Nr. 176 Zweites Blatt Sonntag den 1. August 1886. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. T. SWtNW.1* *■*■** to ÖÄÄ« Äw nÄTT Woche« - Ueberfkcht. Gießen. 31. Juli. Die Gasteiner Badekur Kaiser Wilhelms erlitt am Montag Lurch ein leichtes Unwohlsein, welches sich der greise Monarch am vorhergehenden Tage bei einem Ausgange zugezogen hatte, eine Unterbrechung. Erfreulicher Weise war aber das Unwohlsein, das sich als eine gastrische Verstimmung erwies, von keinerlei Bedeutung und konnte der Kaiser die Kur am Dienstag in gewohnter Weise fortsetzen. Am Mittwoch mußten die übliche Promenade und Ausfahrt des hohen Herrn unterbleiben, da regnerisches Wetter herrschte. Die politische Reisezeit drückte auch der abgelausenen Woche ihren Stempel aus, denn es schwirrte in der Prefle förmlich von allerhand Mittheilungen über Reisen und Reiseprojecte hochgestellter Persönlichkeiten. Besonder- eingehender Commentare und Betrachtungen hatte sich namentlich die so oft angekündigte und immer wieder verschobene Reise des Herrn v. Giers in's Ausland zu erfreuen, von der man aber auch heute nur weiß, daß — sie eben noch nicht zur Ausführung gelangt ist. Jedenfalls wird auf die Begegnung des Fürsten Bismarck mit dem Grafen Kalnoky in Kisstngen diejenige des deutschen Reichskanzlers mit bem leitenden russischen Staatsmanns noch nicht so bald folgen und diese fortgesetzte Verzögerung in der Ausführung der Reisedispositionen des russischen Staatsmannes giebt natürlich in dieser stoffarmen Zeit Gelegenheit zu den verschiedensten Muthmaßungen, deren Auszählung wir uns aber lieber ersparen wollen. Anstatt des russischen Ministers, dessen heurige Badereise schon mehr zum politischen Sommer-Mythus wird, ist dagegen ein anderer Diplomat zum Besuche des Reichskanzlers nach Kisstngen unterwegs, nämlich Marquis Tseng, der bis jetzt in London und Petersburg beglaubigt gewesene, von seiner Regierung aber abberusene Gesandte Chinas. Der Besuch, den die chinesische Excellenz dieser Tage dem leitenden deutschen Staatsmanns in dem unterfränkischen Weltbade abstattet, ist ein höchst erfreuliches Leichen für die fortdauernden guten Beziehungen zwischen Deutschland und dem fernen „Reiche der Mitte", zu dem Deutschland durch die Eröffnung der Postdampferfahrten nach Ostasien soeben in neue Beziehungen getreten ist und für die gelammte Stellung des Deutschthums in Ostasten kann dieses freundschaftliche Verhältniß selbstverständlich nur von günstigem Einflüsse sein. Von Kissiu- gen reist Marquis Tseng zunächst nach Potsdam, um vom deutschen Kronprinzen in Vertretung des Kaisers empfangen zu werden und begiebt sich dann nach Petersburg, wo er sein Abberufungs-Schreiben überreicht. — lieber die Dauer des Aufenthaltes des Fürsten Bismarck in Kisstngen und ebenso über seine angebliche Nachkur in Gastein laufen fortgesetzt so widersprechende Gerüchte um, daß man am besten thut, von denselben vorläufig gar keine Notiz mehr zu' Nehmen. In Berlin fand am Mittwoch die feierliche Beisetzung der Leiche des Gouverneurs von Berlin, Generals der Kavallerie v. Willis en, aus dem Jnvaliden-Kirchhofe statt. Der Kronprinz wohnte in Vertretung seines kaiserlichen Vaters der Beisetzungsseier bei. Im Freiberger Socialisten-Proceß ist am Dienstag das Beweis- verfahren nach zweitägigen Verhandlungen geschloffen worden und haben am folgenden Tage die Plaidoyers begonnen. Das Urtheil wird kommenden Mittwoch verkündet. Der am Sonntag consecrirte neue Bischof von Mainz, Dr. Haffner, hat seinen ersten Hirtenbrief erlaffen und ist derselbe besonders durch seine entschiedene Sprache gegen die socialtstischen und anarchistischen Bestrebungen bemer- kenswerth. — Dr. Scheuffgen, Director des bischöflichen Gymnasiums in Mon- tigny bet Metz, ist zum Domprobst in Trier ernannt worden. In der österreichischen Presse begegnet man eingehenden Betrachtungen über den Erlaß, welchen der neue Handelsminister, Marquis Bacquehem, an sämmtliche österreichischen Handels- und Gewerbekammern, landwirthschastlichen Vereine und industriellen und gewerblichen Corporationen gerichtet hat. In demselben wird darauf hingewiesen, daß der Handelsvertrag mit Deutschland, sowie der Handels- und Schifffahrts-Vertrag mit Italien nebst Zollkartell und Viehseuchen-Uebereinkommen am 31. December 1887 außer Kraft treten, und zwar ersterer in jedem Falle, letzterer im Falle der Kündigung Seiten» eines der contrahirenden Theile. Der Minister fordert nun Interessenten auf, ihm jetzt schon Wünsche, welche sich aus Grund der während der Geltungsdauer der Verträge mit Deutschland und Italien gemachten Erfahrungen ergeben, für die Erneuerung des Vertrags-Verhältnisses zu unterbreiten und macht zugleich daraus aufmerksam, wie außerordentlich wichtig die Erhaltung und Erweiterung der auswärtigen Absatzgebiete für die land- und forstwirthschaftlichen und industriellen Producte Oesterreichs sei. Weiter spricht es der Erlaß offen aus, daß nur Verträge mit Conventional-Tarifen das Ziel der Bemühungen der österreichischen Regierung seien und drückt in Hinblick auf die Schwierigkeiten, welche der richtigen Auswahl und Abwägung Der beiderseitigen Concessionen bei den Zolltarif-Verträgen entgegenstehen, Die Erwartung des Ministers aus, daß die um ihre Steuerungen ersuchten Corporationen bei ihren bezüglichen Anträgen Wichtiges von Minderwichtigem scheiden und die Gesammtheit der wirthschast- lichen Interessen am Zustandekommen der neuen Verträge im Auge behalten werden. Die tonangebenden Wiener Blätter besprechen den Erlaß des Handelsministers sehr wohlwollend und bezeichnen die Kundgebung als einen ernsten kühnen Schritt, durch freundschaftliche Vereinbarungen und nicht durch rücksichtslose Verfolgung der Schutzzollpolitik zur Erweiterung des Absatzgebietes für die Erzeugnisse der Monarchie zu gelangen. Im Uebrigen bringen die Wiener Blätter Den Erlaß mit den Kissinger Minister-Conferenzen in Verbindung und ist cs allerdings sehr wahrscheinlich, daß sich die Besprechungen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Kalnoky auch auf das handelspolitische 23er» bältniß, in welchem Deutschland und Oesterreich zu einander stehen, bezogen haben. Unter den aus Frankreich aus dieser Woche vorliegenden Nachrichten ist diejenige von besonderem Belang, wonach sich die französische Regierung entschlossen habe, die für das Jahr 1889 projectirte Pariser Weltausstellung auf das Jahr 1890 zu verlegen. Die osficielle Bestätigung dieser Meldung bleibt zwar noch abzuwarten, aber sie klingt an und für sich durchaus nicht unwahrscheinlich, und die fernere Mittheilung, mehrere Continental- staaten hätten sich geweigert, die Ausstellung zu beschicken, da sie nut der „Jubelfeier" der ftanzösischen Revolution zusammenfalle, würde den Entschluß der französischen Regierung hinreichend erklärlich erscheinen lassen. Den Radicalen gegenüber wird das Ministerium Freycinet freilich einen harten Stand haben, falls es wirklich' aus seinem Entschlüsse verharrt, denn den Rothen sollte die Pariser Weltausstellung doch nur zur Folie für die Verherrlichung des Bastillensturmes und seiner Folgen dienen. — Das am Mittwoch an der Pariser Börse verbreitet gewesene Gerücht von einer Erkrankung des Präsidenten Grevy wird von der „Agence Havas" für unbegründet erklärt. Von der Balkanhalbinsel ist die Eröffnung der serbischen Skupschtina-Session für 1886 zu verzeichnen. Vorerst ist die Skupschtina noch bei den constituirenden Arbeiten; am Dienstag wurde die Wahl des Präsidiums und.des wichtigen Wahlprüfungsausschusses vorgenommen, woran sich am Mittwoch die Wahl des Gesetzgebungsausfchuffesdes Finanz- und des Petltipnsausschusses schloß; in letzteren drei Ausschüßen sitzen auch je zwei Oppositionsmitglieder. Die Regierung legte der Skupschtina bereits ein ansehnliches Arbeitsmaterial vor und befindet sich unter demselben auch ein Gesetzentwurf, fct^ffenb den Abschluß einer Convention zwischen Deutschland und Serbien über den Modell- und Musterschutz, sowie die dazu gehörige Declaration. Die Verbindnngsb ahn zwischen Nskub (türkisch) und Vranja (bulgarisch) wurde am Mittwoch auf eine gewisse Strecke probeweise mit einer Locomotive mit der allerdings nicht allzu großen Geschwindigkeit von 40 Kilometer per Stunde befahren. Eine Friedenstaube aus Konstantinopel! Der russische Botschafter v. Nelidoff hat dem Sultan ein Handschreiben des Czaren überreicht, in welchem der letztere seinen fteundschaftlichen Gesinnungen gegen die Türkei Ausdruck verleiht und die Hoffnung auf das fernere Bestehen freundschaftlicher gegenseitiger Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei ausspricht. Mit der Neubildung des englischen Cabinets ist jetzt endlich der Anfang gemacht worden. Zum Staatssecretär des Auswärtigen ist Lord Jddesleigh (Marquis Northcote), der bisherige Führer der Conservativen im Oberhause, zum Staatssecretär für Irland Hicks Beach, der Führer der Conservativen im Unterhause, zum Schatzkanzler Lord Churchill, das „enfant terrible“ der Tories und der heißblütigste Gegner Gladstone's, und zum Vice- könig von Irland der Marquis von Londonderry ernannt worden. Schon diese Namen zeugen dafür, daß das Ministerium Salisbury den Character eines streng conservativen Cabinets tragen wird. Auf der Insel Tirre, an der Küste von West-Schottland, revoltiren die Kleinbauern. Ein englisches Kriegsschiff ist daher nach Tirre ab» gegangen. Vermischte». Frankfurt a. M. Die Maincanalisation geht ihrer Vollendung entgegen und wird voraussichtlich am 1. Octover d. I. dem Betriebe übergeben werden. Dieselbe bezweckt bekanntlich die Mainstrecke von Frankfurt bis Mainz, welche jetzt eine Wassertiefe von 0,90 Meter bei Mittelwasser hat, durch Stauanlagen und Schleusen derart zu reguliren, daß diese Strecke überall eine Wassertiefe von vorläufig 2 Meter hat, während die Kunstbauten der Canalisation von vornherein für eine Wasserttefe von 2,5 Meter eingerichtet sind. Durch die Canalisation wird es den schwersten Nhein- chiffen von 20,000 Centnern Tragfähigkeit ermöglicht, bis Frankfurt a. M. hinaufzufahren. Die regulirte Strecke ist 36 Kilometer lang und hat ein Gesammtgefalle von 10 Meter. Auf derselben sind 5 Haltungen angelegt und zwar zwischen Frankfurt und Ntederrad, oberhalb der Mündung der Nidda, zwischen Kelsterbach und Okriftel, zwischen Naunheim und Flörsheim und nahe der Mündung des Mains bet Hochheim. Jede Stauanlage oder Haltung besteht aus dem Nadelwehr, dessen feste Theue rn den Fluthöffnungen in Höhe von Niedrigwasser, in dem als Schiffsdurchlaß ausgebildeten Theile dagegen 0,60 Meter unter Niedrigwasser liegen. Der Schiffsdurchlaß wird bei niedergelegtem Wehre den Fahrzeugen ungehinderte Durchfahrt gestatten. An- sammt- lichen fünf Haltungen liegt auf dem linken Ufer derSeiten-Canal mitderSchifffahrts- Schleuse, welche die zu Berg fahrenden Schiffe zu passiren haben.. Derselbe hat eine Sohlenbrette von 20 Meter, eine Wassertiefe von 2,50 Meter und Mache Böschungen. Die Schleuse hat eine Lichtweite von 10,5 Meter und eine nutzbare-Lange von80'Meter. Auf dem rechten Ufer liegt sodann die Floßrinne, welche 12 Meter Sohlenbreite und ein Gefälle von 1 : 200 hat. Der Ausstau wird an den Schien cn 2,5 Meter bet niedrigem Wasserstand betragen. Die Strecke von der Schleuse bet Frankfurt bis zu derjenigen bei Höchst hat ein Gekäste von 0,70 Meter, dte Strecken von da ab bis zur Schleuse bei Flörsheim habet! ein solches von je 1,80 Meter, wahrend die Strecke von der Schleuse bei Flörsheim dis zu derjenigen bet Hochhetm wieder etn Gefalle von 2,70 Nieter hast Bei Hochheim ist indessen tu Folge des Nncksiancs des Rhcmes dteS Gefälle sehr verschieden und verschwindet unter Umstanden ganz. <£.ie Gelammtkosten. 'der Canalisalion sind zu 5,500,000 JL veranschlagt und werden vom preußischen Staate allein getragen. Abgaben werden von den die canalisirte Strecke passirenden Schiffen nicht erhoben werden. — Ein ergiebiges Geschäft in Berlin ist das Sammeln von Eigarren- stummeln, dein sich eine ganze Zahl von Personen widmen. Ein Junge durchsucht z. B. für seinen Vater, der daraus Jnsectenpuloer macht, nur die Lrnoen und bringt täglich 8—10 Pfund nach Hause. . , . , - „Wo steht Lessing?" fragte ein zur Lessingfeier m Braunschweig em- getroffener Fremder ein paar Husaren des dortigen Regiments, dessen Kaserne ganz in der Nähe des Lessingplatzes, auf welchem das Denkmal steht, gelegen ist. Nach längerem Besinnen, wobei sich die beiden vom Lande gebürtigen, eben aus^ercirten Vaterlandsvertheidiger unverwandt ansahen, meinten sie: „Dat könne wie mch seggen, die unse Schwadron steiht he nich!" o. — [eine Giftmischerin.) Man schreibt uns aus London, 24. Juli. Mary Ann Britland, eine Fabrikarbeiterin, wurde gestern von dem Geschworenen-Gericht in Manchester der Ermordung von 3 Personen in Ashton-under-Lyne durch Vergiftung für schuldig befunden und zum Hängetode verurtheilt. Die Opfer waren ihr Ehemann, ihre Tochter und eine Nachbarin, und es wurde erwiesen, daß sie vor dem Hmscheiden der drei Personen Mäusegift gekauft und sich über dessen Wirkung erkundigt hatte. In allen Fällen hatte sie eine Lebensversicherungssumme bezogen und lebte zur Zeit ihrer Verhaftung mit dem Ehemanne der von ihr vergifteten Nachbarin zusammen. ^^rene Sournüre.) Die „Märk. Ztg." in Neu-Ruppin enthält das solgende Inserat: „E. Tournüre ist in Molchow gefunden worden. Inhalt ^Taschentuch Shlips, Quantum Watte, Schleier und andere Damenbekleidungsstucke; ab- zuhölen Ludwigsstraße 28." Die Erklärung dieses Inserats bringt die „Ren-Ruppiner Zeitung" in folgender Weise nach der Erzählung eines Abonnenten: „Am Sonntag unternahm ich einen Spaziergang nach Molchow; in der Nähe des Gasthofs daselbst fand ich eine Tournüre von respectabler Ausdehnung, über welche die auf der Dorfstraße sich befindliche Gesellschaft in ungeheure Heiterkeit ausbrach. Ich trug den Fund, der aus einem aus weißer Leinwand genähten Beutel bestand, in die Gaststube, um ihn auf seinen Inhalt zu prüfen, und es fand sich darin vor: 1) Ein Quantum Watte, 2) ein halbverbranntes Küchenhandtuch, 3) ein seidener Damen- fhawl, 4) ein schwarzer Schleier, 5) ein Paar wollene Damenbeinkleider und 6) ein Taschentuch, gezeichnet I. I. Die Dame, die diesen Verschönerungsgegenstand verloren hatte, war auch Augenzeuge dieser wichtigen Entdeckung, denn die Verlegenheit, die sich bei derselben bemerkbar machte, ließ zu der Annahme berechtigen, daß sie die Eigen- thümerin fei." ' Aus der deutschen Crimmalstatistik für 1882, 1883 und 1884. Das Deutsche Reich besitzt seit dem Jahre 1882 eine sehr werthoolle Criminal- statistik mit Hilfe von Zählkarten, welche für jedes Urtheil oder jeden Strafbefehl nach Eintritt der Rechtskraft und zwar für jeden einzelnen Angeklagten auszufüllen sind. Diese Statistik unterscheidet strafbare Handlungen, Angeklagte und Vcrurtheilte. Die Neigung der Bevölkerung eines Landes oder Bezirks zu strafbaren Handlungen prägt Pch nicht nur in der größeren Zahl der verbrecherischen Personen, sondern auch darin aus, daß dieselben Personen mehrfache Verbrechen begehen. Eine größere Zahl von Verurtheilten, deren jeder nur eine strafbare Handlung begangen hat, beweist eine größere Ausbreitung verbrecherischer Neigungen, während umgekehrt die Begehung einer größeren Zahl von Handlungen durch eine geringere Zahl von Personen eine größere innere Stärke und Wirksamkeit verbrecherischer Neigungen erkennen läßt. Die Gefährdung der Rechtssicherheit eines bestimmten Bezirks ist vorzugsweise durch die Zahl der begangenen strafbaren Handlungen bedingt, mögen dieselben von einer größeren oder von einer kleineren Personenzahl verübt sein. Ferner kommt es zur Beurtheilung criminalistischer Ergebnisse nicht auf die Zahl, sondern auf die Schwere der Verbrechen an. Der soeben erschienene „Band 18 der Statistik des Deutschen Reiches, Neue Folge" gie6t über alle diese Fragen und die Entwickelung der Criminalität im Deutschen Reiche seit 1882 bis 1884 nähere Auskunft. Die Gefammtzahl der abgeurtheilten Verbrechen und Vergehen gegen Neichs- gesetze betrug 1882: 456,647, 1883: 470,216 und 1884: 503,565. Dagegen ist die Zunahme der verurtheilten Personen geringer, die Zahl derselben betrug 1882: 329,968, 1883: 330,128 und 1884: 345,977. Die Zahl der aus jeden Verurtheilten durchschnittlich entfallenden Handlungen war eine jährlich zunehmende, 1882: 1,18, 1883: 1,21 und 1884: 1,23. Der am häufigsten vorkommende einfache Diebstahl zeigt wieder eine geringe Verschiebung, der schwere dagegen einen erheblichen Rückgang. Die Zahl der Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte, betrug beim einfachen Diebstahl 1882: 110,237, 1883: 112,443 und 1884: 111,991, beim schweren Diebstahl 1882: 14,456, 1883: 13,141, 1884: 12,840. Kein Abschnitt hat eine so starke Zunahme aufzuweisen, wie die Verbrechen und Vergehen wider die persönliche Freiheit. Es erfolgten Verurteilungen bei der gefährlichen Körperverletzung 1882: 29,051, 1883: 31,019 und 1884: 36,886, bei der einfachen Körperverletzung 1882: 15,568, 1883: 15,865 und 1884: 17,970 und bei der schweren Körperverletzung 1882: 517, 1883: 506, 1884: 543. Mehrere Strafthaten von erheblicher Bedeutung zeigen folgende Zahlen von Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte: Mord 1882: 149, 1883: 138, 1884: 133, Todtschlag in denselben Jahren 170, 162, 145, Kindesmord: 174, 179, 160, Abtreibung: 152, 122, 210 (die Zahl der wegen dieses Verbrechens verurtheilten Personen betrug: 191, 167, 258), Raub: 363, 417, 386, Erpressung: 655, 589, 577, Wucher: 153, 141, 104, Bezüglicher Bankerott: 134, 118, 123, Einfacher Bankerott: 483, 440, 461. Die Zahl der Verbrechen und Vergehen wider die Sittlichkeit ist 1882 und 1883 beinahe gleich gewesen, 1884 aber um 11,2 pEt. gestiegen. Bei dem schlimmsten Verbrechen dieser Art: „Unzucht mit Gewalt, an Bewußtlosen rc., an Kindern, Noth- zucht" bewegt sich die Zahl Der Verurtheilten in ganz anderer Richtung als die der Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte. Es betrug bei diesen Strafthaten die Zahl der Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte, 1882: 4730, 1883: 4729, 1884: 5463, dagegen Die Zahl der verurtheilten Personen 1882 : 2851, 1883 : 2737, 1884: 2755. Anlangend das Geschlecht, so befanden sich unter den Verurtheilten männliche Personen 1882: 267,353, 1883: 266,963 und 1884: 281,637, dagegen weibliche: 62,615, 63,165, 64,340. Auf 100 männliche kommen mithin 1882 : 23,4, 1883 : 23,7 und 1884: 21,8 weibliche Personen. Wir schließen unsere wenig erfreulichen Uebersichten mit der Erwähnung der ernsten Thatsache, daß die Zahl der jugendlichen Verurtheilten im Alter von 12 bis (unter) 21 Jahren betrug 1882: 79,071, 1883: 81,174, 1884: 86,298. Was follen uns alle die vielgepriesenen Fortschritte im Wissen helfen, wenn die Sittlichkeit unserer Jugend zurückgeht! Literarische-. — vr. Otto Krümmel. Der Oeea«. Eine Einführung in die allgemeine Meereskunde. (Das Wissen der Gegenwart. 52. Band.) Leipzig, G. Freytag. — Prag, F. Tempsky. 1886. 242 Seiten 8°. Mit 77 in den Text gedruckten Abbildungen. Preis 1 JL — 60 Kreuzer. — Das Meer! Welche Fluth von Empfindungen erweckt schon die bloße Nennung dieses Wortes in uns. Bereits in frühester Jugend gewannen wir das Meer lieb; wir folgten kühnen Seeleuten auf ihren Fahrten über die unendliche Wasserfläche, wir begleiten sie durch Sturm und Windstille, durch Unwetter und Gefahren aller Art. Ein neues Dasein that sich vor uns auf; das Weltmeer mit der unermeßlichen Fülle seiner Erscheinungen, mit dem eigenartigen Treiben auf seiner Oberfläche, mit den Geheimnissen seiner Tiefe zog uns mächtig an; wir bewunderten es mit einem leisen Gefühle scheuer Furcht, fei es, daß. wir den armen Robinson stranden sahen, sei es, daß wir muthige Männer begleiteten, die mit Gefahr ihres Lebens neue Länder entdeckten, sei es, daß wir mit gespanntester Aufmerksamkeit die Schilderung gewaltiger Seekämpfe und Seeschlachten vernahmen. Als wir dann größer wurden, steigerte sich das Gefühl der Bewunderung; unsere Kenntnisse hatten sich erweitert, wir, die Erwachsenen, sahen das Meer im engsten Zusammenhang mit einer Menge bedeutsamer geographischer und physikalischer Erscheinungen. Ebbe und Fluth, die Eisberge, der Golfstrom, die Windtheorien, die submarinen Vulkanausbrüche, das und noch vieles andere erregte unser Interesse auf's Höchste, und wir waren bemüht, uns hierüber Belehrung zu verschaffen. Bislang war dies stets sehr unbequem und mit Schwierigkeiten verbunden. Das Material mußte aus zahlreichen Büchern, in denen es verstreut behandelt ist, zusammengesucht werden;, aber auch dann noch boten sich gewöhnlich dem Verständnisse wegen der Fachausdrücke mannigfache Schwierigkeiten. Dem ist nunmehr endgiltig abgeholfen. Wer sich für das Meer und seine Phänomene interessirt — und das dürfte wohl auf Tausende Bezug haben — der braucht nur datz obengenannte Werk des Kieler Universitäts- Professors vr. Otto Krümmel zur Hand zu nehmen. Hier findet er Antwort auf jede feiner Fragen; knapp und klar, mit stetem Rückblicke auf frühere Kenntnisse und Leistungen, streng wissenschaftlich und doch durchaus volksthümlich geschrieben, bietet diefes Büchlein dem Leser durchwegs Befriedigung seines Wissenseifers und bleibt eine unerschöpfliche Quelle lebendiger Anregung. Eine Menge von Abbildungen (Meereskarten, Instrumente, Schiffsansichten rc, re.) erläutert den Text in vorzüglicher Weise; zum Schlüsse ist ein ausführliches Namens- und Sachoerzeichniß beigegeben, welches die Benützung des Buches ungemein erleichtert und bequem macht. Das Werk ist eines der interessantesten und gediegensten der werthvollen Bibliothek „Das Wissen der Gegenwart" und kann in jeder Beziehung bestens empfohlen werden. Weiße und cr&me seidene Faille Franpaiae, Surah, Satin merveilleux, Damaste, Ripse, Taffete und Atlaffe MV. 1.25 Pf. per Meter bis Mk. 18.20 vers. in einzelnen Roben und Stücken zollfrei in's Haus das Seidenfabrik - Däpöt 6. 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