1SS6 Freitag den 1. Januar Erscheint täglich mit Ausnahme deS Msntckgö. Bwteaui Schulftraße 7. gemeinde zu Gießen Donnerstag den 1£L Januar 1886 r Zum neuen Jahre ♦ A • f Der Wahlcommissär: Römheld, Regierungsassessor. Vormittags von 9—12 und Nachmittags von 3-5 Uhr, im Saal des alten Rath Hauses dahier stattfinden. Sämmtliche nach § 2 der genannten Wahlordnung Stimmberechtigte werden zur Wahl mit dem Bemerken emgeladen, daß die ausscheidenden lebt noch, und heute noch gilt des Dichters Wort, daß jeder tüchtige und ehr liche Streiter aus Erden Des Strebens lohnend Ziel erreicht, Der nie vom Psad der Ehre weicht, Und der mit Energie und Fleiß Sein Lebensboot zu steuern weiß! Vorstandsmitglieder wieder wählbar sind. Gießen, den 30. December 1885. Aeutschkand. Darmstadt, 29. December. Die Ausbesserung der Wittwengehalte der Civilstaatsdiener betreffend, ist, wie man dem „Frkstr. Journal" mittheilt, eine mit über 200 Unterschritten bedeckte Adresse, darunter die der Mitglieder des gesummten Oberlandergerichts, zahlreicher Land« und Amtsrichter, Gym- nasicö- und Reallehrer, Finanz» und Administrativ-Beamten, an Se- KSnigl. Hohe"' den Großherzog abgegangen. Da der mit Ausarbeitung der Gesetzes- Vorige -.beauftragte Reserent solche vor Monaten dem Finanzministerium endlich unterbreitet hat, so darf man hoffen, daß der Entwurf den Ständen zur Be- rathung nunmehr vorgelegt werde, und daß auch die Stände demselben bereitwillig entgegenkommen werden, zumal aus der zweiten Kammer die Anregung zur Gesetzes-Vorlage hervorgegangen ist. Wie man vernimmt, wäre für die Pensionen der Wittwen ein Drittel der Pensionen des verstorbenen Mannes bis zu 1600 M. Wittwen-Penfion vorgesehen, und wären auch für die Kinder bis zu ihrer Großjährigkeit Einzelbestimmungen getroffen. Dabei ist es wohl als selbstverständlich zu betrachten, daß das Gesetz nicht nur für die Zukunft Wirkung erhalten soll, fondern daß von demselben auch die Wittwen der bei der demnächstigen Publikation bereits verstorbenen Civil- staatsdiener mit inbegriffen werden. Es läge kein Grund vor, ja es wäre eine unmotivirte Härte, diese auszuschließen, da ihre Gatten dem Staate die gleichen Dienste geleistet haben und der Rothstand im Lande, wie schon die Petition beweist, ein allgemeiner ist. — Es kommt sehr häufig vor, daß Personen, weiche dem Kranken-Ver- ficherungszwange unterliegen, aus den freien Hülsskassen, denen sie angehören, aus freiem Entschlüsse wegen Nichtzahlung der Beiträge oder aus andern Gründen ausscheiden. Mit dem Momente dieses Ausscheidens aber werden solche Personen, wenn sie in der bisherigen Befchästigung verbleiben, nach § 19, Absatz 2 des Kranken-Versicherungs-Gesetzes ohne Weiteres Mitglieder der für ihren Erwerbszweig bestimmten Orts-Krankenkasse, und dem bett. Arbeitgeber liegt die Anmeldung des aus der freien Hülfskasse Auszeschiedenen, sowie die Einzahlung der Beiträge an die Ortskrankenkasse ob. Die Arbeitgeber sind daher verpflichtet, zur Vermeidung empfindlicher Nachtheile das Verbleiben ihrer verficherungspflichtigen Arbeiter in den freien Hülsskassen genau zu controliren. Die Vorstände der Orts-Krankenkassen find in der Lage, gegen die Außerachtlassung dieser Controls einzuschreiten. München, 30. December. Wie die „Allgemeine Zeitung" meldet, wird fich der Generaladjutant, General Freiherr von Horn, im Auftrage des Königs nach Berlin begeben, um dem Kaiser Wilhelm ein Gratulations-Schreiben des Königs zur Feier bes Regierungs-Jubiläums zu überreichen. Frankreich. Paris, 29. December. In der? französischen Republik vollzieht sich der Uebergang vom alten zum neuen Jahre unter bemerkenswerthen politischen Erscheinungen. Noch im alten Jahre ist die Wiederwahl des bisherigen Präsidenten der Republik, des Herrn Grövy, auf weitere 7 Jahre von dem zu diesem Zwecke am Montag in Versailles versammelt gewesenen Congresse vollzogen worden. Der wichtige Act erfolgte allerdings erst nach stürmischen Debatten, in denen namentlich die Mitglieder der Rechten sich in heftigen Angriffen auf die Republik Überboten. Bei der Wahl selbst wurden im Ganzen 589 (Stimmen abgegeben, von denen Grövy 457 Stimmen erhielt, während sich die Übrigen Stimmen zersplitterten. Der Cabinetspräsident Brisson erhielt 67 Stimmen, welche ihm von den Opportunisten gegeben wurden, denen Herr Grövy wenig genehm ist. Im Allgemeinen sind also die sranzöfischen Republikaner darüber einig, daß es unter den obwaltenden Umständen am besten sei, an dem bisherigen Präsidenten der Republik, welcher in der That in dem Parteigetriebe Frank- Im allen deutschen Volkslieds knüpft sich „ans fröhliche Ende der fröhliche Anfang an." Wir Deutsche können zwar auch dem alten Jahre 1885 keine Censur „summa cum laude“ ertheile«, aber es zeigte sich doch in der Reihe der vielen schlechten Jahre, über welche feit einem Dutzend von Jahren die ganze Welt, nicht Deutschland allein, sich beklagt, nicht als das schlechteste. Ein Jahr, was ist's? Eine Spanne Zeit im ewigen Strom der Zeiten, ein Begriff, den wir uns selbst geschaffen, wesenlos und unergründlich gleich dem Begriffe des Raumes. Ist es nicht überhaupt überhebend und anmaßend, daß der Mensch die Zeiten kritisirt, anstatt sich selbst zu fragen, wie und durch welche Mittel er an seinem bescheidenen Theil beitragen könnte, sich selbst und damit Die Zeiten zu ändern und zu bessern. Ob wir die Zeit segnen oder ihr zürnen, ob wir sie tadeln oder loben, es ist eitel menschlich Thun, das gleich unserem Wissen Stückwerk ist. Aber es liegt nun einmal im menschlichen Denken, daß wir die Zeiten oder die allgemeinen Verhältnisse zum Sündenbock zu machen geneigt sind, und so sprechen wir heute wie vor Jahrtausenden noch unser llrtheil über ein verstossenes Jahr. In diesem Sinne gedenken wir gerecht d-s „Charakters" des Jahres 1885, das wir mit neuen Hoffnungen begrüßten und das wir ohne Groll scheiden sahen. Das verflossene Jahr verdient schon deshalb unser Lob, weil es die Kriegssurie nicht entsesselt hat. Wohl sahen wir ein Wetterleuchten im fernen Asten, wo die ermüdeten Streitkräfte Frankreichs und Chinas Frieden schloffen in einem Kriege „ohne Kriegserklärung", wohl stieg ein unheilschwangeres Gewitter in Afghanistan auf, das jeden Augenblick nicht allein Rußland und England schwer schädigen, fondern die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen konnte, wohl schien der politische Horizont für Deutschland und England, welches sich als eifersüchtiger Rivale in unsere Kolonialpolitik mischte, zwischen Deutschland und Spanien, welche um die ferne Inselgruppe stritten, bedroht und es zeigte sich der Kriegsschrecken den Balkanstaaten, als bereit Hüter Rußland, Frankreich und England in Conflicte gerathen schienen. Roch immer bedroht den europäischen Conlinent jene große unheilschwangere orientalische Frage, die so ost schon zu großem Blutvergießen Anlaß gab. Klar wie 1884 der Tag von Skierniewice erwies stch 1885, die Kremsierer Zusammenkunft von friedlicher Wirkung. Das verflossene Jahr hat das starke Bündniß zwischen Oesterreich, Rußland und Deutschland besestigt. Es hat uns auch, Dank dem Schöpfer, bewahrt vor einer weiteren Verbreitung der Cholera, obwohl sie abermals Italien, Spanien und das südliche Frankreich hart schädigte. Eine mittelgute Ernte ward uns zu Theil, und in den meisten Gebieten des Handels und der Industrie, aus dem Markte der Arbeit und der vielseitigen Erwerbsihätigkeit zeigten sich kräftige Spuren einer allmäligen Besserung, aus welche wir wenigstens neue Hoffnungen bauen können. Die Verlustliste durch elementare Ereignisse ist, wie alle Jahre, groß, aber doch nicht so schrecklich, wie in früheren Jahren, wie alle Jahre schieden eine große Zahl um das Vaterland und um die Menschheit verdiente Männer im Zuge des Todes von bannen, aber unser Kaiser wurde uns gesund erhalten und noch leben und wirken seine besten Rathgeber und mit ihnen die hervorragenden Männer des Volkes. Ist auch die frohe Lust des Neujahrsfestes nicht ungetrübt, so begrüßen wir doch das neue Jahr 1886 mit neuen Hoffnungen und mit frischem Muth. Wir schauen nicht zaghaft zurück, sondern vorwärts mit dem alten Gottvertrauen und der alten Zuversicht. Dieselbe Hand, welche dem alten Jahre den Abschiedsgruß zuwinkt, hält den Willkommens-Becher für 1886 in fester Hand. Der Glockenklang oerrätb uns nicht, was das neue Jahr bringen wird, still verrauscht ihr eherner Nachtgesang. Aber die Gläser klingen in froher Hoffnung zusammen! — und Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden! Mag all' der Sang und Klang nicht nur Segen künden, sondern auch Glück bringen! Geht's auch zuweilen stell bergan, der alte Gott, der keinen Deutschen verläßt, Einladung zur Wahl des Vorstandes der Israel. Religionsgemeinde zu Gießen Es wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß die Dienstzeit der Vorstandsmitglieder Herren Mayer Hornberger und Sigmund Heichelheim abgelaufen ist, sowie daß das Vorstandsmitglied Herr Aron Stern auf seinen Antrag vom Großh. Krersamt Gießen entlassen wurde. Es soll deßhalb gemäß den Vorschriften der Wahlordnung vom 4. August 1871 die Neuwahl dreier Vorstandsmitglieder der israelitischen Religrons- ichener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerüchx, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar! 50 Pf. imii.iimh iw ■ 11 ■taam imumwsffi- relchs wenig hervortritt sestzuhalten. Dagegen wird die Frage der Erneuerung des gegenwärtigen französischen Cabinets die unter den Republikanern herrschende Spaltung offen darlegen. Herr Brisson, welcher zur Stunde seine Demission bereits in die Hände des wiedergewählten Präsidenten der Republik niedergelegt haben dürfte, lehnt die Neubildung des Cabinets entschieden ab und wenn es heißt, daß Freycinet diese Aufgabe übernehmen würde, so erschiene ein Ministe- rium mit Herrn Freycinet, der wegen seiner Colonialpolitik von den Radikalen wie von den Conservativen gleich heftig angeseindet wird, an der Spitze von vornherein aussichtslos. Es läßt sich daher noch gar nicht jübsehen, wie sich die Reconstruction des französischen Ministeriums in Anbetracht der Animosität, welche zwischen den Radikalen und den anderen republikanischen Parteien herrscht, vollziehen soll. Die ersteren treten um so zuversichtlicher aus, als die in Paris am Sonntag vollzogenen Stichwahlen zur Deputirtenkammer zu Gunsten der Radikalen ausgefallen sind, denn särnmttiche 6 radikale Candidaten wurden ge- wählt. Die opportunistischen Candidaten, Herr Ranc und der Revanche-Dichter Dvroulöde, brachten es nur auf 104,000 und 03 000 Stimmen. — Im Senate sind die Kredite für Longkuig mit großer Mehrheit genehmigt worden. Telegraphische Depeschen. Wolff'- telegr. Eorrefponderrz >» Brrreav. Leipzig, 30. Deceinber. , Oberreichsanwalt Freiherr v. Seckendorff ist heute gestorben. — Der vereinigte 2. und 3. Straffenat des Reichsgerichts verurtheilte heute den Conditor Johann Corl Scupin aus Nainslu wegen versuchter Vorbereitung eines hochverrätherischen Unternehmens zu Zuchthaus von 2 Jahren und 1 Monat und zum Verlust der staatsbürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre. Wien, 30. December. Der „Polit. Corresp." zufolge begibt sich anläßlich des Negierungs-Jubiläums des Kaisers Wilhelm der General der Kavallerie, Freiherr v. Koller, mit einem eigenhändigen Glückwunschschreiben des Kaisers von Oesterreich nach Berlin, London, 30. December. Wie verlautet, erfolgt die Verlesung der Thronrede am 19. Januar k. I. — Ein Telegramm des „Standard" aus Teheran vom 29. er. meldet, daß die Absteckung der afghanischen Grenze bis Merutschak vollendet sei. Belgrad, 30. December. Der König hat die vom Ministerium erbetene Demission vorläufig nicht angenommen, weil vor Erledigung der bulgarischen Angelegenheit der Eintritt eines neuen Ministeriums nicht angemessen erscheint. Die Skupsch- tina ist, da ihr Mandat mit Ablauf dieses Jahres erlischt, einberufen, gleichzeitig aber durch Decret des Königs bis zum Abschlüsse des Friedens mit Bulgarien vertagt worden, weil das Ministerium erst dann Rechenschaft abzulegen im Stande ist. Kairo, 30. December. General Stephenson meldet telegraphisch aus Kosheh, er habe den Feind angegriffen und geschlagen und Morgens um 6 Uhr Ginnis besetzt. Der Feind befinde sich in vollem Rückzüge, die Kavallerie setze die Verfolgung noch fort. Der Verlust des Feindes ist sehr bedeutend, zwei Kanonen und 20 Fahnen wurden erbeutet, auf englischer Seite ist ein Lieutenant gefallen, ein Lieutenant und 20 Mann wurden verwundet. Lokales. Gießen, 1. Januar. Nach alter lieber Gewohnheit legten wir der ersten Nummer des „Anzeigers" im neuen Jahre einen Miniaturkalender bei, allen Lesern ein recht frohes glückliches Neujahr wünschend. Gießen, 31. December. Gestern Abend 8 Uhr entstand in einer'Wohnung der Frankfurt erstraße ein Zimmerbrand, welcher bald gelöscht wurde. — Vergangene Nacht gegen 12 Uhr wurde der Taglöhner Konrad Keßler Don hier, welcher bei dem hiesigen Postamte als Aushelfer beschäftigt war, von einer Maschine in hiesigem Bahnhofe in dem Augenblick erfaßt, als er das Geleise überschreiten wollte und überfahren. Der Unglückliche, Vater von mehreren Kindern, war auf der Stelle todt, indem ihm der Kopf vom Rumpfe vollständig getrennt worden war. Vermischte-. Darmstadt, 28. December. Dieser Tage wurde einem Dienstmädchen das Sparkassebuch gestohlen. Als die Bestohlene heute Morgen den Verlust auf der Sparkasse anzeigen wollte, traf sie zufällig im Hofe mit der Diebin, die int Begriff stand, das Geld zu erheben, zusammen, wobei cs zu schlagenden Auseinandersetzungen und schließlicher Rückgabe des Buches kam. — Am ersten Weihnachtsfeiertage machte der in der Merk'schen Fabrik beschäftigte Arbeiter Peter Weitzel von Klein-Lindell seinem Leben durch Vergiften ein Ende. Man fand bei dem Selbstmörder, den wohl unglückliche Liebe zu der That veranlaßt, noch eine ziemliche Quantität Giftpräparate vor. Frankfurt a. M., 29. December. Unter Vorsitz des Herrn M. Canthal-Hanau fand gestern Nachmittag eine Versammlung von Branntweinproducenten rc. Südwestdeutschlands in der Börsenrestauration statt. Herr Handelskammer - Secretär Dr. Landgraf aus Mannheim hatte das Referat übernommen. Der Vortragende, welcher auf die Leistungsfähigkeit dieses Industriezweiges hinmies, sagte, daß man in erster Linie eine möglichste Concentration aller Interessenten, die in keiner Branche so wenig vorhanden sei als in dieser, erstreben müsse und daß namentlich die kleinen Producenten mit in die Bewegung hineinzuriehen seien. Vorgeschlagen wurde folgende Resolution: „Die heutige Versammlung südmestdeutscher „Brenner, Destillateure und Branntweinhändler" erklärt mit Bezug auf das Branntwein-Monopol-Projcct der Reichsregierung: Das Monopol, in welcher Form es auch auftreten mag, ist diejenige Art der Besteuerung, welche dem Erwerbsleben die größten Beschränkungen auferlegt und daher nur in den allerdringendsten Nothfällen als reichszulässig erscheint; eine solche Zwangslage besteht aber unseres Ermessens z. Z. nicht. Wenn aber die Finanzlage des Reichs höhere Steuer-Einnahmen vom Spiritus wirklich wünschenswerth machen sollte, so darf erwartet werden, daß eine Form der Besteuerung gewählt werde, welche nicht, wie das Monopol, grausam und unwirthschaftlich zugleich wirkt. Aber auch selbst die Landwirtschaft, wenigstens bei uns in Südwestdeutschland, dürfte von einem Monopol im Gegensatz zum Osten des Reichs irgend einen Stutzen nicht zu erwarten haben; sicher aber würden durch dasselbe aller Orten im Reiche zahlreiche Be- völkcrungsklassen schwer geschädigt und zum großen Theilc auf die Dauer vernichtet werden." Nachdem man sich allgemein für den Erlaß einer Resolution ausgesprochen, wurde die obige satzweise einer eingehenden Berathung unterzogen. Herr Schäfer aus Dauborn, Vertreter von 90 Brennereien, die nur Korn und Malz zu Branntwein brennen, beantragt, daß im Eingang der Resolution auch das Wort „Brenner" gesetzt werde; keine einzige Brennerei könne unter dem Monopol fortbestehen, sie seien nicht zu verwechseln mit den Spiritus- und Kartoffelbrennereien. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden, das Wort „Brenner" im Eingänge beizufügen. — Im wetteren Verlaufe der Debatte wurde der Erlaß eines Monopols als eine unmoralische Handlung bezeichnet und wurde vielseitig die Streichung des ersten Satzes verlangt. Einstimmig sprach man sich dahin aus, den Schluß des ersten Satzes von „und daher" an zu streichen. Der zweite Satz wurde anstandslos angenommen. — Bei dem dritten Satze wurde betont, daß den Kleinbrennern und Händlern das Leben geradezu durch das Monopol genommen werde; wozu soll es führen, wenn die Großproducenten, nachdem sie zwei Jahre lang schlechte Geschäfte gemacht, sich an das Ministerium um Erlaß eines Monopols wenden? Die Landwirthschaft habe selbst ein Interesse daran, daß das Project nicht zur Ausführung gelange. Zwischen der Landwirthschaft im Oste)) des Reichs und der des Südens beständen ganz andere Interessen, namentlich währe sich dieselbe gegen die Concurrenz des Ostens, der eine billigere Verfrachtung des Getreides nach Südwest-Deutschland erstrebe. — 14,000 Kleinbrenner Württembergs erklärten sich gegen jedes Monopol, das ihren Ruin herbeiführen müsse. Aus landwirthschaftlichen Kreisen des Großherzogthums Hessen wurde betont, daß man es der Landwirthschaft überlassen solle, ihre Interessen zu wahren; in Hessen verhalle man sich nicht ablehnend gegen ein Monopol, man habe dem Landwirth es jetzt unmöglich gemacht, zu brennen, er würde mit Freude die Gelegenheit ergreifen, wenn er das Geschäft wieder treiben könne. Schließlich einigte man sich dahin, das Wort „Landwirthschaft" zu streichen und an dessen Stelle „kleinere Brennerei" zu setzen. — Um die Agitation möglichst zu concentriren, constituirte sich die Versammlung als Verband. (Fr. I.) Frankfurt a. M., 26. December. Als sich der Sohn eines hiesigen Bankiers im verflossenen Sommer in die Sommerfrische in ein anmuthig gelegenes Dörfchen des Schwarzwaldcs zurückzog, lernte er ein dort sich mit ihrer Mutter gleichfalls aufhaltendes Mädchen aus Metz kennen und verlobte sich mit der Erkorenen seines Herzens, ohne seinen Eltern hiervon Mittheilung zu machen. Zwei Tage später reifte er mit seiner Braut hierher zurück, um sie seinem Vater vorzustellen. Rach der Vorstellung konnte der überraschte Vater zwar dem Sohne wegen seines Geschmacks feinen Vorwurf machen, dagegen war ihm die Schwiegertochter wegen ihres geringen Vermögens nicht recht, und er erklärte, nie und nimmermehr seine Einwilligung zur Ehe zu geben. Vorgestern Morgen war nun der junge Mann auf einmal mit seiner Braut verschwunden und gleichzeitig entdeckte der erschrockene Pater das Fehlen einer Summe von mehr als 90,000 X, welche dem Vermuthen nach der Entflohene mitgenommen hatte. Derselbe hinterließ ein Schreiben, das die Erklärung enthält, jede Mühe, ihn von seiner Braut zu trennen, sei vergebens, lieber das Ziel ihrer Reise ist nichts darin gesagt. Der Bankier hat sofort an die Mutter des Mädchens telegraphirt, jedoch keine Antwort erhalten. — Ein schon bejahrter Herr, im Nordende wohnhaft, besitzt einen Pudel, der wegen seiner Geschicklichkeit und Anhänglichkeit das Schlafzimmer mit seinem Herrn theileu darf. Vor einiger Zeit nun wurde der alte Herr des Nachts von einem Schlaganfall betroffen, der ihn lähmte, so daß er nicht im Stande war, Hilfe herbei- zurufeu. Der kluge Hund aber, aufmerksam gemacht durch das leise Stöhnen seines Herrn, machte Lärm und rief damit die Mitbewohner herbei, welche nunmehr sofort ärztliche Hilfe herbeifchafften. Dieser gelang es, den Betroffenen nach und nach wieder gänzlich herzustellen. Der Pudel aber erfreut sich natürlich jetzt noch größerer Pflege und Aufmerksamkeit als zuvor. Frankfurt a. M., 28. December. Das hiesige Hotel „Brüsseler Hof" ist von dem langjährigen tüchtigen Oberkellner des Hotel Drexel, Herrn Achtelstätter, für die Summe von 400,000 x übernommen worden. Das Wohnhaus, welches s. Z. Herr Humbert gebaut hatte, wird davon getrennt werden. — Was der Elephant im Zoologischen Garten täglich frißt, wird von dem „Franks. Beobachter" folgendermaßen beantwortet: Miß Vczzi ist zufrieden mit einem Zentner Heu, drei sechspfündigen Laiben Brot, einem Eimer Wasser und zur Abwechselung auch mit einigen Kraut- köpfen. Da der Elephant ein Strohlager liebt, so erhält er ein solches sehr dick bestreut. Am Morgen ist der Wärter jedesmal des Bettmachens überhoben, denn über Nacht hat der Elephant sein eigenes Bett gefressen. Kestert, .23. December. Gelandet wurden heute aus dem Rhein oberhalb unseres Ortes die Reste einer menschlichen Leiche, bestehend aus einem Ober- und Unterschenkel. Der letztere, anscheinend von einer männlichen Leiche herrührend, scheint schon lange.Zeit (mindestens einige Monate) im Wasser gelegen zu haben, da die äußeren Theile des Fleisches und der Knochen schon stark verkalkt sind. Ob dieser Fund mit dem Wothe'schen Morde in Verbindung gebracht werden fann, bleibt abzuwarten. Das Amtsgericht von St. Goarshausen rvar zur Feststellung des Thatbestandes heute bereits hier. Hamburg, 30. December. Aus Steuer (in Jütland, Bezirk Ribe) wird von heute Mittag gemeldet, daß seit Mitternacht ein großer Moorbrand stattfindet. Auf dem Haidemose, dicht an der Eisenbahn Skive-Vinderup brennen gegenwärtig 2 Mill. Torfsoden. Die Lagerschuppen und Arbeiterhäuser sind zerstört und es wird eine weitere Ausbreitung des Brandes befürchtet. Es herrscht Südweststurm und der Verkehr auf der Eisenbahn wird wahrscheinlich unterbrochen werden müssen. (Fr. Z.) Weimar, 24. December. sBrennende Kinder auf der Bühne.) Man schreibt von hier: Im Großherzoglichen Hoftheater gelangte gestern ein Weinachtsmärchen: „Beerenlieschen oder die güldene Kette", von Auguste Daune, Musik von K. Göpfart. zur ersten Aufführung. Leider ist der Erfolg des Stückes durch einen ernsten Unfall beeinträchtigt worden. Am Schlüsse der Vorstellung drängten die zahlreichen in dem Stücke beschäftigten Kinder, dem strengen Verbote entgegen, aus dem lebenden Bilde im Hintergründe heraus, um die ihnen zugeworfencn Zuckerplätze aufzuheben. Dabei gerieth das Wattecostüm zweier Knaben an den Lichtern des Weihnachtsbaumes in Brand. Geängstigt liefen die Knaben umher und gefährdeten dadurch auch die übrigen Kinder. Zwei Schauspieler sprangen hinzu, warfen die brennenben Kinder nieder und erstickten die Flammen, und auch die Gefahr eines Theaterbrandes war damit gänzlich beseitigt. Die Räumung des Theaters seitens des Publikums geschah ohne Unfall und in Ruhe. Außer den beiden Knaben wurde auch ein Arbeiter durch die Brandwunden verletzt. Der Großherzog wie die General-Intendanz haben für die ärzliche Behandlung und Pflege der Verwundeten gesorgt. Opladen, 27. December. Am Donnerstag Morgen ereignete sich hier ein beklagenswerthes Unglück auf der Rheinischen Dynamit-Fabrik. Der etwa 19 Jahre alte Joseph Heidelberg aus Quettingen wurde von einem anderen Arbeiter in eine benachbarte Bude geschickt, um noch drei fertige Patronen, die an der vollständigen Füllung eines Kistchens fehlten, zu holen. Ehe derselbe seinen Auftrag noch ausführen konnte, flog die betreffende Bude, die er eben erreicht haben mochte, mit einer gewaltigen Detonation in die Luft, mehrere andere Buden, die sämmtlich in den Wällen eingegraben sind, zerstörend. Als der Schrecken sich einigermaßen gelegt hatte, suchte man die Ueberreste des in der Bude beschäftigt gewesenen Georg Garder, eines etroe 24 Jahre alten jungen Mannes aus Hessen und fand nur eine formlose Masse. Bald nachher fand man auch ein abgerissenes Ohr und stellte es sich bei weiterer Nachforschung heraus, daß auch der Heidelberg ein Opfer der furchtbaren Macht geworden war. Die Beine waren vom Rumpfe getrennt, alle Glieder gräßlich verstümmelt. Die Fabrik hat bisher, soweit dies nach menschlicher Berechnung möglich ist, Alles gethan, um jedwede Gefahr abzuwenden, und die ganze Einrichtung derselben läßt in ihrer Fürsorge für die Arbeiter nichts zu wünschen übrig. Heber die Ursache des Unglücks liegen keinerlei Anhaltspunkte vor. Konstanz, 26. December. Zur Asfaire Hellwig-Sachs berichtet die „9t. B. L.- Ztg.", daß das kriegsgerichtliche Urtheil gegen Hellwig bereits gefällt und dem Kaiser zur Bestätigung vorgelegt sei. — In Hanau hat in einer Gasanstalt eine Gasexplosion stattgefunden. Die Gebäude und Apparate sind theilweise zerstört, so daß der ganze Betrieb eingestellt werden mußte. Die ganze Stadt war ohne Gasbeleuchtung, das Theater mußte geschlossen werden. — In München verunglückten sechs Personen Nachts in Folge einer Gas- ausströmung; eine Person blieb tobt, bie übrigen konnten ins Leben zurückgerufen werben. — Bei Miechow in Russisch-Polen haben Wölfe 2 ßanbleute, Mann und Frau, völlig aufgefressen. Die Bestien wandern rudelweise durch die Dörfer. — Eine neuere Entscheidung des Reichsgerichts in Duellsachen dürfte von allgemeinem Interesse sein. Ist ein Zweikampf mit tödtlichen Waffen von den Parteien ein für alle Male freiwillig aufgegeben worden, nachdem dessen Beginn von ein: schreitenden Polizeibeamten verhindert worden war, so wird dadurch nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 20. October d. I. die Herausforderung zum Zweikampf dennoch nicht straffrei. — Im „Döbelner Anzeiger" findet sich folgendes Inserat: „Schirm verwechselt. Am vorigen Sonntag habe ich meinen Schirm mit einem andern verwechselt und zwar eventuell im Schützenhous, Schmidel's Garten, Rathskeller, Bayerischer Hof, Sonne, Hotel Erbprinz. N. N. in Döbeln." — Das läßt tief blicken. Handel rrnd Verkehr. Limburg, 30. December. Rother Weizen X 13 85, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10.55, Gerste X 8.20, Hafer X 6.40, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen i 100 Pfund X 00.00. UniverfitätS - Chronik. — Zum Nachfolger des Professors der Anatomie Dr. L. Stieda in Dorpat ist der außerordentliche Prof. Dr. August Räuber zu Leipzig berufen. — Privatdocent Dr. Colli tz in Halle hat einen Ruf als Professor der deutschen Sprachwissenschaft an die Universität Philadelphia erhalten. — In Bonn ist der Privatdocent Dr. Sering zum außerordentlichen Professor für Staatswissenschaften ernannt worden. — Geh. Reg.-Rath Prof. Dr. Baumstark wird mit dem 1. April 1886 die von ihm seit dem Jahre 1864 geführten Geschäfte des Curatoriums der Universität Greifswald niederlegen. 12 Medaillen und Diplome» loeflundS Firma Ed. Loeflund in Stuttgart, bewährtes diätetisches Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Catarrh, Asthma, Brust- und Halsleiden, auch für Kinder vielfach ärztlich empfohlen. In 71 und 1/2 Flaschen Ijoeflhmct?« Ma Bz - Extract - Bonbons die beliebten, sehr wirksamen Hustenbonbons zu 20 und 40 Pfg. per Packet. In allen Apotheken in Originalpackung zu haben. 13 Neujahrsgaben für dieMmKinder-Bewahranstalt. Von Herrn Rentamtmann i. P. Lyncker wurden in diesem Jahre wieder folgende Betrüge baar an die Kleinkieder-Bewahranstalt abgeliefert: 1. Erlös aus gesammelten Cigarren-Abschnitten und Flaschenkapseln 17 JL 2. an Beiträgen zur Ersparung der üblichen Neujahrsbesuche und Gratulationen "......... 32 „ zusammen 49 Folgende Herren haben diese Beträge gegeben: 1. Bürgermeister Bramm. 2. Freiherr V. von Rabenau. 3. Director Vigelius. 4. Präsident Dr. Knorr. 5. Dr. Mettenheimer. 6. Rentner F. Bücking. 7. Bankier A. Kaufmann. 8. Rentner Bender. 9. Geh. Reg.-Rath Dr. Haberkorn. 10. Buchhändler Ferber. 11. Weinhändler Schwan. 12. Prof. Dr. Oncken. 13. Rentner L. Bücking. _ 14. Kaufmann Kraatz. 15. Kaufmann Fr. Koch. 16. Staatsanwalt Jöckel. 17. E. Silbereisen, Präsident der Handelskammer. 18. Anwalt Baist. 19. Karl Buderus. 20. Fabrikant Schaumann. 21. Buchhändler Ricker. 22. Stcuerrath Engisch. 23. Rentamtmann Lyncker. Besonders wird hier noch angeführt, daß das im Jahre 1881 für die Klein- kinder-Bewahranstalt in die hiesige Sparkasse mit 50 JL eingelegte Kapital, welches im vorigen Jahre mit Zinsen 396 JL betrug, in diesem Jahre durch milde Beiträge Straf-, Spielgelder und Zinsen bitz zu dem Betrage von 576 JL gestiegen ist und bis auf Weiteres auch fernerhin in der Spar- und Leihkasse verbleiben soll. Zur Vermehrung dieses Kapitals haben folgende Sammelstellen Beiträge geliefert: 1. Das sogen, griechische Stübchen mit den Spielbeiträgen aus dem Gesellschaftsverein dahier......51.74 2. Das Gasthaus zum Einhorn......48.50 3. „ „ „ Prinzen Karl.....11.— 4. „ „ Kühne 10.— 5. „ „ zum Rappen.......1.21 6. Das Casä Leib.........3.48 7. „ „ Ebel.........2.29 8. Der Hessische Hof.........1.93 9. Von Herrn Pfarrer Vigelius in Steinfurth . . . 1.07 10. Von Ungenannten bei freudigen Veranlassungen . . . 30.15 11. An Zinsen......... 18,63 JL ff ir ir Summa 180.—