Nr. 77. Erstes Blatt. Donnerstag den 1. April ISS® ichener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. BtWtMU Schvlffraß, 7. Erscheint mit »«Smchmr big Frankreich. Pari-, 30. März. Die Arbsitseinstellunq in Decazeville ist jetzt eine allgemeine. — Die Minister de« Innern, des Krieges und der Justiz sandten Instructionen an die Präfekten der an Belgien grenzenden Departements, um das Uebergreifen der dortigen Bewegung nach Frankreich zu verhindern. Es sind strenge Maßnahmen zur Unterdrückung etwaiger Angriffe gegen Personen und Eigenthum angeordnet. — Dem Marineminister ging eine Depesche vom Senegal zu, wonach eine Compagnie eingeborener Ttrailleure durch Streitkräfte unter dem Marabut von Buda angegriffen worden sind; 1 Osficier und 8 Mann wurden getödtet und 32 verwundet. ßngkand. London, 30. März. (Unterhaus.) Heaton beantragt die Anknüpfung von Unterhandlungen mit anderen Regierungen zwecks Einführung des Welt- Penny-Postsystems. Hutton stellt einen Unter-Antrag, der die Neuerung auf das gesammte britische Reich beschränkt. Fowler bekämpft beide Anträge. Der Staatsschatz verliere jährlich am Fremden - Postverkehr bereits 365,000 Pfund. Die beantragte Neuerung würde den Verlust um circa eine halbe Million steigern. Hutton's Unter-Äntrag wird abstimmungslos, Heaton'S Antrag mit 258 gegen 127 Stimmen verworfen. Reichstag. E. R. Berlin, 30. März 1886. Der Reichstag berieth heute in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreffeiib die Verlängerung des Socialistengesetzes bis 30. September 1891. Minister v. Puttkamer erklärte sich gegen die Windthorst'schen Abänderungsanträge; wenn man Erfolge erreichen wolle, könne man dies nur durch eine strenge, aber gerechte Handhabung des unabgeschwächten Gesetzes. Die Verlängerung sei eine unbedingte Nothwcndigkeit. Es sei unmöglich, die Discussion zu führen, ohne einen Blick auf die Vorgänge in Belgien zu werfen, das in einem schweren Kampfe stehe für die öffentliche Ordnung Europas. In Belgien sei es den Führern der Socialisten möglich gewesen, ihr aufrührerisches Handwerk zu treiben. Solche Zustände würden auch bei uns zu fürchten sein, wenn wir nicht in dem Socialistengesetz das Sicherheitsventil hätten. Der Kaiser habe ihn ausdrücklich autorisirt, auszusprechen, daß ihm kein herberer Schmerz und keine bitterere Enttäuschung zugefügt werden könne, als zu sehen, daß die Vertretung der Nation ihn bei Erhaltung und Sicherung des inneren Friedens im Stich gelassen habe. (Lebhafter Beifall.) Abg. Wind Ihorst tadelte diese Hereinziebung des Monarchen in die Debatte. Das Gesetz dürfe keine dauernde Institution werden; seine Anträge bezwecken, allmälig wieder in normale Bahnen einzulenken; den berechtigten Kern der socialistischen Bestrebungen müsse man herausschälen. Die Polizei behält ohne dieses Gesetz auch noch genügende Macht, aber ohne Freiheit der Kirche sei die Socialdemokratie nicht zu bekämpfen. Einen Zusammenhang der deutschen Socialdemokratie mit den belgischen Vorgängen hat der Minister nicht nachgcwiesen; in Belgien seien auch nur Anarchisten an der Arbeit. Das vorliegende Gesetz werde nicht nur von der Socialdemokratie empfunden, sondern von allen, auch den gut gesinnten Arbeitern. Weise man die Anträge zurück, so haben Diejenigen die Verantwortung zu tragen, welche sie ablehntcn. Minister v. Puttkamer bestreitet, daß nach Annahme der Anträge das Gesetz stark genug sei, um Ausschreitungen vorzubeugen. Das officielle Organ der Partei, „Der Socialdemokrat" in Zürich, habe erst vor Kurzem die Commune getadelt, weil sie zu milde verfahren sei. Er fordere ausdrücklich die Socialdemokraten auf, sich über ihre Haltung zu derartigen Artikeln zu äußern. Wenn der Abgeordnete Windhorst so über, das Gesetz denke, wie er es ausgeführt habe, dann sei es unerklärlich, wie er dann die Hand bieten könne auch nur zur Annahme des abgeschwächten Gesetzes. Pflicht der Volksvertretung sei es, die Negierung nicht im Stiche zu lassen. Abg. v. Helldorf (cous.) meinte, die Anträge des Abg. Windthorst machten den Eindruck, wasch nur den Pelz, aber mache ihn nicht naß; die Anträge seien vollkommen unannehmbar; die gute Wirkung des Gesetzes wäre doch unbestreitbar. Abg. Bebel (Socdem.): Nach meiner Ueberzeugung ist der Regierungsvorlage eine Mehrheit gesichert. Die Amendements des Eentrums sind nur eine Rückzugslinie den Wählern gegenüber. Wir werden uns der Abstimmung über die Windthorst'schen Anträge enthalten. — Redner schildert sodann die Auflösung einer Versammlung in Berlin vor 14 Tagen, in der er ganz Unverfängliches gesprochen. Ein solches Verfahren kann nur Entrüstung und Erbitterung Hervorrufen. Die neueste Bewegung in Belgien ist zu einer Revolution aufgebauscht worden, während es doch eine ganz gewöhnliche Revolte war (große Heiterkeit rechts), wie sic mit Nothwendigkeit hcrbeigeführt werden mußte, wo das Volk im tiefsten Elend, Noth und Unwissenheit lebt! Man hat mir imputirt, ich hätte wenige Tage nach der Ermordung des Czaren den Fürstenmord verherrlicht und doch habe ich nur behauptet, daß das russische System mit Nothwendigkeit den Nihilismus und solche Folgen erzeugen mußte. — Auf allen' Seiten ist das Bewußtsein vorhanden, daß die Dinge in unserer jetzigen öconomischen Lage nicht weiter bestehen können. Gerade das Bewußtsein Ihrer absoluten Ohnmacht auf socialpolitischem Gebiete drängt Sie so eifrig, das Socialistengesetz zu verlängern. Wir haben gar nichts dagegen, wenn das Gesetz so lange besteht, wie das gegenwärtige System im Deutschen Reiche existirt. An dem Tage, wo dieses zusammenbricht, wird auch Ihr Gesetz zusammenbrechen. Minister v. Puttkamer: Herr Bebel ist wieder ganz der Alte, der er früher war; noch heute erklärt er, er würde unter Umständen für die Beseitigung der ganzen Monarchie sein. Eine solche Partei macht Anspruch darauf, nach gemeinem Recht behandelt zu werden. Die Auflösung der Versammlung, in der Herr Bebel sprach, billige ich; außerhalb der Tribüne werde ich Herrn Bebel in Berlin nicht sprechen lassen. Meine Provokation an Herrn Bebel, ob die Socialdemokratie mit der Commune syinpathisirt, ist unbeantwortet geblieben. Jeder Culturstaat hat das Recht, gegen solche Parteien mit Zwangsmaßregcln vorzugehen. (Beifall rechts.) Abg. Stöcker (coiib): Socialdemokraten und Anarchisten sind nicht so himmelweit verschieden. Sie haben gar nicht das Recht, sich als Vertreter der deutschen Arbeiter hier aufzuspielcn. Wenn das Ausbeuten der armen Mäntelnaherinnen unrecht ist, dann darf man nicht, wie Einer von Ihnen, der sich sonst ein arbeiterfreundliches Etikett auf den Rücken klebt, Unternehmer werden; dazu braucht man auch nicht Preis vierteljährlich 2 Merk 20 Pf. mit DrivHorkHs Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P-. Israelit zu sein. Dann ist man kein Beschützer der unterdrückten Arbeiterinnen, sondern eine komische Figur. Abg. Bebel (ruft): Und Sic sind ein Narr! Präsident v. Wcdell ruft den Abg. Bebel zur Ordnung. Abg. Stöcker (fortfahrend): Das Gesetz hat unstreitig erziehlich auf Sie §c- wirkt. Das übertriebene Manchesterthum ist ein ungesunder Zug unserer Zeit, deshalb stehe ich auch auf antijüdischer Seite. Die Juden sind unter den russischen Nihilisten besonders stark vertreten; das ist eine Perfidie des öffentlichen Lebens, die gen Himmel schreit. Sticht die starken, sondern die schwachen Regierungen sind die Mutter der Anarchie, und vor einer schwachen Negierung behüte uns der liebe Gott in der Zukunft! Abg. v. Vollmar (Socdem.): In Ewigkeit! Amen! Präsident v. Wedell ruft den Abg. v. Vollmar wegen dieser Blasphemie zur Ordnung. Abg. Singer (Socdem.) berichtigt die Mittheilung des Abg. Stöcker bezüglich der Mäntelnäherinnen. Herr Stöcker sagte, ich klebte mir ein arbeiterfreundliches Etikett auf die Stirn; ich erwidere, er trägt kein solches Etikett, dafür aber ein Brand- ,mal an der Stirn, welches-- Die letzten Worte des Redners verhallen in dem Beifallsgetose der Linken. Präsident v. Wedell-Piesdorf ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zum zweiten Mal zur Ordnung. Nächste Sitzung Mittwoch. Fortsetzung der heutigen Debatte. Telegraphische Depeschm. ' Wolff'- telegr. Eorresvorrdeirz-Brrreinr. Berlin, 30. März. Bis heute Vormittag IV/2 Uhr war die telegraphische Verständigung aus längeren Leitungen durch Erdströme sehr erschwert und theilweise unmöglich. Seit dieser Zeit ist die Verständigung im Allgemeinen besser geworden. Karlsruhe, 30. März, lieber das Befinden des Erbgroßherzogs wird heute gemeldet: Unter Fieberbewegung schwollen gestern abermals die linke Hand und das linke Kniegelenk an, auch die rechte Schulter ist noch empfindlich, die übrigen Gelenke sind frei von Schmerzen. Schlaf trat erst um Mitternacht ein, die Pleuritis ist unverändert. Bern, 30. März. Wegen Nichtbewilligung der zehnstündigen Arbeitszejt haben die Schreiner, Zimmerleute, Glaser, Drechsler und Bildhauer die Arbeit niedergelegt. Brüssel, 30. März. Deputirtenkammer. Minister Bernaert ergreift das Wort zu Mtttheilungen über die industrielle Krise, die zu den tief beklagenswerthen Vorgängen der letzten Tage geführt habe. Die Arbeiter klagten über unzureichenden L^yn und verlangten eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Erträgnisse aus der Ausbeutung der Kohlengruben seien indeß äußerst spärliche, in den letzten 8 Jahren babe das dabei interessirte Kapital nur 1 pCt. ergeben und, wenn man das den Arbeitern zukommen lassen wolle, so würden diese daraus doch nur einen Mehrverdienst von 6 Centimes täglich haben. Der Minister gibt sodann eine Darstellung der Vorgänge, bei denen sich die Hefe des Volkes betheiligt habe. Durch die am 18. März in Lüttich vorgekommenen Ruhestörungen seien die Behörden überrascht worden, am 20. aber seien Truppen requirirt und die Ordnung sei sofort wieder hergestellt worden. Auch die Unterdrückung der am 16. ds. im Kohlenbecken von Charleroi stattgehabten Ausschreitungen und Zerstörungen habe nicht auf sich warten lassen. General van der Smissen habe bereits am 27. mit 12 Bataillonen und 9 Eskadrons in dem Kohlenrevier von Charleroi gestanden. Man machte der Regierung den Vorwurf, daß sie den Effectivbestand des Heeres zu sehr verringert habe, der Effectiobestand betrage 44,750 Mann. Am 27. ds. sei die Einberufung weiterer zwei Klassen der dienstpflichtigen Mannschaft angcordnet, dieser Befehl sei in rascher Ausführung begriffen. Man müsse jetzt an die Zukunft denken. Die Regierung werde dies in aller Ruhe thun und nach Mitteln suchen, den Arbeitern zu helfen und Arbeit für sie zu finden. Nicht die Arbeiter seien es, denen man die vorgckommenen Verwüstungen zuzuschreiben habe. Die Regierung werde einen Credit von 43 Millionen fordern, man sei beschäftigt mit den Vorarbeiten für den Bau von Vicinallinien und noch vor dem Ende des Jahres würden 352 Kilometer dieser Linien dem Betriebe übergeben werden können. Tournai, 30. März. Eine Anzahl Strikender ist in die Stadt eingedrungcn und verlangt von den Besitzern der Steinbrüche eine Erhöhung der Löhne, sowie schriftliche Verpflichtungen der Arbeitgeber. — Der größte Steinbruchbesitzer der Umgegend hat sich bereit erklärt, die Löhne zu erhöhen. — Aus Antoing wird gemeldet, daß zahlreiche Abtheilungen Strikender die ländlichen Orte durchziehen und zur Arbeitseinstellung auffordern. Torrrrrai, 30. März. Die Besitzer der Steinbrüche haben beschlossen, die im September bezahlten Löhne wieder einzuführen. Man hofft, dieser Vorschlag werde zn einem Ausgleich führen. Lokale-. G. Gießen, 30. März. sSterblichkeit in Gießcn.j Die Sterblichkeit in unserer Stadt blieb auch während der Woche vom 21. bis 27. März ziemlich dieselbe, wie vorher. Es waren im Ganzen 9 Todesfälle zu verzeichnen, 6 bei erwachsenen Personen, 3 bei Kindern. Von diesen letzteren starb eins im ersten Lebensjahre an Bronchiencntzündung, ein Mädchen von 8 Jahren an Herzbeutelentzündung, ein solches von 13 Jahren an Lungenschwindsucht. Von den Erwachsenen starb eine Frau an sog. Basedow'scher Krankheit (Kropf- und Herzkrankheit) und 5 andere Personen erlagen, der Lungenschwindsucht. Vermischtes. Aus Hessen. In Folge der auf der Generalversammlung des Landes- Gewerbevereins in Pfungstadt gegebenen Anregung sind bis jetzt von 19 Local-Gewerb- oereinen gutachtliche Aeußerungen über die Lage und Beschwerden der Kleingewerbe bei der Centralstelle cingegangen. Diese Aeußerungen lassen stch dahin zusammen- fasscn, daß vier Local - Gewerboereine sich für die Bildung freiwilliger Innungen, 11 für Wiedereinführung von Musterprüfungen und für Lehrlingsprüftmgcn, 6 für Aushebung des Hausirhandels, 3 gegen die Concurrenz der Strafanstalten, 2 gegen Concurrenz von Militär-Handwerkern. 7 für Verbesserung des Submissionswesens bei staatlichen und Gcmeindearbeiten, 1 für Beschränkung der Consumvereine durch angemessene Besteuerung und 3 für Verbesserung des Creditwesens erklärt haben. 2 Local-Gcwerbvereine haben sich für Einführung gewerblicher Schiedsgerichte, 1 für Herabminderung der Gewerbsteuer ausgesprochen. Zur Förderung der Kleingewerbe aus einer höheren Gewerbeschule zu einer Hochschule entwickelt. Wie jene hat sie nur eine verhältnißmäßig kurze Vergangenheit hinter sich; ist ja überhaupt die wissenschaftliche Pflege der Technik noch sehr jungen Alters. Wenn trotzdem eine Feier, allerdings nur in bescheidenem Rahmen, beabsichtigt wird, so wird dabei einmal dem Vorgänge der anderen technischen Hochschulen, von welchen z. B. Stuttgart 1879, Hannover 1881 ähnliche Jubelfeiern veranstaltet haben, gefolgt; andererseits aber und hauptsächlich geschieht es aus den Wunsch einer großen Anzahl ehemaliger Schüler der Anstalt, welche freudig die Gelegenheit ergreifen, ihren Gefühlen der Dankbarkeit und Anhänglichkeit für die Schule Ausdruck zu verleihen. Der vor mehreren Jahren gegründete „Verein ehemaliger Studirenden der technischen Hochschule zu Darmstadt" ist schon seit geraumer Zeit mit den Vorarbeiten zur Feier beschäftigt, an welchen sich die Doeenten und die derzeitige Studentenschaft freudig betheiligen. Der unter dem Vorsitze des derzeitigen Directors, Professor vr. Schmitt, gebildete Fest-Ausschuß hat gleichfalls seine Arbeiten bereits vor längerer Zeit begonnen und zwar mit der Aufstellung eines Adressen-Verzeichnisses der ehemalige» Studirenden. Dieses Verzeichniß, welches nahezu 3000 Namen aufweist, ist an alle diejenigen ehemaligen Studirenden versendet worden, deren Adressen ermittelt werden konnten. In der heutigen Nummer unseres Blattes ist eine vom Fest-Ausschuß ausgehende Aufforderung zur Betheiligung an der Jubelfeier enthalten. Insbesondere werden alle diejenigen ehemaligen Studirenden, deren Adressen trotz größter Mühewaltung nicht erhalten werden konnten, aufgefordert, dieselben an den Fest-Ausschuß einzmenden. Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser auch an dieser Stelle auf die Anzeige. lauten: „Valeurs ä recouver Bureau de poste ä . . . . Recommand6.“ Nach Portugal müssen sämmtliche Aufträge an das Postamt in Lissabon adressirt werden. 2ie Taxe ist gleich derjenigen für einen Einschreibbrief in demselben Gewicht. — Am Bestimmungsort werden für jedes eingelöste Papier zu Lasten des Auftraggebers 10 Centimen (10 Pfg.) gekürzt, außerdem natürlich die Postanweisungsgebühr. Die Billige und zweckmäßige Holzconservirung. Unsere heutige Nummer enthält eine Beilage, welche in eingehender Weise die Frage einer rationellen Holzerhaltung behandelt und es darf angenommen werden, vaß ein so zeitgemäßes Thema für unseren Leserkreis allseitiges Interesse bietet. Kostspielige Eisenconstructionen sind jetzt vielfach an die Stelle der ehemals üblichen Holzanlagen getreten, weil die Holzpreise gegen früher eine ganz erhebliche Steigerung erfahren mußten und weil ein zweckentsprechendes Diittel zur Erzielung einer größeren Dauerhaftigkeit und Widerstandsfähigkeit der Nutzhölzer wenig bekannt war. Das antiseptische (fänlnißwidrige) Anstrichöl Osrdolineum Arenarlus scheint nun in der That volle Aufmerksamkeit zu verdienen, denn nach den uns vorliegenden zahlreichen Attesten von maßgebenden Staats- und Civilbehörden, Baumeistern, Großindustriellen und Landwirthen handelt es sich hier um ein Holzconservirungsöl von ganz hervorragender und unbestreitbarer Zweckmäßigkeit, welches einfachste Verwendung mit sehr billigem Preise verbindet. Wir möchten daher unserem Leserkreis die heutige Beilage zu eingehender Beachtung emvfehlen und machen noch besonders darauf aufmerksam, daß die Firma Jean Dem & Cie., Giessen, sich zu jeder gewünschten Aus- kunftsertheilung bereit erklärt hat. 2371 — Die technische Hochschule zu Darmstadt begeht in den Tagen vom I Lagerfrist der nicht alsbald eingelösten Aufträge am Bestimmungsort ist auf48Stunden 1. bis 4. Juli d. I. die Jubelfeier ihres fünfzigjährigen Bestehens. In gleicher Weise, I abgekürzt. — Wechselproteste werden nur in Belgien, Frankreich, Luxemburg und der wie die allermeisten Schwesteranstalten deutscher Zunge, hat sie sich im Laufe der Zeit I Schweiz ausgeführt. Handel und Verkehr. — Vom 1. April ab erfährt der Postauftragsverkehr im Weltpostverkehr eine tiefeingreifende Erweiterung bezw. Vervollkommnung. Außer den bisher dafür schon gewonnenen Staaten: Frankreich (mit Algerien und Tunis), Luxemburg, Oesterreich- Ungarn, Rumänien und Schweiz, werden neu daran theilnehmen Aegypten, Italien und Portugal. Die Niederlande beharren einstweilen bei dem mit Dcutschlaird getroffenen Sonderabkommen. Im übrigen Verkehr gelten folgende Bestimmungen: Der Meistbetrag der Aufträge darf 1000 Francs erreichen, was nach Belgien und Luxemburg dem Satze von 800 Mark, nach Oesterreich-Ungarn von 400 Gulden, nach Portugal von 180 Milreis gleichkommt. Es kommt für den internationglen Auftragsdienst ein doppelsprachiges (deutsch-französisches) neues Formular zur Anwendung. Die Aufträge dürften beliebig viel Anlagen, auch solche, die von verschiedenen Zahlungspflichtigen-in demselben Bestimmungsorte eingehoben werden sollen, enthalten. Auftrag und Anlagen sind an die Bestimmungs-Postanstalt unter Umschlag zu adressiren, die Aufschrift soll wünschen 2 Vereine Pflege des Kunstgewerbes, 1 Verein die Errichtung von Fachwerkstätten, 1 Verein die Ausbildung talentvoller Handwerker auf Staatskosten, 1 Verein die zeitweise Veranstaltung von Ausstellung von Lehrlingsarbeiten und 1 Verein die Errichtung gewerblicher Ausstellungshallen. — Die zur Zeit ihres Baues als ein Weltwunder angestaunte Nigibahn erhält jetzt eine Wettbewerberin, die Pilatusbahn, deren Bau nunmehr beschlossen ist. Diese wird eine Steigung von 48 zu 100 zu überwinden haben, um eine Höhe zu erreichen, rvelche diejenige des Rigi weit überragt. Die Anlagekosten sind auf 2,050,000 Frcs. veranschlagt. Das Actienkapital ist zum größten Theile bereits gezeichnet. Auf dem P'.latus wird das daselbst befindliche Hotel gekauft und durch einen Neubau erweitert, um etwa 200 Personen Unterkunft gewähren zu können. Frankfurt a. M., 29. März. In der Nidda wurde gestern von Kindern unfern Heddernheims die unbekleidete Leiche eines etwa 16jährigen Mädchens auf- flffunben. Dieselbe hatte einen Strick um die Hand. Eine Untersuchungscommifsion bestehend aus den Herren Staatsanwalt Uhles, Kreisphysikus Dr. Wilbmnd, ein Untersuchungsrichter und Secretär begaben sich an Ort und Stelle. w — Am 1. April wird die diesjährige Grindbrunnensaison unter entsprechender Feierlichkeit eröffnet. — [ßine Ursache vieler Verbrechen.) Vor dem Berliner Landgericht stand am 5. März der Arbeiter Mierschkv unter der Anklage wiederholten Diebstahls im Rückfälle. Er gestand alles ein und fügte nur hinzu, daß die über ihn verhängte Polizeiaufsicht an seinen Rückfällen Schuld sei. Hierüber erklärte er sich im Verhör näher. Präsident: „Warum haben Sie denn, eben aus dem Zuchthause entlassen, gleich wieder gestohlen?" — Angeklagter: „Der Mensch will doch leben." — Präsident: „Warum arbeiten Sie denn nicht?" — Angeklagter: „Det is leichte jesagt; aber da schicken Sie mir mitten in'n Winter aus'n Zuchthaus raue, un da soll if mir Hals über Kopp Arbeet verschaffen. Wer nimmt mir denn? Un wenn if wirklich wat finde un will arbeeten, dann jagen sie mir doch bald wieder fort. — Präsident: „Sie brauchen doch nicht zu sagen, daß Sie aus dem Zuchthause kommen." — An- getlagter: „Haben Sie Ahnung, Herr Jerichtshof. Wat if nid) faße, det sagen die Krimiuells. Da kommen die Sck)utzleute un fragen nach mir, weil if doch unner sogenannte Polizeiaufsicht stehe, un denn weeß der Arbeitsherr schon Bcscheed und schmeißt mir raus, bet habe if ville Male durchjemacht." — Auf Grund der Gesetze mußte der bedauernswerthe Mensch zu 21/« Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Polizeiaufsicht verartheilt werden. In der Begründung des Urtheils hob aber der Gerichtshof hervor, daß die Angaben des Angeklagten nicht unwahrscheinlich feien. Es müsse für einen Zuchthäusler furchtbar schwer sein, Arbeit zu bekommen, insbesondere im Winter. Diesmal würde der Angeklagte seinem Wunsche gemäß im Sommer wieder auf freien Fuß gefetzt werden, hoffentlich werde es ihm dann gelingen, Arbeit zu bekommen. Allerdings fei nicht zu verkennen, daß die Polizeiaufsicht ihm hierbei hindernd im Wege sei, doch stehe es nicht in der Macht des Gerichtshofes, hiervon Abstand zu nehmen. — sNur nobel.) An einem der letzten Sonntage ging ein junges Frauenzimmer mit noblem Hut und Schleier, schönem Kleide und mächtiger Tournüre auf bit Eisenbahn in St. Gallen. Durch irgend welchen Unfall kam sie zu Falle, brach tben Fuß und mußte in Folge dessen in das Spital verbracht werden. Als man dort nun trotz ihres Sträubens begann, sie ihrer noblen Kleider zu entledigen und auf diese Weise ihrer „Noblesse" immer mehr auf den Grund kam, da stellte es sich zum gerechten Staunen heraus, daß sie schließlick; — statt in einem Hemde — in einem Sack steckte, der noch mit gewaltigen Buchstaben die Firma einer Stickfabrik trug. Oben waren in den Sack drei Löcher geschnitten für den Kopf und für die Arme. Außen fix und innen nix. — Von einem geduldigen und ausdauernden Bibelleser enlnehmen wir ein beredtes Zeugniß aus einer im Besitze der königlichen Bibliothek zu Berlin befindlichen sogenannten Francke'schen Bibel aus dem Jahre 1736. Auf dem weißen Schutzblatte vor dem Titel hat er folgende erbauliche Statistik niebergefd)nebcn: „Die gane Bibel enthält: Ein und Dreyßig Tausend Einhundert und Acht und Siebenzig Verse (31,178), Sieben mahl Hundert und Drei und Siebenzig Tausend, Sechshundert Zwei und Neunzig Wörther (773,692), Drei Millionen fünf mahl Hundert sechs und Sechszig Tausend vier Hundert und Achtzig Buchstaben (3,566,480). Der Name Jehova kommt vor Sechs Tausend Acht Hundert und fünf und Fünfzig mahl (6855). Und daß Wort, Und, kamt Sechs und Vierzig Tausend, Zwei Hundert und Sieben und Zwanzig mahl Vor, daß Mittelste Capitel ist der Ein Hundert und Siebenzehnte Psalm, Und der Mittelste Vers in der Bibel ist der Achte Vers des Einhundert und Einste Psalms — 1803:" Allgemeiner Anzeiger. Neuheiten in Damen-Kleiderstoffen. 5^ Damen-Regenmäntel, Promenadenmäntel, Jaquets, Umhänge und Disits sind für die Frühjahrs- und SommIrsaison in größter Auswahl eingetroffen. 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April, jedesmal vsn Dormittags 9 Uhr an, kommen in der Forstwartei Maulbach aus den Distrikten Loch, Haaa, Eichwäldchen rc. zum Ausgebot: 426 Eichenstämme mit 101 fm, 84 Nadelstämme mit 21 fm, 743 Fichlen- dcrbstangen mit 45 fm, 158 Fichtenreisstangen mit 4 fm, 312 nn Buchen-, 22 nn Birken-, 2 nn Aspen-Scheiter, 286 rm Buchen-, 36 rm Eichen-, 2 rm Kiefern- und 24 rm Aspen-Knüppel, 432 rm Buchen-, 62 rm Eichen- und 22 rm Nadel-Reisig, und 14 rm Buchen-Stöcke. Das Brennholz kommt sämmtlich Freitags zum Ausgebot; außerdem auch eine Anzahl Eichen- und Kiefernstämme im District Eichwäldchen. Zusammenkunft auf der Straße Maulbach - Ehringshausen im District Hirtenwiesenkopf. Am Samstag ist die Zusammenkunft an der Abspann auf derselben Straße. An diesem Tage wird der Rest der Stämme und das Stangenholz verkauft. 2373 Maulbach, am 26. März 1886 Großherzogliche Oberförsterei Maulbach. __2________Koch. Versteigerung. „ Montag den 5. April, Vormittags 10 Uhr anfangend, läßt Herr Schiffs- cavitän Meier dahier in seiner Wohnung wegzugshalber folgende Gegenstände öffentlich meistbietend versteigern: 1^ Pferd, 2 Pferdegeschirre, 1 Sattel mit vollständigem Reitzeug, 1 neuer Schlitten (1- und 2-spännig) mit Geläute, 1 Häckselmaschine, 1 Gartengras- Mähmafchine, 2 Pferdereppiche, 2 Chaisenlaternen, verschiedene Stall- und Fahrreguisiten, 1 Gartenbank, 1 runden Tisch, 1 zinkene Badewanne, 1 Bett- Itelle, 1 Regenfaß mit Gestell, 2 Steigleitern, Blumenstand, Faßgestell, Flaschenstand, Blumentöpfe, Flaschen, Bohnenstangen, 1 Ofen, Ofenrohre, 1 Fliegenschrank, sowie sonstige Haus-, Küchen- und Oeconomiegeräthe. Münzenberg, den 80. März 1886. I. A.: 2366 Jäger, Bürgermeister. Verdingung der Erd-, Maurer-, Asphalt-, Stein- Hauer-, Zimmer-, Glaser- und Anstreicherarbeiten zum Neubau eines Lokomotivschuppens mit 18 Ständen auf Bahnhof Gießen in 4 Loosen. Termin Donnerstag den 13. April, Vormittags 10 Uhr, in unserem technischen Bureau. Zeichnungen, Bedingungen u. s. w. können daselbst eingesehen und die Verdingungsunterlagen gegen kostenfreie Einsendung von 1,0 mit Zeichnungen 2,0 «X pro Loos von dort bezogen werden. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Königliches Eisenbahn-Betriebs-Amt । zu Cassel 2378 | (Main-Weser-Bahn). Holzversteigerung. Freitag den if. April l. I., des Vormittags 10 Uhr, wird in dem Clee- beraer Markwald, District Fuchskopf 3 b, nachstehendes Holz versteigert: 214 Stück Nadelholz-Stämme, 96,39 fm, 179 „ „ Stangen 1. Kl-, 106 „ „ ii 2. „ 137 „ „ w 3. „ 15 rm Weichholz-Scheit und Prügel, 85 Stück Weichbolz-Wellen, 92 rm Nadel-Stockholz, Das Holz lagert an dem Weg, welcher von Espa nach Bodenrod führt und ist, wie der Umgegend bekannt, von bester Qualität, worunter sich Durchzüge und sonstiges Streckholz von 20 Meter Länge und darüber befinden. Cleeberg, den 26. März 1886. Der Bürgermeister. 2367 Keil. 2327 Einen kräftigen Jungen sucht in die Lehre Phil. Klotz, Schmiedemeister, Lindenplatz 10. Rouleaux aller Art z. B. Landschaften, Marquisen, Vignetten, Spitzen-Jmitation, Tüll-Jmi- tation, Damast-Imitation, Butzenscheiben, Eichen-Jmitation, Rouleaux mit Figuren rc. rc. von den geringsten bis zu den hochelegantesten. Abbildungen nebst Preisangaben versenden wir franeo. Ferner: Unerreicht in der Herstellung von Schau- fenster-Nouleaux mit Schrift und Emblemen re.; auch hierüber stehen Offerten gratis und franco zu Diensten. Bonner Kahueufabrik, Hos-Iahttenfabrik, _______ _____2377 ________ in englisch Tüll, Zwirngaze rc. empfiehlt von 30 pr. Mr. an J. Ch. Kettar. Reste bedeutend unter Einkaufspreisen. 1837 und deshalb jeden Vortheil genieße 2219 Bestellungen nadj Masst laste in meiner Fabrik in Berlin ohne Preissusschlsg anfertigen. Gleichzeitig empfehle die neuesten und modernsten Kleiderstoffe in großer Auswahl zu sehr billigen Preisen. > Seltersteeg 59