Nr. S2 Mittwoch bin 3 März 1886 jü '»■■» -4 il'l' iV S 11' WM W D M jW M W '■W WWW R Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ®wrt*Ht Schulstraße 7. Erscheint ILglich mit Abnahme de» Montag-. tret- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringeckchA, >urch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politische ttebersicht. Gießen, 2. März. Der Kaiser hat sich in letzter Zeit neben der regelmäßigen Erledigung der laufenden Negierungsgeschäste in hervorragender Weise den Repräsentations- Pflichten seines hohen Amtes gewidmet, indem er nicht nur zahlreiche Besuche hochgestellter Persönlichkeiten empfing, sondern auch saft jeden Tag eine Reihe von Audienzen ertheilte. Außerdem wohnte der Kaiser allen bis jetzt am Berliner Hofe stattgefundenen Winterfestlichketten bei, von denen er sich gewöhnlich erst kurz vor Mitternacht zurückzog. Trotz allen der hiermit verbundenen Anstrengungen läßt aber das Befinden des greifen Monarchen nicht das Geringste zu wünschen übrig; auch die jüngste, am Donnerstag im königlichen Schlosse fiattgesundene Ballfestlichkeit ist dem Kaiser ganz ausgezeichnet bekommen. Die große fünftägige Redeschlacht über die Polen-Vorlagen im preußischen Abgeordnetenhause ist am vorigen Freitag endlich zum Abschluß gebracht worden. Das äußerliche Resultat dieser langatmigen Verhandlungen besteht tn Der Überweisung der sämmtlichen Regierungs-Entwürfe, betr. Den Schutz der deutschen Interessen in den östlichen Provinzen, an besondere Commissionen und handelte es sich im Ganzsn um fünf solcher Entwürfe: Die sog. Colonisations-Vorlage, die Entwürfe über die Anstellung und das Dienstverhältniß der Lehrkräfte an den Volksschulen Posens, Westpreußens und des Regierungsbezirkes Oppeln, sowie über die Bestrafung der Schulversäumnisse in den genannten Landestheilen, die Vorlage über die Anstellung der Jmpfärzte für die Provinz Posen und die Vorlage, betr. die Errichtung und Unterhaltung von Fortbildungsschulen in den Ostprovinzen. Ein noch in zwölfter Stunde eingegangener weiterer Gesetzentwurf, welcher von den Schul-Dotationen für Posen und Westpreußen handelt, ist einstweilen von der Tagesordnung wieder abgesetzt worden. — Der allgemeine Eindruck dieser „polnischen Woche" im Abgeordnetenhause läßt sich nach wie vor dahin zusammenfassen, daß die aus dem Centrum, den Deutsch-Freisinnigen und natürlich den Polen bestehende Opposition die Vorlagen ganz entschieden zurückweist, während anderseits die konservativen und Rationalliberalen sich bereit erklären, die Regierung bei der Durchführung der zum Schutze des Deutschthums vorgeschlagenen Maßregeln zu unterstützen, vorausgesetzt, daß sie in den Commisstons'Berathungen die noth- wendigen Abänderungen und Verbesserungen erfaßen. Derselbe scharfe Widerspruch, welcher sich schon in den früheren Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über die Polenfrage in den bezüglichen Anschauungen der Opposition und der regierungsfreundlichen Parteien funogab, ist auch in den jetzigen Debatten in ganz unverminderter Stärke wieder hervorgetreten. Centrum und Deutsch-Freisinnige blieben daraus bestehen, daß es mit der Polonisirungsgefahr in den preußischen Ostprooinzen überhaupt nicht so schlimm sei und daß im Weiteren die Regierung zur Bekämpfung dieser Gefahr ganz falsche Wege einschlage, da bie in den Polen-Vorlagen vorgeschlagenen Maßregeln in jeder Beziehung tadelnswert seien. Im preußischen Herrenhause hat am Samstage ebenfalls eine Polen-Verhandlung stattgefunden. Anlaß hierzu gab ein von confervativ liberaler Seite durch die Herrenhaus-Mitglieder Dr. Dernburg und v. Kleist-Retzow ein* gebrachter Antrag, der gleich dem Achenbach'schen Anträge im Lbgeordnetenhause die Billigung der Maßregeln gegen den Polonismus in den östlichen Provinzen aussprichl. Hierzu lag von polnischer Seite ein auf Uebergang zur Tagesordnung lautender Gegen-Antrag vor; die Debatte endete mit der Annahme des Dernburg'fchen Antrages. Des Wetteren ist aus dem Herrenhause die nicht uninteressante Neuigkeit zu verzeichnen, daß sich die bisherige conservative grab tion desselben in eine „Fraktion Stahl" und in eine „conservative Fraktion" gespalten hat; also zur Abwechselung einmal eine kleine Secession nach rechts. Endlich ist zu der Meldung von der erfolgten Constituirung her Herrenhaus- Eommission behufs Vorberathung des Kirchengesetzes noch die Mittheilung hinzu* zusügen, daß man von den Arbeiten Der Commission eine derartige Umarbeitung oer Vorlage erwartet, daß der Vatikan auch seine letzten Bedenken dagegen fallen lassen kann. Aus Herrenhauskreisen verlautet daher auch, daß in naher Äeit eine Verständigung zwischen der preußischen Regierung und der Kurie und damit ein Abschluß des kirchenpolitischen Kampfes zu erwarten sei. Bischof Dr. Kopp von Fulda, das neue Herrenhaus-Mitglied, habe es übernommen, dem vollständigen Ausgleiche die Wege zu ebnen und in dieser Richtung in Berlin zu verhandeln begonnen. Im Reichstage beginnt im Lause dieser Woche — voraussichtlich am Donnerstag — die erste Lesung des Branntwein - Monopol - Ent- wurses und hiermit wird sich ihm das allgemeine Interesse wieder in erhöhterem Maße zuwenden, als dies in jüngster Zeit der Fall war. Speciell in vergangener Woche (aborirte der Reichstag bedenklich an Beschlußunsähigkeit und wenn es jedesmal zur Auszählung gekommen wäre, so hätten aus dem angedeuteten Gründe Die Sitzungen wohl an jedem Tage abgebrochen werden müssen. Theils die gleichzeitigen anziehenden Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause, theils der Umstand, daß die Tagesordnungen wiederholt mit „Lückenbüßern" ausgesüllt werden mußten, erklärte die durchaus schwache Frequenz des Reichstages zur Genüge. Im Uebrigen genehmigte derselbe in voriger Woche Definitiv die Nordostsee-Kanal-Vorlage und den Gesetzentwurf über die Bürgschaft des Reiches für die Zinsen der egyptischen Anleihe und erledigte ferner in zweiter Lesung den vom Abg. Reichensperger eingebrachten Gesetzentwurf über Abänderungen und Ergänzungen de» Gerichtsverfassungs-Gesetzes. Dagegen ist die 1 Regierungs-Vorlage über das Viehseuchengesetz, resp. die Novelle hierzu nebst den hierzu aus dem Hause gestellten Anträgen in zweiter Lesung abgelebt worden. Am Samstag ist eine mehrtägige Vertagung des Reichstage» eingetreten. Die bayerische Abgeordnetenkammer erledigte cm Freitag ben gejammten Justizetat nach den Ausschuß-Anträgen. Der preußische Antrag auf Abänderung von § 22 des Reichspreßgesetzes (sechsmonatliche Verjährungsfrist ki Preßvergehen) erfuhr von mehreren Seiten eine scharfe Verurtheilung und vurde hierbei die Erwartung ausgesprochen, daß Bayern Diesem Anträge nicht Minimen werde. Ferner erblickte Abg. Geiger in dem vom preußischen Regie- mngs-Commissar im Reichstage gemachten Vorschläge, dem Kaiser zur Enlschä- digung unschuldig Verurtheilter einen Dispositionsfonds zur Verfügung zu stellen, einen Angriff auf die Justizhoheit der Einzelstaaten. Der Justizminister gab nach beiden Richtungen hin nur ausweichende Erklärungen ab. In Den Bukarester Regierungskreifen herrscht eine seltsame Animosität gegen die deutsche Industrie. Die rumänische Regierung plant die Befestigung Bukarests durch Panzerthürme und hatte solche in Deutschland wie ii Frankreich bestellt. Die deutschen Panzerthürme widerstanden nun bei der Probe-Beschießung in glänzendster Weise selbst den schwersten Geschossen, während die französischen Panzer vollständig durchschossen wurden. Trotzdem hat sich die von der rumänischen Regierung eingesetzte militärische Commission für ben französischen Befestigungsthurm entschieden. Der Bukarester Correspondene der „Köln. Ztg." führt diesen kaum glaublichen Beschluß auf die besonders in den militärildjen Kreisen Rumäniens noch tief wurzelnde Neigung für alle» Franzofenthum zurück. Die über den bevorstehenden Rücktritt des österreichischen Handelsministers, Barons Pino, verbreiteten Gerüchte scheinen in der That unbegründet zu fein. Wenigstens wissen die Prager Czechenorgane zu melden, daß Graf Taaffe zur Angabe feiner bekannten Erklärung im Abgeordnetenhaufe, durch welche Baron Pino gegenüber den Angriffen der Linken gleichsam in Schutz genommen wurde, von allerhöchster Seite eigens ermächtigt worden sei. Hiernach zu urtheilen, hat der für Baron Pino so compromilhrenbe Verlauf dec Verhanvlungen über die Verstaatlichung Der Dux - Bodenbacher und Prag- Duxer Eisenbahn seine Stellung nicht zu erschüttern vermocht. — In der Mehrzahl der österreichischen Blätter wurden Artikel anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Februar-Verfassung (26. Februar) veröffentlicht. Am Abend de» 26. Februar fand im Wiener Bürgerverein eine große Verfaffungsfeier statt. Aus Petersburg meldet man die Abreise des Secretärs beim auswärtigen Amte, Baggavout, nach Rom, wo Baggavout beim Papste sich einer Specialmission zu erledigen hat. Wahrscheinlich wird es sich hierbei um beruht- genbe Versicherungen der russischen Regierung bezüglich ihres Vorgehens gegen mehrere Dominikaner-Klöster in Russisch-Polen handeln, welche Affaire im Vatikan dem Anscheine nach viel böses Blut gemacht hat. Jeden Tag erwartet man aus Bukarest die frohe Kunde vom Abschlüsse des FriedensvertrageS zwischen Serbien und Bulgarien. Letzterer soll nach den neuesten hierüber vorliegenden Nachrichten nur einen einzigen Artikel enthalten, welcher aber vorläufig noch eine doppelte Fassung, eine serbische und türkische, Hal. Serbien verlangt die Wiederherstellung des Zustandes, wie er zwischen Serbien und Bulgarien vor dem 14. November 1885 herrschte, die Türkei Dagegen schlägt einfach vor, die Wiederherstellung Der friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten auszusprechen. Die serbische Regierung hat zwar erklärt, den Friedensartikel in der türkischen Fassung nicht annehmen zu können, doch dürste dies blos noch eine Formsache sein, Da» Fliedenswerk selbst hält man allseitig für gesichert. Rumänien. Bukarest, 1. März. Eine Sitzung der Delegirten für die Friedens- Verhandlungen fand heute nicht statt. Wie es heißt, würde eine neue Fassung des Friedensvertrags erwogen, welche betreffs der Wiederaufnahme der gegenseitigen Beziehungen weniger unbestimmt als die serbische Fassung und weniger präciS als die türkische Fassung lauten würde. Rußland. Petersburg, 1. März. Nach einer Meldung aus Merw vom 28. v. Mts. haben die Russen ihren feierlichen Einzug in PenSdeh gehalten und daselbst russische Verwaltung eingesetzt. Die Bevölkerung eines von Saryken bewohnten und Afghanistan zugetheilten Auls ist auf russisches Gebiet über# gesiedelt. __ Telegraphische Depeschen. Wolff'* telegr. «orrespondem - Bureau. Berlin, 1. März. Der „ReichSanzeiger" meldet: Der Kaiser ist durch die erlittene Contusion, welche übrigens in günstiger Weise verläuft, noch zu fernerem ruhigen Verhalten genöthigt. Die Geschäfte und Vorträge beim Kaiser nehmen ihren uilö^^tten^Fortgang^är^. Abgeordnetenhaus. Der Abg. Meyer (Arnswalde) ent schuldigt sich wegen einer ungerügt gebliebenen Bemerkung in seiner Rede vom Freitag, daß er der Commission bezüglich der Polenvorlagen zugerufen habe, sie solle warten, bis ihr das ganze Elend vorliege. Diese Bemerkung streife hart an den Ordnungsruf und sei nicht verträglich mit dem Nespect vor den vom König genehmigten Vorlagen» Redner hofft, diese Aeußcrung werde ihm von seinem Debet abgerechnet werden. (Lek- Hafter Beifall.) Das Haus erledigte hierauf kleinere auf der Tagesordnung stehende Gegenstände in dritter resp. erster und zweiter Lesung unverändert. Morgen Petitionen und Wahlprüfungen. — In die Commission für die Polenvorlage über die Colonisation wurden gewählt: Holtz, Erster, Colmar, Wolff, Behtz, Nauchhaupt, Tiedemann, Wehr, Jäckel, Seer, Hagens, Enneccerus, Weber, Huene, Hartmann, Sperlich, Szumla, Kantak, Chlapowski, Dirichlet und Simon. — Die Commission für die Polenoorlage über das Dienstverhältniß der Volksschullehrer besteht aus: Schwerin-Putzar, Sack, Steinmann, Limburg-Stirum, Oertzen, Haugwitz, Zedliß, Bitter, Wessel, Kennemann, Wehr, Vygen, Hobrecht, Francke, Porsch, Spahn, Zaruba, Stablewski, Rozanski, Meyer (Breslau), Seyffarth. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: Die serbische Regierung weigere sich noch, den türkischen Gcgencntwurf für den serbisch-bulgarischen Friedensvertrag, der im Uebrigen das Nämliche wie der serbische Entwurf besage, anzunehmen, weil in demselben auch von der Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien die Rede sei. Darnach dürfte man schließen, daß in Belgrad noch immer ein hoher Grad von Erbitterung gegen Bulgarien herrscht, der auch nach dortiger Anschauung die Wiederherstellung des äußerlichen Friedens noch kein Ende machen soll. Berlin, 1. März. Admiral Knorr ist mit dem Kreuzergeschwader am 28. Februar in Sidney eingetroffen. Dresden, 1. März. Die erste Kammer hat den Ankauf der Gaschwitz-Meusel- witzer Bahn nach den Beschlüssen der zweiten Kammer genehmigt. Bremen, 1. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Eider" ist am 27. Februar, Abends 11 Uhr, in Newyork eingetroffen. — Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Donau" ist gestern Nacht 1 Uhr in Newyork eingetroffen. Pesth, 1. März. In dem Dachboden des Redoutengebäudcs brach in vergangener stacht Feuer aus. Die die Nedoutensäle füllende große Menschenmenge verließ das Gebäude indeß in größter Ordnung, so daß keinerlei Unfall zu beklagen ist. Paris, 1. März. Nachrichten aus Decazeville zufolge ist die Lage daselbst unverändert. Die Grubengesellschaft beabsichtigt, die Arbeiten einzustellen, wenn dii Arbeiter auf ihren Forderungen beharren. Lsndon, 1. März. Nach einer Meldung aus Holyhead ist der der Dominion Linie gehörige Dampfer „Missouri", in Fahrt von Boston nach Liverpool, während eines Schneesturmes an Felsen nahe bei Holyhead gescheitert. Ein Rettungsboot ist abgegangen, um Hilfe zu bringen. — Der bei Holyhead gescheiterte Dampfer „Missouri" gehört nicht der Domi- nion-Linie, sondern der Warren-Linie an. Manchester, 1. März. Gestern Vormittag fand eine socialistische Kundgebunz statt, welche ruhig verlief. Am Nachmittag rottete sich aber eine zahlreiche Menge Arbeitsloser und Gesindels zusammen, welche Fenster einwarf und andere Ausschreitungen verübte. Die Polizei stellte schließlich die Ruhe wieder her und nahrr Verhaftungen vor. Malta, 1. März. Der Herzog von Edinburg ist an Bord des Transportschiffes „Tamar" aus Portsmouth hier eingetroffen und wird sich morgen nach der Suda-Bai begeben. Lokales. Gießen, 2. März. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag -en 4. März 1886, Nachmittags 4 Uhr. 1. Stellung der Rechnung vom Jahre 1884/85. 2. Aufstellung des Voranschlags für das Jahr 1886/87. 3. Voranschlag über die sachlichen Bedürfnisse der 'höheren und erweiterten Mädchenschule für das Jahr 1886/87. j 4. Desgleichen der städtischen Volksschulen. 5. Vergebung der Krug'schen und Lony'schen Stiftungszinsen. 6. Die Aufnahme eines neuen Anlehens. 7. Wasserleitung nach den Casernenbauten. 8. Aufstellung eines Brunnens in der Nordanlage. ll. Antrag auf Uebernahme der Straßenreinigung durch die Stadt. 10. Ausbau der Ostanlage. 11. Ausbau der Bleichstraße. 12. Feststellung der Baufluchtlinien in der Marktstraße. 13. Desgleichen in der Sonnenstraße. 14. Desgleichen in der großen Mühlgasse. 15. Gesuch des Redacteurs Eugen Laris um Bauerlaubniß. 16. Gesuch des Schuhmachermeistcrs Ernst Möser um Erlaubniß zum Abhub eines städtischen Rains. 17. Gesuch wegen Fortsetzung der Pflasterung des Trottoirs auf der Marburgerstraße. 18. Gesuch wegen Fortsetzung der Gasbeleuchtung nach dem Wieseckerweg. 19. Pflasterung des Kanzleibergs und des Brands. 20. Wiesenanlagen im Heegstrauch. 21. Den Fluthgraben in der Flügelsgasse betr. 22. Den Mittelweg hinter der Hollergasse betr. 23. Gesuch des Eduard Pöschel um Erlaubniß zur Erbauung einer Wirth- schaftshalle. Gießen, 2. März. Mit Fug und Recht kanndas Winterfest des hiesigen Turnvereins dem Schönsten und Gemüthlichsten, was uns die Saison an Vergnügungen bis jetzt geboten, zur Seite gestellt werden. Das Programm zeichnete sich ebenso sehr durch seine Mannigfaltigkeit als durch seine Gediegenheit aus. Die Ausführung der einzelnen Nummern war bewährten Händen anvertraut und erzielte demgemäß auch den allseitigen Beifall der zahlreichen Anwesenden. Aus der Fülle des Gebotenen heben wir die Liedervorträge, die lebenden Bilder und den großen Reigen hervor. Herr Theodor Haubach trug das Lied: „Der letzte Gruß" (von Hermann Levi) mit gewohnter Meisterschaft vor, Herr Trapp sang daS Couplet: „'s ist unter Kameraden ganz egal", welchem dieser Herr einige recht heitere Lokaloerse zugegeben hatte. Auch das von diesen beiden Herren gesungene Duett: „Lorbeer und Rose" erntete verdienten Beifall. Die lebenden Bilder einzeln zu beschreiben, fehlt uns der Raum; der Leser kann auch nicht den angenehmen Eindruck empfangen, welchen sie auf den Zuschauer machten. Der Arrangeur derselben hatte darauf verzichtet, durch die Masse der Personen eine Wirkung zu erzielen; dafür aber hat er dadurch, daß jedes Genrebild bis in's Detail fein ausgearbeitet war, den Beweis erbracht, daß man auch mit wenigen Personen schöne Bilder stellen kann. Die Schlußnummer des ersten Theiles des Programms bildete der vom ersten Turnwart des Vereins, Herrn Stoff er, mit 20 Damen und 20 Turnern aufgeführte große Turnerreigen, der einen so rauschenden Beifall fand, daß er in der Pause der folgenden Tanzunterhaltung wiederholt werden mußte. Besonders effektvoll war die echt turnerisch gehaltene Schlußstellung. Einige auch recht gelungene komische Intermezzos (Parodie des Schiller'schen „Handschuh", Schatten- und Nebelbilder, das Scheffel'sche „Lob der Turnkunst" mit drastischen Illustrationen) wollen wir nur streifen, da sie den anderen Programmnummern gegenüber mehr in den Hintergrund traten. Schließlich sei noch erwähnt, daß zu Gunsten der Unfallskasse des Vereins ein Oelgemälde verlorst wurde, welches Herr Zeichnenlehrer L. Möser an diesem Abend binnen einer halben Stunde gefertigt und zum genannten Zwecke dem Vereine dedicirt hatte. Der Erlös der Verloosung soll nach Abzug der nicht unbeträchtlichen Unkosten (für Einrahmen u. s. w.), wie wir hören, 40—50 JL betragen. Das unvermeidliche Tänzchen, welches gegen 1 Uhr begann, hielt natürlich unsere tanzlustigen Turner und ihre Damen zusammen, bis — der letzten Violine rontractlich letzter Ton verklungen. Eisfreuden und Eisgefahren. Seit der Eisverein entstanden, haben die Eisfreuden in unserem schönen Gießen Uettg zugenommen und unsere Mitbürger werden es dem Vorstände des Vereins gewiß Dank wissen, daß in diesem Winter in Folge unausgesetzter Bemühung und Arbeit das Schlittschuhlaufen fast ununterbrochen trotz Schnee und Thauwetter hat fortgesetzt werden können. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollten wir uns über den Geist und Körper erquickenden, gesundheitsfördernden Einfluß dieser schönen Hebung verbreiten. Wer, wie Schreiber dieses, nun schon länger als 50 Jahre dem Eissport, um mich modern auszudrücken, huldigt, der hat die ebenso erquickende, wie muskelstärkende, Haut- und Athmungsorgane hebende Wirkung so tausendfältig erfahren, daß er schwer versteht, wie man oiesem nützlichen Vergnügen, welches nach dem Spruche des römischen Dichters: omne tulit punctum, qui migcuit utile dulci, in der That diese Preisaufgabe löst, nicht huldigen oder sich ihm früher entziehen kann, als die Gebrechen des Alters dazu wirklich nölhigen. Trägt es doch zur Verjüngung bei, sich unter den jugendlichen, von Tag zu Tag mehr zu Coryphäen emporarbeitenden, Eisstrebern noch mitbewegen und an dem Glanze der Wangen und Augen schwebender Eisheldinnen sich erfreuen zu können. Aber das Eis hat keine Balken und, wenn es recht schön ist, ist es noch schlüpfriger als der glätteste Parkettboden der fürstlichen Paläste. Man kann fallen, man kann ein Bein brechen, man kann einbrechen, ja im schlimmsten Falle sogar ertrinken. Doch gemach! Es ist eine alte und tausendfältige Erfahrung, daß der Mensch die Gefahren, die er kennt, anerkennt und denen er dann mit Umsicht und Kühnheit entgegentritt, leichter überwindet, als solche, von denen er sich nichts träumen läßt, die er für gewöhnlich nicht beachtet, und denen er darum um so leichter anheimfällt. Man fällt hundertundtausendmal auf dem Eise, ohne sich deßhalb, eben weil man darauf gefaßt ist, irgend welchen Schaden zu Ihun. Und wenn in den wenigen Fällen, wo wirklich Schaden geschieht, die ärztliche Hilfe in demselben Geiste geleistet wird, in welchem das Eisvergnügen selber athmet, dann gehen auch diese Schäden in 1000 Fällen. 999mal spurlos vorüber. Sicherlich würde eine ausgedehnte Statistik zeigen, daß auch vcrhältnißmäßig mehr Leute auf dem Straßenpflaster und den Landstraßen zu Schaden kommen, als auf dem glatten Eise. Gegen Einbrechen und Ertrinken aber schützt der Eisverein, dessen seichte Wiese und künstlich verstärktes Eis cs zu einer fast unlösbaren Preisaufgabe machen, einzubrechen oder gar zu ertrinken. Warum geht man aber denn noch auf die Lahn, deren stellenweise tückische Tiefen und durch warme Quellen schwaches Eis eine absolute Sicherheit kaum aufkommen lassen? Hat der Correspondent dieses Blattes, welcher im Hinblick auf das in voriger und vorvoriger Woche erfolgte Einbrechen mehrerer Personen in das Eis der Lahn ein polizeiliches Verbot forderte, bis das Eis „absolut" sicher sei, nicht Recht? Nun, ich gestehe offen, daß mich jedesmal ein Gruseln überkommt, wenn ich diesen ächt deutschen Nothschrei nach einem polizeilechen Ver- oder Gebot vernehme. Können wir uns nicht selbst verbieten, was schädlich, gebieten, was nützlich ist? Soll die Polizei etwa zu einer Zwangs - Lebens - Versicherungs - Anstalt erhoben werden? . Ein solches zwischen Der- und Geboten eingeengtes Leben zu führen, würde sich kaum des Lebens lohnen. Die Polizei Hal genug zu thun, wenn sie die öffentliche Sicherheit gegen wirkliche Uebelthäter aufrecht erhält und ein fahrlässiges Verfahren, welches das Publikum schädigt, verhütet. Wie sollte sie aber noch im Stande sein, die oben gestellte Anforderung zu erfüllen, ohne neue und gerade größere Gefahren heraufzubeschwören? Ein Verbot, das Lahneis zu betreten, wenn es so glatt und verführerisch winkt, während auf dem Eisverein gerade der mürrische Schnee lagert oder die eingefrorenen Spuren millionenfältiger Stahlschuhe das Eisgleiten in ein Eisstolpern verwandeln, würde doch nur zur Uebertretung reizen oder veranlassen, die städtische Bannmeile zu überschreiten, das nicht minder gefährliche Eis des Hesslers und anderer Gewässer unseres Gott sei Dank wassergesegneten Landes aufzusuchen. Wann aber soll das Eis der Lahn zu betreten gestattet sein? 5 Ctm. stark trägt es pro 4 Quadratmeter eine Person ä 150 Pfd., bei 10 Ctm. Stärke pro Quadratmeter eine und erst bei der doppelten, bei 20 Ctm. Stärke dichtgedrängte Personen. Und soll also, so lange nicht alle das Eis betreten dürfen, es auch den Hunderten ausgeschlossen sein, denen es schon ein sicheres und schönes Vergnügen bietet? Daneben aber bleiben selbst in harten Wintern einzelne Stellen, die wegen der Nähe warmer Quellen nicht sicher oder gar ganz offen sind und an anderen, wo Eis gehauen wird für den Bedarf der Brauereien rc. oder die Luftzuführung für die Fische, ist bald die Gefahr vorhanden, bald wieder verschwunden. In dieser Beziehung dürften nun wohl einige Vorschläge am Platze sein. Wie wäre es, wenn Herr Nübsamen, der ja im Sommer die große Liebenswürdigkeit besitzt, die Wassertemperaturen in unserem geschätzten Lokalblatt täglich zu veröffentlichen, sich dazu herbeiließe, von dem Augenblick an, wo sich die Lahn mit einer Eis- • decke überzieht, täglich die Dicke des Eises in Zentimeter etwa mit einer kurzen Notiz, trägt noch nicht, trägt pro 4 Quadratmeter 1 Pmon re., zu veröffentlichen, was die geehrte Redaetion sicher aufnehmen würde? (Recht gerne. Red.) Veranlaßte bann noch die Polizei, daß überall, wo Eis gehauen, künstlich Löcher gemacht oder wo warme Quellen sind, ein Pfahl mit Warnungstafel angebracht würde, so wäre wohl alles erfüllt, was die öffentliche Sicherheit erheischt. Bezüglich Rettung eingebrochener Personen aber nur noch wenige Worte aus der eigenen Erfahrung eines recht oft schon Eingebrochenen. Nichts ist gefährlicher als das rasche Zuspringen einer oder mehrerer Personen, wenn eine dritte schon durch das. ' Eis in tiefes Wasser eingebrochen ist. In der Regel giebt dies zu weiterem Einbrechen und Verwirrung Veranlassung, die nur Unglück heroorruft, statt cs zu verhüten. Sind Stangen und Bretter zur Hand, so ist ein Zureichen derselben das einfachste. Ist dies nicht der Fall und das Eis s- dünn, daß es die Annäherung an den Eingebrochenen gefährlich macht, so lege sich eine leichtere aber kräftige Person (Knabe von 15 bis 16 Jahren) lang aufs Eis, schiebe sich, von älteren und stärkeren an den Füßen gehalten, langsam und kriechend bis zum Eisrande vor und suche den Eingebrochenen zu erfassen und aufs Eis zu ziehen. Ich habe mehrfach auf diese Weise Personen retten sehen, wo es auf andere Weise schwerlich gelungen wäre. Aus dem Eiswasser Gezogene aber müssen schleunigst in Bewegung gesetzt oder wenn schon ganz erstarrt, tüchtig gerieben, geklopft und zwischen andere Personen genommen, im Lause in's nächste Haus gebracht, dort entkleidet und so lange weiter gerieben und mit sogen, passiver Gymnastik (Biegen und Strecken der Gliedmaßen durch Andere) bearbeitet werden, bis der Blutumlauf im ganzen Körper wieder her- gestellt ist. s Vermischtes. Darmstadt, 28. Februar. Verboten auf Grund des Socialistengesetzes ist die Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands mit dem Sitze in Mannheim. Das Ver- . bot umfaßt u. a. die Mitgliederschaften in Darmstadt, Gießen, Hanau, Höchst a M» Offenbach, Siegen. Ä a- M-, 26. Februar. Von dem Armenverein wurde heute eilt Knabe tm Alter von 9 Jahren nach Amerika geschickt, dessen Mutter sich dort befindet und für ihn das Reisegeld eingesendet hatte. Der Knabe bekam an die Mütze und auf die Brust ein Schild angehängt, auf welchem der Zweck der Reise bemerkt ist und er dem wohlwollenden Entgegenkommen der Beamten und des Publikums em- pfohlen wird Hoffentlich gelangt dieses lebendige Poststück franco wohlbehalten und glücklich an feine Adresse. ^^Ulrichstein,!. März. fMonats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro februar 1886.] Ultimo Februar waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesarnmt 94. Hiervon waren : Landw. Arbeiter 29, Bäcker 8, Brauer I, Buchbinder 3. Dachdecker 1, Fleischer 1, Former (Eisengießer) 2, Gärtner 2, Kaufleute (Commis 2), K-llner Z Kumrschnued I, Lehrer i, Maler (Anstreicher) n, Maurer 5, Messerschmied 1, §7 •1er v 6, Schuhmacher 5, Steinhauer 1, Weber 4, Zimmerleute 1, Schreiber 5, Töpfer 1, Oeconom 1, Papiermacher 1, Scherenschleifer 1, Gürtler 1, öteinvrucfer 1. Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 30, Nassau 6, Baden 7 , Bayern 5, Württemberg 2. Von Preußen auf die Provinzen: Brandenburg (mcl. Berlin) 3, Hannover 2, Hessen (Cassel) 15, Posen 1, Pommern 1, Weft- preufeen 1 , Schlesien 5, Sachsen 2, Rheinprovinz 7, Westfalen 2, Mecklenbura- Schwerm 1, Coburg-Gotha 2, Meiningen 1, Oesterreich (Böhmen) 1. i, wt 6örltn 'N1!* e(ei* MIs-i Ä® ■* 11.) i« “"Lio °« LaicinMue . 30 W-Xb wüsten 3' a-rcgl d>e^ her -uldrnLLWell N auck die übngm. 5ÄÄ* ajchtbruckbildcr^stnd Hchvech tm Gießener Montag den 8, von Vormittag soll im Gießener ß Disiricten Heingesbo nachverzeichneles Hol den: X. Aren Äheiih. Prü'l M. M W 19 14t B. Bau-, Werk- u 359 EicherKnme mi meter, baiunter 48 (Stm. Durch 10 FichtenstänM 1 11 Fichtenstangen Die Zusammen! khaussee nach Echr gang des Waldes. Gießen, am 2. d Trohherzogl. Büral A. Br HchverK Donnerstag ä des Morgens 1 M das im Ga winberoalb und M zur Versteiqei! 2229 Rmtr. 4] *40 " " I 4190 Nadel« I 1OÖL M ggj «!** im tot;l fe' Nibd I t J tetj p“ ^urgeyM rfgfcofonte Ä wenige Worte auS ist gefährlicher als :c jchon durch M eiiereinbinbrechm m verhüten. Tino iniachste. Ist dies rn Umgebrochenen ünabe von 15 w» an den Küßen gt- tzingcbrochenen;ii t Personen retten «int «-!** bcre Personen io lange , Gliedmaßen rptr mied^ h"' >.:vÄ ;!te4 «SrS 8 n i^tbtnbn UÄ äs* Smiäöt * man « flfleiftet njjfi • den in ißnn dotz auch HraBfn lu Schädig !* s«G Dich 9Qbc Zachen, ein; ^enweise tückische Heif kaum aus; LEanftas Prionen m das sicher id, ctoTumt, wenn ij ®tbot vernehm!, was nützlich ist? '-Anstalt erhoben führen, würde sich 1 sie die öffentliche 'lasilge^ Verfahren, d im Stande sein, größere Gefahren ’Jo glatt und ver- Tchnce lagert oder eiten in ein Eiö- er veranlassen, die e Eis des vefflerS es auszusuchen, in? 5 Elm. stark Elm. 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Universum. Aus dem reichen Inhalt der beiden neuesten Hefte (10. und 11.) der illustrirten Zeitschrift „Universum", herausgegeben von Eugen Friese, redigirt von Jesko von Puttkamer, greifen wir zunächst die Novelle „Auf der Lateinschule" von Wilhelm Jensen heraus, womit derselbe einen Cyklus spannender Erzählungen aus dem 30jährigen Kriege beginnt. Lebendig im Eolorit der damaligen schaurigen und wüsten Zeit, edel in der Sprache und der Charakteristik der Figuren, erregt diese Novelle unser Interesse in hohem Grade und erfüllt uns mit Spannung auf den Fortgang der Handlung. „Maaß für Maaß" von Wilhelm Berger, eine fein psychologische Novelle, führt uns ein Frauenbild vor, das durch seinen eigenartigen Reiz fesselnd auf den Leser einwirkt. Von köstlichem Humor durchwürzt ist die plattdeutsche Jagd- un Leim'sgeschicht „En Twölwenner un ine Supperdenten- dochter" von E. A. Friese-Müller; ebenso anziehend ist die Humoreske „Durch das Fernrohr", eine astronomische Studie von Hans von Spielberg. Durchweg interessant sind auch die übrigen Aussätze: „Der geschichtliche Don Carlos" von Hans Stein, „Der Brieftaubensport" von G. van Muyden, „lieber die Schwierigkeiten der Erforschung Nord-Afrikas" von Karl Lüders, „Altmeisters Heim" von A. Augspurg", „Zur Erinnerung an die Gebrüder Grimm" von Professor Dr. Scheffler", „Juhu" von Franz Schlinkert u. a. m. Beide Hefte schließen wieder mit einer sehr reichhaltigen Allgemeinen Rundschau. Die Illustrationen — jedes Heft enthält drei wohlgelungene Lichtdruckbilder — sind von bekannter Dortrefflichkeit. Handel und Verkehr. Gießen, 1. März. Vom heutigen Tage ab tritt in Wieseck eine Postagcntur in's Leben. In Folge dessen gelangen für Briese von Gießen nach Wieseck und den Einzelniederlassungen Badenburg, Struppmühle (Wieseckermühle), Gänsemühte, Wellershäuserhof und Johannisberg statt des bisherigen Bestellgeldes von 5, bezw. 10 H fortan je nach dem Gewicht des Brieses im Francilungsfalle 10, bezw. 20 andern- fattS 20, bezw. 30 H Porto zur Erhebung. Unsere Leser machen mir hierauf im eigenen Interesse ganz besonders aufmerksam. Gießen. 2. März. Aus dem heutigen Markt kvst te Butter per Psuno X 0,95—0.00, Hühnereier pr. Stck. 5—6 4, Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 4—8 Käsematte 3—0 H, Erbsen pr- Liter 23 Linsen 32 Tauben per Paar 0,80 bis 1,10 A Hühner per Stück X 130—1.80, Hahnen pr. Stück X 1.50—2.20, Enten per Stück X 1.80—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch o4—56 H, Schweinefleisch 52—60 Hammelfleiich 50-66 H, Kalbfleisch 48—50 Kartoffeln per 100 Kilo X 3.70—4 00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner JCl. 00-7.50. — Wir machen unsere Leser auf die im Annoneentheil unseres heutigen Blattes enthaltene Bekanntmachung der technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerksam. Diese Anstalt gemährt ihren Studirenden eine vollständig wissenschaftliche und bezw. künstlerische Ausbildung für den technischen Beruf. In speeiellen Fachabtheilungen bezweckt sie die Ausbildung von Architeeten, Bau-Ingenieuren, Cultur-Jngenieuren, Maschinen-Jngenieuren, Eleetrotechnikern, Chemikern und Apothekern; ferner in der mathematisch - naturwissenschaftlichen Schule die Ausbildung von Lehrern für Mathematik, Naturwissenschaften und Zeichnen, sowie von Geometern. Auch Fabrikanten, Kunst- und Gewerbetreibenden ist sie zur Erlangung der erforderlichen Kenntnisse behilflich. Bei der Prüfung für den preußischen Staatsdienst im Hochbausach, Bgu- Jngenieurfach oder Maschinenfach berechtigt das akademische Studium an der technischen Hochschule zu Darmstadt zur Zulassung. Ferner ist der Bestlch der technischen Hochschule bezüglich der Bestimmungen für Prüfung der Apotheker dem Besuche einer Universität gleich zu achten und ist der pharmaeeulischen Prüsungs - Commission in Darmstadt durch Bundesrathsbeschluß die Berechtigung zur Ertheilung für das ganze Reich gültiger Approbationen gegeben worden. Holzverfteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 8. März 1886, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Diftricten Heingesboden und Oberhag nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz. Scheith. Prügelh. Stockh Reish. Nmtr. Rmtr. Nmtr. Wellen Nadel 19 145 44,8 2046 B. Bau-, Werk- und Nutzholz. 309 Eichenstämme mit 105,63 Festmeter, darunter Stämme bis zu 48 Ctm. Durchm., 10 Fichtenstämme mit 3,38 Festm., 11 Fichtenstangen „ 1,16 Die Zusammenkunft ist aus der Chaussee nach Schiffenberg, am Eingang des Waldes. Gießen, am 2. März 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 1529 Holzvcrsteigmmg. Donnerstag den 4t. März/) des Morgens von 9 Uhr an, soll das im Garbent eich er Gemeindewald und Markwald gefällte Holz zur Versteigerung fomnien: 9 Rmtr. Nadel-Scheitholz, 222 „ „ Knüppelholz, 40 „ „ Stockholz, 1260 Eichen-Wellen, 4190 Nadel- „ 1000 „ Bohnenstangen, 3 Eichen-Stämme von 1,22 Festm., 9 Nadel-Stämme, „ 1,33 „ 133 Fichten-Derbstangen, 991 „ Reisstangen. Der Anfang ist zur bestimmten Stunde im Distrikt Rothläuschen, am Vicinalweg von Garbenteich nach Grü- ningen, woselbst das Eichenholz zur Versteigerung kommt, Fortsetzung der Versteigerung im Seewald und Mark- nald. Garbenteich, am 27. Februar 1886. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. 1458 *) Nicht Freitag den 5. März, wie in gestriger Nummer angegeben. 1371 Ein Dienstmädchen gesucht. __Seltersweg 1. 1527 Ein gut erhaltenes viersitziges Comptoirpult mit 2 ComptoirbScken ift billig abzugeben. Karl Stückrath. Allgemeiner Anzeiger. 1530 den Geschäfts-Eröffnung Bindfaden, Seilerwaaren Schuhgarnen, Dochten, Watten wollenen und baumwollenen Hungen, am 25. Februar 1886. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Bender. Band, Zwirnen Seide, Nadeln, Knöpfen und Kurzwaaren Grosse Pelzwaaren-Versteigerung. Freitag, den S. März 1. I. läßt die Pelzwaarenfabrik von Joseph Pohler in Bonn durch Hofraithe Verkauf. Dienstag den 9. März 1886, Vormittags 10 Uhr, soll auf hiesigem Rathhaus die zweite Schulhofraithe dahier unter sehr günstigen Zahlungsbedingungen öffentlich versteigert und soll bei einem annehmbaren Gebot die Genehmigung mit dem Zuschlag ertheilt werden. Die Hofraithe besteht aus einem sehr geräumigen Wohnhaus, Scheuer und schönem Garten mit einem Flächengehalt von zusammen 1125 Quadratmeter und eignet sich daher zu jeder Geschäfts- und Fabrikanlage, sowie zum Betriebe einer größeren Oekonomie. Bemerkt wird, daß sich die Gebäude in einem guten baulichen Zustande befinden. unterzeichneten Gerichtsvollzieher im Saale deS Hotel Einhorn dahier eine große Menge mottenfreier, ächter PdzWÄÄrc6ll freiwillig versteigern, nämlich circa 300 Stück feine MtlfTeSÄ in Nerz, Zobel, Marder, Iltis, Seunks, Bisam, Affe, verschiedene große und kleine Kragen, Boa, Teppiche, Herrenpelzröcke u. s. w. Die Versteigerung beginnt Morgens um 10 Uhr und dauert bis Nachmittags 5 Uhr. 1501 Gießen, 1. März 1886.Hühner» Gr. Gerichtsvollzieher. i HolMsteigmmgen. Es sollen versteigert werden: I. Dienstag den 9. k. MtS., a. Vormittags von präcis 10 Uhr ab im Gememdewald von Lützellinden Stämme: Eichen: 4 I. Kl. — 14,53 fm, 4 II. Kl. .= 7,04 ftn, 24 III. Kl. = 12,40 fm, 18 IV. Kl. = 3,83 fm, Buchen: 11 — 6,73 fm, Kiefern: 47 — 15,85 fm, Stangen: 89 Kiefern und Fichten II. u. III. Kl. b. Mittags von präcis 12 Uhr ab im Gemeindewald von HörnSheim 28 Eichenstämme — 20,54 fm und 15,50 rm Nutzholz. c. Nachmittags präcis von 2 Uhr ab im Gemeindewald von Gr. Rech- tenbach Eichenstämme: 1 I. Kl. — 3,33 fm, 6 II. Kl. — 9,55 fm, 33 III. Kl. ----- 21,53 fm, 5 IV. Kl. ----- 1,29 fm, Kiefern: 9 — 2,42 fm, 63 Stangen und 7 rm Nutzholz. Das sämmtliche Holz liegt in demselben Revier. Beginn am Weg von hier nach Münchholzhausen, am Feld. Schluß unweit der Chaussee von hier nach Wetzlar. IIo Mittwoch den 10. k. M. a. Vormittags von präcis 9 Uhr ab im Gemeindewald von Gr. Necd- tendach Eichen: 15 rm Derbholz, 3 rm Stöcke, 25,5 rm Reiser. Buchen: 19,5 rm Derbholz, 2 rm Stöcke, 68 rm Reiser. Nadelholz: 16 rm Derbholz, 132 rin Reiser. b. Nachmittags von präcis 1 Uhr ab im Gemeindewald von Hörnsheim Eichen: 65,5 rm Derbholz, 42,5 rm Stöcke, 184 rm Reiser. Buchen: 19 rm Derbholz, 153 rm Reiser. Nadel rc.. 7 rm Derbholz, 183 rm Resser. III* Donnerstag d. 11. k. M, Vormittags von präcis 10 Uhr ab im Gemeindewald von Lützellinden Eichen: 12 rm Derbholz, 12 rm Stöcke, 128 rm Reiser. Buchen: 22 rm Derbholz, 180 rm Reiser. Kiefern rc.: 19 rm Derbholz, 8 rm Stöcke, 104 rm Reiser. Gr. Rechtenbach, 28. Februar 1886. 1507 Das Bürgermeister-Amt. Ausverkauf. Wegen Neubau meines Wohnhauses verkaufe ich bis zum 1. April meine Waarenvorräthe in allen Arten Hänge-, Tisch- und Wandlampen, Sturmlaternen, lackirte Blechwaareu, Vogelkäfige, Britannialöffel, Guwmischläuche re. AMT' zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 102$ Hochachtungsvoll Carl Ang» Araber, Eine neue große Badewanne ist billig abzugeben. Wir eröffneten an hiesigem Platze ein Ladengeschäft in Strickgarnen. etc. etc. Rothamel & Petry Lindenplatz früherer Laden des Hrn. Sattler Ferber. Durch langjährige Thätigkeit in dieser Branche sind wir im Stande, allen Anforderungen entsprechen zu können.569 Jeilgeboteues. 1510] Reale, fast neu, billig zu verkaufen. Marktstraße 16. Allendorfer Loose nur allein zu haben bei C. NuckelShauscu, 1528 Schloßgasse 15. Alice-Verein, Turnverein Glessen. Letzter Vortrag Dienstag den 2. März, Abends Mittwoch, den 3 März, Abends 8 Uhr, im großen Saale des Gymnasiums über: Die Eüectrieität in der Medicin (mit Versuchen.) 1425 Herr Privatdocent SBr. von IVoorden. Einzelkarten ä 1 bei Herrn Ferber, Kirchenplatz, Herrn Rudolph, Neuenweg, Herrn Balz (Fehsenfeld), Seltersweg. Es wird gebeten, alle Karten bei dem Eintritt in den Saal abzugeben. Der Vorstand. Verlag von I. Badeker in Iserlohn, in allen Buchhandlungen vorräthig: Henriette Davidis, Der Küchen- und Blumengarten für Hausfrauen. 14 Auslage. Praktische Anleitung zur möglichst vortheilhasten Kultur der bekannten Gewächse für Küche und Keller, nach den Monaten geordnet, und Anleitung zur Kultur des Blumengartens. Nebst einem Anhänge: Bemerkungen über bewährte Heilkräfte verschiedener Gartengewächse als Haus- und Hilfsmittel. Auf eigene und langjährige Erfahrungen praktischer Gartenfreunde gegründet. Bearbeitet von Z. Hartwig, Großherzoglich Sächsischer Garteninspektorin Weimar. Elegant brochirt M. 3.— Fein gebunden M. 4 — Englische Austern, Hechte und Zander, prima arüne Häringe heute eingetroffen bei 1526 A. Hoch Hachf, Hamburger Fischhandlg. entölter, leicht löslicher Cacao. ,■ !"nter diesem Handelsnamcn empfehl': ' M wir einen in Wohlgeschmack, hoher « ihrkvaft, leichter Ve da ilichkoit und h ■ Möglichkeit schnellsier Zuberei- . । ein Aufguss kochenden Wassers o ogleich das fortigeGetränk)un- ‘ . fit Cacao. , pcr^ ]/i_ 2/o J/j = Pfd.-Dose . ” 8">0 300 150 75 Pieunige. 5 «1 Meine wasserdichte Lederschmiere, auf Schuhe und Stiefel aufgetragen, macht dieselben undurchdringlich gegen alle Feuchtigkeiten ohne den durch Wichse hervorgerufenen Glanz zu beeinträchtigen, wodurch die lästige Benutzung der Gummischuhe entbehrlich wird. Otto Schaaf^ 1523 Seltersweg 39. Mrmietßungen. 1503 In meinem House Ludwigsftraße ist eine Mansardenwohnung wegzugshalber zu vermiethen. _ P. Ruckstuhl, ^Neuenweg 38. "1505 Zwei ineinandergehende Zimmer zu verm Zu erfr. Ludwigsstr. 12. pari. 1508] Sehr freundliches Familienlogis zu vermiethen. __ Gustav Kreuder, Neustadt 17 1525 Eine Stube, mit oder ohne Bett, zu vermiethen_____________Tiefenweg 8. 1518 Ein kleines Stübchen mit Küche an eine einzelne Person zu vermiethen. ___________Daniel Rühl Wwe. 1515] Kneiplocal zu vermiethen. Stadt Cassel 1513 Der untere Stock meines Hauses, im Ganzm oder getrennt, ;u vermiethen- Chr. Noll III Wwe., Canzleiberg 5. Wenmschte Anzeigen. 1516 Ein stadtkundiger Laufbursche gesud)t Marktplatz 9. 1384] Schüler des Gymnasiums oder Realgymnasiums finden liebevolle gute Pension-__Wo '^sagt^ie Exped- d- Bl- Zur Beachtung! 1519 Forderungen an mich, ebenso Ausstände bitte ich nach Cassel, Obere Earls- ftraße 20, einzusendcn. A. Singer. 1520 Ein erfahrener Kaufmann, sowohl tüchtiger Comptoirist wie Reisender, sucht, auf feinste Referenzen gestützt, einen Vertrauensposten in einem bedeutenderen En-gros-Geschäffe oder Fabriketablissement. Gefl. Offerten eub P. R. an die Exped d. Blattes. Zur Warnung. Hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß wir dafür, wer unserem Sohne Heinrich etwas borgt, verkauft oder irgend welchen Vertrag oder Handel mit demselben abschließt, keinerlei Garantie und Bezahlung übernehmen, vielmehr unsererseits alle dessen darauf Bezug habende Handlungen als ungültig erklärt werden. Lich, den 1. März 1886. 1500 Georg Insel Eheleute» 1506 Einen Lehrling sucht Carl Mette, Uhrmacher. 1502 Am Freitag Nachmittag wurde ein goldener Ohrring verloren. Gegen Belohnung abzugeben Bahnhöfstr. 77 HI. Export flaschen biere. Niederlagen für den Einzelverkauf unserer Exportflaschenbiere befinden sich bei den Herren: Chr. Ludw Thomas, Brandgaffe 5. Wilh. Seuling, Nordanlage 29. Ludw. Kohlerman«, Bleichstraße 12. Kaufmann Rusag, 1522 Frankfurterstr. 39. Gebrüder torte. ausserordentliche Generalversammlung im Cafe Schnell. 1486 Tagesordnung: Referat über den am Sonntag, den 28. Februar rr. abgehaltenen 48. Turntag des Gaues Helfen. Wegen der hochwichtigen Tagesordnung bittet um vollzähliges Erscheinen der Vorstand. Grossh. technische Hochschule zu Darmstadt, ü Fachabtbeilungen: Bauschule, Ingenieurschule (für Bau-Ingenieure und für Cultur-Ingenieure\ Maschinenbauschule, Chemisch-technische Schule (für Chemiker und für Pharmaceuten), Mathematisch-naturwissenschaftliche Schule, Elektrotechnische Schule u. Einjähriger Cursus für Geometer I. Classe. Anmeldungen für das Sommer- Semester 1886 bis zum 27. April. Beginn der Vorlesungen am 29. April. Programme sind unentgeltlich von unserem Secretariat zu beziehen, Die Dlrertton. httrner - Club. Samstag den 6. März, Abend» 8 Uhr, in Stein's Saalbau Ml'lllll. Die Mitglieder können die Geheimkarten von Donnerstag an bei Herrn Carl Loos (Kirchenplaß) in Empfang nehmen. 1517 Der Dorstand. Trockene KMWZ Eichen - Fussboden - Dielen in allen Abmessungen bis 8 Meter lang liefert: F. A. SCHLIEKER, Holzhandlung. Damofsäae- u. Hobelwcrk. DÜl MEM Zur Stadt Marburg. Samstag den E. d. Mts., von Abends 7 Uhr an: Grosser Maskenball. Karten im Vorverkauf ä 60 H find zu haben bei C. Becker, Darmstädter Haus. An der Kaffe 70 H. Gk Todt, 1504 Gastwirth zur Stadt Marburg, Marburgerstraße. Gesucht auf sofort oder nim 1- April eine Wohnung von 5—6 Zimmern. Offerten unter A. H. 20 an die Exped. d- Blattes.152-1 1511 Gesucht werden zum sofortigem Antritt erfahrene felbststündige Arbeiter für Schlemmereien von Erdfarben gegen hohen Lohn. — Adressen unter 1. W. 437 sind in der Crped. ds. Bl. niederzulegen. Dienstag Abend bei Scharmann- BI । Oberhefllsche Gesellschaft ! für Natur- u. Heilkunde. Sitzung Mittwoch. 3. März, Abends 6 Uhr, in der kleinen Aula. Vortrag: Herr Prof. Dr Ludwig: Aus dem Golf von Neapel. Auch Nichtmitglieder haben Zutritt. 1454 A große Äecker zu pachten gesucht. Mkeres 1308 Wilh. «rämer. oöaaaaaaoOTCQaoDÖo S Unserer lieben Freundin 15098? a E..... 8 % zu ihrem heutigen 18. Wiegenfeste Q ein dreifach donnerndes Hoch, daß 9 S£ die ganze Mühlgaffe wackelt. 9 q Ihre durstigen Freunde. 8 I&&" Stellensuchende jeden Berufs placirt schnell Reuter'S Durea« in Dresden, Neitbahnstr. 25. 348 Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt u. 1 Beilage. Setteff Wie in ui Gemäßheit des j 3b0 Einvernehmen mit oci weife aus der Gemen Für Bere fojj Sie jeden umch Bettes' Die naWe Die dieOH md Mar um 7% MMMen aller M Hierher gchö iur smmiliche Hierher g und zwar um 12 «m iy4 Uhr ti hierher g rmd zwar um 9 11 um 10 Uhr für hierher ge! zwar um 3 ””^1 Her g "urlaubt bet 3 eib