Nr. 203 Donnerstag den 2 September 1886. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vorra«r Schulstraße 7* Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. $ea Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit «ringerlot«. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl 60 Pf. Bekanntmachung. Nachdem begründete Klagen über Beschädigungen durch den Dachs in Kartoffelfeldern bei uns vorgebracht worden sind, wird die Heegzeit dieses Wildes im ganzen Kreise Gießen für den Monat September l. I. hiermit aufgehoben. Gießen, am 1. September 1886. Großherzogliches Kreisaml Gießen. _______________________________________________________________I. V.: Nover.__ Bekanntmachung. Auf dem am 31. August l. I. dahier abgehalteneu Viehmarkt ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen Eigenthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige, der Ansprüche an dieses Kalb zu machen hat, wird aufgefordert, diese alsbald bei der unterzeichneten Behörde anzumelden. Gießen, den 1. September 1886. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. _____________________________________Fresenius.__________________________________________________ Bekanntmachung. Für die Dauer der Krankheit eines Feldschützen soll ein Hülfsschütze gegen Remuneration bestellt werden. Qualificirte Personen wollen sich alsbald bei der unterzeichneten Behörde melden. Gießen, am 31. August 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Politische Ueberficht. Gießen, 1. September. Wiederum schickt sich das deutsche Volk an, die Erinnerungs. feier an jenen Ruhmestag zu begehen, der auf ewig mit leuchtenden Lettern in die Annalen der deutschen Geschichte eingegrabcn ist — den Tag von Sedan! Vor nun 16 Jahren war es, daß am 2. September die vereinigten Heere Deutschlands unter der persönlichen Oberleitung König Wilhelms auf den Gefilden von Sedan das stolze Herrschastsgebäude des dritten Napoleon für immer in Trümmer schlugen, indem sie nach allerdings hartem und blutigem Kampfe den stolzen Franzosen-Kaiser selbst, seinen ganzen glänzenden Stab von berühmten Marschällen und Generälen und seine letzte Armee gefangen nahmen. Wohl hatte der Riesenkamps zwischen Deutschland und Frankreich mit jener gewaltigen Schlacht noch nicht sein Ende erreicht, wohl mußten erst noch die „aus dem Boden gestampften" Heere der Republik zerschmettert, mußte erst Paris, das Herz des Landes, eingenommen werden, ehe dem zähen Gegner der Friede auf- gezwungen werden konnte, aber dennoch muß die Sedanschlacht als der entscheidende Wendepunkt im Kriege von 1870/71 bezeichnet werden und als solcher wird sie auch allseitig betrachtet. Ist schon deshalb die alljährliche Feier dieses bedeutungsvollen Tages berechtigt, so rechtfertigt sie sich doch auch aus noch anderen und schwerer wiegenden Gründen: Bei Sedan war es zum ersten Male, daß fast alle deutschen Truppen-Contingente auf einem Schlachtfelde vereinigt gegen den Feind stritten, hier empfing die junge deutsche Einheit so recht eigentlich erst ihre Blut- und Feuertaufe und gerade deshalb hebt sich der 2. September so plastisch aus dem großen Schlachtengemälde des deutsch-französischen Krieges hervor. Hier, an den Usern der Maas wurde erst eigentlich der Grund zur Einigkeit aller deutschen Stämme unter der ruhmvollen Führung Preußens, zur künftigen Macht und Größe des neuen deutschen Reiches gelegt und das ist es vor Allem, was uns der Schlachtendonner von Sedan gelehrt hat und an diese Erkenntniß soll in erster Linie die alljährliche Feier des deutschen Nationalsesttages immer wieder anknüpfen. Gerade uns Deutschen thut es noth, daß der nationale Gedanke immer aufs Neue angesacht wird, denn manchmal will es scheinen, als ob derselbe durch allerhand Unkraut überwuchert würde und um den Einheitsgedanken immer tiefer in den verschiedenen deutschen Stämmen einleben zu lassen, dazu eignet sich eben vor Allem der Tag von Sedan mit seinen so glorreichen Erinnerungen für unser Volk. Darum soll durch die sich immer wiederholende würdige, dabei von allem chauvinistischen Wesen freie Begehung des 2. September die Hingabe und Begeisterung für des Reiches Größe und Einheit, für die Ehre des uns Allen gemeinsamen Vaterlandes, bei den Zeitgenossen und Zeugen jener großen Zeit stets wach erhalten und in die empfänglichen Herzen des Heranwachsenden Geschlechtes fest eingepflanzt werden, damit auch das letztere weiß, was es bereinigens dem Vaterlande im Falle der Noth schuldig ist. Für Alle aber, mögen sie selbst noch Zeugen jener großen Zeit gewesen sein, ober erst dem heranreifenden Geschlechte angehören, soll aus der Feier des Sedantages immer wieder die ernste Mahnung hervorklingen, alle-sonst trenn nden Gegensätze zu vergessen und fest zusammenzustehen, wenn es gilt, in Zeiten der Gefahr für das gemeinsame, deutsche Vaterland Gut und Blut einzusetzen. Der Kaiser hat bestimmt, daß zu den Festlichkeiten in Ofen, welche am 1. und 2. September stattfinden sollen, sich eine militärische Deputation, bestehend aus dem General-Lieutenant v. Schlichting, Commandeur der 1. Garde- Jnsanterie-Division, dem Oberst v. Etzdorff, Commandeur des Grenadier-Regiments Kronprinz (1. Ostpreußischen) Nr. 1, dem Oberst Freiherrn v. Schleinitz, Commandeur des Leib-Kürassiier-Regiments (Schlesischen) Nr. 1, dem Haupt- | mann v. Kalckstein vom Kaiser Alexander Garde-Grenabier-Regiment Nr. 1 und dem Rittmeister Gras zu Dohna I. vom 1. Garde-Dragoner-Regiment — • nach Ostn begebe. Die genannten zwei Obersten sind die Commandeure der beiden noch in derselben Formation bestehenden Regimenter, welche im Jahre 1686 mit den Verbündeten gefochten haben; die beiden anderen Osficiere tragen Namen, die sich vor Ofen zu jener Zeit besonders guten Klang erworben haben. Die „Schlesische Zeitung" berichtet aus „unzweifelhaft glaubwürdiger" Quelle, daß unser Kaiser, sobald er von der Entschließung der bulgarischen Revolutionäre, den Fürsten Alexander in Reni als „Staatsgefangenen" an Rußland zu übergeben, nach St. Petersburg ein Telegramm ungefähr des Inhalts gerichtet habe: er hoffe, der Czar werde für die persönliche Sicherheit des Fürsten Alexander Sorge tragen. Es wird auch die Vermuthung geäußert, daß Prinz Alexander von Hessen zu Gunsten der persönlichen Freiheit und Sicherheit seines Sohnes die Intervention des Kaisers angerufen habe. Wir geben diese Meldung, da sie ein vorsichtiges Blatt wie die „Schlesische Zeitung" bringt und auch von anderer Seite bestätigt wird. In Sachen des Normal- resp. Maximal-Arbeitstages schreibt die „Social-Correjpondenz": „Wie der „Allg. Ztg." gemeldet wird, arbeiten zur Zeit in Berlin nur 0,6 pCt. aller Arbeiter länger als 11 Stunden täglich, obschon bekanntlich in Preußen noch kein Normal-Arbeitstag eingeführt wurde. Das erscheint um so bemerkenswerther, als aus den Veröffentlichungen der schweizerischen Fabriken-Jnspectoren hervorgeht, daß in Der Schweiz, wo ein Normaltag von 11 Stunden täglich seit einer Reihe von Jahren Gesetz ist, derselbe noch heute, obwohl es damit jetzt etwas besser geworden, keineswegs thatsächlich durchgeführt ist und Bewilligungen von Ueberzeit an der Tagesordnung sind. Und doch beruft man sich bei uns immer auf den Vorgang der Schweiz. Beinahe die Hälfte aller Arbeiter in Berlin wird nur 10 Stunden, über ein Drittel noch weniger beschäftigt, zwischen 10 und 11 Stunden arbeitet nur ein Sechstel Aller. Auch die Erfahrungen, Die man in Oesterreich mit dem erst vor Kurzem angeordneten Normaltag gemacht hat, können nicht zu einer Nachfolge aufmuntern. Jedenfalls ist der deutschen Gesetzgebung kein Vorwurf zu machen, wenn sie sich in dieser noch so wenig ausgereiften Angelegenheit vorläufig noch abwartend verhält. Ueber die gegenwärtige Situation Bulgariens hat Stam- buloff einem Correspondenten der „Agence Havas" folgende Aufklärung gegeben: Es beständen zur Zeit zwei Regierungen im Lande, eine in Sofia unter Leitung Karaweloff's, die andere für das übrige Bulgarien und Rumelien unter Vorsitz Stambuloff's. Letzterer habe sich von Karaweloff getrennt, weil dieser der Absendung eines russischen Enquete-Commissärs zugestimmt habe, während Stam- buloff die Situation ohne Theilnahme eines solchen wieder Herstellen wolle. Demnach sei die durch die jüngste Proklamation Stambuloff's befignirte Regierung als wirkliche Regierung zu betrachten, welche mindestens bis zur Rückkehr des Fürsten nach Sofia von diesem als solche occeptirt werden dürfte. Major Grujew ist in Rahowa, mehrere andere Osficiere sind in Widdin internier. Zankoff befindet sich noch, ohne verhaftet zu sein, in Sofia, wird jedoch streng Überwacht. Der niederländische Colonial-Minister lehnte in Beantwortung einer aus der Ersten Kammer an ihn gerichteten Interpellation über die Lags von Niederländisch-Jndien es ab, die Beantwortung für die Aenberung der Politik in Atchin zu übernehmen; zur Besserung der traurigen Lage der Zucker - Industrie in Indien werde er binnnen Kurzem bestimmte RegierungS'Vorfchlcsie machen. Wenn die Zweite Kammer wieder zusammen kommt, um sich mit her Untersuchung über die Arbeiterfrage zu beschäftigen, wird sie reichliches Material vorfinden, denn nicht nur wird her normale Arbeitstag in wissenschaftlichen Zeitschriften und theilweise so, als ob noch nie ein Wort darüber geschrieben worben wäre, erörtert, sondern die Centralbehörde des allgemeinen Arbeiterbundes hat an alle Bezirks-Abtheilungen eine Reihe von Fragen gerichtet.. die ausführlich beantwortet worden sind und der Volksvertretung vorgelegt werden sollen. Deutschland. Darmstadt, 30. August. In hiesigen höheren militärischen Kreisen, welche über die Ansichten des Prinzen Alexander bezüglich seines Sohnes, des Fürsten von Bulgarien, gut insormirt sind, wird folgende authentische Aeuße- rung erzählt, welche dem ritterlichen Sinne des Vaters zur höchsten Ehre gereicht. Hiernach hätte Prinz Alexander sich nämlich aus bas Bestimmteste dahin ausgesprochen: „Die Gebote der Vernunft und der ruhigen Ueberlegung müßten es zwar meinem Sohne nahe legen, die Rückreise nach Bulgarien zu meiden, allein die Gesetze der Ehre und seine Pflicht als Fürst und Soldat gebieten ihm, keinerlei Gefahr, die ihn in Bulgarien erwartet zu scheuen und selbst sein Leben in die Schanze zu schlagem Ich halte meinen Sohn für einen verlorenen Mann, wenn er wieder zurückkehrt und doch rathe ich ihm selbst, dahin zu gehen, wohin ihn seine Pflicht ruft." Oesterreich. Wien, 30. August. Der „Polit. Corresp." wird aus Rustschuck weiter gemeldet: Fürst Alexander hat an die bulgarische Bevölkerung eine Proklamation gerichtet, in welcher er alle durch die provisorische Regierung unter Stam- buloff ergriffenen Maßregeln billigt, sowie das von derselben gebildete Cabinet und Mulkuroff als Oberbefehlshaber der bulgarischen Armee bestätigt. Ferner spricht der Fürst dem Volke und der Armee für die in schweren Tagen dem Throne bewiesene Treue, sowie für ihr Eintreten zu Gunsten der Unabhängigkeit Bulgariens und der Ehre des bulgarischen Namens seinen Dank aus und erbittet Gottes Segen für Bulgarien, für deffen Wohlfahrt Alle einmüthig ihre Kräfte vereinigen möchten. Türgraphischk Depesche«. NolU'O teksss. Ssrref-srrdsM'G««»««. Berlin, 31. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, die „Morning Post" beurtheile die Lage Europas völlig falsch, wenn sie die Ungewißheit und Besorgniß, wovon sie in ihrem gestrigen Artikel rede, in den bulgarischen Verhältnissen suche. „Wir haben an Bulgarien gar kein Interesse, die Verhältnisse dort lassen uns gänzlich unberührt und wir würden deshalb keinen einzigen Soldaten unter Waffen halten. Die Nöthigung für unsere Rüstungen geht von Frankreich auS; unaufhörlich steigern die Franzosen ihre Kriegsmacht, jede französische Zeitung liefert den Beweis, wie rapide die französischen Streitkräfte vermehrt werden, welche Finanzopfer man bringt, um die Schlagfertigkeit der Armee zu erhöhen. In England weiß man doch sehr wohl, daß Deutschland den Blick beständig nach dem Westen gerichtet halten muß, sollte also dort auch darüber nicht in Zweifel sein, daß lediglich Frankreich für die Situation Mitteleuropas verantwortlich ist. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dieser Situation und den bulgarischen Verhältnissen construiren, heißt sich mit den Thatsachen in Widerspruch setzen." Wien, 31. August. Das „Fremdenblatt" schreibt: „Der Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." in der bulgarischen Frage gibt den Journalen Gelegenheit zu verschiedenen Schlußfolgerungen. Mit Recht wird aus den Ausführungen des Artikels der Hinweis darauf hervorgehoben, daß die Interessen Serbiens Oesterreich-Ungarn näher tangiren als die Situation in Bulgarien. Wenn aber hieraus gefolgert werden will, daß däs mehrfach behauptete Einverständniß zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland über die Abtheilung der Jnteressen-Sphären auf der Balkanhalbinsel thatsächlich existirt, so können wir dies als unrichtig bezeichnen." Pest, 31. August. Die zur Feier der 200jährigen Wiedereroberung Ofens entsandte preußische militärische Deputation ist gestern Abend eingetroffen und auf dem Bahnhofe vom Flügeladjutanten des Kaisers, Major Resch, dem Oberbürgermeister und dem Generalconsul Bojanowski empfangen worden. Der Oberbürgermeister richtete in Vertretung des Municipiums eine kurze Ansprache an die Deputation, worin er sagte: Ich halte es für meine angenehme Pflicht, hier zu erscheinen, um die Deputation des deutschen HeereS zur Feier der Wiedereroberung Ofens Namens der Stadt herzlich zu begrüßen. Wohl ist das Deutsche Reich in Pest ständig durch einen Staatsmann vertreten, welchem die höchste Achtung und Sympathie entgegengebracht wird, der auch der Feier beiwohnt. Gleichwohl gereicht es uns zur hohen Ehre und Freude, das deutsche Reich bei der Feier, welche einen hervorragend militärischen Charakter habe, auch durch so illustre Angehörige des deutschen Heeres vertreten zu sehen. Es liegt mir am Herzen, die Herren bei ihrem ersten Schritte in Budapest sofort zu begrüßen; ich bitte Sie, überzeugt zu sein, daß der Gruß, welchen ich Ihnen hier entbiete, bei allen Angehörigen der Stadt Widerhall findet, seien Sie somit herzlich willkommen!" Namens der Deputation gab Generallieutenant v. Schlichting in Erwiderung der ganz besonderen Freude Ausdruck, daß es ihm vergönnt sei, bei einer so bedeutsamen Feier anwesend au sein. Er dankte dann in seinem Namen und im Namen der übrigen Mitglieder der Deputation für den freundlichen Empfang. Hierauf wurde die Deputation vom Major Resch nach dem Grand Hotel Hungarta geleitet, woselbst Zimmer bestellt waren. Die Offiziere sind Gäste des Königs und werden, wie der „Pester Lloyd" meldet, auch am Manöver theilnehmen. London, 31. August. Unterhaus. Fergusson theilt mit, daß die englisch- chinesische Convention noch nicht ratificirt, aber thatsächlich abgeschlossen sei. Die praktischen Vortheile derselben beständen in der vollsten Anerkennung der britischen Herrschaft in Oberbirma. England behalte Actionsfreiheit innerhalb der Grenzen des Landes, habe sich den Handelsverkehr an der Grenze zwischen China und Birma ge» sichert, sowie den Südwesten Chinas für den englischen Handel geöffnet. Ein Abkommen erkenne nirgends die Suzeränität Chinas über irgend einen Theil BirmaS an, berühre auch in keiner Weise die Lage der chinesischen Unterthanen in Birma. — Bei Berathung der Adreßdebatte beantragt Eßlemont ein Amendement, worin dem Bedauern über die Unzulänglichkeit der Mittel zur Befriedigung der schottischen Kleinbauern Ausdruck gegeben wird. Rustschuk, 31. August. sReuter-Meldung.^ Der Bulgarenfürst beantwortete Las Glückwunsch-Telegramm Milan's mit wärmstem Dank und sprach die Hoffnung auf baldige Wiederherstellung der diplomatischen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien auS. Tirnowo, 31. August. Der Bulgarenfürst ist gestern Abend 6 Uhr eingetroffen. Auf dem ganzen Wege wurde er von der Bevölkerung, welcher die Priester- schast mit Heiligenbildern voranging, jubelnd empfangen. Die Bevölkerung Tirnowos war dem Fürsten 5 Kilometer entgegengezogen und geleitete denselben unter stürmischen Kundgebungen zur Stadt. Der Fürst dankte und beglückwünschte die Stadt zu der unter der Leitung Stambulow's ergriffenen Initiative gegen die Revolutionäre. Die Weiterreise nach Philippopel erfolgt voraussichtlich heute. — Gestern Abend wurden dem Fürsten Alexander vor dem Hause, wo er abgestiegen war, von einer großen Menschenmenge enthusiastische Ovationen dargebracht, wobei der Dank der Bevölkerung anläßlich der Rückkehr deS Fürsten ausgesprochen wurde. Heute nahm1 der Fürst eine Revue über die Garnison ab und reiste darauf nach Elena ab. Sofia, 31. August. Ueberall im Lande herrscht vollständige Ruhe. Die unter Karawelow gebildete provisorische Regierung hat sich aufgelöst. Eine ostrumelische Drvlfion unter Mutkurow ist hier eingetroffen. Bulgarien. — lieber die Abreise des Fürsten Alexander aus Bulgarien bringt die „Wiener Allg. Ztg." auS Bukarest eine nähere Beschreibung. Danach bestand der Zug, mit welchem der Fürst aus Sofia fortgebracht wurde, aus drei Wagen. Der Fürst saß im ersten Wagen, im zweiten fuhren zwei Officiere und erst im dritten Wagen folgte Prinz Franz Joseph in Begleitung eines Caoallerielieutenants. Eine Escadron ritt vor der Eskorte, die andere dahinter. Als Sofia außer Sicht war, ritt Major Grujew, welcher bis dahin die Eskorte geführt hatte, an den Wagen des Fürsten heran und nahm in dessen Gegenwart den zwei neben ihm sitzenden Officieren, deren Revolver geladen waren, das Ehrenwort ab, daß sie „den KneS Alexander" sicher und lebendig nach dem bestimmten Orte bringen werden. Dasselbe geschah bei den übrigen Officieren. Mit größter Schnelligkeit ging es dann über den Givgilpaß. Die beiden. Prinzen kamen den ganzen Tag nicht dazu, ein Wort miteinander zu wechseln. Cigarren oder Tabak hatten sie nicht bei sich. Die Eskorte trachtete, möglichst wenig in den Bereich menschlicher Wohnungen zu kommen. Zu Mittag wurde im Schatten eineskleinen Wäldchens in der Nähe eines Landstraßen - Wirthshauses Halt gemacht. Der Fürst und sein Bruder, welche noch nichts zu sich genommen hatten, wurden von den Officieren gefragt, ob sie etwas wünschten. Der Fürst erbat sich ein Glas Wasser, doch verlangte er, das Wasser mit eigenen Augen schöpfen zu sehen, da er den edlen Herren offenbar nicht recht traute. DaS war alles, was der Fürst mit den beiden Officieren seiner Begleitung sprach, die, wie versichert wird, zwei vor Kurzem aus einer russischen Cadettenschule in Varna gelandete junge Bulgaren waren. Nach einer kurzen Rast ging es weiter gen Lompalanka. Diesmal ritten die Soldaten langsam voran und die drei Wagen folgten in mäßigem Trab. Die Colonne hatte den Befehl, erst Abends in Lompalanka einzutreffen, dessen Bevölkerung noch keine Ahnung von der Absetzung des Fürsten hatte. In einzelnen Dörfern, welche der seltsame Zug passiren mußte, blieben hie und da die Leute verwundert stehen und sahen der Colonne nach. Sicherlich hatte Niemand eine Ahnung, daß der schweigsam vor sich hinbltckende Mann im ersten Wagen der abgesetzte Fürst des Landes sei. Dicht vor Lompalanka wurde der Fürst von einigen Urlaubern erkannt. Diese liefen dem Wagen nach, schrieen Hurrah und allarmirten die übrigen Bewohner, welche zu den Thüren hinauseilten und bald ebenfalls Hurrah riefen. Ein schnellerer Trab und der Zug hatte bald das Dorf hinter sich. Im ersten, ziemlich weit von Lompalanka liegenden Han (WirthshauS) wurde übernachtet, daS heißt, der Fürst und sein Bruder, welche sich endlich am Abend sprechen konnten, da sie den ganzen Tag über von einander getrennt gehalten worden, verblieben bis gegen 2 Uhr Morgens an einem Tische abseits von der Schänke, aus welcher daS Spiel und^ der Gesang einer Zigeunermusik ertönten. Gegen 3 Uhr Morgens erfolgte der Aufbruch in der Richtung nach Nikopoli. Die Bewohner von Lompalanka schliefen ruhig, nicht ahnend, daß ihr Fürst, dem sie nach der September-Revolution und nach dem Kriege so laut zugejubelt hatten, als Gefangener draußen vor ihrer Stadt in einer elenden Dorfschänke seines weiteren Schicksals harrte. Auch am zweiten Tage der Weiterreise durfte Prinz Franz Joseph nicht neben seinem Bruder im Wagen sitzen, sondern wie am vorigen Tage nur im dritten Wagen folgen. Unterdessen hatte sich längs deS rechten Donauufers bis zur Dobrudscha hin die Nachricht von der Entthronung des Fürsten verbreitet. In einzelnen Ortschaften, wo sich wenig oder gar kein Militär befand, ließ die provisorische Regierung unter dem Namen Karawelow's die Meldung verbreiten, der Fürst begebe sich nach Rußland, um sich mit dem Czaren zu versöhnen, man solle ihn daher in seiner Reise nicht stören. Die Nacht Alerander's war telegraphisch von Widdin in die Nähe von Niko- poli commandirt worden, wo sie sich den ganzen Sonntag und die Nacht über in der Bucht verborgen hielt. In Nikopoli selbst hatte man keine Ahnung von der Nähe der Nacht. Da die Verschwörer es darauf abgesehen hatten, den Fürsten an Rußland auszuliefern, wurden die beiden Prinzen nicht nach Rustschuk, sondern in die Gegend von Nikopoli gebracht, von wo auS der Weg nach Reni, dem nächsten russischen Donauhafen, ein bedeutend kürzerer ist. In der Sonntagnacht gegen 3 Uhr Morgens wurden die beiden vom Wachen und durch das Schütteln des Wagens sehr ermüdeten Prinzen auf der Dacht abgesetzt, wo sie eine gemeinsame Kajüte bezogen. Vor der Thür hielten zwei Officiere mit gezogenen Säbeln Wache. Die einzige Perfon, welche zu den Prinzen zugelassen wurde, war — der Schiffskoch. Doch diese verlangten nur eine uneröffnete Schachtel Sardinen und etwas Brot, denn sie wollten frischbereitete Speisen auS leicht erklärlichem Mißtrauen nicht annehmen. Fürst Alexander, obwohl er das Ziel ahnen mochte, richtete an den einen der wachthabenden Officiere die Frage, wohin denn die Reise gehe. Der Officier soll erwidert haben: „Das werden Sie in Petersburg erfahren, Knes!" Den ganzen Montag ging's donauabwärts, bis das Schiff gegen Abend in Reni anlangte. Dort wurde, wie bekannt, Fürst Alexander mit seinem Bruder an's Land gesetzt." Lokale-. Gießen, 1. September. Ein Gensdarm, welcher gestern Nachmittag mehrere Ortschaften abzureiten hatte, wurde von der Hitze so ermattet, daß er auf dem Rückwege, kurz vor der Stadt, vom Pferde fiel und erst nach einiger Zeit wieder zu sich kam. Durch den Sturz erlitt der Mann einige leichte Verletzungen. Vermischte-. Darmstadt, 31. August. Bei einem bekannten hiesigen Socialdemokraten, welcher anarchistischer Richtung huldigen soll, war gestern Haussuchung, wobei eine größere Anzahl zur Verbreitung bestimmter Exemplare des „Socialdemokrat" gefunden wurde. Der Betroffene ist entflohen. (F. Z.) — Aus Fechenheim wird vom 28. August geschrieben: Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde in dem Chausseegraben zwischen Fechenheim und Offenbach die Leiche eines noch jugendlichen Selbstmörders gefunden. Aus den bei der Leiche vorgefundenen Papieren ergab sich, daß der Selbstmörder der Lehrer Keil von einer Frankfurter Volksschule ist. * Er hatte sich mit einem sechsfchüssigen Revolver einen Schuß durch die rechte Schläfe beigebracht und ist die Kugel durch die Stirn wieder hinausgedrungen. Der Tod dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach recht bald eingetreten fein. Welche Motive den Unglücklichen in den Tod getrieben, darüber läßt sich noch nichts Sicheres berichten. Der Selbstmord muß bereits gestern Abend stattgefunden haben, da vollständige Leichenstarre constatirt wurde. Stuttgart, 30. August. sWieder ein Unglück in den Alpemj Laut hier eingetroffener telegraphischer Nachricht ist am Samstag Herr Max Münz, Sohn des Directors der Württemb. Hohenzollern'schen Brauerei - Gesellschaft dahier und selbst Angestellter des Etablissements bei einer Tour auf daS Schreckhorn nebst seinen beiden Führern verunglückt. Beim Aufstieg auf den bezeichneten Bergriesen wurden der Tourist und sein Führer von einer mit jäher Wucht herabstürzenden Schnee- und Eislawine verschüttet und fortgerissen. Münz war sogleich tobt, der erste Führer erlag wenige Stunden nach dem Ereigniß seinen Verletzungen, der zweite Führer liegt hoffnungslos darnieder. Der Unglücksfall hat sich am Samstag früh zwischen 5 und 6 Uhr, etwa eine Stunde oberhalb der Klubhütte ereignet. Die Leiche Münz' trifft dem Vernehmen nach schon heute Abend hier ein. Der Verunglückte war erst 31 Jahre alt und seit 3 Jahren glücklich verheirathet. Innsbruck. sLändlich, schändlich.) Im Dorfe Ladis in Tyrol herrscht die Sitte, daß die Dorfschönen ihre Gunst nur Burschen aus dem Dorfe zuwenden dürfen und nicht auch Burschen, die außerhalb der Dorfgrenze ansässig sind. Tiefes ortsübliche Gebot übertrat nun die Schönste der Schönen von Ladis, die achtzehnjährige Katharina Schranz, wodurch die Dorfburschen in nicht geringe Aufregung geriethen, und zwar umsomehr, als sie von fremden Burschen deßhalb häufig ausgelacht wurden. Die Dorfburschen beschlossen daher, sich an der Schranz zu rächen und ihr einen Dckimpf anzuthun. Es traten sechs Burschen zusammen, erfaßten die Schranz, als sie auf der Gasse ging, hoben sie mit Gewalt auf einen bereitgehaltenen Mistkarren, hielten sie auf dem Karren fest und fuhren mit ihr, Spottlieder singend und andere Allotria treibend, eine Viertelstunde im Dorfe unter dem Gejohle der Gassenjugend herum, bis ihr Vater herbeieilte und sie aus den Händen ihrer Peiniger befreite. Das Landgericht in Innsbruck erblickte in diesem Vorgänge den Thatbestand des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit und verurtheilte alle sechs Burschen zur Strafe des Kerkers in der Dauer von 4—6 Wochen. — Das „Mainzer Tagebl." theilt Folgendes zur Warnung mit: Ein hiesiger . Schlossermeister war durch Strafbefehl wegen Nichtanmeldung seines Lehrlings zur Kranken-Versicherung zu 1 Geldbuße verurtheilt worben, wogegen er Einspruch erhob. Ter Lehrling war am Ende des zweiten Lehrjahres erkrankt, die Pflegemutier wollte von der Gemeindekasse einen Krankenschein für den Jungen holen, hierdurch stellte sich heraus, daß dieselbe nicht angemeldet war, weßhalb der Meister in Strafe genommen wurde und die Kur kosten mit 45—50 JL an die Stadt zahlen sollte. Der Meister behauptet, er habe dem Lehrling keinen Lohn, sondern nur Trinkgeld, wöchentlich 50 H, bis zuletzt 2 JZ gegeben, er sei also nicht verpflichtet, den Burschen zu versichern. Das Urtheil lautet auf schuldig, weil das angebliche Trinkgeld als Lohn zu betrachten sei. Der Meister wird in Folge dessen auch die Kurkosten zu zahlen haben. 1 — ^Deutsch - französischer Sierfrieg.] Gegen die deutsche Biereinfuhr scheinen in Paris allerhand Vexationen versucht zu werden. So wird der „Gironde" in Bordeaux mitgetheilt, daß in diesen Tagen in Paris ca. 50 Züge mit Bier polizeilich angehalten worden sind zur Analysirung 'des Bieres auf Salicylsqure. — Die „Gironde" sucht dabei namentlich das deutsche Bier zu verdächtigen. — Mehrfach ist in den parlamentarischen Verhandlungen in der letzten Zeit heroorgehoben worden, daß ein gewisser Procentsatz von Salicylsäure nothwendig ist, um das Bier für große Entfernungen versendbar zu machen. Zur selben Frage berichten die „Münchener Neuesten Nachrichten", daß die französischen Zollbehörden jetzt mit Ueberwachungsvorschristen versehen sind, deren Handhabung geeignet ist. die deutsche Bierausfuhr vollständig lahm zu legen. „Was soll man z. B. dazu sagen, daß vorige Woche seitens der Duane zu Jgney eine ganze Ladung Bier aus Karlsruhe, bestehend aus 174 Fässern, derart auf Güte geprüft wurde, daß man von särnmtlichen Fässern je eine Probe zur Analyse entnahm. Jedenfalls wird dadurch das aus dem Eiswagen entnommene, in die Sommertemperatur verbrachte und dort geöffnete Bier mehr ober weniger verdorben und der Adressat erhält minderwerthige Waare, deren Ausschank nicht nur das weltberühmte deutsche Erzeugniß in Mißcredit bringt, sondern auch den Verkauf erschwert, bezw. ganz hindert. Eine andere Bierladung aus Planegg bei München wurde ganz kürzlich in Paris als salicylsäurehallig befunden und, obwohl dieser Zusatz verschwindend gering war, so daß gesundheitsschädliche Wirkungen ganz ausgeschlossen blieben, indem bekanntlich auch starke gleichartige Zusätze in anderen Nahrungsmitteln unbeanstandet vorkommen, mußte das Bier wieder über die Grenze zurückgebracht werden." Die „Münchener Neuesten Nachr." fügen noch hinzu, daß die französischen Brauer sich selbst in der von ihnen den Deutschen gestellten Falle haben fangen lassen, denn am letzten Donnerstag würbe in Paris sämmlliches vom Auslande angekommenes Bier und am Freitag 25 Bierladungen — worunter sich auch Bier aus französischen Brauereien befand — zur Untersuchung u. s. w. bis auf Weiteres beschlagnahmt. Köln, 25. August. Im hiesigen Arresthause spielte sich gestern Abend eine blutige Affcure ab. Ein Zuchthausgefangener Namens Lucas überfiel in seiner Zelle einen Aufseher, weil derselbe ihn Tags vorher wegen einer Widersetzlichkeit angrzeigt hatte. Der Verbrecher entriß dem Aufseher das Seitengewehr und versetzte ihm damit mehrere wuchtige Hiebe über den Kopf. Auf das Hilfegeschrei des schwer Verwundeten eilte ein zweiter Aufseher herbei, der, nachdem ihn Lucas an der Brust verwundet, den Wüthenden mit seinem Säbel niederschlug. Sowohl Lucas, wie der überfallene Aufseher liegen schwer verletzt im Hospital. Hagen, 24. August. Ein hiesiger Industrieller, der da glaubte, alles billiger, besser und rascher liefern zu können, als^irgend ein Nebenbuhler, rühmte sich am Biertisch mit der Leistungsfähigkeit seiner Fabrik und machte sich anheischig, Gabeln zum Preise von 35 Pfg. das Stück zu liefern und zwar massenhaft in kürzester Frist, etwa täglich 3000 Stück. Am nächsten Tage erscheint bei dem Herrn ein von einer andern Firma beauftragter Commissionär und erklärte sich zum Ankauf von 50 000 Gabeln zu 35 Pfg. bereit. In Gegenwart von Zeugen wurde das Geschäft abgeschlossen. Nun ist aber der Marktpreis für Gabeln 55 Pfg. Tags darauf erklärte sich der Fabrikant außer Stande, zum Preise von 35 Pfg. liefern zu können, er habe nur einen Scherz gemacht. Mit diesem Scherz ist der Auftraggeber aber nicht einverstanden und besteht auf Lieferung. (Düffeld. Ztg.) ... ~ ®er ßtud. phil. Albert Lortzmg, ein Enkel des berühmten Eomponisten gleichen Namens, wurde am Sonntag Morgen im Walde bei Pankow von dem dortigen Forster erfchossen aufgefunden. Der bedauernswerthe junge Mann hatte seinem Leben das „B. Fr.-Bl." mittheilt, in einem Anfall von Geistesstörung selbst ein Siel gefefet. Er befand sich bereits seit einigen Wochen in einer Privat-Jrrenanstalt zu Pankow und feine Besserung war schon so weit vorgeschritten, daß ihm der Anstaltsarzt nut gutem Gewissen selbstständige Spaziergänge erlauben konnte. Da er kürzlich ?och leinen Vater, welcher in Berlin eine Alfenidewaarenfabrik besitzt, besucht hat so ist anzunehmen, daß er den Selbstmord längst geplant und sich auch bei diesem Besuch in den Besitz der Schußwaffe gesetzt hat. ~ i'Aus einem österreichischen Gerichtssaale.j Vertheidiger: Meine Herren Geschworenen! Von Euch ist zwar Einer dümmer als der Andere, aber . . . . — Präsident: Herr Justizrath, ich werde höheren Orts Bericht erstatten. — Vertheidiger: Meine Herren Geschworenen! Von Euch ist zwar Einer dümmer als der Andere, aber trotzdem will ich einen Schnaps mit Euch trinken. Mit diesen Worten trat, wie S'e °.us den Acten eines früheren Processes ersehen werden, der Angeklagte im Jahre 1881 in die Wirthsstube der Frau Kniehuber. Universität- - Chronik. Privatdocent an der Universität Göttingen, Lic. Bornemann, ist rum geistlichen Jnspector und Professor am Kloster 11. L. Fr. in Magdeburg ernannt worden. ö r c d^^bssor Eduard Zeller zu Berlin hat sich allen Kundgebungen gelegentlich seines 50iahngen Doctor-Jubiläums entzogen und verlebte den Tag mit '"Ubr Familie in der Schweiz in stiller Zurückgezogenheit. Den berühmten Gelehrten zahlen übrigens drei Fakultäten zu dem Ihrigen, denn er ist nicht nur Doctor der Philosophie und Theologie, sondern auch der Jurisprudenz. Letztgenannter Titel wurde ihm für feine rechtsphilofophischen Leistungen verliehen. „ ~ „"Die Tage der Universität zu Dorpat sind gezählt", so schreibt ein ^Mes Malt unb regiftrnt drei diesbezügliche in St. Petersburg kursirende Ge- ruchte. Nach der einen Leseart steht eine Überführung der Universität aus Dorpat nach Riga bevor; nach einer anderen sollen die neuen Univeisitätsstatuten auch auf sie ausgedehnt werden; nach einer dritten endlich soll sie nach dem Muster der Warschauer Universität reorganifirt werden, und wer von den Professoren nicht im Stande sein wird, in russischer Sprache zu dociren, soll außer Etat gestellt werden. — So unsere sarmatischen Bundesgenossen und Eulturfreunde. Schiffs- Bewegung der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft. 3L August. Das Deutsche Dampfschiff „Sorrento, Capt. Müller, ist am 30. August wohlbehalten in New-Aork angekommen. Schiffs nachrichten. Bremen, 31. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Elbe, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. August von Bremen und am 22. August von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. z-*< 1 prakt. a. Spedalarzt für Haat-, Frauen* u. Ge- UP. uensen. schleohtskrankheiten (Syphilis)etc. Frankfurt a.M. Z ' 9tift.tr. 22, fr. Ae.iat. Prof. Ricor4*e. Xoiv hri.fl r\> Temperatur der Lahn. Am 1. September, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17°, Lust 240 R. im Schatten. L. Chr. Nübsamen. Oberhesfische Eistkdahkktl. Vergebung von Bauarbeiten. Die zur Herstellung einer Entwässerungs-Anlage erforderlichen Maurer- und Pflästererarbeiten sollen zusammen im Submissionswege vergeben werden. Die bezüglichen Bedingungen, Voranschlag und Zeichnung sind im hiesigen Verwaltungsgebäude, Zimmer Nr. 4, von heute ab bis zum Eröffnungstermin am 4. Tep° tember l. I., Vormittags 10 Uhr offengelegt, woselbst auch die Offerten abgegeben werden müssen. Der Eisenbahnbaumeister. 6207________________Roth._________ Mobiliar-Versteigerung. Wegzugshalber sollen in der Behausung des Kreisarztes Dr. Köhler zu Laubach Mittwoch den 8. September, Vormittags 9 Uhr, 1 Pferd, 1 leichte Chaise, 2 Stuhl- wagen, 1 Schlitten, 2 Betten mit Zubehör, 1 Parthie Fässer und Flaschen und sonstiges Haus-, Stall- und Gartengeräthe, auch einige Möbel öffentlich meistbietend versteigert werden. Laubach, den 30. August 1886. 6143 Dr. Köhler. Das Grummetgras von der Neustädter Schäfereiwiese, 1900 Klftr. haltend, soll Freitag den 3. September, Abends 6 Uhr, an Ort und Stelle versteigert werden. Zusammenkunft an der Pulvermühle. Der Salzmeister. 6200 Chr. Haubach. 6155 Einen tüchtigen soliden Arbeiter sucht für sofort Alexander Mayer. I Allgemeiner Anzeiger. Oeffentliche Kunstausstellung in Giessen. Unter Bezugnahme aus die unterm 19. Juli d. I. geschehene Aufforderung zur Gründung eines Kunstvereins für das ganze Großherzogthum Hessen bringen wir hiermit zur Anzeige, daß es uns durch günstige Umstände gelungen ist, mit dem heutigen Tage den Anfang einer Reihe von Kunstausstellungen zu machen und zunächst mit den Werken eines leider früh verstorbenen ausgezeichneten Architecten und Malers, des Professors G. Adolf Gnauth zu Nürnberg. Bei Gelegenheit der am 18. September dieses Jahres hier in Gießen stattfindenden Versammlung des Mittelrheinischen Architecten- und Ingenieur- Vereins ist, wie üblich, auch eine Ausstellung von Zeichnungen, Plänen und Entwürfen vorbereitet worden. — Durch die Güte unseres Kreisingenieurs, des Herrn Gnauth, ist es uns vergönnt worden, die Ausstellung der Zeichnungen und Gemälde aus dem Nachlasse seines verstorbenen Bruders schon vom 1. September an auch dem größeren Publikum zugänglich zu machen, und zwar in den Räumen des Instituts für Kunstwissenschaft im hiesigen Schlosse, geöffnet Morgens von 11 bis 12 Uhr, und Nachmittags von 3 bis 5 Uhr täglich. Für die Mitglieder des Hessischen Kunstvereins ist der Eintritt unentgeltlich, für Nichtmitglieder gegen 50 Pfennig. Der Gegenstand der einzelnen Blätter ist auf denselben bemerkt. Eine kurze Lebensbeschreibung des Künstlers ist in den Ausstellungsräumen vorhanden Das kunstliebende Publikum Gießens wird hierdurch zu recht zahlreichem Besuche eingeladen Gießen, den 1. September 1886. Im Namen des Vorstandes: Dr. H. v. Ritgen, Geheimerath. Für Ausstattungen empfehle ich 1 Parthie Damen-Heuiden mit Spitze per Stck. JL 140, 1 Parthie Dawen-Jacken mit Stickerei „ „ „ 1.20, "/» Betttuch Leinen per Meter JL 1.30, Halb-Leinen und feine Cretonne- für Kiffen per Meter von 40 und 50 Hauswacher Tischtücher und Handtücher unter Preis, Taschentücher, eine Parthie Herren-Ober- Hemden per Stck. 2.50. | Fh. Ellinger, Seltersweg 71. 6197 Ein mit guten Zeugnissen ver- । 6194 Ein kräftiges, fleißiges Mädchen, sehenes Dienstmädchen per sofort zu | mit guten Zeugnissen versehen, wird so- miethen gesucht. Näheres bei i fort ober Michaeli gesucht. I. Rothenberger. I Marktplatz 11. Ieikgeöolenes. Schinken täglich frisch abgelebten und zum Rohesten, prima Cervelatwurst empfiehlt 6199 <7. JHJeinhenn. Neue Sendung i la. holl. Vollhäringe 1886er Fang empfiehlt billigst Eduard Fuckert, 6195 Neuen Baue 11. Lotterie zu Weimar. Kaufloose zur 2. Elaste (Ziehung am 7. September) sind noch vorräthig bei 6185__Julius Wallach. Obstkeltern ; neuester Construction, für jeden Be- ! trieb geeignet, empfiehlt 6189 ________A Kröll. Prima Kartoffelmehl in extrafein gebeutelter Waare, empfiehlt 6205 ______H. F. Nassauer. Frische Preisselbeeren empfiehlt 6203 II. Klotz, _______Gemüsehandlung. la. f)ö|ergrütjE in stets frischer selbstgemahlener Waare wieder zu haben. 6206 H* F. Nassauer. Geschäfts-Eröffnung. Verehrtem Publikum von Stadt und Umgegend hiermit die ergebene Anzeige, daß ich unterm Heutigen in meinem elterlichen Hause Kreuz 6 unter der Firma Carl Bieler Losomalmaaren-, Tabak- und Ligarrenhandtung mich ctablirt habe. Unter Zusicherung reellster und promptester Bedienung bei soliden Preisen halte ich mich bei Bedarf bestens empfohlen. Gießen, den 1. September 1886. Hochachtend Carl Bieler. 6208 2633 A. Kat, 6191 6187 Ein tüchtiger Schneidergcfelle S. Katzenftein. Möbelfabrik und -Lager, Schloßgaffe und Kanzleiberg 16 Heinrich Döll, Schncidermstr-, Laubach. 6190 Einige kräftige Arbeiter sucht A. Euler. Bettfedern und Daunen, bessere Qualitäten Steppdecken und wollene Colter in jeder Qualität. Lieferung eompleter Betten in anerkannt streng reeller Ausführung, empfiehlt Th "Rviiolr Hochachtungsvoll fl. JF. Vftssmier HWontM in Hoheu|olM8 Sonntag den 5. September. Festrednern Herr Professor Dr. Achelis aus Marburg und Herr Pfarrer Bergfeldt aus Frohnhausen. 6188 Zur bevorstehenden Herbstbestellung offerire den Herren Landwirthen affe Sorten non MMngec insbesondere Knochenmehl, Supperphosphate, Chilisalpeter, Thomasphosphatmehl, Hainit, welche ich in großen Quantitäten stets vorräthig halte, zu den billigsten Preisen. Auch werden jetzt schon Aufträge in Chili-Salpeter, per Frühjahr zu liefern, zu festen und billigsten Preisen angenommen. Gießen, den 31. August 1886. . ' 6202 Ein tüchtiger Pferdeknecht auf * t sofort gesucht. Nur solche, welche gute fmdet dauernde Arbeit bei Zeugnisse aufweisen können, wollen sich ' melden. ^Meiscii-Extract zur Verbesserung von Suppen, Saucen, Gemüsen; condens. Fleisch-Bouillon Kaffee-Offerte! Durch die mir zu Gebote stehenden vortheilhaftesten und billigsten Bezugsquellen in Kaffee, vereint mit äußerst geringen Geschäftsunkosten, bin ich im Stande, billiger und besser als von auswärts, wie z. B. von Hamburg, Bremen, Emmerich re. bezogen, liefern zu können. Indem ich wein Kaffee-Lager einer geneigten Abnahme bestens empfohlen halte, zeichne zur sofortigen Herstellung einer nahrhaften, vorzüglichen Fleischbrühe ohne jeden weiteren Zusatz; Dnn4nn wohlschmeckendstes u. leichtest assi- rleiSCllTeplOIh milirbarcs Nahrung«-und -------------L----Stärkungsmittel für Magen - kranke, Schwache und Reconvalescenten. ÖT* Man verlange nur echte Kemmerich’sehe Fleisch-Präparate 1 .Engros-Lager bei den Correspondenten der Compagnie Kemmerich: '10 Türk* Pabst in Frankfurt a. M. Gothaer Mensverficherungsbank. Berflch.-Bestand am 1. Aug. 1886 67 420 Pers, mit 502 200 000 Mark Bankfond» „ „ „ ...... 131800000 „ VerficheiungSfuwme ausbezahlt..... 170200 000 „ Vertreter der Bank in Gießens 6204_________________________ Hd. G-ros, Bahnhofstraße 66. Krieger-Verein Giessen.^ SeÖanfeier am 2. -Seplrmüer 1886 Um V24 Uhr Zusammenkunft der Kameraden im Vereinslokal (Schloß- gasie 9) zum Abmarsch auf den Friedhof behufs Schmückung der Gräber. Rückmarsch von dort mit Musik nach dem Cafe Leib (Gühlholtz), woselbst Abends Banket und Tanz stattfindet. Nichtmitglieder haben gegen Zahlung von 30 Pfennig Zutritt zum Banket 2c. Die Kameraden werden ersucht, die Vereinsabzeichen anzulegen, anbern» falls sie zur Zahlung des Eintrittsgeldes verpflichtet sind.6117 Aermietyungen. 6184 Ein schönes Zimmer, mit oder ohne Möbel, zu vermiethen. _________________Frankfurterstraße 43. 6196] Kleine Familienwohnung zuZoer- miethen. E. Harms, Neustadt 48. Jermischie Anzeigen. 6)86] Tüchtige Maurer und Handlanger werden gesucht von JDlattitt Langsdorf, Maurermeister. 6020 Eine Dachshündin, schwarz u. braune Pfoten, ist entlaufen. Wiederbringer erhält bei der Exped. d. Bl. eine gute Belohnung.________________________ Ein tüchtiger Arbeiter, sowie mehrere Sortirerinnen finden dauernde u. lohnende Arbeit bei Hermann Hes89 6193__Bleichstraße 2.__ 6124 Ein Junge kann alsbald^cin- treten. Chr. Jungblut, Promenadehaus. Ein älteres Mädchen, welches kochen und mit Kindern umgehen kann, zum sofortigen Eintritt gesucht. Näheres in der Expedition dieses Blattes.__________6012 a®* Verkäufer tsg gesucht für Consumartikel an Privatkuudschaft. Meine «»wirklich streng reellste W» Bedienung bietet bei regem Fleiß sichere Existenz u. dauernde Erfolge. 6192 Otto Adolph Petersen, Hamburg, 13 Neueburg 13. Gesucht wird ein HauSmüdchen, welches gutes Deutsch spricht, auf ein Landgut in Frankreich (etwa 3 Eisenbahnstunden von Genf). Zu erfragen Ludwigstraße 8. 6198 .i? £ - a I 2 • ? Die Nr- 48 enthält: Textlich: Marja, die Fremde. Erzählung von H Pichler. (Schluß.) — Der Herr Gehermrath. Humoreske von Hermann Ferschke. — Krieg im Frieden. Bon Fritz Klien. Mit sieben Illustrationen von Richard Knötel. — Am Familientisch: Die Schwäne zu Berlin und Potsdam Zu dem Bilde von F. Wittig. Hinter Klostermauern. Das 1 Sedanwort des Kaisers. — In unserer Spielecke. Bildlich: Auf der Flucht. Nach dem Bilde von N. WarthmNller. — Die Schwäne an der FriedrichMilhclmsbrücke. Nach dem Bilde von F. Wittig. — Lustiges von unfern Manövern: „Diese Brücke ist abgebrochen." Meldcritt mit Hindernissen. Durstige Seelen. Kritische Beobachter. Was alles bei der Bagage passirt. Der Barbier im Biwack. Biwackscherze: Bataillonscxerzieren. Mit 3 illustrirten Beilagen: Das Heidelberger Jubiläum: Heidelberger Schloß. Kurfürst Otto Heinrich im Festzuge. Statue Ruperts, des Gründers der Universität Heidelberg, am Friedrichs- bau. Das Heidelberger Faß. Der Professorenwagen im Festzuge. Charakterköpfe alter und junger Studenten aus den Festtagen. Am Eingang zum großen Faß. Ein Wiedersehen nach dreißig Jahren. — Naturwissenschaftlich- technische Umschau. Redattion A. S Lev do. — Druck und Verlag der Brühl'fcken Druckerei IFr. Ehr. Bietsch) m Gießen. Die heutig» Stuwmei enthält 1 Blatt «. 1 Beilage. Beilage zu Nr. 203 des „Gießener Anzeiger". Vermischte». * Der Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege, der seine beiden letzten Jahresversammlungen im Westen Deutschlands abgehalten hat, wird dieses Jahr im Osten tagen und, zwar in Breslau, in den Tagen des 12. bis 16. September, unmittelbar vor der am 18. September beginnenden Naturforscherversammlung in Berlin. Das diesjährige Programm ist soeben ausgegeben worden und geht daraus hervor, daß der zur Verhandlung kommende Stoff ein ebenso interessanter wie mannigfacher sein wird. Die Reihe der Gegenstände eröffnet ein Referat des an der Spitze der bayrischen Nahrungsmittelchemiker stehenden Herrn Professor Albert Hilger in Erlangen, über die „Untersuchungsanstalten für Nahrungs- und Genußmittel", sowie Gebrauchsgegenstände, deren Organisation und Wirkungskreis. Hieran schließt sich als zweites Berathungsthema, das für die Hygiene so überaus wichtige Eapitel: „Volksund Schulbäder" und wird den ersten Theil dieser Frage der durch seine Bestrebungen auf diesem Gebiete berühmte Dermatologe Herr Dr. Oscar Lassar in Berlin behandeln, dessen unermüdlichem Eifer bereits die Errichtung einer Anzahl Volksbäder in Berlin zu verdanken ist, während der zweite Theil der Frage „Schulbäder" von dem Gründer dieser neuen, so überaus segensreichen Einrichtung, Herrn Oberbürgermeister Merkel in Göttingen, erörtert werden wird. Den zweiten Tag wird wohl ausschließlich die für alle städtischen Verwaltungen so überaus wichtige Frage der „Verwendung der städtischen Abwässer" ausfüllen. Da die Gegensätze hier noch weit auseinander gehen und die Verfechter der verschiedenen Reinigungsmethoden von Abwässern ihr Erscheinen zugesagt haben, darf man sich wohl auf eine sehr lebhafte, eingehende und hoffentlich erfolgreiche Discussion gefaßt machen, die eingeleitet wird durch die Vorträge der beiden Referenten, des Herrn Stadtbaurath Kaumann in Breslau, der über Rieselanlagen und des Herrn Professor Arnold in Braunschweig, der vorzugsweise über andere Retnigungsmelhoden der städtischen Abwässer sprechen wird. An diese Verhandlungen wird sich am Nachmittag eine Besichtigung der Breslauer Rieselfelder anschließen. Das Thema des dritten Tages ist ein gerade in jetziger Zeit ebenfalls sehr wichtiges, über moderne „Desinfectionstechnik und öffentliche Desinfectionsanstalten", eingeleitet durch Referate der Herren Professor Dr. Franz Hofmann in Leipzig und Bezirksphysikus Dr. Jacobi in Breslau, denen sich eine Besichtigung der neuen Desinfectionsanstalten in Breslau anschließen wird. Die bedeutenden Aenderungen in den Anschauungen über die Wirkung der Desinfectionsmittel, wie sie in neuester Zeit zur Geltung gekommen sind, und die stets dringlicher werdenden Anforderungen an die Gemeinden, zur Herstellung öffentlicher Desinfectionsanstalten, lassen dieses Thema besonders zeitgemäß erscheinen. Den vierten Tag wird die Mitglieder ein Ausflug vereinigen in die Vorberge des Riesengebirges nach dem Bad Salzbrunn und dem reizend gelegenen Schloß Fürstenstein. Mainz, 28. August. sBranntweinverkauf betreffend.^ Das Großherzogliche Kreisamt hat die Polizeiorgane beauftragt, alle Vierteljahre eine Revision derjenigen Schankstellen vorzunehmen, in welchen Branntwein zum unmittelbaren Genuß ver- fchänkt wird. Diese „Branntweinverkäufer im Kleinen" dürfen in ihren Geschäftsräumen keine Vorrichtungen angebracht haben, auf welchen das Publikum bei dem Consum von Spirituosen sich niedersetzen kann. Diese Bestimmungen wurden seither dadurch übertreten, daß die Inhaber von Schankstellen gefüllte Säcke, Körbe oder auch Stühle und Bänke in ihren Geschäftsräumen aufstellten, wodurch dem Branntwein consumirenden Publikum Gelegenheit gegeben war, lange in solchen Branntweinverkaufsstellen zu verweilen. Um nun diese den gesetzlichen Bestimmungen zuwider- laufenden Anordnungen zu beseitigen, hat das Kreisaml die Polizeiorgane beauftragt, in regelmäßigen Zwischenräumen eine Revision sämmtlicher Schankstellen vorzunehmen und ist es den Branntweinverkäufern bei Verlust der Concession verboten, den Consumenten Gelegenheit zu gebrn, sich in den Verkaufsstellen niederlassen zu können. Diese Bestimmungen sind auch für sämmtliche Landgemeinden des Kreises maßgebend. — sVacante Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Eorps.) Altena (Westfalen), Magistrat, Polizeidiener und Polizeigefängnißaufseher, auf Lebenszeit, 900 JL. Gehalt und freie Wohnung. — Eisenach, Postamt, Postschaffner, auf wöchentliche Kündigung, 800 JL Gehalt und 144 JL Wohnungsgeldzuschuß. — Eltville (Rhein), Amtsgericht, zwei Lohnschreiber, auf Kündigung, 5—8 für die Seite. — Erbenheim, Postagentur, Landbriesträger, zunächst aus vierwöchentliche Kündigung, 540 vH. Gehalt und 60 Wohnungsgeldzuschuß. — Frankfurt (Main), Postamt I, Postschaffner, zunächst auf vierwöchentliche Kündigung, 800 JL. Gehalt und 240 JL Wohnungsgeldzuschuß. — Hersfeld, Postamt, Landbriefträger, auf Kündigung, 480 Jt Gehalt und 108 JL Wohnungsgeldzuschuß. — Homburg v. d. H., Amtsgericht, Canzleigehilfe, auf Kündigung, Vergütung von 5—8 $ für jede Seite des gelieferten Schreibwerks. — Niederrad, Postamt, Landbriefträger, zunächst auf vierwöchentliche .Kündigung, 650 JL Gehalt und 60 JL Wohnungsgeldzuschuß. — Rödelheim, Bürgermeisteramt, Vvllziehungsbeamter, auf dreimonatliche Kündigung, 300 JL. Das Dorkommen von Diehseuchen im Großherzogthum Hessen während des Monats Juli 1886. Rotzkrankheit. In Osthofen, im Kreise Worms, steht ein Pferd als der Seuche verdächtig unter Stalltperre und 4 Pferde desselben Besitzers, sowie 6 Pferde und ein Esel eines weiteren Besitzers wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung. In Wolf, im Kreise Büdingen, steht ein Pferd als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung. In Eppertshausen, im Kreise Dieburg, steht ein Pferd als der Seuche verdächtig unter Stallsperre. Als der Ansteckung verdächtig sind unter polizeiliche Beobachtung gestellt je ein Pferd in Groß-Umstadt und Lengfeld, im Kreise Dieburg, in Offenbach, sowie in Ober-Ramstadl, im Kreise Darmstadt. Alle diese waren mit dem in Eppertshausen stehenden, der Seuche verdächtigen Pferde in Berührung. In Gießen wurden die über ein der Seuche und 3 der Ansteckung verdächtige Pferde verhängten Maßnahmen wieder aufgehoben, weil sich die verdächtigen Erscheinungen bei jenem verloren hatten. In einem anderen Gehöfte in Gießen wurden am 12. Juli 3 der Seuche verdächtige Pferde entdeckt, von welchen eines am 21. Juli getödtet, aber nicht mit der Seuche behaftet befunden wurde. Die zwei weiteren der Seuche verdächtigen Pferde stehen noch unter Stallsperre und drei der Ansteckung verdächtige unter polizeilicher Beobachtung. In Vilbel, im Kreise Friedberg, stehen 3 der Ansteckung verdächtige Pferde unter polizeilicher Beobachtung. Milzbrand wurde festgestellt im Kreise Friedberg in Wohnbach am 4. und in Bad Nauheim am 5., in Alsfeld am 23. Juli bei je einem krepirten Rinde und in Berstadt im Kreise Büdingen am 31. Juli bei einem krepirten Pferde. Lungenseuche. In Burkhards, tin Kreise Schotten, wurden die Maßnahmen wegen Verdachts der Lungenseuche wieder aufgehoben, weil sich innerhalb 6 Monaien nach dem vorgekommenen Verdachtsfalle keine weiteren der Seuche verdächtigen Erscheinungen in dem betreffenden Viehstande mehr gezeigt hatten. In Rendel, im Kreise Friedberg, wurde am 15 Juli in einem Bestände von 7 Stück Rindvieh die Lungenseuche durch die Obductiou festgestellt. Am 24. Juli geschah dies auch in dem mit 2 Kühen bestellten Nachbargehöfte. Von diesen 9 Stück wurden 3 in Rendel getödtet und 6 zum Schlachten ausgeführt. Am 28. Juli wurde in drei weiteren Gehöften in Rendel die Seuche festgestellr, indem aus jedem derselben ein verdächtiges Thier getödtet und mit der Seuche behaftet befunden wurde. Der Bläschenausschlag unter dem Rindvieh in Maulbach und Billertshausen , im Kreise Alsfeld, sowie in Geiß - Nidda, im Kreise Büdingen, ist erloschen. Die Seuche besteht noch fort in Reiskirchen und Staufenberg, im Kreise Gießen. Festgestellt wurde die Seuche in Ober-Schmitten, im Kreise Schotten, am 13., in Klein-Karben und Rendel, im Kreise Friedberg, am 16., und- in Heuchelheim, im Kreise Büdingen, am 20. Juli. Die Räude gilt noch als vorhanden unter den Schafen in Kirtorf, im Kreise Alsfeld, in Leidhecken, Echzell und Bingenheim, im Kreise Büdingen, in Trais - Horloff und Langd, im Kreise Gießen, und in Ilbeshausen, im Kreise Lauterbach. Ieikgeöotenes. 6094 Zwei gut erhaltene Bettstellen, mit Stroh- und Seegrasmatratze, sind veränderungshalber billig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. o. Bl- CorsetteB, Ich empfehle ein hochfeines Uhr- feder-Corsett mit allen neuen Vorrichtungen, gutem Sitz, prima Stoff, extra hochschnürend, zu Jt. 3.30, früherer Preis bedeutend höher. Corsetten von 80 Pfg. an. 6069 Ph. Ellinger. „Lilienmilchseife1,4 von Sergmann «fc Co. in Dresden beseitigt sof. alle Sommersprossen, erzeugt einen wunderbar weissen Teint und ist von höchst angenehmen Wohlgeruch. Preis h Stück 50 Zu haben bei C- Fr. Conrad, Mäusburg 15. 4048 Extra ftinstrs Aepf ei - Gelee per Pfund 33 Pfg. wieder eingetroffen. 6113 _________Er. Seibel, Sammete, Peluche, Atlasse, Bänder, zu Kleider-Garnituren, empfiehlt in großer Farben-Auswahl und billigsten Preisen 5257 A. Fangmann, Allgemeiner Anzeiger. Gertrudis - Brunnen. Fürstlich Solms-Braunfels'sche Brunnen-Verwaltung zu Biskirclien, Nass. Bahn. 5747 Vorzügliches Mineral- und Tafelwasser. In einem Briefe, d. d. Ems den 5. Juli 1883, äußert sich Se. Excellenz der General-Stabs-Arzt der Armee, Prof. Dr. von Lauer, Leibarzt Seiner Majestät des Kaisers, über den Gertrudis-Brunnen wie folgt: „Es ist dasselbe ein leicht verdauliches erfrischendes Getränk von vorzüglichem Wohlgeschmäcke, welches ich für meine Person in dieser letzteren Beziehung wegen des geringeren Vorgeschmackes des Kochsalzes dem Selters-Wasser vorziehen würde. Rücksichtlich der Wirkung auf die Schleimhäute dürste dasselbe anderen ähnlichen Wässern gleichstehen. Bei reichlicherem und fortgesetzten Genüsse möchte wohl auch der Lithion-Gehalt in der diesem Stoffe eigenthümlichen Richtung sich geltend machen können. Ich wünsche, daß das Wasser eine recht weite Verbreitung finden möge." Alleinige Niederlage bei L. Kalkhof, Seltersberg, Gießen. Nächste Ziehung am 7., 8. und 9. September d.J. «50000 Mark Ausste".ng.-Lolter|e Weima[. |ggg «, 12000 e •3 8» L 8 8 ß 1 s S 'N 8 kommen noch zur Verloosung, darunter Hauptgewinne i. W. v. 60000. 40 000, 20 000, 3 ä 10 000, 3 ä 5000, 6 ä 3000, 6 ä 2000, 25 ä 1000, 60 ä 500 Mark u. s. w. Hrml-Koosk ä 2V2 Mrk, 'Voll-Koosk, gültig- für alle Ziehungen ä 5 Urrrk, versendet und stellt noch Verkäufer unter günstigen Bedingungen an Der Vorstand der Ständigen Ausstellung in Weimar. j|y Loose sind auch zu haben bei: Julius Wallach, C. Fr. Conrad, Friseur, Emil Orbig, Louis Scharmann jun., Carl Lehrmund, Neuenweg 36. 5776 Erlaube mir meine Rheinweine ä i/z Liter von 40 bis 70 Pfg., über die Straße 3 Pfg. billiger, in empfehlende Erinnerung zu bringen; ebenso einen guten ©Joppen Apfel«, wein, sowie ein gutes Glas Bier aus der Actien»Brauerei Gießen. Flaschenbier frei in's Haus geliefert 22 Pfg. ä Flasche. Ph» Bauer 11^ 5387 Bahnhofstraße 57. ZurEiiimacliszeit. 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