-rr. 27. Dienstag den r. Februar 1886 Kießmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ®6ulftra6. 7._______________________scheint tügttH mit brt M»nt««,. gb^T^en —M—M—■HBCTMga——B—EWf Ffl ll ■ CI —T»WgB5»MBOmMi■ .JlUUMM»»UMMUMjaK6aiaMMaaMtK«Brasmra^^ Amtlicher Hßei L Betreffend: Das Ersatzgeschäft für 1886. Gießen, am 1. Februar 1886. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises. Wir fordern Sie auf, nunmehr mit Aufstellung der Stammrollen sofort zu beginnen und dieselben mit denjenigen für 1884 und 1885 ungesäumt einzusenden. Hierbei wollen Sie die dem Formulare vorgedruckte Anmerkung genau beachten, insbesondere alle Bestrafungen rc. unter Rubrik „Bemerkungen" eintragen. Falls ein Bruder eines Militärpflichtigen schon im Heere dienen sollte, wollen Sie dies in der Stammrolle bemerken. Reclamationen sind baldigst einzureichen bezw. die aus früheren Jahren zu erneuern. _____________Dr. Boßkmann.__________________________________________________ Betreffend: Die Einsendung der Waisenbüchsengelder für 1885/16. Gießen, am 1. Februar 1886. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises. Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 10. Februar 1877 erinnern wir Sie an Einsendung der Waisenbüchsengelder und zwar durch eine Kosten nicht veranlassende Gelegenheit. Dr. Boekmann. Deutschland. Darmstadt, 30. Januar. Ein Gesetzentwurf über das Civildiener- Wittwen-Jnstitut ist der Kammer zugegangen Berlin, 30. Januar. Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf zugegangen, betreffend die Ausprägung von 20-Pfcnnigmünzen in Nickellegirung, wodurch eine Abänderung des Münzgesetzes nothwendig wird. Berlin, 30. Januar. Abgeordnetenhaus. An der Debatte über den Antrag Achenbach belheiligen sich Tiedemann, Hagen, Hammerstein für den Antrag, Rickert, Jagdzewski gegen denselben. Im Laufe der Debatte betonte Minister v. Puttkamer Rickert gegenüber die schwere nationale Gefahr, welche das Treiben der Polen invol- vire, widerlegt, daß die Regierung mit unnöthiger Härle und Haß bei den Ausweisungen vorgegangen sei und weist dies durch Richtigstellung verschiedener von Rickert hervorgehobener Fälle nach. Der Minister fügte hinzu, er übernehme die volle Verantwortung für die Maßnahmen der Regierung. Der Kriegsminister erklärte, von einer Zurückdrängung der Katholiken in der Armee, wie Windthorst behaupte, könne gar keine Rede sein; man möge den Culturkampf nicht noch in die Armee tragen. Er könne auf Ehre und Pflicht als Minister erklären, daß für das Avancement in der Armee nur sachliche Gründe maßgebend seien. Nach einer Reihe von persönlichen Bemerkungen entspinnt sich eine längere, von Richter veranlaßte Debatte darüber, ob für den Antrag Achenbach, der in seinem zweiten Theile von Geldmitteln spricht, der bezügliche Paragraph der Geschäftsordnung Platz greife, also der Antrag an die Budgctcommission zu verweisen sei. v. Zedlitz-Neukirch und Wolff widersprechen dieser Ansicht, Windthorst, Hänel, Bachem, Virchow, Schorlemer treten dagegen dieser Ansicht bei. Der Antrag Richter wird hierauf mit 234 gegen 153 Stimmen abgelehnt. Schorlemer erklärte hiernach, daß seine Freunde die Abstimmung über die weiteren Anträge für hinfällig erachten und daran nicht theilnehmen würden. Das Gleiche erklären Kantak für die Polen, Virchow für die Freisinnigen. Diese Parteien verlassen hierauf den Saal. Nach der Ablehnung aller anderen Anträge durch die Con- servatioen und Nationalliberalen wird der Antrag Achenbach in namentlicher Abstimmung mit 244 Stimmen angenommen. Nächste Sitzung Montag. Etat. Straßburg, 30. Januar. Bei dem Statthalter fand heute ein Diner statt, welchem die Mitglieder des Landesausschusses und die Spitzen der Behörden bei- wobnten. In seiner Ansprache erinnerte der Statthalter daran, daß er selbst einer parlamentarischen Körperschaft angehörte, er vertraue auf den gesunden Sinn und die politische Erfahrung des Landesausschusses; er wolle kein politisches Programm entwickeln, denn selbst ein Staatsmann, der die Macht habe, Persprechungen zu erfüllen, wisse nicht, ob die Verhältnisse deren Durchführung gestatteten. Wer aber, wie er, mit Faktoren rechnen müsse, die außerhalb der Sphäre seiner Einwirkung ständen, müsse doppelt vorsichtig sein. Das beste Programm sei eine gute Verwaltung, darin erblicke er zunächst seine Aufgabe, er werde sie zu erfüllen suchen mit Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl, mit dem Gefühl des Dankes für das Vertrauen, das das Land ihm entgegengebracht habe. Arankreich. Paris, 30. Januar. Die französischen Cardinäle Guibert, Caverot und Des- prez haben an den Präsidenten Greoy ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen die Anschuldigungen protestiren, die in der ministeriellen Declaration wider den französijchen Elerus erhoben werden. Das Schreiben constatirt den Ernst der Lage vom religiösen Gesichtspunkte aus, tadelt die vereinzelten Handlungen einiger Geistlichen, welche in dem Wahlkampfe die ihnen durch ihr Amt gezogene Grenze vergessen konnten, und weist des Weiteren darauf hin, daß der Papst erst vor Kurzem daran erinnert habe, wie die Kirche keine Regierungsform an sich ablehne. Das Schreiben schließt: Dies wird stets die Regel für unsere Haltung gegenüber dem Staate sein und wir können nicht gestatten, daß man unsere Liebe zum Vaterland und unsere Hingebung an dasselbe verdächtige. England. London, 30. Januar. Die Königin hat nunmehr Gladstone mit der Bildung des neuen Eabinets beauftragt. London, 30. Januar. Gladstone, welcher sich am Montag nach Osborne begibt, hielt heute Nachmittag eine Berathung mit den Führern der liberalen Partei ab. Wie verlautet, hat Gladstone eingewilligt, in das Eabinet zu treten. London, 30. Januar. Bei der Ersatzwahl zum Unterhause in Süd-Edingburgh. wurde an Stelle des verstorbenen liberalen Abgeordneten Harrisson EhilderS (liberal) mit 4029 Stimmen gegen Polwart (cons.), welcher 1730 Stimmen erhielt, gewählt. Spanien. Madrid, 29. Januar. Heute fand hier seitens einer größeren Anzahl von unbeschäftigten Arbeitern eine öffentliche Kundgebung statt. Nachdem der Präfect indeß versprochen hatte, daß er für Arbeit und Beschäftigung sorgen wolle, gingen die Arbeiter wieder friedlich auseinander. Serbien. Belgrad, 30. Januar. Dem hiesigen russischen Gesandten sind nunmehr die Instructionen bezüglich der an die hiesige Negierung zu erichtenden Collectivnote zugegangen. Belgrad, 30. Januar. Der serbische Friedensbevollmächtigte Mijatovic ist mit dem ihnl beigegebenen Secretär Zankovics heute nach Bukarest abgercist. Rumänien. Bukarest, 30. Januar. Der König unterzeichnete ein Decret, welches den bisherigen Kriegsminister Falconaju zum Generalstabschef ernennt. — Zu den bestehenden 18 Genie-Compagnien werden noch 2 neue errichtet. Hriechenlano. Athen, 29. Januar. In einem heute erschienenen zweiten Blatte der amtlichen Zeitung wird die auswärts verbreitete Nachricht von der Geneigtheit des griechischen Eabinets, sich dem Willen Europas zu fügen und zu dem Ende von der Regierung zurückzutrcten, als unbegründet bezeichnet, das griechische Eabinet habe nichts gethan, was zu einer derartigen Behauptung Anlaß geben könnte. Türkei. Konstantinopel, 29. Januar. Lord Salisbury hat dem Geschäftsträger White die Instructionen mitgetheilt, welche dem Admiral Hay gegeben und von Salisbury selbst unterzeichnet sind. Der Hauptpunkt derselben ist der Befehl, nöthigen- falls Gewalt gegen die Griechen anzuwenden, gleichviel an welchem Punkte dieselben die Türken angreifen würden. Der englische Aviso „Helicon" und ein österreichisches Schiff sind heute in der Bucht von Suda eingetroffen, das englische Geschwader wird morgen erwartet. Rußland. Petersburg, 30. Januar. Der „Regier.-Anz." giebt Auskünfte über, die 1885 im Weichselgebiete aufgedeckten Versuche einer social -revolutionärem Propaganda unter den Arbeitern. In Warschau und anderen größeren russig schen Städten, wo Polen in nicht unbedeutender Anzahl ansässig sind, haben sich sog. social-revolutionäre Gemeinden gebildet. Dieselben entsandten Delegaten in ein Warschauer Arbeiterschutz-Conseil. Ein besonderes Gericht mußte die Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern schlichten, Entscheidungen in Form von Warnungen, sogar Todesurtheile fällen. Nach der Verhaftung der Rädelsführer zerfiel die Organisation der Gemeinden. Aus ihren Trümmern entstanden mehrere Kreise. Dieselben bildeten eine leitende Revolutionsgruppe, welche unter Hinzuziehung von Repräsentanten der Arbeiterkreise und deren sog. „Arbeiter-Comitä" den Grund legte zu einer social-revolutionären Vereinigung. Die eingeleitete Voruntersuchung führte zur Anschuldigung von ca. 200 Personen, wovon 29 Hauptschuldige den Kriegsgerichten überwiesen, die übrigen der administrativen Bestrafung laut der Gerichtsordnung unterworfen wurden. — Der „Regier.-Bote" sagt ferner über die social-revolutionäre Propaganda im Weichselgebiete: Das Kriegsgericht erkannte, daß die Vereinigung „Proletariat", welche durch Gewaltthätigkeit die staatliche, öffentliche und öcono- mische Ordnung Rußlands niederzuwerfen bezweckte, unter Anderem durch ihr Eentral-Comitä eine ganze Reihe Ermordungen und Mordversuche ausführerr ließ, überhaupt mit der Revolutions-Partei, welche sich „Narodnaja Wolja" (Volkswille) nennt, solidarisch war und daß der Edelmann Stanislaw Kunitzky ihr Hauptleiter war. Weitere Haupt-Theilnehmer an der verbrecherischen Thä- tigkeit des „Proletariat" waren der Ex-Frievensrichter Bardowsky, der Inge- nieur-Capitän Liuri und die Bürger Petrufsinsky, Offowsky und Schmauß. Die genannten 6 Angeklagten wurden durch das Urtheil des Warschauer KriegS- BezirkSgerichts am 8/12. zum Tode verurtheilt. Weitere 8 Angeklagte, nämlich Warynsky, Ploßky, Dulemba, Janowitsch, Rechnewsky, Poplawsky, Dom- Ärowsky und Mankowsky wurden zu 16jähriger Zwangsarbeit verurtheilt, zur selben Strafe ferner: Tomaschewsky, Blioch, Sieroschewsky, Goftkuritsch, Slowik, Kmietzik, Helscher, DegurSky, TerminSky, Hladisch, PatzanowSky; zu 8- bis 10jäh- riger Zwangsarbeit: Felix Kohn und Bugaisky, zur Deportation nach Sibirien der Sekondlieutenant Jgelström und Ssokolsky. Bei der Bestätigung des kriegsgerichtlichen Urtheils wurde die Zwangsarbeits-Frist für mehrere Berurtheilte verkürzt. Der Kaiser befahl Liuri und Schmauß das Leben zu schenken und das Todesurtheil in 20jährige Zwangsarbeit zu verwandeln. Das Urtheil wurde gestern vollstreckt. Reichstag. E. R. Berlin, 30. Januar 1886. In der heutigen Verhandlung stand der Antrag Ackermann und Genossen, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 1. Juli 1883, ein Befähigungsnachweis betreffend, auf der Tagesordnung. Daß die Debatten anregend gewesen wären, kann man gerade nicht behaupten, sie waren vielmehr mit kulturgeschichtlichen Darstellungen verflochten und förderten keine wesentlichen neuen Gesichtspunkte über das schon oft im Parlamente verhandelte Thema: Gewerbefreiheit oder Zunftzwang zu Tage. Bemerkenswerth war die große Leere im Hause, im Laufe der Beralhung schmolz das Häuflein der Abgeordneten auf circa 40 zusammen. Nachdem Abg. Ackermann (ks.) seinen Antrag, der in der Hauptsache darauf hinaus- läuft, daß jeder Handwerker, der selbstständig werden will, sich einer Befühigungsprüfung, aber erst nach Vollendung des 24. Lebensjahres unterwerfen muß, eingehend begründet, nahm Abg. Lohr en (Neichspartci) das Wort, um zur Uebcrraschung der linken Seite des Hauses den Antrag der Konservativen und des Centrums von Grund aus für unannehmbar zu erklären: er schilderte in klarer Weise die Willkürlichkeiten und die Ungerechtigkeiten der früheren Junungszustände, die unfehlbar mit dem genannten Gesetz wiederkehren würden, daß später alle gegnerischen Redner darunter and) der socialdemokratische, nur auf diese Darstellung zu verweisen brauchten. Abg. Baumbach (dfr.) und Abg. Meyer-Jena (natlib.) traten gegen die reaktionären Forderungen, die die lex Ackermann enthält, in die Schranken. Haß die Handwerker nicht hinter den feudalen Dunkelmännern ständen, beweise die geringe Frequenz des deutschen Handwcrtertages. zu Köln sowie des Jnnungstages zu Berlin, uni) man solle nicht fortwährend an einer Gewerbeordnung rütteln, an der Konser- 'vatiöe so gut wie Liberale im Jahre 1879 mitgewirkt hätten. Nachdem die Abg. Biel und Hitze (Centrum) ihre Fürsorge für den Hand- rverkerstand in längeren Ausführungen ausgesprochen, legte Abg. Grillenberger die Stellung der socialdemokratischen Partei zu dem Anträge 2lckerman dar. Mit letzterem bezwecke man nur, die armin Teufel von der Selbstständigkeitmachung fernzuhalten und ein zunftmeisterliches Protzenthum zu erziehen; man wolle die Konkurrenz vernichten und damit überhaupt Geist und Talent aus dem Handwerk bannen. Den Antrag Ackermann müsse mau rundweg «Meinten. Der Antrag wurde darauf zur weiteren Berathung an eine Kommission verwiesen. Nächste Sitzung am Mittwoch, 3 Februar. TrlegraWsche Depeschen. Wolss'K telegr. Sorrespondenz - Wwreatt. Madrid, 31. Januar. Der Ministerrath hat beschlossen, im Jahre 1888 eine Weltausstellung in Madrid zu veranstalten. Malta, 31. Januar. Die englischen Panzerschiffe „Temeraire", „Superb" und „Neptuns, sowie der Aviso „Irish" sind gestern nach der Sudanbai abgesegelt. An Bord des ersteren befindet sich der Admiral. Belgrad, 31. Januar. Die Collectivnote der Mächte ist der hiesigen Re- Aierung heute überreicht worden. Dieselbe führt aus, daß die Mächte, indem sie die ablehnende Antwort auf die erste Collectivnote zurKenntniß nehmen, übereingekommen sind, zu erklären, daß sie etwaige kriegerische Schritte, von wem immer, nickt gutheißen, den Angegriffenen schützen und, wie immer der Ausgang sei, territoriale Modi- ficationen nicht gestatten würden. Lokale-. Gießen, 1. Februar. sAlice-Verein.) Der zweite Vortrag wurde verflossenen Mittwoch von Herrn Professor Dr. Siebeck über „Ein Göthe'sches Fastnachtspiel" vor zahlreicher Versammlung gehalten. Der Redner beginnt den interessanten, sorgfältig ausgearbeiteten Vortrag mit einer Vergleichung. Wie der Anblick einer Landschaft ein viel treueres und lebendigeres Bild gibt, als das Lesen der ausführlichsten Beschreibung derselben, so läßt sich diese Erfahrung auch auf das Verständniß vergangener Zeiten und Beurtheilung der in denselben hervorgetretenen Persönlichkeiten beziehen. Ein Stück, in dem uns diese selbst handelnd ihren Charakteren nach vorgeführt werden, lehrt uns die Vergangenheit besser verstehen, als die sorgfältigsten historischen Schilderungen aus einer solchen Zeit. Das gilt von einem der kleinsten Göthe'schen Werke, das in seinem vollständigen Titel heißt: „Ein Fastnachtspiel, auch wohl zu tragieren nach Ostern, vom Pater Brey dem falschen Propheten"; mit dem Zusatz: „zur Lehr, Nutzen und Kurzweil gemeinsamer Christenheit, insonders Frauen und Jungfrauen zum goldnen Spiegel". ‘ Das kleine Stück schildert uns persönlich miterlebte Verhältnisse Göthe's und ist aus der Zeit 1772—1773. Es gewährt uns einen Blick in den Bekanntenkreis des Dichters in Darmstadt und seiner Beziehungen zu ihm. Hier lebte damals die Braut Herders, Karoline Flachsland, entfernt von ihrem Geliebten, der als Konftstorialrath und Hofprediger in Bückeburg eine Stellung gefunden hatte, tnt Hause ihres Schwagers, des Geheimrath Hesse, als mittellose Waise in äußerlich guten, nack innen aber ziemlich unbehaglichen und gedrückten Verhältnissen In ihrer Umgebung, in welcher der junge Göthe und der Kriegsrath Merk hervorragen, fand dre als Kmd ihrer Zeit zur Sentimentalität und Schwärmerei neigende junge Dame nicht volle Befriedigung. Da tritt Franz Michael Leuchsenring nach manntchfachen Irrfahrten — cm ausgeprägter Schöngeist, enthusiastisch und weichlich seuttmental — in den Darmstädter Kreis ein. Nach eingehender Schilderung des Wesens dieses Schwärmers weift der Redner nach, wie Leuchsenring einen gewissen Einfluß auf Herders Braut gewinnen mußte, die in seinem Umgang den Ersatz suchte für geistige Anregung, deren sie seit Entfernung ihres Bräutigams häufig schmerzlich entbehrte. In unverfängltchem Verkehr mit Leuchsenring fühlte sie sich glücklich und schildert voll Freude dieses Glück in den Briefen an ihren Bräutigam. Als dieser nach langer Trennung wieder nach Darmstadt kam, trat ein etwas gespanntes 23er- hältniß zwischen Beiden ein. Herder wurde mißtrauisch gegen Leuchsenring und zeichnet ihn später in Briefen an feine Braut in sehr dunkeln Farben als einen überspannten Idealisten und Abenteurer. Der Umgang mit Leuchsenring dauert jedoch fort- Herder sängt nach seinen Briefen ernstlich zu bezweifeln an, daß seine Braut ihn noch liebe. Ein Brief von ihm verlangt endlich Klarheit und Auseinandersetzung über das Ver- hältniß, in dem sie zu Leuchsenring stand. Dieser Brief erst scheint sie dem Jrrthum entrissen zu haben, daß ihr Verlobter ihr Verhältniß zu dem Freunde als ein anderes als das wahrer Freundschaft aufzufassen vermöge. „Mein Gott", schreibt sie an den Verlobten, „wie kann ich Sie von meiner Redlichkeit überzeugen; ich bin redlich, — das ist Alles, was ich sagen kann". In rührenden Worten versichert sie ihn ihrer innigsten und aufrichtigsten Liebe. Die Freundschaft mit Leuchsenring währt jedoch fort, Herder aber spricht sich stets kühl über ihn aus. Ein anderer Gegner Leuchsenrings war 1 einem ganzen Wesen nach der Kriegsrath Merk, eine selbständige und praktische Natur. Durch diesen kam der junge Göthe öfter nach Darmstadt, vernahm von diesem Kunde von Leuchsenrings Wesen und Treiben und von seinem Umgang mit Karoline Flachsland. Offenbar hat er dem jungen Dichter den Stoff und die Farben zu seinem kleinen Fastnachtspiel geliefert. Der Redner las nun das Stück, in dem die genannten Personen pseudonym auftreten und die angegebenen Thatsachen vorgeführt werden, dem Hauptinhalt nach vor und gab Pie nötyigen Erläuterungen dazu. Die Sprache der Empfindsamkeit und der Derbheit geht in dem Stücke neben einander her. Die Ironie des jungen Dichters wendet sich gegen Leucksenring, aber auch insbesondere gegen Herder, den er um seines steifen, hochfahrenden Wesens willen nicht leiden mochte. Zum Schluß bricht der Redner noch eine Lanze für den vielgeliebten, aber auch — besonders von den Männern — viel gehaßten Leuchsenring, indem er uns erzählt, wie derselbe später in Berlin hochgeachtet stets im Umgang literarisch hervorragender Männer gelebt — und nachher in Paris, wo er sich verheirathet hätte und dann in die größte Roth gericth, lieber mit Ertheilung von Privatstunden sein Brod bis an's Ende verdiente, als auf das ihm gemachte Angebot einging, als politischer Agent in den Sold Napoleons zu treten. B. Vermischte-. Gießen, 31. Januar. ^Turnerisches.) Das mittelrheinische Turnfest, welches bekanntlich in diesem Jahre in Worms abgehalten werden soll, wird entweder am Sonntag den 1. August oder Sonntag den 8. August stattfinden. Näheres wird noch festgesetzt werden. — Auf die Anfrage des präsidirenden Vereins akademischer Turnvereine deutscher Universitäten, ob der Magistrat zu Nordhaufen gestatte, daß die akademischen Turnvereine in diesem Jahre ihr Kartell-Turnfest daselbst abhalten dürften, woran 250 bis 300 Studenten Theil nehmen würden, hat der letztere in Gemeinschaft mit der Stadtverordneten - Versammlung „mit Rücksicht auf die gegenwärtige, durch die Gefahr des Branntwein - Monopols gedrückte Stimmung der Bürgerschaft" ablehnend geantwortet. )[ Darmstadt, 31. Januar. Am Samstag den 6. Februar findet im ulten Palais am Louisenplatz ein Großherzogl. Hofconcert statt. Damit ist zugleich ausgesprochen, daß die fon)t gebräuchlichen Hofbälle in diesem Winter ausfallen, ein Umstand, der sich sehr einfach daraus'erklärt, daß das Trauerjahr zum Gedenken der höchstseligen Prinzessin Carl noch nicht abgelaufcn ist. Ob aber nach Ablauf des Trauerjahres noch ein derartiges Hoffest abgehalten werden wird, scheint mehr wie fraglich, da die eigentliche Tanzsaison bann bereits vorüber fein würde. — Zu der Fack'scheu Raubmordaffaire können wir das Novum mittheilen, daß die dem Atteuiai unterlegenen Eheleute thatsächlich ganz verarmt waren. Unter diesen Umständen erscheint das tragische Ereigniß wie eine Ironie des Schicksals. Hierbei wollen wir nicht verfehlen, anzuführen, daß die beiden Individuen, die des begangenen Verbrechens dringend verdächtig sind, nunmehr in den Händen der Behörde sind. Daß noch mehr Personen an der Thät betheiligt gewesen wären, dafür sollen nach den neuesten Feststellungen keinerlei Anzeichen sprechen. Das Paradies und die Peri- Dichtung an? Lalla Nookh von Th. Moore, Musik von R. Schumann. HI. *** Das blühende Leben des Orients findet im Gegensatz zum Eden eine mit üppigem LuxuS ausgestattete Malerei. Die Arie der Peri: „Ich kenne die Urnen, mit Schätzen gefüllt" ist schon voll des gesättigten Wohllauts, wie ihn nur die Vergegenwärtigung von Indiens Himmel erzeugen kann. Das geheimnißvolle, wunderbare Murmeln des heiligen Flusses erklingt in der Violinsigur, während die Klänge der Flöten, Hörner, Fagotte und Oboen darüber als Lüfte Indiens wehen und selbst die Schilderung der Kriegsgräuel vermag nicht ganz den über alles ausgegossenen prächtigen Glanz zu trüben. Alles vom paradiesischen Aether bis zum dunkelsten Grauen hat unser Meister getroffen, wie wohl fein anderer außer ihm. Er wirkt durch seine charakteristische Harmonik und wo er sich gewisser- Effect- instrumente bedient, da ist es nur, um durch ihre eigenste Klangfarbe das Bild zu vollenden. Die Hindeutung auf die öde Stille, mit der sich die Pest beängstigend auf das Land legt, deutet er meisterhaft an durch die grausenerweckenden Accorde, die an Bläser und Streicher abwechselnd vertheilt sind. Ein ganz reizendes Cabinetstück nnlsikalischer Romantik ist der schon erwähnte Chor der Genien des Stils: „Hervor ans dem Wasser geschwind." Der dreistimmige Chorgesang, das leichte Völkchen allerliebst charakterisirend, wird durch die Instrumentalbegleitung, mit der von den Celli's eingeführten lebhaften Figur, die dann auch von Violen und Geigen aufgenommen wird und die, meist nur mit wenig leichten Accordcn eingreifenden Blasinstrumente zu einem herrlichen decorativen Gemälde. Ein würdiges Seitenstück hierzu bietet dann der Chor der Houri's: „Schmücket die Stufen zu Allah's Thron", ebenso realistisch wahr in der Auffassung wie jener und das Quartett der vier Peri's: „Peri, ist's wahr?" darf als äußerst glückliche Zeichnung gelten. Neben diesen 9?ummern treten nun in ebenfalls großartiger Ausführung diejenigen heraus, welche den Verlauf des ganzen Ereignisses darstellen und den Schwerpunkt desselben nach innen verlegen. Die Peri ist eine der anziehendsten Gestalten, welche jemals durch musikalische Mittel zum Ausdruck gelangt ist. Ein Wesen ans Luft unb Duft zusammenzuweben und ihm doch eine sehnende, verlangende, heiß empfindende Seele einzuhauchen, das vermag nur die Musik echter Romantik unb ein Schumann mußte es jein, der den Ausdruck bis zu einer ungekannten Feinheit steigern und die Romantik mit seinem seltenen Reichthnm erweitern konnte. — &— anbei und Vermehr. Grünberg, 30. Januar. (Fruchtpresse.) Weizen JL 16.50, Korn JL 13.80 Gerste JL 12.80, Hafer 12.70, Erbsen 15.00, Linsen JL 17.00, Lein JL 00 00* Samen A 00.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 00.00. ' Farbige und schwarzseideue G-renadines Mk. 1,55 per Meter bis 14.80^ (in 10 verschied. 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Eintrittskarten für Nichtmitglieder ä «X 2,50 (Sperrsitz ä JL 3,50), sowie Textbücher ä 30 H sind in der Musikalienhandlung des Herrn Wi 1 h. Rudolph zu haben. Mrmietchmgen. 742 Ein unmöblirtes Zimmer zu ver- miethen. A. Klingelmeyer, Sandg. 33. 743 Der 2. Stock meines Hauses, 4 Zimmer, 2 Kammern, Wasserleitung und allen Bequemlichkeiten pr. 1. Mai zu ver- miethen- Carl Bötz, Bismarckstraße 7. 739] Freundliche Wohnung an ruhige Leute zu oermiethen. Tiefenweg 10. Fenmschte Anzeigen. 735 Ein braver Bursche kann ein- Ireteii_bei Ed. Klinket, 731 Ein zuverlässiger Bursche vom Lande bei ein Pferd gesucht. Näheres __________________Frankfurterstraße 78. 745 Verloren 1 Siegelring, Amethist. Wappenform und Warne innen. Der Binder wird gebeten denselben in der Exped. d. Bl. abzugeben._________________ s 4> S fa ffl B 9 n Mit den neuen Schnelldampfern des Norddeutschen Lloyd kann man die Reise von Bremen nach Amerika «rachen. Näheres bei dem General-Agenten Chr. Emil Derschow, Offenbach a. 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Februar, ie herzliche - ihn, Bruder, ie Beerdigung finde! r, vom Sterbehause, gen Leiden so theilnehmend zur Seite gestanden ie zahlreichen Blumenspenden und die Begleitung allen Denen, die unserem unver- rnd Onkel, dem Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, unser Sohn und Bruder- Heute Nachmittag im Alter von 17 Jahren Leiden erlegen ist. Gießen, den 31. Januar 1886. Die trauernden v Für die große Theilnahme bei unserem schweren Verluste ir Allen herzlichsten Dank. Zur Reinigung der Zimmerluft! 1 Räucheressenz, Räuchereffig, Räucherkerzen, Räucherpapier, Räucherpulver, Räucherstorax, Coniferen- ] Geist I zum Zer- Kölnisches stäuben, Wasser ) feinste Fabrikate, kaust man in dem Drogen- und Chemikalien-B geschäft von Otto Schaaf, I 606 Seltersweg 39. WM Oberhessische Gesellschaft für Natur- u. Heilkunde. Sitzung Mittwoch den 3. Februar, Abends 6 -Uhr, im Hörsaal des physikalischen Instituts (Aula). Vortrag! Herr Prof. Dr. Röntgen über neue Methoden zur Erzeugung von Kälte. 733 Auch Nichtmitglieder haben Zutritt. Wetter vom Strahl, Fried von Nord, Docter von Tannenberg sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag verloren gegangen. Es wird gebeten, in dem Weidig'scheu Lokale über den Aufenthaltsort derselben Mittheilung zu machen- 732 Futterkosten werden zurückerftattet. Dienstag Abend bei Scharmann. 615 Ein Lehrling zu Ostern oder auch für früher gesucht. Gebr. Winbeiker. Der heutigen Nummer liegen die „Verwaltungs- I blätter" Nr 2 bei. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt u. 1 Beilage. Beilage zu Ur. 27 des „Gießener Anzeiger". Gießen, 2. Februar. Das preußische Abgeordnetenhaus hat nun auch seine Polendebatte gehabt und daß es sich hierbei um eine erwartete parlamentarische Haupt- und Staats- Action handelte, bekundete am Freitag schon äußerlich die sehr gute Besetzung des Hauses und die Ueberfülle der Tribünen, während am Ministertische Fürst Bismarck, v. Puttkamer, Dr. Friedberg, v. Goßler und v. Bötticher erschienen waren. Der conservatio-nationalliberale Antrag bezüglich des Schutzes der deutsch - nationalen Interessen in den östlichen Provinzen trug den Ranun des At'g. Dr. Achenbach, die von Seiten des Cenlrums und der Polen vorliegenden Gegenanträge auf Nebergang zur Tagesordnung trugen die Namen der Abgg. Dr. Windthorst und Dr. Szumann. Die Discussion wurde von dem Führer der Conservatioen, Herrn v. Rauchhaupt, mit einer den Majoritäts- Antrag begründenden Rede eröffnet, worauf unter allgemeiner Spannung Fürst Bismarck das Wort ergriff und zunäch t auf die ganze historische Entwickelung der polnischen Verhältnisse seit 1815 unter Zugrundelegung einschlägiger Acten- stücke einging. Speciell wies Fürst Bismarck darauf hin, daß die von Friedrich Wilhelm IV. der polnischen Bevölkerung Preußens gemachten Zusagen durch das spätere revolutionäre Verhalten der Polen wieder hinfällig geworden seien. Sarkastisch geißelte ter Kanzler die damalige Polenliebe der Deutschen, die dazu geführt habe, daß den polnischen Flüchtlingen in den deutschen Städten ein noch begeisterterer Empfang zu Theil geworden wäre, als 1871 dem siegreich heimkehrenden deutschen Heere. Der Kanzler berührte die von ihm im Jahre 1863 verfolgte Politik und die viel angefochtene preußisch-russische Convention und betonte, wie Deutschland hierdurch 1870 an Rußland einen schätzens- wertb n Rückhalt gehabt habe. Hierbei machte er die interessante Enthüllung, daß 1870 vor Ausbruch des Krieges eine geheime Verbindung zwischen einigen Mitgliedern ^der Opposition im preußischen Abgeordnetenhaus^ und dem damaligen französischen Gesandten in Berlin stattgefunden habe, doch werde er die Namen als ein strenges Geheimniß bewahren. Auch erinnerte der Redner an die beschämende Thalsache, daß der damalige französische Minister des Auswärtigen anerkannte, die Haltung des preußischen Abgeordnetenhauses unterstütze die Feindseligkeit Frankreichs gegen Preußen! Fürst Bismarck ging dann auf den eigentlichen Kern der Polenfrage ein, indem er daraus hinwies, daß indem fortdauernden Kampfe der polnischen Elemente mit den deutschen die ersteren tatsächlich die Oberhand mehr und mehr gewönnen. Diese Fortschritte seien einerserts auf die Bestimmungen der Reichsversassung, anderseits aber auf das Verhalten des früheren Directors der katholischen Abtheilung im Cultus-Mini- sterium (Krötzer) zurückzuführen und dieser habe auch zum Culturkampf gedrängt. Fürst Bismarck ei klärte, die Staatsregierung sei inzwischen zu der Ueberzeugung gekommen, daß es an der Zeit sei, das richtige Verhältniß zwischen den Deutschen und den Polen nunmehr wieder herzustellen und aus diesem Grunde wären auch tr'e Ausweisungen der Fremden beschlossen worden, lieber diese AuSwei- sungs Maßregeln sei Preußen mit den Nachbarstaaten vollkommen einig. Der Reichskanzler erwähnte auch den Gedanken, zur definitiven Herstellung der Ruhe im Osten den Besitz des polnischen Adcls zu expropriiren; doch habe die Negierung gegenwärtig nicht die Absicht, diesen Plan zu realisiren. Vielmehr kenn« zeichnete oer Kanzler eingehend die Grundzüge der dem Landtage zu machenden Vorlage in Beziehung aus den Ankauf einzelner Grundstücke, in Bezug aus die nöthigen Maßregeln aus dem Gebiete des Schulwesens, sowie bezüglich Der künftigen Verwendung der Polen im Militär- wie im preußischen Civildienste. Endlich warf der Kanzler noch einen vorschauenden Blick auf unsere künftige innere und äußere Politik und schloß seine Rede mit einem Dank an die Majorität für das Entgegenkommen, welches fie der Regierung durch ihren Antrag ermesse. Abg. Dr. Windthorst unternahm es hieraus, den Ausführungen des Fürflekl Bismarck in allen Punkten entgegenzutreten, fand aber im Hause nur noch getheilte Aufmerksamkeit. Die weitere Debatte wurde abgebrochen und endete mit einer Fluth persönlicher Bemerkungen. —1 rl"r"- — ---!—--J. । ■ J"JJ—LLLJ—JLBU.Ll"™—1ÜL L_ JBJ" Darmstadt, 27. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 2 enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Staatsministeriums, die nachfolgende Abänderung der Postordnung vom 8. März 1879 betreffend. Abänderung der Postordnung vom 8. März 1879. Berlin, 16. Januar 1886. Aus Grund der Vorschrift im § 50 des Gesetzes über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28. October 1871 wird die Postordnung vom 8. März 1879, wie folgt, abgeändert. Im § 13, „Drucksachen" betreffend, tritt im Absatz VII hinter den Worten „Es soll jedoch gestattet sein" am Schluß als neue Nummer 10 hinzu: 10) bei Drucksachen, welche den Berufsgenossenschaften oder bereu Organen auf Grund des Unfallversicherungs-Gesetzes vom 6. Juli 1884 und der dasselbe ergänzenden Reichsgesetze abgesandt werden und auf der Außenseite mit dem Namen der Berussgenossenschast bezeichnet sind, Zahlen oder Namen handschriftlich ober auf mechanischem Wege einzutragen oder abzuändern und den Vordruck ganz ober theilweise zu durchstreichen. Der Reichskanzler. In Vertretung: v. Stephan. — sDer Herr Geschäftsführer.) Der reiche Pariser Fabrikant Dulct hatte seit zwei Jahren einen jungen Commis in seinem Geschäfte, mit dessen Leistungen er so zufrieden war, daß er ihm sogar seinen Familienkreis erschloß. Vor einigen Tagen ließ er den jungen Mann zu sich kommen und sagte zu ibm: „Sie sind jung, brav und arbeitsam, meine Mimi ist siebzehn Jahre alt und Sie gefallen ihr. Das Mädchen hat als Crbtheil ihrer guten Mutter hunderttausend Francs Mitgift; wenn Sie wollen, machen wir im Fasching Hochzeit." Der Commis Ernest Lamotie war todtenbleich, dann sagte er zu seinem Chef: „Waren Sie die zwei Jahre mir mir zufrieden V" „Gewiß." „Bin ich meiner Pflicht ganz und voll nachgekommen?" „Sie sind immer wie ein wackerer Mann auf Ihrem Posten gestanden." „Nun denn, sa mache ich Ihnen, unbesorgt um meine Zukunft, das Geständniß, daß ich nicht Ernest, sondern Ernestine heiße, kein Mann, sondern ein Weib bin. Ich habe alle in's Handelsfach einschlägigen Studien absolvirt, allein einer Person mit Unterröcken zahlt man vierzig Francs monatlich, während ich als Mann bei Ihnen das Sechsfache bezog . . :" Als Herr Dulet sich von seinem Erstaunen einigermaßen erholt, reichte er dem Commis und Geschäftsführer die Hand und sagte: „Meiner Mimi hoffe ich die Sache auszureden; ihr Gatte können Sie nicht sein, aber vielleicht hätten Sie Lust, Mimis zweite Mutter zu werden?" Nun ivar es an Ernestine, überrascht zu sein. Sie erbat sich Bedenkzeit. G i n g e s a n d r« Gießen, 1. Februar. Die die Vorträge des Gewerbe- resp. Volksbildungsverems Besuchenden sind größtentheils dem Gewerbestand angehörende Personen, welche bis 7 Uhr Abends arbeiten. Denselben ist es nicht möglich, zumal wenn sie nicht sehr nahe dem Felsenkeller wohnen, schon um 8 Uhr dort anwesend zu sein, da Essen und Umkleiden zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Wäre es im Hinblick darauf nicht am Platze, den Beginn der Vorträge auf ^9 Uhr feftzusetzen? Einer für Viele. GchiffSnachrichten. Bremen, 30. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Main, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Januar von Bremen und am 19. Januar von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 30. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Eider, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Januar von Bremen und am 21. Januar von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. — Eines der edelsten Unternehmen unseres an nationalen Bestrebungen so reichen Jahrhunderts ist und bleibt unzweifelhaft die im Jahre 1865 erfolgte Gründung der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger", einer Gesellschaft, der es gelungen ist, während der verhältnitzmäßig kurzen Zeit ihres Bestehens durch ihre Rettungsstationen an den deutschen Küsten mehr als 1500 Menschenleben vom sicheren Tode zu erretten. Obgleich, besonders in letzter Zeit, das Interesse für diese edle Sache in erfreulicher Weise in allen Schichten der deutschen Bevölkerung Platz greift, so fehlt es doch immer noch an Mitteln, um die an unseren Seeküsten noch fehlenden Stationen zu ergänzen, die sich immer mehr steigernden Unterhaltungskosten für das Material, die Löhnung des Personals und die Kosten für die Versicherung des Lebens sämmtlicher Rettungsleute zu bestreiten; das Werk bedarf immerhin der vollen Unterstützung aller edeldenkenden deutschen Männer der Küste und des Binnenlandes. In Gießen und der weiteren Umgegend, wo sich jetzt eine besondere Section des Bremer Hauptvereins gebildet hat, ist die Betheiligung an dem menschenfreundlichen Werke noch nicht so allgemein, wie man denken könnte, und ist sicher zu erwarten, daß bei einer erneuten Aufforderung des Vorstandes zum Beitritt (Jahresbeitrag von mindestens «A 1,50) recht viele neue Mitglieder gewonnen werden. Firma Ed. 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Januar geschlossen. , _ Freitag den 5. Januar: Gastspiel des Herrn Hans Winand vom Dtadt- kheatcr in Hamburg. Wilhelm Teil. (Tell: Herr Hans Winand.) Samstag den 6. Februar: Daniela. Sonntag den 7. Februar: Ein Tropfen Gift. 12 Medaillen und Diplome. e f 1 u n d S fyaci Allgemeine i Mondamin. I Entöltes Maisprobuct. Mit Milch gekocht, erhöht es bereu Verdaulichkeit. Vorzüglich für Kinber und Kranke. Zu Sandtorten, fein. Speisen (ohne Gelatine) und zur Suppenverdickung ausgezeichnet. ' Zu haben ä 60 und 30 H per Vi Pst. engl. bei Ferd. Drebes, Friede. Leo, Carl Schwaab. 253 r Anzeiger. Wringer Kunstfärberei Königssee. Kunstsärberei und chemische Wäscherei für getragene Garderobe jeder Art, Möbelstoffe, Federn, Sammete rc. rc. Musterkarten der neuesten hochmodernen Farben der Saison und Annahmestelle bei 689 GeschWe Heerz, Neuenweg 7. Holzversteigerung. Donnerstag den 4. Februar, von Morgens präcis 10 Uhr an, soll im Garbenteicher Gemeindewald, District Langenwald und Becketts- wald, nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 43 Nmtr. Nadel-Scheitholz, 182 „ „ Knüppelholz, mehrere Schichten 3 Mtr. lang und zu Werkholz geeignet, 20 Nmtr. Nadel-Stockholz, 5250 Wellen Nadelholz, 288 Stück Fichten-Stangen, von 5 bis 7 Nttr. lang. Der Anfang ist zur bestimmten Stunde im Distrikt Langenwald nächst der Eisenbahn. Garbenteich, am 28. Januar 1886. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. 686 Holzverfteigcrung im Kieder-Besfinger Gemeindewald. Freitag den S. Februar 1886 soll im Nieder - Bessinger Gemeindewald versteigert werden: A. Bauholz: 163 Fichten-Stamme mit 70 Festm., 30 Kiefern - Stänune mit 18,62 Festm. B. Brennholz: 10 Nmtr. Eichen-Knüppelholz, 2 „ Nadel- „ 42 „ „ Stockholz, 3 „ Eichen- „ 998 Wellen Nadelholz, 100 „ Eichenholz. Die Zusammenkunft ist im District Waldwiese Morgens 10 Uhr. Nieder-Bessingen, am 27. Jan 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Nieder- Bessingen. Horst. 718 Dienstag den 2. März, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe der Hrinr. Cappeller Eheleute Flur XXVIII Nr. 128. •• vT• Anglo-Swiss Meiisnie lick Gleich beste gewöhnt. Milch f. alle betr. Zwecke, spez. auch als Kindernahrg. Detail in Apotheken, Droguerien, Spezerei- hdlg., etc. Verzeichniss der Grossisten zu beziehen bei der Anglo-Swiss Condensed Milk Co., CHAM, Schweiz. Gegen Husten u. Heiserkeit sind die wirksamsten Mitteln Aktheewurzel, BrombeerbSatter, CarragbsenmooS, Gknfer-Pastillen, Huflatig, Huflemleder, Isländisches Moos, Lakritz, Malzextract, Malzextraetbonbons, Malzzucker, Salmiak, Süßholz, Wollblumen, Alsum, \ Worsäure, I Chlorsaures' zum Kali, / Gurgeln. Salbei, i Tannin. ' Zu haben in der 660 Medicmal-Arogmt . von Otto Schaaf, Seltersweg 39. Fst. Sauerkraut 613 empfiehlt Berlin, Bonn üegr. M. Qbct. M 124 gestattet. Hoflieferant, Alleinige Niederlage in Giessen bei Herrn L. M. 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