Mr. 149 Erstes Blatt. Donnerstag den 1. Juli iss« Amts- und Anzeigevlatt für den Kreis Gießen. ’:y- $ —ErschEt »* **"/^ “J"”—*■ , Amtlicher Theil. Die Viehpreisvertheilung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen in 1886 betreffend. Die diesjährige Viehpreisvertheilung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen soll am Mittwoch den 7. Juli l. I. zu AlSfeld .^bgehalten werden. Mit derselben ist eine Ausstellung von Producten landwirthschaftlicher Thätigkeit, sowie von Maschinen und Geräthen verbunden. Prämiirt werden: I. Pferde, und zwar: 1) Zuchtstuten mit Fohlen; 2) Zuchtstuten, bezüglich derer diesjähriger Deckschein vorliegt; 3) Fohlen, die nicht mehr saugen. II. Rindvieh und zwar: 1) die einheimische Vogelsberger Gebirgsrace; 2) die Simmenthaler Nace und andere fremde Racen; 3) die Kreuzung der vorhergenannten Racen; Im Einzelnen: a. Bullen von Privaten, Gemeinden und Gemeindebullenhaltern im Alter von 1—2 Jahren; b. Rinder, die sichtbar trächtig sind, von 2—3 Jahren; c. Zuchtkühe; d. ganze Zuchten von Rindvieh. 111. Schweine, und zwar: 1) Mutterschweine, trächtig oder mit Ferkeln; 2) Eber, 3) Zuchtschweine im Alter von wenigstens i/2 Jahr. IV. Schafe, und zwar: 1) Zuchtschafe in Loosen von wenigstens 3 Stück, 2) Böcke. V. Ziegen. Vsm Aussteller selbst gezüchtete Thiere werden höher, prämiirt, als < gekaufte. Letztere muffen, insofern sie im Besitze von Privaten sind, eine .bestimmte Zeit lang angekauft sein und zwar Stuken mit Fohlen mindestens 1 Jahr; Bullen, Rinder, Zuchtkühe und Zuchtschweine Vs Jahr- Fohlen- welche bis zum Alter von 2Vs Jahren noch nicht eingespaünt worden sind, sollen vor anderen den Vorzug haben. Die Bewerber haben amtliche Bescheinigungen über die bezüglich der Thiere geforderten Voraussetzungen beizubringen. Unrichtige Angaben des Ausstellers in Bezug auf die bestimmten An- forderungen an die concurrirenden Thiere haben zur Folge, daß etwa zuerkannte Prämien wieder zurückgezahlt werden müssen und daß der Aussteller in solchem Falle durch 5 Jahre von der Zulassung zu Prämiirungen ausgeschlossen ist. Es kann nur wirklich preiswürdiges, den verlangten Leistungen entsprechendes Vieh prämiirt werden. Eigenthümer solchen Viehes, welche wegen zu starker Concurrenz keine Prämien erlangen konnten, deren Vieh aber von den Preisrichtern besonders .ausgeschieden wurde, erhalten aus Verlangen eine durch die Preisrichter festzusetzende Wegentschädigung, wenn sie über 10 Kilometer weit hergekommeu sind, und zwar 10 für den Kilometer. Die Musterung des Viehes durch die Preisrichter beginnt Vormittags 8 Uhr und' ist thunlichst mit Ausschluß des Publikums in abgegrenzten Räumen vorzunehmen. Das Vieh muß aber um 7 Uhr schon zur Stelle sein. Die Namen der Aussteller dürfen den Preisrichtern vor der Prämiirung nicht mitgetheilt werden. Die Thiere sind nach Nummern vorzuführen. Zur Preisbewerbung sind alle Angehörigen der Provinz zugelaffen. Viehhändler als solche sind von der Bewerbung ausgeschlossen. Thiere, welche bereits bei einer Preisvertheilung eines Provinzialvereins oder dss ganzen Landes prämiirt worden sind, können in derselben Categorie nicht wiederholt einen Preis bei der bevorstehenden Preisvertheilung erhalten. Ein Aussteller kann auf der bevorstehenden Ausstellung in einer Cate- gorie nur einen der bewilligten Geldpreise erhalten. Mit der Ausstellung ist eine Verloosung von Vieh, landwirthschaftlichen und sonst nützlichen Geräthen sowie Maschinen verbunden. Jeder Aussteller hat die Ausstellungszeit bei Meidung des Verlustes der zuerkannten Prämien oder Wegentschädigung auszuhalten. Bezüglich der Erhebung eines Standgeldes bleibt Bestimmung vorbehalten. Den auszustellenden Maschinen, Geräthen, Werkzeugen rc. sind die Verkaufspreise anzuheften. Die Größe der einzelnen Preise wird von den Preisrichtern bestimmt, den aus dem Staatsfond fließenden 1000 X werden dieselben bei Großvieh nicht unter 60 JL und bei Kleinvieh nicht unter 30 Jt pro Stück oder Loos betragen. Im Uebrigen erfolgt die Zuerkennung der Preise nach Maßgabe der für die landw. Vereine gültigen, in Nr. 7 der Zeitschrift für die landw. Vereine von 1882 abgedruckten Prämiirungsordnung. Im Ganzen stehen zur Verfügung: 1. Aus dem Staatssond .... 1000 JL 2. Aus Provinzialvereinsmitteln ... . 600 „ 3. Aus dem Bezirksverein Alsfeld . . 1000 „ 4. Aus den Mitteln des Alsfelder Viehzucht- Vereins zur Prämiirung des Berner und Vogelsberger Viehes der Vereinsmitglieder 400 „ zus. 3000 vä Die Einlieferung von auszustellenden Erzeugnissen der Landwirthschast, insofern solche nicht dem Verderb ausgesetzt sind, landwirthschaftlichen Maschinen und Geräthen wolle, wenn möglich, bis spätestens bis zum 5. Juli an Großh. Bürgermeisterei Alsfeld erfolgen. Friedelhausen, den 24. Juni 1886. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau. Deutschland. München, 29. Juni. Die „Allgemeine Zeitung" veröffentlicht nach- ' stehendes Handschreiben des Prinz-Regenten an den Kriegsminister: „Nachdem ich die Regentschaft und den Oberbefehl über die Armee übernommen habe, lege ich die Stelle als Gencral-Jnspector der Armee nieder. Ich behalte mir die Wiederbelebung dieser Stelle vor, verfüge jedoch einstweilen den "Einzug der etatsmäßig daran geknüpften Competenzen. Der KriegSmtnister wird das hiernach Erforderliche veranlassen. (gez.) Luitpold." Breme«, 29. Juni. Die gestern zur Feier der Betriebs-Eröffnung der suboentionirten Dampserlinien als Ehrengäste hier eingetroffenen Mitglieder der rheinisch-westfälischen und sächsischen Handelskammern, der Vorstand des deutschen Handelstages und verschiedene industrielle Vereine wurden Seitens der hiesigen Betheiligten auf dem Bahnhofe empfangen. Nach einer gemeinsamen Spazierfahrt sand Abends 9 Uhr die Begrüßung der Gäste durch den Handelskammer-Präsidenten Louis Meyer im Rathskeller statt, woselbst sodann auch das Abendessen eingenommen wurde. Präsident Meyer hob in der Begrüßungs- Ansprache hervor, daß, wenn das Beisammensein auch nicht einer ernsten Arbeit gewidmet sei, man doch beweisen möchte, wie Bremen rastlos darnach strebe, Handel, Industrie und einen großartigen Schiffsahrts-Betrieb stets zu fördern, sowie, welche große Anlagen Bremen zur Verbesserung der Verkehrswege geschaffen habe. Bei dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit der Nationen könne es nicht ausbleiben, daß der deutsche Einfluß seine Macht im sriedlichen Wettbewerb der Nationen aus dem großen Weltmarkt siegreich entfalten werde. Eommercienrath Jansen-Dülken sprach Namens der Gäste den Dank aus. — Heute findet eine Besichtigung der neuen Hafenbauten im Frethasen- bezirk und verschiedener großer Etablissements statt. Für Nachmittags ist ein Festessen im Museum und für den Abend ein Gartenfest mit Illumination im Bürgerpark in Aussicht genommen. Spante«. Madrid, 29. Juni. In der gestrigen Deputirtenkammer tadelte General Lopez Dominguez die Haltung des Krtegsministers und erklärte, daß, wenn die dringenden BedürfniAe der Armee nicht befriedigt würden, Spanien bittere Früchte ernten werde. Telegraphische Depesche«. toolfPt tetear. Torresporrdenr - Bwttatu Berlin, 29. Juni. Fürst Bismarck ist heute Mittag nach Schönhausen abgereist. — Wie es heißt, wäre der socialdemokratische Reichstagsabgeordnete Singer aus Berlin ausgewiesen. Petersburg, 29. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt, es wisse nicht, ob der russ. Gesandte Onou die Pforte auf die Verletzung des organischen Statuts seilens des Fürsten Alexander hingewiesen habe, wie kürzlich gemeldet wurde. Jedenfalls habe Fürst Alexander sich Schlimmeres zu Schulden kommen lassen, als nur eine Verletzung des organischen Statuts, er habe sich über europäische Vereinbarungen hin- weggesctzt und sein Vorgehen zeige wenig Respect vor dem europäischen Areopag: er erlaubte sich directe Eingriffe gegen die Rechte der Pforte, indessen scheine sein Verfahren in Konstantinopel mit Indifferenz, selbst mit Wohlwollen aufgenommen zu werden, so daß der vielfach gehegte Verdacht, als bestände ein Einvernehmen zwischen der Pforte und dem Fürsten Alexander, gerechtfertigt zu sein scheine. Wie dem aber auch sei, ob ein Einverständniß besteht oder nicht, man würde sich den offenen ^bal- sachen verschließen, wenn man annähme, daß das in Konstantinopel beobachtete Verfahren ohne Folgen bleiben würde. Was Rußland angehe, so kann es diesem nach Allem, was es bereits gethan habe, nicht mehr obliegen, sich als einzigen Vertheidlger der Beschlüsse Europas hinzustellen, von Beschlüssen, welche jeden Werth verloren zu haben scheinen sowohl in den Augen Derjenigen, von denen sie gefaßt, wie Derjenigen^ Je 50 Kilogramm kosten: G 30 30 -4* vM^ 7- 3- 210 181 1250 8 90 7 50 710 13- 17 50 24- 23 — 25 50 24- 10-75 90 Je Va Kilogramm kostet: >s E B c s N S -^3) 10^6 3^ "I“ 84-63 — 55 -58 -58 17 12 1 40 19 50 27- -85 15 d Q n-te 5 t= §: .5 H " a H Temperatur der Lahn. Am 30. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14°, Luft 14° R. im Schatten, L. Chr. Rübsameru VerzeichniH der Mittel-reife der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Mai 1886. Berdauungsbeschwerderr beseitigt schnell A. Widtfeldt's Aachener Magenbehagen u- sollte stets im Hause sein. Niederlage bei Emil Fischbach. 4793 sür welche sie gefaßt wurden. In Sofia verletzt man diese Beschlüsse ganz offen und in Konstantinopel scheint man deßhalb sehr wenig erregt zu sein; wer konnte leugnen, daß dieser Stand der Dinge ernste Gefahren und bedenkliche Ermutyigungen m fich birgt ? 1 1 -46 haben wir leider keinen Mann mehr, non dem da? Volk sagen konnte- „Da ist er! Man hat in den letzten Jahren Bayern als eine Art Operettenland dar- 'zustellen gesucht. Diese Täuschung muß man auigcbcn. Diese Leute nm|en, was Ne können und was sie wollen, und das ist eine ungeheure Kraft. Sie haben den Kronprinzen nicht mit begeisterten Zurufen begrüßt, aber im Herzen sind sie seine UnterthaneMb^ 0emet^et roorfon/ $af der Kaiser durch Erlaß vom 20. v. M. bestimmt daß bei Nachsuchung der Heiraths-Erlaubniß ein Hauptmann oder Rittmeister zweiter Klasse 1500 JL und ein Subaltern-Officier 2500 JL jährliches Einkommen nachweisen muß und den Kriegsminister mit Erlaß der Bestimmungen über die Voraussetzungen beauftragt, unter welchen das nachgemiesene Einkommen als sicher, beziehungsweise sichergestellt anzunehmen ist. Nack diesen Ausführungsbestimmungen sind unter anderen Erträgen aus städtischen oder ländlichen Grundstücken, aus Kohlengruben, Bergwerken,, Fabrikanlagen, kaufmännischen Geschäften u. s. w., insbesondere auch Gelvinnantheile (Dividenden) von Actien als sicheres Einkommen nur bis zur Halste des Ehrlichen Ertrages anzunehmen, welcher bei städtischen ober ländlichen Grundstücken aus den letzten fünf Jahren, in allen anderen Fällen aus den letzten zehn Jahren sich ergibt.. Das Einkommen aus zinstragenden Hypotheken ober Grunbschulben ist für sicher zu erachten, wenn letztere ben im § 39, Abs. 3, der preußischen Vormunbschaftsordnung aufgestellten Erfordernissen entsprechen. Zinsen von Werthpapieren gelten als sicher,, wenn die Reichsbank die betreffenden Werthpapiere als beleihbar anerkannt hat. Ein sicheres Einkommen bilden auch Zinsen einer Buchschuld des preußischen Staatsschuldenbuches, welche auf den Namen des Bräutigams ober ber Braut nachgewiesen ist. Zu-- schüsse ober Zulagen aus bem Vermögen britter Personen gelten als sichergestellt, wenn dieselben dem Bräutigam ober ber Braut unb im Falle ihres Tobes nach geschlossener Ehe ben aus dieser Ehe entsprossenen Kinbern zur fortlaufenden Erhebung vollständig überwiesen sind. Entstammt das Vermögen ganz oder zum Theil eigenem Vermögen des Bräutigams, so gehört zum Nachweise der Sicherheit die pflichtmäßige Erklärung des Bräutigams, daß das aus diesem Vermögen nachgewiesene Einkommen nicht durchs bestehende Schuldverbindlichkeiten vermindert wird. — Von Ratib or aus war der Hamburger Polizei angezeigt worden, daß vow dort die Tochter eines Bankiers, nachdem sie sich in den Besitz einer Summe von 30,000 JL gesetzt, mit einem Eornrnis ihres Vaters durchgegangen sei und daß die Vermuthung vorliege, das Pärchen werde von Hamburg aus nach Amerika zu entkommen suchen. In ber That waren bie jungen Leute auch nach Hamburg gekommen unb hatten sich bereits bie erforberlidjen Vassagebillets zu verschaffen gewußt, ohne baß sie bis dahin entbeckt worben waren. Am Tage vor ihrer Abreise nun hatten sie dem Varietä - Theater einen Besuch abgestattet, waren aber auf dem Rückwege nach ihrem Hotel irre gegangen unb roanbten sich bebhalb enblich an einen ihnen begegnenden Herrn um Auskunft über ben richtigen Weg. Ihr Unstern hatte sie jedoch mit einem Polizeibeamten zusammengeführt, ber, in geschickter Weise ein Gespräch anknüpfend, bald heraus bekam, wen er vor sich hatte. Das Pärcken war nicht wenig, erschrocken^ als der Beamte es schließlich aufforderte, ihm zur Polizei zu folgen. Der Vater des jungen Mädchens wurde sofort benachrichtigt unb hat sein Töchterchen wiebel abgeholt. — Eine Bierwette, welche kürzlich durch eine Gesellschaft von Kennern auf ein- Dutzend Boxbeutel (Stein) eingegangen wurde, ist zu Gunsten der Liebhaber des- Stoffs aus dem bürgerlichen Brauhause Zell entschieden worden. Man hatte Proben der verschiedenen Biere, welche hier getrunken werden, an einen renommirten Chemiker gesandt und dieser hat das Zeller Bier als das gehaltreichste befunden. — (Auch ein Künstler.) Richter: „Was haben Sie für ein Gewerbe?" — Strolch: „Ich bin Künstler!" — Richter: „Künstler?" — Strolch: „Ja, Schirmmacher." — Richter: „Aber das ist doch keine Kunst." — Strolch: „So? Machen Sie 'mal einen." Schiff-nachrichten. Bremen, 28. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Aller, Eapt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 19. Juni von Bremen und am 20. Juni von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Lokale-. Gießen, 30. Juni. Am 13. und 14. Juli wird der konigl. Hofschauspiel- Lirector Ernst Poss art aus München im Verein mit hervorragenden Mitgliedern des Darmstädter Hoftheaters bie große Liebenswürdigkeit haben, unterer ©tobt einen Kunstgenuß ersten Ranges zu bieten. Poss art wirb nämlich für Zwecke ber Wohl- thätigkeil in Lessing's „Nathan bem Weisen" unb am zweiten Abend tn ben bekannten Einactern „Eine Partie Piquel", „Unter bem Siegel der Verlchwiegenheit , Der Sinke ber Schmiebe", in ben Hauptrollen auftreten. Die ersten Kruste unserer Hofbühne werben ihm, bem Meister beutscher Schauspielkunst, bereitwillig habet zur Seite stehen unb so ein Ensemble schaffen, wie es vollenbeter wohl überhaupt nicht geboten werben kann. Es genügt gewiß dieser kurze Hinweis, um das Publikum von Stadt und Land zu veranlassen, sich diese seltene Gelegenheit, die mit so liebenswürdiger Liberalität geboten wirb, nicht entgehen zu lassen. Aus ben von einem Ausschuß getroffenen oorbereitenben Maßregeln können wir folgenbe yervorheben: Die Aufführungen, zu benen ber „Burgerclub" die Buhne stellt, fiuben in Stein's Garten unb zwar voraussichtlich |o zeitig statt, daß Auswärtige noch bie Heimath erreichen können. Die Preise hat man so festgesetzt: 1) zwei Drittel bes Mittelraums 5 J4, 2) letztes Drittel (burch Pobium erhöht) 4 J£, 3) Seitenbau (Sitze schräg ber Bühne zugewanbt) 3 , 4) 2 JL (Seitenbau theil- weise unb Musiktribüne). Der Billetverkauf beginnt Dienstag ben 6. Juli. — Anbetracht ber außergewöhnlichen Leistungen unb auch bes wohlthätigen Zweckes wird man die Preise nicht zu hoch finden können, um so weniger, als wir versichern können, daß sämmtliche Plätze wirklich bequem sind unb baß man von allen sehr gut die Bühne überschauen kann. Um biesem Punkte Rechnung zu tragen, hat man von Stehplätzen vollstänbig Abstanb genommen und die Zahl der Sitze erheblich eingeschränkt. Unordnungen ist dadurch vorgebeugt, daß alle Plätze fortlaufend nummerirt sind und jede Platzgruppe ihren eigenen Eingang haben wird. Den ursprünglichen Plan, eine Preisermäßigung für den Besuch beider Vorstellungen eintreten zu lassen, hat man fallen lassen müssen, da eine wirksame Controle nur sehr schwer durchgeführt werden könnte. Gießen, 30. Juni. (Schwurgericht.) Der Schreiner Jacob Hahn I. von Ober-Mörlen, dessen Ehefrau und Karl Heil III. Ehefrau von da standen gestern unter der Anklage des betrüglichen Bankerutts vor dem Schwurgerichte. Der Angeklagte Hahn trieb neben seinem Gewerbe als L-chreiner noch einen Handel mit Specereiwaaren und Wirthschaft. Er hatte kein eigenes Vermögen und lieh deshalb die Summe von 2000 um solche in feinem Geschäfte zu verwenden. Die Geschäfte gingen jedoch nicht nach Wunsch und bald wurde Hahn von seinen Gläubigern gedrängt und mit Exekutionen überhäuft. In Folge besten melbete er bei Großh. Amtsgericht Bab-Nauheim feinen Concurs an, welcher auch am 10. August v. I. von bemfelben erkannt würbe. Der Angeklagte wirb nun beschulbigt, Vermögensstücke in ber Absicht, seine Gläubiger zu benachtheiligen. verheimlicht ober bei Seite geschafft zu haben unb bie Ehefrauen Hahn unb Heil, baß sie bem Hahn zur Begehung bieses Verbrechens burch Rath unb That wissentlich Beistanb geleistet haben. Es sinb nun eine große Anzahl von Gegenstänben bei Seite geschafft worben, z. B. ein Reisekoffer, ein kupferner Kessel, 1 Pflug, Blechkannen, Gläser, Porzellantassen u.bgl. Der Angeklagte behauptete jedoch bezüglich des Koffers unb bes Kessels, baß biete Gegenstänbe seiner Schwiegermutter resp. seinem Schwager gehörten unb baß er solche nur vorübergehenb in Gewahrsam hatte unb bei Ausbruch bes Concurses an ben richtigen Platz habe bringen wollen. Bezüglich ber übrigen Gegenstänbe (Wollengarn, Eichorie, Hosenträger, Cigarren) räumt ber Angeklagte ein, bieselben in einen Sack gethan unb verborgen zu haben. Es wirb ihm ferner zur Last gelegt, ein Faß Rüböl, welches ihm vom Gerichtsvollzieher abgepfänbet worben war, unter Beihülfe ber Hahn unb Heil theilweise entleert unb mit Wasser aufgefüllt zu haben. Die Angeklagten stellen bies entschieden in Abrede; der Zeuge, welcher die diesbezüglichen Beobachtungen gemacht haben will, ist jedoch unbeeidigt vernommen worden. Die Staatsanwaltschaft ließ die meisten unter Anklage gestellten Delicte fallen, hielt jedoch dasjenige bezüglich der Maaren, welche in dem Sack versteckt wurden, aufrecht und empfahl den Geschworenen die Bejahung der gestellten Schuldfragen bezüglick der Hahn Eheleute, bezüglich ber Heil beantragte sie Freisprechung. Die Geschworenen bejahten jeboch nur bie Schulbfragen bezüglich des Hahn unter Zubilligung mildernder Umstände, die übrigen Fragen wurden verneint. Das Gericht verurtheilte hierauf den Angeklagten Hahn in eine Gefängnißstrafe von 7 Monaten (in Verbindung mit einer von Hahn zuerstehenden Gejängnißstrafe von 6 Wochen wegen Jagdvergehens) und in 2/a der Kosten des Verfahrens; die Ehefrauen Hahn und Heil wurden freigesprochen und der Staatskasse Va der übrigen Kosten, sowie bie baaren Auslagen ber Vertheibigung auferlegt. o R © 30 30 a D- 3Q <2 £ XS, 30 Mainz, 28. Juni. (Ausgrabungen.) Am Samstag Nachmittag würben in der Flachsmarktstraße bei ben Canalarbeiten in einer Tiefe von über 3 Meter eigen; tbümlich geformte Töpfe, aus dem Mittelalter stammend, aufgefunden und hat es den Anschein, als ob an dieser Stelle die gesammten Haushaltungsgeschirre einer Familie verschüttet worben wären. In der Zeughausgasse traten bei ben Canalarbeiten bie lleberrefte bes Lanbpfeilers ber alten römischen Brücke zu Tag unb besteht bieselbe zum Theil, wie bei ben Wasserpfeilern, aus eichenen Holzpfählen. In ber Fortsetzung des Landpfeilers sieht man deutlich die Spuren einer römischen Straße, welche, in gerader Linie gedacht, direct auf bie große Emmeransstraße stoßen würbe. Betreffs des in ber Bauerngasse aufgebeeften Mosaikbobens haben bie weiteren Nachgrabungen ergeben, baß sich unter bem Mosaikboben auch Heizanlagen befunben haben, so baß man es hier unzweifelhaft mit einer römischen Babeanlage zu thun hat. Marburg, 28. Juni. Nächsten Samstag Nachmittaa, am 3. Juli dss. Js., wirb auf Burg Staufenberg eine gemüthliche Zusammenkunft berLehrer von Gießen unb Marburg ftattfinben, wozu auch bie Lehrer der Kreise Marburg unb Kirchhain, wie aus ber Umgegenb von Gießen willkommen geheißen werben. Nähere Einlabungen erfolgen, wie wir hören, in ber „Hessischen Schulzeitung" und im „Hessischen Schulboten". Brüssel, 29.Juni. Der König hielt heute eine große Revue auf dem Manöver- felbe von Etterbeek über die Artillerie unter bem Oberbefehl bes Generallieutenants 9Hcaife ab. Dreizehn Batterien mit 78 Geschützen waren zusammengezogen. — Gestern Abenb würbe in ber Vorstabt St. Gilles ein schreckliches Verbrechen entdeckt. In einem Hause der Straße Fonsny wurden frisch abgeschnittene Beine und Arme einer Frau in einem Sacke aufgefunden, der Rumpf und Kopf fehlen. Es herrscht große Aufregung in St. Gilles. Eine Untersuchung ist sofort eröffnet, jedoch sind bis jetzt nur wenig weitere Spuren des Verbrechens entdeckt worden. (F. Z.) — Nicht uninteressant sind folgende Stellen aus dem Bericht über das Leichen- begängnifj König Ludwig's in dem französischen Blatte „Paris": „Soll ich Ihnen von der Haltung der bayerischen Soldaten sprechen? Warum nicht! In aller Wahrheit, diese Armee ist prächtig. Der geringste Soldat zog so stramm, so selbstbewußt, mit so militärischem Stolze vorbei, daß es eine Freude war zu sehen. Der Vorbeimarsch des militärischen Trauerzuges war bewundernswerth vom Anfang bis zum Ende. Man muß auch seinen Feinden Gerechtigkeit widerfahren lassen und die Bewunderung für die, von denen ich spreche, verstärkt und vergrößert sich in diesem Falle durch den Haß, den ich gegen sie empfinde. . . . Hinter dem Srauerwagen die Diener des Königs, sein Leibroß unb enblich bie bichte Menge ber Fürsten, an ihrer Spitze ber Erbe bes beutschen Kaiserthrones, alle mit ihren Stäben, blitzenb von Orben unb in glänzenben Uniformen. Es war — wohlverstanben vom künstlerischen Stanbpunkte — wahrhaft schön, unb unser enthusiastisches Volk von Frankreich hätte nicht verfehlt, biesem wunberbaren Vorbeimärsche laut Beifall zuzurufen. Hier fein Rut, fein Schrei - Alles „Ehrfurcht" . . . Als einziger Franzose stanb ich unter jwanjigtaufenb Deutschen, als ber Kronprinz fam, da horte ich von Allen mit unterdrückter Stimme: „Da ist er!" und in diesem „Da ist er!" lag etwas Unübersetzbares, das ich nicht wiederholen kann. Seit bem Tobe unseres armen Gambetta io* 3^3H se lieber Retter'S Haarwasser. Es kann nicht genug wieberholt werben, unb ist auch barüber schon Vieles von Autoritäten geschrieben worben, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen erzeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, bie im blinben Vertrauen auf schwinbel- hafte Reclame — unbebacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich sei — Hunbert- taufenbe für schäbliche Haarmittel ausgeben unb in bem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, währenb sie bamit boch nur ben Charlatanismus unterstützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zeiten van dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulassen und dafür ein wirklich gutes conservirendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Oele und Pomaden zn gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann das Haarwasser von Carl Retter in München nicht genug empfohlen werden, da dasselbe laut Gutachten hervorragender Autoritäten, wie Professor Dr. v. Wittstein rc. rc-, Alles enthält, um das Haar feucht, weich, glänzend und die Kopfhaut immer thätig und weich zu erhalten, sowie die lästigen Schuppew innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. — Zu beziehen per Flacon ä 40 und JL 1.10 bei Herrn I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen- S-E I 9 1 20 L 50 s ST 3 20 © « B «7 3m3§ Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Wilhelm Seibert von Gießen ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Verkeilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Be- schlußfaflung der Gläubiger über die nicht verwerthbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf Mittwoch den 21. Juli 1886, Vormittags 10 Uhr, vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt. Gießen, den 25. Juni 1886. Großh. Amtsgericht. Gebhardt. 4801 Unter Bezugnahme auf Vorstehendes mache bekannt, daß der verfügbare Massebestand 2491.87, die Summe der Forderungen > Hoflieferant, Mit den neuesten Schriften, Einfassungen und Maschinen ausgestattet, sind wir in der Lage, auch den weitgehendsten Anforderungen in Bezug auf geschmackvolle Herstellung der uns übertragenen Arbeiten genügen zu können. Bonn, Gegr. 1837. Berlin, Gegr. 1837. ganzer Werke. 5X5X5X5X5X5X5X5"<5X5'<5X5X5'<5 <5X5‘5 (5X5 < O ‘5 <5 (5X5X5X5X5X5X5X5X5X5X5X5 <5 <5<5 jpWWWWwWWWWWWJWWWWWW von Zeitschriften. U W Jalousien neuester Construction, empfiehlt zu Fabrikpreisen 4810 Ernst Blödner. Durch günstige Gelegenheit habe eine Parthie hochfeiner Kleiderkattune, sowie wollener Kleiderstoffe auf Lager, welche enorm billig abgebe. M. 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