Zweites Blatt Rr. 119 Donnerstag den I Juli ISS« Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Sch»»chea-e 7. Erscheint »«KS-ch mÄ A»O«ch»r dsS M»«tchZS» ms® ist dem ndlung e« des wahren Werthes der betroffenen Gebäude unmittelbar vor dem Brande ver- W Einführung von Ausnahme-Tarifen für Mergel denselben Beschluß wie bezüglich Frachtermäßigung für Kainit und rohe Staßfurter Kalisalze. litt**4 neu errichten are. Auf arider. 5. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen, die Erhebung von Umlagen der Stadt Gießen pro 1886/87 betreffend. Mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz sollen für 1886/87 von der Stadt Gießen folgende Umlagen erhoben werden: a. Auf das gesammte Communal'Steuerkapital der Einwohner und Forensen 295,841,22.^. d. Aus das Steuerkapital der Mitglieder der evangelischen Gemeinde Gießen 3,139,00 «A c. Aus das Grundsteuerkapital, Parzellen - Vermeffungskosten 612,05 J4, wozu sich der Beitrag auf 1 A Steuerkapttal berechnet: für den Ausschlag a auf 25,980 H, für den Ausschlag b auf 0,352 für den Ausschlag c aus 0,205 6. Ordensverleihungen. 7. Namensveränderungen. Die telegraphisch bereits erwähnten Beschlüsse, die der Landes-Eisenbahnrath in seiner letzten diesmaligen Sitzung vom 26. d. Mts. bezüglich der Erzfrachten gesaßt hat, lauten wörtlich wie folgt: 1) Der Landes- Eifenbahnrath erachtet eine allgemeine Frachtermäßigung sowohl sämmtlicher Rohstoffe zur Eisenerzeugung, als auch der Eisenerze und Kalksteine allein zur Zeit für ausgeschlossen. 2) Der Landes-Eisenbahnrath erachtet mit Rücksicht auf die außerordentliche Nothlage des Eisenstein-Bergbaues an der Lahn, Dill und Sieg eine ausnahmsweise der Zeit nach auf die Dauer dieses Ausnahme- Zustandes beschränkte Frachtermäßigung zu Gunsten der auf der rechten Rheinseite zwischen Lahn und Sieg, sowie im Gebiete der Sieg, Dill und Lahn telegenen Bezirke für geboten: a. für Erze innerhalb dieser Gebiete und aus diesen Gebieten nach der Ruhr, b. für Coaks in umgekehrter Richtung. Ferner wurde beschlossen, die ermäßigten Winterfrachtsätze zwischen Stettin und Swine- münde während der Dauer der geschlossenen Schifffahrt im Tarifwege ein- für Dieburg, allemal zu veröffentlichen. Endlich faßte der Landes-Eisenbahnrath bezüglich der 4. Ueberstcht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Rechnungsjahr 1886/87 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen der israelitischen Religions-Gemeinden der Kreises gütet und bei den jährlichen Ausschlägen 5 Jahre lang die Versicherung»- Kapitalien der oben bezeichneten Gemeinde in einem um ein Fünfthell erhöhten Betrage in Rechnung gebracht werden sollen. schaden nach gesetzlicher Bestimmung aus der Großh. Brandversicherungskasse zu zahlende Entschädigung Vortheil zu ziehen, oder doch, daß daselbst eine mit den Interessen der Großh. Brandversicherungs-Anstalt unverträgliche Fahrlässigkeit in Bezug aus Feuersgefahr obwaltet, sowie in Berücksichtigung des in Folge dessen zwischen den Leistungen der Ortsangehörigen von Trösel und den Gegenleistungen Großh. Brandversicherungs-Anstalt zu Tage getretenen offenbaren Pos. 1 und 2 des Gesetzes vom 6. Juni 1853, betr. die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr und die Vergütung der Brandschäden, angeordnet, daß die von jetzt an in Trösel entstehenden Brandschäden nur nach Verhältniß Mißverhältnisses, hat Großh. Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 21. Mai d. Js. zu Nr. M. I. 12,591, auf Grund des Art. 23 Darmstadt, 25. Juni. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 18) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Anmeldung unfalloersicherungspflichtiger Betriebe betreffend. 2. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That: Se. König!. Hoheit der Großherzog haben dem Schwimmmeister Joseph Rauch I. in Mainz in Anerkennung der von demselben am 19. v. Mts. mit Muth und Entschlossenheit bewirkten Rettung des 10jährigen Joses Janson von Mainz vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie zu bewilligen geruht. 3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Heppenheim, die Vergütung der Brandschäden in Trösel betreffend. Dieselbe lautet: Aus Veranlassung der häufigen und umfangreichen in neuerer Zeit in Trösel stattgesundenen Brände und in Berücksichtigung der dieselben begleitenden Umstände, welche die Vermuthung rechtfertigen, daß in diesem Orte entweder vorsätzliche Brandstiftungen in der Absicht stattfinden, durch die für den Brandhat er, soviel ich weiß, der dummen, schändlichen und einer civilisirten Nation unwürdigen Plünderung Erwähnung gethan. Man hat sich nicht damit begnügt, diese Summe von 65 Millionen zu nehmen — wohin sie gekommen ist, weiß Niemand —, sondern man hat auch im Palaste der Kaiserin-Mutter Diamanten, Perlen, Schmucksachen und Edelsteine geraubt. Aus den Begräbniß-Tempeln hat man alles genommen, was sich nur immer nehmen ließ: Kronen, Schärpen, Festkleider und lausend andere Gegenstände von großem Werthe. Was ist aus diesen Gegenständen geworden? Das ist es, was wir gern wissen möchten! Solche Vorgänge müssen klargestellt werden. General Courcy selbst muß es wünschen, denn es handelt stch um seine Ehre, und man würde, so lange hierüber Unkenntniß herrscht, es nicht verstehen, wie seine Freunde ihn zum Commando eines Armee-Corps in Vorschlag bringen können. Der General muß die Gerüchte kennen, die hierüber in Umlauf sind. Man spricht von Schulden, von dringenden Bedürfnissen. Es scheint mir das so unwürdig eines Mannes in seiner Stelle, daß ich es vorziehe, statt leise zu flüstern, es ihm laut zuzurusen." So das „Eosnement", dessen Glaubwürdigkeit übrigens nur sehr beschränkt ist. Daß Hüö von den Franzosen geplündert wurde, ist allerdings eine Thatsache und es ist auch schwer verständlich, weshalb ein französisches Blatt gegen die französische Armee die Anklage der Plünderung und gegen einen französischen General den ziemlich unverhüllten Vorwurf des Diebstahls erheben sollte, wenn er nicht von der Wahrheit seiner Angaben überzeugt wäre. Wie dem aber auch sei: das „Evenement" glaubt an solche Schändlichkeiten seiner eigenen Landsleute. legenen das io be- un zu la. Re- nn der ns an- Mr ;n 6er io wie 8. L. M. langen 4*03 8. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft: Am 5. Juni wurde der Rechtsanwalt Eduard Holzapfel in Bingen zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Nidda zugelassen. 9. Aufgabe der Rechtsanwaltschaft. (Schluß folgt.) leht iil. Spa- fcrionen complet X AH. Dheo HrinM j an » »e* e i** fenbR lieg' rifant- , Politische Ueberfkcht. Gießen, 30. Juni. Der Bundesrath hatte sich kürzlich mit einer Ergänzung und Abänderung des Eisenbahn-Betriebsreglements in Bezug auf die Beförderung einiger Versandtartikel zu beschäftigen, wobei es sich um Vermeidung der Gefahr des Explodirens handelte. Der ursprüngliche Entwurf ist durch den Bundesrath noch etwas verschärft worden. Heber die Beweggründe, welche die königlich sächsische Regierung veranlaßt hatten, im Bundesrathe sich gegen die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen zu erklären, waren verschiedene Angaben verbreitet worden. Wie nachträglich bekannt wird, ist Seitens der königlich sächsischen Regierung ausdrücklich anerkannt worden, daß die Errichtung des Seminars durch die Interessen des Reichs erfordert wird, daß sie aber nicht vermag, sich mit der in Aussicht genommenen Verbindung der Anstalt mit einer Landesanstalt einverstanden zu erklären, und daher genöthigt sei, gegen die Vorlage zu stimmen. — Wie verschiedentlich verlautet, wären nunmehr an das Reichsamt des Innern auch Eingaben gelangt, welche das Zustandekommen einer deutschen Industrie- Ausstellung zu Berlin im Jahre 1888 lebhaft befürworten, so daß man hofft, daß diese neuen Eingaben den frühem, welche gegen die Ausstellung gerichtet waren, die Spitze bieten und der Bundesrath sich schließlich doch für die Reichs- Hülse von 3 Mill. A erklären wird. Fürst Bismarck begiebt sich in den nächsten Tagen zunächst auf kurze Zeit nach Schönhausen, dann nach Kissingen und von dort später nach Gastein, der Chef der Reichskanzlei, Geheimer Ober-Regierungsrath Dr. Rottenburg, wird ihn begleiten. Nach der Ausstellung des Schatzamts betrugen im April und Mai die Einnahmen aus Post und Telegraphie 28,921,034 oder 1,540,769 A mehr als in derselben Vorjahrszeit, aus der Reichseisenbahn nach vollendeter Abrechnung 7,512,400 oder 199,800 c/Z weniger. Eine der längsten Sessionen, die der Reichstag je gehalten, ist I letzten Samstag zu Ende gegangen. Sie währte vom 19. November 1885 bis 26. Juni 1886, wobei allerdings wiederholt Unterbrechungen von einigen Wochen stattsanden. Die Session muß in Anbetracht ihrer Länge zu den weniger fruchtbaren gezählt werden. Von größer» Gesetzen, die zur Annahme gelangten, sind außer dem Etat nur zu nennen: die Erneuerung des Socialistengesetzes auf zwei Jahre, die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die land- und forst- wirthfchaftlichen Arbeiter und die Personen des Soldatenstandes, der Bau des Nordostsee-Kanals, die Reform der Zuckerbesteuerung, die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten, die Zulassung des Rechtswegs in Zollstreitsachen, die Heranziehung von Militärpersonen zu Gemeinde-Abgaben und die Militär- und Civilpenfionsgesetze. Dagegen ist die Angelegenheit, welche recht eigentlich den Mittelpunkt der ganzen Session bildete, die Reform der Branntweinsteuer, sowohl in der Gestalt des Monopols, als in derjenigen einer Verbrauchsabgabe gescheitert und Die Frage der Reichssteuer-Reform geht damit ungelöst in eine neue Tagung hinüber. lt in bie IM 'testen Wfurt Hieb: einen tu vom Laut Yaut 25. Durch königliche Verordnung hat da» belgische Heer in seiner Infanterie eine neue Klaffe von Osficieren erhalten: „Unterosstciere von guter Führung können, wenn sie nach achtjährigem Dienste erwiesenermaßen die erforderlichen Kenntnisse und Eigenschaften besitzen, ein Diplom erhalten, das ihre Befähigung bezeugt, vorkommenden Falls die Obliegenheiten von Hülfs-Officieren zu versehen; sie müssen sich dann aber auch verpflichten, noch 5 Jahre weiter zu dienen. Sre erhalten im Dienst dieselbe Löhnung und dieselben Vergünstigungen wie die Unter-Lieutenants und tragen auch die Rangabzeichen. Ihre Befähigung haben sie theoretisch und praktisch in einer Prüfung zu erweisen. Das Pariser Journal „Evönement" veröffentlicht einen sehr bösen Artlkel, ver sich mit der Plünderung der anarnitischen Kaiserpaläste beschäftigt und in dem behauptet wird, daß bei dieser Gelegenheit (am 6. Juli 1885) für nicht weniger als 65 Millionen in Gold und Silber von den französischen Truppen geraubt worden sei! „Wenn mein Gedächtniß mich nicht täuscht - heißt es in dem Artikel -, „so gab damals eine Depesche de» Generals Courcy allerdings bekannt, daß man sich einer im Staatsschätze befindlichen Summe von 15 Millionen in Barren bemächtigt habe, aber niemals vierteljährlich 2 Mar? W Pf. E Durch die be-oge« vierteljährlich 2 Msri öH ur- Tifdjen L :he. lonaten en und Herr utii soliden nädchen irterre. W M ist billig c ( 3805 (i EchloHel Wem Schreine WOin Pumpen Vorun^ gen aus ß Großen-B selbst aud und mit । zum 3 ! rinzureiche Gießen, j* Zur Re in Groß stehende Ar Vergeben n Maurert Zimmere Dachdeck Vormi^S' #«ifl j von Die bei Hieße" Sitfir«* u««f" L« an un ”e? » mir LN ' «tau1 s Itico tg I-Ailm iSttpi ' E Md «®atn 5|onti e •*«s 8inbt Iteck 3838 0 <$> Ein der der Herm. Aug Müller, Leinen-, Bettwaaren- nnd Wäsche-Geschäft- Preis per Flasche M. 2.50, halbe Flasche X 1.50. 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Einer seiner Söhne, schön, stattlich und riesen stark wie er, ein reich- begabter junger Maler in München, wurde durch das bekannte gräßliche Eretgntß auf einem Künstlermaskenfest zu München - das Verbrennen einiger als ^amojeben verkleideten Künstler in Folge der Berührung ihrer Costume mit Kerzenflammen — zu der kaum begreiflichen Tollkühnheit angeregt, bei nächster Gelegenheit auf einem anderen Maskenfest den praktischen Beweis liefern zu wollen, daß lenes Unglück nur durch dre Kopflosigkeit der von den Flammen Ergriffenen herbeigeführt worden wäre. Er wählte das gleiche Costüm und soll die Nähe der Flammen eher ausgesucht als gescheut haben. Fürchterlich wurde er für das Herausfordern des Schicksals bestraft Das Feuer ergriff auch ihn wie jene nicht lange zuvor verbrannten Eollegen. Er rettete zwar das Leben, trug aber so entsetzliche Brandwunden davon, daß er dre: Jahre lang fast hoffnungslos in den qualvollsten Leiden darniederlag. Besonders von den Armen schienen Haut und Fleisch völlig fortgebrannt zu sein. Die Aerzte verfielen darauf, das Experiment der Bedeckung dieser gänzlich zusammengeschrumpften und nur eme große Wundfläche darstellenden Extremitäten mit einer neuen künstlich darauf verpflanzten, lebendigen Menschenhaut zu wagen. Das Material zu derselben aber mutzte stückweise von gesunden lebenden Menschenkörpern dazu hergegeben werden. Da zeigte es sich einer wie großen und alloerbreiteten Liebe bei seinen Genossen, Künstlern, Studenten :c., sich der junge Gudden erfreute. Eine Schaar von mehreren hundert Freiwilligen erklärten sich bereit, die erforderlichen Hautstücke von ihren Armen ablosen zu lassen, damit aus denselben durch die behandelnden Chirurgen eine Art lebendiger Fleckendecke auf den wunden Gliedern des unseligen Freundes hergestellt werde. Sie haben sich dieser schmerzhaften Operation mit wahrhaftem Spartanermuth unterworfen. Tas unglaublich klingende Experiment ist wirklich an den Armen des jungen v. Gudden mit so gewonnenen mehreren hundert Hautstückchen ausgeführt worden. Ob und wie es möglich ist, daß auf diesem Wege bleibend eine neue eigene Haut durch organischen Proceß des Verwachsens gebildet werde, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß nur die Thatsache aus der allerbesten Quelle, daß die beiden, ob auch gänzlich verkümmerten, verschrumpften und mit Ausnahme der Hände fast durchaus bewegungsunfähigen Arme doch wenigstens erhalten geblieben und nun allmählich mit^etwas einer wunden und zerhackten Haut Aehnlichem bedeckt sind. Seine künstlerische Thätig- kcit fortzusetzen, ist dem so weit hergestellten jungen Manne freilich für immer unmöglich gemacht. Aber er vermag doch, trotz dieses Zustandes der Arme, mit der rechten Hand zu schreiben, er hatte es, Dank der eisernen Energie seines Willens, durch Hebung sogar erreicht, mit diesen Händen das Ruder zu führen. So sah man ihn im vergangenen Sommer auf dem Tegernsee seine Barke selbst bewegen und man mochte buchstäblich den eigenen Augen nicht trauen, welche das sahen. Kaum geringere Verwunderung und Bewunderung mußte bet allen ihm Nähertretenden der gefaßte, heitere Gleichmuth erregen, womit der so furchtbar Heimgesuchte sein allerdings selbst verschuldetes Unglück trug, und die heitere Liebenswürdigkeit seines Characters, welchen selbst ein solches Erlebniß nicht dauernd zu trüben und zu verbittern vermocht hatte. Dem neuen Schlage gegenüber, welchen nun der tragische Untergang des Vaters gegen das Herz eines solchen Sohnes geführt hat, wird jeder heitere Gleichmuth sich wohl machtlos erweisen." — [„(Sin Wittelsbacher muß nicht.") Dem Wiener „N. Tagbl." wird aus München über eine merkwürdige Scene berichtet, die vor Jahren zwischen den beiden Helden des jüngsten furchtbaren Trauerspiels, zwischen König Ludwig und Professor Gudden stattfand. Es war im Jahre 1875, wenige Tage vor der Wahnsinns-Erklärung des jetzigen Königs Otto. König Ludwig hatte den berühmten Irrenarzt zur Audienz deschiedcn, um von ihm eine Meinung über den Geisteszustand seines unglücklichen Bruders zu hören. Die Unterredung hatte Zeugen, denn sie wurde bei offener Thür geführt und im Nebenzimmer, anstoßend an den Audienzsaal, arbeiteten mehrere Herren vom königlichen Secretariat. Zufällig war gerade auch der damalige Secretär des seither verstorbenen Prinzen Adalbert, Herr Baier anwesend, derselbe, der sich später nach dem Tode seines Herrn vergiftete. Dr. Gudden stand mitten im Zimmer, als der König stolz und hochaufgerichtet eintrat und ihn mit seinen flammenden Augen ansah. „Was halten Sie von dem Zustand meines Bruders?" fragte geradeaus der König. — „Majestät", antwortete der Arzt, sich tief verneigend, „nach meinem Dafürhalten sind Königliche Hoheit sehr bedenklich krank." — „Sol" Der König machte eine lange Pause und fuhr dann fort: „Würde mein Bruder genesen unter Ihrer T\ /-'i 1 prnkc. u. bpeaalarzt für Haut-, Fraueu - u. Ge- | Ip ( tPTISCiI. schlechtekrankheiten(Syphilis#ctc. Frankfurt a M. r* ■ V-A V ’ StifU.tr. 22, fr. Ansixt. Prof. Eioor-t'.. Ausw. briefl. K I Pflege?" — „Das ist nicht zu versprechen", erwiderte Gudden, „aber es ist zu hoffen, wenn das geschieht, was ich thun möchte." — „Nun, und was würden denn das für Dinge sein ? Ich bin neugierig." — Gudden überlegte und sagte bann, dem König in's Auge sehend: „Ich muß bemerken, Majestät, daß in solchen Fällen Alles streng nach dem Gutheißen des Arztes befolgt werden müßte. Demnach müßte Königliche Hoheit ganz unter meine Aufsicht, ganz unter mein Cornmando gestellt werden. Der Prinz muß mit einem Worte Alles thun, was ich für geratheil erachte, dann kann ich Hoffnung versprechen — sonst nicht." Bei diesen letzten Worten ging Ludwig mit gekreuzten Armen vor Gudden auf und ab. Plötzlich blieb er stehen und sagte: „Ich danke, Herr Doctor — ein Wittelsbacher muß nicht, merken Sie sich das." — Der König drehte sich um und verschwand ohne Gruß. Gudden hat dann trotzdem die Oberaufsicht über den Prinzen Otto bekommen und der Prinz mußte. König Ludwig aber mußte nicht — er hat es dem Manne der Wissenschaft auf entsetzliche Art bewiesen. — [Auch eine Verschwörung!j Eine hübsche „Verschwörungs-Geschichte" bringen die Münchener „Humor. Blätter": Ein alter Gymnasiallehrer hat es nie dahin gebracht, seine Classe im Zaume zu halten. Die Schüler kommen stets ohne Präparation zum Unterricht und erlauben sich während desselben allen erdenklichen Unsinn auszuführen. Der Professor ist schon so daran gewöhnt, daß er es kaum noch merkt. Aber eines schönen Tages verabreden sich seine Schüler, für den folgenden Tag einmal das Classenpensum ordentlich zu lernen und sich während des Unterrichts überhaupt musterhaft zu betragen. Gesagt, gethan. Als am anderen Tage der Professor in das Schulzimmer tritt, ist die Classe mäuschenstill. Er blickt sich verwundert um. Er geht nach dem Katheder und legt dort seine Bücher nieder. Er fängt an, unruhig zu werden. Der Unterricht beginnt. Es werden tadellose Antworten crtheilt. Der Livius in der Hand des Professors fängt an zu zittern. Die weiteren Fragen des Professors werden prompt beantwortet, während die Classe im tiefsten Stillschweigen verharrt. Da plötzlich erbebt der Professor am ganzen Leibe, er wirft sein Buch aus der Hand und ruft mit Stentorstimme über die ganze Classe hinweg: „Das lasse ich mir nicht gefallen, das ist eine ganz niederträchtige Verschwörung!" — [Eine glückliche Mutter.j Emmy Winter, die Wittwe eines Beamten in London, welche von einer kleinen Pension ihren Lebensunterhalt bestreiten mußte, fristete mit ihren vier erwachsenen Töchtern ein sehr kümmerliches Dasein. Die Mädchen, die recht hübsch sind, beschäftigen sich mit Handarbeiten. In einem Wäschegeschäft, woselbst sie Hemdenkragen anfertigten, lernte Lizzie Winter, die Aelteste der Schwestern, einen Mohamedaner Namens Haledem - El - Salim kennen. Der Mann kundschaftete die Wohnung des Mädchens aus und die Nettigkeit, sowie das Wesen der Familie entzückte ihn so sehr, daß er bei der Wittwe um die Hände ihrer vier Töchter anhielt, die er sämmtlich zu heirathen wünschte. Mrs. Winter, sowie ihre Töchter batten nicht das Mindeste gegen den Antrag des Fremden einzuwenden, der auch die Schwiegermutter mit in sein Heim zu nehmen versprach; allein die Obervormundschast weigerte sich, den Handel zu sanctioniren. Die Wittwe hat die Angelegenheit einem Rechtsmanne übergeben. Sie findet es haarsträubend, daß man dem „Glücke" ihrer Kinder Hindernisse in den Weg legt. — [Wann?j Ein Advokat hatte zwei Spitzbuben zu vertheidigen, von denen der eine bet Tag, der andere bei Nacht gestohlen hatte. Darauf fußend, sagte er in der „glänzenden" Verteidigungsrede: „Der Herr Staatsanwalt hat es bei meinem ersten Klienten als einen erschwerenden Umstand bezeichnet, daß derselbe bei hellem Tage mit unglaublicher Frechheit einen Diebstahl begangen. Jetzt wird bet meinem zweiten Klienten der Umstand, daß er zur gefährlichen Nachtzeit gestohlen, gleichfalls als erschwerend bezeichnet. Ich frage nun den Herrn Staatsanwalt: Wann soll denn der Kerl stehlen?" — Wachtmeister (beim Reitunterricht): „Hirnmelsckockschwerenoth, sitzt der Kerl wieder auf seinem Gaul, wie das Orakel von Delphi, wenn es Leibschmerzen hat!" M fll * V-'* MD Roth. 4712 374,84 JL 4716 4045 Senßselder, Bezirks-Bauaufseher. 35- 219,50 81,28 61.80 179,- 212,50 523,24 19,50 einzureichen sind. Gießen, am 25. Juni 1886. vergeben werden: Maurerarbeiten Zimmerarbeiten Dachdeckerarbeiten Spenglerarbeiten Schlofferarbeiten Glaserarbeiten Schreinerarbeiten Weißbinderarbeiten ♦ Schleiertüüe, H Seiden-Sawmt, per Meters S mir 3 JL (in allen neuen Z. 2 Farben, 48 Ctm. breit), L 66 Krausen, per Stck. von 5 an, § I Trieot - Daillen, per Stück * » Wäsche, ® Kinder-Wäsche, Kinder-Kleider v-1,80^. an, Steckkiffen, Tragkleider, Herren- u. Damenkragen. Arbeltsvergebimg. Zur Reparatur der Pfarrgebäude in Großen - Buseck sollen nach- WcrhrWe Vergebung von Bauarbeiter». Die bei Herstellung einer einfachen Wagenreparaturhalle im Bahnhöfe Gießen vorkommenden Arbeiten und Lieferungen sollen im Submissionswege vergeben werden. Voranschlag, Bedingungen und Zeichnungen können von heute an im Verwaltungsgebäude, Zimmer Nr. 4, cingesehen und die Offerten, welche verschlossen und mit bezüglicher Aufschrift verleben sein müssen, daselbst bis zur Submissionseröffnung am 3. Juli l. I., Vormittags 10 Uhr, abgegeben werden. Der Eisenbahnbaumeister. PL Ellinger, 71 Selters weg 71 Pumpenmacherarbeiten Voranschlag und Bedingungen liegen auf Großherzogl. Bürgermeisterei Großen-Buseck zur Einsicht offen, woselbst auch die Offerten verschlossen und mit entsprechender Aufschrift bis zum 3. Juli, Mittags l'Va Uhr, Prima portranh=Kemmf, Chr. Lothary Wwe. & Comp., Weisenau, b. Mainz. Lager in Gießen bei J. Happel, 4707 4 9. 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Sobald das Wasser über 16 Grad hat, beginnt das Classenschwimmen der Schüler, worüber sie am Schluß der Badezeit eine Urkunde erhalten. Hierzu bedarf ich jedoch die schriftliche Einwilligung der verehrlichen Eltern und Vormünder. Ich lade zum Abonnement ganz ergebenst ein und bemerke, daß alles Nähere in der Anstalt, wo auch die Liste zur gefälligen Einzeichnung offen liegt, zu erfahren ist. In OM*. Jfäübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. Julius Wallach, C. Fr. Conrad, Friseur, Frau M- J. Röhl, Emil Orbig, Louis Scharmann jun., Carl Lehrmund, Neuenweg 36, Ernst Euler. 3777 Vierter Hauptgewinn 20000 M. W. Dritter Hauptgewinn 30QO0M.W. Erster Hauptgewinn 60000 M. W. Per Porlland der Ständigen Ausstellung, Weimar. Loose sind auch zu haben bei: Ziehung schon nächste Woche Eine Verschiebung derselben findet keinesfalls statt. Zweiter | Hauptgewinn 40000 M. 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Ich werde stets bestrebt fein, durch streng solide und billige Bedienung mir das Wohlwollen meiner geehrten Abnehmer zu erwerben und zeichne Hochachtungsvoll 4526 Wilhelm Schon. Bad Wildungea. Deutsche Lebens-Verficherungs-Gesellschast in Lübeck. ' ' Gegründet 1828. . Nach dem Berichte über das 57. Geschäftsjahr waren ult. 1885 bei der Gesellschaft versichert: 39 077 Personen mit einem Kapitale von . . X 135 212 882. 39 H, und X 142 306. 91 H jährliche Rente. Das Gewährleistungskapual betrug ult. 1885 X 32 699 415. 39 H, Seit Gründung der Gesellschaft wurden bis ult. 1885 für 16 080 Sterbefälle gezahlt.....X 47 136 040. 53 H. Die Gesellschaft schließt Lebens-, Aussteuer-, Sparkassen- und Remen- Versicherungen zu festen und billigen Prämien, ohne Nachschußverbindlichkeil für die Versicherten. Jeder, der bei der Gesellschaft nach den Tabellen 14—5 versichert, nimmt am Geschäftsgewinne Lheil, ohne deßhalb, wie bei den anderen Geschäften, eine höhere Prämie zahlen zrr müssen. Der Vorlheil, den die Gesellschaft bietet, besteht also in den von vornherein äußerst niedrig bemessenen Prämien, sowie darin, daß die Versicherten trotzdem 75 Procent des ganzen Geschäftsgewinnes erhallen. Der Gewinnantheil für jede einzelne Versicherung ist ein von 4 zu 4 Jahren steigender und zu dem Vortheil der von Anfang an möglichst niedrigen Prämien tritt noch der, daß diese niedrigen Prämien sich mit der Dauer der einzelnen Versicherung stetig ermäßigen. Dieser Gewinnantheil, welcher am Schlüsse des je 4. Jahres ausbezahlt wird, betrug bisher durchschnittlich: zür die erste 4jährige Vertheilungsperiode: 18,85 Procent einer Jahresprämie, w h zweite „ M 43,16 „ „ „ h h britte „ „ 59,08 „ „ » Jede gewünschte Auskunft wird kostenfrei von der Gesellschaft und ihren aller Orten bestellten Vertreter ertheilt. Das Bureau der Gesellschaft in Frankfurt a. M. Neue Zeil 18. Conrad Baier. 4486 In Gießen von M. Kuder. , Alsfeld von L. M. Schloß. „ Bellersheim von Wilh. Kammer III. „ Friedberg von Kaufmann Stern. * Gedern von I. Nutzbaum. „ Herbstein von I. L. Koch. „ Heuchelheim von Wilh. Rinn III. » Lauterbach von C. Th. Helfenbein. „ Laubach von Ph. Leidhecker. „ Nauheim von Carl Kersting. „ Nieder-Weifel von Philipp Seipp. „ Rockenberg von Carl Scherffius. „ Schlitz von M. Cahn. v Frohnhaufen von Peter Haub. * Gladenbach von Louis Schneider. „ Marburg von Georg Schaaf. Gegen Stein, Gries, Nieren- und Blasenleiden , Bleichsucht, Dlut armuth, Hysterie rc. sind seit Jahrhunderten als specistsche Mittel bekannt. ^Georg Victor-Quelle und Helenen-Oueüe. Wasser derselben wird m stets frischer Gillung versendet. - Anfragen über das Bad, Bestellungen von Wohnungen im Baoe- logirhaufe und Europäischen Hofe rc. erledigt: 2824 Die Inspection der Wildunger Mineralq.-Actien-Geseilschaft. i s -3 E O X o UJ l s ■e § a O ig •2 ~ § •3 » 3 5 Z ■° s ® c 'S ~ £ -2 ” = E 1 3 y w I i 3 Q 2 C5 2 E ö •S.E ’S -g -o S “ s 5 g ® t. 4717] Smönes möblirtes Zimmer sofort zu vermieden.__Riegelpsad 1- -4777] Eckladen mit Logis, Seltersweg 71 (Ettinger) pr. Ende September d. Js. zrt vermiethen. A. Keller« Vermischte Anzeigen. 4613 Hierdurch erlaube mir meine Bnchdruckerei in empfehlende Erinnerung zu bringen. ______Eduard Spier Wwe. ■l—lilBilllll ■IW imiWBMIIMII null I I|| Illi 4764 Ein junger Bursche, der das Schlosserhandwerk erlernen will, gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bl. 4758 Unterzeichnete empfiehlt sich als Leichenwärterin. Frau Dürr, Krofdorferstr., Lohmühle. 4749 - Eine reinliche Lauffrau sucht Stelle. 'Bahnhofstraße 32. das 4576 Drogengeschäft von Otto Schaaf, Seltersweg 39. 4788 Ein Schreinergeselle gesucht von Ludwig Müller, Schillerstraße, Ecke der Steinstraße. Kamillen kurz gepflückte Blüthen, kauft Anlage von übernimmt unter Garantie und billigster Berechnung 2359 Carl Heyer, Mechaniker. 4755 Ein Mädchen, welches kochen kann, gesucht.Stadt Mainz. 4771 Ein Pferdeknecht gesucht. Hammstraße 4. Restauration zur Pulvermühle. Von beute an sind täglich, mit Ausnahme der Sonntage, frischgebackene Waffeln und eine vorzügliche Taffe Kaffee bei mir zu haben. 4733 Wilhelm Noll. •p® ä Die Nr. 39 enthält: Textlich: Die Bräute von Moorstätt. Erzählung von 9). Steenhusen. (Fortsetzung^) — B'hüt Gott. (Fortsetzung.) Novellette von T. Bukenhardt. — Die deutsch-ostafrikanische Kolonie und ihr Begründer. Mit dem Porträt Dr. Karl Peters und dem Siegel der deutsch-- ostafrikanischen Gesellschaft. — Holzpapier. Von Hanns von Spielberg. — Badegeschichten aus Baden. Von Max Allihn. Mit sieben Illustrationen. — Am Familientisch: Blitzgefahr u. Blitzableiter. — Rechtsrath. — In unserer Spieleckc. Bildlich: Mütterchen. Von Auguste Ludwig. — Dr. Karl Peters von der deutschostafrikanischen Gesellschaft. — Porträt. — Badeleben in alter Zeit: Ansicht der Stadt Baden. — Der Badwascher einen Patienten schröpfend — Die spanischen Brödchen- — Das Täfelt im Hinterhof. — Reise nach Baden per Kahn auf der Limat. — Der Hinterhof mit dem Badehause im Fälklein- Mit einer illustrirten Beilage: Luitpold, Prinzregent von Bayern. — Friedrich Johannes Frommann -j-._____________ 4637 Unterzeichnete empfiehlt sich als Leichenwärterin. Jae. Jünger Wwe., Löwengasse 31. Redaction: A. Scheyda- — Druck und Verlag der Brüh lachen Druckerei (Fr- Chr. Pietsch) in Gießen.