schlag angenommen. Speciell für diese Woche gießt es aus Oesterreich wenig Neues zu verzeichnen; auch die am Sonntag in Wien stattgefundene Partei- Conferenz der deutschliberalen Abgeordneten hat nicht die Bedeutung gehabt, welche man ihr in liberalen Kreisen zu geben befliffen ist. Beschlüsse von beson- derer Bedeutung sind aus dem Parteitag so gut wie gar nicht gefaßt worden. Dagegen hat es nicht an Mahnungen zur Einigkeit gefehlt und dies beweist, daß die deutschliberale Partei in Oesterreich doch fühlt, wo sie der Schuh drückt. — Die Regierung hat die auf den 28. und 29. Juni nach Welehrad anläßlich der Methodiusfeier anberaumten Wallfahrtszüge verboten, da in der Umgegend von Welehrad, wahrscheinlich durch den dort stattfindenden Zusammenfluß von Pilgern, ansteckende Krankheiten ausgebrochen find. Mit dem nunmehr perfect gewordenen Friedensschlüsse mit China ist ein Abschnitt in der auswärtigen und colonialen Politik der französischen Republik beendigt worden, der von großen Opfern an Geld und Menschenleben erzählt, die Frankreich zur Wahrung seines Ansehens und feiner Stellung in Ostasien gebracht hat, ohne daß das Erreichte zu diesen Opfern im rechten VerhälLniß stünde. Trotzdem empfindet man in Frankreich allseitig leb- haste Genugtuung über die Beendigung des Krieges mit China, eine Genug- thuung, in die sich indeffen gerade jetzt für die republikanische Partei ein leiser Mißton durch die Veröffentlichung der Briefe des verstorbenen Admirals Courbet mischt. In republikanischen Kreisen war man gewohnt, den Admiral als eine Zierde der republikanischen Partei zu betrachten und jetzt erfährt man, daß der Verstorbene die Opportunisten nur als „Hanswurste und elende Wichte" betrachtet hat und es erscheint begreiflich, daß in den tonangebenden republikanischen Kreisen von Paris die begeisterte Stimmung für den Sieger von Foutchou total umgeschlagen hat. Von einer Beisetzung der Leiche Courbet's im Pantheon ist nicht mehr die Rede, die Beisetzung erfolgt vielmehr, nach Beendigung der nationalen Leichenfeier im Jnvaliden-Dom zu Paris, in Abbeville, der Vaterstadt Courbet's, wie es dieser in seinem Testamente auch selbst angeordnet hat. — Der Bries, den Papst Leo XIII, an den Erzbischof von Paris gerichtet bat und in welchem sich der heilige Vater in bitterer Weise über den liebereifer und die Hetzereien in gewissen klerikalen Kreisen beschwert, wird in Pans lebhaft besprochen und als ein bedeutsames Zeichen der Mäßigung Leo XIII. betrachtet. Für England bedeutet die definitive Constituirung des neuen confer» vativen Cabinets unter der Premierschaft Salisbury'S das Ereigniß der Woche. Frellich ist dieses Resultat in Folge eines Compromiffes zwischen den Conser- vativen und den Liberalen ermöglicht worden und da Gladstone als Führer bet: itt: 4790 die v," heS^Ni^ "“O anbaut. GW bfctTj tzulturantvüsunz ft Bez. St* MkWdirt I den 6. Juli des Gesangs bestens Das Comiü ii Stübchen, mit ober !rmiethen. KaplanW. le geräumiges MansM n. FranksutterstraB r 1. und 2. Stock in ora : Ludwigsstraße, per W und Zubehör, zu rat WH. Lch ic große Werkstötte, ok: oermiethet I. TLmckki ie sch- WohMg, 6 U l vermiethen. Bahiibo!^ i aut möbl- Zimmer Mil m'schönes Zimm MM anksurterstraße 69 istdiu unß, pr. 1. Oktober ite zu vemiethen- , 6^ • msHte M* obrere WW«, können Stellen ethMi MW mit Arbeiten geM- , nmde,L L daß iSl Ä-rkM Mt-5 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ISS» »ttramt «chukstraße 7. Erscheint mit Ausnahme des MeiliaS. drei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Sringtrfofri . Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? 50 Pf. Einladung zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger, Ämis- imö Änzeigevlall für Öen Kreis Hießen. Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, incl. der Beilage „Gießener Familienblätter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden. Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in's Hans geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.: für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr. Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch Ln III. Quartal 1885 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen. " - Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir -volllzählige Exemplare liefern können. Einem vielseitig geäußerten Wunsche entsprechend werden wir mit dem Beginne des neuen Quartals die bisher im „Gießener Anzeiger" enthaltenen Berichte über die Sitzungen des Kreis- und Provinzialausschusses, die ausführlichen Protokolle über die Sitzungen de- Kreis- und Provinzialtages in einer besonderen Beilage „Dertvaltungsblätter" veröffentlichen. Diese Einrichtung ermöglicht eine leichtere Uebersicht und besondere Aufbewahrung zum dauernden Gebrauch. Mit dieser Aenderung der Form des Erscheinens wird zutzleich eine wesentliche Erweiterung des Inhaltes verbunden sein. Außer den oben erwähnten Berichten und Protokollen sollen nämlich dtc „Verwaltungsblätter" enthalten den Wortlaut der Anträge deS KreiSauöfchuffeS und des Provinzialausschuffes zum Voranschläge für dem Kreis und die Provinz, kurz gefaßte und auch für den Laien verständliche Besprechungen aus allen Gebieten der Verwaltung, Per waltungsgerichtliche Entscheidungen der beiden höchsten Instanzen von allgemeinem Interesse, sowie Verfügungen Großherzoqlichen Ministeriums des Innern und der Justiz von prinzipieller Bedeutung. Die strenge Beschränkung der „Verwaltungsblätter" auf Verwaltungsangelegenheiten und der hieraus sich ergebende Ausschluß aller lediglich für den Juristen von Fach interessanten wissenschaftlichen Ausarbeitungen über Materien des Civilrechtes und deS ^wilproceffes sichert den Verw altungSb lattern vor Zeitschriften ähnlichen Zweckes den Vorzug practischer Verwendbarkeit nicht allein für Verwaltungsbeamte und Rechtsanwälte, sondern auch für Bürgermeister, Mitglieder des Gemeinderaths und alle Diejenigen He sich für öffentliche Angelegenheiten interessiren. ' Die Verwaltungsblätter erscheinen am 1. jeden Monats in 8 Seiten Groß-Quartformat und werden den Abonnenten Hs „Greßener Anzeiger" unentgeltlich geliefert. Nicht-Abonnenten können die „Verwaltungsblätter" durch die Expedition d. Bl. zum Preise oon 1 M. pro Quartal beziehen; letztere kommen franco unter Streifband zum Versand. Die Expedition. Wochen - Uebersicht. Gießen, 27. Juni. Der Kaiser hat Anfangs dieser Woche die zweckmäßige Trink- Kur in Ems begonnen und zwar zunächst in seinen Gemächern. Im Uebrigen lallten die Berichte über das Befinden des hohen Herrn durchaus befriedigend :ünd unternimmt derselbe, begünstigt durch die anhaltend schöne Witterung, im freuen Wagen täglich Ausfahrten in die Umgebung von Ems. Auch Fürst Nmarck bekommt der Aufenthalt in Kissingen vortrefflich und -ist namentlich m den Gesichtsschmerzen, von denen er in den letzten Tagen des Mai heim- 'tzisucht wurde, keine Spur mehr vorhanden. Die politischen Nachrichten in Bezug aus die inneren Angelegenbit en lauten immer dürftiger und in der Art und Weise, wie die Tagespresse ■auf gewisse, einstweilen schon genügend erschöpfte Themata immer wieder zurück- bmmt, wie auf die Frage, wer der Nachfolger des verstorbenen Statthalters ?chrn. v. Manteuffel in den Reichslanden werden solle, aus die Proceß-Affairen Herrn Stöcker u. f. w., documentirt ziemlich deutlich den sich immer fühl- machenden Mangel an eigentlichem politischen Stoff. Die drei auf deutschen Werften gebauten und von der chine- Wen Regierung bestellten Panzerschiffe sollen, da der Friedensschluß zwischen N-mkreich und China nunmehr perfect geworden ist, demnächst nach China Wergeführt werden. Als Tag des Antrittes der Reise nennt man den 2. Juli, M ivahin werden die chinesischen Panzerschiffe im Hasen von Kiel verbleiben. In Stettin ist am Mittwoch oie Feier des 400jährigen ^b'urtstages des Reformators Johannes Buggenhagen unter Theil- Nme weiterer Kreise begangen worden. (Johannes Buggenhagen, geboren 21. :3uni 1485 zu Wollin, durch innige Freundschaft mit Luther und Melanch- M verbunden, wirkte neben ihnen seit 1521 zu Wittenberg als Lehrer an der nimrfität und als Pfarrer. 1528 ging er zur Ordnung des Kirchenwesens N Braunschweig, 1529 zu gleichem Zweck nach Hamburg. 1530 nach Lübeck, W nach Pommern; im folgenden Jahre ward er General-Superintendent h Kurkreises Sachsen und starb als solcher 20. April 1558. Buggenhagen lat stich durch seine Kirchenordnungen und seine Antheilnahme an der Lutheri- Wn Bibelübersetzung große Verdienste um die deutsche Kirche erworben und Zill Äaher neben Luther und Melanchthon mit Recht als der einflußreichste Ver- llckrr der deutschen Kirchen-Reformation). Das politische Leben in Oesterreich hat jetzt, nachdem die Reichs- - cchiwahlen vollständig vorüber sind, wieder einen ziemlich gleichmäßigen Wellen- stärksten parlamentarischen Partei die Situation trotz seines Sturzes mehr oder weniger beherrscht, so kann man das neue englische Cabinet getrost als em solches von „Gladstones Gnaden" bezeichnen. Aus einem von Gladstone im Unlerhause verlesenen Schriftenwechsel zwischen ihm und Salisbury geht hervor, daß Gladstone nur allgemeine Versicherungen gegeben, dagegen im Einzelnen bestimmte Zusagen versagt hat und dies besagt deutlich, daß Salisbury und sein Ministerium nicht auf Rosen gebettet sein werden. Auf der Pyrenäen-Halbinsel scheint die politische Ruhe jetzt am längsten gedauert zu haben. Wenngleich die drohende Ministerkrisis einstweilen als beseitigt erscheint, so gllt doch die Stellung des Cabinets Canovas dell Castillo als bedenklich erschüttert und man hält seine Ersetzung durch ein liberales Ministerium nur für eine Frage der nächsten Zeit. In der spanischen Hauptstadt selbst ist die Stimmung nach wie vor eine unbehagliche und durch den Umstand keineswegs verbessert worden, daß König Alfonso das Gesuch des Delegirten des Madrider Handelsstandes um Aufhebung des Deeretes wegen Ausbruchs der Cholera in Madrid abschlägig beschießen hat. Vielleicht ist diese Stimmung auf den Entschluß des Königs, von der Reise nach Murcia Abstand zu nehmen, von Einfluß gewesen, statt seiner sind nun die Minister Canovas del Castillo und Römers nach den von der Cholera verseuchten Provinzen abgereist. In Italien laborirt man noch immer an der Ministerkrisis. Dieselbe dürfte indessen am längsten gedauert haben, da der bisherige Ministerpräsident Depretis in der Mittwochssitzung der Deputirtenkammer die Erklärung abgegeben hat, daß er vom König mit der Bildung eines neuen Cabinets betraut worden sei und daß er diesen Auftrag angenommen habe. Von der Kammer ist das Budget der öffentlichen Arbeiten und das Einnahmebudget genehmigt worden. Die Opposition betheiligte sich an der Abstimmung. Zwischen Rumänien und Frankreich drohen in handelspolitischer Beziehung Mißhelligkeiten. Eine Depesche aus Bukarest meldet, daß der dortige französische Gesandte, Ordega, den Protest seiner Regierung gegen die Weigerung der rumänischen Regierung, das seit mehreren Jahren Frankreich gegenüber bestehende Handelsregime fortzusetzen, erneuert habe. * Die egyptische Frage ist bezeichnender Weise der erste Gegenstand, mit welchem sich das neue englische Cabinet nach außen beschäftigt. Rach einer Meldung der „Morning-Post" soll sich Drummond Wolff demnächst als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister Großbritanniens nach Egypten begeben, ohne Zweifel, um über die gesummte augenblickliche Lage in Egypten seiner Regierung Bericht zu erstatten. Von letzterem wird es abhängen, welche Politik das conservative englische Ministerium im Pharao- nenlande einzuschlagen gedenkt. Die Selbstentzündung des Heues. (Nachdruck verboten.) Von vielen Seiten ist die Möglichkeit der Selbstentzündung des Heues oder des Grummets angezweifelt und als Fabel bezeichnet worden. Und doch ist das keineswegs unmöglich. Es ist Thatsacke, daß jenes Heu, welches im feuchten Zustande eingebracht und zu großen Haufen aufgeschichtet wird, in eine Art Gährung übergeht, welche von einer ganz beträchtlichen Wärmeentwickelung begleitet ist. Wenn nun eine freiwillige Zersetzung feuchten Heues und als Folge derselben eine bedeutende Wärmeentwickelung als wohl eonstatirt angenommen werden muß, so läßt sich auch denken und behaupten, daß, wenn der größte Theil des im Futter enthaltenen Wassers verdampft ist, durch fortgesetzte Sauerstoffanziehung und Verwesung unter besonders günstigen Bedingungen Die Hitze bis zur Entflammung gesteigert werden kann. Diese fortwährende uno immer mehr und mehr zunehmende Zersetzung des Heues ist eine Art Verkohlung zu nennen. Alle nun auf solche Weife entstandenen kohlenartigen Massen erlangen, ähnlich anderer Kohle, z. B. mancher Torfkohle oder mit Kohle gemengter Torfasche oder mit fein zertheiltem Schwefelkies gemengter Steinkohle oder Braunkohle, vermöge großer Porosität und der eingemengten, zur raschen Sauerstoffanziehung und Oxydation geneigten Stoffe, die Eigenschaft eines Pyrophors, und dann werden sich diese Stoffe bei ungehindertem Zutritt von Luft auf ihrer Oberfläche in so hohem Grade verdichten, daß dadurch die ganze Masse in's Glühen kommt und bei etwa entstehendem Luftzuge, sei dies hervorgerufen durch das Oeffnen von Thüren oder Fenstern oder sonst dergleichen, in Hellen Flammen verbrennt. , Das Vorhandensein solcher Feuerherde in Scheunen wird sich stets wochenlang vorher durch einen brenzlichen Geruch kennzeichnen. An der Außenseite dieser Heulager ist bislang selten eine Temperaturerhöhung wahrzunehmen gewesen und hat auch eine Farbeveränderung des Heues an der Oberfläche des Hansens niemals statt- tzefunden. Nachstehender Fall dürfte zur weiteren Aufklärung erheblich beitragen. Bei einem Heulager eines Rittergutes, in dessen Innenseite man eine obengedachte Vermahlung, bezw. Entzündung vermuthete, erlangte man folgende Thatsachen: Der in Frage stehende Heuhaufen hatte einen Umfang von ca. 8 Meter Höhe, .3 Meter Länge und 6 Meter Tiefe, und zwar war das Heu zwei Monate vorher in -anscheinend vollständig trockenem Zustande geerntet worden. Gelegentlich einer Revision des Heuhaufens, also zwei Monate nach der Ernte, schwitzten die oberen Halme so stark, daß förmliche Tropfen an den Halmen hingen. Das Abrämnen wurde nunmehr vorgenommen und zwar hob man die schwitzenden Partien bis zu einer Tiefe von V2 Meter ab. Schon hier gelangte man auf trockenes, sehr warmes Heu. Bei dem Abräumen von der Seite des Haufens hin hatte sich schon bei V* Dieter Tiefe eine nach innen zunehmende Wärme bemerkbar gemacht. Der Geruch, welcher bei den Räumungsarbeiten dem Heuhaufen entströmte war ein stark brenzlicher. In einer Tiefe von % Meter kamen plötzlich einzelne fünfen zum Vorschein. Die Räumungsarbeiten konnten nun nur unter beständigem Zugießen von Wasser fortgesetzt werden und trotzdem war es nicht zu verhindern, daß im Freien iviederholt die offene Flamme aus dem Heu hervorschlug. Die Arbeiter konnten kaum einige Minuten in der Scheune verbringen, da sie in Folge der heftigen Gasausströmung, wahrscheinlich von Kohlenorydga^ fortgesetzt dem Ersticken nahe waren. Der Zustand solcher glühender Heumassen ist der einer wirklichen Koble mit Erhaltung der Struktur. Jedes Grasblättchen, jede Blüthe und Knospe, ist deutlich zu erkennen. Zerreibt man diese Gras-, bezw. Heukohle auf weißem Papier, io wird dasselbe schwarz gefärbt. Zur Bildung von Heukohle ist eine Temperatur von 300 Gr. erforderlich und es muß demnach in jedem selbstentzünderen Heuhaufen eine Temperatur in der besagten Höhe vorhanden gewesen sein. Diese hohe Temperatur im Innern des Haufens, deren Entstehungsbeginn offenbar in Gährungsvorgängen, und deren weitere Steigerung in fortschreitender chemischer Umsetzung der Bestandthcile des Heues begründet ist, wird nur verständlich, wenn man im Auge behält, ein wie unendlich schlechter Wärmeleiter dicht gesetztes Heu tfr, und namentlich wenn man bedenkt, daß in Folge dessen im Innern eines solchen Haufens fast sämmtliche durch die Zersetzung frei werdende Wärme sich anhäust, daß fort und fort nur Wärme zugeführt, daß aber nirgends sie abgeleitet wird. Es ist deßhalb von größtem Werthe, wenn nur vollständig trockenes und ebenso vollständig gedörrtes Hell geerntet wird unb zur Aufschichtung gelangt. Wie viele Schadenfeuer mögen schon auf diese Weise entstanden sein, als deren Ursache man böswillige Brandstistung zu Gruilde gelegt hat. Wenn auch nicht in allen Fällen derartige Schadenfeuer eiltstehen, so ist doch immerhin die größte Vorsicht bei der gegeilwärtig stattfindenden Heuernte zu empfehlen. Endlich sind sofort bei bemerkbar werdendem brandigen Gerüche in den Scheunen die erforderlichen Maßregeln zu treffen, so daß ein Aufgehen des Feuers rechtzeitig verhütet werden fnnn. Das Abräumen der Heuhaufen darf nur unter beständigem Uebergieße mit Wasser vorgenommen werden, da sonst zu leicht die glühenden Heu- halme in Heller Flamme verbrennen. Uebrigens ist die Gefahr einer Selbstentzündung nicht nur für feuchtes Heu vorhanden, sondern sie besteht auch für alle Stroharten, sobald diese in nassem Zustande in Scheunen aufeinander gehäuft werden unb ber Eingangs erwähnte Gährungs- unb spätere Verkohlungs-Proeeß ungehinbert staitfinben kann. Also nochmals Vorsicht! Sicheres Merkal ist einzig unb allein nur ber wochenlang vorher sich bemerkbar machende brandige (brenzliche) Geruch. E. W. Vermischtes. Frankfurt, 22. Juni. Das Interesse des Tages bildet hier, wie man ohne Uebertreibung sagen darf, der nächsten Montag vor devl Schwurgerichtshofe beginnende Proceß gegen den Schustergefellen Julius Lieske aus Zossen. Er ivird indeß nur für wenige Auserwählte zugänglich sein, da Niemand den Saal ohne Karte, die nur persönlich giltig ist, betreten darf, ans Furcht, es möchte möglicherweise um anarchistisches Attentat versucht werden. Infolge dieser Befürchtung wird das iLchwlKtzerichtsgebälldc sowohl, als auch die daran stoßenden Gebäulichkeiten eine Besatzung von Schutzleuten erhalten, während die Straßenzugänge von mehreren Zügen Infanterie abgesperrl werden sollen. Unter starker Bedeckung wird derjenige, um deswillen der ganze, große Apparat von Beamten. Bürgern und Soldaten in Bewegung gesetzt wird, dem Assisen- gebäude zugeführt werden, wo er des zum Beginne der Sitzung in dem Jnkulpaten- stüblein Aufnahme finden wird, dasselbe gleicht an diesem Tage einer Wachtstnbe, denn es wird von einer Abtheilung Schutzleute, die ebenso wie die übrigen im Hause ocr- theilten Sicherheitswachleute unter dem Commando zweier Cornmissare stehen, occupiN werden. Zeugen marschiren nicht weniger wie vierundfünfzig auf, während zwei Dutzend Berichterstatter an den für sie bestimmten Tischen Platz finden werben. Einer dieser Herren von der Presse, ein Berliner, welcher das Neuigkeitsbedürsniß der Vcfer- weit en gros befriedigen zu wollen scheint, hatte auch eine Druckerpresse als stummen Gast angemeldet, doch wurde ihm die Einführung dieses Mitarbeiters aus leicht begreiflichen Gründen ebensowenig gestattet, wie die Einsichtnahme der Anklageacte, bic bis zum Tage ber Verhandlung unter Schloß unb Riegel gehalten wird. Den Vorsitz bei der Verhandlung führt der hierorts vortheilhaft bekannte Landgerichtsdirector Dr. Leykauf, die Staatsanwaltschaft vertritt ihr erster Chef Herr Dr. Frehsee unb den Angeklagten vertheibigt Herr Dr. jur. Fester. Wehlheiben, 23. Juni. Daß bie Dummen nicht alle werden, beweist folgender ergötzliche Vorfall, der zur Genüge zeigt, wie sehr der Aberglaube noch eine Rolle spielt. Zu einem hiesigen Metzgermeister, der sich durch seinen urwüchsigen Humor auszeichnet, kam vor einiger Zeit eine Frau und klagte über heftige Zahnschmerzen. „Das verursacht mir keine große Mühe, liebe Frau, die Krankheit zu versprechen unb die Schmerzen zu lindern", entgegnete der biedere Schlachter, indem er das treuherzigste Gesicht von der Welt machte, „nur müssen Sie alles dasjenige, was ich Ihnen vorsage, wiederholen und meinen Anordnungen genau Folge leisten." Wie gesagt, so geicheben. Jetzt begann die (Zeremonie. Es wurde eine Anzahl spiritistischer Worte gewechselt unb dem armen Frauenzimmer außer Schweigen für einige Zeit noch eine Schwitzkur verordnet. Dies alles befolgte die Gläubige getreulich. Den Gruß ihrer Nachbarn erwiderte sie nur mit stillem Kopfnicken unb als ihr Mann zu Hause anlangte, bedeutete sie denselben nur» durch Zeichensprache, so daß ihr Ehegemahl ob dieses sonderbaren Benehmens wie aus den Wolken gefallen war. Endlich öffnet die theure Ehehälffc wieder ihren Mund und erzählte ihrem Gatten das Vorkommniß. Dieser, mit Rcäil erbost über die Dummheit seiner Gattin, machte derselben Vorwürfe. Sie erwiderte aber falt: „Hör uff — s hodd geholfen!" So geschehen im Jahre des Heils 188a. Ta nun diese Kur unzweifelhaft den gewünschten Erfolg gehabt hat, so möchten nm allen Denjenigen, welche an dem vermaledeiten Zahnschmerz leiden, empfehlen, lenen Helfer in der Noth zu confultiren, sie werden dann sicherlich sich bald von einem Saulus zu einem Paulus bekehren. 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