ibltrtö ä’mmtr ^rftftrafee 32. Zimmer iü vermiethen. euen Baue 9. villige. ' irmtethen. Athorstraße 16. immer~ ipp, Oltant. 9. tiwillige. zu vermiethen. rand Nr. 19II. es Zimmer mit Uuistraße 9. irterre^immtr illtrftraßt 7. ®5 Zimmer en, und kam ditzitta^e 41. c zu vermiethen. z u- Seltersweg. r zu vermiethen- !nhm senior, orstraße- idliches Zimmer reltcrsweg 71. 'igel re - Zimmer in nuten von der Nordanlage 31. itr und Cabinet Wusburg^, Mmer zu- verr lliborsttaße^. x gehende gut boner Lage, zu zwei Herren- [immer zu oer- Tieienweg.o^ HnnietheN' Eberstrahe^ LlstraßeL. Zimmer zu e 33, nJL-, Marktplatz oermieth^ Erbanlage izeigen- «DL'l lttt, welches im $rt ift Ä». Nr. 229 Samstag den s. October 1886. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. V. Schulst--». 7. schein, täglich ml. -«nahm, d-s Montag«. Politische Ueberficht. Oießen, 1. October. Kaiser Wilhelm hat auch in seiner Herbftruhe in Baden« Baden einen Kreis von fürstlichen und sonstigen distinguirten Persönlichkeiten um sich versammelt, der noch in den letzten Tagen durch das Eintreffen des Königs der Belgier und des Prinzen Heinrich von Preußen vermehrt worden ist. Wie erinnerlich, wurde der Besuch des belgischen Herrschers am Berliner Hose schon in diesem Frühjahre erwartet, aber verschiedene Umstände — in erster Lmte wohl die durch den Arbeiter-Ausruhr herbeigesührte drohende innere Lage Belgiens — verhinderten damals die Ausführung des Planes; jetzt hat ihn nun König Leopold verwirklicht, nur daß er unfern Kaiser, anstatt in der Reichshauptstadt, in Baden-Baden begrüßte. Am Donnerstag ward selbst, wie her- Lömmlich, der Geburtstag der Kaiserin im engeren Familienkreise gefeiert. Die hohe Frau vollendete an diesem Tage ihr 75. Lebensjahr und ist es ihr vergönnt, den Eintritt in ein neues Lebensjahr in erfreulichster geistiger und körperlicher Frische zu begehen. Ueber den Zeitpunkt der Rückkehr der kaiserlichen Majestäten nach Berlin verlautet noch nichts Bestimmtes; jedenfalls erfolgt dieselbe aber noch in der ersten Octoberhälste. Prinz Friedrich Leopold von Preußen — der Sobn des verstorbenen Prinzen Friedrich Karl — welcher vor Kurzem seine UniversttätS- Studien in Bonn beendigte, tritt in diesen Tagen eine mehrmonatliche Reise an, tzie den Prinzen zunächst nach Indien führen wird. Hier gedenkt derselbe mit dem Herzog von Connaught und dessen Gemahlin, der Schwester de- Prinzen Friedrich Leopold, zusammenzutreffen; über seine weiteren Reise-Dispositionen ist noch nichts bekannt. Der schon unmittelbar nach der Rückkehr des Kaiserpaares nach Berlin daselbst in Ausstcht gestellte Besuch des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern dürfte stch aus verschiedenen Gründen noch verzögern, daß er aber in diesem Jahre noch zur Ausführung gelangt, soll bestimmt feststehen. Für jetzt ist Prinz Luitpold, getrieben durch sein Bemühen, dem bayerischen Volke auch persönlich immer näher zu treten, auf einer Rundreise durch Schwaben und Franken begriffen, die ihn zunächst nach Augsburg und von da nach Nürnberg, der zweiten Stadt des Bayernlandes, führte. Dort wie hier ist dem Prinz-Regenten ein wahrhaft begeisterter Empfang Seitens aller Bevölke- Turigs-Schichten zu Theil geworden, der genugsam Zeugniß davon ablegt, wie sehr es der von einem schweren Berhängniß zur Leitung des Geschickes des Landes berufene greise Fürst in der noch verhältnißmäßig kurzen Zeit seines Wirkens verstanden hat, sich die Liebe und das Vertrauen des Bayernvolkes in höchstem Maße zu erwerben. Von Nürnberg aus hat stch der Prinz-Regent am Mittwoch früh nach Ansbach, der politischen Hauptstadt Mittel-Frankens, begeben, um von hier aus die Weiterreise nach Würzburg fortzusetzen. Von positivem neuen Nachrichts-Material aus dem Gebiete her innerpolitischen Angelegenheiten liegt heute wenig Belangreiches vor. Am meisten dürste noch der vorläufige Ausgang der verschiedenen, wegen vorzeitiger Veröffentlichung des Inhalts der Anklageschrift im Landesverrathe Sarauw- Röttger gegen eine Anzahl Zeitungs Redacteure und Zeitungs-Berichterstatter eingeleiteten Preßprocefle Interesse erregen. Die sämmtlichen Processe waren an die letzte Instanz, an das Reichsgericht, gelangt, welches, soweit die Processe nicht zur nochmaligen Verhandlung an die erste Instanz zurückgewiesen wurden, bie verurtheilenden Erkenntnisse der Landgerichte bestätigte. Ans den UrtheilS- gründen des Reichsgerichtes in den letzteren Fällen ist namentlich die principiell wichtige Entscheidung hervorzuheben, daß auch die nur theilweise oder auszugsweise erfolgte Wiedergabe des Inhaltes einer Anklageschrift, der geheim gehalten werden soll, strafbar ist. Aus kirchenpolitischem Gebiete ist die Meldung von der Ernennung des Decans Dr. Klein zum Bischof von Limburg zu verzeichnen. In Leipzig hat am Mittwoch in Gegenwart des Königs Albert die feierliche Einweihung des neu erbauten Bärsengebäudes stattgefunden. Der Schwerpunkt des politischen Lebens in der österreichisch- ungarischen Monarchie ruht augenblicklich wieder einmal in Pesth, wo fett Montag die im vergangenen Frühjahre abgebrochenen gemeinsamen Minister- Conferenzen ihre Fortsetzung finden. Obschon dieselben in erster Linie den Stand der Ausgleichssrage zwischen den beiden Reichshälsten zum Object haben, so liegt doch die Annahme nahe, daß auch, die auswärtige Politik hürbei in irgend einer Form zur Sprache kommen wird, da die bulgarische Frage gegenwärtig gerade in der ungarischen Hauptstadt die Gewüther so lebhaft beschäftigt. Es kann indessen nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die Anstrengungen der Opposition im ungarischen Unterhause, die österreichische Orientpolitik in fpecifisch ungarischem Sinne zu beeinflussen, nicht den minvesten Erfolg haben werden. Durch den Ansturm, den die ungarischen Parlamentarikrs im Verein mit dem liberalen Wiener Journalismus gegen dis Orientpolitik Oesterreich- Ungarns unternommen haben, sind eine Menge Krisengerüchte gezeitigt worden, die namentlich von einer Erschütterung der Stellung des Grafen Kalnoky wissen wollten. Alle diese Gerüchte erfahren aber von unterrichteter Seite ein entschiedenes Dementi und die Versicherung, daß Graf Kalnoky sich nach wie vor des unbedingten Vertrauens seines Souverains erfreue, dürfte daher nur den That- sachen entsprechen. Uebrigens wird ohne Zweifel die Thronrede bei der am 29. September erfolgten Eröffnung der österreichischen Reichüraths-Session das feste Zusammenstehen Deutschlands und Oesterreich-Ungarn- auch in der bulgarischen Angelegenheit nur bestätigt haben. Das verunglückte Pronunciamento von Madrid zuckt jenseits der Pyrenäen doch noch immer aus. An der französisch - spanischen Grenze ift es bei Espinavall zu einem Zusammenstöße zwischen einer spanischen Truppen - Abteilung und einer Bande Republikaner gekommen; letztere wurde schließlich über die Grenze getrieben. Außerdem sind nach einer im französischen Ministerium des Innern eingegangenen Depesche im Pyrenäengebiete auch karlistische Banden ausgetaucht, so daß es in nächster Zeit an der spanisch-französischen Grenze jedenfalls lebhaft zugehen wird. Nicht unbedenklich klingt die Nachricht, daß in Corunna 4 Unterosficiere wegen dringenden Verdachtes der Teilnahme an einer Verschwörung verhaftet worden sind, denn sie deutet darauf hin, daß der meuterische Geist in der spanischen Armee stärker ist, als man in den Madrider Regierungskreisen anzunehmen scheint. Dabei nehmen im Lande die Verhaftungen von Anhängern Zorrilla'S, des Hauptes der spanischen Republikaner, ihren ungestörten Fortgang und auch dies beweist, daß der Madrider Putsch doch weitere Kreise gezogen hat, als die spanische Regierung anfänglich selbst glauben mochte. Die zwischen Frankreich und England schwebende Hebriden frage droht eine Verschärfung zu erfahren. Der in Sydnei eingetroffene französische Aviso „Duchaffaut", hat die Nachricht überbracht, daß die Franzosen in Sila aus der zu den Neuen Hebriden gehörenden Sandwich-Jnsel einen dritten militärischen Posten errichtet haben und augenscheinlich beabsichtigen, eine Niederlassung zu gründen. Man dors sich darauf gefaßt machen, daß diese Meldung in den australischen Kolonien, wo die Festsetzung der Franzosen auf den Neuen Hebriden so schon dem größten Mißtrauen begegnet, einen neuen Sturm der Entrüstung gegen Frankreich Hervorrufen wird. Deutschland. Berlin, 30. September. Zu Ehren des Geburtstages der Kaiserin haben alle öffentlichen und viele Privatgebäude Flaggenschmuck angelegt; in den Wohlthätigkeits-Anstalten sanden festliche Speisungen statt, die Theater werden ihre Vorstellungen mit Festprologen einleiten. Frankreich. Pari-, 30. September. Eine dem Ministerium des Innern zugegangene Depesche constatirt, daß an der spanischen Grenze seit dem 24. d. Mt». keine Karlistenbande wahrgenommen worden ist. — Der österreichische Botschafter Hoyos ist nach Wien abgereist. — Freycinet empfing in Montpellier die Behörden. General Berge gab der Hingebung der Osficiere für den Ruhm und die Ehre Frankreichs Ausdruck. Der Bischof von Montpellier, vom ganzen Klerus umgeben, sagte, er und die Geistlichkeit seines Sprengel- seien von einem lebhaften Gefühl der Pflichten gegen die Kirche in Frankreich durchdrungen. Außerhalb der politischen Parteien stehend, schätzten sie sich glücklich, wenn sie alle Mitbürger dahin führen könnten, den Glauben zu schätzen und zu bewahren, der Frankreich groß gemacht und Frankreichs Größe auch zukünftig erhalten würde. Freycinet dankte und wünschte, daß diese Gefühle den ganzen Klerus beseelen möchten. Kulgarien. Sofia, 30. September. Die Delegirten verschiedener Korporationen begaben sich unter Führung Voultcheff's zu Kaulbars und befeuerten ihre Ergebenheit gegen den russischen Kaiser, erklärten aber gleichzeitig, daß die baldige Wahl eines Fürsten nothwendig sei. Kaulbars erwiderte, daß auf Hinausschiebung der Wahlen zur Sobranje bis November bestanden werden müsse. Die Wahl des Fürsten sei nicht eine bulgarische, sondern eine internationale Angelegenheit, auch dürste die Zustimmung der Mächte betreffs der Person de» neuen Fürsten nicht so rasch erfolgen. Niemals werde Prinz Alexander von Battenberg ober ein Mitglied seiner Familie nach Bulgarien zurückkehren können. Der Ministerrath soll beschlossen haben, daß vor Beantwortung der jüngsten rassischen Note noch eine Besprechung mit Kaulbars stattfinden und dann erst die Beantwortung der Note erfolgen solle. LÄtgraphtschk Depesche«. Wolff’l Srürgir. SsLresporrdsrrs ° Vtt*s«r. Berlin, 30. September. Der „Neichsanzeiger" publicirt die vom Staatssecretär des Reichsschatzamts, v. Burchard, nachgesuchte Dienstentlassung. — Die hiesige Stadtverordnetenversammlung wählte mit 80 von 95 Stimmen Langerhans zum Vorsteher-Stellvertreter und nahm den Antrag auf Vorlegung des Entwurfs einer neuen Baupolizeiordnung an die Stadtverordneten zur Kenntnißnahme und Aeußerung, nachdem die dem Anträge vorangestellte Begründung in Folge mehrfacher dagegen vorgebrachter Einwendungen von den Antragstellern zurückgezogen war. Stadtrath Voigt erklärte, der jetzige Entwurf enthalte gegen den früheren keine irgendwie erschwerenden Bedingungen, trage im Gegentheil den städtischerseits vorgebrachten Beschwerden in einigen Punkten Rechnung. — Die beiden Königlichen Theater sind heute wegen Ablebens v. Hülsen's auf Befehl des Königs geschlossen worden und sollen auch am Beisetzungstage geschlossen werden. München, 30. September. Der Historienmaler Franz Adam ist vergangene Nacht gestorben. DreS-en, 30. September. Erzherzog Otto, der Bräutigam der Prinzessin Maria Josepha, traf heute 81/* Uhr am Bahnhofe ein, woselbst er von einer Ehrencompagnie, sowie von dem König, den Prinzen Georg, Friedrich August, Johann Georg und Max und der gesammten Generalität begrüßt wurde. Die Mitglieder der hiesigen österreichischen Gesandtschaft, sowie die zum Ehrendienst commandirten Kavaliere waren dem Erzherzoge bis Tetschen entgegengefahren. Pefth, 30. September. Abgeordnetenhaus. Beantwortung der Interpellationen in der bulgarischen Frage. Ministerpräsident Tisza erklärt, in erster Linie weise er die Annahme zurück, daß das Ministerium des Auswärtigen die Absetzung des Fürsten von Bulgarien in Aussicht genommen habe oder gar von dem gegen den Fürsten verübten Attentat zum Voraus unterrichtet gewesen sei und dasselbe unter irgend welcher Bedingung gutgeheißen hätte. Diese und die darauf folgenden Vorfälle hätte das Ministerium des Auswärtigen ebenso wenig missen können, als daß der Fürst von Bulgarien, wie aus einem Telegramme hervorgehe, seine Krone als direct vom Kaiser von Rußland empfangen angesehen und sein Bleiben von dessen Zustimmung abhängig gemacht habe. Es bestehe keinerlei Uebereinkommen zwischen der österreichischungarischen Regierung und Rußlands betreffs eines im westlichen oder östlichen Theile der Balkanhalbinsel auszuübenden Einfluß, es konnte demgemäß letzterer auch an keine Bedingungen geknüpft werden. Die der österreichisch-ungarischen Monarchie durch den Berliner Vertrag eingeräumte Stellung, die die Regierung entschieden festhalte, entspreche bei Aufrechterhaltung der Bestimmungen des Berliner Vertrags den Interessen Oesterreich Ungarns ganz genügend. Don dem gemeinsamen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten sei in Bezug auf die Verschwörer gegen den Fürsten Alexander im Interesse Bulgariens selbst vor übereilten Entschlüssen und deren Consequenzen wohl gewarnt worden. es sei jedoch keinerlei Schritt zum Schutze und im Interesse der Urheber des Sofiaer Attentates geschehen. Der Ministerpräsident fuhr darauf fort: „Ich gehe jetzt zu meiner in Aussicht gestellten Erklärung über. Als meine individuelle Ansicht habe ich mich —' als ich im Jahre 1868 zuerst Gelegenheit hatte, mich über die orientalische Frage zu äußern — im Hinblik auf die kommenden Ereignisse dahin ausgesprochen, daß, falls dort Veränderungen geschehen müßten, unsere Interessen erheischen würden, daß die dort lebenden Völkerschaften ihren Jndioiduali- läten entsprechend sich zu selbstständigen Staaten herausbildeten. Im Einklänge mit -unserem auswärtigen Amte bin ich der Meinung, daß dies auch heute den Interessen der Monarchie am besten zusagt und daß die Monarchie, indem sie jede Vergrößerungsoder Eroberungsgelüste von sich weist, ihr Bestreben mit allem Einfluß darauf richten muß, daß eine in den Verträgen nicht bestehende Festsetzung eines Vrotectorats oder eines bleibenden Einflusses einer einzigen freniden Macht nicht Platz greife. In unseren Bündnißbeziehungen zu den fremden Mächten ist keine Aenderung eingetreten, dieselben bestehen daher unverändert so fort, wie sie der gemeinsame Minister des Auswärtigen in den Delegationen desinirt hat. Mit Deutschland stehen wir auch deute auf der alten Grundlage, eben deßhalb dürfen wir nicht daran zweifeln, daß mit Rücksichtnahme auf die gegenseitigen Existenzbedingungen wir vereint diese auch werden wahren können ohne Gefärdung des allgemeinen Friedens. Unsererseits betrachten wir den Berliner Friedensakt, trotzdem daß derselbe in einzelnen Fällen — unter denen der im vorigen Jahre in Ostrumelien vorgekommene der folgenschwerste war — verletzt worden ist, auch heute als in Kraft stehend und als einen solchen, der aufrechtzuerhalten ist. Auch ist uns von keiner der anderen Mächte ein gegentheiliger Standpunkt bekannt gegeben worden. Die Regierung hält auch an der wiederholt ausgesprochenen Ansicht fest, daß nach den bestehenden Verträgen auf der Balkanhalbinsel, falls die Türkei das ihr zustehende Recht nicht in Anspruch nimmt, Niemand anderes zu einem einstigen bewaffneten Einschreiten oder zu der Aufstellung eines Protektorates berechtigt ist, daß überhaupt jede Aenderung in den staatsrechtlichen oder Machtoerhältnissen der Balkanländer nur im Einvernehmen der Signatarmächte geschehen darf. Dies find die allgemeinen Umrisse unseres Bestrebens, dessen Erfolg wir im Einvernehmen mit den Mächten ohne Störung des Friedens zu erreichen wünschen und hoffen. Die Erreichung dieses Ziels werden wir durch vorzeitige Abgabe von Erklärungen in tönenden Worten nicht gefährden, auf dieses Ziel werden wir mit der in kritischen Zeiten doppelt nöthigen Ruhe und Mäßigung, zugleich aber mit allem Ernste und mit Entschiedenheit hinwirken." Horvath, Jranyi und Apponyi erklären sich von der Antwort Tisza's nicht befriedigt, verweisen insbesondere auf die Vorgänge in Sofia und verlangen die Einleitung einer Debatte. Ministerpräsident Tisza antwortet, eine ausführlichere Antwort könne Niemand ertheilen. Hierauf wird die Antwort Tisza's mit großer Majorität zur Kenntniß genommen. — Gegenüber den Ausführungen verschiedener Redner bemerkte noch Tisza, seine Aufklärungen gingen weit über die Erklärungen anderer Regierungen, beispielsweise der englischen, hinaus. Sollte die allgemeine Richtung der österreichisch-ungarischen Politik eine Aenderung erfahren, so würde er seine Pflicht kennen. Heber den Zeitpunkt einer Vorlage von Dokumenten könne er sich nicht äußern. Die Frage eines Abgeordneten, ob die Regierung betreffs des russischen Candidaten für den bulgarischen Thron irgendwelche bindende Verpflichtungen eingegangen sei, beantwortet der Ministerpräsident entschieden mit „Nein" und bittet, schwebende Fragen nicht einer parlamentarischen Discussion zu unterziehen, er würde hierin ein Mißtrauen erblicken und seinen Platz einem Anderen räumen, in der Hoffnung, daß auch sein Nachfolger diese Forderung nicht erfüllen werde. Newyork, 30. September. Gestern wüthete in den Gebieten an der Mündung des Rio Grande del Norte ein heftiger Sturm. In Brownsville (Texas) sind 20 Häuser zerstört und viele andere beschädigt, in Matamoras (Mexikos sind 300 Häuser zerstört und viele beschädigt. In Matamoras sind gegen 400 und in Brownsville 150 Familien obdachlos.______________________________________________ Congreß der Vereine für Feuerbestattung?u Gotha am 26. und 27. September. Unter dem Vorsitz des Herrn Obermedicinalraths Dr. Vix begann Montag 9V1 Uhr die Sitzung des Feuerbestattungs - Congresses im großen Rathhaussaale mit einer kurzen vertraulichen Besprechung. Nach Constituirung des Bureaus nimmt Herr Oberbürgermeister Hünersdorf das Wort. Er begrüßt die Erschienenen im Namen der städtischen Behörden und weist auf die Wichtigkeit des Tages hin. Er wisse es der herzoglichen Negierung Dank, daß sie so vorurtheilslos gewesen, der Sache entgegenzukommen. Die Erfahrung von viertehalbhundert Fällen habe die Nützlichkeit der Einrichtung erratenen und die Spötter zurückgewiesen. Aber darum sei in Gotha das Interesse für die Vertreter dieser Bestrebungen in ganz Deutschland doppelt rege. Er heißt die Versammlung nochmals herzlich willkommen. — Der Vorsitzende weist nach dieser Rede auf die nationalen und culturellen Verdienste Gothas hin. Er hoffe, daß bald Gotha nicht mehr der alleinige Ort für die Feuerbestattung in Deutschland sein werde. Zum Dank für die thatkräftige Unterstützung bringt er ein Hoch auf den Herzog, seine Negierung und die städtischen Behörden aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmt. Zwei Glückwunschtelegramme, eins aus Heidelberg und eins aus Varese (Italien) werden verlesen, worauf die Versammlung in die Tagesordnung eintritt. Von Seiten der lega italiana ist eine Antwort auf die Letchenverbrennungs- encyclica veröffentlicht worden, welche eingegangen ist und von Herrn Dr. v. Ritter, Vertreter der Feuerbestattungsvereine Mailands, übersetzt wird, welcher hierauf von der Versammlung gebeten wird, die Sympathie und den Dank der hier versammelten Vertreter der lega italiana zu übersenden. — Es gelangt hierauf ein Antrag des Vereins Frankfurt zur Debatte, betreffend Satzungen eines Verbandes der Vereine für Reform des Bestattungswesens und fakultative Feuerbestattung. Die Satzungen wurden nach den Anträgen des Frankfurter Vereins mit geringer Abänderung angenommen. Zur Wahlbesprechung wird eine kurze Pause eingeschaltet. Nach Ablauf derselben wird eine Einladung des Oberbürgermeisters von Darmstadt mitgetheilt, den nächsten Verbandstag in Darmstadt abzuhalten. Die Einladung wurde mit Dank angenommen und beschlossen, den Oberbürgermeister Ohly zu Darmstadt telegraphisch hiervon zu benachrichtigen. Per Acclamation wurden zum Vorstände gewählt die Herren: Obermedicinal- rath Dr. Vix-Darmstadt, Redacteur Julius Stein-Berlin und Wilh. Prösler- Frankfurt a. M. — Die Frage über die Bestimmung eines Verbandsorgans beschloß man bis auf den nächstjährigen Verbandstag zu vertagen. Die Versammlung wendet sich alsdann zu dem Punkte betreffs eines internationalen Congresses für Feuerbestattung. Hierzu verliest Dr. v. Ritter eine Adresse Les Vereins in Mailand, welche mit dem Anträge schließt, daß der deutsche Verband t mit den ausländischen Vereinen in Verbindung treten möge, um einem internationalen Verbände die Wege zu bahnen. Hierzu ertheilte die Versammlung ihre Zustimmung. Der Verein in Berlin beantragt hierzu, im Einverständniß mit der internationalen » Commission für (Kremation in Mailand, die Abhaltung eines internationalen Con- ! gresses für Feuerbestattung im Jahre 1888 in Berlin zu veranlassen, ein Antrag, der ohne Debatte angenommen wurde. — Zu dem Anträge, ein Gesuch an die Eisen- bahndireetion um Herabsetzung der Preise für den Leichentransport nach Gotha zu richten, schlägt Dr. Schüler-Dresden vor, eine solche Petition an den geschäftsführenden Ausschuß für Tarifwesen der deutschen Eisenbahnen zu richten, cd. geeignete andere Schritte zu thun. Damit gelangt die Versammlung zu der Berichterstattung der einzelnen Vereine über die Stellung der Landesregierungen zur Feuerbestattungsfrage. Aus dem Berichte geht hervor, daß die sächsische Regierung sich absolut gegen diese Frage verschließt, nicht viel besser steht es mit der preußischen Regierung, die wegen des mangelnden Interesses im Volke ein Nähertreten abgelehnt habe. Für den Augenblick aussichtslos steht es in Oesterreich, während der Hamburger Delegirte die frohe Kunde bringt, daß dort sofort, nachdem Kapital und die Betriebsmittel vorhanden seien, die Regierung ihre Zustimmung zur Erbauung eines (Krematoriums geben würde. Jedoch ginge der Bescheid dahin, daß nur mit der Voraussetzung die Concession ertheilt würde, daß Hamburger Leichen dort bestattet werden müßten. Heber die Verhältnisse im Großherzogthum Hessen berichtet Herr Geh. Rath Weber, daß die Regierung abschlägig geantwortet habe, da kein Bedürfniß vorhanden sei. Da jedoch keine Gesetze entgegenftünben, würde die Angelegenheit im nächsten Landtage zur Berathung kommen. Theilnehmer des Congresses waren: Professor Dr. Reclam - Leipzig, Kaiserl- Regierungs- und Obermedicinalrath a. D. Dr. Vix Darmstadt (hessischer Landesverein)» Director Schüler-Dresden („Urne" Dresden), Adolph Kugler-Frankfurt a. M. (Verein „Liegnitz"), Oskar Siedeck-Wien (Schatzmeister des Vereins „Flamme"), Wilhelm Prösler-Frankfurt a. M., Dr. Adolph Weber - Darmstadt (Ober - Ingelheim), John Storer Cobb-London, Dr. Paul v. Ritter-Basel (Verein in Mailand und italienischer Verband), Redacteur Stein-Berlin, Stadtratb Flesch-Frankfurt, C. F. Abel-Berlin, Fabrikant Rengert-Berlin, Kaufmann Marcus-Berlin, Kaufmann Astel-Berlin, Generalagent der Gothaer Feueroersicherungsbank, Wolff-Frrinkfurt a. M., Dr. K. Krause- Hamburg, Lehrer emer. Stahlknecht-Chemnih, Dr. Sandow-Hamburg, D. S. Hauß- mann-Straßburg (als Gast), 17 Vertreter für 10 Vereine. Nach einer gemeinsamen Mittagstafel, welche durch zahlreiche Toaste gewürzt war, fand unter der liebenswürdigen Führung des Oberbürgermeisters und des Baumeisters am (Krematorium Nachmittags 3Vs Uhr eine Besichtigung des (Kolumbariums- und des Verbrennungsofens statt. Es wurde der vollständig geheizte Apparat in Thätigkeit gesetzt und so den Beschauern ein klares Bild von dem Proceß der Feuerbestattung gegeben. Abends V27 Uhr kamen die Vertreter zur Fortsetzung der Vormittags ausgesetzten Verhandlung im Rathhause wieder zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung zeigte der Herr Oberbürgermeister einige Knochenüberreste von dem Körper von einer vor Kurzem verbrannten jungen 23jährigen Dame, welche testamentarisch bestimmt hatte, daß ihre Asche in alle Winde zerstreut würde. — Alsdann tritt man der Berathung näher betreffs einer öffentlichen Kundgebung zu Gunsten der Feuerbestattung unter Appell an die Toleranz und unter Zurückweisung der von geistlicher und weltlicher Seite erhobenen Angriffe, wozu der Frankfurter Verein einen Entwurf eingebracht hatte. Nach kurzer Debatte entscheidet sich die Versammlung generaliter für Erlaß einer Kundgebung. Von dem Wiener Verein war ein Amendement eingebracht worden, jedoch wird der Frankfurter Antrag mit geringen Aenderungen angenommen. Auf Antrag von Astel-Berlin wird der Beschluß gefaßt, den Zeitungen oen Aufruf zur Aufnahme zuzusenden. Zu dem Capitel der gemeinsamen Agitation liegt ein Antrag des Liegniher Vereins vor, Reisesprecher zu engagiren, welcher Antrag jedoch vom Vertreter des Vereins zurückgezogen wird, da der Antrag durch die Satzungen erledigt sei. Damit schließt der officieüe Theil des Congresses. Zum Schlüsse dankt Herr Wolff dem Vorsitzenden für dessen vortreffliche und unparteiische Leitung. Lokale-. A Gießen, 1. Oct. Ein feierliches Ereigniß fand gestern Abend 6 Hhr beim Schichtenwechsel des Personals in der hiesigen Gasanstalt statt. — Der seitherige langjährige Besitzer und Director des Gaswerks, Herr August Heß, hatte die sämmtlichen Beamten und Arbeiter seiner Anstalt im Retortenhause um sich versammelt , um seinen „lieben Mitarbeitern" aus Veranlassung des Hebergangs seiner Gasanstalt in städtischen Besitz tiefempfundene Worte des Abschieds auszusprechen. Er erinnerte nach einer herzlichen Einleitung daran, daß die Anstalt, welcher er seit einem Vierteljahrhundert seine beste Arbeitskraft gewidmet, ihm während langer Jahre mehr Sorgen verursacht, als die meisten ahnten und daß ihm dieselbe dieser- halb nicht minder, als infolge ihrer in späteren Jahren erfolgten gedeihlichen Entwickelung an's Herz gewachsen sei, wie ein solches Kind, welches lange Jahre hindurch besorgt mache und Dank liebevoller Pflege schließlich doch heranreife zu einem tüchtigen Manne. — Daß ihm die plötzliche Trennung von diesem seinem geliebten Kinde, das er mit aller Hingabe und rastloser Thätigkeit groß gezogen, wehe thue, sei unter solchen Hrnständen wohl zu verstehen. — Dank müsse er aussprcchen allen seinen Mitarbeitern, durch deren harmonisches Zusammenwirken und treue Pflichterfüllung ihm die Leitung der Anstalt wesentlich erleichtert worden sei. — Herr Heß mahnte sodann alle seine seitherigen Mitarbeiter, mit derselben Pflichttreue ihren geschäftlichen Obliegenheiten unter der städtischen Verwaltung der Gasanstalt nachzukommen, deren Leitung seinem langjährigen Techniker Herrn Bergen übertragen sei. Allen seinen Beamten und Arbeitern, die ihm zum Theile seit beinahe 25 Jahren treu zur Seite gestanden, wünsche er ferneres Wohlergehen, der städtischen Gasanstalt alles Gedeihen! Schließlich fühle er sich gedrungen, auch als ein äußeres Zeichen seiner Dankbarkeit allen ein Geschenk von dauerndem Werthe zu überreichen. — Diese mit den wohlmeinendsten Wünschen überreichten namhaften Geschenke bestanden in zinsbringenden. Papieren. Hierauf sprach Herr Bergen im Namen des gesammten Fabrikpersonals ihrem hochverehrten scheidenden Director Herrn Heß den herzinnigsten Dank aus für sein allen seinen Beamten und Arbeitern erwiesenes Wohlwollen. Es sei Allen stets eine Freude gewesen, unter der Leitung eines solch kenntnißreichen, mit dem umfassendsten Wissen ausgerüsteten Mannes, unter dem Pünktlichkeit, Ordnung und Pflichterfüllung verlangenden Dircctor, aber einsichtsvollen und stets wohlwollenden, humanen Prinzipal zu arbeiten. In Hochachtung und Verehrung seien und blieben ihm alle seine Leute ergeben, wie sie auch seinen Schmerz zu würdigen wüßten, den die jüngstverflossene Zeit rhm verursacht und die plötzliche Trennung von der ihm so liebgewordenen Stätte ersprießlichen Wirkens! Für das allen Mitarbeitern und ihren Angehörigen wie so oft doch, in der innigsten Theilnahme erwiesene Wohlwollen nochmals herzlichst dankend, sei ihnen das soeben aus seinem Munde vernommene Zeugniß seiner steten Zufriedenheit sicher nicht minder erfreulich, wie die erhaltenen werthvollen Andenken selbst Die an die Anwesenden gerichteten Mahnungen des Herrn Heß, auch unter der neuen Verwaltung ihren Obliegenheiten gewissenhaft nachzukommen, mache auch er zu den seinigen. Redner werde Klbft, ferner großen Verantwortlichkeit bewußt, in gewissenhafter Ausführung seiner geschäftlichen Obliegenheiten, wie nicht minder auch ihr bewährter Gas- melster, Herr May, dem Personal als gute Beispiele voranzugehen bestrebt sein, er Ne, daß unter der neuen Verwaltung sich die Anstalt auch fernerhin zum Nutzen der Stadt entwickeln werde. Des von seiner ihm so lieb und werth gewordenen lang- lahrigen Arbettsstatte scheidenden Directors Herrn Heß würden alle seine Leute aber zeitlebens m Dankbarkeit und Verehrung gedenken, ihre herzlichsten Wünsche ferneren Wohlergehens gelteir dem jetzt von seinen Mitarbeitern geschäftlich sich trennenden unvergeßlichen Principal und seiner werthen Familie. Hierauf reichten alle Anwesenden in tiefster Rührung dem selbst so ergriffenen Herrn Heß nochmals wärmstens dankend die Hand. £„, , Hetzen, A September. (Schwurgericht.) Ein an sich geringfügiger Anlaß, führte heute den 21 Jahre alten Karl Herchenröder, den Johannes Wolf und den Fuhrmann ^acob Türk, sämmtlich von Düdelsheim, auf die Anklagebank, um sich wegen des schweren Verbrechens des Meineids bezw. der Verleitung zu solchem zik verantworten. Der Sachverhalt ist folgender: Der Dienstknecht Karl Herchenröder versetzte dem 14 Jahre alten Sohne be^ Jakob Türk am Abend des 14. März d. I. auf der Ortsstraße zu Düdelsheim mehrere Ohrseigen, weil angeblich Türk die Schwester des Herchenröder kurze Zeit vorher geschlagen habe. Der Junge lief alsbald heulend nach Hause und klagte seinem Vater die ihm zugefügte Unbill, worauf dieser sich sofort mit einer Stange bewaffnete und dem Herchenröder nachsprang. An der Wohnung des Herchenröder angekommen, schlug der alte Türk mit der Stange ein Fenster ein, drohte und skandalisirte vor und in der Wohnung und leistete auch schließlich der Aufforderung des dazu Berechtigten, das Haus zu verlassen, keine Folge. Wegen dieser Handlungsweise in Untersuchung gestellt, sollte sich Türk am 24. Mai d. I. vor Großh. Schöffengericht Büdingen verantworten. Zu dieser Verhandlung war als Zeuge der genannte Herchenröder geladen, Türk ließ jedoch noch den Dienstknecht Johannes Wolf durch den Gerichtsvollzieher beiladen, nut welchem Zeugen er beweisen wollte, daß Herchenröder seinen Solin geschlagen habe. In der schöffengerichtlichen Verhandlung leisteten Herchenröder und Wolf den Zeugeneid. Ersterer gab auf die Frage des Vorsitzenden, ob er den Sohn des Türk geschlagen, an, daß er ihm zwar gedroht, ihn jedoch nicht geschlagen habe; Letzterer aber bezeugte, daß Herchenröder den jungen Türk geschlagen, zu Boden geworfen und auf rhm gekniet habe. In Folge der sich widersprechenden Zeugenaussagen wurde gegen Karl Herchenröder und später auch gegen Wolf llntersuchung wegen Meineids eingeleitet und gaben die Angeklagten zu, sich des Verbrechens des Meineids schuldig gemacht zu haben; Wolf behauptete jedoch, von Jacob Türk hierzu durch Versprechungen verleitet morden $ Die angestellten Ermittlungen haben nun auch ergeben, daß Türk den Wolf mehrfach aufgesucht und mit ihm über den fraglichen Vorfall gesprochen hat; ein directer Beweis seiner Schuld konnte jedoch nicht erbracht werden. Die Geschworenen sprachen den Herchenröder und Wolf schuldig; bezüglich des Türk wurde die Schuldfrage vernein:, weshalb Freisprechung desselben erfolgte, während Herchenröder in eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten, abzüglich 3 Monate erlittener Untersuchungshaft und Wolf in eine Zuchtsausstrafe von 1 Jahr 9 Monaten, abzüglich 2 Monate erlittener Untersuchungshaft, verurtheilt wurde. Dem letzteren wurden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt, sowie die dauernde Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, ausgesprochen. Gießen, 1. October. ^Schwurgericht.] In der heutigen Sitzung dieses Gerichts wurde der Dienstknecht Johann Eurt Steinbach von Alsfeld wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurtheilt. — Die Verhandlungen wurden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Gießen, 1. October. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 10 der Verwaltungsblätter hat folgenden Inhalt: 1. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Betreff der Fegung und Unterhaltung des Landgrabens, hier der Beitragspflicht der Gemeinde Arheilgen. 2. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Betreff der Erbauung einer Nebenbahn von Sprendlingen nach Wöllstein. 3. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Betreff der Ausführung der Wasserleitung der Stadt Gießen. 4. Oeffentliche Sitzung des Prooinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 18. September 1886. Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal. Universität- - Chronik. — Privatdocent Dr. Gabriel, Assistent am ersten chemischen Universitäts- institut zu Berlin, ist zum außerordentlichen Professor an der philosophischen Fakultät ernannt worden. Bingen, 27. September. Ein Unfall, dessen Ursache und Folgen vorerst noch nicht zu übersehen sind, hat sich heute Mittag gegen 12 Uhr zwischen hier und Aßmannshausen ereignet. Hinter dem Binger Loch stieß ein großes mit acht Traglappen ausgerüstetes Floß mit dem Kettenschrauben-Schlepper Tauerei Nr. 4 zusammen und zwar derart, daß das ganze Floß in Trümmer ging. Ein nachfolgendes kleineres Floß wurde ebenfalls vollständig aufgelöst. Der ganze Rheinstrom war mit Baumstämmen förmlich übersäet. Die Floßtheile trieben zum Theil an die Ufer bei Aßmannshausen. Schloß Rheinstein, Trechtlingshausen, Rieder-Heimbach und Lorch. Gegen zwei Uhr trieb ein Stück des Hinteren Floßes bei Rheindiebach vorüber, bei Nieder-Heimbach wurde ein Badehäuschen fortgerissen. Ob weitere Unfälle vorgekommen, insbesondere ob sich die Bemannung beider Floße retten konnte und welche Beschädigungen das Schleppboot davongetragen, war bis jetzt — Nachmittags 4 Uhr — mit Sicherheit nicht zu ermitteln. — Heute Mittag um 1 Uhr etwa ist das dem Schiffer Straßburger von Caub gehörige hölzerne Segelschiff „Maria" oberhalb des Binger Loches durch einen plötzlich eintretenden heftigen Westwind aus seinem Cours gedrängt worden, hierbei auj Füsen gerathen und in Folge der dabei erhaltenen Leckage auf dem Postbacher Grunde unterhalb des Binger Loches am linken Ufer gesunken. Das Schiff ist mit Gerste beladen. ______________________________________________________(Fr. Ztg.) Kirchliche Anzeigen der Stadt Giesteu. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 2. Oktober. Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser. 15. Sonntag nach Trinitatis. 3. Oktober. Vormittags 9y2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 3 Uhr: Pfarrer Schlosser. Kinderkirche, Vormittags IIV4 Uhr: Pfarrer Schlosser. Montag, den 4. Oktober, Abends 8 Uhr, Bibel st unde in der Kleinkinderschule, Markus, Kap. 1, von Vers 8 an- Auch ein Wort über die seither im Cafs Leib dahier gehaltenen Vorträge und den Jrvingianismus; Pfarrer Ur. Naumann. In der nächsten Woche beginnt der Confirmandenunterricht für die im Jahre 1887 zu confirmirenden Kinder, und zwar: für die Gymnasiasten Montag, 4. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, und für die Schüler der Stadtknabenschule Montag, 4 Oktober, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Dr. Naumann; für die R eal- aymnasiasten und Realschüler Dienstag, 5. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, Pfarrer Schlosser; für die Schülerinnen der höheren Mädchenschule Montag den 4. Oktober, Vormittags 11 Uhr, und für die Schülerinnen der Stadt Mädchenschule Dienstag, den 5. Oktober, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Dingeldey. Die am vorigen Sonntag für die Gemeinde Heppenheim erhobene Kirch en- ko Hefte ertrug 22 JL 20 Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 3. bis 9. Oktober besorgt Pfarrer Dingeldey. Katholische Gemeinde. 16. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. „ V2IO Uhr: Hochamt und Predigt- „ 2 Uhr: Andacht. Kartoffel-Lleferimg. Die Lieferung von ca. 275 Ctr. guter Speisekartoffeln für die unterzeichnete Anstalt soll im Submissionswege vergeben werden. Proben sind in der Anstalt abzugeben und die Offerten bis längstens zum 10. October l. I. einzureichen. Gießen, am 27. September 1886. Gr. Direction der Entbindungsanstalt. Kaltenbach. 6931 Montag den 4. L Mts, Vormittags 11 Uhr, soll aus dem städtischen Baubureau eine Wegauffüllung, veranschlagt zu 120 .X, versteigert werden. Gießen, den 1. Oktober 1886. Großh Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 6930 Samstag den 2. Moder, Nachmittags 2 Uhr, werben in der Flett' scheu Hofraithe dahier Sopha's, Kommode, Tische, Stühle, Spiegel, Bilder, Küchen- u. Kleiderschranke, 1 Waschtisch, Nähmaschinen, 1 Schreibsecretär, 1 Regulator, Wand- und Taschenuhren, 1 Kassaschrank, 1 Silberschrank, 1 Kochherd, 1 Ofen, 2 Ladenschränke und 1 Handwagen öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. Bühner, 6910 Gerichtsvollzieher. Aeilgeöotenes. Ein großer Transport Ponnis und Doppel- ponnis steht auf dem Frankfurter Pferdemarkt —vom 3. bis 5. Oktober zum Verkauf bei 6928 S. Neuberg. 6782] Guter Kuhmist abzugeben. Hammstratze 7. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. In dem Orte Holzheim wird am 1. October 1886 eine Posthülf- sielle errichtet, deren Verwaltung dem Herrn Kaufmann Handwerk übertragen worden ist. Darmstadt, den 28. September 1886. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertretung ____________________ Plaz.____________________________ Ermeiterte Handwerkerschule des ^emerßeoereins. Beginn des Wintersemesters 1886/87: Donnerstag den 7. Oktober, Morgens 8 Uhr. I. Tag-Schule. Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie, Fachzeichnen, Kostenberechnungen. An 4 Wochentagen, Vormittags von 8—12 Uhr. Monatliches Schulgeld 3 «X II. Abeud-Schule. s. Allgemeine Klasse. Deutsch, Rechnen, Naturlehre und Buchführung, Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie und Fachzeichnen. b. Modellir-Klasse. Freihandzeichnen und Modelliren. An 5 Wochenabenden von 728 bis 9 Uhr. Monatliches Schulgeld 2