ler Pöscheh :s. ’Ueett f*e« Jäger- Söptllmtiger5 Naurateur. ÜH* essen. • äs. Mta.: es inten i nkkljers, ther - Vereia en". i eingdabm. Anfang 8 Uhr. _R* 5109 RetaOarbeiter > M, runnen. nit Musik. 13 Pfg. 5419 Comite. onrerl igel i !-(Garde- Nr. 23 so Pfg> ^gormann. Wohnung zu ver- le Aiijf*”' ZtzW StSSfe- kM KS°-»< . V- ull6> IWJ,,-' K.il-0«' tiltö V A)x iri. Zweites Blatt Sonntag den 26. Juli 1885 Gteßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint tAgH* nnt Ktrine&me deS MoniagS. ttorfu« t «chulftraße 7. Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Pttn-ettvtzn Dur» die Post be-ogen vierteljülirlich 2 IRarl M> Wochen - Uebersicht. GieHev, 25. Juli. Seit Anfang dieser Woche weilt Kaiser Wilhelm aus österreichischem Boden, in Wildbad Gastein, um dort, wie alljährlich, die in Ems gestärkte Gesundheit durch eine Nachkur noch zu befestigen. Gleichwie die Kur in dem lieblichen Lahnbad dem greisen Herrscher schon seit einer langen Reche von Jahren zu einem Bedücfniß geworden ist, so hat sich ihm auch die Nachkur in dein so herrlich am Fuße dec Salzburger Alpen gelegenen Badeorte zu einer liebqewonnenen Gewohnheit gestaltet und noch immer haben die Gasteiner Quellen ihre h.'ilkrästiqe Wirkung an dem greisen Monarchen geübt, und so wie Ems durch den Aufenthalt Kaiser Wilhelms schon längst ein historisch be- rüümter Name geworden ist, so gilt dies auch von Gastein und zwar in bei- nahe noch erhöhterem Maße, denn alljährlich pflegt ja die Gastemer Kur unseres Kaisers durch die Zusammenkunst mit seinem erlauchten Freund und Alliirten, dem Kaiser Franz Josef, ihren besonderen Abschluß zu erhalten. Auch in diesem Jahre wird diese traditionelle Begegnung zwischen den beiden Herrschern statt- finden und zwar in Gastein selbst, wo Kaiser Franz Josef wie jetzt ziemlich bestimmt aemeldet wird — aus seiner Fahrt zum österreichischen Schützenfeste in Innsbruck am 7. August einzutreffen gedenkt. Kaiser Franz Joses beabfid^ trat hierdurch seinem kaiserlichen Freunde die immerhin beschwerliche Fahrt nach Ischl zu ersparen, wo in den letzten Jahren die Zusammenkunft der beiden Monarchen erfolgte; trotzdem soll- Kaiser Wilhelm in seiner angeborenen Cour- toifie darauf bestehen, die Kaiserin Elisabeth und die Erzherzogin Valerie in Ischl zu begrüßen. w , Der politische Wellenschlag in den inneren Angelegenheiten des deutschen Reiches ist fortgesetzt ein sehr leiser und waltet die sommerliche Ferienruhe in der Politik ganz ersichtlich vor. Ein Gegenstand, welcher wochenlang von den Tagesblättern in oft erregter Weise besprochen wurde, der Studien-Erlaß des Paderborner Bischofs, dürste jetzt endlich von der Bildfläche verschwinden, da Bischof Dr. Dcobe den Erlaß, augenscheinlich in Folge einer von der römischen Curie ausgeübten Pression, endgültig zurückge- zogen hat. Auch ein anderes Thema, welches lange Zeit das öffentliche In« tereffe in Anspruch genommen hat, die braunschweigische Frage, ist jetzt endlich so erschöpft, daß sich ihm vorläufig keine neuen Seiten mehr abgewinnen lassen. Dafür liegt eine wirkliche Neuigkeit von Interesse vor: Der deutsche Botschafter i i Paris, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schilllngssürst, ist zum Statthalter von Elsaß'Lothringrn designirt und darf man der officiellen Bestätigung dieser Nachricht wohl demnächst entgegenjehen. Fürst Hohenlohe hat nicht nur während der 11 Jahre seiner ThäUgkeit als erster Vertreter des deutschen Reiches bei der französischen Republik Beweise hoher staatsmännischer Begabung und eines seltenen politischen Taktes gegeben, sondern sich auch schon früher in hervorragenden Stellungen bewährt, so namentlich als bayerischer Ministerpräudent und Minister des Auswärtigen nach 1866, in welcher schwierigen Zeit er sich groß-: Verdienste um die Entwickelung der bayerischen Politik in wirklich nationalem Sinne erworben hat. Seine Wahl zum Nachfolger des Feldmarschalls v. Manteuffel darf man daher wohl als eine glückliche bezeichnen und so wird hoffentlich je.ne Berufung aus dm ebenso schwierigen als verantwortungsreichen Posten des Statthalters von Elsaß-Lothringen den Beginn einer neuen glücklichen Aera für das Reichsland bedeuten. Das VI. allgemeine deutsche Turnfest in Dresden hat am Mittwoch mit der Preisvertheilung an die 36 Sieger seinen osficiellen Abschluß erhalten. Das Schiedsgericht verlieh dem ersten Sieger. Jennewein aus Stuttgart, einen Kranz und sin Diplom. Weitere Diplome haben Turner aus Wiesbaden, München, Reichenberg, Chemnitz, Frankfurt a. M., Mannheim, Leipzig, Wien, New-York rc. errungen. Das Fest selbst ist in schönster Harmonie — wenn man von dem bekannten durch einen Pesther Turnverein veranlaßten Zwischenfall absieht — verlaufen und war entschieden von nationalem Geiste durchweht; es hat gezeigt, daß derartige Feste denn doch noch nicht veraltet sind und daß sie besonders geeignet erscheinen, die geistige Zusammengehörigkeit zwischen den im Reiche wohnenden Deutschen und ihren Stammesbrüdern außer- halb der Grenzen des Reiches immer wieder hervorzuheben. Dies gilt auch von dem Dresdener Feste und namentlich hat die überaus herzliche Aufnahme, welche speciell den deutsch-österreichischen Turnern in Dresden zu Theil geworden ist, gezeigt, welch' inniges Band die Deutsch-Oesterreicher mit ihren Brüdern „draußen im Reiche" verbindet. Die vielfachen Beweise von Achtung und Sympathie, welche die Deutsch-Oesterreicher aus dem VI. deutschen Turnseste erfahren haben, werden sie jedenfalls anspornen, muthig in dem schweren Kampfe auszuharren, den sie gegen slavische und magyarische Vergewaltigung führen müssen. Der Berliner Maurerftrike ist im Sande verlausen und haben sich die Sinkenden veranlaßt gesehen, die Arbeit meist unter den früheren Bedingungen wieder aufzunehmen. Für die Arbeiter dürste — gleichviel, welcher Branche — der Ausgang des Berliner Maurerstrikes eine Warnung fein, nicht in frivoler Weise Arbeitseinstellungen zu provociren, deren Nachwirkungen sich auch unter den Strikenden noch lange fühlbar machen. _ ,r In Frankreich beherrschen die bevorstehenden Wahlen mehr und mehr die Situation und drängen auch das Interesse an den im Uebrigen ziemlich belanglosen Nachrichten aus Anam in den Hintergrund. Aus der Wahlbewegung ist die Rede, welche Clemenceau, Der bekannte güljrer Der Radikalen, am vergangenen Sonntag in Bordeaux gehalten hat, hervorzuheben. Darmstadt, 22. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 18) enthält: ~ ... 1. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885/86 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Mainz. 2 Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim in der Zeit vom 1. April 1885 dis 31. März 1886. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885/86 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Friedberg. 4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Bensheim. 5. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Darmstadt, die Erheoung einer Umlage zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt betreffend. 6. Dienstnachrichten: Am 30. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Spanier aus Bruchenbrücken eine Lehrerstelle an Der Gemeindeschule zu Rumpenheim, am 2. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Hermann Hausmann aus Obernheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gensingen übertragen; an dems. Tage wurde Der von dem Herrn Grasen zu Erbach-Schönberg auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindes'chule zu Gadernheim präsentirte Schulamtsaspirant Heinrich Dill mann aus Schönberg bestätigt; am 7. Juli wurde der provisorische Ausseher im akademischen Forstgarten Karl Dörmer aus Lich zum Fcrstgarten- Ausseber bei der Landes-Universität ernannt. 7. Dienstentlassung. 8. Dienstenthebung. 9. Ruhestandsversetzungen. 10. Concurrenzeröffnungen: In ihr ist das Programm der radikalen Partei enthalten, welches neben den bekannten radikalen Forderungen auch manche neue Punkte ausstellt, so namentlich was die von den Radikalen gewünschte auswärtige Politik anbelangt. In dieser Beziehung scheinen die Herren ziemlich friedfertiger Natur zu sein, Denn Clemenceau führte aus, daß seine Partei nicht an eine militärische Rache, sondern an eine friedliche Wiedervergeltung denke; mit solchen Gesinnungen ist sreilich den Chauvinisten an der Seine nicht gedient. Im Weitern ist noch erwähnenswerth, daß Clemenceau die Einigung aller Republikaner aus Grund eines gemeinsamen Wahlprogrammes für unmöglich erklärte; es wird also aus der geplanten großen einheitlichen Wahlaktion der französischen Republikaner wohl nichts werden. e .. An die aus dem Czarenreiche letzthin gekommenen Nachrichten über fortgesetzte Feuersbrünste in den russischen Städten und ungünstige Ernte-Aus. sichten gerade in den fruchtbarsten Gegenden Rußlands schließt sich jetzt noch eine schlimmere Hiobspost an. Im Wolgagebiet soll die sibirische Pest ausge- brochen sein und rasch um sich greifen. Vorerst Darf man nur hoffen, daß es sich blc§ um ein Gerücht handelt und daß zu demselben lediglich locale Krank'. Heilserscheinungen den Anlaß gegeben haben. Zwischen London und Petersburg hat in dieser und in voriger Woche ein lebhafter Depeschenwechsel stattgefunden, der sich um die neuen von Rußland wegen der afghanischen Grenzfrage gemachten Vorschläge drehte. Der „Morningpost" zufolge betreffen dieselben den Abschluß eines vorläufigen Uebereinkommens über die afghanische Grenze, während der streitige Punkt bezüglich Zulfikars noch in der Schwebe gelassen wird. Jndeffen wird die Bedingung gestellt, daß die Asghanen nicht eine Stellung besetzen dürfen, welche die einzige mögliche Weide für die russischen Truppen beherrschen. Eine solche Besetzung wird als eine gesährliche für die Aufrechterhaltung des Friedens betrachtet. Hiernach hinge also der europäische Friede an ein paar.— Gras' Halmen! — Das „Journal de St. Petersbourg" schreibt: „Die kühle Aufnahme, welche der von London aus erhobene Allarmrus überall gesunden, ließe die Annahme schwinden, als ob der Continent geneigt sei, jede von England erhobene. Beschwerde zu unterstützen. Die englischen Politiker müssen wissen, daß die Sympathien in viel' höherem Grade der Sache des Friedens gelten. „ . t Aus England ist als militärische Neuigkeit die Errichtung eines Freiwilligen-Corps der Marine zu melden. Der Marineminister Hamilton besichtigte dasselbe zu Liverpool; es ist die Bildung weiterer Freiwilligen- Corps der Marine projectirt, die Equipirung der eintretenden Freiwilligen übernimmt die Regierung. ~ u . Zum zweiten Male bringt der egyptische Telegraph letzt die Kunde vom angeblichen Tode des Mahdi. General Grenfell depefchirt aus Assuan in Oberegypten, daß nach ihm gewordenen Mitthellungen der Mahdi am 29. Juni an den Blattern gestorben sei. In den Londoner ReglerungSkreisen hat man jedoch noch keine lofficielle Bestätigung dieser Nachricht. — Die in Kassala, der zweitgrößten Stadt des Sudan, von den Rebellen eingeschlossene egyptische Garnison hat einen heftigen Angriff derselben siegreich zurückgewiesen und denselben große Verluste beigebracht. Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. B. mit einem Anfangsgchalt von 1000 Jl. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu Rockenberg mit einem Gehalt von 900 dl.__________________________ Uom sechsten deutschen Turnfeste. Dresden war in den Tagen vom 18. bis 22. Juli der Schauplatz eines glänzend gelungenen nationalen Festes, an welchem die deutsche Turnerschaft zugleich das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feierte. Den fünf Feststädten Coburg, Berlin, Leipzig, Bonn und Frankfurt a. M. hat sich Dresden in würdigster Weise angereiht. Die Stadt hatte sich zum Empfange der Gäste herrlich geschmückt und imposante Festräume und Turnplätze hergerichtet. In Hellen Schaaren waren die deutschen Turner nicht nur aus allen Gauen des deutschen Reiches, sondern auch aus Oesterreich, England, Holland, Italien, Paris, Belgien, Schweden, Norwegen, Finnland, Schweiz, Ungarn, Moskau und Petersburg, sogar aus Amerika und Australien herbeigeeilt, nm Zeug- niß dafür abzulegen, daß das Turnen überall, wo deutsche Männer wohnen, eine stark nationale Gewohnheit und ein Gemeingut der Nation geworden ist. Schon am Samstag boten die festlich geschmückten Straßen Dresdens ein belebtes Bild. Von allen Bahnhöfen kamen die Turnbrüder. Besonders glänzend gestaltete sich der Empfang der Oesterreicher, die auf 3 Elbdampfern ankamen und schon in Schandau, Königstein und Pirna herzlich begrüßt worden waren. Das zahlreiche Erscheinen der Oesterreicher bildete recht eigentlich das politische Element des Festes; sie waren gekommen, um neue Kraft für ihr deutsches Volksthum zu schöpfen und werden nicht nur selbst in gehobener Stimmung in ihre Heimath zurückkehren, sondern haben auch weithin Sympathien für ihre nationalen Bestrebungen verbreitet. Wer diese kräftigen Gestalten in strammer Haltung und fester Ordnung im Festzuge dahinschreiten sah, wird den Eindruck erhalten haben, daß dieselben sich ihr Deutschthum nicht verkümmern lassen werden. Der Druck, der jetzt auf ihnen lastet, hat bewirkt, daß sie allen früheren Hader unter sich vergessen haben und nur um so fester geeinigt dastehen. Der Festzug war einer der glänzendsten, die in den letzten Jahrzehnten gesehen worden sind und mit genialer Umsicht geordnet. Die Zahl der theilnehmenden Turner wurde auf 16- bis 20,000 geschätzt. Die Turnübungen auf dem Festplatze wurden in Gegenwart des säsischen Königspaares, sämmtlicher Staatsminister und der Spitzen der Behörden mit größter Präcision ausgeführt. Vor Allem boten die Freiübungen mit dem prächtigen Aufmarsch und sodann die Arm- und Handbewegungen, Kniebeugungen, Ausfälle von etwa 4000 Turnern das Bild höchster Vollendnng. Die Freiturner waren in 64 Reihen aufgestellt. An die Freiübungen schlossen sich die Musterriegen. Alles in Allem turnten 108 Riegen zu je 18. Die Hebungen auf Barren, Reck und Stab gingen sehr flott von Statten und ernteten rauschenden Beifall. Die Hebungen selbst dauerten am ersten Festtage von 4 Uhr Nachmittags bis gegen 9 Uhr, dann schlossen sich noch Spiele an. Am zweiten Festtage begann früh 7 Uhr das Wettturnen und Musterriegenturnen. Gerade diese Hebungen, an denen das Publikum das größere Interesse nahm, bildeten den eigentlich belebenden, belehrenden und erfrischenden Grundzug des festlichen Zusammenseins. Die Turntage in Dresden bekunden in erfreulicher Weise, daß überall, wo Deutsche wohnen, der Jüngling wie der Mann durch stetige Hebung und Ausbildung seiner Körperkraft nicht nur sich selbst, sondern auch dem Vaterlande zu dienen bestrebt ist. Mit Recht betonte der Oberbürgermeister Dr. Stübel, daß die deutsche Turnerschaft in erster Linie berufen erscheine, die Organisation allgemeiner deutscher Feste in die Hand zu nehmen, nationaler Feste, bei denen des Sängers Kunst natürlich nicht fehlen dürfe und an welchen Männer aller von treuer Liebe zum Vaterlande getragener Parteien, unbeschadet ihrer politischen Grundsätze, mit Freude sich betheiligen. Es würde ein bedauerlicher Jrrthum sein, wollte man annehmen, daß nach erfolgter politischer Einigung des Vaterlandes solche Feste entbehrlich seien, sie sind vielmehr nöthig, um nicht nur den Patriotismus zu beleben und die Verschiedenheiten der deutschen Stämme auszugleichen, sondern auch, um auf die vielfach entgegengesetzten Strömungen im politischen und wirthschaftlichen Leben des deutschen Volkes vermittelnd und versöhnend einzuwirken. Dieser Zweck ist vom sechsten deutschen Turnfeste in Dresden wirklich erreicht worden und die Einigung der deutschen Männer in erhebender Weise zum Ausdruck gekommen. Vermischte 4. * Hameln a. d. W. Während jetzt, am Höhepunkte der Reisesaison, der Rhein, der Harz, Thüringen oder andere Hauptziele der Touristenwelt überfüllt sind von all Denen, welche für eine kurze Zeit Erholung suchen, ist die Weser davon ziemlich unberührt geblieben. Unb doch verdient dieser Strom, namentlich in seinem oberen Laufe, von Münden bis Hameln, weit mehr als es bis jetzt geschehen ist, das Interesse des Touristen. Mag die Weser an Großartigkeit der Ufer, an imposanter Mächtigkeit des Stromes von dem Rhein übertroffen werden, sie ersetzt das reichlich durch die eigenartige Schönheit ihrer Hserlandschaften. Prachtvoll bewaldete Berge wechseln ab mit schroffen Felspartien, blühenden Städten nnb Dörfern und eine Dampferfahrt auf der Weser bietet des unerwartet Schönen so viel, daß Jeder, der ein offenes Auge für Naturschönheiten besitzt, im vollsten Maße befriedigt fein wird. Der Besuch des Wesergebietes ist durch eine neuerdings getroffene Einrichtung ganz wesentlich erleichtert, es werden an den Stationen Hannover, Cassel, Hildesheim, Münden, Göttingen, Hameln Rundreisebillets mit 25pCt. Fahrpreisermäßigung und 3 Taaen Gültigkeit ausgegeben, wodurch auch weniger Bemittelten die Möglichkeit eines Ausfluges in das herrliche Weserthal gegeben ist. Besonders empfehlenswerth sind die Touren von Cassel bezw. Münden per Dampfer nach Hameln, von da per Balm über Pyrmont, Altenbeken, Warburg nach Cassel zurück oder per Bahn nach Fürstenberg, einem der interessantesten Punkte an der Weser, weiter nach dem 1 Stunde entfernten Höxter mit der berühmten Abtei Corvey und von da per Dampfer nach Hameln und ebenfalls über Pyrmont, Altenbeken zurück. Die längere Dauer der Billets ermöglicht es, von Hameln aus Ausflüge in die prachtvolle Umgegend, namentlich nach deut Hermanns-Denkmal und den Ertern- steinen zu machen; jede Tour ist überaus lohnend und wird stets den Eindruck Hervorrufen, daß diese herrliche Landschaft noch lange nicht genug gewürdigt wird. — Waschbarer Kalkanstrich.) Nach den „Jnd. Bl." wurde I. Resenschek in München ein Patent auf die Herstellung waschbaren Kalkanstriches gegeben. Die hierzu verwendete Anstrichmasse besteht aus drei Theilen Kiesel, drei Theilen Marmorbruch und Sandstein, zwei Theilen gebrannter Porzellan-Erde und zwei Theilen gelöschten Kalkes. Beliebige mit Kalk verwendbare Farbstoffe werden beigesetzt; durch wiederholtes Begießen wird diese Mischung steinhart, ohne an Porosität zu verlieren. — [Das carrirte Ungeheuer.) Aus Antwerpen wird berichtet: Als Kläger erscheint der englische Kaufmann Berton und erzählt seine Abenteuer aus der Ausstellung. „Es war vor einigen Wochen, ich promenirte mit einem Freunde lind sagte, auf die halbfertige Ausstellung hinweisend: „Das ist rein nichts, schade um die Reise." Darauf stürzt Mynher van der Velde von seinem Kasten auf mich zu und prügelt mich unter allgemeiner Acclamation längere Zeit, wobei er unaufhörlich wüthend ruft: „Ich werde dich schimpfen lehren, carrirtes Ungeheuer!" Acht Tage konnte ich mich nicht rühren und da heißt man die Holländer ein ruhiges, friedliches Volk." Der Angeklagte meint erbittert: „Unsere Ausstellung ist tadellos, meine Leinengewebe machen Sensation, er schimpfte, da erwachte bei Patriot in mir und ich prügelte ihn. Vaterlandsliebe kann man Niemandem zum Vorwurf machen." Ter Gerichtshof ver- urtheilt den feurigen Holländer zu acht Tagen Arrest. Derselbe bittet um Strafaufschub bis nach Schluß der Ausstellung und motivirt dies mit den Worten: „Ich mutz den Fremden in der Ausstellung die Honneurs machen." Der Richter gewährt die Bitte und meint unter dem Beifalle des Auditoriums: „Aber nicht in derselben Weife wie Mr. Berton." — Viel Glück mag man einem Berliner Posamentier R. wünschen, der um die Erlaubniß nachgesucht hat, bet Magdeburg nach einem angeblich 1813 von Napoleon dort vergrabenen Krieasschatze suchen zu dürfen. N. will den Platz, wo derselbe ver graben fein soll (von seinem Großvater) ganz genau wissen. Die Commandantur hat dem Mann in der That die Erlaubniß zu Nachgrabungen unter der Bedingung ertheilt, daß er dieselben auf seine Kosten ausführen und den etwa aufzufindenden Schatz nach Abzug des gesetzlichen Finderlohnes an den Militärfiscus abliefern wird. Angeblich sollen 24 Kanonenrohre mit Gold gefüllt vergraben sein! Das Dorkommen von Diehsenchen im Großherzogthnm Hessen während des Monats Juni 1885. Rotzkrankheit: In Folge früherer Feststellungen der Seuche stehen noch als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung: 7 Pferde in Gießen, 3 Pferde eines Besitzers in Seligenstadt, 4 Pferde, von denen je 2 einem Besitzer gehören, in Klein - Krotzenburg 4 Pferde, von denen je 2 einem Besitzer gehören, in Offenbach; ferner stehen 2 Pferde eines Besitzers als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung und 1 Pferd desselben Besitzers als der Seuche verdächtig unter Stallsperre in Hainstadt, im Kreise Ostenbach. Außerdem stehen noch 4 Pferde eines Besitzers in Neckar - Steinach, im Kreise Heppenheim, als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung, weil sie mit einem rotzigen Pferde in Baden in Berührung gewesen sind. In Bürgel, im Kreise Ostenbach, wurde das noch vorhandene der Seuche verdächtige Pferd am 27. Juni getödtet und rotzig befunden. Milzbrand wurde festgestellt in Großen - Linden, im Kreise Gießen, am 30. Juni bei einem crepirten Rind, in Alsfeld am 7. Juni bei einem geschlachteten Rind, in Münzenberg nnd Garnbach, beide im Kreise Friedberg, am 2., bezw. am 16. Juni* bei je einem crepirten Rind, und in Viernheim, im Kreise Heppenheim, am 9. und am 14. Juni, jedesmal bet einem crepirten Rind; ferner in Schwickartshausen, im Kreise Büdingen, in Humrnetroth, Mittelkinzig und Hetzbach, im Kreise Erbach, bei Schweinen. Lung enseuche: In Kelsterbach, im Kreise Groß-Gerau, stehen noch in einem Stalle 3, in einem anderen Stalle 1 Stück Rindvieh wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung. Die Maul- und Klauenseuche wurde conftatirt im Kreise Worms in Osthofen am 26. Juni und in Abenheim am 27. Juni, ferner in Castel, im Kreise Mainz, am 30. Juni. Der Blächenaitsschlag in Alsfeld und Reimenrod, im Kreise Alsfeld, ist wieder erloschen. Fortbesteht die Seuche noch in den Orten des Kreises Alsfeld, Leusel, Angenrod und Schwabenrod, ferner in den Orten des Kreises Gießen, Queck- born und Reinhardshain. Conftatirt wurde die Seuche am 5. Juni in Hausen, im Kreise Offenbach. Die Räude gilt als noch vorhanden unter den Schafen in Villingen, int Kreise Gießen, in den Orten Wenings, Dauernheirn, Bergheim, Wallernhausen, Ranstadt, Eckartsborn und Lorbach, im Kreise Büdingen; in den Orten Eulersdorf, Eudorf, Heidelbach, Ruppertenrod und Merlau im Kreise Alsfeld; in den Orten Hörgenau und Maar, im Kreise Lauterbach und in den Orten Hlrichstein, Michelbach und Burkhards im Kreise Schotten. Iieirgebotenes. Linoleum 2 Meter breit, Deutsches und Englisches Fabrikat, pr. Meter Mk. 6 30 bis Mk. 7.30, beste Qualität. Emst Blödner, 5013_______Bahnhofstraße 12._______ Kuffenfleine, verkauft 4869___L. Chr. Rübsamen. Uhrfeder-Corsetts anerkannt tadelloser Sitz, sowie alle andern Arten Damen- u. Kinder- eorsetts von den billigsten bis zu den hochfeinsten empfiehlt in großer Auswahl Robert Haas, 1205________Seltersweg 18.______ Gute neue Kartoffeln werden verkauft. Kaplansgasfe 5. [5287 Allgemeiner Anzeiger. Herrn. Äug. Müller, Giessen, Seltersweg. 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