-rr Zweites Blatt Donnerstag den 25. Juni 1888 Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. •***« «*“'*”»* 7- «*•"» «««* ■* *a6n^me beä öbi«M4Ä ^-ljihrlfch Politische Uebersicht. Gießen, 24. Juni. Der Bundesrath wird in dieser Woche seine Session schließen UM demnach steht die Entscheidung in der braunschweigischen Thronfolge-Frage unmittelbar bevor. Voraussichtlich wird sich der Bundesrath im Sinne des preußischen Antrages entscheiden, aber mit veränderter Motivirung. Allem Anscheine nach ist dieses Resultat durch die Verhandlungen zwischen den einzelnen Regierungen erreicht worden, welche seit Wochen an Stelle der Verhandlung des Z»stizausschuffes getreten waren. Danach hätte die bevorstehende Berathung im Ausschüsse und im Plenum des Bundesrathes lediglich eine formelle Bedeutung und unterliegt es kaum einem Zweifel, daß die veränderte Begründung dem Wünschen des Reichskanzlers entsprechen dürste. Vergeblich waren offenbar abe Versuche, die von verschiedenen Seiten unternommen worden sind, den Herzog vom Cumberland zu einem formellen Verzicht auf Hannover zu bringen, durch welchen eine ihm günstige Situation geschaffen worden wäre. Auch Bayern geeint, nach osficiösen Äußerungen zu schließen, seine theilweise Opposition gegen dein preußischen Antrag wieder aufgegeben zu haben, was der bayerischen Regie- nung eine derbe Strafpredigt Seitens der „Germania" eingetragen hat. Der preußische Kriegsminifter Bronsart v. Schellendorss m«cht eine kaiserliche Cabinetsordre bekannt, welche anläßlich des Ablebens des GLneral-Feldmarschalls v. Manteuffel für sämmlliche Osficiere der Armee und bec Marine eine achttägige Trauer anordnet. Für die Ossteiere des 15. Armee- Lo-rps, des 1. Garde-Dragoner-Regiments und des rheinischen Dragoner-Regi- M'Nts Nr. 5 betragt die Trauer — Flor um den linken Unterarm — 14 Tage. Di-e Trauer um den General-Feldmarschall Frhrn. v. Manteuffel soll Überall beginnen, sobald die Trauer um den Prinzen Friedrich Karl beendigt sein wird. p;r letzteren hat am Sonntag in der St. Peters- und Pauls-Kirche zu Nikolskoe eine Gedächtnißfeier stattgesunoen. Die „Nation al'Zeitung" schreibt: „Gegenüber allerlei in der Presse austauchenden Vermuthungen über den Nachfolger des verstorbenen Feld- ma rschalls Manteuffel als Statthalter des Reichslandes wird uns geschrieben: Es wird bald der sächsische Kriegsminister v. Fabrice, bald der deutsche Botschafter in Paris, Fürst von Hohenlohe, bald Graf Otto Stollberg genannt. Wiir können mit Bestimmtheit versichern, daß von der Ernennung eines Nach- soLgers noch nicht die Rede ist und daß man die Ernennung auch nicht allzusehr beschleunigen werde. Man werde vielmehr das Rechte treffen, wenn man an- nirnimt, daß vorläufig die Rückkehr des Fürsten Bismarck abgewartet wird, der bamn erst dem Kaiser die erforderlichen Vorschläge machen dürste. Vielleicht ist es nicht ausgeschlossen, daß überhaupt bezüglich der obersten Verwaltung Elsaß- Lothringens ein anderer als der bisherige Weg beschritten wird. Dem deutsch-englischen Abkommen wegen der von Deutschland besetzten Südfee-Gebiete ist nun eine Verständigung bezüglich verschiedener afrikanischer Küsten Gebiete gefolgt. Das neueste englische Blaubuch enthält das hierüber zwischen Deutschland und England getroffene Abkommen. Wir heben au-8 demselben Folgendes hervor: England verpflichtet sich, an demjenigen Theile der Küstc und des Jnlanves von Guinea, der zwischen der Mündung des Rio delll Rey und derjenigen des Croßfluffes gelegen ist, keine Gebiets-Erwerbungen vorzunehmen. Dagegen verpflichtet sich Deutschland, in dem zwischen der Mün- bumg des Rio del Rey und der britischen Kolonie Lagos gelegenen Gebiete keine Erwerbungen zu machen; ebenso erklärt sich Deutschland bereit, die gegen das Hissen der englischen Flagge in Santa-Lucia-Bay eingelegte Verwahrung zurück- zuziehen uno an der Küste zwischen der Colonie Natal und der Delagoa-Bay feinte Gebiets-Erwerbungen zu machen oder Schutzherrschaften zu übernehmen. Luch verbleibt die Baptisten Gemeinde in Ambas-Bay (Kamerun-Gebiet) unter englischer Jurisdiction. Der Handel beider Länder in den beiderseitigen Schutzgebieten wird völlig gleichgestellt, auch die Behandlung der beiderseitigen Unter* Hanen in den Schutzgebieten soll eine völlig gleiche fein. Zölle sollen nur msioweit erhoben werden, als dies zur Deckung der durch die Uebernahme der Schutzherrschaft entstehenden Kosten für erforderlich erachtet wird. Die Zollsätze sollen so niedrig wie möglich bemessen werden, ohne jedoch an einen bestimmten HLchstbetrag gebunden zu sein. Die letzten Nachrichten über den Brünner Arbeiter strike lauten etwas friedlicher und hat ein Theil der Strikenden am Montag die Stilbeit bereits wieder ausgenommen. Hoffentlich bestätigt sich die anderweite Reibung, daß über die Arbeitszeit zwischen den Fabrikanten und den Urbeiter* jiÜhrern ein Ausgleich erzielt worden sei. Die Ruhe in der Stadt Brünn ist vollständig wieder hergestellt, das Militär wurde schon am Samstag aus den Süraßen wieder zurückgezogen und nur einige Kavallerie-Patrouillen durchstreiften zeitweilig noch die Arbeiterviertel. Die englische Cabinetskrisis scheint mit einem wunderlichen Cirkel- lmze endigen zu wollen. ES heißt, daß die Conservativen sich weigern, auf Grund der liberalerseits gemachten Zusagen die Regierung zu übernehmen und ■ gtoubt man, daß Gladstone die Leitung der Geschäfte wieder aufnehmen werde! Diieser Ausgang der Cabinetskrisis wäre gerade nicht allzusehr überraschend, beim am Ende hat Mr. Gladstone doch noch eher auf eine Majorität im Unter* jause zu rechnen, als Salisbury. Am Sonntag Abend fand bei Gladstone eiroie Berathung von hervorragenden Mitgliedern der liberalen Partei statt. Die dscrathung soll dem Vernehmen nach zu dem Beschlüsse geführt haben, die Zuge- Dündniffe, welche Salisbury von den Liberalen gefordert hat, nicht zu bewilligen. Hiernach zu urtheilen, müßte der Zusammenbruch des Cabinets Salisbury al- unvermeidlich betrachtet werden. Die politische Situation in Italien, wie sie durch den Sturz des Cabinets Depretis hervorgerufen worden ist, hüllt sich noch in undurchdringliches Dunkel. Vielfach wird die Ansicht ausgesprochen, daß mit der Ausscheidung MancinssS das Cabinet Depretis seiner Achillesferse los und ledig sei und nur einer partiellen Reconstruction bedürfe, um die Herrschaft der Lage zurückzuerobern. Im Verfolg dieser Conjectur läßt sich die „Neue Fr. Presse" aus Rom berichten, daß für die auswärtige Politik, die Justiz und die öffentlichen Arbeiten neue Männer eintreten sollen und Depretis das Portefeuille des Innern abgeben und nur den Vorsitz behalten würde. Der Umstand, daß König Humbert mit Minghetti, dem Führer der Rechten, ferner mit dem Pentarchisten Cairoli, sowie mit Nicotera und Farini Berathungen über die politische Lage gepflogen hat, scheint darauf hinzudeuten, daß Depretis nicht gewillt ist, die Bildung des neuen Ministeriums zu übernehmen. Er wird sich schließlich aber doch hierzu verstehen müssen, da er allein die politische Situation einigermaßen beherrscht. Einem in Hanoi umlaufenden Gerüchte zufolge soll Li-Bin* Phuoc, der Ches der Schwarz-Flaggen, von den Chinesen gefangen genommen und erdrosselt worden sein. Diese Nachricht ist indessen vorerst noch zu bezweifeln, denn es leuchtet nicht recht ein, warum die Chinesen dem Chef der Schwarz-Flaggen für die wichtigen Dienste, die er ihnen in Tongking im Kriege gegen die Franzosen geleistet, auf diese Weise gelohnt haben sollten. Die Verluste an Menschenleben während des Erdbebens in Kaschmir werden jetzt amtlich aus 3081 veranschlagt; außerdem sind etwa 70,000 Häuser zerstört worden. In der spanischen Hauptstadt haben am Sonntag Ruhestörungen stattgefunden, deren Bedeutung aber übertrieben worden ist. Neueren Nachrichten aus Madrid zufolge sind bei den Tumulten einige Verwundungen vorgekommen, zwei Personen sollen tobt fein, doch gelang die Zerstreuung der auf der Puerta bei Sol angefammelten Menge, die eine Demonstration wegen des Civil-Gouver- neurs von Madrid versucht hatte, ohne irgendwelche Schwierigkeit. Die Pro- Hamirung des Belagerungs-Zustandes erfolgte nicht. Es heißt indessen, daß auf dringendes Anrathen des Ministerpräsidenten Canovas del Castillo König Alfons die beabsichtigte Reife nach Murcia, dem Schauplätze der Cholera-Epidemie, vorläufig aufgegeben habe. Zur Warnung der Mütter. Von Dr. W. Holbrock. Bei dem Eintritt der heißen Jahreszeit wird — wie das in früheren Jahren leider immer, der Fall war — die leidige Brechruhr unter den Säuglingen wieder öfters auftreten und manch sorgliches Mutterherz mit Angst erfüllen. Man hat sich längst bemüht, die Ursache des Auftretens dieser bösen Krankheit, welche schon so viele Kleinen hinweggerafft hat, zu ergründen; allein eines der ärgsten und am häufigsten auftretenden Nebel, worauf die Entstehung der Brechruhe zurückzuführen ist, wurde bis jetzt noch nicht eingehend besprochen und gewürdigt, das ist: Die Saugflaschen mit Kautschukmundstücken. Diese Saugflaschen werden überall zum Verkaufe geboten, von unwissenden Hebammen als sehr praktisch empfohlen und haben — leider — eine allgemeine Verbreitung gefunden. Die am häufigsten verwendete Sorte zeichnet sich dadurch aus, daß der Kork derselben von einem Kautschukrohr durchbohrt ist, an dessen unterem Ende sich eine Glasröhre befindet, welche bis auf den Boden der Flasche reicht; an dem oberen Ende ist ein Gummimundstück vermittelst eines Porzellanzwischenstückes befestigt. Der angebliche Vortheil dieser Saugflasche soll darin bestehen, daß man dieselben neben den Säugling in dessen Bettchen legen kann, während man andere Milchflaschen, so lange das Kind trinkt, festhalten muß. Allein hierbei drängt sich uns doch die Frage auf: „Ist es denn eine so große Mühe, die Flasche täglich einige Male 10—15 Minuten lange zu haltend Wird eine gewissenhafte Mutter einen Säugling ohne Aufsicht mit der Flasche liegen lassen?" Der Hauptnachtheil, ja, sogar die absolute Gefährlichkeit dieser Art von ^aug- flaschen besteht jedoch darin, daß dieselben sich absolut nicht gründlich reinigen lassen. Denn sowohl an dem Kautschukrohr, wie in den Poren des Korkes setzten sich bei jedesmaligem Trinken kleine Milchtheilchen an, die zuerst gerinnen und sich nach kurzer Zeit zersetzen und sauer werden. Wenn man einen ganz kleinen Theil dieses Ansatzes unter das Mikroskop bringt, so kann man das Vorhandensein zahlloser Bacterien entdecken, welches auf einen Zersetzungs- und Fäulnißproceß schließe läßt. , r . . _ . Der Säugling schluckt bei jeder Mahlzeit eine Masse dieser winzigen Organismen mit hinunter; die Zersetzung findet in dem Munde, der Speiseröhre und dem Magen reiches Material und hierdurch entsteht — die Brechruhr. _ _ Viele Mütter glauben den Anforderungen dadurch zu genügen, daß sie die ^aug- flasche und das Mundstück mit Wasser ausspülen. Allein jeder gewissenhafte Arzt wird uns bestätigen, daß das Ausspülen, ja, sogar das Einlegen des Saugapparates in Wasser durchaus nicht genügt. Zwar verkaufen einzelne Geschäfte mit diesen Saugflaschen auch kleine Drahtbürstchen, allein auch diese genügen keineswegs, weil der Trinkapparat sogar durch ein mehrmaliges Durchziehen der Bürste noch lange nicht genügend gereinigt ist. Auch werden sich nur wenige Mütter der Muhe unterziehen, innerhalb 24 Stunden die Saugflasche, das Rohr und das Kausschukmundstück acht- bis zehnmal gründlich zu reinigen, und wenn man dieses Ansinnen nun gar an eine Wärterin stellen wollte, was wäre dann zu erwarten? Ein weiterer Nschtheil dieser Saugflasche, welche neben das Kind gelegt und nicht hochgehalten wird, ist der, daß — weil keine Luft in die flasche an Stelle der ausgesogenen Ntilch dringen kann — allmählich ein luftverdunnter Rauni über der Milch entsteht, welcher mit jedem Moment das Saugen erschwert und schwächliche Kinder oft derart miuibet, daß sie die Saugflasche endlich fahren lassen, ehe ihr Durst gestillt deßhalb allen Müttern, welche nicht stillen können und also gezwungen sind, das Kind mit der Flasche zu ernähren, die größte Sorgfalt in Betreff roöifen^ie und Klauenseuche in Stadecken, im KreiseMainz, wo 14. April, und in Rüsselsheim, im Kreise Groß-Gerau, wo sie am 22. AprU m worden war, ist wieder erloschen. 12 und * Constatirt wurde die Seuche im Kreise Dieburg in Lengfeld am Lt- der Auswahl und Reinhaltung der Saugflaschen. Am besten eignet sZ eine gewöhnliche Glasflasche mit abzuschraubendem gläsernem Mundstuck; indessen kann man auch Kautschukmundstücke nehmen, welche drrect über den Hals der Flasche gezogen werden; man bohrt an die Spitzen derselben ein kleines Loch und legt sie, wenn das «.ind gesättigt ist, nach sorgfältigem Ausspulen stets m frisches „kaltes Wasser. Em erfahrener Kinderarzt empfahl das trockene Abreiben dieser Mundstucke nut Salz. Auch ist es nützlich, dasselbe Mundstück nicht allzu lange im Gebrauch zu behalten, sondern öfters d^rch em nc^es^u 9J[uttcrj die «roßte Aufmerksamkeit auf diesen hochwichtigen Punkt zu verwenden^ denn leider wird derselbe oft für geringfügig ge- halten, und doch ist es längst statistisch erwiesen, daß die Entstehung der Vrechruhr unter zehn Fällen neunmal auf derartige Unterlassungssünden zuruckzusuh^n,rst. Das Kind der Bauersfrau, welches mit der einfachsten Trinkflasche gefuttert wird, bl bt Von Neuem conftatirt wurde die Seuche im Kreise Alsfeld m Reim nr 10. Mai, in Angenrod am 23. Mai und m Schwabenrod am 31. »>, Gießen in Qncckborn am 12. Mai und tn R-mhardsham am 18 JK« UJ, Die Räude gilt als noch vorhanden unter den Schafe» mRmgelch, Villingcn, im Kreise Gießen, in den Orten Wenings, Dauernheim, Hausen, Ranstadt, Eckartsborn, Mittclgrundau und Lorbach, B Eulersdorf, Eudorf, Ruppertenrod und Merlau, rm KreisefAlssc», Hörgenau, im Kreise Lauterbach, und m Ulrichstcm, Diilchelbach un° ■ouny Kreise Schotten. Raibach am 20. Mai. , . h it Der Bläschenausschlag des Rindviehes rn Alsfeld und -em , Kreise Alsfeld, wo er am 24. bezw. 29. April festgestellt worden war, ist noch constatirt. Dasselbe wurde am 11. Mai auf polizeiliche Anoronuug getomn, andere Pferd desselben Besitzers wurde als der Seuche verdächtig unter ötaUlpmi im isrotzyerzogihum 21- 1 gestellt. Im Zusammenhänge mit dem Seuchenausbruch in Bürgel wurden feriier01; - 18 (21,7) und 23 (22,6). gCr Ansteckung verdächtig unter polizeiliche Beobachtung gestellt m Offenbach 4 Mid £ von welchen je 2 einem Besitzer gehören, und in Klein-Krotzenburg 2 Pferde cmes W sitzers. Hierzu wird bemerkt, daß das fragliche rotzkranke Pferd Ende ^cbruai do. einem Leinreiter aus Klein-Krotzenburg veräußert und, bevor es nach Bürgel veuau wurde, mit den 4 Pferden in Offenbach in Berührung gewesen ist. - jn Hams °o im Kreise Offenbach, wurde 1 Pferd eines Lemreiters bei der angeordneleiil Keo 10. verdächtig befunden und unter «stallsperre gestellt. Dre übrigen beiden Pferde dessctbc. Besitzers stehen als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung. Milzbrand wurde festgestellt: Im Kreise Friedberg am 1. Mm tu ©(jnw heim, am 15. und 24. Mai in Wisselsheim, am 16. Mar rn Fauerbach und ar 18. Mai in Oppershofen; im Kreise Gießen am 5. Mm m Gießen und am U- u in Lich; im Kreise Alsfeld am 21. Mai in Eulersdorf; rm Kreise Lauterbach a_ 14. Mai in Maar; im Kreise Büdingen am 12. Mal rn Hirzenhmn md m 18. Mai in Schwickartshausen. Der letztangeführtc Seuchenfall wurde an nner crepirten Schweine constatirt, sämmtliche übrigen an je einem creputen Lungenseuche: In Folge früherer (Scmftahrung ftanben 3u Seg Monats Mai noch unter Sperre bezw. polizeilicher Überwachung rn Kclsterda«. Kreise Groß-Gerau, 1 Stück Rindvieh als der Seuche, ui1 bemjelben iioä 3 in einem weiteren Stalle eines als der Ansteckung verdächtig unter po 5 obachtung. Das der Seuche verdächtige Thier wurde am 15. Mm auf W Anordnung getödtet. Die übrigen smd den angeordneten Maßnahmen noch u — In dem Gasthofe Quisisana auf der Insel Eapri, der in weiteren Kreisen durch Spielhagens gleichnamige Novelle bekannt geworden ist, befindet sich, wie die „Mittheilungen für Autogr." berichten, ein in seiner Art interessantes und ergötzliche schriftliches Denkmal. Es ist nichts mehr und nichts weniger als ein — Rauchverbot, ein halber Bogen Papier, der ursprünglich als Plakat angeheftet und in den vier Weltsprachen: Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch abgefaßt war. Ta bas Plakat sich nicht unter Glas befand und noch viel leeren Raum zeigte, wurden diesen ersten vier Inschriften von Gästen bald noch andere hinzugefügt. Das Rauchverboi wurde in allen europäischen sprachen erneuert, ja, auch die Dialecte Plattdcutscii. Provencalisch, Neapolitanisch u. a. wurden hinzugeholt und auch Malayisch, Arabisch, Persisch, Chinesisch, Sanskrit, Aramäisch, Hebräisch u. s. w., ja selbst die Sprache der Kavaii von Neuseeland fehlen nicht. Eine Federzeichnung, welche das Rauchverbot inkflasche gefüttert wird, bleibt I graphisch darstellt, sollte vielleicht Analphabeten irgend einer Natron das Verständmß .tvulu ucl rStadtkind in Folge der Benutzung des allzu des Plakats vermitteln; ein Holländer hatte den schnurrigen Einfall, sem Rauchverbot SidÄ M°n prüfe d-ßhalb aus Buchstaben zusammen,ufetzen welche aus lauter hallandstchen Tabakpse,scheu g. ä n t und b-bK- das B-st-, - denn für die hülflasen Babies ist das Beste formt finb. Als ein deutscher Anhänger Gab-lsb-rg-rs sich bemuß.gt glaubte, ,e,ne ’ 91‘~««in wirb ui« nur jedes Mutterherz sondern auch jeder Arzt mit dachgenossen in der ihnen geläufigen Schrift daraus aufmerksam zu machen, da« «e nur gut genug, yrerrn wrro maji «ui i^-> v 0, ^er ben Genuß einer Cigarre versagen mußten, fanden sich bald em Stolzeaner uns ubcreinftlmmen. _ ■ --und darauf ein Arendsianer, welche dem angefeindeten System auch die Alleinherrschaft - " . . . . . auf Capri nicht gönnen wollten; französische, englische und ungarische Stenographen Berwrscyrev. I Iiegcn sich auch nicht nehmen, sich auf dem Blatte zu verewigen. Und so ist denn dieses unschuldige Plakat mit seinen etwa 150 Inschriften eine ptece autographe von vielleicht ebensoviel Personen geworden. Vom Standpunkte des Autographensammlers betrachtet, ließe es sich vielleicht sogar bedauern, daß nicht auch die Unterschriften der einzelnen Tabakfeindc binzugesetzt wurden, denn es wäre gewiß nicht ohne Interesse, an ihnen festzustellen, daß sich auch hervorragende Gelehrte — wahrscheinlich ui erster Linie englische Linguisten — an diesem polyglotten Scherze betheiligt haben. Der halte Bogen ist natürlich nunmehr bis in das letzte Eckchen bekritzelt und wird feyt, nachdem er, wie das vergilbte, vielleicht sogar verräucherte Aeußere beweist, lange frei gehangen hat, als interessante Reliquie unter Glas aufbewahrt. — (Vacante Stellen für Viilitäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.' Biebrich, Postamt, Postschaffner, 800 X Gehalt und 240 X Wohnungsgeldzuschux jährlich Braunfels, Arresthausverwaltung, Gefangeuwärter, 450 X jährlich und freie Dienstwohnung. Cassel, Eisenbahnbetriebsamt Cassel (Directionsbezirk Hannover). 2 Canzlei-Assistenten, anfänglich je 75 X pro Monat, steigend bis zu 1950 X jdbrlid). Gaffel, Garnisonverwaltung, etatmäßiger Caserncnwärter, 600 X jährlich, Deputate an Feuerungs- und Beleuchtungsmaterialien und freie Wohnung. Frankfurt u. M., Postamt 1 bezw. 8, 3 Stadtpostboten, je 750 X Gehalt und 240 X Wohnungsgelü zuschuß, jährlich steigend. Daselbst, Postamt 1, 6 Postschaffner, je 800 X Gehalt unb 240 X Wohnungsgeldzuschuß, jährlich steigend. Daselbst Telegraphenamt 2 Briq- träger, Gehalt wie vor. Daselbst, Postamt 8 bezw. 4, 5 Posftchaftner, Gehalt wie vor. Daselbst, Bahnpostamt 19, 3 Postschaffner, Gehalt wie vor. Daselbst, Gerichts gefängniß, ständiger Hülfs-Gefangenaufseher, 1170 X jährlich Remuneration, steigend. Daselbst, Vorstand des Frankfurter DroschkenverbandeS, Droschkenaufseher, Ansangs- gehalt von 60 X monatlich. Jchterhausen, Dircction der Gefängmßanstalten, 2 Aufseher, je 90 X monatlich während der Probezeit, später zunächst 1200 X iahr ick. Limburg (Lahn), Postamt, Neudietendorf, Bahnpostamt 6, Wiesbaden, Postamt, W- schaffner, 800 X Gehalt und 240 X Wohnungsgeldzuschuß jahrUch. Marburg. Hebammenlehr- und Entbindungsanstalt, Hausdiener, 780 X Gehalt lahrlich und Dienstwohnung. Pößneck, Postamt, Landbriefträger, 540 X Gehalt und <2 X Wohnungsgeldzuschuß jährlich. anderer 1 (1). Berlin, 19. Juni. Seit heute Vormittag ist für alle Berliner Bauten, Privatbauten sowohl wie städtische und Staatsbauten die Arbeitseinstellung der Maurer allgemein durchgeführt. Obwohl einzelne Meister bereits den höheren Tagelohn von fünf Ältark beivilligt haben, kehren die Gesellen zu ihnen einstweilen noch nicht zuruck, die Arbeit soll vielmehr erst dann wieder aufgenommen werden, wenn alle Meister die Lohnerhöhung bewilligt haben. Gestern Abend haben bereits einige Ruhestörungen stattgefunden, die aber schnell durch polizeiliches Einschreiten unterdrückt worden sind. Für die Vollendung des Baues der einen der vier großartigen städtischen Markthallen, die noch in diesem Jahre dem Betrieb übergeben werden sollten, ist diese Arbeitseinstellung recht hinderlich. Darmstad t. (Sterblichkeit im Großherzogthum Hessen.j Im Monat Marz l.^. wurden ausweislich der bei den Kreisgesundheitsämtern ausgestellten vorläufige sichten im Großherzogthum im Ganzen 2164 Todesfälle .(ausschließlich der ^odt- geborenen) verzeichnet gegen 2080 in dem auf eine dem Berichtsmonate gleiche Tageszahl gebrachten Februarmonate. Auf die Provinz Starkenburg entfallen hiervon 919 (im Februar 833), auf Oberhessen 591 (516) und auf Rheuihesseii1 654 (734) Im Großherzogthum überhaupt betrug die Sterberate des Berichtsmonats 22,2 gegen 21,4 im Februar und in den Provinzen Starkenburg 22,3 gegen 26,3, ui Oberheffe 21," gegen 18,9 und in Rheinhessen 22,6 gegen 2a,4 Von der Gesammtzahl der Sterbefälle des Großherzogthums mit 2164 betrafen Kinder, unter 15 Jahren, 857 (rm Vormonat 861), von diesen waren innerhalb des ersten Lebensjahres verstorben 469 und im Alter vom zweiten bis fünfzehnten Jahre 388; der LllterSkategorie der Erwachsenen aebörten zu 1307 (1219). Die Sterberate der Kinder war der des Vormonats mit 24 8 gleich geblieben, während die Sterberate der Erwachsenen wie gewöhnlich rm Monat März und zwar von 19,3 auf 20,9 gestiegen war. Von den Provinzen hatte die höchste Kindersterblichkeit Rheinhessen mit 29,2, dieselbe hatte sich indessen gegen den Vormonat, in dem sie über 36 betragen hatte, erheblich vermindert; ui Starkenburg belief sich die Kindersterblichkeit im März auf nahezu 24 gegen 22 tm Februar unb in Oberbessen auf 22 gegen 17. Die Sterberate der Erwachlenen war ui Starken- bÜrg vou 20 auf 21in Oberhessen von 20 auf 22 gestiegen, in Rheinhessen aber von 20 auf 19 heruntergangen. — An epidemischen und ansteckenden Krankheiten ivaren im Monat März 199 Personen verstorben gegen 168 in dem um drei Tage kürzeren Februar, davon kamen auf Starkenburg 80 (54), auf Oberhessen 50 (28) und auf Rheinhessen 69 (86) und nach der Art der hierher zahlenden Krankheiten auf Masern 51 (44), auf Diphtherie 51 (31), auf Croup 29 (21) - auf beide Krankheiten zu- iammen 80 (52) - auf Scharlach 16 (13) auf Keuchhusten 26 (21), au Abbommal- typhus 9 (15), auf Wochenbettfieber 10 (10) und auf Rose 7 (8). infolge anderer Krankheiten oes Wochenbetts waren verstorben 8 (9) Frauen. Die Todesfälle an anderen wichtigeren Krankheiten wiesen in allen Rubriken des Schemas eine sehr erhebliche Zunahme gegenüber den Ergebnissen im Monat Februar aut. Lungenschwindsucht brachte 319 Sterbefälle gegen 251, akute entzündliche Krankheiten der Athmungs- ----. organe 290 aegen 271, Gehirnschlagfluß 66 gegen 39, acuter Gelenkrheumatismus 7 NorKoMMM V0N UtthstucheN lM Grotzher?0gthUM HtsskN gegen 0, und Darmkatarrh und Brechdurchfall 34 gegen 26. Allen übrigen Krank- y n beiten erlcaen waren 916 Personen gegen 807 im Vormonat; nicht ermittelt wurde die wahrend des NtonatS JJiai iööo. tödtliche Krankheit bei 280 (264) Sterbefällen. Gewaltsamer Art^war der Tod in Rotzk rankh eit. In Folge früherer Feststellungeii.der Seuche stehen noch al; 45 (44) Fällen, darunter sind durch Verunglückung 22 (21), durch iLelbsimord 22 (21) I ber Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung: 7 Pferde ui Gießen, 3 Pfe und durch Verbrechen anderer 1 (2) verzeichnet. eines Besitzers in Seligenstadt und 2 Pferde eines Besitzers tn Klem-Krotzenbuig, Im Monat April l. I. machten sich erheblich günstigere Sterblichkeitsverhaltmsse Kreise Offenbach. , . Ä t r . nui bemerkbar, als in dem vorhergehenden Monate, insbesondere in den Provinzen Starken- Um 8. Mai wurde in Bürgel, irrt Kreise Offenbach, der Rotz bei unan W bura und Oberhessen. Es wurden nur 1932 Todesfälle im Großherzogthum un Ganzen | constatirt. Dasselbe wurde am 11. Mai auf verzeichnet. Davon kamen auf Starkenburg 774 (919), auf Oberhessen 486 (591) und auf Rheinhessen 672 (654), und es betrug die Sterbeziffer im Großherzogthum 20 (22,2) und in den Provinzen nach ihrer Rangfolge 19 (22,3) - 1. V” . Von den Verstorbenen im Großherzogthum im Ganzen gehörten 838 (8o7) den unter 15jährigen, Kindern, zu; unter diesen waren vor Vollendung des ersten Lebensiahres verstorben 485 (469) und im Alter vom zweiten bis fünfzehnten -fahre 353 (388); über 15 Jahre alte, Erwachsene, wurden unter den Verstorbenen gezahlt 1094 (13071. Bei den Kindern betrug die Sterberate 24 (24,8) und bei den Erwachfenen 17,5 (19,3). Von den Provinzen hatte Rheinhessen eixe durch Zunahme der ^terbefälle im crften Lebensjahre erhöhte Kindersterblichkeit als im Vormonate, 34 gegen 29, in Starkenburg hatte sich die Kindersterbeqnote von 24 auf 22 vermindert und tn Oberhessen von 22 auf 18. Die Sterbequote der Erwachsenen betrug im April in Starkenburg 17 gegen 22 im Vormonat, in Oberhessen 18 gegen 22 und in Rheinhessen 18 gegen 19. Sterbefälle an epidemischen und ansteckenden Krankheiten wurden bei erheblichem Rückgang der Sterbesälle durch Masern, Diphtherie, Scharlach und Wochenbettfieber un Großherzogthum überhaupt verzeichnet 157 (int Vormonat 199). Davon entfallen auf dte Provinzen Starkenburg 64 (80), Oberhessen 31 (50) unb Rhemhefsen 62 (69) und auf die einzelnen hierher rechnenden Krankheitsformen, als: Masern 38 (al), Diphtherie 39 (51), Halsbräune 27 (29), — Bräunekrankheiten zusammen 66 (80) — Keuchhusten 23 (26), Abdominaltyphus 11 (9), Scharlach 7 (16), Rose 7 (7) und Wochenbettfieber 5 (10). Andere Krankheiten des Wochenbetts veranlaßten 8 Sterbefalle wie im Vormonate. Die übrigen für die Beurtheilung des Gesundheitszuftandes wichtigen Krankheiten wiesen dem Vormonat gegenüber einen zum Theil erheblichen Rückgang der Sterblichkeit auf. Lungenschwindsucht veranlaßte nur 283 Todesfälle gegen 319 im März, acute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane 283 gegen 290, Gehirn- fchlagflutz 53 gegen 66, acuter Gelenkrheumatismus 4 gegen (; die sterbesälle an Darmcatarrh und Brechdurchfall beliefen sich auf 37 und kaum höher als im Vormonat mit 34. Allen übrigen Krankheiten erlegen waren nur 796 Personen gegen 916 im Vormonat; nicht ermittelt wurde die tödtliche Krankheit in 276 Sterbefällen gegen 280 im März. Todesfälle gewaltsamer Art ereigneten sich im Berichtsmonate 35 (45) und zwar durch Verunglückung 17 (22), durch Selbstmord 17 (22) und durch Verbrechen Anfertigung von Herren-, Damen- und Kinderwäsche, Herrenhemden mit 3 fach leinenen Einsätzen von v4L 3.— an. 606 Tadelloser Sitz garantirt. Herm. Aug. Müller. Allgemeiner Anzeiger. Normal-Hemden, Jacken und Hosen nach Svstem Professor Dr. Jäger, für Damen und Herren, sowie alle Arten Hemden, Jacken und Hosen, in Seide, Wolle und Baumwolle, Socken, Leibbinden, Jagdwesten, gestrickte, gewebte und geknotete Filetjackeu ttt allen Größen und Weiten empfiehlt 2837 _ m4®XfT?ttnä,Unlbi“iB | 2 Ziegen erfragen Licherstr. 3, Fr. Textor, Hardt. I neben dem Schützenhof. 4645 Kleiderstoffe! um rasch zu räumen, zu 1 $ nehmbaren Preise. Herrn. Aug. Müller. Baar \ Hlnüöertroffenes Aabrikat zum Stärken der Wäsche cti EMIL FISCHBACH » GIESSEN. NB. Reparaturen werden schnell und billigst ausgeführt. 3963 Dr. A. Mettenheimer 4*085 L. 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Da die Gastfreundschaft unserer Mitbürger sich schon bei so vielfachen, verschiedenartigen Gelegenheiten in hervorragender Weise gezeigt hat, so glauben wir fest, daß hier, wo es sich darum handelt, Männer der Wiffenschaft in würdiger Weise aufzunehmen, unsere Universitätsstadt in keiner Weise hinter anderen Orten zurückbleiben wird. Wir sind deshalb der festen Ueberzeugung, daß Sie uns gerne für unsere werthen Gäste die nöthigen Wohnungen gegen entsprechende Vergütung oder gratis zur Verfügung stellen werden und bitten Sie, dieses einem der unterzeichneten Ausschußmitglieder direct oder bei dem demnächstigen Umgang mittheilen zu wollen. Albach, Baift, Bansa, F. Bapst, Dr. Buchner, L. Bücking, Dr. Dornfeiff, F. Gail, L. Georgi, I. Haustein*), Dr. v. Helmolt, M. Homberger, H. Leib, Dr. Molly, Ad Noll, August Noll I., L Petri II., L. Petri III., Dr. Pitz, L. Plank, Scherer, Schupbach, Silbereifen, Spamer, Uhl. 4680 ») Herr I. 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