6949 icert Htg.Br. 116 Krrußt. Pi9‘ lieh ö 10 Ähr, rstand. »zeigen. eichen will, Dtt , Aufnahme M und Vs- §--Z ,8*^ f‘n" ,b b. 8j>/ 6983 aiten*l_ Gg. Stoffs UE rpebJ>'_~L— Büdingen .teitSeN** ieiner M8L—- Zeller. f ,. . *auf ’S 1886. erger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Nr. 230 Zweites Blatt Sonntag Mi 3. October ießener **««*. «ch.rstr.ß. 7. Erscheint «S«ttch mit r^nmmPMBMBWMMaMMnnWUa«a Wochen - Ueberficht. Gießen, 2. October. Die Ausbeute an belangreicheren Nachrichten aus innerpoli- lischem Gebiete war in dieser Woche eine höchst dürftige und liegen überhaupt wichtigere Ereignisse nicht vor. Allgemeine Theilnahme erregte das 50jährige Dienstjubiläum des Retchsbank-Präfwenten v. Dechend, worüber dem Jubilar zahlreiche Beweise aus den weitesten Bevölkerungskreisen zugingen. — Die ver- Ichiedenen in der Landvsverraths-Affaire Sarauw'Röttger etngeleiteten Preß- processe haben in diesen Tagen vor dem Reichsgerichte zu Leipzig ihren Abschluß gefunden, soweit ste nicht nochmals zur Revision an die erstinstanzlichen Gerichte zurückgewiesen worden sind. Die Entscheidung des Reichsgerichts bestätigt fast allenthalben die gegen die angeklagten Redacteure und Zeitungs-Berichterstatter ergangenen verurtheilenden Erkenntnisse der Landgerichte. — Zum Nachfolger des zum Erzbischof von Freiburg ernannten bisherigen Bischofs von Limburg, Dr. Roos, wurde Decan Dr. Klein in Limburg ernannt. — In Leipzig vollzog sich am Mittwoch in Gegenwart des Königs von Sachsen, der Minister des Innern der Finanzen, de» Generaldirectors der sächsischen Staatsbahnen, der Spitzen der Behörden u. s. w. die feierliche Einweihung des neuen prachtvollen Gebäudes. Der Prinz-Regent von Bayern ist auf feiner Rundreise durch Schwaben und Franken am Mittwoch in Würzburg eingetroffen, wo ihm ein ebenso begeisterter Empfang bereitet wurde, wie schon zuvor in Nürnberg und Augsburg. Zwischen Deutschland und Portugal finden gegenwärtig Verhandlungen über die Abgrenzung de» beiderseitigen Gebietes in Süd-Asrika statt. Dm Hauptpunkt derselven bilden die Flußgebiete de» Cume und Cubango, welche Portugal al» zu seinem Territorium gehörig, beansprucht. Man darf wohl annehmm, daß die jüngste Anwesenheit des Königs von Portugal in Berlin mit dieser Angelegenheit in Verbindung stand. Die am Mittwoch sang- und klanglo» erfolgte Eröffnung der österreichischen Reichsraths-Session hat, gleich dem Vorgehen der ungarischen Parlamentarier», eine Interpellation über da» deutsch-österreichische Bündniß gebracht. Vom Abg. Hellsberg wurde an den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe die directe Anfrage gerichtet, ob er eine unzweideutige Erklärung behus» Dementirung der über das Bündniß umlausenden Gerüchte abgebm wolle. Eine Antwort de» Grafen Taaffe ist noch nicht bekannt, vermuthlich wollte er -erst die Beantwortung der über die "bulgarische Frage eingebrachten Interpellationen im ungarischen Unterhause Seiten« de» Herrn v. Tisza abwarten, was am Donnerstag geschehen ist. Der ungarische Ministerpräsident hat hierbei vor Allem den unerschütterlichen Weiterbestand de» Bündnisse» zwischen Deutschland und Oesterreich energisch betont, um den steten Nörglern an demselbm von diesseits wie jenseits der Leitha eine gebührende Abfertigung zu Thell werden zu lassen. Der in Wien am Montag eröffnete internationale Orientalisten- Gongreß ist von der gesammten Wiener Presse in herzlichster Weise begrüßt worden, wobei e« selbstverständlich nicht an Anspielungen aus die gegenwärtig im Orient schwebenden Fragen gefehlt hat. Die Cholera-Evidemie nimmt allmälig in Pesth wie auch in den übrigen von ihr inficirtm Landestheilen Oesterreich-Ungarns wieder ab und im dalmatinischen Küstenlande ist ste sogar gänzlich erloschen. Trotzdem find namentlich in Rußland die strengsten sanitären Ueberwachungs« Maßregeln gegen die aus Oesterreich kommenden Reisenden angeordnet worden. Uebrigens ist jetzt die Cholera auch im astatischen Rußland ausgetreten, in der am Japanischen Meere gelegenen Stadt Wladiwostok, und zwar zeigt ste hier einen sehr bösartigen Charakter. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Seuche von Korea oder Japan hsr, wo ste furchtbar haust, in Wladiwostok eingeschleppt worden ist. Jenseits der Vogesen bildet die Banketrede, welche der Ministerpräsident, Herr Freycinet, am Dienstag in Toulouse gehalten hat, das Ereigniß der Woche. Seine Ausführungen erstreckten sich auf das Gebiet der inneren wie äußeren Politik und bezeichnete er in Bezug auf erste« al» wichtige, ihrer Inangriffnahme harrende Probleme außer der Armee-, Steuer- und Finanz-Reform auch wichtige socialpolitische Reformprojecte, wie Erleichterung der Leiden der Landwirthschaft und Industrie, sowie die Lösung der socialen Fragen im engeren Sinne. Zu den auswärtigen Dingen übergehend, betonte der Ministerpräsident, daß Frankreich entschieden die Aufrechterhaltung des Friedens wolle, wenn es dies unbeschadet seiner Würde als Großmacht thun könne; weiter ließ er sich aber in dieser Beziehung mcht aus und auch hinsichtlich der Colonialpolitik klang feine Red» ziemlich reservirt. Wiederholt mahnte Herr v. Freycinet zum kräftigen Zusammenhalten aller republikanischer Patrioten, welche Mahnung er schon an die von ihm empfangenen Deputirten und Senatoren des Departements Haute-Garonne richtete. Alle republikanischen Blätter Frankreich» äußern sich beifällig über die Toulouser Rede Freycinet'«, wobei e» allerdings etwas komisch klingt, wenn der „Temps^ lagt, die Rede bringe bezüglich der äußeren und colonialen Politik die Meinung dss ganzen Landes getreu und klar zum Ausdruck, denn gerade in diesen beiden Punkten ist die Rede sehr reservirt ausgefallen. Am Mittwoch Mittag reiste Freycinet von Toulouse nach Montpellier weiter. Der spanischen Regierung machen die Nachwehen des Pronun- üamento» noch immer zu schaffen. An der französischen Grenze müssen sich die Truppen mit republikanischen und wohl auch mit carlistischen Banden herumschlagen, in der Armee spuckt der meuterische Geist fort, wie die Verhaftung mehrerer Unterosficiere in Coruna beweist, und in Madrid selbst ist ein Dynamitattentat gegen den General Pavia, welcher den Militäraufstand niederschlug, versucht worden. Eine Madrider Depesche berichtet hierüber kurz, daß ein junger Mensch in dem Augenblicke verhaftet wurde, als er eine Dynamitpatrone in ein Fenster des Palais des Generals Pavia legen wollte. Inzwischen sind sehr erklärliche Gerüchte über bevorstehende theilweise Veränderungen im Cabinet Sagasta aufgetaucht. Als wahrscheinlich gllt der Eintritt Martinez Campos in das Cabinet, womit sich in demselben eine bedeutsame Verschiebung des Schwergewichts nach rechts bo^mentiren würde. Der Proceß gegen die an der Madrider Revolte Bethelligten nimmt seinen ungestörten Fortgang. In Bulgarien hat sich die Situation seit dem Eintreffen des Generals Kaulbars in Sofia unverkennbar verschärft. Die provisorische Regierung will den von dem neuen Vertreter Rußlands sofort erhobenen Forderungen — Verschiebung der Wahlen zur großen Sobranje, Aufhebung des Belagerungszustandes und Freilassung der gefangenen Urheber des Staatsstreiches von Sofia — nur hinsichtlich des zweitgenannten Punktes nachgeben, gerade aber die Verschiebung der Wahlen zur großen Sobranje, worauf Rußland da« Hauptgewicht legt, will die provisorische Regierung nicht zugestehen. Kaulbars soll freilich erklärt haben, selbst wenn alle seine Forderungen zurückgewiesen würden, beabsichtige Rußland keineswegs, Bulgarien zu beseitigen; aber jedenfalls würde Rußland alles daran setzen, die widerhaarige provisorische bulgarische Regierung zu entfernen und den russischen Wünschen und Interessen ergebenere Persönlichkeiten in Sofia an’« Ruder zu bringen. Die „Moskauer Seitung" sagt denn auch bereits, der von General Kaulbars in Sofia angeschlagene feste Ton bekunde, daß, wie sich die Diplomatie auch gebahren möge, der Wille de» Lenkers der Geschicke Rußlands unbeugsam in seinen Beschlüssen sei und über jeder Täuschung stehe. Europa werde zu der Einsicht gelangen, daß man Rußland die ihm gebührende Stellung in Bulgarien lassen müsse. Ker siebente Congreß deutscher Armenpfleger in Stuttgart, ii. Am zweiten Congreßtage wurde vor Eingang in die Tagesordnung von dem Mtnisterialrath Jaupp-Darmftadt die Berathung der Wohnungsfrage auf dem nächsten Congresse angeregt und des erfolgreichen Versuchs zur Bekämpfung der Wohnungsnoth in Darmstadt gedacht, wo man durch Ankauf und verbesserte Einrichtung älterer Häuser die Wohnungen der ärmsten Klassen reinlicher und freundlicher gestaltet und die Miether durch pünktliche wöchentliche Einsammlung des Miethzinscs zugleich zur Ordnung und Wirthschaftlichkeit zu erziehen sucht. Geh. Regierungsrath Pros. Dr. Boeckh beantragte im Namen der statistischen Commission folgende Erklärung: „Die statistische Commission hat in der vom Reich für 1885 aufgenommenen Statistik der Armenpflege eine willkommene Förderung der Bestrebungen des Vereins erblickt und bittet die Versammlung, die Hoffnung auszug sprechen, daß derartige weitere Erhebungen in regelmäßigen Zeitabschnitten und zwa- mindestens in jedem Volkszählungsjahre erfolgen." Graf Wintztgerode-Merseburr sprach den dringlichen Wunsch aus, daß das vorhandene armenstatistische Material zur Aufhellung der brennenden Landarmenfrage einer speciellen Bearbeitung unterzogen werden möge. Die Versammlung enthielt sich einer Abstimmung und empfahl lediglich dem Ausschuß die Prüfung dieser Vorschläge. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die „Behandlung der Armen-- stistungen". Die beiden Referenten Dr. Emmtnghaus-Gotha und Stadtrath Dr. Flesch-Frankfurt a. M. hatten dem Congreß werthvolle gedruckte Berichte über den Stand oer Gesetzgebung in Betreff der Armenstiftungen in den verschiedenen deutschen Staaten überreicht. Den Verhandlungen selbst wurden nicht die längeren Anträge von Dr. Flesch, sondern die kürzeren von Dr. Emminghaus zu Grunde gelegt, welche folgendermaßen lauteten: „Einheitliches Recht für das Deutsche Reich in Betreff der Errichtung, der Veränderung und Verwaltung von Armenftiftungen ist dringend erwünscht. Die dieser Aufgabe zugewandte Gesetzgebung muß, bet möglichster Schonung der in solchen Stiftungen zum Ausdruck gelangenden menschenfreundlichen Gesinnung, ihr Augenmerk darauf richten, den entstehenden und bestehenden Armenstistungen eine dauernd wohl- thätige Wirkung zu sichern. -Zu diesem Zwecke ist: 1. die rechtliche Wirksamkeit entstehender und die fortdauernde rechtliche Wirksamkeit bestehender Armenstiftungen von der Genehmigung der Staatsregterung abhängig zu machen, welche diese Genehmigung bei Erfüllung gewisser gesetzlich festzustellender Voraussetzungen nicht versagen darf und welche befugt sein muß, Stiftungsurkunden nach gewissen gesetzlich festzustellenden Grundsätzen abzuändern; 2. zu bestimmen, daß die neu entstehenden wie die bestehenden Armenstiftungen lediglich verwalten sind von den öffentlichen Armenverwaltungsstcllen der Bezirke, denen jene Stiftungen zu Gute kommen sollen." Diese Anträge veranlaßten eine sehr lebhafte Debatte und wurden von verschiedenen Mitgliedern für zu weit gehend erachtet. Insbesondere widersprach man dem Vorschlag eub 2. Man wies darauf hin, daß man nicht mit einem Male so einschneidende Eingriffe in die Willensfreiheit der Stifter und in das Recht von Vereinen und kirchlichen Stiftungsverwaltungen machen dürfe, der Privatwille dürfe nicht so ängstlich beschränkt werden; die Art vieler Beamten, Alles besser wissen zu wollen, werde Viele abhalten, Stiftungen zu machen; die einheitliche Regelung würde leicht zur Schablone herabsinken. Schließlich einigte man sich zu folgender Resolution auf Grund der Emminghaus'schen Anträge: „Eine gesetzliche Regelung nach einheitlichen Gesichtspunkten in Betreff der Errichtung, der Veränderung und Verwaltung von Armenstistungen ist dringend erwünscht. Die dieser Aufgabe zugewandte Gesetzgebung muß, bei möglichster Schonung der in solchen Stiftungen zum Ausdruck gelangenden menschenfreundlichen Gesinnung und Willensäußerung, ihr Augenmerk darauf richten, den entstehenden und bestehender Armenstiftungen eine dauernd wohlthätige Wirkung, insbesondere auch in dec. IM und denken keinen Augenblick daran, Vertraulichkeiten der Oeffentlichkeit zu entziehen, ' dem „Humoristischen Deutschland" entgegengebracht worden ist. Richtung einer steten Uebereinsttmmung mit der gesetzlichen öffentlichen Armenpflege zu sichern." Die Fragen „Arbeitsnachweis und Arbeitercolonien" konnten wegen vorgerückter Zeit nicht mehr zur Besprechung gelangen. Die Bestimmung des Ortes der nächsten Versammlung wurde dem Ausschüsse überlassen. nr . Wohl alle Besucher des diesjährigen Kongresses haben von ihrem Aufenthalte in Stuttgart und dem Besuche der dortigen trefflichen Wohlthätigkeitsanstalten die freundlichsten Eindrücke in ihre Heimath mitgenommen. Die persönlichen Beziehungen zahlreicher Armenfreunde und Verwalter des Armenwesens sind neu belebt und befestigt und neue Lust zur Mitarbeit an der Linderung der socialen Noth ist wiederum in weiten Kreisen angeregt worden. Das erste Heft des zweiten Jahrgangs bringt den zahlreichen Freunden des „Humoristischen Deutschland" eine gewiß sehr willkommene Ueberraschung. Die Hefte bringen Illustrationen bedeutender Künstler und so wirken die humoristischen Novellen doppelt freundlich, zwiefach fesselnd durch Inhalt und Bild. Das erste Heft, das zugleich in vergrößertem Format erscheint, bringt eine Novelle von König „In Civil" mit 10 Illustrationen von L. Bechstein, eine Humoreske von Förderreuther „Verirrt" mit 7 reizenden Illustrationen von C. Zopf, das wohlgetroffene Portrait Ernst v. Wolzogens nebst dessen Autobiographie, Gedichte von Bodenstedt, Georg Bötticher und S. Koch. Ferner eine Novelle von D. Haek „Meine jüngste Liebe" und eine von Spielmann „Auch ein Intransigent" und schließt mit einer Humoreske aus der Feder des Herausgebers Julius Stettenheim: „Nach der Badereise", dem Gespräch zwischen einer aus der Sommerfrische heimkehrenden Frau mit ihrem Gatten- Es ist in diesen neun humoristischen Merkchen, aus denen das Heft sich zusammensetzt, ein reicher, pikanter und herzerfreuender Unterhaltungsstoff geboten, wie er selten zu finden sein wird. Die folgenden Hefte werden nicht minder Interessantes und Neues vom Felde der humoristischen Literatur bringen und so das lebhafte Interesse rechtfertigen, welches Literarisches. DaS Humoristische Deutschland tritt mit dem Octoberheft in den zweiten Jahrgang ein und ein Blick in den stattlichen Band, der die bisher erschienenen 12 Hefte vereinigt, wird dem Leser sagen, daß das interessante und originelle Unternehmen mit schönem Eifer sein Programm erfüllt hat. Unsere hervorragendsten Humoristen haben ihre besten Arbeiten beigetragen :unb es gereicht dem Ganzen zur Ehre, daß es sich von jeder Trivialität und von Allem ferngehalten hat, was den Geschmack eines gebildeten Lesers verletzen könnte. Unsere Literatur besitzt kein ähnliches humoristisches Werk. die bei uns selbst in den untersten Volkskrelsen nicht geduldet würden. Hier ist es, wo die Vorbereitungen zur Heiiath getroffen werden." Und das nennt nd) als Nation die „große", die solche wahrhaft blödsinnigen Lügen druckt, liest und vielleicht auch — glaubt. — Ebenso wie die großen preußischen Gewehrfabriken in Spandau, Erfurt und Danzig ist auch die Gewehrfabrik in Amberg, wie das dortige „Tageblatt" meldet, mit der Anfertigung der Repetirgewehre, und zwar für die bayerische Armee, stark beschäftigt. Nachdem bereits vor längerer Zeit die nöthige Vergrößerung der Arbeitsräume vorgenommen und eine Anzahl neuer Maschinen aufgestellt worden, ist auch der Stand der Arbeiter nahezu auf 600 erhöht, welche Zahl in nächster Zeit noch erheblich vermehrt werden dürfte, und es wird dem Vernehmen nach in Bälde auch Nachtarbeit eingeführt werden. Zum Anschüsse der neuen Gewehre wurden Officiere, Unterofficiere und Mannschaften des 6. Infanterie-Regiments kommandirt. — Die Nachricht der „Köln. Ztg.", wonach 12 Landwehrleute in Hamburg zu schwerer Festungsstrafe verurtheilt wären, ist falsch. Wegen Aufruhr sind nur 5 in Haft, über welche, der „Nordd. Eorresp." zufolge, das Kriegsgericht noch nicht ab- geurtheilt hat und die Untersuchung fortdauert. — Das Reinigen der Bierdruckapparate wird in dem Fürstenthum Reuß ä. L. (Greiz) sehr streng genommen. Die Wirthe auf dem Lande müssen den Tag, an welchem sie reinigen wollen, anzeigen. Bei der Reinigung findet sich dann ein Gensdarm ein und überzeugt sich, daß die Ausführung auch dem Gesetz» entspricht. (Auch anderwärts zu empfehlen.) — Da- Schöffengericht zu Kassel verurtheilte einen jungen Philologen, den Dr. phil. Friedrich Paul Müller aus Schkeuditz bei Leipzig wegen Eigenthumsverbrechens zu 3 Monaten Gefängniß. Es machte einen überaus peinlichen Eindruck, als der anständig gekleidete, 26 Jahre alte Mann auf der Anklagebank Platz nahm. Mittellos und ohne Stelle hier in Kassel angekommen, fand Müller in dem Hause des Vor- standes einer Privatschule vorläufig Aufnahme, wo er gegen freie Station die Arbeiten der Schüler zu überwachen hatte und sich von da aus nach einer für ihn passenden Lehrerstelle umsehen konnte. Mit dem Buchhalter der hiesigen Filiale des Losterie- geschäftes der Firma A. Fuhse in Mühlheim (Ruhr) bekannt geworden, besuchte er iesen tagtäglich auf dem Comptoir, wo auch die G.ewinngegenstände der Kasseler St. Martinslotterie aufbewahrt wurden. Inmitten all der Herrlichkeiten ließ sich der junge Mann einen kolossalen Vertrauensbruch zu Schulden kommen, indem er eine goldene Remontoiruhr und einen Diamantring entwendete. Erstere repräsenttrte einen Werth von 100 JL, letzterer einen solchen von 200 JL. Der Angeklagte hatte eben auswärts eine Hauslehrerstelle angetreten, als ihn der Arm der Gerechtigkeit erreichte. Wiesbaden, 26. September. Zwei Jünger Nimrods, welche der Jagd zeitweise obliegen, übergaben diese Woche einem hiesigen Wirthe einen ihm versprochenen abgezogenen Hasen. Das Wildpret wurde schön zubereitet und Abends von einer munteren Gesellschaft mit dem größten Appetit vermehrt; nur die Spender der Mahlzeit hatten die Einladung abgelehnt. Mit gutem Grunde, denn wie sich am anderen Tage herausstellte, war das wohlschmeckende Gericht kein Hasenbraten, sondern eine —Katze gewesen. Von einem der Betheiligten, welchem der Schmaus schlecht bekommen ist, ist Strafantrag g^stellt^wo ^stnachtschmetterlings.) Der Correspondenz der König!. Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim a. Rh. entnehmen wir folgende zeitgemäße Mittheilung: „Bezugnehmend auf eine Mittheilung von diesem Frühjahre versäumen wir nicht, die Besitzer von Kirschbäumen darauf aufmerksam zu machen, daß der richtige Moment zur Bekämpfung des Frostnachtschmetterlings demnächst herankommen wird. Der bewährteste Raupenleim zum Wegfangen der an den Bäumen aufsteigenden Weibchen und auch Männchen ist derjenige von Polborn (Berlin 8., Kohlenufer 1—3), von dem das Kilo 1 «X 20 kostet, bei Entnahme von größeren Quantitäten nur 1 Jt Dieser Leim behält seine Klebrigkeit 6-8 Wochen und darüber. Bei älteren Bäumen wird er in der Breite von 10 Etm., über dem Boden 1 Mtr. hoch,' unmittelbar auf die Rinde gestrichen und zwar so, daß keinerlei Lücken im Ringe sind. Bei jüngeren Bäumen, deren Rinde noch glatt ist, binde man zuerst einen 10 Ctm. breiten Papierstreifen mit 2 Bindfaden (oben und unten) fest um den Stamm und streiche dann den Leim auf das Papier. Von Zeit zu Zeit sehe man nach und reinige den Klebstreifen, wenn sich etwa eine so große Zahl von Schmetterlingen darauf gefangen haben sollte, daß neu hinzukommende über die festgeklebten hinwegkriechen könnten, ohne mit dem Leim in Berührung zu kommen. Wir machen darauf aufmerksam, daß einzelne Gemeinden den Leim gemeinschaftlich und faßweise beziehen und so das Klebmaterial zu einem ganz mäßigen Preise und billiger Fracht erhalten. Die Kosten für einen Klebgürtel belaufen sich auf 4—6 es können dadurch leicht Kirschen im Werthe von 15 bis 20 und noch mehr Mark erhalten werden. Man lege die Klebgürtel Mitte October, auf der Höhe schon Anfang October an." — Ein Theil der französischen Presse gefällt sich bekanntlich darin, sein Leserpublikum mit den verlogensten Berichten über Deutschland zu regaliren und kein Mittel ist schlecht genug, es wird von diesen edlen Vertretern des Journalismus angewandt, um die Deutschen als den Ausbund aller Schlechtigkeit und Gemeinheit erscheinen zu lassen. Das Neueste in dieser zu einer gewissen Virtuosität gediehenen Kunst niederträchtigster Verleumdung leistet die in Nizza erscheinende Zeitung „Le petit Niyois". Dieselbe veröffentlicht unter der Ueberschrift „Die Deutschen zu Hause" eine Artikelserie, die sich u. A. auch mit den zu Wiesbaden veranstalteten Bällen befaßt und über den Verlauf derselben die handgreiflichsten Unwahrheiten mit schamloser Dreistigkeit in die Welt setzt. Nachdem der saubere Artikelschreiber in der Einleitung über die Deutschen im Allgemeinen gesagt hat, daß sie große Freunde des Tanzvergnügens sind, behauptet er von den deutschen Bällen, daß dieselben weniger lustig als die französischen seien, daß man sich auf ihnen dagegen mit einer Freiheit bewege, welche die Sitten und das züchtige Deutschland vortrefflich kennzeichne. Dann wird von den Wiesbadener Bällen insbesondere folgende anmuthige Schilderung entworfen: „Um die Mitte und das Ende des Abends werden Tische und Stühle in den Tanzsaal gebracht und man reicht eine kleine Erfrischung. Alle jungen Herren setzen sich und die jungen Damen setzen sich ihnen auf den Schooß. Jedes Pärchen trinkt aus ein und demselben Glase und girrt wie Turteltaube und Täuberich. Die Mütter betrachten sich dieses Schauspiel, indem sie dasselbe mit breitem Lächeln ermuthigen Allgemeiner Anzeiger. 6889] Montag, 4. Oktober, Abends 8 Uhr, beginnt die Fortbildungsschule ihren Unterricht in diesem Winterhalbjahr. Zum Besuch derselben sind alle diejenigen jungen Leute verpflichtet, die in den letzten drei Jahren aus der Volksschule entlasten worden sind. Die Prüfung und Ein- theilung in Klaffen erfolgt für die Vierzehnjährigen im Saal Nr. 3 im Schulhaus in der Neustadt, für die Fünfzehnjährigen im Saal der vierten Klaffe im Schulhaus am Asterweg, für die Sechszehnjährigen im Saal der fünften Klaffe im Schulhaus in der Schulstraße. Sämmtliche Schüler wollen sich mit Feder und Papier versehen. Etwaige Gesuche um Dispensation sind rechtzeitig bei Großherzoglicher Kreis Schulcommisfion Gießen einzureichen. Wir ersuchen nunmehr die Meister, Lehrherrn und Arbeitgeber, die gesetzlich verpflichtet sind, ihren Lehrlingen und Arbeitern die zum Besuch der Schule nothwendige Zeit einzuräumen, diese auf die Wichtigkeit des Unterrichts in der Fortbildungsschule aufmerksam zu machen und sie zu einem pünktlichen und regelmäßigen Besuch derselben während der vier Wochenstunden anzuhalten. Für die Schüler, die am Abend nicht abkommen können, soll, wenn sie sich in genügender Zahl melden, Tagesunterricht eingerichtet werden. Gießen, 28. September 1886. Für den Schulvorstand Gießen: A. Bramm Vigelius. Bürgermeister. Director. Gfach preisgekrönt in Jahresfrist. Deutschen Chartreuse und Benedidiner, Sstvator- und Admirsl-Liqueur dr. dr., Cognacs, Arar. Rum dr., den feinsten und theuersten ausländischen Marken ebenbürtig» dabei wesentlich billiger, liefert die 2742 Düsseldorfer Punsch- und Liqueurfabrik B. Heising in Düsseldorf. Käuflich in den feineren Geschäften. — Jede Flasche trägt meine Firma. 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Oktober, Morgens 8 Uhr. I. Tag-Schute. Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie, Fachzeichnen, Kostenberechnungen. An 4 Wochentagen, Vormittags von 8—12 Uhr. Monatliches Schulgeld 3 n. Abend Schule. a. Allgemeine Klasse. Deutsch, Rechnen, Naturlehre und Buchführung, Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie und Fachzeichnen. b. Modellir-Klasse. Freihandzeichnen und Modelliren. An 5 Wochenabenden von 728 bis 9 Uhr. Monatliches Schulgeld 2 \ außerdem haben die Schüler der Modellir-Klaffe eine einmalige Vergütung non 2 «X für Arbeitsmaterialien zu entrichten III. Offener Zeechnensaal ist Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag je Vormittags von 8 bis 12 Uhr für Gewerbetreibende unentgeldlich geöffnet. Es ist denselben Gelegenheit geboten, auf gewerblichem Gebiete sich Rath zu holen, sowie Entwürfe und deren Ausarbeitung unter Leitung unseres Hauptlehrers anzufertigen. Anmeldungen für die verschiedenen Klaffen wollen Montag den Oktober, Abends V28 Uhr, im Schullokale am Asterweg (Erdgeschoß) bei unserem Hauptlehrer, Herrn Hug, geschehen. Spätere Anmeldungen können nur ausnahmsweise Berücksichtigung finden. Die reichhaltige Fachbibliothek ist an 4 Vormittagen für die Vereinsmitglieder unentgeldlich geöffnet und werden Bücher und Vorlagewerke ausgeliehen. 6921 Dkr Vorstand drs Gcwrrbkverein». TanznBterricht. Mein Tanzunterricht beginnt Montag den 18. October. Anmeldungen erbitte ich vorher in meiner Wohnung: Wriden- gaffe 7. Moese, 6741 Gr Nniv.-Tanz- u. Fechtlehrer. Hof. Sonntag den 3 Oktober: 6909 TANZ-MUSIK, von der Gießener Civilkapelle, wozu freundlichst einladet____________________________Cb« DuiiB. Einem hiesigen und auswärtigen Publikum hiermit zur Nachricht, daß ich das von meinem verstorbenen Manne betriebene Lohnkutschergeschäft weiter betreibe und bitte ich das dem Geschäft geschenkte Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen. Achtungsvoll 6839 II. Mahler Wwe. Lehrsingsgetuch. Zn einer Verhandlung m Frankfurt a/M. wird ein mit guten Schulkenntnissen versehener junger Mann lJsr.) als Lehrling gesucht. Reflektireirde belieben sich unter Chiffre C. 8784 an Rudolf Mosse, Frankfurt a M. zu wenden. 69Ö4 Ein junger Mann gesetzten ■ Alters, welcher seit mehreren Jahren & in einem Waaren-6ugro»-Geschäfte einer größeren Stadt der Rhein- pro»i»z eine Buchhalter- und Lageristenstelle, verbunden mit kleineren Reisen, inne hat, und in Abwesenheit der Chefs, welche einen großen Theil des Jahres auf Reisen sind, dieselben vertritt, sucht, fpeciell in Gießen, da er sich am hiesigen Platze dauernd niederlassen möchte, per 1. Januar ober später eine bessere Stelle in einem größeren Geschäfte , gleichviel welcher Branche. Es wird jedoch nur auf dauernde Stellung reflectirt. Offerten beliebe man unter O. P. 3 an die Exped. d. Bl. zu senden. 6620 Möbeltransport von 1. Kessler, k Canzlelberg 9. Umzüge werden besorgt mit und ohne Umladung und unter Garantie bei billigster Berechnung. 426 werden für 1 jK angefertigt, Perrüike«, Toups'S und Scheitel nach Maaß bei Georg Petri Wwe., 897 Friseur-Geschäft, Seltersweg 43. 6857] Mädchen für Küche und Haus sofort ober 15. Oktober gesucht. Lohn 180 Mark. y Major v. Hetzden, Göthestraße 18. FC.G! SER Berjjn^W.indensIry '' -- bestehend seit 1371 - 6826 Ein tüchtiger Schmiedgeselle ftnbet bauernbe Beschäftigung bei Conrad Bepperling ________in Rntter-Hausen bei Lollar. 6749 Ein kräftiges, arbeitsames Mädchen, das schon gedient hat und gute Zeugnisse besitzt, gesucht. Frau Petri, Ludwigftraße 1. Moctton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.