igen. an Tuhi-, .yi-sX | •&*«& ioöer spater k Mrstraßr 19 J vermiethe^ ss^snterhautz. 1 nBubehöi ? °der später n ALüermicM Leichelycim. ojimen ober gk- äe UlmHinter- NartinSenz^ ®tod ;u oer; Wmstrahe 17. ;.r,tetre/ zusammen then. artt Küche zu Den blank, Friseur, alogis, aus drei auf den 1. Januar J4bjgaf[e 17._ iter können Echlas- ibergttsttaße 29. Cabinet zu ner- ^marckstraße 10. Wohnung, m geräumig, zu Der; Seltersweg 22. rden, auch getheilt^ miethen. ch. d. Vl. Wohnung Mer Haus. [7965 Nr. 282. Freitag dm 3. Tccember 1886. ießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. euttau t Schulftraße 7. Erscheint tätlich mit Ausnahme beti Msn1«gA LH.imwi mi i w n i ■wonw r marrxTsn Drei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Brtnyrrlch«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Betr.: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes. Gießen, den 29. November 1886. Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen a» GroßherzoglicheS Polijeiawt Gießen und die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden de» Kreises. Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß ± , Herr Gustav Patz in Gießen zum Vertrauensmann und Robert Wegener in Blitzrnrod zum Stellvertreter desselben weise den?Stellvertreter desselben, von der Einleitung einer jeden Untersuchung über einen emgetretenen Unfall Kenntmß zu geben und daß derselbe einzuladen ist, der Untersuchung beizuwohnen. Dr Soefmann. Bekauutmachung. rc.» bierdurck iiir öffentlicken Kenntnitz gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz der Commercial-Umon-Versicherungs- aesellscbaft in Berlin die Erlaubnis; zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen nach Maßgabe der in demselben bestehenden Vorschriften, insbesondre der in dem Gesetze vom 25. November 1871, die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten betreffend und in der zur Vollziehung derselben erlassenen Verordnung vom 11. December 1871 getroffenen Bestimmungen auf Widerruf Atheilt hat. Gießen, am 26. November 1886. Großherzogüches Kreisamt Gießen. vr. Boekmann. ............... .......... _ t>on «en * ein R--'°r (®16 ten gefugt. * ■Mta !>» i I , 66«r S? I •tfswj I Politische Uebersicht. Gießen, 2. December. Das Reichstags.Präsidium hatte am Montag Mittag die Ehre, vom Kaiser empfangen zu werden. Die Audienz dauerte etwa 10 Minuten und sprach der Kaiser, dessen Aussehen ein erstaunlich frisches war, während dieser ganzen Zeit fast ununterbrochen. Er erwähnte Ine auswärtigen Be- ziehunqen Deutschlands und gab hierbei seiner Zuversicht auf die Erhaltung der Friedens bestimmt Ausdruck. Mit größerer Ausführlichkeit verbreitete sich der hohe Herr über die Milttär-Vorlage; er betonte, daß ihm deren Zustandekommen sehr am Herzen liege und eine Nothwendigkeit gegenüber den Heerer-Verstär. kunqen, die in Rußland, namentlich aber in Frankreich vorgenommen worden seien, bedeute. Der Kriegsminister werde wohl Gelegenheit nehmen, dem Reichs- tage in letzterer Beziehung Ausschlüsse zu geben, die erstaunlich fein würden. Die Vorlage verlange von der Nation schwere Opfer, aber er, der Kaiser, hoffe, daß der Reichstag sie bringen werde, wie andere Parlamente es auch Utem Zum Schluffe richtete der Monarch an jeden der drei Präsidenten einige freundliche Worte und reichte ihnen beim Abschiede die Hand. Der Reichstag ist mit der am Dienstag eröffneten Generaldebatte über den Etat in die eigentliche parlamentarische Arbeit einge- treten. Man glaubt, daß die erste Lesung des Etats an diesem Donnerstag werde beendigt werden, doch ist es durchaus nicht ausgeschloffen, daß die Debatte noch einen Tag mehr umfassen wird, denn wie in allen Parlamenten, so> wird auch im deutschen Reichstage die Generaldiscussion über da« Budget als d.e passendste Gelegenheit benutzt, alle möglichen Tagesfragen mit m die Vnhand- lunaen hineinzuziehen. Jedenfalls werden hierbei auch auf die Militärsrage schon recht bezeichnende Streiflichter gefallen sein, so daß vielleicht bereits die erste Etatsverhandlung einigen Aufschluß über ine Stellung der einzelnen Parteien zu der neuen Militär-Vorlage ertheilen dürste Was die Opposition an- belangt, so liegen von sreistnntger Seite bereits Aeußerungen vor d e noch vo Beginn der eigentlichen parlamentarischen Verhandlungen über die Milttär Vorlage gefallen sind. In der am Sonntag staltgefundenen allgemeinen Ver- fammlung der deutsch-freisinnigen Wähler der ersten Berliner Reichstagswahlkrelses sprach u A. Eugen Richter auch über den Entwurf, betr. die anderweitige Festsetzung der Friedens-Präsenzstärke und erklärte der freisinnige Parteiführer, daß seine Partei nimmermehr dem Septennate zustimmen könne und betonte dann die enorme Wichtigkeit der Frage der zweijährigen Dienstzeit. Letztere Forderung und die Bekämpfung der siebenjährigen Festsetzung der Friedens- Präsenzstärke werden also allem Anscheine nach die leitenden Punkte für die Freisinnigen bei den Berathungen über die Militär-Vorlage bilden. Dagegen ist über den Standpunkt, welchen die hier ausschlaggebende Partei, dar Centrum, einzunehmen gedenkt, noch durchaus nichts Sicheres bekannt und scheint ei, datz die Centrums-Taktiker die Militärsrage einstweilen „dilatorisch behandeln wollen, um im entscheidenden Momente mit neuen kirchenpolitischen Forderungen hervorMreten.».rdentliche preußische BischofS-Conferenz soll demnächst, wie das „Berl. Tagebl." ersährt, in Fulda zusammentreten. Dre Conserenz würde allerdings gerade jetzt reichen Stoff zu Verhandlungen vor- sinden, man braucht nur an die neuesten Verhandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan, an die bekannte Affaire des Bischofs Dr Kopp, an du Frag der Stellvertretung für dm kranken Fürstbischof von Breslau u. s. w. zu denken. Große Bedeutung legt man auch dem bevorstehenden Besuch des Prager Erzbischofs, Grafen Schönborn, in Berlin bet und bringt man die Anwesenheit des Erzbischofs mit den diplomatischen Verhandlungen zwffchen> dem Berliner Cabinet und dem Vatikan in Verbindung, obgleich sich der Besuch de» ' Blase Gesehle*-; .nsführhcte” ibsl 5n. ßl SpeoifMzt, K’;y-,5 [CtllM Mtitv Anzeigen. HaoSknchi ne; !mann, Vkuftabt. s s6M in G. Löhr, osftatze 58. ikevier Prager Kirchenfürsten in Berlin schon dadurch rechtfertigen ließe, daß ein Theil Oberschlesiens mit zu seiner Diöceje gehört, er also auch Bischof über preußische ^"^°Die fortgesetzten Schwierigkeiten, welche Sultan Said Bargasch von Zanzibar den colontal-politischen Bestrebungen Deutschlands in Ostafrika bereitet, sollen zu einer abermaligen deutschen Flotten-Demonstratton vor Zan- zibar führen.. Bereits sind auf dortiger Rhede die Kanonenboote „Hyäne" und „Möwe" eingetroffen und soll sich ihnen in kürzester Frist die Panzer-Fregatte „Bismarck" hinzugesellen. Hoffentlich wird diesmal dem mißgünstigen afrikani« s'chen Fürsten deutscherseits der Standpunkt gründlich klar gemacht werden! Die schweizer Kammern — wenn man diesen Ausdruck für den Ständerath und dm Nattonalrath anwenden darf — stnd am Montag eröffnet worden. Noch in der Eröffnungs-Sitzung wurde vom Ständerathe das Gesetz über die Organisation des schweizer Landsturmes mit großer Mehrheit angenommen. Vielleicht ersährt man aus dm wetteren Verhanolungm auch etwas Näheres über die Aussichten des neuen deutsch-schweizerischen Handels- 93ertrQQC6 Die österreichisch - ungarischen Parlaments - Ausschüsse stehen am Ende ihrer diesmal besonders bedeutungsvollen Thätigkeit. Am Montag genehmigte die österreichische Delegation debattelos und unverändert das außerordentliche Heeres-Ersorderniß und die übrigen verlangten Kredite; die Referenten conflaltrten die Übereinstimmung der Beschlüsse bei den Delegationen. Am gleichen Tage genehmigte die ungarische Delegation unverändert das Budget oes Ministeriums des Aeußern. Im Lause der Debatte war an die Regierung die Anfrage gerichtet worden, was ihr von dem Gerüchte bekannt sei, wonach Rußland die Ernennung des Fürsten von Mingrelien zum Gouverneur von Ost-Rumelien bei der Pforte beantragt habe. Sections>Chef Szegeny erwiderte hierauf, daß der österreichischen Regierung hierüber nichts bekannt sei, daß aber die Ernennung des General-Gouverneurs von Ost-Rumelien jedenfalls nur im Sinne des Berliner Vertrages und unter Zustimmung aller Signatarmächte vor- genommen werden könne. Jenseits der Vogesen haben sich die drohenden Wolken, welche sich über dem Ministerium Freycinet zusammengezogen hatten, fast gänzlich wieder ver- zogen und nur dem parlamentarischen Auftreten de» Conseilpräsidenten selber ist diese günstige Wendung zu verdanken. Schon der Beifall, welchen die Programmrede Freycinet's in der Samstagssitzung der französischen Deputirtenkammer über die auswärtige Politik auf allen Seiten gefunden hat, ließ diese Wendung klar erkennen. Sowohl die friedlichen Auslassungen Freycinet's über die bulgarische Frage, wie auch seine energischen Erklärungen über den Standpunkt Frankreichs in der egyptifchen Angelegenheit stnd von der öffentlichen Meinung des Lande» mit gleicher Genugthuung ausgenommen worden und haben fie somit ohne Zweifel zur Wiederbesestigung der Stellung des gegenwärtigen französischen Ministerium» das Ihrige beigetragen. Dasselbe hat jedoch auch von den ferneren Erklärungen Freycinet's in der Montagssitzung der Deputirtenkammer zu selten. Dieselben betrafen den geforderten 30 - Millionen - Kredit für Tongktng unb befürwortete Freycinet lebhaft die Festhaltung Tongking». Die Kammer genehmigte schließlich den Tongking-Kredit mit 2TO gegen 249 Stimmen, wa, unter den obwaltenden Umständen als ein besondere» Vertrauenrvotum für Freycinet aufzufaffen ist, und genehmigte auch den Kredit für da» Protektorat in Tunis. V roh b(e g^otera aufgetreten, doch verläuft die Krankheit bis jetzt außerordentlich mild. Die von den Behörden angeordneten sanitären Maßnahmen bleiben jedoch bis auf Weitere» in Kraft. Arankreich. Paris, 1. December. Deputirtenkammer. Keller tadelt die von der Commission und der Regierung an der Truppenbesoldung vorgeschlagenen Er- sparniffe. Redner vergleicht die Schwäche des französischen Effectivstandes mit dem Deutschlands und schlägt vor, den ursprünglichen Kredit wieder herzustellen. Der Kriegsminister Boulanger erwidert, man müffe denjenigen, die im deutschen Reichstage eine Vermehrung des Effectivstandes verlangt haben, es überlasten, sich der Argumente zu bedienen, welche aus einer Vergleichung des französischen und des deutschen Effectivstandes gezogen würden. Die beantragte Reduction entspreche den Beurlaubungen, die zu einer Zeit ertheilt werden, wo dies ohne Jnconvenienzen geschehen könne. Der Antrag Keller wurde mit 539 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Reichstag- E. R. Berlin, 1. December 1886. Die Generaldiscussion wird heute fortgesetzt. Abg. Hasen clever (Socdem.): Erfreulich ist, daß die sociale Frage jetzt parlamentsfähig geworden ist. Ohne Aenderung des Steuersystems, Beseitigung der indirecten Steuern, welche die Arbeiter mehr, als die anderen Klassen belasten, könne man den Arbeitern nicht helfen. Bevor man dem Kapitel: Maximalarbeitstag, Sonntagsruhe, Arbeiterschutzmaßregel nicht näher trete, bleibe das Wort des Reichskanzlers vom „Recht auf Arbeit" eine Phrase, auf die augenblickliche Beruhigung der Arbeiter berechnet. Das sei aber nur ein Recht aufs Arbeitshaus. Eine starke Waffe sei die Vaterlandsliebe des Volkes, die aber durch das jetzige Regierungs- und Polizeisystem nicht anerzogen werde. Seine Partei werde im Wesentlichen für alle Abstriche, aber auch für alle Ausgaben stimmen, die zu Culturaufgaben bestimmt sind. Den Etat im Ganzen werde seine Partei, aus Mißtrauen gegen die Regierung, ablehnen. Abg. v. Maltzahn (cons.) bekämpfte diese Anschauung, vertheidigte die Noth- wendigkeit der Erhaltung eines starken Heeres. An den dafür geforderten Summen werde auch die linke Seite nichts streichen können, wie dies Herr Rickert gestern erfreulicherweise schon zugegeben habe. Redner schloß mit der Mahnung, das Vergangene vergangen sein zu lassen und jetzt nur an die Zukunft zu denken. Abg. v. Huene ((Str.): Wenn alle Ausgaben, die im Etat gefordert würden, auch bewilligt würden, wäre das offenbar zu viel. Die gestrige Ben.erkung des Finanzministers v. Scholz, man wolle erst die Bedürfnisse feslstellcn und dann Deckung dafür suchen, bedeute nichts weiter, als daß die Negierung an ihren Monopolgedanken festhalte. Für das Monopol aber sei das Eentrum niemals zu haben. Schatzsecretär Jacobi sagte gestern: „Was wir fordern, fordern wir nicht für uns, sondern für das Land" und Herr v. Scholz sagte; „daß kein Groschen, der im Etat stehe, nicht vom Reichstage bewilligt worden sei", daraus ziehe er den Lchluß, daß der Reichstag verpflichtet sei, in .diesem Etat keinen Groschen zu bewilligen-, von dem er nicht überzeugt sei, daß er nicht den verbündeten Regierungen, sondern dem Lande bewilligt worden sei. Abg. Graf Behr (Reichspartei) erklärte alles zur Wehrkraft des Reiches Erforderliche bewilligen zu wollen. Zur Deckung der Ausgaben und zur Wetterführung der Socialreform seien die Weiterausbildung der indirecten Steuern das Zweckmäßigste, speciell aus dem Branntwein könnten höhere Erträge erzielt werden. Gegen einen Vorwurf des Abgeordneten v. Corilloki (Pole) verwahrt der Kriegsminister v. Bronsart die Militärverwaltung. Man beraube die polnischen Rekruten nicht „des letzten Trostes", indem man sie zur dienstlichen Ausbildung in entfernte Provinzen versende; es handelt sich doch um junge Soldaten und nicht um Kinder, die noch an der Mutterbrust lägen. Abg. Richter (dfr.): Herr v. Maltzahn irrt sich, wenn er meint, daß Abg. Rickert sich bereits über die Militärvorlage geäußert habe; das haben wir absichtlich vermieden und werden es thun, wenn die Vorlage zur Verhandlung steht. Herr ö. Scholz griff gestern den Kaufmannsstand an und warf ihm Defraudationen bei der Stempelsteuer vor. Was ist das für eine Kampfesweise? Wo ist es je £>ei uns vorgekommen, daß wir den Eharacter von Persönlichkeiten angreifen; wir ^wenden uns nur gegen ihre Fähigkeiten. Solche Defraudationen kommen auch schwerlich vor, da jeder entlassene Comniis seinen ehemaligen Principal denunciren könnte. Dankbar sind wir dem Minister für die Eröffnung, daß die Monopole wieder erscheinen werden; diese Erklärung können wir gebrauchen. Auf den Minister Scholz scheint, angesichts seiner Redeweise gegen die freisinnige Partei, der Umgang mit dem Redacteur, den er „zu empfangen die Ehre habe", schlecht eingewirkt zu haben. (Große Heiterkeit.) Dem Abgeordneten v. Maltzahn bemerkte er, daß, wenn die Colonialpolitik nicht die Ausschreitungen gemacht habe, wie geschehen, dem Reiche der Rückzug von den Karolinen- Inseln und die Anrufung des Papstes als Schiedsrichter erspart geblieben sein würde. Wären unsere vorjährigen Vorschläge angenommen, so würde auch der Aussall bei der Zuckersteuer nicht eingetreten sein. Der Schaden, den die Fluth der Monopolprojecte hervorgerufen, ist unwiederbringlich. In der Thatsache, daß alle diese Versuche von einem einzigen Manne abhängen, liegt die Ursache unseres wirthschaftlichen Niederganges. Das mag sich Herr v. Maltzahn merken. Finanzminister v. Scholz: Die Wahrheit dieses Bildes wird Niemand glauben. (Widerspruch links.) Würde die freisinnige Partei einmal zur Negierung kommen/ so würde sie sicher unsere Projecte zur Ausführung bringen, weil sie andernfalls Fiasko machen müßte. Wie könnte man alles, wie Abg. Richter gethan, was in Europa geschehe, denn der Handel liege doch auch in England danieder, rc., auf den Willen eines einzelnen Mannes zurückführen? Das Monopol habe er nicht in Aussicht gestellt. Abg. Windthorst ((Str.) wendet sich sehr energisch gegen die Ausführungen des Ministers v. Scholz. Die Negierung könne ja eine höhere Branntweinsteuer haben, wir selber haben sie angeboten, aber wir wollten ihre Verwendung wissen; diese Auskunft wurde uns verweigert. Jetzt wissen wir, wohin die Reise geht. Abg. Rickert (dfr.) betont, daß die heutige Abschwächung des Ministers v. Scholz bezüglich der Monopole gegenüber seiner gestrigen feststehenden Bemerkung keine Bedeutung haben könne. Minister v. Scholz protestirt nochmals gegen den von den Abgeordneten Windthorst und Rickert gemachten Versuch einer Legendenbildung; er habe kein Wort gesagt, das diese Deutung zuläßt. Ich verwahre mich dagegen, daß meinen Aeußerungen eine Auslegung in einer Weise gegeben wird, die unter ehrlichen Leuten nicht üblich ist. (Große Unruhe im Centrum und links; laute Rufe: Zur Ordnung!) Präsident v. Wedell-Piesdorf bittet den Minister, Ausdrücke zu unterlassen, welche Mitglieder des Hauses verletzen müßten. Minister v. Scholz erklärt, daß ihm dies ferne gelegen; wenn aber seine Ausdrücke als beleidigend empfunden seien, so zögere er keinen Augenblick, sie zurückzunehmen. Abg. Dr. Windthorst ((Str.) weist wiederholt darauf hin, daß es Aufgabe der Regierung sei, betreffs neuer Einnahmen Vorschläge zu machen. Finde die Regierung beim Reichstage kein Entgegenkommen, so habe er ja schon den Weg angegeben, der der Regierung offenstehe. Die Diskussion wird geschlossen. Nächste Sitzung Freitag den 3. er. T.-O.: Militärvorlage. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Correspondenz - Bureau. Berlin, 1. December. Seine Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Besuch des Kronprinzen und nahm darauf die Monatsrapporte der Letbregimenter, -sowie die Meldung des neuen württembergischen Mtlitärattachö's Sick entgegen. Er arbeitete alsdann mit Wilmowski und machte Nachmittags eine Ausfahrt. Um 5 Uhr fand ein größeres Diner statt, wozu ausschließlich höhere Militärpersonen geladen sind. i nr r — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Staatssecretärs de8 Aeußeren, Grafen Bismarck, und des württembergischen Militärbevollmächtigten v. Sick j zu Bundesrathsbevollmächtigten. Berlin, 1. December. Dem „Reichsanzeiger" zufolge ist nach erfolgter Zu- sttmmung der lstaatsregterung durch päpstliches Breve vom 16. November Domherr Redner in Pelplin zum Bischof von Culm ernannt worden. Der Kaiser hat durch Urkunde vom 29. November demselben die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung als Bischof von Culm ertheilt. Vermischte-. Mainz, 30. November. Infolge der vielen Diebstähle auf den Strecken der Hess. Ludwigsbahn werden neuerdings bei dem niederen Zugspersonal der Bahn Revisionen vorgenommen. Sobald ein Zug auf irgend einer Hauptstation einläuft, wird das Personal auf das Bureau der Perwaltung beschieden und hier findet nun eine körperliche Visitation statt. Die erste derartige Untersuchung wurde am Samstag vorgenommen. Bei einigen Beamten sollen dabei die großen Taschen aufgefallen sein, welche innerhalb der Mäntel angebracht waren. Worms, 27. November, [©rabfunb.] Bei den fortgesetzten Fundamentuntersuchungen im Westchor des Domes stieß man neuerdings auf einen Steinsarg, nach Art derjenigen, welche in fränkischen Gräbern gefunden werden. Vor einer geladenen Versammlung von Mitgliedern des Dombauvereins, des Kirchenoorstandes, Alter- thumsvereins u. A. wurde auf Anordnung des Herrn Probst Fehr gestern Nachmittag zur Oeffnung dieses Sarges geschritten und zur Ueberraschung der Anwesenden die merkwürdig gut erhaltene Leiche eines geistlichen Würdenträgers, vermuthlich eines Bischofs, darin vorgefunden. Für die Annahme, daß die menschlichen Ueberreste diejenigen eines Bischofs seien, sprachen die vorzüglich conservirte Bischofsmütze und der auf der Leiche ruhende Bischofsstab. Gewänder umhüllten die Leiche und erschienkn in ihrem Faltenwurf noch völlig intakt, wenn auch bei der Berührung der vermoderte Stoff nur allzu leicht zusammenfiel. In besonders wohlerhaltenem Zustande sind die Füße der Leiche mit den noch ganz vorzüglich zu unterfcheidenden Stickereien der Schuhe. Aus den vorgefundenen Metallzierrathen will man folgern, daß der Sarg mit seinem Inhalt aus der spätkarolingischen Zeit, beziehungsweise aus dem 12. Jahrhundert stammt; sicheres darüber wird natürlich erst eine genauere Prüfung der Gewandstücke, der Ornamentik an den Insignien und Pretiosen, vielleicht auch der zur Zeit dem Sarge noch nicht entnommene Bischofsring ergeben. Auf Vorschlag und Beschluß der bei der Ausgrabung Versammelten wurde bestimmt, den Fund photographisch und mittelst Handzeichnung aufnebmen und durch eine eigens dazu ernannte Commission, der u. A. die HH. Probst Fehr, Fr. Schön, Dr. Weckerling, Dr. Köhl und ein Fachmann aus Köln angehören sollen, mit der gehörigen Sorgfalt weiter untersuchen zu lassen. (W. Z.) Handel und Verkehr. Frankfurt, 1. December. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malier 5.00—5.50, das Gescheid 10—0 H, Eier das Hundert JL 5-00—7.50, das Stück 6—8 Butter im Großen JL 95.00—100.00, im Detail das Pfund JL 1.20 bis 1.40, Weißkraut per Stück 10—12 H, Rothkraut per Stück 20—00 H, Kohlrabi per Stück 3—0 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 H, Kalbfleisch 40—65 H, Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn JL 0.70—1.50, 1 Huhn JL 1.00—2.50, 1 Ente JL 2.00—3.00, 1 Gans JL 4-00—8.00 1 Taube 40—70 Welsche JL 5.00—12.00. Limburg, 1. December. Rother Weizen, 14-40, weißer Weizen 1430, Korn JL 10.30, Gerste 8 20, Hafer JL 5.80, Kartoffeln ä 100 Pfund 0.00, Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00. — Bezüglich der bei Waarenproben im Postversandt zulässigen handschriftlichen Bemerkungen hat jüngst eine Handelskammer in Folge von Vorkommnissen die Frage bei der Postbehörde in Erwägung gestellt, ob es gestattet sei, den Waarenprobesendungen Zeitnotizen, wie z. B. „in 8 Tagen erwartet" u. s. w., beizufügen. Die Handelskammer wies dabei nach, daß eine solche Notiz über die Zeit, in welcher die Waaren disponibel seien, ein nothwendiges Attribut der Preisfestsetzung sei und deshalb einen unentbehrlichen Bestandtheil der Waarenprobe bilde. Die Poftbchörde hat dies auch anerkannt und entschieden, daß derartige Zeitangaben den Waarenprobesendungen ohne Taxerhöhung beigelegt werden können. Ein herrlicher Schlaftrunk (Punsch), welcher vorzüglich mundet u- bekommt, besteht aus i/z Widtfeldt'schem Magenbehagen u. 2/a kochenden Wassers. Nieder!, u. A- b. Emil Fischbach. 8640 Lokale-. Gießen, 2. December. sSitzung Großh. Handelskammer vom 11. November.! Gegenwarttg waren die Herren Silbereisen, Koch, Heichelheim, Klingspor und Kraatz. Herr F. C. B. Koch theilte mit, daß er bei Gelegenheit der letzten Eisenbahn- rathssttzung zu Köln die Frage der mangelhaften Personenzugverbindung zwischen Deutz und Meßen wiederholt in Anregung gebracht habe. Hierauf habe man ihm zwar eine definitive Erklärung noch nicht geben können, er habe aber die Versicherung erhalten, daß die in der Eingabe der Handelskammer an Königliche Eisenbahndirection enthaltenen Wünsche, wenn irgend möglich, Berücksichtigung finden würden. Ein Circular des Reichsschatzamts an Großh. Staatsministerium gelangte durch Vermrttlung Großh. Ministeriums zur Kenntniß der Handelskammer, worin auf die seit fahren ausgesprochenen Wünsche, namentlich süddeutscher Industrieller, nach Um- I gestaltung unseres Verzollungssystems bezüglich der Baumwollengewebe durch Uebergang SU einer neuen Klassification derselben hingewiesen wird, und worin im Anschluß an bestimmte Vorschläge, welche von dem elsässischen industriellen Syndikat zu Mühlhausen und von Feinwebern in Württemberg und Baden gemacht wurden, das Project eines neuen Klassificationssystems eingehender besprochen wird. Da die Handelskammer zu gutächtlicher Aeußerung aufgefordert war, wurde das Circular den hier in Betracht kommenden Geschäften abschriftlich mitgetheilt und gebeten, etwaige Wünsche oder Ansichten der Kammer schriftlich übermitteln zu wollen. Die Umfrage ergab jedoch, daß directe Interessen für oder gegen die projectirten Steuerungen nicht vorlägen und wurde auch demgemäß an Großh. Ministerium berichtet. Mit Rücksicht auf die Verhandlungen über die Erneuerungen des deutsch- schweizenschen Handelsvertrags soll auf dem Wege der Annonce über die geschäftlichen Beziehungen zur Schweiz bei den Interessenten Umfrage gehalten und demnächst an Großh. Staatsministerium eingehend über das Resultat der Ermittelungen Bericht erstattet werden. Zu der im December stattfindenden Ergänzungswahl für die nach dem Gesetze ausscheidenden Mitglieder der Handelskammer, die Herren Koch, Katz und Zinßer, wird Herr Klingspor als Wahlcommissär und die Herren Mettenheimer und Aug. Wehn als Urkundspersonen bestimmt. Herr F. C. B. Koch stellte den Antrag, daß die Kammer für Beseitigung der Gebühr bei Erwirkung eines Musterpasses eintreten möge, da die Erhebung dieser Gebühr in Hessen dem im Zollvereinsgesetz enthaltenen Grundsatz der gleichen Behandlung Aller widerspreche, indem in anderen Staaten, z. B. Preußen, die Ertheilung des Musterpasses unentgeltlich erfolge. Dem Antrag soll durch berichtliche Vorlage bei Großherzoglichem Ministerium stattgegeben werden. Gießen, 2. December. Der hiesige Docenten-Verein wird im nächsten Jahre sein fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest feiern- Derselbe besteht seit dem Jahr 1862. — fTheater.j „Has em an ns Töchter" gingen gestern Abend in vorzüglicher Darstellung über unsere weltbedeutenden Bretter und wurden vom zahlreich erschienenen Publikum sehr beifällig ausgenommen. Sollte die Freitags-Aufführung von „Jnspector Bräsig", zu der übrigens schon viel Billetbestellungen eingegangen sind, den gewünschten Anklang finden, so beabsichtigt Herr Director Rudolph den ganzen Reuter-Cyklus aufzuführen und zwar soll jede Woche ein Stück nach Reuter zur Darstellung gelangen- Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Der Plan über die von der Stadtverordneten-Versammlung festgestellten und von Großherzoglichem Kreisamt Gießen genehmigten Baufluchtlinien an der Grünbergerstraße liegt 14 Tage auf dem Bureau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen. Gießen, den 30. November 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8636 A. Bramm. Freitag, den 3. Dezember, Nachmittags 2 Uhr, werden Seltersweg 81 aus dem Nachlaß der Frau Hofgerichtsrath Krug, Hausgeräth, Küchengeschirr, 1 schöner Glasschrank, Kleiderschränke, Kommode, Sopha, dgl. mit 6 Stühlen, 1 aest. Sessel, Bettstellen mit Sprungfeder- Einlagen, Tische, Göthe's u. Schillerns Werke, und sonstiges Hausgeräth, Herren- und Frauenkleider, Weißzeug und Bettwerk versteigert. Im Auftrag: 8603 F. Hoffmann Filzschuhe und Filzstiefel, besetzt und unbesetzt, Tanzschuhe in den neuesten Faxens, Prima Gummischuhe und Gummistiefel, Gummisohlen, Gammaschen in verschiedenen Farben, Einlegesohlen, empfehle in der größten Auswahl Wilh. Herbert, 8657 Marktplatz. 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Zur Empfangnahme berw- Beischreibung der Zinsen, welche von oen bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Capitalien, am Ende d- I- fällig werden, sind nachstehende Geschäftslage festgesetzt, und zÄar: Samstag den 4. Dezember 1886 Dienstag ,7. „ „ Mittwoch 0 8. „ * Donnerstag ,9. , , Samstag „ 11. i, w Dienstag „14. „ „ Mittwoch „ 15. „ „ Donnerstag „ 16. „ * Samstag „ 18. „ „ Dienstag „ 21. „ „ Mittwoch „ 22. „ w Donnerstag „ 23. „ „ Dienstag „ 28. „ „ Mittwoch „ 29. „ » Donnerstag „30. „ „ Freitag „ 31. „ „ sowie Dienstag den 4. Januar 1887 Mittwoch „5. „ n Donnerstag „ 6. „ „ Samstag „ 8. „ „ Dienstag „ 11. * „ Mittwoch „ 12. „ „ Donnerstag „ 13. „ „ Samstag „ 15. „ „ Die Einleger werden daher aufgefordert, Ihre Schuldscheine vorzulegen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf orts- übliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 27. November 1886. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. Kehr. Allgemeiner Anzeiger. 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