beobachtung der im Hafen von Euripos, an der Ostküste von Morea, zusammengezogenen griechischen Flotte handelt. Eine fölmliche Blokirung der griechischen Häfen kann doch erst in'6 Werk gesetzt werden, wenn Griechenland der Pforte die ossicielle Kriegserklärung übermittelt haben wird. Das spanische Ministerium Sagasta hat den Beschluß gefaßt, im Jahre 1888 in Madrid eine Weltausstellung zu veranstalten.' Man darf in der That gespannt daraus sein, wie dieses Unternehmen gegenüber den glänzenden internationalen Ausstellungen ausfallen wird, die im letzten Jahrzehnt in Ländern stattgefunden haben, welche Spanien in industrieller und commercieller Beziehung weit überflügeln. Auf alle Fälle bekundet aber dieser Entschluß das anerkennenswerthe Bestreben der spanischen Regierung, Spanien in der angedeuteten Richtung mehr, als dies seither der Fall war, hervorireten zu lassen. Jenseits des Kanals ist Herr Gladstone eifrig mit der Bildung seines neuen Ministeriums beschäftigt. Natürlich hat die Frage nach der Besetzung der wichtigeren Posten im Cabinet Gladstone eine Fluch von Combinationen hervorgerufen, ohne daß indessen schon etwas Bestimmteres bekannt wäre. Namentlich was das Portefeuille des Auswärtigen anbelangt, so sind über die Uebernahme desselben schon die merkwürdigsten Gerüchte ausgetaucht. Eine ganze Reihe von Persönlichkeiten werden als künftige Inhaber dieses Portefeuilles genannt, aber bi§ jetzt herrscht auch hierüber Ungewißheit. Rur ist gewiß, daß Marquis Hartington den Eintritt in das neue Cabimt bestimmt abgelehnt hat. Landwirtschaftliches. — ^Getrocknete Kartoffeln als neuer Handels-Artikels Das Trocknen der Kartoffeln längt in neuerer Zeit an, eine größere Bedeutung zu gewinnen. Durch diesen Prozeß werden die Kartsffeln in einen Zustand versetzt, in welchem sie nicht leicht verderben tonnen; getrocknet ist ihr Absatzgebiet kein beschränktes, weil sie an Gewicht bedeutend verlieren und die Transportkosten wesentlich erniedrigt werden; ebenso die Kosten für die Aufbewahrung, weil diese an einem beliebigen trockenen Orte geschehen kann und weil sie auch weniger Raum einnehmen. Als weitere mit diesem Zubereitungsversahren verbundene Vortbeile werden hervorgehoben: Zum Trocknen können auch Kartoffeln von geringerer Qualität Verwendung finden. In Jahren, wo die Kartoffeln dem Verfaulen auSgesetzt sind, können sie durch Trocknen leicht davor bewahrt werden; sie sind ferner vor dem Altwerden, Welken und Austreiben von Keimen geschützt, Zustände, in welchen sie an Werth verloren haben, weil ihre Bestandtheile theilweise chemisch zersetzt werden. Ihres geringen Volumens wegen kann man sic auch weit verschiffen, nach Orten, wo Kartoffeln nicht gedeihen. Sie sind daher auch wert-hvoll zur Verproviantirung von Schiffen und Armeen. Beim Trocknen der Kartoffeln können auch gewöhnlichere Sorten Verwendung finden, denn auch diese liefern noch ein gutes Product. DaS Trocknen der Kartoffeln ist schließlich auch insofern wichtig, als eS in Verbindung mit dem Trocknen des Obstes geschehen kann. Wenn die Obstiaison vorüber ist, kann mit dem Trocknen der Kartoffeln begonnen werden. Die Obstdarren bleiben auf diese Weise längere Zeit in Gebrauch und das Aickagekapital rentirt sich besser. Zum Trocknen eignen sich am besten Sorten mit glatter Schale und nicht tief liegenden Augen, weil es dann weniger Abfälle gibt und auch weniger Arbeit auf das Schälen verwendet zu werden braucht. Bei einem regelrechten Betriebe führt man das Schälen mit Maschinen auS und putzt die Kartoffeln dann mit der Hand nach. Hiernach werden sie in reinem Wasser abgewaschen, in Scheiben zerschnitten und dann sofort in eine coucentrirte Kochsalzlösung geworfen, in welcher sie 15—20 Minuten verbleiben. Durch dieses Salzwasserbad wird ihnen etwas Wasser entzogen und ihre Haltbarkeit nach dem Trocknen erhöht. Das Bad verhindert außerdem das schnelle Verfärben der Kartoffelabschnitte, gegen welches beim Trocknen des Obstes dar Schwefeln angewendet wird. Nachdem sie aus der Salzlösung herausgenommen sind, läßt man sie etwas abtropfen und kann sie bann in den Dörrraum bringen. Zu diesem Zwecke werden sie wie Obst auf Hürden gelegt und dann bei einer Temperatur von 80 —90° C. getrocknet. Man trockne sie etwas länger als da- Obst. , Die getrockneten Kartoffeln können wie frische verwendet werden, nachdem man sie 12 bis 15 Stunden lang in Wasser emgeweicht und die Kartoffeln wieder Wasser anfgenommen haben. (Nach I. Heyer in der Landw. Post.) Dr. Gensch, prakt. n. Specialarzt für Haut-, Frauen- o. Geschlechtskrankheiten (Syphilis) etc. Frankfurt a. M. Stift»tr. 22, fr. Assist. Prof. Ricord’e. Absw. briefL Ieikgeöotenes. Feinstes (jimßeergefee unö Suiellcfimmus empfiehlt 341 C. Roth Kür zahnende Kinder werben allen Müttern empfohlen die von Gebrüder Gehrig, Hos- lieferanten u. Apotheker, Berlin, Besselstraße 16 erfundenen u. feit 40 Jahren bewährten Zahnhals- bänder, welche Kindern das Zahnen erleichtern, sowie Unruhe n. 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Mittwoch von 4 Uhr an 50 H j Donnerstag von 2—4 Uhr 20 ä Person. „ von 5 Uhr an 50 1 Zum Besuch der Gallerie berechtigen die Billets zum Saale nur mit Zuschlagbillets, die am Eingang zu ersterer gelöst werden können. Wer gesonnen ist, irgend welche Gaben zu spenden, wird gebeten, dieselben spätestens bis zum L Februar an das Cornitö gelangen zu lassen, oder doch wenigstens bei den Damen desselben anzumelden, damit bei den nötigen Einkäufen darauf Rücksicht genommen werden kann. Idas Comiäe» 647 Einen Lehrling auf Ostern, ev- auch früher, sucht O. Backofen, Photogr. Anstatt. Frackverleih-Institüt Hennin Marx Marktplatz 9. 588 754 Ein tüchtiges Mädchen sucht B. Dickorö, Grünbergerstraße 12. 8957 Für ein größeres hie siges FabrikgeschLft wird ein Lehrling mit genügenden Vorkenntniffen zum sofortigen Eintritt gesucht. Schriftliche Offerten sind zu richten an die Exp. d. Bl. TiWrt 2 Zimmer mit Zu- behor,mder inneren Stadt zu miethen gesucht. 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Universitäts - Musikdirectors Herrn Adolf Felchner und gefälliger Mitwirkung von Fräulein Sophie BOSSO aus Cöln (Sopran), „ Margarethe Lensmann aus Frankfurt a. M. (Alt), Herrn Frapz Litzinger aus Düsseldorf (Tenor), und „ Jacob Halm aus Giessen (Bass), des akademischen Gesangvereins „ sowie des durch auswärtige Künstler verstärkten Vereins-Orchesters. Eintrittskarten für Nichtmitglieder ä «A 2,50 (Sperrsitz a «A 3,50), sowie Textbücher L 90 sind in der Musikalienhandlung des Herrn Wi 1 h. Rudolph zu haben. 730 Im Saale Ses Cafe Mb. Donnerstag den 4. und Freitag den 5. Februar 1886, Abends 8 Uhr, JVur 921 Grosse briH«»te JMtir 9 2! Spiritistische Sitzungen mtel mysteriöse Soiree, mit schon gesehenen) Spiritismus, Klopfgeisterei, Illusion^ Magie u. s. w., gegeben vom weltberühmten Professor Epgtein. Kais. Rust. Hof-PreftidigitaLenr u. Spiritist, der die Ehre hatte, bereits vor allen gekrönten Häuptern Europas sich zu produzieren. 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