Nr» 128 Erstes Blatt. Donnerstag deu 3 Juni KG8G @O d* G 'W'ffll dMb7 A 5, M^MAWD^W K ä WM Ä i I F A, X Ä, W W g i | r A Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. .... .. ■ ■ I-«I■ II II II I IIWI. ■ ....... I ■■■■■ 1111 —'■■ ........ ...... ,.„ „ , ,„„,^.„ ,.w>. 7- «W mit M WW.I. N'dLEWU« Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem seitherigen Bureaugehülfen Heinrich Kötter aus Rockenberg die Stelle eines Oeconomen und Rechners der Großherzoglichen Anstalt für Blödsinnige „Alicestift" provisorisch übertragen worden ist. Das Bureau desselben befindet sich in der Anstalt Messungen). Gießen, am 31. Mai 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Politische Ueberficht. Gießen, 2. Juni. Die Geschäftslage im Reichstage ist anläßlich der Vertagung der Plenar-Verhandlungen wieder einmal Gegenstand lebhafter Erörterungen in der Presse, wie in parlamentarischen Kreisen. Wie bekannt, liegt über den Tag des Wiederzusammentrittes des Plenums noch nichts Bestimmtes vor, da erst .der weitere Verlauf der Verhandlungen der Commission zur Branntweinsteuer- Vorlaoe abgewartet werden muß, doch geht die allgemeine Ansicht dahin, daß eine Wiederaufnahme der Plenar-Verhandlungen noch vor Pfingsten schwerlich zu gewärtigen ist. Die Entscheidung üver die Branntweinsteuer-Vorlage würde demnach erst nach Pfingsten fallen, daneben soll der Reichstag aber auch noch andere Vorlagen erledigen, vor Allem den vielgenannten Nachtrags-Etat, den Entwurf über Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen an der Berliner Universität, die Vorlage über den Ausschluß der Oeffentlichkeit von den Gerichtsverhandlungen. Nicht genug hiermit, werden aber immer neue Vorlagen signalisirt, wie z. B. das neue Militär-Relictengesetz, so daß es den Anschein gewinnt, als sollte die Session bis in den Sommer hinein verlängert werden. Nun, daß die Branntweinsteuer-Vorlage unter allen Umständen erledigt werden muß, darüber ist man sich allseitig klar, dann dürste aber auch die Leistungsfähigkeit und Arbeitsfreudigkeit des Reichstages erschöpft sein und es sich als eine Unmöglichkeit Herausstellen, die Reichsboten auch nur in einigermaßen genügender Zahl zusammenzuhalten. Ueber die Lage der bayerischen Civilliste und die hiermit in Zusammenhang stehende Regentschastsfrage sind in den letzten Tagen abermals sensationelle Gerüchte durch die Preffe gegangen. Die „Voff. Ztg." hatte sich gar aus München schon berichten lassen, daß zwischen dem Prinzen Luitpold und dem Gesammtministerium eine feste Abmachung für die Regentschaft Prinz Luitpolds bestehe und daß letztere in nächster Zeit bevorstehe. Dem gegenüber weist nun die Münchener „Allg. Ztg." daraus hin, daß man es hierbei lediglich mit sensationslüstern neuen Versionen einer gewissen Tagespresse zu thun habe, wodurch die ohnehin schon großen Schwierigkeiten der Lage in wenig patriotischer und tactvoller Weise noch erhöht würden. Schließlich erklärt das Blatt, es sei aus bester Quelle ermächtigt, die coursirenden Meldungen über den Plan einer Regentschaft des Prinzen Luitpold und dessen bevorstehender Ausführung für unwahr zu erklären. Wenngleich sich die Gerüchte von dem Ausbruche abermaliger Ruhestörungen in den Kohlenrevieren als unbegründet herausgestellt haben, so bestätigt es sich doch, daß unter den belgischen Arbeitern wieder eine gewisse Erregung herrscht. Dieselbe ist durch das Verbot der für den 13. d. Mts. in Brüssel projectirt gewesenen großen Arbeiter-Kundgebung hervorgerufen worden und giebt sich in der Organisation zahlreicher Protest-Meetings kund. Der Vorsorge halber beorderte die Regierung mehrere Regimenter nach Charleroi und Umgegend. — Bei den am Sonntag stattgesundenen Stichwahlen zu den belgischen Provinzialräthen ist die klerikale Partei ganz leer ausgegangen, denn es wurden acht Progressisten (Radikale) und zwei Doctrinäre (Gemäßigt-Libe- rale) gewählt. In der französischen Prinzensrage herrscht im republikanischen Lager offenbare Uneinigkeit. Im Ministerrath hat sich eine Minorität entschieden gegen die Ausweisungs-Maßregeln erklärt; in demselben Sinne sprechen sich fortgesetzt eine ganze Reihe gut republikanischer Journale aus und in der Kam- mer'Commission, welche zur Vorberathung des Gesetzentwurses über die Ausweisung der Prinzen eingesetzt worden ist, haben sich von 11 Mitglieder 5 ebenfalls gegen jede Ausweisung erklärt. Da nun die Minister Sarnen und Goblet in den Bureaux der Kammer am Samstag erklärten, daß die Regierung den Entwurf unverzüglich zur Ausführung bringen werde, so kann man unter diesen Umständen den bevorstehenden weiteren Kanimer-Verhandlungen über die Prinzen- Vorlage mit Spannung entgegensehen. Ihre Annahme ist zwar wahrscheinlich, aber noch keineswegs gewiß, die Ablehnung derselben würde jedenfalls das Cabinet Freycinet in eine bedenkliche Lage bringen, da sich letzteres namentlich in Folge des Drängens der Opportunisten in der Prinzensrage stark engagirt hat. Die friedlichen Dispositionen des neuen griechischen Cabinets Trikupis verstärken die Glaubwürdigkeit der Meldungen betreffs der baldigen Aushebung der über Griechenland verhängten Blokade. Indessen dürften sich die Mächte zu diesem Schritte nicht eher entschließen, als bis sie volle Sicherheit darüber gewonnen haben, daß die Demobilisirung der griechischen Streitkräfte auch vollständig durchgesührt werde. Gegenwärtig vollzieht sich dieselbe auf Grund einer directen Vereinbarung zwischen Griechenland und der Pforte, doch wird dieses Arrangement von den Mächten nicht als geeignet erachtet, um ge- I nügende Garantien zu bieten, denn man ist in den Cabineten der Mächte noch immer etwas mißtrauisch gegen Griechenland. In der That ist ja auch die Besorgniß nicht ausgeschlossen, daß etwaige Zwischenfälle das begonnene Friedenswerk, wenn nicht gänzlich zerstören, so doch unliebsam verzögern könnten. Diese Besorgniß wird durch die aus voriger Woche gemeldeten blutigen Znsammenstöße an der griechisch-türkischen Grenze, bei denen es aus beiden Seiten Hunderte von Todten und Verwundeten gab, nur verstärkt; es scheint sich um einen förmlichen Vorpostenkrieg gehandelt zu haben, über den sich der osficiöse Telegraph wohlweislich ausgeschwiegen hat. Auch jetzt liegen über diese Vorgänge noch keinerlei authentische Mittheilungen vor, die Vorpostenkämpfe müssen demnach ziemlich ernster Natur gewesen sein und kann man da nur wünschen, daß sie nicht oen Ausgangspunkt neuer türkisch-griechischer Verwickelungen bilden. Deutschland. Berlin, 1. Juni. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung unverändert den Antrag Kropatschek, betr. die Gleichstellung der Lehrer an nicht staatlichen höheren Lehranstalten mit denjenigen staatlichen Patronats. Der Rachtragsetat und das daraus bezügliche Gesetz wurden in dritter Lesung mit dem Anträge Nadbyl angenommen, welcher die Bestimmung beseitigt, daß zur Unterstützung aus den im Nachtragsetat enthaltenen Positionen für studirende Schüler, bei solchen aus dem Regierungsbezirk Oppeln die deutsche Herkunft erforderlich ist. Die Hessen-Nassauische Gesindeordnung wird unverändert genehmigt. Zum Anträge Dziembowski auf Abänderung des § 27 der Geschäftsordnung wird der Commissions-Antrag genehmigt, es bei der jetzigen Fassung zu belassen. Die Wahlen Rintelen's und van Vlenten's wurden beanstandet. Morgen Petitionen und Antrag Hammerstein. — Die Branntweinsteuer-Commission hat unter Ablehnung der Anträge der Deutschconservativen und Nationalliberalen den Antrag Mosler (Centrum) auf Einführung einer Consumsteuer von 25 per Liter angenommen. Potsdam, 1. Juni. Se. Maj. der Kaiser, welcher in Begleitung Ihrer K. Hoheit der Frau Großherzogin von Baden heute Vormittag 11 Uhr aus der Wildpark-Station eingetroffen war, besichtigte im Beisein Sr. K. K» Hoheit des Kronprinzen, sowie des russischen Botschafters Grasen Schuwaloff, der Militär. Attaches und der Generalität das Lehr-Jnsanterie-Bataillon und begab sich nach Beendigung der Besichtigung, gegen 12 Uhr, nach Babelsberg Irankrerch. Paris, 1. Juni. Im heutigen Ministerrathe wurde gutem Vernehmen nach bezüglich der Vorlage über die Ausweisung der Prinzen ein Einvernehmen dahin erzielt, daß die Ausweisung der Prätendenten der directen Linie auf legislativem Wege erfolgen und der Regierung das Recht zustehen solle, den übrigen Prinzen den Aufenthalt in Frankreich zu gestatten oder zu versagen. Die Regierung solle indessen hinsichtlich dieses Gesetzentwurfes nicht die Initiative ergreifen, sondern denselben annehmen, falls die Commission ihn vorschlage. Griechenland. Athen, 1. Juni. Die Regierung sandte gestern an ihre Vertreter, in London, Berlin, Wien, Petersburg und Rom eine Note, welche die Demobilisirung der griechischen Truppen anzeigt und gegen die Fortdauer der Blokade protestirt, weil dieselbe eine schleunige Abrüstung erschwere und die Fortdauer der Blokade nicht vereinbar sei mit dem Ziele, welches die Mächte im Augenmerk hatten. Türkei. Konstantinopel, 1. Juni. Ein Circular der Pforte vom 30. Mai beklagt die Langsamkeit und Unregelmäßigkeit der griechischen ^Abrüstungen. Telegraphische Depesche«. wolff'S uw» «orrespondenr> Brwiarr. Berlin, 1. Juni. Der „Reichs - Anzeiger" meldet: Der Kaiser verlieh der Neu-Guinea-Compagnie auf Grund des eingereichten Statuts die Rechte einer juri- stischen^er^n. 2tI)äni)erunß Lotterieplanes verlautet, die Zahl der Loose solle von 95,000 auf 190,000 erhöht werden, der höchste Gewinn vierter Klasse X 600,000 betragen, außerdem zwei Gewinne je X 300,000, zwei je X 150,000, zwei je X 100,000. Die Hauptgewinne dritter Klasse sollen je X 60,000, 45,000, 30,000, zweiter Klasse X 45,000, 30,000, 15,000 und erster Klasse je X 30,000, 15,000. 10,000 betragen. Die übrigen Gewinne sollen entsprechend erhöht werden. Außerdem soll beabsichtigt sein, auch Achtellose auszugeben. Bern, 1. Juni. Der Bundesrath beantragte bei der Bundesversammlung eine Revision der Bundes-Verfassung dahin, daß die Gesetzgebung über den Schutz der industriellen und landmirthschaftlichen Erfindungen, sowie der Muster und Modelle dem Bunde übertragen werde. , . , .. , , Paris, 1. Juni. Der Mimsterrath einigte sich heute Vormittag über die heute vor der Commission für die Prinzenvorlage abzugebenden Erklärungen. London, 1. Juni. Das Unterhaus hat nach gi/rstündiger Debatte die weitere Berathung der irischen Verwaltungsbill auf heute vertagt — ,Daily News" schreibt: Falls nicht ein plötzlicher und unerwarteter Wechsel eintritt, wird die Home-Rule-Bill nicht zum zweiten Male gelesen. Gegen 45 Anhänger Chamberlain's beschlossen, gegen die Bill zu stimmen und da keine Aussicht auf einen Gesinnungswechsel der Anhänger Lord Hartinaton's vorhanden ist, dürste die Bill schwerlich gerettet werden. Das Unterhaus wird wahrscheinlich gegen Gladstone entscheiden und Gladstone wird an das Land appelliren. London, 1. Juni. Unterhaus. Chamberlain setzt die Debatte über die irische Verwaltungsbill fort und erklärt, er hätte für die abstrakte Resolution zu Gunsten des Home-Rule gestimmt, müsse aber gegen die zweite Lesung der Bill stimmen, weil nach der Erklärung Gladstone's das Haus sich sonst verpflichte, für eine zukünftige ähnliche Bill zu stimmen. Vor Allem müßte die Suprematie, die Autorität der Reichseinheit gewährt bleiben. Die Auflösung des Parlaments habe keine Schrecken für ihn, er glaube, die unionistische Majorität werde aus den Neuwahlen gestärkt hervorgehen. — In dem heutigen Meeting der Anhänger Lord Hartington's beschlossen 58 Don 60 anwesenden Deputaten, gegen die zweite Lesung der Home-Rule-Bill zu stimmen, etwa 20 dieser Deputaten hat auch an der gestrigen Versammlung der Anhänger Chamberlain's theilgenommen. - Das Oberhaus nahm zunächst die zweite, dann die dritte Lesung und dann endgiltig die irische Wasfengesetz-Bill an und die dritte Lesung der schottischen Kleinbauern-Bill. „ __ London, 1. Juni. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Melbourne vom 31. v. M. gemeldet: „Rach den letzten Nachrichten aus Samoa vom 22. Mai hat ein deutsches Kriegsschiff Apia verlassen und sich nach dem von dem Könige Tamesese occupirten Gebiete begeben. Tamesese wird von Deutschland gegen den König Malietoa unterstützt. Der englische und der amerikanische Consul in Apia haben gegen die Mißachtung der Autorität Malietoa's in Folge des Einflusses Deutschlands formell Protest erhoben. Als Antwort auf das Ersuchen Malietoa's um Schutz hat der amerikanische Consul die Flagge von Samoa unter der der Vereinigten Staaten gehisst und an den Präsidenten Cleveland wegen des Protektorats telegraphirt." Die Nachricht ist bisher anderweitig nicht bestätigt und dürfte noch in manchen Punkten einer Richtigstellung bedürfen, zumal dergleichen internationale Fragen nicht durch eigenmächtiges Vorgehen eines consularischen Beamten, sondern durch das Ein- verständniß der Regierungen entschieden werden. , Madrid, 1. Juni. Der hiesige Präfekt Liquena hat sich gestern durch Selbstentladung eines Pistols, welches ihm beim Ausziehen des Ueberziehers entfiel, schwer im Unterleibe verwundet. Sofia, L Juni. Nach den nunmehr vollständig vorliegenden Resultaten ergaben die Wahlen in Ostrumelien von 89 Deputirten 10 Gegner der Regierung, 20 von unbestimmter Parteistellung und die übrigen als Anhänger der Regierung. Die Kammer tritt demnächst zusammen. Rom, 1. Juni. Cholera-Bericht. Vom 31. Mai bis 1. Ium, Mittags, kamen in Venedig 32 Erkrankungen und 12 Todesfälle vor, in Bari 1 Erkrankung und in Brindisi 3 Erkrankungen und 1 Todesfall. Lokale-. Gießen, 2. Juni. Wenn wir in gestriger Nummer die Mahnung brachten: „Versichert euch gegen Hagelschaden", so hatten wir doch wahrlich keine Ahnung, daß unsere Mahnung in so kurzer Zeit eine so fürchterliche Illustration erhielt, wie eine solche das gestrige Hagelwetter unserer Stadt und Umgebung brachte. Gegen 4 Uhr Nachmittags zog ein Unwetter über Flur und Stadt, welches in seinen Verheerungen fast nicht grauenhafter zu denken ist. Ein Hagel prasselte, nicht minuten- sondern fast 2 Stunden lang hernieder, alles zermalmend, was grünte und blühte, nicht zu gedenken der unzähligen Fenster- und Erkerscheiben und des Schadens, welchen die Dächer der Häuser erlitten. Von der Größe der Hagelkörner, welche bei dem zweiten und dritten Gewitter wie ein Peletonfeuer heruntersausten, mag man sich einen Begriff machen, wenn wir berichten, daß dieselben Löcher in den Boden schlugen, in welchen ein großes Hühnerei bequem Platz finden konnte. Trostlos und aller Hoffnung auf eine gesegnete Ernte bar, steht der Landmann bei seinen Aeckern, welche aussehen, als habe man die blühende Frucht und Kartoffeln in die Erde gehackt und eingewalzt. An den Bäumen sind Frucht und Laub, sowie die Spitzen der Zweige wie abrasirt. Wie viele arme Vögelchen dem Unwetter zum Opfer fielen, wer kann sie zählen? Die Gärtnereien und photographischen Ateliers, wie sehen sie aus! Keine Scheibe mehr ganz und meterhoch unter Wasser stehend, standen die Besitzer ohnmächtig der furchtbaren Elementargewalt gegenüber. Wir lassen in folgender Nummer eine Zusammenstellung von Verheerungen folgen und bitten unsere Leser auf dem Lande, namentlich die Herren Geistlichen und Lehrer, uns eine kurze Nachricht über die Verheerungen des gestrigen Hagelwetters zukommen zu lassen. — Bei dem gestrigen Hagelwetter sind beispielsweise im botanischen Garten allein ca. 2000 Fensterscheiben zertrümmert worden. — Die vier jungen Störche auf dem Heidenthurm wurden von dem Hagel erschlagen. — Heute Nacht gegen 1 Uhr zog wiederum über unsere Stadt ein heftiges Gewitter, begleitet von einer furchtbaren Regenmenge. In Heuchelheim traf ein Blitzstrahl einen Posthilfsarbeiter und lähmte denselben. vermischtes. Wies eck, 2. Juni. Während des gestern Nachmittag tobenden Wetters entstand dahier auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer in einer Hofraithe. Da Hilfe rasch zur Hand war, wurde dasselbe bald gelöscht und sind nur die Betten angebrannt. Garbenteich, 2. Juni. Heute Nacht entlud sich über unserDorf ein schweres Gewitter. Um 1 Uhr schlug der Blitz in unsere Kirche, wo er ziemlich erheblichen Schaden anrichtete, jedoch glücklicherweise ohne zu entzünden.' Neu-Ulrichstein, 1. Juni. sMonats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro Mai 1886.] Ultimo Mai waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 31. Hiervon waren: Landw. Arbeiter 7, Bäcker 2, Beamte (Schreiber) 3, Bergleute 1, Former (Eisengießer) 1, Gärtner 1, Kaufleute (Commis) 1, Maler (Anstreicher) 1, Maurer 1, Messerschmiede 1, Schneider 2, Schuhmacher 3, Weber 1, Zimmerleute 1, Buchdrucker 1, Strumpfwirker 1, Scherenschleifer 1, Schüler 1, Oeconom 1. Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 9, Nassau 4, Bayern 1, Württemberg 1, Sachsen 2, Thüringen 2. Von Preußen auf die Provinzen Hannover 2, Hessen (Cassel) 6, Posen 1, Schlesien 4, Rheinprovinz 1, Russisch- Polen 1. Entlassen wurden im Laufe des Monats Mai 33. Davon gingen auf eigenen Wunsch 19, durch die Colonie in Stellung 6, durch eigenes Bemühen re. 1, durch Entlassung 5, weil nicht der Arbeit entsprochen 1. Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 304 Colonisten. Ober-Mörlen, 29. Mai. Um sich eine Vorstellung von der Massenhaftigkeit des am Sonntag über Ober-Mörlen niedergegangenen Hagels machen zu können, sei nachgetragen, daß noch Dienstag Abend an der sog. Rutsche der Ziegenberger Chaussee ein circa 2 Meter breiter, 6 Meter langer und iy2 Meter hoher Haufen von 1 bis 5 Cmtr. Durchmesser haltender Schloßen zu sehen war. Lahr, 29. Mai. Der Verwaltungsrath des Reichswaisenhauses hat durch Vermittlung des Großh. Bezirksamtes einen Erlaß des Großh. Ministeriums des Innern erhalten, demzufolge der Großherzog mit allerhöchster Staatsministerial-Entschließung dem Verein zur Gründung und Erhaltung eines Neichswaisenhauses in Lahr auf Grund der vorgelegten Statuten Körperschaftsrechte unter Nachlaß der Taxe und Sporteln verliehen hat. « Freiburg i. 93., 30. Mai. In Anwesenheit einer ungeheuren Menge Leidtragender fand heute das Leichenbegängniß des so plötzlich verstorbenen Professors Dr. Michelis statt. Auch von auswärts und zwar aus allen Theilen Badens, sowie aus der benachbarten Schweiz, waren Viele hierhergekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Außer den beiden Bischöfen Reinkens und Herzog waren eine größere Anzahl altkatholischer Priester hier anwesend. Die Einsegnung vollzog Pfarrer Dr. Watterich aus Baden-Baden. Am Grabe sang der Kstchenchor der hiesigen altkatholischen Gemeinde. — (Reichsgericht.] Der Versuch, einen Wohnungsinhaber durch Entfernung von Thüren oder Fenstern aus dessen Wohnung zum Verlassen derselben widerrechtlich zu zwingen, ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 3. Strafsenats, vorn 18. März d. I., als Nöthigungsversuch aus §§ 240, 44 des Strafgesetzbuchs zu bestrafen, auch wenn der Inhaber keinen Widerstand geleistet hat. — Das kürzlich in Braunschweig verstorbene Fräulein Henneberg (Schwester des bekannten Malers, dessen „Jagd nach dem Glück" im Besitze der Berliner National- gaÖerie ist) hat der Stadt Braunschweig 100,000 JL und ein werthvolles Grundstück zur Errichtung eines Waisenhauses für arme Mädchen vermacht. Die Berliner Nationalgallerie erhält aus dem Nachlasse der Verstorbenen ein Gemälde von Passini. — Eine köstliche Anekdote aus dem Jenenser Studentenleben wird dem „B.T.", als buchstäblich wahr, mitgetheilt: Zu Anfang des ersten Semesters 1864 kamen auf einer ziemlich ausgedehnten „Spritzfahrt" vier Marburger Cartellbrüder der „Thuringia" nach Jena und hielten sich nur kurze Zeit auf „F. P.“ (Fremden-Punip) auf. Es kam dabei gleich am ersten Tage zur Sprache, daß sie Geld gebrauchten und daß sie einen Philister „anpumpen" wollten und — wie S., jetzt Arzt in Hamburg, sagte — wenn es der Großherzog selbst wäre." lieber diese tolle Idee flogen die Worte hin und her; S. schlug eine Wette vor, daß er selbst den Pump beim Großherzog, als dem Rector der Universität Jena, „riskiren" wolle, und — die Wette wurde angenommen. Am andern Tage fuhr man nach Weimar, S. erhielt mit seinen drei Corpsbrüdern die nachgesuchte Audiem sofort und trug sein Anliegen dem Großherzog, den er mit „Ew. Magnifizenz" anredete, vor. Sie wüßten nicht, wohin sie sich wenden sollten, rechneten auf die bekannte Güte „des Herrn Rectors" und versprächen auf Ehrenwort, die Schuld mit 25 Thaler binnen acht Tagen zurückzuzahlen. Dieses unverfrorene Verlangen mußte den Großherzog weidlich amüfiren, er lachte viel, ließ sich in ein längeres Gespräch mit den Studenten ein und wies den anwesenden Kammer- Herrn an, ihnen in seinem Namen gegen Ehrenschein 25 Thaler auszuzahlen. S. stellte den Schein aus, erhielt das Geld und hatte seine Wette gewonnen. Die 25 Thaler mitsammt Ehrenschein erhielt S. aber, nachdem er sein Wort glücklich eingelöst, zurück und zugleich ein Schreiben, in dem „der Herr Rector" S. nur bitten ließ, auf sein Wohl zu trinken und — „die Quelle nicht zu verrathen, da er sonst wohl häufiger, als ihm lieb sein würde, „angepumpt" werden könnte." — (Eine gute Mutter.] Mutter: „Wenn Du erst größer bist, wirst Du auch einsehen, was für eine gute Mutter Du hast!" — Karlchen: „O, wenn Du eine gute Mutter wärst, hättest Tu schon längst einen Zuckerbäcker geheirathet. — (Beruhigung.] Lieutenant zu seinem Burschen: „Kerl, was fällt Dir denn ein, mit dem Taschentuch meinen Trinkbecher zu putzen?" — Bursche: „Entschuldigen Sie, Herr Leutenant, 's ist ja das meinige." — Beim bayerischen 1. schweren Reiter-Regiment werden zur Probe Korbsäbel, ähnlich den preußischen Dragoner-Säbeln, von 42 Mann per Eskadron (Unterofficieren und Mannschaften) getragen. Das Lederzeug ist unter dem Rock. Die Säbel sollen, wenn sie sich bewähren, an Stelle der Pallasche zur Einführung kommen. GchiffSnachrichten. Bremen, 1. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Aller, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Mai von Bremen und am 24. Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten ist Newyork angekommen. 12 Medaillen und Diplome, loefl u n d 5 L™ äoßieö Firma Ed. Loeflund in Stuttgart bewährtes diätetisches Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Catarrh, Asthma, Brust- und Halsleiden, auch für Kinder vielfach ärztlich empfohlen. In Vi und 4/g Flaschen. Loeflundts Malz - Extract - Bonbons die beliebten., sehr wirksamen Hustenbonbons zu 20 und 40 Pfg. per Packet. In allen Apotheken in Originalpackung zu haben. 13 Frankfurter Stadttheater. Der berühmte Komiker Herr Felix Schweighofer aus Wien trifft in diesen Tagen in Frankfurt zu einem kurzen Gastspiele im Schauspielhause ein. Der Künstler tritt schon diesen Donnerstag, den 3. Juni, in einer seiner glänzendsten Partien, dem Null-Annerl, in dem Volksstück ,,s' Nullerl" auf, wiederholt diese Partie am Freitag den 4. und spielt bereits Samstag den 5. in einer neuen Posse „Ein edler Lump". Temperatur der Lahn. Am 2. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16°, Luft 20° R. im Schatten. L. Chr. Rübs am en. Allgemeiner Anzeiger. 3785 ausgeführt. Carl Geismar, Uhrmacher, Kreuzplatz L, empfiehlt sich im Repariren uon Taschen-Uhren, Regulators, Pendules, Weckern etc. und werden Reparaturen gut und billig Plakat-Fahrplan aller auf Station Gießen ankommenden nud abgehenden Züge für den '3KE' Sommerdienst 1886 ist in der Expedition dieses Blattes, sowie durch die Zeitungsträger zum Preise von 20 Pf. zu haben. von VI. 4212 Gräflich Solms Laubach'sche Rentkammer. darunter Hauptgewinne im Wcrthe von u. to.» u. s. w. Eine Partie Spitzen enorm billig, 3846 Robert Haas, Seltersweg 18. empfiehlt Dritter Hauptgewinn 30000 M. W. 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Juni d. 3„ von Morgens 9 Uhr, bei Gastwirth Reitz zu Flensungen, I]l1- »n der Gemarkung Wetterfeid an demselben Tage Nachmittags 5 Uhr auf ca. 15 Morgen bei Gastwirth Kühn zu Wetterfeld, Zchattew j«. im Nübsavl^ 896 T* je p. ** 1886, in dwi- SfCfasocn. 15000§ermacht. _ Die Bereu ein Gemälde von 'M wird dem „B.T." lers 1864 kamen auf mderder- „Thuringia" oenchump) auf. Es auchten und daß sie 1 Hamburg, sagte - ßogm die Worte hin eim Grobherzog, als le Wette wurde ange- nit seinen drei Corps- 'em Großherzog, den vohin sie sich wenden und versprachen auf azahlen. Dieses un- r lachte viel, ließ sich anwesenden Kammer- uszuzahlen. S. stellte en. Tie 25 Thaler Äich eingeköst, zurüik bitten lieb, auf iein onft moty häufiger, bist, wirst Du auch „O, wenn Du eine machet. was iällt Dir denn rsche: „Entschuldigen zur Probe Korbsäbel, idron (linteroificicren ■ Die Säbel sollen, kommen. lund in Stuttgart nntteTgegenHasteo, A*». iß Orifinaip8^ »den. jr*. 3 zKu iU. 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