Nr. S Sonntag den 3. Januar 1886 ie Heuer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schul-raß, 7. Erscheint tL-ltch mit ««Smihme des Msntch-A. NreiO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bdngtdcfau Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Betreffend: Da» Grsatz-Geschäft für 1886. Bekanntmachung. Mit Bezua auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr-Ordnung fordern wir alle im Jahr 1866 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in ftühere« Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinflchllich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreife Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirthschaftsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit auf, sich behufs Eintragung ihrer Rainen rn die Stammrolle in der Zeit »om 15. Januar bis zum 1. Februar !. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei wenn sie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs- Schein "^u egm. darauf aufmerksam, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden. ,, „ .. , „, „ , Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen Sin« meldungen^verpflichtet^^^^^ Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, am 2. Januar 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Bekanntmachung. Betr.: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1886. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühkahr 1886 stattfittdenden rrrbr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgesordert, ihre desfalsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. Februar 1886 Lei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten PrüfungS Eow- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem TZ. Lebensjahr erfolgen. Z. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a. Geburtszeugniß; b. GinwilligungS - Attest deS Baters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen. bemerkt: In diesem Attest darf die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen, auch muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein. c. Ein UnbescholteuheitSzeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d. ein selbstgeschriebener LebeuSlauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbe- scholtenheitSzeugniß beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ord. (Anl. 2 zur Ers.-Orb. — I. Theil der Wehr-Ord. vom 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des LoealS, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung; -auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 19. December 1885. Großh. Prüfungs-Commission für Einjährig-FreiwMge. ____________Der Vorsitzende: vr. Zeller. ________________________________________________ Gefunden: 1 Schlittschuh, 1 Brille, 1 Arbeitsbeutel und mehrere Schlüssel. Gießen, den 2. Januar 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Zum 25Mrigen Rkgikrungs-IubUsum Zkaijer Wilhelms als König von Preußen. Am heutigen ersten Sonntage des neuen Jahres begeht das preußische und deutsche Volk eine hochbedeutjame Gedenkfeier: diejenige des 25jährigen Regierungs-Jubiläums Kaiser Wilhelms als König von Preußen. Allerdings erscheint in chronologischer Beziehung die Feier um einen Tag verspätet, denn nicht am 3., sondern am 2. Januar 1861 bestieg der damalige Prinz-Regent von Preußen den durch das Ableben seines königlichen Bruders, Friedrich Wilhelm IV., erledigten Thron als Wilhelm I., aber vom Kaiser ist der ausdrückliche Wunsch geäußert worden, daß die Feier nicht am 2. Januar, als dem Todestage König Friedrich Wilhelms IV., sondern erst am folgenden Tage begangen werden möge, was nur aufis Neue für den bekannten pietätvollen Sinn des Monarchen spricht. — Wie man weiß, hat Kaiser Wilhelm außerdem für sich selbst jede Ovation abgelehnt und diese persönliche Zurückhaltung muß noth- gedrungen auch der Feier des 2. Januar im Lande gewisse Schranken ziehen, aber eine desto innigere Theilnahme wird die Feier dafür im Herzen der Nation finden und ungezählte heiße Wünsche für das fernere Wohlergehen des ehrwürdigen Oberhauptes des deutschen Reiches und des Königreiches Preußens werden an diesem Tage zum Himmel emporsteigen. Es ist begreiflich, daß die hervorragenderen Momente im Lebenslaufe eines Herrschers, wie unsers Kaisers, schon längst zur Kenntniß der weitesten Kreise gelangt sind; trotzdem erscheint gerade die Feier seines 25jährigen Regierungs- Jubiläums geeignet, nochmals in großen Zügen ein Bild von der Regenten- Laufbahn des Kaiser-Königs zu geben und hiermit dem deutschen Volke wiederum die geschichtlichen Thaten des erlauchten Jubelgreises vor Augen zu führen. Am 7. October 1848 wurde Prinz Wilhelm von Preußen mittelst Cabinetsordre wegen der unheilbaren Krankheit seines königlichen Bruders zum Regenten ernannt und mit allgemeinem Jubel ward diese Ernennung begrüßt, denn nach der schwülen politischen Zeit, welche unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV. in Preußen geherrscht hatte, betrachtete man die Uebernahme der Regierung durch den Prinz-Regenten als den Beginn einer „neuen Aera." Und wahrhaftig, eine neue, hochwichtige Zeitepoche nicht nur für Preußen, sondern für ganz Deutschland sollte mit dem Regierungswechsel anbrechen, aber nicht in dem Sinne, wie es damals gemeint wurde! Es zeigte sich bald, daß sich die Negierung des Prinz-Regenten mit der Majorität des preußischen Abgeordnetenhauses in der Militärfrage in einem schweren Widerspruch befand, denn der Prinz- Regent hatte mit seinem klaren Verstand und seinem praktischen Blick längst erkannt, daß die von ihm angestrebte deutsch-nationale Politik stch nur von einem mächtigen Preußen durchführen lassen werde und daß hierzu eine durchgreifende Reorganisation des Heeres nothwendig fei. Aber das preußische Abgeordnetenhaus verweigerte in kleinlicher Verkennung der Umstände fortgesetzt die finanziellen Mittel zur Durchführung dieses Planes und hieraus entspannen stch die hartnäckigen Kämpfe zwischen Regierung und Abgeordnetenhaus, die selbst nach der am 2. Januar 1861 erfolgten Thronbesteigung Wilhelm L noch jahrelang sortdauerten. Ja, man war in vielen Kreisen mit der ganzen deutschen Politik des neuen Königs nicht einverstanden und diese Unzufriedenheit kam u. A. in dem Attentate des Studenten Becker auf König Wilhem in Baden-Baden (14. Juli 1861) zum Ausdruck. Aber der Monarch ließ stch in seinen Plänen trotz alledem nicht beirren und eine mächtige Stütze fand er an Herrn v. Bismarck, den er im September 1862 on Die Spitze des Ministeriums berief. Jetzt wurde die Heeres-Reorganisation unter Beihülse von Männern wie Roon, Molrke u. s. w. mächtig gefördert und die erste glänzende Probe seiner nu;' .. schen Tüchtigkeit legte das preußische Heer im Fldzuge gegen Dänemark im Jahre 1864 ab. Die „Blut- und Eisen-PoUttk", welche Bismarck als das einzige Mittel zur Herstellung eines einigen Deutjcblands bezeichnet hatte und die auch vom Könige als eine schmerzliche Rothwendigk-it anerkannt worden war, hatte mit dem dänischen Feldzuge begonnen, sie fand ihre Fortsetzung in dem Kriege von 1866, aus welchem der Norddeutsche Bund resultirte und sie sand ihren Abschluß durch den glorreichen Kampf gegen Frankreich, welcher zur Gründung des neuen deutschen Reiches mit König Wilhelm als seinem ersten Kaiser an der Spitze, führte. Jetzt war das Werk, welches der nunmehrige Kaiser erstrebt, die Einigung Deutschlands, nach Außen glänzend vollendet. Jetzt galt es dem inneren Ausbau des großen Werkes und wie Kaiser Wilhelm unter Mitwirkung seines bewährten Kanzlers und anderer treuer Diener hieran fort und fort arbeitete, während seine Regierung zugleich nach Außen Deutschland zur fortan maßgebenden Macht im Rathe der Völker Europas machte, ist ja bekannt. Heute hat diese Arbeit bereits die erfreulichsten Resultate gezeitigt, namentlich macht sich die unermüdliche Fürsorge des Kaisers und Königs für sein Volk auf dem Gebiete der socialpolitischen Reformen geltend und diese Reformen nehmen trotz der schmachvollen Attentate eines Hödel und Nobiling auf den greisen Monarchen und trotz des vielfachen Widerspruches, den sie leider noch immer erfahren, ihren ungestörten Fortgang. Im Glanze seiner Siege und der politischen Erfolge seiner Regierung, geliebt von seinem Volke, hochgeachtet von den fremden Nationen, begeht der Kaiser Wilhelm, der Nestor der europäischen Fürsten, der mächtigste und angesehenste Monarch Europas, sein 25jäh- riges Jubiläum als Herrscher Preußens und die gesammte deutsche Nation bringt ihm zu diesem seinem Ehrentage ihre herzlichsten, innigsten Glückwünsche dar! Arankreich. Paris, 31. December. Der Präsident Grsvy hat gestern Abend die Demission des Ministerpräsidenten Brisson angenommen und heute Vormittag Fceycinet zu sich berufen und denselben um die Uebernahme der Bildung eines neuen Cabinets ersucht. Freycinet hat, wie die Abendblätter melden, unter Hinweis auf die Schwierigkeiten der Lage gebeten, sich vorerst mit seinen Freunden und den hervorragenden Führern der republikanischen Majorität berathen zu dürfen. Paris, 1. Januar. Bei dem heutigen Neujahrs-Empfange im Palais Elisäe beglückwünschte der päpstliche Nuntius den Präsidenten Grövy zu seiner Wiederwahl, sowie zum Jahreswechsel und gab dabei dem Wunsche für die Erhaltung des Friedens und die Wohlfahrt Frankreichs Ausdruck. Gr6vy dankte für die dargebrachten Wünsche und fügte hinzu, Frankreich könne denselben nicht besser entsprechen, als dadurch, daß es stets bemüht sei, die guten Beziehungen, in welchen es zu den Mächten stehe, auch fernerhin aufrecht zu erhalten. Hngkarrd. London, 30. December. Da es sich herausgestellt hat, daß den Arabern des Sudan auf dem Seewege durch das Rothe Meer Waffenlieferungen zugehen, so sind die dort stationirten englischen Kriegsschiffe angewiesen worden, die Küste zu Mohren. London, 31. December. Der Generaladjutant, General Lord Wol- seley, begiebt sich anläßlich der Regierungs-Jubelfeier des Kaisers Wilhelm morgen im Auftrage der Königin nach Berlin. Spanien. Madrid, 31. December. Die Eidesleistung der Königin als Regentin fand gestern statt; die Königin wurde mit lebhaften Zurufen begrüßt, Außlavd. Petersburg, 31. December. Die „Neue Zeit" meint, falls eine Vereinigung der beiden Bulgarien keine weiteren Complikationen nach sich ziehe, werde Rußlano voraussichtlich der Veränderung des gegenwärtigen Zustandes Ostrumeliens zustimmen; das Blatt glaubt aber, daß bei den hierauf bezüglichen Berathungen der Mächte Rußland kaum eine leitende Rolle übernehmen werde. — Dem „Grashdanin" zufolge mären die Gerüchte von der Hierherkunft des Fürsten von Bulgarien mindestens verfrüht. Daraus dürfe aber nicht gefolgert werden, daß Rußland sich einer den Bulgaren günstigen Lösung der rumelischen Frage seitens der- Mächte zu widersetzen beabsichtige. — Die Gerüchte von dem Rücktritte des Finanzministers Bunge werden als vollständig unbegründet bezeichnet. Odessa, 1. Januar. Der am 10. (22.) December im hiesigen Bezirks- aerichte begonnene Proceß gegen 40 Personen, welche angeklagt waren, in der Meerenge von Kertsch-Jenikale böswillige Schiffshavarien herbeigeführt zu haben, endete gestern mit der Freisprechung sämmtlicher Angeklagten. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. «orresporrdeuz - Bureau. Potsdam, 1. Januar, lieber das Befinden der Frau Prinzessin Wilhelm ist heute Nachmittag folgendes Bulletin ausgegeben worden: „Bei Ihrer K. Hoheit der Frau Prinzessin Wilhelm ist gestern früh der Masernausschlag zum Vorschein gekommen. Das Befinden der hohen Patientin ist durch das noch fortdauernde Fieder imb heftige von den Zähnen ausstrahlende Gesichtssckmerzen getrübt. Die Katarrh- Erscheinllngen sind gering, gez. Oberstabsarzt Dr. Ebmeier." Pesth, 1. Januar. Die Mitglieder der liberalen Partei des Parlamentes brachten heule in corpore dem Ministerpräsidenten Tisza ihre Glückwünsche anläßlich -es Jahreswechsels dar. Der Vicepräsident des Unterhauses, Paul Szontagh, betonte in seiner Ansprache den Erfolg der bisherigen weisen Leitrmg der Geschäfte seitens des Ministerpräsidenten, durch welche die Macht und das Aufblühen des ungarischen Staates gesichert sei. Tisza erwiderte, sein Hauplbestreben werde auch in Zukunft auf die Hebung und Befestigung des Ansehens des ungarischen Staates gerichtet sein, er sei überzeugt, daß auch die übrigen parlamentarischen Parteien dieses Endziel verfolgen, wenn sie auch andere Wege gehen. Tisza bat schließlich, ihn auch ferner zu unterstützen. Von dem Ministerpräsidenten begaben sich die Abgeordneten zu dem Präsidenten des Unterhauses. Lokale-. Gießen, 2. Januar. Anläßlich des Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers feiert unser Regiment dasselbe Sonntag Vormittag mit großer Parade auf dem Brandplatze. Die Mannschaften erhalten Mittags Braten 2c., die Kasernen werden mit Bäumen und Guirlanden geschmäht und des Abends illuminirt. — Wir machen unsere Leser wiederholt auf die heute Abend in Stein's Garten stattfindende Feier des Regierungs - Jubiläums unseres Kaisers Wilhelm aufmerksam. — Der Dieb, welcher am 28. December v. I. in einem hiesigen Geschäftsladen eine größere Anzahl Cigarrenspitzen im Gesammtbettage von circa 21 JC entwendete, ist heute Morgen in einem jungen Bürschchen von Krofdorf, der hier Auslaufdienste versieht, ermittelt und verhaftet worden. Die meisten Eigarrenspitzen hat der jugendliche Langfinger bereits verkauft oder verschenkt. — Die Feiertage endigten gestern Abend in einer Restauration der Liebig- straße mit einer blutigen Schlägerei, wovon demnächst ein Nachspiel am Schöffengericht stattfinden wird. Vermischtes Lehrbach, 31. December. Gestern Abend feierten wir auf der benachbarten Arbeiter-Colonie Reu-Ulrichstein die Ehristbescheerung. Der große Speisesaal war dazu hergerichtet. Zwei geschmückte Christbäumchen verbreiteten ihr liebliches Kerzenlicht und auf den Tischen waren^die Opfer chnstlicher Mildthätigkeit ausgebreitet, für jeden eine Gabe. Die erhabene Feier wurde eingeleitet durch das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht", worauf Ansprachen der beiden Anstaltsgeistlichen folgten; es folgte das Lied „O du fröhliche rc." und nach den einleitenden Worten des Jnspectors die Vertheilung der Gaben, Hemden und Strümpfe. Ein gemeinsames Abendessen wurde hierauf eingenommen. Das Fest war ein liebliches, glänzte doch in so manchen Augen die Freude und Dankbarkeit für die Liebe und Güte, die dort auf der Colonie ihr Heim auf- geschlagen hat. Nock lange nach der eigentlichen Feier ertönten geistliche und weltliche Lieder aus freudig bewegten Menschenherzen, geleitet von einem Colonisten, die durch einen der Gäste aller Geber und Vorstände, wie des Jnspectors und seiner Frau Gemahlin dankend gedenken ließen, als nun jeder sein Lager aufsuchte. Mögen liebliche Bilder lange nicht empfundenen Glücks sie umschwebt haben. Wir aber schieden von dort mit den Worten: Das waren köstliche Stunden. Elberfeld, 28. December. Leider hat hier das Weihnachtsfest einen unsere Stadt in Aufregung versetzenden Abschluß gefunden, indem die Ehefrau Häuschen gestern Abend durch ihre Zimmernachbarn, die Brüder Rehwald, in Folge eine^ Scandals mit dem Gatten der Genannten erschlagen worden ist. Der Ehefrau Häuschen wurde der Schädel vollständig gespalten, so daß der Tod sofort erntrat, außerdem wurde ein Unterkiefer fast ganz abgeschlagen. Der Ehemann Häuschen erhielt, wie es scheint, mittelst eines Stochcisens, so bedeutende Verletzungen, daß er in's Krankenhaus hat befördert werden müssen. Aber auch die beiden Thciter haben, durch die energische Gegenwehr der Angegriffenen recht erhebliche Verletzungen daoongetragen, wenigstens mußte der Abraham Rehwald ebenfalls in's Krankenhaus gebracht werden. Die Wohnung, wo die ruchlose That verübt wurde, bietet einen wüsten Anblick. Fast sämmtliches Mobiliar ist zertrümmert worden und liegt auf dem Fußboden umhergestreut. Lechenich, 29.December. Heute Vormittag brachen fünf Knaben, die sich dem Verbote des Lehrers zum Trotz auf den Stadtweiher begeben hatten, drei durch die dünne Eisdecke. Einer arbeitete sich empor und erreichte das Ufer, die beiden andern, Söhne des Schneidermeisters Weber, etwa 7 und 13 Jahre zählend, sanken mit ihrem Handschlitten unter. Das Hilfegeschrei lockte Arbeiter aus der gegenüberliegenden Mühle, sowie viele Leute aus dem Städtchen herbei. Man versuchte, den Kindern, die hilferufend und mit ausgestreckten Armen aus dem Wasser emportauchten, Leitern und Stangen zuzuschieben, doch erwiesen sich diese zu kurz, da die Kinder näher am gegenüberliegenden Ufer eingesunken waren. Von den wehklagenden Menschen wagte sich Niemand in's Wasser, um den armen Kindern Rettung zu bringen! Als man endlich an das gegenüberliegende Ufer eilte und, nachdem die Eisdecke zerschlagen war, die Rettung versuchte, zog man zwei Leichen aus dem Wasser. Der jüngere Knabe hatte sich dem älteren an die Füße geklammert; die Gesichter waren blauschwarz. Das Dortwmmen von Niehsruchen im Großherzogthum Hessen während des Monats November 1885. Notzkrankheit: Das in Gießen wegen Verdachts der Ansteckung seither unter polizeilicher Beobachtung gehaltene Pferd wurde, da sich inzwischen keine verdächtigen Erscheinungen mehr bei demselben gezeigt, freigegeben. Milzbrand wurde festgestellt im Kreise Gießen in Langsdorf am 4. und in Neuhof am 14. und 26.; im Kreise Friedberg in Steinfurt am 6.; in Friedberg am 7., in Ossenheim am 8., in Fauerbach am 14. und am 25.; im Kreise Büdingen in Hitzkirck m am 19., in Glauberg am 26.; im Kreise Alsfeld in Eifa am 12. und im Kreise Lauterbach in Eisenbach am 4. November, in allen Fällen bei je einem crepirten Rindviehstück. Lungenseuche: In Kelsterbach, im Kreise Groß-Gerau, wurden die angeordneten Maßregeln wieder aufgehoben. Die Maul- und Klauenseuche unter den auf dem Mainzer Viehbose untergebrachten Schweinen ist, nachdem die bezüglichen Stallungen eoacuirt rouroen, erloschen. Der Bläschenausschlag in Leusel, im Kreise Alsfeld, ist erloschen. Fest- gestellt wurde die Seuche in Weckesheim, im Kreise Friedberg, am 9. November bei einem Zuchtbullen und 3 weiblichen Rindern und in Nidda, im Kreise Büdingen, am 30. November bei einem Bullen und 2 roeibl. Rindern. Die Rande gilt noch als vorhanden unter den Schafen im Kreise Gießen in Inheiden und Trais-Horloff; im Kreise Alsfeld in Heidelbach, Appenrod und Erbenhausen; im Kreise Büdingen in den Orten Wenings, Dauernheim, Bergheim, Wallern- hausen, Ranstadt, Lohrbach, Eckartsborn, Leidhecken und Berstadt. Handel und Verkehr. Gießen, 2. Januar. Auf dem heutigen Markt kostet-' Butter per Pfund * 1.05—110, Hühnereier per Stck. 7—8 H, Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 5—8 Käsematte 2—3 H, Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 25 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,60 H, Hühner per Stück 0 80—1.00, Hahnen pr. e>tüd JL 0.60—1.40, Enten per Stück